Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Erhält Rendsburg einen ArrLohsf? 
Zur Neuordnung des Gütcrkraftwagen - Fernverkehrs im ganzen Reich — 288 Rendsburger Last 
kraftwagen ans den Güterstraßen - Rendsburger Ortsmittelpunkt nnd Nahzone für den Gnterkrast- 
r rhr — Laderaumverteilungsstelle und Güterkrast-Speditcnre im Rendsburger Wirtschaftsgebiet 
Der Kamps zwischen Kraftwagen und Eisenbahn, 
er Konkurrenzkampf im Güterverkehr, ivurde 
urch das Gesetz über den Güterfernverkehr mit 
Kraftfahrzeugen mit dem 1. April 1686 beendet, 
^rr Reichsbahn steht nunmehr der neue Reichs- 
rastwagenbetriebsverband mit seinen 26 Laderaum- 
rerteilungsstellen als Betreuer des privatwirt- 
Ņftlichen Güterfernverkehrs als ebenbürtiger 
Verkehrsträger gegenüber. 
Mit dem l. April 1636 muß sich mit einer gewissen 
Anlaufzeit der Rendsburger gewerblich betriebene 
'üterkrastverkehr auf die Neuregelung umstellen. 
z; 5 gibt in Zukunft außer der Zubringer-Spe- 
'tion nur noch einen genehmigungspflichtigen 
Ņter - Kraftverkehr, und innerhalb eines Orts- 
teises von 50 Km, der sogenannten Rendsburger 
'ahzone, den Güterkraft-Nahverkehr. Für die Bc- 
ànzung der Nahzone wird für Rendsburg ein 
Drtsmittelpunkt durch die Polizeibehörde festgelegt, 
^tte mit über 100 000 Einivohnern erhalten meh- 
^te Ortsmittelpunkte. Jedes der für den gewerb- 
ìchen Güter-Nah- und -Fernverkehr fahrende Kraft 
fahrzeug muß und darf nur einen Standort haben. 
Wieviel von den 239 Rendsburger Lastkraftwagen, 
îe bisher in alle Gegenden des Reiches Güterlasten 
^fördern konnten, zum neuabgegrenzten Güter- 
Ņah- oder -Fernverkehr zugelassen werden und die 
^czeichnung „Güter-Nah- od. -Fernverkehr Rends- 
sUrg" bekommen, ist erst nach einer gewissen Um- 
ņellungsşrist zu sagen. In Rendsburg gibt es wei- 
nach dem Reichsadreßbuch der Spediteure vier 
Speditionsfirmen, darunter ein Kraftwagen-Spedi- 
^ur, die als Ortsvertreter und -Vermittler mit 
°er zuständigen Laderaumverteilungsstelle zusam 
menarbeiten. lAutomöbelwagen, die besonderen Be- 
îîimmungen unterliegen, sind ausgenommen.) 
Mit der Zulassung aller im Reichskraftwagen- 
^etriebsverband zusammengefaßten Mitglieder (Uu- 
'îrnehmer des Güterkraftverkehrs) zu den bereits 
^ bestehenden Laderaumverteilungsstellen wird sich 
Zahl der zur Verfügung stehenden Lastzüge 
2600 auf etwa 12 000 erhöhen. Für den heimi 
schen Wirtschaftsbezirk befindet sich in Kiel eine 
^aderaumverteilungsstelle. Güterkraft - Fernunter- 
ņehmer gibt es bisher in rd. 100 Orten, die aber 
Ebenso wie die Laderaumverteilungsstellen auf die 
doppelte Zahl von Städten ausgedehnt werden 
sollen. Im Rendsburger Wirtschaftsgebiet befinden 
sich Güterkraftspeditcure für den Fernverkehr vor 
erst nur in Neumiinster und Kiel. DeS weiteren 
aber schließt die Laderaumverteilungsstelle mit den 
ortsansässigen Kraftspediteuren Fahrverträge für 
den Güternahverkehr ab, Stückgüter und Ladungs 
güter werden von den Kraftwagen des Fernver 
kehrs über 2,5 To abgeholt und zugestellt. Im 
übrigen aber bleibt die Abholung und Zustellung 
der einzelnen Güter vom oder zum Standort des 
Fernlastzuges oder Ortsmittelpunktes den Rends- 
burger Spediteuren, Fuhrunternehmern und Kraft 
fuhrunternehmern des Güternahverkehrs überlassen. 
Güterstraßen im Sinne des Güterkraftfernverkehrs 
sind im heimischen Witschaftsgebiet die Strecken: 
Schleswig—Husum—Rendsburg—Neumünster. Kiel 
—Neumünster—Hamburg, die regelmäßig befahren 
werden. Für die Orte, die nicht von dem alltäg 
lich befahrenen Gütcrstraßennetz des Fernverkehrs 
berührt werden, wird eine Sammelgut-Ladungs 
stelle eingerichtet. Für die weitere Entwicklung 
werden den Bedürfnissen entsprechend Autohösc 
eingerichtet. Bis jetzt bestehen acht Autohöfe als 
Treffpunkte der Fernlastzüge. G. Wdm. 
ReichskraftMKgen-BetriebsverSand 
erhält seine Satzung 
Nach der Genehmigung des Reichskrastwagen- 
tarifs hat der Reichsverkehrsminister in Ausfüh 
rung des Güterfernverkehrsgcsetzes jetzt auch die 
endgültige Satzung des Reichskrafnuagen-Betriebs- 
verbanbes erlassen. Die Satzung tritt an die Stelle 
der bisher geltenden „Verordnung über den vor 
läufigen Aufbau des ReichSkraftwagen-Betriebsver- 
bandes vom 21. September 1935. Die neue Satzung 
enthält die für den organisatorischen Aufbau des 
Verbandes notwendigen Bestimmungen über Mit- 
Barrertàrîcht von der Geest 
Eine Westostfahrt quer durch Holstein bietet für 
den praktischen Bauern besonders in dieser Zeit 
allerlei Sehenswertes. Während in der Regel bis 
weit in den Mai hinein die hohe Geest mit ihren 
schnellwüchsigen Böden der Vegetation in Ost und 
West bedeutend voraus ist, konnte in diesem Jahr 
sogar das Umgekehrte, wenigstens zwischen Geest 
und ostholsteinischen Lehmböden festgestellt werden. 
Sogar unsere Spezialsrucht, der Winterroggen, ist 
auf den schweren Böden in diesem Jahr besser ent 
wickelt, als bei uns. Vielleicht liegen die Gründe 
dafür in den starken und vielen Nachtfrösten, unter 
welchen mir hier mehr zu leiden hatten, als in 
jenen Gebieten. Das Gleiche trifft, soweit beobachtet 
werden konnte, für Weiden. Wiesen und Kleeschläge 
zu. Die Sommersaaten sind allgemein gut und 
schnell aufgekommen. Desgleichen der Samen für 
Steckrüben. In vielen Gebieteil konnte man dabei 
feststellen, daß die „Heinkcnborsteler" weiteren und 
vermehrten Anbau gefunden hat. Auf der Geest sind 
die zuerst gesetzten Frühkartoffeln bereits aufge 
laufen,' haben natürlich, soweit sie nicht geschützt 
iverden konnten, auch Schaden durch Frost gelitten. 
Weit schlimmer würde sich der Frost natürlich bei 
fortgeschrittener Blattentmicklung der Pflanzen 
ausgewirkt haben. 
Raps und Rübsamen stehen unmittelbar vor der 
Blüte. Im Vorjahre ivurde dabei an dieser Stelle 
berichtet, daß ein größeres Rapsfelö während der 
Hauptblüte starken Frost bekam und daß ein alter 
Praktiker dazu behauptete, daß der Frost der Ent 
wicklung der Blüte und ihrer Befruchtung nicht von 
Schaden sei. Nach Befragung hat sich in diesem Fall 
herausgestellt, daß der Alte Recht hatte. Qualität 
und Menge überstiegen das Mittelmaß und blieben 
hinter Gebieten ohne Frostfülle nicht zurück. — 
Ueberall begegnet man vermehrten Jungviehbe 
stünden, besonders in den jüngeren Klassen. Größer 
wieder noch als im Vorjahre ist auch die Zahl der 
tragenden Stuten und der bereits geborenen Saug 
fohlen. Das Verwerfen dabei beschränkt sich auf 
lokale Gebiete. Allgemein kaun von einer Seuche 
dieser Art, soweit bescheidene und persönliche Beob 
achtungen ergeben, nicht die Rede sein. 
Unsere Heideimker rüsten bereits zur Wanderung. 
Auch die Saatrübenfelder in Heinkenborstel und 
Nindorf werden in diesem Jahr mehr von ihnen 
bevölkert werden, als bisher. — Auf dem Gebiet 
der Geflügelwirtschaft begegnet man überall weite 
ren Fortschritten, sowohl hinsichtlich der Anlage 
neuer Ställe als auch in der Haltung und Auf 
zucht von Leistungsarten und schärferer Kontrolle 
der Leistung. Das bis dahin konservative Festhalten 
am guten alten Land- oder Mischhuhü hat mehr 
und mehr abgewirtschaftet. 
gliedschaft, Geschäftsführung und Finanzgebahrung. 
Sie bilden naturgemäß nur den Nahmen, inner 
halb dessen sich die weitreichende Tätigkeit des 
Verbandes abspielen soll. Die Aufsichtsrechte der 
zuständigen Ministerien sind festgelegt, sie sollen 
aber der freien Beweglichkeit und Selbstverantivort- 
lichkeit deö Verbandes und des zu seinem Führer 
berufenen Präsidenten keine engen Fesseln anlegen. 
Bei der Ausübung der wichtigsten Funktionen steht 
dem Präsidenten ein von ihm mit Zustimmung des 
Reichsverkehrsministers zu berufender Beirat zur 
Seite, der sich aus besonderen Sachkennern zusam 
mensetzen wird. 
Pflügen 20 leichter durch 
elektrifizierten Boden 
Neue Untersuchungen an Werkzeugen 
zur Bodenbearbeitung 
Die Max-Eyth-Gcsellschaft zur Förderung der 
Landtechnik hielt in Berlin eine Max-Eyth-Gedeuk- 
seier ab. Im Rahmen der wissenschaftlichen Vor 
tragstagung sprach Dr. A. Brummenbaum (Berlin) 
Uber die Bedeutung der Landtechnik einst und jetzt. 
Aufgabe der Landtechnik sei es, die in der Land 
wirtschaft entstehenden Verluste zu vermindern, 
Erträge zu steigern und das Risiko zu verringern. 
Die Maschine solle nicht etwa Ursache des Ersatzes 
von Menschenarbeit sein, sondern solle als Hilfe 
dort auftreten, wo Menschen nicht mehr zur Ver 
fügung stehen. Das gelte vor allem für die Fälle, 
ivo Spitzenbelastungen auftreten, deren Bewälti 
gung man getrost der Maschine überlassen kann. 
Professor Dr. Kühne, München, sprach über neue 
Untersuchungen an Werkzeugen zur Bodenbearbei 
tung. Besonders bemerkenswert waren die Auf 
schlüsse über neuere Forschungsarbeiten zur Herab 
setzung des beim Pflügen auftretenden Arbcits- 
wiöerstandes durch Zuführung kleiner Elektrizitäts 
mengen niedriger Spannungen zum Boden. Nach 
den Ausführungen des Redners ist es gelungen, 
bis zu 20 vH der Zugkraft beim Pflügen dadurch 
zu ersparen, daß die am Pflugrahmen isoliert an 
gebrachten Werkzeuge an die beiden Pole einer 
Gleichspannung gelegt werden und der Boden im 
Augenblick des Umpflügens vom Strom durch 
flossen wird. Durch Anwendung dieses Prinzips 
dürften beim Pflügen mit einem Motorschlepper, 
der mit einem kleinen Stromerzeuger, etwa in der 
Größe einer Auto-Lichtmaschine, ausgerüstet werden 
müßte, erhebliche Ersparnisse an Motortreibstofs 
gemacht werden. Ueber Landmaschinengestaltung seit 
Max Eyth referierte dann Dr. W. Knolle, Berlin. 
Toni Zaggler / 
Nachdruck verboten. 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Mauz, 
München. 
Junge Liebe. 
^lieber das Geröllfeld herab kommen zwei 
Kläger. Im Latschenfeld unten verschnaufen sie 
kurz. • 
^„War ein heißer Gang heute", meint der 
Förster Hellweger zu seinem Jagdherrn und 
fahrt sich mit der flachen Hand über das 
lchweißüberronnene bärtige Gesicht. 
„Man spürt halt auch den Sechziger lang 
em", erwiderte der Angeredete lachend und 
rückt an seinem verwaschenen Filzhütel über 
dem schlohweißen Haar. Es ist Gras Brugg 
stein, der Pächter dieser an die 20 000 Tag 
werk umfassenden Hochjagd. 
Bor vielen Jahren hat Gras Bruggstein das 
Tommerschloß Wandeck zu einem Liebhaber 
preis erworben und die Jagd von der Ge- 
weinde gepachtet. Die Leute nennen ihn gern 
den Bauerngraf, manchmal auch den Major, 
weil er außer auf der Jagd fast immer in 
Uniform geht. Er erscheint mit seiner Tochter 
ledes Jahr, wenn es Frühling wird, bleibt 
den Sommer über, bis der erste Schnee fällt, 
Um dann den Winter in der Stadt zu verbrin 
gen. Die Bauern des Dorfes Sintsüach rech- 
Uen den Grafen durchweg zu den Eingeses- 
şencn. Sie haben ihm das Ehrenbürgerrecht 
Uerliehen, haben ihn im Trachtenverein und 
Dtännergesangverein „Bruderherz" zum Eh- 
penvorstand ernannt, haben den jüngsten 
Tohn des Grafen mit goldenen Lettern in die 
Erinnerungstafel für die auf dem Felde der 
^hre Gefallenen meißeln lassen. Und manche 
stehlen ihm auch gelegentlich das Wild im 
Äald. 
Die beiden setzen ihren Gang fort durch den 
Meißen Hochsommertag. Eine drückende Hitze 
"tütet über den Bergen, der Himmel ist hoch, 
Uur einzelne, ganz kleine, weiße Wolken 
Ichwimmcn im tiefen Blau. 
Kein Laut zu hören in der weiten Runde, 
^ur fernher das Rauschen eines Bergbachs, 
pt heisere Schrei eines Habichts und dazwi- 
şchen ab und zu ein klirrender Ton, wenn die 
spitze des Bergstocks auf einen Stein trifft. 
^Bald haben sie den schattigen Wald erreicht, 
üe tiefer sie kommen, desto lauter wird es um 
ste her. Verlorenes Herdengeläut klingt her- 
püf, ein Heller Jodelruf schlägt an ihr Ohr, 
"er von irgendwoher erwidert wird. Jetzt hebt 
şugar eine Ziehharmonika zu singen an,' da 
mischen lustiges, Helles Lachen und das 
^kämpfen schwergenagelter Schuhe. 
Das kommt von der Steindlalm, deren Hüt- 
îendach bereits durch die Lücken der Bäume 
schimmert. 
. »Kehren wir ein wenig zu?" fragt der För 
ster. 
Graf Bruggstein nickt und schiebt den Hut 
Hochlaņdsroman von Hans Ernst 
ein wenig aus der Stirne. „Eine kurze Rast 
und ein kühler Trunk könnte nicht schaden bei 
dieser Hitze", meint er und steuert ans die 
Hütte zu. 
Als sie eintreten, verstummt mit eincm- 
mal die Musik und alle blicken sich betroffen 
au. 
„Nur weitermachen", sagt der Graf und 
lehnt den Bergstock und Büchse in einen Win 
kel. „Ich sehe es gern, wenll junge Leute lu 
stig sind." 
Unter den jungen Leuten ist auch Juta von 
Bruggstein, die Tochter des Grafen. Sie hat 
soeben mit dem Zaggler-Toni einen Schuh 
plattler getanzt und nun stehen sie alle beide 
verlegen da und die andern Mädchen und 
Buben kichern verstohlen. 
„Na, so mach doch weiter, Toni", sagt der 
Graf. „Wirst dich doch nicht vor mir genieren." 
Nein, der Toni ist wirklich nicht so schüch 
tern. Er nimmt das feine Grafenmädel herz 
haft um die Mitte, dreht sich mit ihm ein 
paarmal im Kreis, läßt es dann los und be 
ginnt zu platteln. Jetzt tun auch die andern 
wieder mit und es ist ein Gejodel und 
Schnackeln und Stampfen in der Hütte, daß 
Boden und Fenster zittern. 
Die Sennerin bringt unterdessen den bei 
den Jägern Milch und schiebt ihnen den Brot 
laib hin. 
Nun ist der Plattler zu Ende und Juta 
kommt an den Tisch, noch stark vom Tanz er 
hitzt. Sie ist ein Mädel von erfrischender Na 
türlichkeit. Das Gesicht, von der Sonne ge 
bräunt, zeigt ein klar und schön geschnittenes 
Profil. Das dunkle Haar trägt sie in zwei 
schweren Zöpfen, die von zwei hellblauen Sei- 
deuschleifeu lose zusammengehalten über der 
Brust baumeln. Ihr blaukariertes Dirndlkleid 
unterscheidet sich uur im Schnitt ein wenig von 
dem der anderen Mädchen. Kein Mensch hätte 
in diesem schlichten, ungezwungenen Mädchen 
die Tochter des Grafen Bruggstein gesucht, von 
dem man sagt, daß er unermeßlich reich sei und 
am Bodensee noch ein Schloßgut und in Un 
garn große Waldungen besitze. 
Nicht ohne geheimes Wohlgefallen mustert 
der Graf seine Tochter, während er umständ 
lich eine kurze Pfeife in Brand steckt und da 
zu ürummelt: 
„Also hier verbringst du deine Sonntag 
nachmittage?" 
„Ja, Vater." Sie wischte sich mit ihrem Ta 
schentuch über die glühende Stirn. „Der Toni 
kann einem ordentlich warm machen." 
Der Zaggler Toni, ja. Hinten auf der Ofen 
bank sitzt er nun und seine Augen funkeln 
vor Ucbermut und Lebensfreude. Er ist mit 
seinen neunzehn Jahren eine (gestalt wie aus 
Eisen gefügt, strotzend von Kraft und Jugend. 
Seine nackten Knie sind verrissen von Narben, 
die verraten, daß Toni beim Klettern über die 
Felsen um seine Haut nicht sehr besorgt ist. 
König Fuad beigesetzt. 
In Kairo fand unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung die Beisetzung des 
verstorbenen Königs Fuad 0. von Aegypten statt. (Scherl Bilderdienst, K.) 
Da steht der Lechner Silvest neben ihm, wie 
ein Kind einer südländischen Rasse. Ein Zug 
von finsterer Verschlossenheit liegt um seinen 
Mund, und unter dem Schatten, den die dunk 
len, in dicken Büscheln vorfallenden Haare 
über die Stirne werfen, binnen ein paar tief-, 
liegende Augen mit düsterem Feuer. 
Der Lechner Silvest unterhält sich sehr ange- •[ 
regt mit einem auffallend hübschen Mädchen, 
das ihre blonden Haare wie eine Krone um 
die Stirn gelegt hat. Es ist die Monika vom 
Brandlhof, eine reiche Baucrstochter. Sie gibt 
dem Silvest nur kurze, knappe Antworten, 
läßt ihn dann plötzlich stehen und setzt sich zum 
Toni aus die Bank. 
Toni nimmt keck ihr Schürzenband, wickelt 
es zuerst um seinen Finger und bindet es 
dann an seinem Hosenträger fest. 
„So", sagt er lachend. „Jetzt kannst schau'n, 
wie du wieder wegkommst von mir. Was ich 
einmal hab', laß ich nimmer so leicht aus." 
Silvest steht daneben und seine Augen wer 
den ganz klein. Seine Schwester, die Burgl, 
tritt neben ihn und sagt: 
„Was machst denn schon wieder für ein Ge 
sicht? Du verdirbst einem die ganze Lustbar 
keit." 
„Freilich, von dir werd' ich mir vorschreib'n 
lassen, was ich für ein G'sicht zu machen hab'." 
Die gereizte Stimmung kann sich im Augen 
blick entladen. Da nimmt aber der Holzknecht 
seine Zugharmonika und beginnt zu spielen. 
Der Toni tanzt mit der Monika, der Silvest 
holt sich die Juta und Burgl tanzt mit einem 
jungen Schweizer von der Nachüaralm. 
Graf Bruggstein und der Förster sehen noch 
eine Weile zu, dann winkt Bruggstein der 
Sennerin und sagt: 
„Ist kein Bier im Keller? Dann gib' mal 
den jungen Leuten ein paar Flaschen." 
Er wirft ihr ein Geldstück hin und greift 
nach seinem Bergstock und Gewehr. 
„Komm nicht zu spät heim", sagt er zu sei 
nem Müdl, während es an ihm vorbeitanzt. 
„Brauchst keine Angst haben um mich, 
Vater. Ist doch der Toni bei uns." 
Lachend gehen der Förster und Graf Brugg 
stein aus der Hütte. Schweigend wandern sie 
eine Weile durch die Gluthitze des Sommer 
tages, bis der schattige Wald sie aufnimmt. 
Hinter ihnen tönt das Jauchzen und Lachen 
der tanzlustigen Jugend her. 
„Das Mädel hat Leben", sagt Graf Vrugg- 
stein schmunzelnd. „Die schlägt mir nach. 
Wenn es einmal Zeit ist, such' ich ihr einen 
Mann und das Paar soll mir Leben und Kin 
der ins Haus bringen. Es wird sonst allmäh 
lich einsam um mich." 
„Wenn ich auch so reden könnte", antwortet 
der Förster ein wenig gedrückt. 
(Fortsetzung folgt.).
	        
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