Hinter den Kulissen des Nordmark-Landestheaters
Eine ereignisreiche Spielzeit unseres Norü-
mark-Landestheaters hat mit dem Wegener-
Gastspiel ihren würdigen Ausklang gefunden.
Wir haben die Darsteller, die uns im gleißen
den Rampenlicht manche schöne Stunde berei
tet haben, kennengelernt. Der Zuschauer ge
nießt jene unterhaltsamen Theaterabende und
nimmt sie auf, aber er weiß meistens nicht,
welche ungeheure Vorarbeit geleistet werden
muß, um die Aufführung eines Bühnenwerkes
ermöglichen zu können, die bei der Eigenart
einer Wanderbühne auf besondere Schwierig
keiten stößt. Dem Laien erscheinen die Vorgän
ge hinter den Kulissen als sinnverwirrendes
Durcheinander von Menschen und Material.
Unternehmen wir einmal einen kurzen Gang
durch die Räume des Bühnenhauses, die dem
Zuschauer unbekannt und fremd sind.
Da sind zunächst die einzelnen Büroräume
der Intendanz und Dramaturgie. Es ist Auf
gabe des Dramaturgen, alle neueinlaufenöen
Bühnenwerke zu prüfen und die für eine Auf
führung geeigneten Stücke vorzuschlagen. Das
ist schon keine allzuleichte Aufgabe, wenn man
bedenkt, daß alltäglich Material eingeht. Die
letzte Entscheidung über die Annahme ist der
Intendanz vorbehalten. Ist ein Drama nun
angenommen, wird von dem betreffenden
Spielleiter, der das neue Stück in Szene setzt,
ein Besetzungsvorschlag gemacht. Dabei zieht
er sich oft den Unbill der darstellenden Kräfte
zu, denn jeder Schauspieler ist ängstlich darauf
bedacht, daß ihm der Kollege keine Rolle weg
spielt. Ist das dann geregelt, kann die eigent
liche Arbeit für die bevorstehende Aufgabe be
ginnen. Der Bühnenbildner entwirft die Bil
der und Kostüme und gibt dem Bühnenmeister
die näheren Anordnungen zur Ausführung
der Dekorationen. In den Werkstätten des
Theaters wird nun geschreinert, gehobelt, ge
bastelt. Aus Sperrholz entstehen Bäume, Fel
sen, Kamine, Treppen, Türme, Fabrikschorn
steine, Tische, Stühle, aus kaschiertem Leinen
Madonnen, Buddhafiguren, riesige Vasen und
was es alles noch gibt. Alles überflüssige Ma
terial früherer Dekorationen wird wieder ver
wandt. Schmieriger wird die Arbeit schon,
wenn aus diesen Holzabfällen kunstvolle Ro
kokostühle, barocke Ornamentverzierungen, ein
Empire-Ofen, eine prächtige Hausbar, ein
Attrappenflügel oder Harmonium gezimmert
werden soll. Aus der Schreinerwerkstatt wan
dern die Dekorationen in die Malerei. Sind
die Dekorationen fertig, beginnt der Aufbau.
Das Bühnenbild muß bei jeder Aufführung
zentimetergenau aufgebaut werden, wie es bei
der Dekorationsprobe festgelegt wurde. Ver
gegenwärtigen wir uns einmal einen Umbau
während einer Aufführung, um zu verstehen,
welche präzise Arbeit hier von den Technikern
geleistet wird.
Bühne frei! Umbau! Das ist der Ruf, der
nach jedem Aktschluß ertönt. Die Schauspieler
hasten in ihre Garderoben, der Vorhang ist
gefallen. Und nun rennt und quirlt es auf der
Bühne durcheinander. Wände und Säulen
schwanken. Männer im graubraunen Staub
mantel befestigen Pfeiler und Türen auf dem
Boden. Im Hintergründe füllt die Rückwand
eines Palastes und die Attrappe einer Wald-
wiese wird hochgezogen. Der Requisiteur rennt
mit seinem Requisitenkorb auf die Bühne, ent
nimmt ihm Gläser, Flaschen, Zigarren, Ta
baksbeutel — ja ganze Mittag- und Abend
essen. Vom Schnürboden herab senken sich
Hirschgeweihe, Kronleuchter und Rundhori
zont. Der Inspizient rückt rasch noch einige
Stühle zurecht — und dann heißt es „Umbau
fertig". Die Darsteller nehmen ihre Plätze ein,
und der Vorhang hebt sich über einem völlig
neuen Bild.
Austritt! Los! Von der Beleuchterloge wird
das blaue Lichtzeichen gegeben. Der Inspizient
klingelt, das Licht im Saal erlischt. Der In
spizient ist der geplagteste Mensch am Theater.
Verpaßt der Darsteller einen Auftritt, bläst
der Musiker ein eis anstatt c, geht ein Schuß
zu früh los oder kräht ein Hahn, wenn ein Lo
komotivenpfiff ertönen muß, soll die Heldin
am Aktschluß ermordet werden — es kommt
aber nicht so weit — und fällt in diesem Au
genblick der Vorhang nicht rechtzeitig, immer
trifft den Inspizienten die Schuld. Aehnlich er
geht es dem Requisiteur. Es soll ein Samowar
besorgt werden — und es ist keiner aufzutrei
ben. Wehe ihm, wenn am Abend der Auffüh
rung nicht der Samowar da ist. Nervenaufrei
bend auch die Arbeit des Garderobiers. Im
letzten Augenblick reißen dem jugendlichen
Helden die Knöpfe seiner Uniform ab. Also
rasch wieder annähen. Unterdessen stürzt der
Bonvivant herbei, weil die Frackschleife nicht
sitzt, und der Komiker drängt, daß ihm sein
Bauch umgehängt wird, während der Helden
vater bemerkt, daß seine Hose noch nicht auf
gebügelt ist.
Auf Gastspielfahrt. Zwei Autobusse quälen
sich durch verschneites Oeöland. Die Fenster
sind undicht, die Darsteller erkältet, und drau
ßen im Flachlande prescht kalter Ostwind.
Fünf Stunden Fahrt bis zum Ziel, einem
kleinen Hotel einer kleinen Stadt. Freudlos
vergehen die Stunden, denn man ist müde,
hundemüde. Gestern Aufführung, heute Probe
bis 2 Uhr und jetzt auf Fahrt. Morgen wird
man beim ersten Morgengrauen wieder zu
Hause sein, sich einige Stunden ins Bett legen
und wieder auf den Brettern, die die Welt be
deuten, stehen. Es ist kein angenehmer Beruf,
denn wenn der Zuschauer nach der Aufführung
den heimatlichen Penaten zueilt und längst
schlafen gegangen ist, hockt frierend auf ver
schneiter, einsamer Landstraße ein Häuflein
Menschen, während der Chauffeur an den
Zündkerzen seines Wagens herumexperimen
tiert.
All die mühevolle Arbeit ficht den Künstler
nicht an, wenn die Aufführung wohl gelungen
ist und er für den ihm geltenden Beifall dan
ken darf. Nur soll der Zuschauer nicht verges
sen, daß alle die Arbeitskameraden, die für
ihn nicht sichtbar im Rampenlicht stehen, auch
ein gutes Teil zum Gelingen jedes Werkes
beigetragen haben.
Dr. H. Thielmann.
Max Eyth
Zum 100. Geburtstag
vonDr. Schade.
Zum Vorläufer und Bahnbrecher, Arbeiter
und Mahner für eine bessere Zeit wurde die
ser am 6. Mai 1836 im Württembergischen
Donaukreis liegenden Städtchen Kirchheim ge
borene Sohn des Professors Eyth.
Seine Eltern erzogen ihn zum fröhlichen
Auch die Marienburg wird Schnlungsburg.
Wie Reichsorganisationsleiter Dr. Ley bei der Eröffnung des Lehrbetriebes auf
der Ordensburg Vogelfang ausführte, werden die Junker nach dem Durchlaufen
der drei Ordensburgen noch ein weiteres halbes Jahr auf der Marienburg in Ost
preußen verbringen. Unser Bild zeigt die berühmte Burg, die einst der Sitz des
deutschen Ritterordens, auch heute noch ein Bollwerk deutschen Behauptungswil
lens in Osten ist. jSelle-Eysler, K.)
Menschen mit dem ernsten Trieb, etwas zu
leisten. Schon als Student löste er drei wissen
schaftliche Preisaufgaben. Nachdem er hinter
dem Schraubstock harte, praktische Arbeit ge
leistet hatte, kam er mit 24 Jahren nach Paris.
Dort sollte er das Geheimnis der Grasmaschi
nen kenen lernen. Es folgten Monate der
Entbehrung und Not. Keine Arbeit findend,
ging er auf Wanderschaft. Durch die Rhein
lande über Belgien nach England. Dort wird
er erst Schlosser, dann Dampfpflugführer.
Durch verschiedeue Erfindungen gelangte er
bei seinem Lehrherrn Fowler in Ansehen und,
obwohl erst 25 Jahre alt, wird er mit der Lei
tung einer Maschinenausstellung in Aegypten
betraut. Dort wurden Entwässerungsanlagen,
Zuckerrohrhackmaschinen, Mühlen und Boden
bearbeitungsgeräte benötigt. Der junge Eyth
hatte es hart dort getroffen. Er mußte die Un
wissenheit der Eingeborenen, die die Maschi
nen bedienten, überwinden, mußte gegen In
trige, Unkultur und Neider ankämpfen, aber
er setzte sich durch. Bei einem Wettpflügen mit
Weltfirmen siegte Eyth. Zwanzig Jahre diente
er seinen englischen Unternehmern. Seine
Wege führten ihn nach Venedig, Wien, Ruß
land, Deutschland, Frankreich, Belgien und
Nordamerika. Durch Neid und Mißgunst wird
er seiner Stellung verlustig. Er geht wieder in
die Heimat und schlägt seinen neuen Wohnsitz
in Bonn auf. Dort verwirklicht er den gewal
tigen auf der Reise von England nach Deutsch
land entworfenen Plan, für das gesamte deut
sche Vaterland eine Gesellschaft der Landwirt
schaft entstehen zu lassen. Er wurde somit Vor
läufer des heute im Reichsnährstand gänzlich
verwirklichten Zusammenschlusses, indem er
am 14. Mai 1884 die Gründung der Deutschen
Landwirtschaftsgesellschaft (DLG.) vollzog.
Nach englischem Vorbild fanden regelmäßig
Ausstellungen statt.
Max Eyth schrieb zur Frankfurter Ausstel
lung:
„Was ich schaffen möchte, soll das Gegenteil
einer Ausstellung in gewöhnlichem Sinne des
Wortes werden: Harte, ehrliche Arbeit aller
Beteiligten vom ersten bis zum letzten Tag,
die Lösung schwieriger Aufgaben, die in keiner
anderen Weise anzupacken sind, als wo das er
forderliche Material zusammengeführt werden
kann, eine durch viele Jahre fortgesetzte
Reihenfolge solcher Studien- und Arbeitstage,
in denen mehr Schweiß vergossen als Bier und
Wein getrunken, mehr still beobachtet und ge
lernt als gelehrt und geschwatzt wird, die kei
ner verlassen sollte, ohne in Kopf oder Tasche
einen Sack neuen Saatgutes für die eigene
Wirtschaft nach Hause zu nehmen."
Unter Eyths Führung wuchs die Gesellschaft
Jahr für Jahr. Später wird Eyth Schriftstel
ler und wurde als solcher bekannt und beliebt.
Eyth war ein echt deutscher Idealist, der nicht
rühm- oder geldgierig war und seine Heimat
über alles liebte. Er sagt von sich selbst: „Man
kann ein Mann ohne Ar und Halm sein, wie
ich es heute noch bin, und doch am heimischen
Boden hängen wie ein echter Bauer."
Untcv haitun
Beilage der Schleswiq-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Mittwoch, den 6. Mai 1936
einen elektrisch betriebenen Nagelreiniger er
funden und ein Gedankenhörrohr. Außerdem
schuf er das Verjüngungsmittel „Ewige Ju
gend" sowie das Sonnenheizsystem „Kohlfurt"
(Kohlen fort!).
Als ich Schmudicke neulich besuchte, saß er
bis an die Ohren in Landkarten.
„Ich bin furchtbar beschäftigt", sagte er.
„Womit? wenn man fragen darf."
„Ich stecke mitten in den Vorbereitungen
zur Urbarmachung des Nordpols."
„Donnerwetter! Wie wollen Sie denn das
anfangen?"
„Sehr einfach. Ich beseitige das Packeis des
Pols mit Hilfe eines Schmelzmittels von nie
gekannter Wirkungskraft."
„Verzeihung, wie kommen Sie erst mal hin
zum Pol?"
„Auf dem allerschnellsten Wege. Bis zur
Südspitze von Spitzbergen benutze ich ein Luft
schiff, von da durchquere ich die Insel auf
einem Automobil von besonderer Konstruk
tion. Den Rest des Weges lege ich auf einem
Fahrzeug zurück, das eine sinnreiche Kombi
nation von Dampfer und Hundeschlitten dar
stellt."
„Fabelhaft! Haben Sie schon das Luft
schiff?"
„Aber das Auto steht bereit?"
„Keine Spur!"
„Und der Schlittendampfer?"
„Auch noch nicht."
„Hm! Liegt denn wenigstens das Schmelz
mittel in genügenden Mengen bereit?"
„Ich habe noch nichts davon. Bis jetzt ist
überhaupt bloß das Allerwichtigste vorhan
den."
„Das Allerwichtigste?"
„Ja, — der Nordpol!"
Das Angebot
Von Jo Hanns Rösler.
Und dies ereignete sich vor drei Tagen an
dem Postschalter D des Postamtes 62 in der
Lerchenfelderstraße in einer frühen Nachmit
tagsstunde.
Vor den Postschalter tritt ein Herr.
„Zwei Marken zu zehn", verlangt er.
Der Beamte nickt. — Löst umständlich zwei
Marken vom Bogen und schaut auf.
„Irre ich mich?"
„Wieso?"
„Habe ich nicht das Vergnügen mit Herrn
Mittelmeier?"
„Gewiß."
Der Beamte nickt freudig:
„Wie geht es, Herr Mittelmeier? Wie steht
das werte Befinden? Alles gesund daheim?
Frau und Kinder wohlauf? Was macht das
Geschäft?"
„Danke."
„Hoffentlich bleibt das Wetter jetzt schön."
Der Herr am Schalter wird ungeduldig.
„Hoffentlich", sagt er, „kann ich jetzt meine
zwei Marken haben?"
„Mit Vergnügen."
Der Beamte sagt es, gibt aber die Marken
nicht aus der Hand.
„Sonst noch einen Wunsch?"
„Danke. Nein."
„Vielleicht ein paar Postkarten?"
„Nein."
„Marken zu fünf, zwanzig und dreißig?"
„Nein. Nein."
„Vielleicht Paketaüressen gefällig? Zahlkar
ten? Postanweisungen?"
„Ich brauche wirklich nichts."
„Kennen Sie schon unsere neuen WoHl-
tätigkeitsmarken? Soeben herausgekommen.
Hier sind sie. Wunderschön, nicht wahr? Der
ganze Satz nur drei Mark. Darf ich sie Ihnen
dazupacken?"
„Ich habe kein Interesse für Marken."
Der Beamte legt den Satz zurück.
„Schade. Und wie steht es mit Telegramm
formularen? Noch genügend Vorrat daheim?"
Der Herr wird krebsrot im Gesicht.
„Geben Sie mir endlich meine Marken und
lassen Sie mich ungeschoren!"
Der Beamte lächelt. Keine Kränkung steht
in seinem Gesicht.
„Bitte sehr — wie der Herr Mittelmeier
wünschen — vielleicht ein anderes Mal — hier
sind die Marken, zwanzig Pfennig bitte —
wenn der Herr sonst noch etwas brauchen —
wollen Sie nicht ein Postscheckkonto anlegen?"
Der Herr ist wütend abgegangen.
Die Kollegen umstehen staunend den Beam
ten.
„Was heißt das? Was soll das? Warum
haben Sie das getan?"
Der Beamte atmet befriedigt auf.
„Aus Rache", sagt er.
„Aus Rache? Wieso?"
Der Herr ist mein Friseur. Ich lasse mich
täglich von ihm rasieren. Und jedesmal läßt
er mich nicht früher aufstehen, bevor er mir
nicht seinen ganzen Vorrat von Seifen, Kopf
wassern und Puder und Parfums angeboten
hat."
In London wurde in diesen Tagen ein Kind
geboren, das auf dem Rücken ein regelrechtes
Flugzeug als Muttermal trägt. Interessant ist,
daß der Vater des Kindes kürzlich an den
Folgen einer Verletzung starb, die er als
Kriegsflieger erlitt.
129. Jahrgang ' Nr. 105
3m fernen Land
Heitere Streiflichter.
Von Georg Mühlen-Schulte.
Muriel und Bob hatten sich auf ein wag
halsiges Abenteuer eingelassen. Sie wollten
in einem offenen Kleinauto die Sahara durch
queren. Zwei Wochen kreuzten sie im Sand-
ineer, dann merkten sie, daß sie sich verirrt hat
ten. Ihre Lebensmittel waren aufgezehrt,'
weit und breit zeigte sich keine Ersatzmöglich
keit.
Drei Tage fasteten sie. Dann, an einem
Morgen, als die Karre gerade in einer Düne
.festsaß, schrie Muriel auf:
„Bob, sieh dort hin: Eine Maus!"
Worauf Bob zweifelnd erwiderte:
„Wenn's bloß keine Fata Morgana ist!"
*
Christoph Häberlein, der Weltreisende, er
zählte:
„Als ich in Indien war, hab' ich einen merk
würdigen Fall erlebt. Auf einem Jagdzug
îw Dschungel richtete sich plötzlich vor uns im
Sande eine riesige Boa auf.. Sofort zog einer
von den Indern eine kleine Flöte,' er blies ein
paar Töne darauf, die Boa wurde klein und
kleiner, und zum Schluß war sie spurlos ver
schwunden."
„Das will nicht viel heißen", bemerkte einer
Zuhörer geringschätzig. „Vor ein paar
^agen war ich mit meiner Frau in einem
überfüllten Lokal. Einen Moment bloß legte
üleine Frau ihre Pelzboa über die Stuhllehne,
'^at kein Mensch Flöte geblasen, und trotzdem
ü>ar die Boa eine Minute später spurlos ver
schwunden!"
+
Schmuöicke, der kleine, bewegliche Schmu-
"üke, ist der geborene Projektenmacher. Er Hat