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rgang / Nr. 80
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Freitag, den 3. April 1936
Der Weg pu Weltmeisterschaft / «.»
NG. Eis übte schon seit meiner Kindheit ge- " "^ ~ .
Anziehungskraft auf mich aus. Damit
1 noch nicht alles gesagt, denn in meiner Hei
rat liebt jedes Kind das Eis. Zwischen mei-
nem merten und zehnten Lebensjahr ereignete
17 nichts von Bedeutung, deutete nichts auf
vlmende Welterfolge hin. Vielleicht war ich
sîn wenig geschickter als andere Kinder. Aber
llylreßlich hat jedes Kind irgend ein besonde-
es Talent. Ich war zehn Jahre alt, da sah
«rich ein berufsmäßiger Eisläufer und fragte
nrlch ziemlich erstaunt: „Wer war Ihr Leh-
ļernthaben Sie die Kunststücke ge-
Jch lachte darüber, erwiderte nichts. Nach
îesem Vorfall aber begann ich einigen Leuten
aufzufallen. Die Aufmerksamkeit war auf mich
Ņnkt. Er überredete mich, ernsten Unter-
M zu nehmen. Die Leute interessierten sich
"Uch weiter für meine Kunst. Sie wollten
sssen. wie ich mir eine derartige Geschicklich-
krt auf dem Eise zu eigen gemacht hatte. Ich
vnnte bereits mit vollendeter Fertigkeit tan-
Artu sagte den Leuten, daß ich seit meinem
achten Lebensjahre eine Ballettschule besuche
nd bereits mit neun Jahren auf einem Os-
Theater mit ziemlichem Erfolge auftrat.
Ķein Vater war wohlhabend und bereit,
7! tr eine spezielle Ausbildung zur Kunst-
auferin zu ermöglichen. Zwischen meinem
Zehnten und zwölften Lebensjahre besuchte ich
ssglich den Osloer Eislaufplatz und vernach
lässigte auch das Ballettanzen nicht, so daß
^erde Künste geübt wurden. Das Tanzen kam
wrr beim Eislaufen sehr zugute, während
^leöer die Fertigkeit, die ich beim Eislaufen
errungen, starken Einfluß auf mein Tanzen
şştte. Ich glaube, daß das eines der Geheim-
ņpse meiner Meisterschaft im Eislaufen ist,
w>n der Fachleute sagen, sie sei die reinste
Tanzkunst auf dem Eise. An dieser Stelle
Möchte ich sagen, daß das Kunstlaufen nichts
anderes als die Vorführung klassischer Tanz
schritte auf einem neuen Terrain, auf der Eis
bahn, ist. Derselbe Rhythmus, die gleiche Ver
ve, welche den Tanz verschönen, tragen zur
Schönheit vollendeten Eislaufes bei.
Im Alter von zwölf Jahren erklärten mir
Wachleute, daß Norwegen für mich zu klein
geworden sei. Man riet mir, nach Wien zu
gehen, um von den berühmten Wiener Eis-
rufern zu lernen. Meine Eltern teilten diese
Ansicht und begleiteten mich nach Wien, wo ich
Ungefähr sechs Monate blieb. Ich sah in Wien
lehr viel und lernte auch entsprechend. Die
Bekanntschaft mit der Weltmeisterin Jaros-
^zabo, die mich gern unterrichtete, da sie
hìfine Fähigkeiten erkannte, hat mir große
Dienste geleistet. Diese ausgezeichnete Sport
eln ist von meinem Weg nicht wegzudenken,
^uch nicht die Hilfe, die mir mein Vater, vor
^Uern materiell, zuteil werden ließ. Nach mei
ner Wiener Lehrzeit kehrte ich nach Norwegen
»brück. Ich hielt auch weiter meine Bekannt
est durch lebhaften Briefwechsel mit Frau
Ņbo aufrecht. Sie ist in meinen Augen
îbeine erste, wirkliche Lehrerin gewesen und
geblieben. Ich errang den Sieg über meine
Lehrmeisterin. Meine Dankbarkeit für sie
wurde dadurch nicht geschmälert, den ich bin
mir bewußt, wieviel ich ihr zu danken habe.
Der Reichtum meines Vater aber wird in
den lieben Legenden um mich sehr übertrie
ben. Man sagt, er hätte ein Schloß und in des
sen Park einen eigenen Eislaufplatz, auf dem
ich jahraus — jahrein mit meinem Trainer
üben könne. Leider entspricht das nicht den
Tatsachen. Abgesehen davon, daß ich es auch
nicht nötig habe, eine eigene Eisbahn zu pfle
gen. Ich bin nur selten in Norwegen, zumeist
bin ich auf Reisen, kreuz und quer durch die
Welt und übe überall, wo ich gerade meine
Zeit verbringe.
Ich nehme meinen Sport sehr ernst. Trai
niere ich, dann geschieht alles, damit ich Er
folg habe. Ich schäme mich nicht, einzugestehen,
daß ich auf dem Eise nach vorgezeichneten Li
nien tanze. Ein Choreograph und ich entwer
fen gemeinsam die Figuren, dann ziehe ich die
notwendigen Linien, um mit allergrößter
Präzision arbeiten zu können. Meine Pirou
etten auf den Zehenspitzen sind meine urei
genste Erfindung. Ich führe sie gern vor, da
sie immer Aufsehen erregen. Während des
Uebens lenkt mein Trainer auch jetzt noch
meine Aufmerksamkeit auf alle Fehler, damit
ich imstande bin, sie auszumerzen. Ich kenne
nichts Schimmeres, als einen nachsichtigen
Kritiker. Nur unerbittliche Kritik führt zum
Erfolg. Obwohl ich das Eislaufen als ernste
Kunst betrachte, habe ich doch auch Vergnügen
daran. Für mich ist das Eislaufen eine wun
derbare, einzigartige Zerstreuung. Vielleicht
ist auch das ein Geheimnis meines Erfolges.
Das größte Geheimnis meines Erfolges
jedoch ist meine leidenschaftliche Liebe zum
Eislaufen. Wenn ein Mensch für eine Sache
Talent besitzt und seinen Sport liebt, kann ich
es mir nicht vorstellen, daß er es auf diesem
Gebiet nicht zu etwas bringt.
(Aus einem Gespräch.)
Die Extra-Vorstellung
König Ludwig von Bayern liebte die dra
matische Kunst und verkehrte gern im Kreise
von Schauspielern.
Als die berühmte Madame Kramer in Mün
chen ihr Mjähriges Bühnenjubiläum feierte,
gewährte ihr der Monarch eine Benefiz-Vor
stellung, die zum Erdrücken voll gewesen und
nach deren Schluß sich die Schauspieler im Ho
tel zum „Grünen Baum" — dem damaligen
Stelldichein aller Münchener Künstler — ver
sammelten, um der Benefiziantin ein kleines
Fest zu geben.
Märkischer Frühling.
(Weltbild, K.)
Die Schatzträger von Newyork
Von Ludwig W o l f e r m a n n.
..In allen Straßen, hinter allen Ecken lauert
îe Gefahr für jene Männer, die in Newyork
^knso wie in den anderen großen Städten der
^reinigten Staaten eine besonders wertvolle
àacht zu transportieren haben. Jedermann
etT «t die schweren, grünbraunen Panzerwa
gen der Trucking Corporation, die bis zur letz-
eit Möglichkeit mit allen Behelfen ausgestat-
et sind, um einem Ueberfall von Gangstern zu
ş.ņtkommen. Wie phantastische Ungetüme rasen
! le durch die Avenuen und Querstraßen, halten
or dem Ziel plötzlich an,' das Weitere wickelt
'Ģ in rascher Folge ab. Man muß gut beob-
chten können, um die Aussichtslosigkeit eines
Zerfalls auf den Schatz, den sie bergen, zu
Erkennen.
. Aussichtslosigkeit? Im Land der unbegrenz-
eit Möglichkeiten?
^oder Tag bringt neue Ideen. Neue Pläne.
^"Hast du gehört?" fragt Jasper seinen Ka-
ş..^qden, mit dem er für die nächste Fahrt be-
stw^ut wurde. Sie stehen im Gebäude der Ge-
ì^şchaşt, und ziehen sich im Mannschaftsraum
e Dienstuniform an. „Gestern — mitten auf
Broadway. Ecke der 47. "
."Aoah!" gibt der andere gedehnt zurück,' fast
u^chgültig. „Dort geht es zur Subway, zur
^ergründ. Gut abgelaufen. Sie haben mit
xîren neuen Tränengaspistolen nicht ge-
fü get. Wer weiß, wohin uns heut der Weg
r_^oll mir gleich sein! Fertig? Ja? Dann
Jasper drückt fug die Mütze m die I
In der fröhlichen Gesellschaft erschien un
vermutet König Ludwig. Da Madame Kramer
so saß, daß sie seinen Eintritt nicht gewahren
konnte, vermochte, er sich ihr unbemerkt zu
nähern. Er winkte den anderen, zu schweigen,
legte der Künstlerin seine Hände über die
Augen und fragte:
„Wer bin ich?"
„Ach, Sie sind es, Herr Leopold,'", rief Ma
dame Kramer lachend, „Sie sind ein rechter
Spaßvogel und können die Stimme des Kö
nigs vortrefflich nachmachen."
„So?", sagte Ludwig überrascht. „Der Leo
pold kann mich täuschend nachmachen? Das
möchte ich gern mal hören! Also, vorwärts,
Leopold, machen Sie es mir einmal vor!"
„Ich bitte Eure Majestät, mir das zu erlas
sen!", lautete des Komikers verlegene und
kleinlaute Entgegnung.
Doch der König bestand darauf.
Leopold verbeugte sich also, setzte sich an
einen kleinen Nebentisch und rief genau mit
der Stimme Ludwigs:
„Der Kabinettsrat Riedel soll kommen!"
„Ausgezeichnet!", lachte Ludwig. „Weiter!"
„Was wünschen Eure Majestät?", fuhr Leo
pold mit näselnder Stimme fort.
„Bravo! Sehr gut!", sagte der König. „Sie
ahmen den Riedel ebenso geschickt nach."
„Riedel", fuhr der Komiker fort, „hören Sie,
lieber Riedel: Schicken Sie doch morgen dem
Schauspieler Leopold 200 Gulden aus meiner
Privatschatulle! Der Mensch macht seine Sache
wirklich vortrefflich und besitzt die seltene
Gabe, alle Persönlichkeiten täuschend nachzu
ahmen."
„Sie Schelm!", meinte König Ludwig lä
chelnd, „ich habe von Ihrer Kunst genug —
aber Sie sollen die verlangte Gage für Ihre
Extra-Vorstellung bekommen!"
Bunte Welt
Autogrammjagd auf die Todeszelle.
In den letzten Tagen hat die Spannung in
Trenton ihren Höhepunkt erreicht und die
Autogrammjäger auf den Plan gerufen, die
eine Unterschrift des zum Tode Verurteilten zu
erlangen wünschen. Da sie an Hauptmann aber
nicht ohne weiteres herankommen, hat sich ein
besonderes Verfahren eingebürgert,' man schickt,
einen Scheck in die Zelle und ist sicher, daß man
das Papier, mit der Unterschrift Bruno Haupt
manns versehen, in einigen Tagen von der
Bank zurückerhalten wird. Der Direktor des
Staatsgefängnisses in Trenton versichert, daß
der Gefangene in den letzten Tagen auf diese
Art mehr als hundert Schecks erhalten hat.
- Eine viel beachtete Annonce.
». Vor kurzem stand in einer Kopenhagens
Zeitung . folgende. Anzeige: „Am nächsten
Markttast werden' geräucherte Makrelen von
Unterzeichnetem Fischhändler Hansen verkauft,
gerade von Skagen in frischgeräuchertem Zu
stand gekommen. Die geehrten Hausfrauen
werden gebeten, daran zu denken, daß ich ihnen
gratis den Kopf abschneide und sie häute. Hans
Hansen, Fischhändler."
Stirne, steckt die Nummer an, schnallt die Waf
fenriemen fester. Zieht die Krawatte zurecht.
„Nicht so fein!" meint der andere Mann.
„Sieht dich doch kein Mensch hinter den Pan
zerplatten. Und durch die Schußlöcher des
Wagens rat ich keinem zu schauen!"
„Man kann nie wissen. Das Glück kommt
über den Weg, wie!"
„Tschk!" wehrt der andere ab. Die beiden
traten vor den Schalter der Abfertigungslei
tung. Ein Mann, nicht weniger bewaffnet als
sie selber, überreicht ihnen eine Stahlkassette:
Schmuck für eine halbe Million Dollars. Dann
Waffen. Quittung. „Gut Glück!"
Der Wagen steht bereit. Es geht los. Hinein
in die Stadt. Und dennoch, wo das viele Geld
rollt, dort wachsen dunkle Mächte. Dort stehen
wilde Gestalten auf, dort erheben sich die Aus
gestoßenen der Gesellschaft. Nirgends sieht man
das deutlicher als in Newyork und Chikago.
Schatten und Licht, scharf verteilt. Der Reich
tum züchtet das Böse,' das Böse will die Welt
erdrücken.
Jasper wirft einen Blick auf den anderen.
Es ist das dritte Mal, daß er mit ihm auf der
Fahrt ist. Was für ein dummer Gedanke in
ihm zu kreisen beginnt. Jasper muß an gestern
denken. Verteufelte Sache das, es muß böse
gewesen sein. Myers ein Verräter — seit zwei
Jahren im Dienst der Kompagnie, hervor
ragender Schütze, durchs Feuer gehend. Hin
aufgearbeitet bis zu den Spezialaufträgen, ab
einer Million Dollars. Und dann der Tag...
Jener Tag! Gestern! Ein Bargeldtransport in
die Wallstreet, das Herz der Banken, zu First
National und Guarantie Trust. Plötzlich, auf
halber Fahrt war der Wagen voll Gas. Dann
noch zwei Minuten. Die Türen sprangen auf.
Niemand kam heraus. Zwei Manu lösten sich
von der Hauswand. Aber die Wächter ahnten
alles. Sprangen vor. Der Wagenlenker ver
stand, fuhr weiter, bog um eine Ecke, fuhr in
einen Hof. Kehrte um, raste wieder hinaus, und
wieder weiter, bog um eine Ecke, fuhr in einen
anderen Hof. Ein aufgerissenes Tor: Polizei
station. Das Geld in Sicherheit. Zwei auf dem
Boden liegende Menschen. Eine Gasmaske hat
te versagt,' die von Myers. Nichts geschehend,
dennoch: Myers arbeitete seit zwei Jahren,
bis es so weit war!
„Was siehst du mich so an?" fragt der Be
gleitmann plötzlich.
„Gib acht! Die 47. kommt! Jetzt!"
„Seh ich! Die Menschen aus der Subway.
Es blitzt und funkelt überall. Hunderttausend
Leute auf dem Broadway . . . Teufel, was ist
denn los? Hast du entsichert?"
„Die Ecke! Jetzt! Geh voraus!"
Ein Ruck. Ein Hebelzug. Eine Stahltür be
wegt sich auf. Licht dringt in den Wagen. Po
lizei auf den breiten Gehsteigen; Menschen
werden zurückgehalten. Ein riesenhaftes Ge
wimmel auf allen Seiten. Rufe. Gespräche.
Wortfetzen. Die Fünfte! Die Fünfte AvI Fun
kelnde Schaufenster. Eine schimmernde Tür
öffnet sich. Revolver fliegen hoch. Wachen an
allen Ecken und Enden. Ein rascher Blick nach
allen Richtungen. Jasper trügt die Schatulle
in das Geschäft.
Immer klopft sein Herz. Er ist doch kein
Uellow! Kein Feigling! Aber diese vielen
fremden Gesichter! Wie im Theater ist das, wie
auf der Bühne. Was wird geschehen, jede Se
kunde kann ein Blitz aufleuchten. Ein Stich
wort, von woher? Sein Kamerad . . . Hinter
ihm; ein kurzer Blick zu ihm. Er sieht in den
Lauf eines Revolvers. Er sieht eine Tränen
gaspistole drohen. Er Acht neue Gesichter, Sxu.
'bei geht er immer weiter. Einige Herren im
Cut kommen ihm entgegen. Er schreitet weiter.
Immer noch den entsicherten Revolver in der
rechten Hand.
„Jetzt! Hierher!" Irgendeine Stimme.
Er steht in einem vornehmen Raum. Das
Stahlkästchen kommt auf einen Tisch. Niemand
ist da, außer den zwei Chefs der Firma. Legi
timation Prüfung. Die Kontrolle geht rasch,
aber genau. Eine Unterschrift. Noch eine. Alles
in Ordnung. Ein Griff an die Mütze. Dort und
da ein Lächeln. Wieder Glastüren. Mädchen
an Schreibmaschinen, die ihm einen Blick zu
werfen. Jasper steckt sie ein, nimmt sie zur
Kenntnis, ist erfreut und erhaben; fühlt sich.
Toll, der märchenhafte Schmuck. Jasper schrei
tet schon wieder durch den Laden. Die Mütze
etwas schief im Nacken. Neben ihm jetzt sein
Kamerad. Die Revolver stecken in der Tasche,
aber die Hand liegt flach daran. Vorschrift!
Draußen immer noch Menschen; die beiden
Männer gehen zwischen den Zuschauern zu
ihrem Wagen; steigen ein, die Stahltürc
schließt sich. Wie lange dauert es? Zwei Mi
nuten oder drei. Vielleicht fünf. Alles erledigt.
Jasper sitzt drinnen im Wagen auf dem Bo
den. Sein Begleitmann prüft die Gegend. Nie
mand kann heraus, niemand hinein.
„Was 's los, Jasper?" hört er eine Stimme.
„Zu dumm", sagt Jasper offen, und reicht
dem anderen plötzlich die Hand entgegen. „Die
se Ungewißheit! Na, nichts für ungut, he!"
Der andere Mann wendet sich etwas um,
greift nach der Hand, drückt sie einmal, kehrt
wieder zurück.
„Ich weiß. Geld! Edelsteine. Dokumente. Und
ein bißchen Herz . . . klopfen. Das ist alles!"
„Ja, das ist alles!"
kommt manchmal vorl"
't.