Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

ķeŗ fad in Wort und Vilö 
Ei« großes Ereignis 
HinÄendurg" auf Nordamerikafahrt 
pp 
DNB. Friedrichshafen, 6. Mai. Das 
Luftschiff „Hindenburg" ist am Mittwoch um 
21.30 Uhr zu seiner erste» Nordamerikafahrt 
gestartet. 
Seit den Abendstunden lag das Luftschiff 
startbereit in seiner Halle. Eine nach Tausen 
den zählende Zuschauermenge sammelte sich 
um den Flugplatz. Um 19 Uhr öffnete sich das 
westliche Hallentor. Eine Viertelstunde später 
setzten die Motoren zu kurzem Probelauf ein. 
Frachtgut, das mit Sonderflugzeugen der 
Lufthansa eingetroffen war, wurde an Bord 
genommen. Es sind insgesamt 1800 Kg. Rhein 
wein, bayrisches Bier und Filme. An Post be 
fördert Luftschiff „Hindenburg" über 200 000 
Briefe, die mehr als zehn Tonnen wiegen. 
An der Ueberfahrt nach Lakehurst nehmen 
31 Fahrgäste teil. Es sind Forscher, Wissen 
schaftler, Journalisten, Vergnügungsreisende, 
Luftfahrer usw. Um 19.50 Uhr traf das letzte 
Post- und Frachtflugzeug ein. Bewegtes Le 
ben zeigte sich um 20 Uhr in der Halle, als 
die Passagiere eintrafen. Zollformalitäten 
wurden erledigt, das mitgebrachte Handgepäck 
in die Schlafkabinen gebracht. Große Erwar 
tung lag auf allen Gesichtern der Passagiere. 
Sie verfolgten mit Interesse die letzten Start 
vorbereitungen. 
20 Minuten später ertönte das Kommando: 
„Passagiere und Mannschaften einsteigen!" 
Sandsäcke wurden abgenommen, die Veranke 
rung gelöst, die Stahltrosse an den Laufkatzen 
gelockert. Dann wurde das Luftschiff ausge 
wogen. Um 20.35 Uhr gab Kapitän Prutz das 
Kommando „Fallreep hoch, Zuschauer die 
Halle räumen!" Nach Abgabe von Wasserbal 
last verließ das Luftschiff „Hindenburg" um 
21.15 Uhr mit Heck voraus durch das westliche 
Tor seine heimatliche Halle. 
Als sich das Luftschiff etwa 200 Meter vor 
der Halle befand, wurde es aus seiner Ver 
ankerung gelöst, in die Windrichtung gedreht, 
und nach zweimaliger Wasserballastabgabe hob 
es sich um 21.30 Uhr unter den Klängen des 
Deutschlandliedes, das die Menge anstimmte, 
zum nächtlichen Himmel empor. Die Motoren 
setzten ein, das Luftschiff nahm nordöstlichen 
Kurs. 
Die Spannung in Amerika. 
DNB. Newyork, 6. Mai. In größter Aufma 
chung berichtet die gesamte amerikanische Pres 
se über die Abfahrtsvorbereitungen und den 
Start des Luftschiffes „Hindenburg". Die Blät 
ter bekunden damit das außerordentliche In 
teresse, das das amerikanische Volk dem Flug 
über den Noröatlantik entgegenbringt. Nach 
eingehender Schilderung aller Einzelheiten 
des Abfluges weisen die Zeitungen besonders 
auf die Tatsache hin, daß dieser Amerikaflug 
trotz der früheren Ueberquerungen des Atlan 
tiks durch Luftschiffe den ersten Flug im Rah 
men eines wirtschaftlichen Verkehrsdienstes 
nach den Vereinigten Staaten dar 
stelle. 
Letzter Fmk 
MEZ. den Leuchtturm Bishop Rock vor dem 
westliche» Kanalausgaug mit west 
lichem Kurs überflogen. Das Luftschiff „Graf 
Zeppelin" ist auf der Heimreise von Südame 
rika um 6.40 Uhr MEZ. in Sevilla angekom 
men. 
Guter Rundfuttkempfang vom Luftschiff 
in Amerika. 
DNB. Washington, 7. Mai. (Eig. Funkm.) 
Der Start des „LZ. Hindenburg" wurde im 
ganzen Lande durch Radio von der National 
Broadcasting Co. verbreitet und war wunder 
bar klar zu verstehen. Weitere Reportagen 
von Bord des Luftschiffes sind angekündigt. In 
der Bundeshauptstadt hofft man, daß das 
deutsche Riesenluftschiff ihr einen Besuch ab 
statten wird. Zum Empfang in Lakehurst 
werden sich Vertreter der Botschaft, geführt 
von General Bötticher, sowie vom General 
konsul von Newyork einfinöen. 
AWenkamschs Wetterberichte 
für den „Hiààrg". 
Flugzeug und Luftschiff. 
DNB. Newyork, 7. Mai. (Eig. Funkmelö.) 
Dr. James Kimball, der allen Ozeanfliegern 
bekannte Meteorologe der Newyorker Wetter 
warte, hat mit der Aussendung der Wetter 
berichte begonnen, die mindestens zweimal 
täglich dem „Hindenburg" durch Funkspruch 
übermittelt werden. Die erste Meldung lautet: 
„Hochdruckgebiet über den Bermudas, östlich 
sich ausdehnend, mit wechselnden Winden 
Windstärke 5—7. Ein Tiefdruckgebiet über den 
großen Seen bewegt sich rasch auf die atlan 
tische Küste zu." In der zweiten Wettermel 
dung heißt es: „Der Nordrand des Hochdruck 
gebietes befindet sich jetzt in der Mitte des 
Ozeans, 42 Grad nördlicher Breite. Mäßige 
frische Westwinde mit leichtem Regen." 
Die Nordhälste des Atlantischen Ozeans, 
die das Luftschiff „Hindenburg" von Ost nach West überfliegen will. 
Das de«tsH-itaUe«We Wetturmrr iv MM«d 
Sieg der deutschen NatronalmarrnschKst — Besonders gut am NeÄ — Die 
Mirrge Italiens Stärke 
Der erste Länderkampf im Geräteturnen zwi 
schen Deutschland und Italien, ausgefochten in 
Mailand, endete mit einem sicheren deutschen 
Sieg. Im recht gut besuchten „Teatro Lirico" 
siegte die deutsche Nationalmannschaft mit 
340,500 :336,325 Punkten. Die letzte große 
Olympiaprobe ist damit bestanden. Wir dürfen, 
obwohl dieser Länderkampf lediglich Kürübun 
gen vorsah, mit Zuversicht den großen Ent 
zwei Uebungen, Freiübung und Pferdesprung, 
hatte man nachmittags erledigt — war mit 
Rücksicht auf die Siegesfeiern des italienischen 
Volkes auf eine spätere Stunde verschoben 
worden, so daß die zweite Morgenstunde heran 
gerückt war, als das Ergebnis feststand. Ueber 
den Gesamteindruck der deutschen Mannschaft 
kann es nur Stimmen des Lobes geben. Die 
Italiener zeigten viele schwere Uebungen 
scheiüungen in Berlin entgegensehen. Dafür > vor allem Schwungübungen — wobei Mut und 
Mer dem ZMn. 
DNB. Amsterdam,?. Mai. fEig. Funk 
meldung.) Das Luftschiff „Hindenburg" ver 
ließ um 1.50 Uhr holländischer Zeit das nieder 
ländische Gebiet bei Vlissingen. 
DNB. Hamburg, 7. Mai. fEig. Funk 
meldung.) Wie die Deutsche Seewarte mit 
teilt, hat der „Hindenburg" um 7.35 Uhr 
spricht vor allem, daß unser Mailänder Sieg 
unter erschwerten Umständen errungen wurde. 
Die Auffassung der Kampfrichter war nicht nur 
von Beginn an uneinheitlich, sie stand sich so 
gar in mehreren Füllen kraß gegenüber, und 
es bedurfte immer längerer Besprechungen, 
bevor das Punkturteil verkündet werden 
konnte. Eine weitere Erschwerung für die deut 
sche Mannschaft war es, daß nicht die vorge 
sehenen Olympiageräte benutzt werden konn 
ten, die zwar zeitig genug die Reise angetreten 
hatten, aber an der italienischen Grenze hän 
gen geblieben waren. So mußte an den italie 
nischen Geräten geturnt werden, mit denen sich 
die deutschen Turner noch am letzten Tage in 
aller Eile vertraut zu machen suchten. 
Der Beginn des eigentlichen Kampfes — 
Schulungsburg Saßnitz der DAF. 
In Saßnitz befindet sich eine Schulungsburg, die der Deutschen Arbeitsfront ge 
hört und die in einigen Wochen eröffnet wird. Dort werden aus allen Teilen 
Deutschlands je 100 Teilnehmer zu einem Lehrgang zusammenkommen, um zu Lei 
tern der Deutschen Arbeitsfront ausgebildet zu werden. In dem Gebäudeteil links 
ist eine große Turnhalle untergebracht, die auch als Festsaal vo.i der Gemeinde 
Saßnitz benutzt wird. 
(Presse Bild-Zentrale, K.) 
Kraft eine gleichmäßig verteilte Rolle spielten, 
ließen aber in der Haltung viele Wünsche of 
fen. In dieser Hinsicht ist das italienische Tur 
nen am meisten zu verbessern. 
Beide Mannschaften traten in angekündigter 
Aufstellung an. Für Italien turnten Romeo 
Neri, Egidio Armelloni, Danilo Fiorovanti, 
Oreste Capuzzo, Franco Tognini, Aldo Ma- 
netti. Omero Tonoli und Niccolo Tronci. — 
Deutschlands Farben vertraten Franz Beckert, 
Konrad Frey, Alfred Schwarzmann, Willi 
Stadel, Jnnocenz Stangl, Walter Steffens, 
Mathias Bolz und Ernst Winter. Für die End- 
bewertung wurden die Leistungen der sechs 
besten Turner herangezogen. 
Eine „Zehn", wie sie Schwarzmann beim 
Pferdsprnng mit seinem „Hecht" geturnt hatte, 
gelang am Abend keinem weiteren Turner. 
Die beste Einzelleistung des Abends vollbrach 
te Jnnocenz Stangl am Reck mit 9,975 Punk 
ten, wie überhaupt die Spitzenleistungen un 
serer Mannschaft an diesem Gerät erzielt) wur 
den. Hier trat eine eindeutige Ueberlegenheit 
der Deutschen zu Tage. Stangl, Winter und 
Schwarzmann warteten mit großartigen Lei 
stungen auf, die die heißblütigen italienischen 
Zuschauer iu eineu wahren Begeisterungs 
taumel versetzten. Olympiasieger Neri kam 
hier als bester seiner Mannschaft nur auf 
9,70 Punkte. 
Italien dagegen zeigte sich an den Ringen 
von seiner besten Seite. Seine Vertreter konn 
ten hier ein großes Plus herausarbeiten und 
manchen Punkt aufholen. Trotzdem vollbrachte 
Bolz mit 9,875 Punkten die beste Leistung in 
dieser Kür. Harten Kampf gab es beim ein 
leitenden Turnen am Barren. Mit je 9,90 
Punkten erreichten Schwarzmann und Armel 
loni die beste Bewertung an diesem Gerät und 
ließen Neri mit 9,80 Punkten hinter sich. Eben 
so wie am Reck, setzten sich unsere Turner am 
Querpferd erfolgreich durch. Trotz der unge 
wohnten Pauschen des italienischen Geräts 
holte Schwarzmann 9,78 Punkte heraus, der 
Kreuznacher Frey kam auf 9,76, während Ca 
puzzo als erfolgreichster Italiener 9,55 Punkte 
für sich buchen konnte. ļ 
Daß wir unter unseren Turnern hervor 
ragende Kräfte im Hinblick auf die olympischen 
Spiele haben, beweist auch die Tatsache, daß 
Schwarzmann und Stangl mit 58,75 bzw. 57,83 
Punkten in der Gesamt-Einzelwertung die 
ersten Plätze einnehmen. Neri belegte mit 
57,50 Punkten vor seinem Landsmann Capuzzo 
mit 56,48 Punkten den dritten Platz. 
* 
Englands Fußballspieler 
in Vien geschlagen. 
Oesterreichs Fußballsport hatte am Mitt 
woch sein seit Jahren größtes Ereignis. Eng 
lands Ländermannschaft war zu Gast. Im 
Wiener Stadion, das bei herrlichem Wetter 
die Riesenzahl von 60 000 begeisterten Anhän 
gern des Fußballsports aufnahm, ging der 
mit Spannung erwartete Kampf vor sich. Das 
besonders nach der letzten klaren Niederlage 
durch Ungarn Unerwartete wurde zur Tatsa 
che: die österreichische Nationalmannschaft ver 
mochte den ersten Sieg über England im Län- 
öerkampf davonzutragen. Mit 2:1 (2:0) wur 
den die englischen Gäste geschlagen. Für den 
österreichischen Sport stellt das Ergebnis un 
streitig einen großen Erfolg dar,' er wurde 
in Wien aufgenommen als verdiente Entschä 
digung für die 1932 in London erlittene knap 
pe Niederlage. Der Jubel über den Sieg 
kannte keine Grenzen. 
Ein FgsslldLKkletterer gesaßl. 
Auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin 
wurde der 38 Jahre alte Brune Selke aus 
Eichwalde bei Schmökwitz verhaftet. Es han 
delt sich um den sogenannten Dahlemer Fas 
sadenkletterer, der zahlreiche Einbrüche, na 
mentlich in Villen im Berliner Westen, ver 
übt hat. Er plante gerade einen neuen Raub 
zug uach Nikolassee. Seine Festnahme erfolgte 
so überraschend, daß es für ihn keine Flucht 
möglichkeit mehr gab. 
Selke hat ein Doppelleben geführt. Am 
Tage betrieb er in der Maske eines soliden 
Geschäftsmannes in Eichwalde eine Wäscherei. 
In den Abendstunden jedoch, wenn er angeb 
lich zu Geschäftszwecken nach Berlin fuhr, ver 
übte er, besonders in Dahlem, Zehlendorf, 
Nikolassee, Schlachtensee, Wannsee, Grüne 
wald und Westend, seine Beutezüge. Seit dem 
Herbst 1934 hatte die Kriminalpolizei, als sich 
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich 
keit ergab, daß als Täter für die Einbrüche 
immer nur dieselbe Person in Frage kam, um 
fangreiche und neuartige Sondermaßnahmen 
getroffen. Der Fassadenkletterer war auf Zu 
sammenstöße mit der Polizei ständig vorbe 
reitet und gerüstet. Sobald sich ihm jemand, 
wenn auch noch so unauffällig, zu nähern ver 
suchte, ergriff er sofort Hals über Kopf die 
Flucht, um dann aus sicherer Deckung ein 
wahres Sperrfeuer aus seiner Pistole zwischen 
sich und die Beamten zu legen. Mit geradezu 
artistischer Gewandheit setzte er über Hecken, 
Zäune und andere Hindernisse hinweg und 
verschwand. Während der Verbrecher bei den 
wiederholten Feuergefechten stets unverletzt 
blieb, wurden in zwei Fällen Kriminalbeamte 
durch ihn angeschossen. 
Soweit sich aus den bisherigen Vernehmun 
gen ergeben hat, hoffte Selke bei allen seinen 
nächtlichen Einbrüchen immer auf den soge 
nannten „großen Coup", der ihm mit einem 
Schlage bedeutende Werte in die Hände spie 
len sollte. Er benutzte in fast allen Füllen zum 
Einsteigen in die Villen eine Leiter, die er 
meist auf dem Grundstück vorfand und die er 
nach vollbrachter Tat immer wieder an Ort 
und Stelle zurückbrachte und richtete sich so 
ein, daß er vor Mitternacht wieder zu Hause 
war. Die überraschende Festnahme Selkes hat 
inzwischen weitere Verhaftungen zur Folge 
gehabt. Es ist der Kriminalpolizei gelungen, 
die Hehler festzunehmen. 
Es handelt sich zunächst um den 67 Jahre 
alten Frieür. Christionat, den Inhaber zweier 
Gold- und Silberankaufsstellen in Berlin, der 
bis zum September 1936 ständiger Abnehmer 
der Beutestück des Fassadenkletterers war. 
Selke hatte sich bei ihm 1931 als Richard Schlü 
ter eingeführt, und anfangs scheint Christionat 
die Edelmetalle und Juwelen gutgläubig er 
worben zu haben. Bald ist ihm jedoch klar ge 
worden, daß Selke nur auf unehrliche Weise in 
den Besitz der Wertgegenstände gelangt sein 
konnte. Die Angebote durch Selke nahmen all 
mählich derartigen Umfang an, daß Christio 
nat Bedenken kamen und er es unterließ, die 
von dem Fassadenkletterer gekauften Sachen in 
seine Geschäftsbücher einzutragen. Nachdem der 
Hehler hinter das Geheimnis der Herkunft der 
ihm von Selke angebotenen Sachen gekommen 
war, drückte er die Preise, und so will Selke 
durchschnittlich nur zehn Prozent des tatsäch 
lichen Wertes erhalten haben. Es kam zwischen 
den beiden zu immer stärkeren Reibungen mrd 
im September 1935 zum Bruch. Der Fassaden 
kletterer suchte sich jetzt einen neuen Hehler, 
den er in Werner St., einem Verwandten, 
fand. Auch St. merkte bald, daß die ihm ange 
botenen Gegenstände unrechtmäßig in den Be 
sitz Selkes gekommen waren, kaufte aber trotz 
dem weiter, und zwar ebenfalls weit unter 
Preis.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.