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Mit Zwei Zentnern durch de» Weltkrieg
Erinnerungen eines Optimisten.
(18. Fortsetzung.)
Don einem Einschlag keine Spur, ebenso nicht
berm zweiten, dritten und vierten Schuß. Der
General wurde allmählich wild und beschimpfte
zuerst den Batterieführer, dann mich, dann die
Geschützbedienung. Es half aber alles nichts,
die Ladung war bei sämtlichen Granaten durch
rle kalte und feuchte Lagerung verdorben, so
daß sie nachher vom Feuerwerker gesprengt
werden mußte. Wir selbst aber waren froh, daß
uns das Malheur nicht im Ernstfälle passiert
war, wo es hätte schlimm ausgehen können.
Tie Wälder wimmelten von Wild. Es gab
Hirsche und Rehe, und einmal wurde sogar ein
Bar gesichtet. Er hatte sich an unserer Feld
küche zu schaffen gemacht und ein respektables
-i-tuck Fleisch weggeschleppt. Es gab große Auf
regung. Jeder wollte die Bestie 'erlegen. Nacht
für Nacht verschwanden unsere oberbayerischen
Schützen, von denen mancher im Zivilberuf
nebenbei das geachtete, aber gefährliche Ge
werbe eines Wilderers betrieb. Man sprach nur
noch vom Bären. Der arme Kerl fand ein recht
unrühmliches Ende. Ein tapferer Feldkoch, dem
er seine Küche umgeworfen hatte, erlegte ihn
mit einer Handgranate.
Rumänien.
Die Hoffnung, Weihnachten in wohlausge-
bauten Stellungen verbringen zu können, soll-
te sich nicht erfüllen. Mitte Dezember wurden
wir plötzlich abgelöst, und durch das verschneite
Ungarn und den Geisterwald ging es hinunter
nach Siebenbürgen. Am 24. Dezember waren
wir in ein kleines Dorf am Ende des Oitoz-
passes eingerückt und hatten gute Quartiere
bet deutschen Leuten bezogen. In aller Eile
wurden die Vorbereitungen zum Weihnachts
abend getroffen. Auf sieben Uhr war der Be
ginn der Feierlichkeit angesetzt. Schon war
überall der Weihnachtsbaum geschmückt, da
kam plötzlich der Befehl zum Vormarsch. So
gar den Festbraten mußte man zurücklassen,
und im stärksten Eiltempo ging's in die un
wegsamen Berge hinein. Wir sollten den
Feind, der sich in dieser Nacht ganz sicher
wähnte, überfallen und aus seinen starken
Stellungen hinauswerfen. Dies gelang auch,
aber unsere Verluste waren groß, und als
wir endlich morgens um fünf Uhr in der
öden Bretterhütte am Ende einer Seilbahn,
die zum Transport von Holz diente, an
langten, war alle Weihnachtsstimmnng ver
schwunden. Zu essen hätten wir auch nichts ge
habt, wenn sich nicht Birzlmeier noch in der
Nacht in das vom Feinde kaum verlassene
Dorf Soveja begeben hätte und mit ei
nem großen Rucksack voll Eßwaren und zwei
Riesenflaschen Zwetschgenschnaps zurückge-
Von Karl Borromäus Gröber.
Copyright 1888 by Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart.
kommen wäre. Brüderlich wurde alles geteilt,
und die Stimmung besserte sich zusehends.
Der Feind hatte sich rasch zurückgezogen. In
den riesigen Wäldern traf man nur noch ein
zelne Versprengte, die man gefangennahm. So
gar unser Telephontrupp war auf solch ver
sprengte Feinde gestoßen. Die Gefangennahme
gestaltete sich höchst dramatisch. Beide Parteien
lagen mit angeschlagenem Schießgewehr einan
der gegenüber. Endlich wurde einer von den
Rumänen als Unterhändler abgesandt, dem
unser Telephonoffizier mit dem Karabiner im
Anschlag entgegentrat. Als sich der Rumäne
seinen Gegner näher angeschaut hatte, ging
plötzlich ein erfreutes Leuchten über sein Ge
sicht, und seinem Munde entrannen die geflü
gelten Worte: „Tun Se's Gewehr weg, schießen
Se nix, ich bin auch e Jüöd", und dann ergab
er sich mit seinen übrigen Kameraden.
Drunten im Tale, in dem fast verlassenen
Soveja, kamen wir in ein schönes Quartier.
Es war ein Erholungsheim für verwundete
rumänische Offiziere gewesen, sehr sauber und
für die Weihnachtsfeier der Herren Gegner
schon festlich mit Tannenzweigen dekoriert.
Jeder bekam hier sein eigenes Zimmer, und
bald bruzzeltcn überall im Hofe in den Koch
töpfen die fetten, kleinen rumänischen Schwei
ne, und am Spieße drehten sich die lange ent
behrten Hühner. Aus diesem Quartier habe ich
eine gute Lehre für mein weiteres Leben mit
hinweggcnommen. Ich hatte mir für meine
Kochkünste einen schönen Bronzekessel requi
riert, dessen Henkelbogen in einem eigentüm
lichen Ornament die Initialen seines Vorbe
sitzers trug. Außerdem hatte ich mir eine Decke
mitgenommen, die mir durch ihre besondere
Webart aufgefallen war und die ich als Unter
lage für den Sattel meines Pferdes zu ver
wenden gedachte. Beide Beutestücke waren Er
Zeugnisse der heimischen Volkskunst, und ich
zeigte sie deswegen im Kasino den Herren Offi
zieren, die sich mehr interessiert als sachkundig
darüber äußerten. Dann übergab ich die Decke
meinem Burschen, damit er sie mitsamt dem
Kessel so versorge, daß sie mir nicht mehr ge
nommen werden könne. Ich gab ihm auch Ör-
Allerlei cms Mer Welt
Dieb bietet der Polizei seine Beute an.
Wohl selten wurde der Polizei die Festnahme
eines Täters so leicht gemacht wie in diesen
Tagen in Genf. Ein junger Mann, der erst
vor einigen Tagen von auswärts nach Genf
gekommen war, stellte fest, daß seine Barschaft
zu Ende ging. Also versuchte er sich durch
einen Fahrraddiebstahl zu sanieren. Er ging
mit dem Fahrrad zu einem Fahrradhändler,
beachtete aber nicht, daß neben der Eingangs
tür auch jene des dort liegenden Polizeibüros
war. Der Fahrradhündler sah sich den jungen
Mann an und erkannte sofort, was hier ge
spielt wurde. Er erzählte ihm also, daß An
käufe nur nebenan getätigt würden. Nichts
ahnend ging der junge Mann nach „nebenan".
Hier nahm man ihn gleich ein wenig ins
Kreuzverhör, stellte die Herkunft des Fahr
rades fest und behielt den jungen Fahrraööieb,
der sich selbst unfreiwillig auf der Polizei ge
stellt hatte, gleich dort.
Die Pest verliert an Schrecken.
In Indien, wie überhaupt in Asien, ist seit
der strengen Ueberwachungstätigkeit der Ge-
sanöheitsbehörden die Zahl der Cholera- und
Pestopfer fühlbar zurückgegangen. Der Bericht
des Gesundheitsamtes des Völkerbundes für
den Osten in Singapore stellt fest, daß in In
dien 1924 noch 861 843 Menschen an der Pest
gestorben sind,' diese Zahl fiel 1926 um fast die
Hälfte, auf 196 249. Seitdem ist die Sterblich
keit an Pest weiter gefallen: im letzten Jahr
wurden aus Indien nur noch 40 000 Todesfälle
gemeldet. Der Bericht weist ferner darauf hin,
daß in den vergangenen vier Jahren kein ein
ziges pestverdächtiges Schiff in einem östlichen
Hafen festgestellt werden konnte. Wenn auch
unlängst die Cholera in Burma und Siam an
Verbreitung gewonnen und auch in Kalkutta
während des letzten Jahres noch zahlreiche Op
fer gefordert hat, so sind doch China, die Phi
lippinen und Niederlänöisch-Jndien von die
ser Krankheit fast ganz frei.
Grönland-Museum in Kopenhagen.
Im früheren königlichen Brauhause in Ko
penhagen, einem Renaissancebau aus dem
17. Jahrhundert, wird ein Grönland-Museum
eingerichtet. Damit wird ein Gedanke verwirk
licht, den der Polarforscher Dr. Lauge Koch seit
langem verfolgt und für den er jetzt die Unter
stützung der Grönlandverwaltung gefunden
hat. Das Museum soll die Geologie und die
Flora und Fauna Grönlands veranschaulichen
und deren Entwicklung schildern.
Briefmarken aus Aluminium.
Das Aluminium, das vor einem Jahrhun
dert der deutsche Chemiker Wühler zum ersten
Male rein darstellte, entfaltet eine geradezu
beängstigende Wirksamkeit und Verwendungs
fähigkeit. Ein mittelamerikanischer Klein
staat, der vor allem unseren Briefmarken
sammlern bekannt ist, unternimmt gegenwär
tig Versuche, um das Papier der Postwertzei
chen durch Aluminium zu ersetzen, das sich ja
zu dünnsten Blättchen verarbeiten läßt. Dem
Metall dürfte vor allem der Vorzug großer
Haltbarkeit innewohnen.
der, wo er sie zu verwahren habe. Im Laufe
des Abends wollte ich die Gegenstände einem
später eingetroffenen Herrn zeigen,' was sich
aber nicht mehr vorfand, waren Kessel und
Decke. Daß ich die Decke nie mehr sehen würde,
war mir klar, dagegen konnte ich fast mir
Sicherheit annehmen, daß in meinem Kft-
sel schon irgendwo drunten im Garten vor dem
Hause über einem Lagerfeuer ein nahrhaftes
Gulasch schmoren würde. Ich hatte nicht falsch
geraten und brauchte ihn nicht lange zu suchem
Bei einem als richtiges Schlitzohr bekannten
Kanonier stand über einem Kohlenfeuer der
gesuchte Ausreißer mit dem schönen Mono
gramm am Henkelbügel. Ich fragte bei ihm
vorerst sanft an, woher er das schöne Gefäß
habe. Er bezeichnete mit leichtem Erröten
dasselbe Bauernhaus, aus dem auch ich mei
nen Schatz geholt hatte. Als ich dann weiter in
ihn drang, ob er vielleicht in diesem Hause auch
eine Decke wie die meine gefunden habe, schwieg
er betroffen still. Seine Kameraden aber er
zählten mir, daß er vor kaum einer halben
Stunde eine solche Decke in seinem Tornister
verpackt hätte. Ich zog also die Decke heraus,'
Größe, Muster und Farben, alles stimmte-
Es galt damals nicht für sehr anständig, bei
einem Vorgesetzten etwas zu requirieren-
Trotzdem alle Indizien stimmten, leugnete der
Kanonier unentwegt. Ich nahm ihn darum
mit zu den Herren Offizieren, denen ich vorher
die Gegenstände gezeigt hatte. Beide wurden
wiedererkannt. Während wir aber noch derN
Mann das Unstatthafte seines Tuns vorwar
fen, kam mein Bursche zurück, der ebenfalls
beschimpft wurde, daß er die Sachen nicht besser
verstaut hatte. Er aber ging in meine Stube,
griff dort unter mein Bett und brachte zu un
ser aller Ueberraschung die vermißten Gegen
stände daher. Kessel und Decke des Kanoniers
und die meinen waren völlig gleich. So habe
ich damals gelernt, keinen Menschen, und
wäre es auch auf den klarsten Indizienbeweis
hin, zu verdächtigen. Ich glaubte nun, die
Sache sei für mich erledigt. Weil ich mich aber
vor versammelter Mannschaft nachher bei dew
Mann entschuldigte, wurde ich drei Tage ein
gelocht. Ein Vorgesetzter durfte sich eben nicht
entschuldigen, weil dies die Subordination
untergraben hätte.
(Fortsetzung folgt.)
ist gern gefällig.
Er laust auch gern mal
für andere. Und kriegt er was
dafür, und langt es dazu, dann
bringt er feiner Mutter ein
Sträußchen mit — viel lieber aber
noch ein Seinkost-puddt'ng-pulver
von Oc. Detker natürlich.
flStnng-
ausjchneiden! Prcisaufgabek
Tsrri Zaggler /
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz,
München.
Nachdruck verboten.
2)
„Wieso? Ach ja! Sie haben keine Kinder.
Schade! Aber seh'n Sie, Herr Förster, manch
mal ist es auch gut, wenn man keine Kinder
hat. Mit meinem Mädel erlebe ich ausnahms
weise ein wenig Freude. Und mein Poldi, ja.
das wär' auch einer geworden, an dem der
Herrgott seine Freud' hätte haben können.
Aber den hat das Vaterland von mir ver
langt. Und der andere, der taugt nichts. Was
ich mit dem schon Kummer erlebt habe, mein
lieber Förster, das geht auf keine Kuhhaut."
„Mit Graf Herbert?" fragte der Förster ver
wundert?
„Graf, ja, leben tut er wie ein Graf. Auf
meine Kosten natürlich. Die Grafenkrone
trägt er in jedem Schnupftuch und auf jeder
Zigarrettendose. Aber wert ist er sie schon
lang nicht mehr. Mich, seinen Vater, kennt er
nur, wenn er bis zum Hals in der Tinte steckt.
Da muß natürlich der Vater herhalten und
die Schulden bezahlen. Ja, mein lieber Hell-
weger, da habt Ihr gar keine Ahnung, was so
ein leichtsinniges Bürscherl verpraßt. Der ver
liert am Spieltisch mehr, als ich und Sie das
ganze Jahr brauchen. Ein Glück ist es nur,
daß seine Mutter das nicht mehr erlebt hat."
Der Förster ist nun schon über fünf Jahre
beim Grafen im Dienst. Aber noch nie hat
dieser so frei und offen mit ihm gesprochen.
„Die Gräfin Bruggstein ist schon früh ge
storben?" fragte der Förster nach einer Weile.
„Freilich, viel zu früh. Und denken Sie sich,
welch eigenartige Fügung! Oder kennen Sie die
Geschichte schon? Nicht! Also, am gleichen Tag,
fast zur selben Stunde, als meine Frau starb,
hat meinen Poldi im Sturmangriff die Ku
gel dahingemäht. Der alte Zaggler war bei
ihm und hat ihm die Augen zugedrückt."
„Ausgerechnet der Zaggler?"
„Ja. Verstehen Sie jetzt auch, warum ich
beim Zaggler immer ein Auge zudrücke?
Weil er eben meinem Buben in seiner lebten
Stunde beigestanden hat. Das vergeß' ich ihm
nicht so leicht. So, und nun wollen wir ein
anderes Thema anschneiden. Haben Sie schon
Nachricht wegen der Dobermannkreuzung?
Ja? Und, was schreiben die?"
Hochlandsroman von Hans Ernst
Der Förster hält dem Grafen einen Vor
trag über die Vorzüge der verschiedenen
Jagdhunörassen, und schneller als sie eigent
lich wollen, stehen sie vor dem Försterhaus,
das etwa zweihundert Meter außerhalb des
Dorfes in einem schön gepflegten Obstgarten
steht.
„Wenn ich mir erlauben darf, Herr Graf,
vielleicht trinken Sie eine Tasse Kaffee mit",
meint der Förster unsicher.
„Aber gern!" Der Graf stößt mit dem Fuß
das Gartcntürchen auf. „Ah, da ist sie ja schon,
die Frau Försterin! Grüß Gott, Frau Förste-
rin. Ist der Kaffee schon fertig?"
„Aber — aber, will der Herr Graf —?"
„Freilich will ich mithalten. Aber bitte keine
Umstände. Gleich da im Gartenhäusl bleiben
wir sitzen."
Es wird eine recht gemütliche Stunde in
der kleinen Geißblattlaube. Und als der
Graf die Straße wieder betritt, steht die
Sonne schon am Grat der Berge.
Seine schwergenagelten Schuhe klappern
auf der Straße. Im Torf sitzen die Bäuerin
nen auf den Hausbünken und da und dort
wechselt der Graf ein paar freundliche Worte
über den Zaun. Es gibt nichts, was ihn nicht
interessierte. Und als ihm eine Bäuerin ihr
kleines Mädel zuführt und immerzu sagt: „Sv
gib' halt dem Herrn Grafen ein Patschhändl",
da nimmt der Graf die Kleine kurzerhand auf
den Arm und herzt es ab.
An der Friedhofsmauer, gegen die Straße
heraus ist das Kriegerdenkmal. Zögernd bleibt
der Graf davor stehen und liest: „Graf Leo
pold von Bruggstein, Leutnant beim 12. Jnf.-
Regt. Gefallen am 16. August 1916, im Alter
von 23 Jahren bei Verdun."
Der Graf nickt ein paarmal und wendet sich
langsam ab.
.Der arme Poldi, das junge Blut!" mur
melt er vor sich hin.
Er sieht ihn im Geiste wieder vor sich, wie
er ausmarschiert ist an der Spitze seiner Kom
pagnie, Blumen an der Brust und im Sturm
band seines Helmes, mit lachendem Gesicht und
voller Zuversicht. Und dann später sah er ihn
noch einmal auf einem Rangierbahnhof im
Rheinland, als Poldi von Rußland an die
Westfront kam und er selbst mit seinem Regi
ment vom Westen an die italienische Front
ging.
Der Poldi, ja, das wär' einer gewesen. Dem
haben selbst die Gemsen zugeseh'n, wenn er
kühn und verwegen in den Felsen kletterte.
Und wo er hingehalten hat, da hat der Schuß
gesessen. Mit dem hat man auf die Jagd ge
hen und seine Freude haben können. Der
andere aber? O Gott! Ein Elend ist es mit
dem. Der stiehlt dem Herrgott bloß den Tag
ab und seinem Vater das Geld. Zuerst hat er
Rechtswissenschaft studiert, dann ein paar Se
mester Medizin, um sich dann der Technik zu
zuwenden. Seine Hauptbeschäftigung besteht
allerdings im Glücksspiel. Und ein Jäger ist
er, daß Gott erbarm!
Unwillig schüttelt Graf Bruggstein den
Kopf. Dann geht er durch den Park auf das
weiße, stille Haus zu. Die Parkbäume rau
schen leise im Abendwind und ans dem Brun
nenbecken am Eingang des Schlosses steigen
die Wassersäulen hoch wie silberne Sprühgar
ben, fallen dann in tausend Tropfen plätschernd
zurück in das steinerne Becken.
*
Die Sonne sinkt hinter die Berge. Ein ge
waltiger Himmelsbrand, in den dieAbendwol-
ken stürzen, wie drohende Ungeheuer. Im
Wald ist es schon dunkel.
Eine einsame Drossel schlägt,' ein süßer Vo
gelruf im Frieden des Waldes. Dann klingt
ein Lachen, ein helles Mädchenlachcn, erst
fern, dann immer näher. Wie silberne Glöck-
lein springt es durch den Wald.
Die jungen Menschen von der Steindlalm
sind es, die heimwärts wandern und jetzt aus
dem Wald herauskommen. Und auf einmal
stehen sie still. Hat jemand das Kommando
dazu gegeben? Nein, ganz von selbst haben
sie es getan, weil Juta von Bruggstein auch
stehen geblieben ist.
„Wie wunderschön, das Dorf im Abend-
frieden", sagt sie leise und hebt ausatmend
den Blick zu den hohen Wipfeln, an denen das
letzte Licht verglüht.
Das Dorf, mit den breiten, wuchtigen Bau
ernhöfen, liegt schon unter den Schatten des
Abends. Nur um den Kirchturm und um die
Zinnen des Schlosses Wandeck schimmert noch
das Abendrot. Die Fenster blinken, als ob sie
im Feuer stünden.
„Schau hin, Toni, unser Haus brennt", sagt
Jutta von Bruggstein.
„Dann tät ich nicht da still stehn'n", antwor
tet Toni. „Weißt, wie ich rennen tät . . ."
Toni steht zwischen Jutta und Monika.
Burgl ist hinter ihm und der Lechner Silvest
etwas abseits mit mißvergnügtem Gesicht.
Er hat es den ganzen Nachmittag schon ge
merkt, wie sich die drei Mädel nur für den
Toni interessieren. Und der Toni ist doch nur
der Sohn eines Kleinhäuslers, während ek
den reichsten Bauern im Tal zum Vater hat.
Also ist es besonders von der Brandl Monika
nicht zu verstehen, wie sie mit dem Häusler
buben so schön tun kann. Jetzt streicht sie ihm
sogar noch über den Arm und sagt: „Was
du für Muskeln hast, Toni."
Toni lacht und zeigt zwei Reihen blendeuö
weißer Zähne.
„Das kommt vom Arbeiten, weißt. Mit elf
Jahr hab' ich dem Vater schon Bäum' um
schneiden helfen müssen und müh'n hab' ich
auch schon müssen in dem Alter."
Silvest stößt ein kurzes, höhnisches Lachen
aus.
„Als wenn 's da recht viel zum Mähen gib'!
Die paar Tagwerk, die ihr habt."
Toni wendet langsam das Gesicht. Eine
kleine Falte steht zwischen seinen Brauen.
„Alle ckönnen keine Großbauern sein", sagt
er trntzig.
„Da hat er recht, der Toni", wispert Burgl,
die Schwester vom Silvest.
„Freilich hat er recht", äfft Vestl nach. „Er
hat alleweil recht, der Toni. Und den ganzen
Tag hörst nix wie: Tonele hin und Toncle
her! Er ist der Liabe, der Brave, der Gute
und unsereins ist der Garniemand."
„Silvest!" ruft Juta von Bruggstein streng-
„Ich glaube nicht, daß dir eines von uns Zn
solchen Worten Anlaß gegeben hat. Du bist
es immer selber, der Streit sucht."
(Fortsetzung folgt.)
Schrifttum
Das Haus der rheinische» Heimat. Am 21. Mai
i» Köln ein Museum erösfnet, das Volkstum, Geschieh"
und Kultur des Nheinlaudes darstellen soll. Es sind dort
ganze Räume im Stil ihrer Zeit eingerichtet,- sie zeige»
Kultur und handwerkliches Schaffen der Vorfahren auf-
Die neue „Kölnische Illustrierte Zeitung" bringt eine»
reichbebilderten Aufsatz über dieses Museum, belebt durch
Menschen unsrer Zeit in den Kostümen ihrer Ahnen-
Greta Garbo — ganz privat: der zweite Aufsatz der Bil
derreihe ist dem Heim der Filmschanspielerin in Schwe
den gewidmet und enthält unbekannte Photos.