Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Mit Zwei Zentnern durch de» Weltkrieg 
Erinnerungen eines Optimisten. 
(18. Fortsetzung.) 
Don einem Einschlag keine Spur, ebenso nicht 
berm zweiten, dritten und vierten Schuß. Der 
General wurde allmählich wild und beschimpfte 
zuerst den Batterieführer, dann mich, dann die 
Geschützbedienung. Es half aber alles nichts, 
die Ladung war bei sämtlichen Granaten durch 
rle kalte und feuchte Lagerung verdorben, so 
daß sie nachher vom Feuerwerker gesprengt 
werden mußte. Wir selbst aber waren froh, daß 
uns das Malheur nicht im Ernstfälle passiert 
war, wo es hätte schlimm ausgehen können. 
Tie Wälder wimmelten von Wild. Es gab 
Hirsche und Rehe, und einmal wurde sogar ein 
Bar gesichtet. Er hatte sich an unserer Feld 
küche zu schaffen gemacht und ein respektables 
-i-tuck Fleisch weggeschleppt. Es gab große Auf 
regung. Jeder wollte die Bestie 'erlegen. Nacht 
für Nacht verschwanden unsere oberbayerischen 
Schützen, von denen mancher im Zivilberuf 
nebenbei das geachtete, aber gefährliche Ge 
werbe eines Wilderers betrieb. Man sprach nur 
noch vom Bären. Der arme Kerl fand ein recht 
unrühmliches Ende. Ein tapferer Feldkoch, dem 
er seine Küche umgeworfen hatte, erlegte ihn 
mit einer Handgranate. 
Rumänien. 
Die Hoffnung, Weihnachten in wohlausge- 
bauten Stellungen verbringen zu können, soll- 
te sich nicht erfüllen. Mitte Dezember wurden 
wir plötzlich abgelöst, und durch das verschneite 
Ungarn und den Geisterwald ging es hinunter 
nach Siebenbürgen. Am 24. Dezember waren 
wir in ein kleines Dorf am Ende des Oitoz- 
passes eingerückt und hatten gute Quartiere 
bet deutschen Leuten bezogen. In aller Eile 
wurden die Vorbereitungen zum Weihnachts 
abend getroffen. Auf sieben Uhr war der Be 
ginn der Feierlichkeit angesetzt. Schon war 
überall der Weihnachtsbaum geschmückt, da 
kam plötzlich der Befehl zum Vormarsch. So 
gar den Festbraten mußte man zurücklassen, 
und im stärksten Eiltempo ging's in die un 
wegsamen Berge hinein. Wir sollten den 
Feind, der sich in dieser Nacht ganz sicher 
wähnte, überfallen und aus seinen starken 
Stellungen hinauswerfen. Dies gelang auch, 
aber unsere Verluste waren groß, und als 
wir endlich morgens um fünf Uhr in der 
öden Bretterhütte am Ende einer Seilbahn, 
die zum Transport von Holz diente, an 
langten, war alle Weihnachtsstimmnng ver 
schwunden. Zu essen hätten wir auch nichts ge 
habt, wenn sich nicht Birzlmeier noch in der 
Nacht in das vom Feinde kaum verlassene 
Dorf Soveja begeben hätte und mit ei 
nem großen Rucksack voll Eßwaren und zwei 
Riesenflaschen Zwetschgenschnaps zurückge- 
Von Karl Borromäus Gröber. 
Copyright 1888 by Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. 
kommen wäre. Brüderlich wurde alles geteilt, 
und die Stimmung besserte sich zusehends. 
Der Feind hatte sich rasch zurückgezogen. In 
den riesigen Wäldern traf man nur noch ein 
zelne Versprengte, die man gefangennahm. So 
gar unser Telephontrupp war auf solch ver 
sprengte Feinde gestoßen. Die Gefangennahme 
gestaltete sich höchst dramatisch. Beide Parteien 
lagen mit angeschlagenem Schießgewehr einan 
der gegenüber. Endlich wurde einer von den 
Rumänen als Unterhändler abgesandt, dem 
unser Telephonoffizier mit dem Karabiner im 
Anschlag entgegentrat. Als sich der Rumäne 
seinen Gegner näher angeschaut hatte, ging 
plötzlich ein erfreutes Leuchten über sein Ge 
sicht, und seinem Munde entrannen die geflü 
gelten Worte: „Tun Se's Gewehr weg, schießen 
Se nix, ich bin auch e Jüöd", und dann ergab 
er sich mit seinen übrigen Kameraden. 
Drunten im Tale, in dem fast verlassenen 
Soveja, kamen wir in ein schönes Quartier. 
Es war ein Erholungsheim für verwundete 
rumänische Offiziere gewesen, sehr sauber und 
für die Weihnachtsfeier der Herren Gegner 
schon festlich mit Tannenzweigen dekoriert. 
Jeder bekam hier sein eigenes Zimmer, und 
bald bruzzeltcn überall im Hofe in den Koch 
töpfen die fetten, kleinen rumänischen Schwei 
ne, und am Spieße drehten sich die lange ent 
behrten Hühner. Aus diesem Quartier habe ich 
eine gute Lehre für mein weiteres Leben mit 
hinweggcnommen. Ich hatte mir für meine 
Kochkünste einen schönen Bronzekessel requi 
riert, dessen Henkelbogen in einem eigentüm 
lichen Ornament die Initialen seines Vorbe 
sitzers trug. Außerdem hatte ich mir eine Decke 
mitgenommen, die mir durch ihre besondere 
Webart aufgefallen war und die ich als Unter 
lage für den Sattel meines Pferdes zu ver 
wenden gedachte. Beide Beutestücke waren Er 
Zeugnisse der heimischen Volkskunst, und ich 
zeigte sie deswegen im Kasino den Herren Offi 
zieren, die sich mehr interessiert als sachkundig 
darüber äußerten. Dann übergab ich die Decke 
meinem Burschen, damit er sie mitsamt dem 
Kessel so versorge, daß sie mir nicht mehr ge 
nommen werden könne. Ich gab ihm auch Ör- 
Allerlei cms Mer Welt 
Dieb bietet der Polizei seine Beute an. 
Wohl selten wurde der Polizei die Festnahme 
eines Täters so leicht gemacht wie in diesen 
Tagen in Genf. Ein junger Mann, der erst 
vor einigen Tagen von auswärts nach Genf 
gekommen war, stellte fest, daß seine Barschaft 
zu Ende ging. Also versuchte er sich durch 
einen Fahrraddiebstahl zu sanieren. Er ging 
mit dem Fahrrad zu einem Fahrradhändler, 
beachtete aber nicht, daß neben der Eingangs 
tür auch jene des dort liegenden Polizeibüros 
war. Der Fahrradhündler sah sich den jungen 
Mann an und erkannte sofort, was hier ge 
spielt wurde. Er erzählte ihm also, daß An 
käufe nur nebenan getätigt würden. Nichts 
ahnend ging der junge Mann nach „nebenan". 
Hier nahm man ihn gleich ein wenig ins 
Kreuzverhör, stellte die Herkunft des Fahr 
rades fest und behielt den jungen Fahrraööieb, 
der sich selbst unfreiwillig auf der Polizei ge 
stellt hatte, gleich dort. 
Die Pest verliert an Schrecken. 
In Indien, wie überhaupt in Asien, ist seit 
der strengen Ueberwachungstätigkeit der Ge- 
sanöheitsbehörden die Zahl der Cholera- und 
Pestopfer fühlbar zurückgegangen. Der Bericht 
des Gesundheitsamtes des Völkerbundes für 
den Osten in Singapore stellt fest, daß in In 
dien 1924 noch 861 843 Menschen an der Pest 
gestorben sind,' diese Zahl fiel 1926 um fast die 
Hälfte, auf 196 249. Seitdem ist die Sterblich 
keit an Pest weiter gefallen: im letzten Jahr 
wurden aus Indien nur noch 40 000 Todesfälle 
gemeldet. Der Bericht weist ferner darauf hin, 
daß in den vergangenen vier Jahren kein ein 
ziges pestverdächtiges Schiff in einem östlichen 
Hafen festgestellt werden konnte. Wenn auch 
unlängst die Cholera in Burma und Siam an 
Verbreitung gewonnen und auch in Kalkutta 
während des letzten Jahres noch zahlreiche Op 
fer gefordert hat, so sind doch China, die Phi 
lippinen und Niederlänöisch-Jndien von die 
ser Krankheit fast ganz frei. 
Grönland-Museum in Kopenhagen. 
Im früheren königlichen Brauhause in Ko 
penhagen, einem Renaissancebau aus dem 
17. Jahrhundert, wird ein Grönland-Museum 
eingerichtet. Damit wird ein Gedanke verwirk 
licht, den der Polarforscher Dr. Lauge Koch seit 
langem verfolgt und für den er jetzt die Unter 
stützung der Grönlandverwaltung gefunden 
hat. Das Museum soll die Geologie und die 
Flora und Fauna Grönlands veranschaulichen 
und deren Entwicklung schildern. 
Briefmarken aus Aluminium. 
Das Aluminium, das vor einem Jahrhun 
dert der deutsche Chemiker Wühler zum ersten 
Male rein darstellte, entfaltet eine geradezu 
beängstigende Wirksamkeit und Verwendungs 
fähigkeit. Ein mittelamerikanischer Klein 
staat, der vor allem unseren Briefmarken 
sammlern bekannt ist, unternimmt gegenwär 
tig Versuche, um das Papier der Postwertzei 
chen durch Aluminium zu ersetzen, das sich ja 
zu dünnsten Blättchen verarbeiten läßt. Dem 
Metall dürfte vor allem der Vorzug großer 
Haltbarkeit innewohnen. 
der, wo er sie zu verwahren habe. Im Laufe 
des Abends wollte ich die Gegenstände einem 
später eingetroffenen Herrn zeigen,' was sich 
aber nicht mehr vorfand, waren Kessel und 
Decke. Daß ich die Decke nie mehr sehen würde, 
war mir klar, dagegen konnte ich fast mir 
Sicherheit annehmen, daß in meinem Kft- 
sel schon irgendwo drunten im Garten vor dem 
Hause über einem Lagerfeuer ein nahrhaftes 
Gulasch schmoren würde. Ich hatte nicht falsch 
geraten und brauchte ihn nicht lange zu suchem 
Bei einem als richtiges Schlitzohr bekannten 
Kanonier stand über einem Kohlenfeuer der 
gesuchte Ausreißer mit dem schönen Mono 
gramm am Henkelbügel. Ich fragte bei ihm 
vorerst sanft an, woher er das schöne Gefäß 
habe. Er bezeichnete mit leichtem Erröten 
dasselbe Bauernhaus, aus dem auch ich mei 
nen Schatz geholt hatte. Als ich dann weiter in 
ihn drang, ob er vielleicht in diesem Hause auch 
eine Decke wie die meine gefunden habe, schwieg 
er betroffen still. Seine Kameraden aber er 
zählten mir, daß er vor kaum einer halben 
Stunde eine solche Decke in seinem Tornister 
verpackt hätte. Ich zog also die Decke heraus,' 
Größe, Muster und Farben, alles stimmte- 
Es galt damals nicht für sehr anständig, bei 
einem Vorgesetzten etwas zu requirieren- 
Trotzdem alle Indizien stimmten, leugnete der 
Kanonier unentwegt. Ich nahm ihn darum 
mit zu den Herren Offizieren, denen ich vorher 
die Gegenstände gezeigt hatte. Beide wurden 
wiedererkannt. Während wir aber noch derN 
Mann das Unstatthafte seines Tuns vorwar 
fen, kam mein Bursche zurück, der ebenfalls 
beschimpft wurde, daß er die Sachen nicht besser 
verstaut hatte. Er aber ging in meine Stube, 
griff dort unter mein Bett und brachte zu un 
ser aller Ueberraschung die vermißten Gegen 
stände daher. Kessel und Decke des Kanoniers 
und die meinen waren völlig gleich. So habe 
ich damals gelernt, keinen Menschen, und 
wäre es auch auf den klarsten Indizienbeweis 
hin, zu verdächtigen. Ich glaubte nun, die 
Sache sei für mich erledigt. Weil ich mich aber 
vor versammelter Mannschaft nachher bei dew 
Mann entschuldigte, wurde ich drei Tage ein 
gelocht. Ein Vorgesetzter durfte sich eben nicht 
entschuldigen, weil dies die Subordination 
untergraben hätte. 
(Fortsetzung folgt.) 
ist gern gefällig. 
Er laust auch gern mal 
für andere. Und kriegt er was 
dafür, und langt es dazu, dann 
bringt er feiner Mutter ein 
Sträußchen mit — viel lieber aber 
noch ein Seinkost-puddt'ng-pulver 
von Oc. Detker natürlich. 
flStnng- 
ausjchneiden! Prcisaufgabek 
Tsrri Zaggler / 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz, 
München. 
Nachdruck verboten. 
2) 
„Wieso? Ach ja! Sie haben keine Kinder. 
Schade! Aber seh'n Sie, Herr Förster, manch 
mal ist es auch gut, wenn man keine Kinder 
hat. Mit meinem Mädel erlebe ich ausnahms 
weise ein wenig Freude. Und mein Poldi, ja. 
das wär' auch einer geworden, an dem der 
Herrgott seine Freud' hätte haben können. 
Aber den hat das Vaterland von mir ver 
langt. Und der andere, der taugt nichts. Was 
ich mit dem schon Kummer erlebt habe, mein 
lieber Förster, das geht auf keine Kuhhaut." 
„Mit Graf Herbert?" fragte der Förster ver 
wundert? 
„Graf, ja, leben tut er wie ein Graf. Auf 
meine Kosten natürlich. Die Grafenkrone 
trägt er in jedem Schnupftuch und auf jeder 
Zigarrettendose. Aber wert ist er sie schon 
lang nicht mehr. Mich, seinen Vater, kennt er 
nur, wenn er bis zum Hals in der Tinte steckt. 
Da muß natürlich der Vater herhalten und 
die Schulden bezahlen. Ja, mein lieber Hell- 
weger, da habt Ihr gar keine Ahnung, was so 
ein leichtsinniges Bürscherl verpraßt. Der ver 
liert am Spieltisch mehr, als ich und Sie das 
ganze Jahr brauchen. Ein Glück ist es nur, 
daß seine Mutter das nicht mehr erlebt hat." 
Der Förster ist nun schon über fünf Jahre 
beim Grafen im Dienst. Aber noch nie hat 
dieser so frei und offen mit ihm gesprochen. 
„Die Gräfin Bruggstein ist schon früh ge 
storben?" fragte der Förster nach einer Weile. 
„Freilich, viel zu früh. Und denken Sie sich, 
welch eigenartige Fügung! Oder kennen Sie die 
Geschichte schon? Nicht! Also, am gleichen Tag, 
fast zur selben Stunde, als meine Frau starb, 
hat meinen Poldi im Sturmangriff die Ku 
gel dahingemäht. Der alte Zaggler war bei 
ihm und hat ihm die Augen zugedrückt." 
„Ausgerechnet der Zaggler?" 
„Ja. Verstehen Sie jetzt auch, warum ich 
beim Zaggler immer ein Auge zudrücke? 
Weil er eben meinem Buben in seiner lebten 
Stunde beigestanden hat. Das vergeß' ich ihm 
nicht so leicht. So, und nun wollen wir ein 
anderes Thema anschneiden. Haben Sie schon 
Nachricht wegen der Dobermannkreuzung? 
Ja? Und, was schreiben die?" 
Hochlandsroman von Hans Ernst 
Der Förster hält dem Grafen einen Vor 
trag über die Vorzüge der verschiedenen 
Jagdhunörassen, und schneller als sie eigent 
lich wollen, stehen sie vor dem Försterhaus, 
das etwa zweihundert Meter außerhalb des 
Dorfes in einem schön gepflegten Obstgarten 
steht. 
„Wenn ich mir erlauben darf, Herr Graf, 
vielleicht trinken Sie eine Tasse Kaffee mit", 
meint der Förster unsicher. 
„Aber gern!" Der Graf stößt mit dem Fuß 
das Gartcntürchen auf. „Ah, da ist sie ja schon, 
die Frau Försterin! Grüß Gott, Frau Förste- 
rin. Ist der Kaffee schon fertig?" 
„Aber — aber, will der Herr Graf —?" 
„Freilich will ich mithalten. Aber bitte keine 
Umstände. Gleich da im Gartenhäusl bleiben 
wir sitzen." 
Es wird eine recht gemütliche Stunde in 
der kleinen Geißblattlaube. Und als der 
Graf die Straße wieder betritt, steht die 
Sonne schon am Grat der Berge. 
Seine schwergenagelten Schuhe klappern 
auf der Straße. Im Torf sitzen die Bäuerin 
nen auf den Hausbünken und da und dort 
wechselt der Graf ein paar freundliche Worte 
über den Zaun. Es gibt nichts, was ihn nicht 
interessierte. Und als ihm eine Bäuerin ihr 
kleines Mädel zuführt und immerzu sagt: „Sv 
gib' halt dem Herrn Grafen ein Patschhändl", 
da nimmt der Graf die Kleine kurzerhand auf 
den Arm und herzt es ab. 
An der Friedhofsmauer, gegen die Straße 
heraus ist das Kriegerdenkmal. Zögernd bleibt 
der Graf davor stehen und liest: „Graf Leo 
pold von Bruggstein, Leutnant beim 12. Jnf.- 
Regt. Gefallen am 16. August 1916, im Alter 
von 23 Jahren bei Verdun." 
Der Graf nickt ein paarmal und wendet sich 
langsam ab. 
.Der arme Poldi, das junge Blut!" mur 
melt er vor sich hin. 
Er sieht ihn im Geiste wieder vor sich, wie 
er ausmarschiert ist an der Spitze seiner Kom 
pagnie, Blumen an der Brust und im Sturm 
band seines Helmes, mit lachendem Gesicht und 
voller Zuversicht. Und dann später sah er ihn 
noch einmal auf einem Rangierbahnhof im 
Rheinland, als Poldi von Rußland an die 
Westfront kam und er selbst mit seinem Regi 
ment vom Westen an die italienische Front 
ging. 
Der Poldi, ja, das wär' einer gewesen. Dem 
haben selbst die Gemsen zugeseh'n, wenn er 
kühn und verwegen in den Felsen kletterte. 
Und wo er hingehalten hat, da hat der Schuß 
gesessen. Mit dem hat man auf die Jagd ge 
hen und seine Freude haben können. Der 
andere aber? O Gott! Ein Elend ist es mit 
dem. Der stiehlt dem Herrgott bloß den Tag 
ab und seinem Vater das Geld. Zuerst hat er 
Rechtswissenschaft studiert, dann ein paar Se 
mester Medizin, um sich dann der Technik zu 
zuwenden. Seine Hauptbeschäftigung besteht 
allerdings im Glücksspiel. Und ein Jäger ist 
er, daß Gott erbarm! 
Unwillig schüttelt Graf Bruggstein den 
Kopf. Dann geht er durch den Park auf das 
weiße, stille Haus zu. Die Parkbäume rau 
schen leise im Abendwind und ans dem Brun 
nenbecken am Eingang des Schlosses steigen 
die Wassersäulen hoch wie silberne Sprühgar 
ben, fallen dann in tausend Tropfen plätschernd 
zurück in das steinerne Becken. 
* 
Die Sonne sinkt hinter die Berge. Ein ge 
waltiger Himmelsbrand, in den dieAbendwol- 
ken stürzen, wie drohende Ungeheuer. Im 
Wald ist es schon dunkel. 
Eine einsame Drossel schlägt,' ein süßer Vo 
gelruf im Frieden des Waldes. Dann klingt 
ein Lachen, ein helles Mädchenlachcn, erst 
fern, dann immer näher. Wie silberne Glöck- 
lein springt es durch den Wald. 
Die jungen Menschen von der Steindlalm 
sind es, die heimwärts wandern und jetzt aus 
dem Wald herauskommen. Und auf einmal 
stehen sie still. Hat jemand das Kommando 
dazu gegeben? Nein, ganz von selbst haben 
sie es getan, weil Juta von Bruggstein auch 
stehen geblieben ist. 
„Wie wunderschön, das Dorf im Abend- 
frieden", sagt sie leise und hebt ausatmend 
den Blick zu den hohen Wipfeln, an denen das 
letzte Licht verglüht. 
Das Dorf, mit den breiten, wuchtigen Bau 
ernhöfen, liegt schon unter den Schatten des 
Abends. Nur um den Kirchturm und um die 
Zinnen des Schlosses Wandeck schimmert noch 
das Abendrot. Die Fenster blinken, als ob sie 
im Feuer stünden. 
„Schau hin, Toni, unser Haus brennt", sagt 
Jutta von Bruggstein. 
„Dann tät ich nicht da still stehn'n", antwor 
tet Toni. „Weißt, wie ich rennen tät . . ." 
Toni steht zwischen Jutta und Monika. 
Burgl ist hinter ihm und der Lechner Silvest 
etwas abseits mit mißvergnügtem Gesicht. 
Er hat es den ganzen Nachmittag schon ge 
merkt, wie sich die drei Mädel nur für den 
Toni interessieren. Und der Toni ist doch nur 
der Sohn eines Kleinhäuslers, während ek 
den reichsten Bauern im Tal zum Vater hat. 
Also ist es besonders von der Brandl Monika 
nicht zu verstehen, wie sie mit dem Häusler 
buben so schön tun kann. Jetzt streicht sie ihm 
sogar noch über den Arm und sagt: „Was 
du für Muskeln hast, Toni." 
Toni lacht und zeigt zwei Reihen blendeuö 
weißer Zähne. 
„Das kommt vom Arbeiten, weißt. Mit elf 
Jahr hab' ich dem Vater schon Bäum' um 
schneiden helfen müssen und müh'n hab' ich 
auch schon müssen in dem Alter." 
Silvest stößt ein kurzes, höhnisches Lachen 
aus. 
„Als wenn 's da recht viel zum Mähen gib'! 
Die paar Tagwerk, die ihr habt." 
Toni wendet langsam das Gesicht. Eine 
kleine Falte steht zwischen seinen Brauen. 
„Alle ckönnen keine Großbauern sein", sagt 
er trntzig. 
„Da hat er recht, der Toni", wispert Burgl, 
die Schwester vom Silvest. 
„Freilich hat er recht", äfft Vestl nach. „Er 
hat alleweil recht, der Toni. Und den ganzen 
Tag hörst nix wie: Tonele hin und Toncle 
her! Er ist der Liabe, der Brave, der Gute 
und unsereins ist der Garniemand." 
„Silvest!" ruft Juta von Bruggstein streng- 
„Ich glaube nicht, daß dir eines von uns Zn 
solchen Worten Anlaß gegeben hat. Du bist 
es immer selber, der Streit sucht." 
(Fortsetzung folgt.) 
Schrifttum 
Das Haus der rheinische» Heimat. Am 21. Mai 
i» Köln ein Museum erösfnet, das Volkstum, Geschieh" 
und Kultur des Nheinlaudes darstellen soll. Es sind dort 
ganze Räume im Stil ihrer Zeit eingerichtet,- sie zeige» 
Kultur und handwerkliches Schaffen der Vorfahren auf- 
Die neue „Kölnische Illustrierte Zeitung" bringt eine» 
reichbebilderten Aufsatz über dieses Museum, belebt durch 
Menschen unsrer Zeit in den Kostümen ihrer Ahnen- 
Greta Garbo — ganz privat: der zweite Aufsatz der Bil 
derreihe ist dem Heim der Filmschanspielerin in Schwe 
den gewidmet und enthält unbekannte Photos.
	        
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