Der gute Doktor Rübezahl
Roman von Anton Schwab
Copyright by: Romanverl. Greiser, Karlsruhe.
38) Nachdruck verboten.
Keiner hörte, was drin gesprochen wurde.
Minuten schlichen hin wie Ewigkeiten. Im
mer noch warteten die Männer, bis Feldham
mer unruhig wurde und entschlossen in das
Zimmer trat.
Unwillkürlich stieß er einen Schrei aus.
Der alte Herr lag bewußtlos am Boden, das
geöffnete Fenster aber zeigte, daß der Mörder
entflohen war.
Er sah durchs Fenster, hörte unten einen
Motor anlaufen, und jetzt raste ein Wagen in
die Nacht.
Der Verbrecher flüchtete mit dem neuen Wa
gen Jorindes, mit dem die Männer gekommen
waren.
Riesenaufregung im Raume. Man hob
Prinxheim hoch und stellte fest, daß er nur
bewußtlos war. Frank hatte ihn niedergeschla
gen.
Marquart lief sofort an den Apparat und
ries Las Polizeiamt an.
Die Nachricht von der Flucht des Verbre
chers lief durch den Draht.
Die Nachricht lief mit Windeseile weiter.
Alle Gendarmeriestationen und Polizeiämter
wurden verständigt.
„Er kommt nicht weit!" meinte Marquart
siegesgewiß. „Ueberall wird man nach dem
Auto fahnden. Im Umkreis von 50 Kilometer
ist alles auf dem Posten. Sämtliche Straßen
aus Kollmenbergen sind gesperrt!"
„Ich will mit Ihnen hoffen, Herr Mar
quart!" sagte Feldhammer. „So, unsere Ar
beit hier ist getan. Hoffen wir, daß Herrink
inzwischen festgenommen worden ist! Vielleicht
ist es gut, wenn er sofort verhört wird!"
„Herrink ist verhaftet!" sagte Schumert.
„Wollen Sie dem Verhör beiwohnen, Herr
Doktor'?"
„Selbstverständlich!" Dann wandte er sich
an seinen Kollegen: „Herr Doktor Stiller, Sie
bleiben wohl vorläufig im Hause Prinx
heim?"
„Ja, es wird das Beste sein!"
Rücksichtslosigkeit Franks, dem das Leben des
Mitarbeiters nichts galt.
Herrink wurde in Haft behalten, aber alle
hatten die Ueberzeugung, daß der gebrochene
Mann keinen Anteil an dem Verbrechen hatte.
Dr. Feldhammer blieb auf dem Polizeiamt,
er wartete so gespannt wie die Beamten auf
Nachrichten, aber von keiner Seite trafen Mel
dungen ein.
Es wurde VA Uhr, als die Gendarmerie
station in Briefen anrief und meldete, daß
soeben ein hellgrauer Wagen durchgebraust sei,
dessen Führer nicht auf das rote Licht reagiert
und aus dem Wagen geschossen habe. Ein
Mann sei schwer verletzt.
Das war die einzige Meldung.
Und weiter kam nichts bis in die frühen
Morgenstunden.
„Doch entwischt!" knirschte Feldhammer
wütend.
„Er wird gefaßt", tröstete ihn Schumert,
„verlassen Sie sich darauf, er wird gefaßt."
8.
Die Vernehmung Herrinks förderte aller
hand Interessantes zu Tage.
Herrink erwies sich als unbeteiligt an der
Mordtat. Der Chemiker war ganz gebrochen
und zugleich wieder befreit. Es tat ihm wohl,
einmal alles vom Herzen zu sprechen. , ; '
Frank hatte ihn in der Hand, er wußte von
seinen Vorstrafen und er mußte wohl oder
übel an den gefährlichen Experimenten teil
nehmen. ,
Herrink hatte auch das Gefühl, daß der Tod
Gregors auf das Konto Franks zu buchen sei,
aber ihm fehlte der Beweis. Er geißelte die
Am nächsten Morgen saß man im Hause
Feldhammer zum Kaffeetisch zusammen, und
alles wartete voll Spannung auf den Doktor.
Obwohl er um 4 Uhr erst ins Bett gekommen
war, erschien er doch nur mit geringer Ver
spätung, bereit, wie immer, seine Sprechstunde
aufzunehmen.
Die erste Sprechstunde hatte er ausfallen
lassen bzw. um zwei Stunden verschoben.
Helmer grüßte herzlich und nahm neben
Jorinde Platz.
Er sah in allen Gesichtern die Frage, und er
ließ sie nicht warten.
„Gestern haben wir den Mörder entlarvt!"
begann er, und erzählte ihnen ausführlich,
wie alles vor sich gegangen war. Atemlos
lauschten alle seinen Worten.
„Und man hat ihn noch nicht wieder festge
nommen?"
„Nein, noch nicht! Aber die Polizei ist fest
überzeugt, daß sie ihn fassen wird."
Dann wandte er sich an Kate und sagte:
„Kate, ziehe die Kinder gut an! Ich will mit
ihnen ausgehen!"
„Was hast du denn vor?"
„Gleich nach der Sprechstunde um 10 Uhr
will ich mit den Kindern zu ihrem Großvater
gehen."
„Erkennt er sie an?" fragte Jorinde ge
spannt.
„Das weiß ich noch nicht, aber ich weiß, daß
jetzt der richtige Augenblick da ist, den ich
nutzen muß."
Plötzlich dachte er daran, daß der Verbrecher
ja Jorindes Wagen benutzte, und er wurde
ganz kleinlaut.
„Jorinde", sagte er betrübt, „Sie haben Pech
mit ihren Autos hier in Kollmenbergen. Das
erste haben Sie selber kaputt gefahren und das
zweite fährt jetzt der Verbrecher zum Teufel!"
„Was tut das! Ein Auto läßt sich ersetzen!"
„Das wird Herr von Prinxheim tun. Der
wird Ihnen sicher den schönsten neuen Wagen
kaufen."
„Wenn er's nicht tut, dann tue ich's!" rief
Onkel Klaas. „Doktor, jetzt bin ich richtig
froh, daß ich von Java gekommen bin..."
„....mit dem Bett!"
„Jawohl, mit dem Bett! Ich mußte von
Java kommen, um Sie kennen zu lernen,
denn einen Kerl wie Sie, den gibt's nur ein
mal ans der Welt."
Da fuhr ihn der Rübezahl grob an: „Wenn
man 70 ist, dann macht man solche Kompli
mente nicht mehr, Onkel Klaas!"
„Sie junger Bursche, Sie!" sagte Klaas
schmunzelnd, „wollen Sie Ihren alten Onkel
gefälligst nicht so anfahren!"
Worauf die Kinder in ein helles Lachen aus
brachen.
Ein paar Stunden später stand Dr. Feld
hammer vor Prinxheim. Er staunte über den
alten Herrn. Der hatte wirklich Bomben
nerven. Ganz aufrecht, wie immer, als wenn
er.ein Lineal verschluckt hätte, saß er in seinem
Lehnsessel.
Seine Stimme klang aber etwas wärmer
als sonst, als er jetzt sprach: „Herr Doktor,
das Haus Prinxheim wird Ihnen nie verges
sen, was Sie für es getan haben."
„Schon gut, Herr von Prinxheim! Bedauer
lich ist nur, daß man den Mörder noch nicht
hat."
„Nein, nein, das ist gut!" wehrte der alte
Herr ab, „ich will keinen Skandal."
„Herr von Prinxheim", nahm jetzt Helmer
ernst das Wort. „Sie müssen endlich einmal
anders werden. Dieses ängstliche Bangen vor
der Oeffentlichkeit ist Ihrer unwürdig. Der
Verbrecher muß gefaßt, muß unschädlich ge
macht werden, weil Sie sonst nie sicher sind,
daß nicht ein weiterer Anschlag gegen Sie und
Ihre Tochter erfolgt. Es muß sein! Und dann
....der Verbrecher hat schwere Vorwürfe
gegen Sie erhoben. Haben Sie die zu fürch
ten?"
„Nein", entgegnete der alte Herr fest. „Ich
habe nichts zu fürchten. Mein Bruder war ein
haltloser Verschwender, der sein Erbteil ver
wirtschaftete und meins bald noch dazu. Er war
ein Spieler, ein Wetter und ein Weiberheld.
Das kann ich beweisen. Hätte ich damals nicht
eine so große Partie gemacht, wäre meine Frau
nicht so reich gewesen, dann hätten die Prinx-
hcimwerke längst in anderen Händen sein
müssen."
„Ich glaube cs Ihnen!"
„Ich liebe die Menschen nicht, das ist wahr,
und ich mache keinen Hehl daraus. Sie sind
falsch und schlecht und enttäuschen."
„Meinen Sie?"
„Ja! Ich habe es kennen gelernt! Ich war
nicht immer so. Mich hat das Leben erst bittet
gemacht."
„Herr von Prinxheim, jetzt muß ich Ihnen,
der Jüngere, einmal ein paar Worte sagen!
Die Menschen sind gut und schlecht, jeder hat
einen Teil von beidem bekommen. Charaktere
zwingen das Schlechte, treiben es aus sich her
aus, werfen es fort wie die Schlacke. Sie haben
nur ein paar schlechte Erfahrungen gemacht
und verdammen drum die Menschen, verhärten
ihr Herz! Hätten Sie wie ich, wie andere so
mitten unter den schaffenden Menschen gestan
den, Sie würden heute ein anderer und glück
licher Mensch sein. Sie haben es aber nicht ver
mocht, ein wenig mit den anderen Menschen
zu leben! Haben Sie sich jemals frei gemacht
von der Eitelkeit des Herzens? Der Mensch,
der neben Ihnen steht, ganz gleich ob's der
einfachste Arbeiter ist, er ist ein Mensch, ge
schaffen von Gott, mit dem Recht auf das Le
ben und dem Recht auf die Beglückung. Haben
Sie jemals an die Beglückung eines anderen
Herzens gedacht?"
„Herr Doktor" stieß der alte Mann verzwei
felt hervor, „die Menschen sind nicht so, wie
Sie sie sehen!"
„Und wir sind nicht so, wie wir uns zu sehen
belieben, Herr von Prinxheim! Machen Sie
nach all dieser Bitternis einen Abschlußstrich,
Herr von Prinxheim! Sie sind alt, aber noch
nicht zu alt, um noch ein wenig Liebe geben
und nehmen zu dürfen! Draußen stehen die
vier Kinder Ihres Sohnes! Jetzt ist Ihre
Stunde, Herr von Prinxheim! Jetzt kommt es
darauf an, ob ich Sie in Zukunft hochachten
kann . . . oder verachten muß."
Der alte Mann sitzt steif und starr und sieht
vor sich nieder. In seinem Gesicht zuckt nicht
eine Muskel.
„Es sind vier Kinder, prächtige Kinder, eins
immer lieber als das andere! Die machen
Ihnen Freude und Sie werden noch stolz auf,
sie sein."
Der alte Mann atmet schwer, er kämpft mit
einem Entschluß. Dann blickt er auf und ein
ergebener, müder Ausdruck ist in den Augen.
„Kann ich... die Kinder . . . einmal sehen?"
Da weiß Feldhammer, daß er gewonnen hat,
er nickt nur, öffnet die Tür und winkt den
Kindern, daß sie eintreten sollen.
Ganz leise und schüchtern treten die vier Kin
der über die Schwelle, bleiben am Tisch stehen
und sehen auf den alten Mann.
Henner steht mit trotzigem, verschlossenem
Gesicht, Lisa und Anui, die beiden Mädchen
schauen unsagbar lieblich aus und der kleine
Toni zeigt ein Gesicht, das rührend in feinet
Kindlichkeit ist.
„Das ist euer Großvater!" sagt Feldhammet
behutsam. ' - , j
Der alte Herr sieht die Kinder an, lauge
schaut er sie an, und sagt kein Wort. Die Kin
der stehen wie angewurzelt. Bis sich der kleine
Toni regt und mit seinen kleinen BeincheN
auf den alten Prinxheim zustrebt.
lFortsetzung folgt.)
Nr.
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Kreuzworträtsel.
Waagerecht: 1. Kalimetall, 7. lat. „also", 8. Mädchenname,
Getränk, Hb Gegensatz von alt, 13. Tonstufe, 14. Fluß in
Rußland, Verneinung, ld, Vergangenheit von sehen, 19. alko
holisches Getränk, Ş scharfe Kante, 22. Kaste, 23. Entdcckunas-
reisender. — Senkrecht: 1. Stadt an der Werra, 2. Lied,
*8^,Elend, \ Gewässer, 5. Krötenart, 6. Leiter früherer Hofhat
tungen, 10. Nebenfluß der Donau, 12. Männername, 13.
stoff, 16. südamerikanischcs Volk, 18. Kampfplatz, 19.
20. Monat, (c --- k.)
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Geleitet von W. P a m p f e r.
Partie Rr. 56.
Der König in der Falle.
Die Stellung für den Weißen nicht
besonders viel Erfolg verspricht.
An Qualität ist Schwarz voran,
schon droh: das Matt, dann ist's getan.
Doch Weiß gewinnt hier in der Tat
ganz einfach durch: Ersticktes Matt!
Zuerst va macht die Dame Krach,
rückt nach e6 und bietet: Schach!
Der schwarze König weicht ein Stück
und geht auf Feld 68 zurück.
Dort wird er wieder fortgetrieben,
es geht der Springer nach e7.
Der König sich von dannen macht
und kehrt zurück nach Feld g8.
Jetzt folgt ein ganz besonderer Schlag:
Der Weiße bietet Doppelschach!
Indem der Springer, wie man sieht,
sich hin nach Feld 66 bemüht.
Der König, wie beim Zuge eben,
mutz nach g8 sich hin begeben.
Des Damenopfers Durchschlagskraft
dem Weißen jetzt den Sieg verschafft.
Die Dame auf g8 geruckt,
wird zwar sogleich vom Turm verschluckt.
Nun sitzt der König in der Falle,
fciitn nächsten
'Vom Springer'wird zuguterletzt
er auf t7 mättgesetzt.
Ausgangsstellung zu: Der König in der Falle.
Schwarz.
1. Stich: ch König, H 8, <p 7;
2. Stich: 4, König, Z 9, cp 8-
3. Stich: <> As, <> Dame, cp 9;
D E F G H
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Weiß.
Weiß:
1 DfS—e6+
2. Se5—f7+
3. Sf7—h6+ +
4. De6—g8+
5. S66—£7 P:
Kontrollstellung:
Weiß: Kgl, Df5, Se5, Bg2,62.
Schwarz: Kg8, Dd2, Tb2, a8, Bg7, h7.
Schwarz:
Kg8—h8
K68—g8
Kg8—68
Ta8:g8
Rösselsprung:
Niemals.
Wonach du sehnlich ausgeschaut,
Es wurde dir beschieden.
Du triumphierst und jubelst laut:
Jetzt hab' ich endlich Frieden!
Ach, Freundchen, rede nicht so wild.
Bezähme deine Zunge.
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt.
Kriegt augenblicklich Junge.
Wilh. Busch.
Einzeln: brauchbar — vereint: schrecklich! Kasten — Geist —
Kastengeist.
Silbenrätsel: 1. Delphin, 2. Rienzi, 3. Eisenzeit, 4. Stand
recht, 5. Diphtherie, 6. Eckhart, 7. Nonius, 8. Mailand, 9. Ueber-
bein, 10. Nilgau, 11. Chinin, 12. Eiche, 13. Natrium, 14. Kette,
15. Oelschalter, 16. Leitgeb, 17. Nehrung, 18. Bruckner, 19. Efeu,
20. Riementrieb, 21. Leuchtturm, 22. Indra. 23. Nagelfluh. —
Dresden, München, Köln, Berlin, Hamburg,
Bremen und Stettin.
Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Dolomiten, 7. Ekel, 8. Bote,
9. See, 11. Tau, 12. Aal, 14. Erker, 16. Tau, 17. le, 18. Eis,
20. Nil, 21. Ulan, 22. Toll, 23. Remington. — Senkrecht: 1. De
serteur, 2. Oker, 3. Lee, 4. tot, 5. Etat, 6. Neukoelln, 10. Kakao,
12. Art, 13. Leu, 15. Eile, 17. Lilo. 19. Sam. 20. Not.
Skataufgabe Nr. 3:
Um das Spie! zu gewinnen, braucht Vorhand noch
23 Augen. Spielt er H König an, jo verliert er das Spiel
üücä llmüiiiibclt. benttfi
Der Rest geht an die Gegenseite.
Spielt er dagegen >?» König an, so
denn:
1. Stich: 4. König, <- 9, ^7;
2. Stich: <> As, H Dame, <p 8;
3. Stich: Ô 7/ 0 König, cp 10;
(4- 4 Augen)
(+ 4 Augen)
(+ 14 Augen)
22 Augen
gewinnt er das Spiel,
t-st 4 Augen)
t-j- 14 Augen)
(geht an die
4. Stich: V Dame, cp 9, 4» König;
(-1- 7 Augen!
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25 Augen.
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Aufgabe Nr. 5.
Hinterhand bekommt das Spiel mit 72 und spielt ş» Sost
aus der Hand. Der Spieler hat folgende Karten:
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