Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang 
129. Jahrgang 
Rendsburgs TageblnL 
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Die englischen Bütfftßgen nhmàhļ. 
DNB. Berlin, 7. Mai. Der britische Bot 
schafter Sir Eric Phipps suchte am Donncrs- 
tagvormittag den Reichsminifter des Aus 
wärtigen, Freiherrn von Neurath, auf und 
überbrachte ihm die Rückfragen der englischen 
Negierung zu den deutschen Friedeusvor- 
schlägen. 
Der englische Fragebogen, 
der am gestrigen Donnerstag auf dem üblichen 
diplomatischen Wege in Berlin überreicht 
wurde, hat bekanntlich in London wiederholte 
Ueberarbeitungen erfahren. Die Regierung 
Sarraut-Flandrn hatte ihr Aeußerstes getan, 
um die englischen Rückfragen möglichst weit 
gehend dem Fragenbündel der bekannten 
Flandinschen Wahlrede anzugleichen, ö. h. also 
auch so abseitige Gebiete wie beispielsweise 
Danzig und das Memelproblem mit einzu 
beziehen. Auf englischer Seite wurde wieder 
holt betont, man wolle bei den Fragen nach 
Inhalt und Form alles vermeiden, was in 
quisitorisch oder kritisierend wirken könne. 
Wie weit diese beiderseitigen Bemühungen 
einen Niederschlag gefunden haben, kann erst 
der Wortlaut zeigen. In keinem Fall dürfte 
aber wohl die Rede davon sein, daß die deut 
sche Antwort bereits zum 11. Mai, dem Be 
ginn der Völkerbundssitzung, in London ist, 
wie das kürzlich von englischer Seite aus trotz 
der Schwierigkeit der zu behandelnden 
Probleme und trotz der wochenlangen Ver 
zögerung in der Absendung der Fragen der 
Reichsregierung sonderbarerweise nahegelegt 
wurde. 
Wortlaut des Fragebogens s. 2. Hauptblattseite 
Die Unterhausaussprache über aktuelle 
außenpolitische Fragen wurde von der eng 
lischen Opposition sehr gegen den Willen der 
Regierung erzwungen. Diese war im Sinne 
der bekannten englischen Spielregel entschlos 
sen, in guter Haltung den Verlierer abzugeben. 
Es ist dem englischen Ministerpräsidenten 
Baldwin dabei von seinem alten Gegner Sir 
Austen Chamberlain sehr verargt worden, daß 
er den Außenminister Eden vorschickte, anstatt 
sich selbst dem Parlament zu stellen. Eden war 
um seine höchst undankbare Aufgabe wirklich 
nicht zu beneiden. Auch sein persönlicher Mut 
konnte in seiner Rede nicht mehr zustande 
bringen als die Aneinanderreihung sehr ver 
legener Umschreibungen. Er hatte den schwe 
ren Angriffen der Opposition, deren Redner 
Dalton von der Regierung wegen seiner Sach 
kenntnis gefürchtet wird, nichts anderes ent 
gegenzusetzen als das Geständnis, daß der 
Völkerbund versagt hat. 
Wenn aber schon die englische Regierung mit 
einer Hartnäckigkeit, du einer besseren Sache 
würdig wäre, an dieser lächerlichen Fiktion 
vom „Völkerbund" festhält, dann erscheint es 
als ein schwerer Widerspruch in sich selbst, 
wenn Herr Eden alle Verantwortung für die 
heutige Lage in Afrika von der englischen Re 
gierung abzuwälzen und auf den sogenannten 
Völkerbund zu laden versucht. Hier schlägt sich 
England mit seiner eigenen Waffe. Es ist eine 
englische Feststellung, die dort im Unterhaus 
gemacht wurde, daß dem Völkerbundsrat als 
dem maßgeblichen Organ zur Zeit außer Ita 
lien nur noch zwei Großmächte, nämlich Eng 
land und Frankreich, angehören. Es bedarf 
nur eines Blicks in die Zahlentabellen bei 
spielsweise der militärischen Machtmittel, um 
festzustellen, daß England und Frankreich als 
die tonangebenden und damit verantwortlichen 
Mächte des Völkerbundes durchaus die Mög 
lichkeit gehabt hätten, den Dingen in Afrika 
den Verlauf in sehr weitgehendem Maße vor 
zuschreiben. Zumal England hatte sich während 
des ganzen Krieges hinsichtlich der Stützung 
des Völkerbundes durch das britische Prestige 
so stark in den Vordergrund geschoben, daß 
selbst nach der nur von Versagern angefüllten 
Völkerbundsgeschichte Abessinien eine so schwere 
Enttäuschung kaum erwarten konnte. Es ist 
ein bitteres, aber auch mutiges Wort, wenn 
im Unterhaus ein Konservativer rund heraus 
erklärte: „Wir wollen es ruhig zugeben, daß 
wir Abessinien betrogen haben." 
Der stärkste Widerspruch in der Rede Edens 
aber liegt in der verblüffenden Feststellung: 
Der Völkerbund hat versagt, also muß der 
Völkerbund — fortbestehen! Die gleiche para 
doxe Haltung nimmt England bekanntlich ge 
genüber der sogenannten „kollektiven Sicher 
heit" ein. Es ist kein Wunder, wenn diese Un 
terhaussitzung weder im eigenen Lande als 
Ruhmesblatt der englischen Geschichte empfun 
den wird noch beschwichtigend oder gar ein 
schränkend beispielsweise auf die bereits sehr 
intensiv betriebenen italienischen Kolonisa 
tionspläne in Abessinien wirken kann. Von 
Nom aus verbittet man sich unterdessen be 
reits jede Einmischung und betont, daß Jta- 
«ren über seine abcssinischen Pläne niemandem 
Rechenschaft schuldig sei. 
sein. Der Sieg Italiens sei total, die Besetzung 
Abessiniens werde ebcnso total, dauernd und 
endgültig sei». 
dem Negus und der ägyptischen Regierung 
verhandelt worden sei, betrachteten die Itali 
ener vom rein geschäftlichen Standpunkt. Sie 
seien überzeugt, daß ein Abkommen erreicht 
werden könne, daß die englisch-ägyptischen Be 
lange befriedigen würde. Wahrscheinlich würde 
der Bau des Dammes italienischen Ingenieu 
ren überlassen werden. 
Die britische Regierung sei, so meldet der 
Mitarbeiter weiter, dahin unterrichtet worden, 
daß die auswärtigen Gesandtschaften in Addis 
Abeba vorläufig in der bisherigen Weise wei 
terarbeiten könnten. Es sei jedoch anzuneh 
men, daß sic im Lause der Zeit abberufen wer 
den würden, da der abessinische Staat kein 
Oberhaupt besitze, bei dem sie beglaubigt seien. 
* 
Noch keine Entscheidung Frankreichs 
in der Sanktionsfrage. 
DNB. London, 8. Mai. sEig. Funkm.) Nach 
Mitteilungen, die der politische Berichterstatter 
des Daily Herald empfing, wird Frankreich 
vor Mitte nächsten Monats noch keine Ent 
scheidung in der Sanktionsfrage fällen. Der 
britische Botschafter sei in Paris dahin unter 
richtet worden, daß Frankreich die Vertagung 
der Sanktionsfragen bis nach der Bildung ei 
nes neuen Kabinetts beantragen iverde, was 
nicht vor dem 1. Juni erfolgen könne. Die be 
stehenden Sanktionen würden infolgedessen in 
den kommenden Wochen in Kraft bleiben. In 
französischen Kreisen werde der 13. Juni als 
Termin für eine neue Ratssitzung genannt. 
Der Heps in Suez. 
DNB. London, 7. Mai. Der britische Kreu 
zer „Enterprise", auf dem sich der Kaiser von 
Abessinien befindet, traf am Donnerstagfrüh 
in Suez ein. Dem Kriegsschiff wurde der so 
fortige Eintritt in den Kanal gestattet. Be 
sucher wurden nicht an Bord gelassen. 
Nach einer Meldung aus Haifa wird der 
Negus bei seiner Ankunft in Haifa am Frei 
tagvormittag von einer britischen Ehrenwache 
empfangen werden. Die aus dem 1. Bataillon 
des North-Lancashire-Regiments bestehende 
Wache wird den abcssinischen Kaiser mit dem 
Königssalut begrüßen. Anschließend wird sich 
der Ncgus in Begleitung einer britischen 
Militärwache sofort in einem Sonöerzug nach 
Jerusalem begeben. 
Die Behörden in Haifa erklären, daß es dem 
Negus nicht gestattet sein werde, mit Frem 
den in Verbindung zu treten, solange er sich 
unter dem Schutz der britischen Regierung be 
finde. Bei seinem Eintreffen in Jerusalem 
werde man ihm jedoch freie Hand gegenüber 
Pressevertretern geben. 
Keine Üalieuische schwarze Armee 
für Messimsn. 
Eine in den letzten Tagen in London ver 
breitete Meldung, wonach Italien beabsichtige, 
in Abessinien eine schwarze Armee aufzustellen, 
wurde, wie der diplomatische Korrespondent 
der Morningpost mitteilt, durch eine formelle 
Erklärung dementiert, die der italienische Bot 
schafter in London der britischen Regierung 
übermittelte. Die britische Regierung sei offi 
ziell davon verständigt worden, daß die Gar 
nisonen in Abessinien so beschränkt werden 
würden, daß sie lediglich zur Aufrechterhaltung 
der Rnhe und Ordnung ausreichten. Es würde 
vielleicht zu diesem Zwecke eine Anzahl Ein 
geborener eingestellt werden. Eine Aushebung 
von Eingeborenen zur Verstärkung des italie 
nischen Heeres komme nicht in Frage. Hinsicht 
lich der Belange Großbritanniens am Tana 
see und an den abessinischen Zuflüssen zum Nil 
sei Italien bereit, freundschaftliche Vereinba 
rungen auszuhandeln. Die Frage des Stau- 
dammes am Tanasee, die seit Jahren zwischen 
Frau Scholtz-Klink und General Fromm vor der Führerschaft der Bewegung 
anschauliches Bild von der großen Aufgabe 
und Leistung, die gesamten Frauen der Nation 
im nationalsozialistischen Deutschland unter 
einheitlicher Führung zusammenzufassen, aus 
zurichten und damit die Kräfte der Frauen 
auf allen Gebieten nach bestem Vermögen dem 
Aufbauwerk des Führers dienstbar zu machen. 
Daß diese Aufgabe die Anerkennung und 
Pflege der besonderen Interessen der Frau 
und ihre Förderung in sich schließt, wurde da 
bei betont. 
Die Reichsfrauenführerin gab einen umfas 
senden Ueberblick über die geleistete Arbeit 
der NS.-Frauenschaft und des deutschen Frau 
enwerks auf dem Gebiete der Sozialpolitik, 
der Wohlfahrtspflege, der Gesundheitsführung, 
der Hauswirtschaft und Mütterschulungsarbeit. 
Was hier bisher geleistet wurde, zeigt ein Bei 
spiel auf einem einzigen Arbeitsgebiet. Bei 
der Machtübernahme durch den Nationalsozia 
lismus gab es in ganz Deutschland zwei Müt 
terschulen, eine katholische und evangelische. 
Heute sind bereits 136 nationalsozialistische 
Mütterschulen in den Großstädten errichtet. 
Dazu kommen noch die zahlreichen Wander 
lehrkurse für die Kleinstädte und auf dem 
Lande. 
Besonders eingehend befaßte sich die Reichs 
frauenführerin mit der geistigen Mitarbeit der 
Frau im nationalsozialistischen Staate und 
dem Arbeitsethos, mit dem der Nationalsozi 
alismus die schaffende deutsche Frau zu er 
füllen bestrebt ist. Es gelte, immer stärker auch 
in der Frau das Bewußtsein zu wecken, daß 
sie innerhalb einer großen Gemeinschaft lebt, 
die ihr hilft und für sie da ist. Wir erstreben 
eine hervorragende Arbeitsleistung der Frau, 
aber wir wollen, daß sie dabei immer hundert 
prozentig Frau bleibt. 
Die Leiterin der NS.-Frauenschaft schloß 
ihre mit großem Interesse aufgenommenen 
Ausführungen mit dem Dank an die Führung 
der Partei für das Vertrauen, das ihrer Ar 
beit entgegengebracht worden ist, und mit der 
Versicherung, daß das, ivas die deutsche Frau 
in diesem Jahre geleistet habe, gewachsen sei 
aus dem eigenen Empfinden der Frau für die 
Aufgaben dieser Zeit. 
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf 
Hetz, sprach den Dank und die Anerkennung 
der Partei aus und unterstrich den Willen und 
die Notwendigkeit zur Mitarbeit und Mithilfe 
şiş ln-. Ij 
-V '** ' I 
'Kâà 
Keine Rede von Tauschgeschäften und 
Kompromissen. 
DNB. Nom, 7. Mai. Unter der Ueberschrift 
şas abessinische Italien und fremde Schritte" 
Ulmmt das halbamtliche „Giornale d'Jtalia" 
llegen eine Notiz des „Paris Soir" Stellung, 
ņach der der französische Botschafter in Rom 
klnen bedeutsamen Schritt unternommen ha- 
'e, um die Ansicht Frankreichs über die Frie- 
ensbedingungen bekanntzugeben. Den daran 
»^knüpften Ratschlägen Sauerweins an Jta- 
îen, durch gemäßigte Forderungen eine wilde 
^position Englands zu vermeiden und die 
„ s^ser Aufgabe Flandins und Boncours zu 
, leichtern, tritt das Blatt entschieden entge- 
j. könnte heute keine Rede von Tausch- 
lchästeu, Kompromissen und Winkelzügen 
Jubel in Rom 
Der Gencralappell zur Feier des Sieges über Abessinien gestaltete sich zu einer 
gewaltigen nationalen Kundgebung in ganz Italien. Unser Bild gewährt einen 
Ueberblick über die Menschenmenge auf der Piazza Venezia in Rom, während 
der Duce das Wort an sie richtet. 
(Pressephoto, KJ
	        
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