Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

ļfteler, Oberspielleiter und zuletzt als kommis- 
^rrscher künstlerischer Leiter wirkte, hat ein 
-solksstück „Bratheringe" vollendet, das am 15. 
im Stadttheater in Rostock seine Urauf 
führung erleben wird. Hell trat bereits vor 
Mehreren Jahren als Oberspielleiter in den 
verband des Rostocker Theaters ein. 
Zwei Bcrufsjubilare. Am gestrigen Don- 
nerstag feierte der Zollsekretär Rasmus 
Schmidt in Schleswig sein vierzigjähriges 
^îenstjubiläum. An demselben Tage konnte 
oer Telegraphen-Oberinspektor Franz Neuge- 
vauer in Schleswig auf eine fünfundvierzig- 
lahrige Tätigkeit im Dienst der Reichspost zu 
rückblicken. scs.) 
Aus Ueels Husum 
Neuland wird besiedelt. 
^ Husum, 7. Mai. Auf den neu eingedeichten 
flächen des Finkhaus- und Padelack-Kooges 
oei Husum wird demnächst mit dem Bau zahl 
reicher Siedlungshäuser begonnen. Das Bau 
material wird bereits in Loren angefahren, 
ckuch eine Zufahrtsstraße nach dem neuen 
Ķbog, die die Verbindung mit der Stadt Hu- 
lum herstellt, ist im Bau. Das Neuland ist be 
reits bestellt und noch in diesem Jahre wird 
"ie erste Ernte unter Dach und Fach gebracht. 
Schnell tritt der Tod den Menschen an. 
Husum, 7. Mai. Der 56jährige Steuermann 
"es Motorschiffes „Pellworm", Christian Cor 
als, erlitt an Bord des Schiffes, das von Hu- 
>um aus eine Probefahrt in See antreten 
>ollte, plötzlich einen Schlaganfall, der seinen 
Dortigen Tod zur Folge hatte. Auf dem Mo 
torschiff wurde der Tote dann nach seiner Hei- 
rnatinsel Pellworm überführt. 
... 
Hz. Schwabstedt, 8. Mai. Ein Krankenpslege- 
u»d Samariterkursus fand in unserm Ort 
hatt, an dem sich eine ganze Anzahl junger 
Mädchen und Frauen beteiligte. Der Kursus 
wurde von Dr. med. Meyer, Schwabstedt, ge 
ltet. Bei der Abschlußprüfung bestanden alle 
Teilnehmerinnen die Prüfung. 
Aus H&sdļdesi&ftd 
Der hundertste Geburtstag 
"ou Frau Margarethe Andresen in Bredstcdt. 
Bredstcdt, 7. Mai. Der 100. Geburtstag von 
^rau Margarethe Andresen wurde von ganz 
^redstedt festlich begangen. Das Wohnhaus 
war von den Nachbarn mit Girlanden und 
^înem Transparent mit der Inschrift: „Zum 
hundertjährigen Geburtstag" geschmückt. Zu 
^'hren der Hundertjährigen läuteten morgens 
8 Uhr die Kirchenglocken, die auch mittags und 
Abends 8 Uhr wieder läuteten. Unendlich viele 
Glückwünsche und Ehrungen wurden dem Ge- 
wlrtstags„kinde" zuteil. Ein vom Führer und 
Reichskanzler eigenhändig unterschriebenes 
Glückwunschschreiben nebst einem Geldbetrag 
wurden überreicht. Der Landrat des Kreises 
Husum überbrachte die Glückwünsche des Mi 
nisterpräsidenten Göring, ein Geschenk und die 
Ehrengabe der staatlichen Porzellanmanufnk- 
^ur. Für die Stadt überbrachte der Bürger 
meister Glückwünsche sowie ein Geschenk. Von 
der Kirchenvertretung waren Pastor Lucht und 
vier Kirchenvertreter erschienen. Von einer 
Anzahl von Schulkindern wurde ein Ständchen 
unter der Leitung von Frl. Hansen dargebracht. 
Als Vertreter des Landesbischofs war Konsi- 
storialrat Propst Schmidt erschienen, der die 
Glückwünsche der Landeskirche überbrachte und 
ein handgeschnitztes Kruzifix überreichte. Wei 
ter überbrachten Glückwünsche die Ortsgruppe 
der NSDAP., der Frauenverein und die 
Frauenschaft. Auch unsere Arbeitsdienstmän 
ner hatten es sich nicht nehmen lassen, der 
Hundertjährigen mit einem Ständchen ihrer 
„Musikkapelle" zu erfreuen. Natürlich waren 
auch noch viele Nachbarn, Bekannte und Ver 
wandte erschienen. 
* * * 
mo. Insel Sylt, 7. Mai. Wieder seetüchtig. 
In den letzten Tagen löschte der Dreimast- 
schoner „Niedersachsen" an der Hörnumer 
Brücke eine Ladung Kies. Nur wenigen Be 
suchern ist es bekannt gewesen, daß die „Nie 
dersachsen" vor wenigen Jahren in einer 
Sturmperiode an den Sylter Strand gewor 
fen wurde. Damals hieß sie auch „Hermine". 
Das mit Holz beladene Schiff trieb kieloben 
an den Sylter Südstrand, wurde aber hier 
infolge der Holzladung selbst wieder frei und 
lag dann längere Zeit als sogen. „Totenschiff" 
auf dem Amrumer Strand. Dann wurde die 
„Hermine" nach Cuxhaven abgeschleppt, wieder 
aufgerichtet und so gründlich überholt, daß sie 
als „Niedersachsen" jetzt wieder manche harte 
Fahrt glücklich überstanden hat. 
mo. Insel Sylt, 7. Mai. Die Kirchengemein 
de Morsum, die seit Jahresfrist mit Keitum 
verbunden worden ist und vom Keitumer Pa 
stor betreut wird, hat sich nach einem neuen 
Zusatzbeschluß der Kirchengemeindevertretung 
das Recht vorbehalten, im gegebenen Falle, 
das heißt, wenn seelsorgerliche Belange es 
wertvoll erscheinen lassen, selbst wieder einen 
eigenen Pastor zu beantragen. 
Hohes Alter. Am heutigen Tage feiert die 
älteste Einwohnerin der Gemeinde Ladelnud, 
die Witwe Anna Catharina Oechsle ihren 87. 
Geburtstag. Die Jubilarin ist noch rüstig und 
nimmt an allen Geschehnissen noch lebhaften 
Anteil, (kv.) 
\/am Müdmtkm 
Kirchenbücher beim Sippeuamt Flensburg. 
Flensbnrg, 7. Mai. Eine praktische Neue 
rung zur Vereinfachung der Auskunftsertei 
lung in Angelegenheiten der Urkunden-Aus- 
stellung für die Nachweiserbringung arischer 
Abstammung hat jetzt das Sippenamt Flens 
burg eingeführt. Der Nachweis wird in Zu 
kunft dadurch erleichtert, daß jetzt die Kirchen 
bücher aus den Propstei-Kirchenämtern in die 
Archive des Sippenamtes Flensburg überge 
führt wurden. Die Kirchenbücher zahlreicher 
Gemeinden konnten bereits überwiesen wer 
den. Man hofft, in einigen Wochen auch die 
restlichen Bücher dem Sippenamt zugänglich 
machen zu können, so daß der Schriftwechsel 
mit den einzelnen Pastoraten nunmehr in 
Fortfall kommt. 
Alps DUUmaesckeft 
90 Jahre alt. Die älteste Einwohnerin des 
Kirchspiels Weddingstedt, Witwe Antje Mähl, 
kann am 10. d. M. ihren 90. Geburtstag bege 
hen. Die alte Frau ist noch recht rüstig und 
verbringt ihren Lebensabend bei ihrem Sohn, 
(fp.) 
Aus Udsieit* 
Ein Hundertjähriger in Kiel. 
Kiel, 7. Mai. Johannes Flinker, der bei sei 
ner Tochter, Frau Burner, im Hause Körner 
straße 15, wohnt, wird am 10. Mai 100 Jahre 
alt. Leider ist er seit Weihnachten bettlägerig. 
An seinem 99. Geburtstag hat er jedoch mit 
seiner Tochter noch in der Stube getanzt. Flin 
ker wurde 1836 in Neumünster, im Haart, ge 
boren. Er erlernte das Schneiderhandwerk und 
zog nach den Lehrjahren sofort auf Wander 
schaft. In den acht Jahren seiner Wanderschaft 
hat Johannes Flinker vor allen Dingen das 
Rheinland und Westfalen durchstreift. Seit den 
70er Jahren lebt der nun Hundertjährige in 
Kiel und hat mitgesehen, wie Kiel sich zur 
Großstadt entwickelt hat. 
Wegen Veruntreuung in Hast genommen. 
Kiel, 7. Mai. Wegen Unterschlagung wurde 
hier der 30jährige Agent Fritz C. in Haft ge 
nommen. Der Festgenommene hatte als Ne 
benstellenleiter einer Berliner Krankenver 
sicherungs-Ersatzkasse durch Fälschungen nach 
und nach fast 7000 MJt veruntreut. 
Jagdspanielprüfung im Gau Nordmark. 
Bad Segeberg, 7. Mai. Im Revier des Gu 
tes Rohlstorf veranstaltete der Gau Nordmark 
der Fachschaft Jagdspaniel eine Anlagenprü 
fung, die nicht nur aus Schleswig-Holstein, 
sondern auch aus Mecklenburg und Pommern 
sehr gut besucht war. Die Prüfung nahm einen 
anregenden Verlauf, da sich die meisten dieser 
kleinen Gebrauchsjagdhunde von ihrer besten 
Seite zeigten. Trotz stengster Prüfung konnten 
acht Preise vergeben werden. Die beiden ersten 
Preise fielen an „Ambos von Eichenhain", 
Züchter Puls, Berlin. Den Teilnehmern an 
der Suche wurde nach Beendigung derselben 
ein Spanielfilm vorgeführt, der im Januar 
dieses Jahres am Jhlsee bei Bad Segeberg 
gedreht worden war. Dieser Film zeigte den 
kleinen Gebrauchshund bei der Arbeit im Re 
vier. 
Beim Spiel tödlich verunglückt. 
Lauenburg, 7. Mai. Ein tragisches Ende fand 
der 12jährige Schüler Willi Wehl in Franzdorf 
hei Sandesnebcn. Als der Knabe mit mehreren 
Jungen in einer Kiesgrube eine Höhle baute, 
stürzte diese plötzlich zusammen. Willi Wehl 
geriet unter die nachstürzenden Sandmassen 
und wurde verschüttet, so daß er ersticken 
mußte. Die vom Arzt angestellten Wiederbe 
lebungsversuche blieben ohne Erfolg. 
* * * 
Kiel, 7. Mai. Aus der Landeskirche. Einge 
führt wurden Pastor Gerhard Schröder, bisher 
Provinzialvikar im Hilfsdienst in Schinkel, als 
Geistlicher der 3. Pfarrstelle in Gettorf (Schin- 
Mutter zu Hause jedoch war gar nicht er 
freut, als die von Ungeziefer wimmelnden 
Ballen ankamen, die sie wieder reinigen und 
instand setzen mußte. Ich habe damals viel 
gelernt und einen praktischen Einblick in die 
Volkskunst jener fernen Lande erhalten. 
Der böse Feind war nicht so weit gerannt, 
als wir erwartet hatten. Am unteren Sereth 
kam unsere Offensive zum Stehen. Wir waren 
zu schwach gewesen, um weiter vorwärts zu 
dringen, denn der Nachschub von Munition 
und Verpflegung war zu schwierig geworden. 
Es waren mehr als hundert Kilometer, die 
uns von unserer rückwärtigen Verpflegungs 
basis trennten, und dazwischen lag noch zu 
alledem ein unwegsames, verschneites und ver 
eistes Hochgebirge. Die Batterie ging vor dem 
Feinde in Stellung, ich aber wurde mit ein 
paar Männlein und mit dem Herrn Sergean 
ten Birzlmeier auf eine noch viel weiter rück- 
ivärts gelegene einsame Höhe abgeordnet, von 
der aus man die feindlichen Stellungen im 
weitesten Umkreis übersehen konnte. Eine 
kleine, alte Hirtenhütte mit mächtigem Stroh 
dach bauten wir zu einer Zentralbeobachtung 
für die ganze Artillerie aus, und fast ein Vier 
teljahr lagen wir getrennt von der übrigen 
Armee, ganz auf uns selbst angewiesen, hier 
im Quartier. Eine größere Einsamkeit als auf 
diesem Berge habe ich nie mehr kennengelernt. 
Soweit das Auge reichte, sah man nur ver 
schneite Wälder, und das Wild der Berge kam 
nachts bis an unsere Hütte heran. Da Birzl 
meier bei uns war, fehlte es nie an Fleisch, 
Brot und trinkbaren Dingen, denn er war ein 
unübertrefflicher Meister im Requirieren alles 
Notwendigen. Im Umkreis von fünf Stunden 
witterte er jedes Schwein und jeden Ochsen, 
und er ließ es nicht allein dabei. So hatten wir 
immer unser Rind im Topfe, und der stein- 
harte Klippfisch und das bißchen Marmelade, 
das mir als normale Verpflegung erhielten, 
war nur eine nicht sehr geschätzte Beigabe un 
seres täglichen Menüs. 
Auch manches Birkhuhn und manch anderer 
eßbarer Vogel mußten an den Bratspieß wan 
dern. Als aber einer unserer Kameraden einen 
bunten, papageiähnlichen Vogel, der uns schon 
einige Tage durch sein munteres Gebaren er- 
Mit zwei Zentnern d«rch dsn Weltkrieg 
Erinnerungen eines Optimisten. 
Von Karl Borromäus Gröber. 
Copyright 1935 by Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. 
(20. Fortsetzung.) 
Wie klein die Welt ist, habe ich damals in 
^ttserem weltabgelegenen Nuhequartier in den 
Rumänischen Bergen erfahren müssen. Einem 
^userer Herren Offiziere war der allerdings 
^was saure Wein, den wir bei den Bauern 
louden, nicht gut genug. Er beauftragte mich, 
Mschenwein zu suchen, von dem er annahm, 
°uß er wohl besser sein müsse. Wo sollte ich 
^er in diesem traurigen Bauerndorf Flaschen 
wein auftreiben? Nach längerem, vergeb- 
üchem Suchen kam ich endlich auf die Idee, daß 
rselleicht der Herr Pfarrer einen solchen haben 
^une. Ich suchte nach dem Pfarrhaus und trug 
jungen, würdigen Herrn mit langem Bart 
îiye Wünsche mit Hilfe eines kleinen rumä 
nischen Wörterbuches mühselig vor. Der Herr 
Pfarrer aber lachte laut, redete mich höflich mit 
seinem Familiennamen an und erklärte mir, 
M Flaschenwein von Focsani wohl kaum bei 
Dauern und Pfarrern zu finden sei, daß er 
der einige malerische leere Flaschen besitze, 
die 
mit dem sauren Landwein gefüllt und mit 
ill ' m 
ņtschierwachs versiegelt, dem Herrn Leutnant 
.ìelleicht eine bessere Sorte vortäuschen wür- 
All dies erklärte er mir in fließendem 
putsch unter öfterer Wiederholung meines 
chmens. Ich war recht überrascht, denn einen 
«riechjschen Popen hatte ich meiner Erinnerung 
unter meiner immerhin weitläufigen 
^Jkanntschaft nicht aufzuweisen. Der Herr 
marrer amüsierte sich königlich, und erst, als 
^ sich den Bart mit der Hand zurückhielt, er- 
^Rnte ich in ihm einen alten Bekannten von 
Gnchen her wieder. Es war einer jener unter 
J*} Sammelbegriff „Schlawiner" fallenden 
^ Mvabinger, die vor dem Kriege dem christ- 
sļ5 en Malgewerbe obgelegen hatten. Dieser 
pp n hatte täglich in unserem Cafs mit ande- 
Qpt şoines Stammes neben uns die Nächte zu 
kracht. Das Wiedersehen wurde entsprechend 
gefeiert. Nach dem Nachtessen kam der wür 
dige Herr dann, lieblich schmunzelnd, doch noch 
mit ein par Flaschen Weines an, mit dem sich 
das Gesöff, das wir für den anspruchsvollen 
Herrn Leutnant abgefüllt hatten, nicht ver 
gleichen ließ. 
Der Herr Pfarrer war zugleich ein großer 
Volkskundler vor dem Herrn und sehr bewan 
dert in der Kenntnis der alten bäuerlichen 
Stickereien seines Pfarrdorfes. Es war immer 
gut für ein Dorf, wenn sich der Pfarrer oder 
Bürgermeister mit den unerwünschten Ein 
dringlingen verständigen konnte. Man ge 
nierte sich dann, nach Belieben zu requirieren, 
da man nie wußte, ob nicht von dieser Stelle 
eine schriftliche Beschwerde über Mißgriffe an 
die Herren Vorgesetzten abgehen würde. Mir 
aber war der alte Freund aus vergangener 
Studentenzeit eine große Hilfe. Er unterstützte 
mich beim Sammeln alter Stickereien und 
Trachtenstücke, die ich durch ihn oft schon nm 
ein paar Pfennige erwerben konnte. Jede Fa 
milie hatte ihr ganz bestimmtes Stickereimu 
ster, von dem nie abgegangen wurde und das 
die leinenen Kleidungsstücke der Männer und 
die Blusen und Hemden der Frauen besser 
kennzeichnete, als es bei uns mit einem Mono 
gramm möglich ist. Meine größte Ausbeute 
hatte ich, als endlich aus der Heimat ein gro 
ßer Nachschub au neuer Wüsche kam. Die Er 
oberer Rumäniens warfen ihre requirierten 
Hemden, die samt und sonders gestickt waren, 
einfach weg. Ich benützte die Konjunktur, zog 
mit einem Esel und zwei großen Tragsäcken 
bei den deutschen Truppenteilen in der Nähe 
umher und sammelte die verlausten und ver 
drehten Wäschestücke ein. Wer etwas besonders 
Schönes brachte, wurde photographiert und er 
hielt drei Postkarten mit seinem werten Bild 
nis. Ich aber war bald bei hoch und nieder 
bekannt und führte, solange ich in Rumänien 
war, nicht ganz mit Unrecht, den schönen Na 
men „der Gebirgslumpensammler". Die liebe 
îel); Pastor Rudolf Schlüter, bisher Provin 
zialvikar im Hilfsdienst in Ulsnis, als Geist 
licher der Kirchengemeinde Ulsnis,' Pastor 
Wilhelm Diekow, bisher Provinzialvikar im 
Hilfsdienst in Petersdorf, als Geistlicher der 
1. Pfarrstelle der Kirchengemeinde Petersdorf,' 
Pastor Hugo Vidal, bisher Provinzialvikar im 
Hilfsdienst in Lunden, als Geistlicher der 2. 
Pfarrstelle der Kirchengemeinde Lunden und 
Pastor Johannes Niemann, bisher Pastor in 
Husum bei Nienburg, als Geistlicher der Kir 
chengemeinde Altenkrempe. 
x. Neumünster, 8. Mai. Staatsrat Borger 
in Neumünster. Am kommenden Montag wird 
der Reichstreuhänder der Arbeit, Staatsrat 
Börger-Köln in der Festhalle der Kl.-Groth- 
Schule sprechen. — Tribünenbau .Mit dem 
Bau der 650 Personen fassenden Tribüne auf 
dem Reitturnierplatz ist gestern begonnen 
worden. — 300 Bienenvölker wandern in den 
Raps in die Gegend von Lütjenburg in Be 
gleitung ihrer Besitzer, die Mitglieder der 
Jmkergruppe Padenstedt-Wittorf-Wasbek sind. 
Hoffentlich tritt eine baldige Besserung des 
Wetters ein, damit die Rapsblüte den Imkern 
einen Erfolg sicherstellt. 
Eutin, 8. Mai. Das „Amt für Chorwesen 
und Volksmusik" veranstaltet in der Zeit vom 
24. bis 29. Mai 1936 unter Leitung von Pro 
fessor Jversen, Kiel, und unter Mitwirkung 
von Richard Liesche, Bremen, und Paul Güm 
mer, Hannover, in Eutin einen „Staatlichen 
Lehrgang für Chorleiter". Anreise am Sonn 
tag, dem 24. Mai, nachmittags. Lagerform. 
Aus dem Qedddssaal 
Drei Jahre Zuchthaus 
wegen gewerbsmäßiger Abtreibung. 
Kiel, 7. Mai. Wegen gewerbsmäßiger Ab 
treibung hatte sich der 48 Jahre alte Gustav H. 
aus Kiel vor dem Schwurgericht zu verant 
worten. H. soll in Kiel in der Zeit von 1929 
bis 1936 in sieben Füllen Abtreibungen gegen 
Entgelt vorgenommen haben. Der Angeklagte 
war bezüglich der Abtreibungen geständig, 
leugnete aber hartnäckig, Geld dafür genom 
men zu haben. Die Beweisaufnahme ergab je 
doch, daß H. die Abtreibungen gewerbsmäßig 
vorgenommen hatte. In einem Falle hatte die 
unsaubere Abtreibung eine Versteifung des 
Hüftgelenks zur Folge, und im anderen Falle 
war gleichfalls eine Sepsis aufgetreten. Diese 
beiden jungen Mädchen müssen auch heute noch, 
nach eineinhalb Jahren, sich Operationen un 
terziehen. 
Insbesondere waren diese beiden Fälle, wie 
auch die Bedenkenlosigkeit, auch im Dritten 
Reich noch Abtreibungen vorzunehmen, dazu 
angetan, dem Angeklagten eine hohe Zucht 
hausstrafe zu geben. Das Schwurgericht ging 
noch über den Antrag des Staatsanwalts von 
2'A Jahren Zuchthaus hinweg und verurteilte 
ihn wegen teils vollendeter und teils versuch 
ter gewerbsmäßiger Abtreibung zu drei Jah 
ren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. 
Vier Monate der erlittenen Untersuchungshaft 
wurden dem Angeklagten auf die Strafe an 
gerechnet. 
freut hatte, vom Baume herunterschoß und 
Birzlmeier überbrachte, erlebte er eine böse 
Uebcrraschung. Ich habe unseren Sergeanten 
nie so wütend gesehen, und die hellen Tränen 
des Mitleids für das bunte Tier rannen über 
seine Wangen. Es trat einmal wieder die 
überraschende, aber nicht ungewöhnliche Tat 
sache in Erscheinung, daß Metzger ein viel 
weicheres Gemüt haben, als man nach ihrem 
blutigen Handwerk vermuten sollte. 
Anfangs hatten wir nachts, wenn es nötig 
war, unsere Behausung ohne weitere Sorge 
verlassen. Als uns dann aber die Wölfe einen 
Ochsenkopf direkt von der Hütte weg stahlen, 
hielten wir es für angezeigt, uns doch etwas 
in acht zu nehmen. Manchmal nächtigten ver 
irrte Kameraden bei uns, und eines Tages 
kam ein dreckiger, in einen Schafpelz gehüllter 
Rumäne zu uns, der mit schwer verständlicher 
Zeichensprache um ein Stück Brot und um ein 
Lager für die Winternacht bat. Neugierig be 
trachtete der Fremdling seine Umgebung, und 
wir wären sicher nicht auf böse Gedanken ge 
kommen, wenn nicht Birzlmeier an der sonst 
braungebrannten Hand den hellen Reifen 
einer noch nicht allzu lange entfernten Arm 
banduhr erkannt hätte. Birzlmeier machte mich 
unauffällig darauf aufmerksam, und als wir 
den Fremdling nach kurzer Gegenwehr ge 
fesselt hatten und ihm auf den Kopf zusagten, 
daß er ein rumänischer Offizier sei, leugnete 
er auch nicht weiter und gab es resigniert in 
fließendem Deutsch zu. Wir haben ihn dann 
nach rückwärts geschafft,' was aus ihm gewor 
den ist, haben wir nie erfahren. Ein viel ange 
nehmerer Besuch war eine junge, sehr hübsche 
Zigeunerin, die wir aus den Händen nicht sehr 
galanter ungarischer Husaren befreit hatten. 
Aus Dankbarkeit hat uns das Mädchen, so 
lange wir da oben saßen, mit Butter und 
Eiern, mit Mehl und Kartoffeln immer wieder 
versorgt. 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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