Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Rechenschaftsbericht der landwirtfchaftl. Genossenschaften 
Vorbemerkung 
Das Programm der Jahresveranstaltung der 
şchleswig - holsteinischen landwirtschaftlichen Ge 
nossenschaften am 7. und 8. März in Kiel ist be 
kannt. Es ist alter Gewohnheit gemäß außerordent 
lich stoffreich und bietet somit den Vertretern der 
Ģinzelgenossenschaften der Provinz eine Fülle von 
grundsätzlichen und praktischen Anregungen. Wir 
Zinnern in diesem Zusammenhang an die von uns 
ausführlich gewürdigte Veranstaltung des Vor 
dres, auf der Verbandsleiter O. Köhler aus 
führlich den Tätigkeitsbericht des Verbandes erstat 
tete, auf der Verbandsleiter Mey-Königsberg das 
Ģenossenschaftswesen inmitten der Reichsnährstands- 
Politik kennzeichnete, auf der Direktor Baurmeister 
şich mit einem ganz groß angelegten Vortrag über 
öen bäuerlichen Betriebskredit einführte usw. Man 
Wächte an dieser Stelle die Bitte daran knüpfen, 
daß der Verband sich wie im Vorjahre zur Druck 
legung der gehaltenen Vorträge entschließt. Sie 
haben auf diese Art nachhaltige Wirkung und sind 
eine Fundgrube für jeden, der sich mit dem Ge- 
Uossenschaftswesen mittelbar und unmittelbar zu 
beschäftigen hat. Der Verband hat in diesem Jahr 
bie Berichterstattung erleichtert, indem er einen 
vielseitigen Tätigkeitsbericht veröffentlichte. Wir 
verweisen auf unsere Darlegungen am Sonnabend 
voriger Woche. Der Umfang des Stoffes zwingt 
uns zur Beschränkung auf das Wesentliche. 
Verbandsleiter Köhler stand zum Begrüßungs 
akt vor restlos gefülltem Hause. Für den Landes 
bauernführer, der über die Agrarpolitik des Reichs 
nährstandes sprechen wollte, sprang der Leiter der 
Hauptabteilung III Osmers mit einem Vortrag über 
die Marktordnung ein. 
Landesobmann Matthteßen übermittelte die 
Grüße des Landesbauernführers. Die Genossen 
schaften seien ein Glied der Reichsnährstandspolitik. 
Man werde sich ihre Dienste stets zunutze machen, 
genau so wie man alle übrigen, im Nährstand ver 
einigten Kräfte gebrauche. Deshalb habe die Nähr 
standsleitung von sich aus auch keinen Anlaß, aus 
die Auseinandersetzung zwischen diesen oder jenen 
Gruppen einzuwirken. 
Verbandsleiter Köhler erstattete den Geschäfts 
bericht, aus dem wir die den Verbanösbericht er 
gänzenden und erläuternden Stellen besonders 
herausgreifen. 
89 °/g der Landwirtschaft der Provinz 
genossenschaftlich erfaßt 
Aus dem Tätigkeitsbericht 
des Verbandsleiters Köhler 
Das verflossene Geschäftsjahr stand, so führte 
Verbandsleiter Köhler aus, im Zeichen der zuneh 
menden inneren Festigung unserer ldw. Genossen 
schaften. Schätzungsweise 80 vH aller Bauern und 
Landwirte unserer Provinz sind genossenschaftlich 
erfaßt. 
In Sonderheit lagen die gen. Ausgaben während 
des letzten Jahres auf drei Gebieten: 1. Wettere 
Untermauerung des Reichserbhofgesetzes, 2. Förde 
rung der Erzengungsschlacht, 3. Stärkung der ldw. 
Marktordnung. Wir waren nicht erfolglos bestrebt, 
die Zollzinsen zurückzuschrauben. In lsd. Rechnung 
berechnen unsere Kassen heute einen durchschnitt 
lichen Zins von 5—6 vH ohne Provision. Bei der 
Schulöenregelung sind in vielen Füllen zwischen den 
Kassen und ihren Schuldnern Regelungen durchge 
führt, ohne daß auch nur ein offizielles Selbstent- 
schulöungsverfahren eröffnet zu werden brauchte. 
Für den bäuerlichen Betriebskreöit sind im letzten 
Jahre zirka 5 Mill. MM zur Verfügung gestellt. 
Darüber hinaus sind die gen. Kreditinstitute im 
letzten Jahr dazu übergegangen, auch mittel- und 
langfristige Kredite zu gewähren. Außer den Ge 
nossenschaften steht den Erbhöfen kaum ein anderer 
Kreditgeber hierfür zur Verfügung. In zahlreichen 
Fällen haben die Kassen bei Hofüberlassungen die 
Ausstattung der weichenden Erben regeln helfen, 
den Bau von Altenteilerwohnungen ermöglicht und 
den Landarbeiter-Wohnungsbau finanziert. 
Wir sind leider, im Gegensatz zu anderen Gebieten 
in Deutschland, immer noch erheblich bei der Deut 
schen Zentralgenossenschaftskasse verschuldet. Wenn 
wir in der Deutschen Zentralgenossenschaftskasse 
auch einen verständigen Geldgeber haben, so ist die 
ses Geld doch teurer, als selbstaufgcbrachte Mittel. 
Wir haben eine ganze Reihe von Spar- und Dar 
lehnskassen, die nur noch eine Zinsspanne von 0,75 
vom Hundert haben. Wenn solche Spar- und Dar 
lehnskassen sich aus eigenen Mitteln voll finanzie 
ren könnten, würde der letzte Kreditnehmer in sei 
nen Sollzinsen noch erheblich günstiger gestellt 
werden. Dieses Ziel werden wir vorerst zwar noch 
nicht erreichen. 
Sog. Notgemeinschaften, die in anderen Gegenden 
Deutschlands gebildet werden mußten, um die Be 
lieferung der wirtschaftlich schwachen Betriebs 
inhaber mit Saatgut und Düngemitteln durchzu 
führen, haben wir trotz der hohen Verschuldung 
unserer heimischen Landwirtschaft nicht gebraucht. 
Jeder hat von seiner Genossenschaft an Dünger und 
Saatgut erhalten, was er benötigte. Es ist erfreu 
lich, feststellen zu können, daß die Bezahlung fast 
ausnahmslos erfolgt ist und daß m. W. von dem 
gesetzlichen Früchtepfandrecht in keinem Falle Ge 
brauch gemacht werben mußte. 
Verbandsleiter Köhler kam alsdann auf die Ver 
bienste der einzelnen Gen. zn sprechen, wir erwäh 
nen die gen. Flachsröste. Die Klagen über unzu 
längliche Abnahme der letztjährigeu Flachsernte 
durch eine Röste außerhalb der Provinz waren groß 
Diese Röste entsteht nunmehr in Ahrensbök, wo 120 
Volksgenossen im Jahresdurchschnitt beschäftigt 
werden. Ueber die Einstellung der Genossenschaften 
A«, Marktordnung war die Rede. Ganz besondere 
Anforderungen an die Gen. stellte, so hieß es wei 
ter, die Getreidebewegnng. Bei sehr kleiner Ver 
dienstspanne wurden an die Verteiler große An 
forderungen gestellt. Um die großen und drängen 
den Angebote in den ersten Monaten nach der 
Ernte aufnehmen zu können, mußte seitens der 
Genossenschaftsorganisation in erheblichem Umfange 
und unter finanziellen Opfern zur Einlagerung 
geschritten werden. Die hierbei gemachten Erfah 
rungen veranlaßten die Hauptgenossenschast, in 
diesem Jahre zwei große Getreidesilos zu bauen. 
Wir müssen uns darauf einrichten, auch einmal 
weniger trockenes Getreide aufnehmen und ver 
arbeiten zu können. 
Die Verteilung der Futtermittel hat zu manchem 
Verdruß geführt. Eine Unterverteilung, die 100- 
prozentig richtig ist, gibt es natürlich nicht. Fehler, 
die unterlaufen sind, haben wir im Rahmen des nur 
irgend Möglichen abgestellt. Einer Korrektur bedarf 
vor allen Dingen noch die gen. Quote in der 
Futtermittelverteilung. 
Hinsichtlich der Viehverwertung haben wir die 
Absicht, auch künftig mit demselben Bedacht zu ar 
beiten wie bisher und lehnen es ab, organisatori 
sche Experimente zu machen. 
Die Revisionstätigkeit fand eingehende Würdi 
gung. Bei den Meiereigen., die teilweise ihre Buch 
führung völlig umstellen mußten, wird eine ver 
mehrte revisionsmäßige Betreuung in Zukunft vor 
zunehmen sein. Wir wollen das Nevisionswesen 
überhaupt noch mehr ausbauen. Hierbei wollen wir 
niemals den Eindruck aufkommen lassen, daß un 
sere Revisoren sich in der Nolle eines Detektivs 
fühlen. 
Znsammensasiend blicken mir auf ein Jahr ange 
spannter und erfolgreicher Tätigkeit zurück. Unsere 
Genugtuung hierüber läßt auch eine eingehende 
Auseinandersetzung mit den verschiedenen Angrif 
fen, denen unsere örtlichen Genossenschaften ausge 
setzt waren, nicht zu. Wörtlich wurde vermerkt: Wir 
brauchen heute keine Leute, die in Flugblättern und 
sogenannten Denkschriften sich mit der Frage be 
schäftigen, ob das Genossenschaftswesen oder der 
Lanöhandel überflüssig sind, sondern halten es für 
richtiger, daß Genosienschaft und Landhandcl in 
fairem Wettbewerb versuchen, das Höchstmöglichste 
für die Gesundung der Volkswirtschaft zu leisten. 
Und wer die tiefe Verwurzelung der landwirt 
schaftlichen Genossenschaften in unserer Wirtschaft 
nicht sieht und glaubt, sie bekämpfen zu müssen, dem 
können wir nur sagen, daß der heutige Staat stark 
genug ist, das zu beseitigen, was beseitigt zu werden 
verdient, daß er aber auch stark genug ist, das zu 
schützen, was Schutz verdient. Wenn daher das land 
wirtschaftliche Genossenschaftswesen nach wie vor 
Anerkennung und Förderung findet, so ist damit 
seine Berechtigung neben dem Landhandel deutlich 
unter Beweis gestellt. 
Präsident Trumpf 
vom Reichsverband der deutschen ldw. Genossen 
schaften ergriff das Wort. Hinsichtlich der Agrar 
kreditierung schweben z. Zt. eine Reihe von Fra 
gen, auf die er aber noch nicht eingehen könne. 
Grundsätzlich aber müsse man peinlichst darauf 
achten, daß der zu vergebende, aber noch knappe 
Kredit nützlich angelegt werde,' im übrigen gehe die 
Rangordnung der Genossenschaften daraus hervor, 
daß diese augenblicklich 65 vH des ldw. Betriebskre- 
bites zur Verfügung stellen. 
Die vom Reichsverband verfaßten Richtlinien 
sollen eine Grundlage für die Banken bei der Kre 
ditvergebung sein. Damit wird der Rendant und 
seine Kasse in keiner Weise von der Verantwortung 
frei. — Die vielen in der Natur der Sache liegenden 
Unebenheiten mit anderen auf demselben oder ähn 
lichen Gebiet tätigen Wirtschaftsgruppen müßten im 
Verlauf der Zeit geschlichtet werden. Es hieß hier, 
die Kluft überbrücken und nicht weiter aufzureißen. 
Die Genossenschaften haben kein Interesse daran, 
eine Organisation zu schassen, die nicht von selbst 
wächst. Man sei in der Zentrale gegen Experimente 
jeglicher Art. 
Die Beitragssätze 
Kreisbauernführer" Sieh berichtete als Vorsitzen 
der des Rechnungsausschusses über das Ergebnis 
der Rechnungsprüfung,' dabei wurde die Beitrags 
ordnung ausführlich erörtert, die hier und da als 
zu angespannt angesehen werde. Man müsse zwar 
zugeben, daß die neuen Beitragssätze, verglichen mit 
1933, gestiegen seien, das hänge aber mit dem er 
heblich erweiterten Aufgabenkreis zusammen. ES 
gebe keinen anderen Weg, als durch Umlage die 
Kosten sparsamer Bewirtschaftung zu decken. 
Ueber die Marktordnung 
sprach in der bekannten Ausführlichkeit Hauptabtei 
lungsleiter Osmers. In dem ersten Teil wurde 
gründlich dargelegt, welche Gründe die Marktord 
nung in diesem Umfang nötig machten. Nicht Bauer 
oder Handel, sondern die Gemeinschaft insgesamt 
hat das Recht der Preisbildung für ldw. Erzeug 
nisse. Die Marktordnung als einen verkappten 
Schutz der Bauern hinzustellen, sei irrig. Gesichts 
punkte der Rentabilität würden nur so weit ge 
währt, wie es zur gesicherten Erzeugung nötig 
wäre. Der Verbraucher könne sich keinen besseren 
Schutz denken. Wie hätte man bei den Versorgungs- 
schwierigkeiten vor Weihnachten alle Einkommen- 
stufen erreichen wollen, wo doch das knappe Ange 
bot die Preise ungemein in die Höhe getrieben 
hätte? Müsse man es nicht eine große Tat nennen, 
wenn trotz der großen Nachfrage die Friedenspreise 
gehalten seien? Der zweite Teil, 
Die Marktordnung im einzelnen 
stellte die Belange der Viehwirtschaft in den Vor 
dergrund. Die Neuordnung auf den Märkten 
wurde besprochen, die Notwendigkeit, neue Märkte 
zu errichten junter Verweis auf schleswig-holstei 
nische Verhältnisse), die Erfolge der Fest- und 
Höchstpreise in Verbindung mit der Klassifizierung 
und dem Schlußscheinsystem werden herausgestellt. 
Die Knappheit auf dem Schweinemarkt sei behoben, 
beim Rindvieh müsse man mit gewisser Verknap 
pung noch rechnen. Die Lücken würden durch Ein 
fuhr geschlossen. Der Verteiler mußte manche Be 
schränkung aus sich nehmen, aber auch der Schlachter 
blieb nicht verschont. Dessen Verbienstspanne wurde 
erheblich eingeengt, nicht zum wenigsten durch den 
Druck auf den Ladenpreis. Hier aber müsse man 
andrerseits anerkennen, daß der Uebersetzung durch 
die Genehmigungspflicht bei Neuerrichtung von 
Betrieben vorgebeugt sei. 
In Schleswig-Holstein mache die Preisfestsetzung 
manche Schwierigkeiten, da die Provinz während 
der fünf Monate Weideabtriebszeit ein gewaltiges 
Ausfuhrgebiet darstelle, wobei der Preisunterschied 
zwischen dem Export und Verbrauchermarkt aus 
geglichen werden müsse, während außerhalb der 
Weiöeabtriebszeit umgekehrten Verhältnissen Rech 
nung getragen werden müsse. Neuere Besprechun 
gen in Husum hätten das Problem in seiner gan 
zen Schwere aufgerollt. Man werde seiner aber 
Herr zu werden wissen. 
Der Redner berührte zum Schluß flüchtig die 
anderen Gebiete und schloß mit dem beifällig auf 
genommen Appell, jeder Bauer, jeder Verteiler, 
Be- und Verarbeiter möge in der Marktordnung 
seinen ihm zugewiesenen Platz ausfüllen. Es er 
fülle ihn mit Genugtuung, daß die Genossenschaften 
diesem Appell im Lande den nötigen Nachdruck 
verleihen könnten. 
Der Nachmittag war der 41. ord. Mitgliederver 
sammlung der Schleswig-Holsteinischen Landesge- 
nosienschastsbank vorbehalten. Kreisbauernführer 
Sieh griff in seinen Begrützungsworten auf die im 
Vorjahr gemachten Ausführungen über den ge 
schichtlichen Werdegang zurück. Die letztjührige Ent 
wicklung lasse den Genossenschaftler mit Zuversicht 
der Weiterentwicklung entgegensehen. 
Dis Grundsätze genossenschaftlicher lang, 
und kurzfristiger Kreditgewährung 
Direktor Baurmeister 
erstattete den Geschäftsbericht. Er hob einleitend 
die wichtigsten Punkte aus der Geschäftsentwicklung 
des Jahres 1935 hervor (wir verweisen auf unseren 
Sonnabendbericht), behandelte das Wesen der ge 
nossenschaftlichen Aufgaben allgemein und führte 
alsdann im einzelnen u. a. aus: In 1935 hatten die 
Spar- und Darlehnskassen zunächst 
die alten Krcditvcrhältnisse 
zu ordnen. Diese Arbeit ist, soweit ihre Durchfüh 
rung in unserer Macht lag, mit Erfolg abgeschlossen. 
Mit 8200 nicht im Entschuldungsverfahren befind 
lichen Schuldnern haben unsere Kassen für Forde 
rungen im Gesamtbeträge von rund 20 Mill. MM 
eine freiwillige und großzügige Schuldenregelung 
getroffen. Die überwiegende Mehrzahl dieser 
Schuldner sind nicht Bauern, sondern Handwerker 
und Gewerbetreibende, auf die sich das landwirt 
schaftliche Entschuldungsverfahren zum Teil sehr 
hart auswirkt. Durch die langfristigen Tilgungsver 
einbarungen, die ihre Genossenschaften mit ihnen 
getroffen haben, erhielten diese Betriebe nunmehr 
die Möglichkeit, eine drückende, jederzeit fällige 
Schuldenlast zn regeln und sich ganz allmählich zu 
entschulden. Wenn in der Provinz insgesamt 13 000 
ldw. Betriebe in der Entschuldung liegen, so läßt 
sich die Zahl von über 8000 freiwilligen Schulden 
regelungen durch die Genossenschaften wohl sehen. 
Unser Vorgehe« erscheint uns als die selbstverständ 
liche und einfache Lösung der Frage, wie die Ent 
schuldung des gewerblichen Mittelstandes und die 
notwendige Konsolidierung der kurzfristigen Schul 
den durchgeführt werden soll. Was eingefroren ist, 
ist eben langfristig geworden. Wir können es nur 
begrüßen, wenn die maßgeblichen Vertreter des 
Handwerks und des sonstigen mittelständischen Ge 
werbes sich die bei den ländlichen Gen. mit dieser 
Schuldenregelung gemachten Erfahrungen zunutze 
machen und, wo dies nötig ist, ein gleiches Vor 
gehen anregen. Dies kann nur zur Gesundung 
der Kreditverhältnisse in unserer Provinz beitragen. 
Der zweite Komplex alter Kreditverhältnisse sind 
die im Entschuldungsverfahren 
befindlichen Forderungen unserer Genossenschaften 
im Betrage von etwa 26 Mill. MM. Zur Bearbei 
tung und Vertretung dieser Forderungen gegen 
über den Entschuldungsstellen gründeten wir mit 
dem Verbände die Treuhand- und Einziehungs 
stelle GmbH. Diese verwaltet heute rund 4000 Ent 
schuldungsforderungen. Die Einrichtung hat sich be 
währt. Bei voller Wahrung der berechtigten Inter 
essen unserer Genossenschaften trägt die Treuhand 
stelle zur Förderung und Beschleunigung der Ent 
schuldung bei. Außerdem sind wir seit Anfang 1935 
Entschuldungsstelle für etwa 1200 ldw. Betriebe. 
Die Entschuldung ist in unserer Provinz besonders 
schwierig. Ein Fünftel sämtlicher ldw. Betriebe liegt 
im Verfahren und rund 2000 Erbhöfe werden noch 
weiterer gesetzlicher Vorschristeri bedürfen, «m 
überhaupt entschuldet werden zu können. Im Ein 
vernehmen mit der Landesbauernschaft haben wir 
folgende Grundsätze unserer Arbeit vorangestellt: 
1. Ein Entschuldungsverfahren darf erst abge 
schlossen werden, wenn zweifelsfrei feststeht, daß der 
Schuldner die vorgesehenen jährlichen Leistungen 
ausbringen wird. Nach Durchführung der Entschul 
dung darf es Zins- und Tilgungsrückstände nicht 
mehr geben. 
2. Es ist daher notwendig, daß ein Betrieb, der 
durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung 
herunter gekommen und dessen lebendes und totes 
Inventar demzufolge unzureichend geworden ist, 
erst einmal in Ordnung gebracht wird, damit er 
seine Zinsleistungsgrenze aufzubringen vermag. Zu 
diesem Zwecke hat das Reich die Betriebsausbau- 
darlchcn zur Verfügung gestellt. Wo diese nicht aus 
reichen oder nicht eingesetzt werden können, muß 
dem Betrieb eine gewisse streng befristete Atem 
pause gewährt werden. 
3. Die Betriebsinhaber müssen auch in diesen 
schwierigen Fällen ihren ehrlichen und unbedingten 
Leistungswillen unter Beweis stellen. Wer sich auf 
Kosten seiner Gläubiger um seine Verpflichtungen 
herumdrücken will, wird der Abmeierung verfallen 
oder den Hof bis zum Heranwachsen des Anerben 
verpachten müssen. 
4. Die Erfüllung der Zinsleistungsgrenze setzt 
eine durchschnittlich gute Bewirtschaftung der Höfe 
voraus. Nicht nur um der Bereinigung der ldw. 
Kreditverhältnisse willen, sondern auch im Inter 
esse der Erzeugungsschlacht. Von den Entschuldungs 
betriebsinhabern mutz verlangt werden, daß ihre 
Wirtschaftsweise diesen Voraussetzungen genügt. Ist 
dies nicht der Fall, müssen sie selbst Mittel und 
Wege suchen, durch Verpachtung ihren Verpflichtun 
gen bis zum Heranwachsen des Anerben gerecht zu 
werden. Würden sie dies nicht tun, so würde eine 
neue Verschuldung unvermeidlich sein. Das Erb 
hofgesetz will das deutsche Bauerntum, aber nicht 
untüchtige, geschiveige denn unzuverlässige Bauern 
schützen. 
Durch rechtzeitige und genaue Zinsanordnungen 
sowie durch deu verstärkten Einsatz landwirtschaft 
licher Sachverständiger als Betriebsüberwachungs- 
stellen muß diesen Grundsätzen unbedingte Geltung 
verschafft werden. Auch die Spar- und Darlehns 
kassen müssen sich mit allen Kräften dafür einsetzen, 
daß die Zins- und Tilgungsleistungen erfüllt 
werden. 
Mit den Auswirkungen der Entschuldung auf 
unsere Kassen wird die Gesamtorganisation mit 
Hilfe der vorhandenen Reserven fertig werden. 
Trotz der einschneidenden Zinskürzungen bei den 
Entschuldungsforderungen dürfte es kein Personal 
kreditinstitut iu unserer Provinz geben, das seine 
nicht in der Entschuldung liegenden Kredite zu so 
niedrigen Zinssätzen zur Verfügung stellt, wie die 
Genossenschaften. Der Höchstzins ist 6 vH netto ohne 
irgendwelche Kreditprovision. Für Tilgungsdarle- 
hen rechnen ein Drittel der Kassen nur 4, 4,5 und 
5 vH, für lsd. Rechnungs-Kredite liegt bei einem 
Fünftel der Kassen der Zinsfuß bei 6,5 vH und 
niedriger. Trotzdem ist das Zinsnivea« noch z» hoch. 
Im Interesse einer schnelleren Entschuldung märe 
sowohl für die Landwirtschaft wie für Handwerk 
u. Gewerbe ein niedrigerer Zinsfuß erwünscht. Nur 
eine allgemeine Senkung des Landeszinsfußes kann 
jedoch den Genossenschaften hier weitere Möglich 
keiten geben. Ihre Zinsspanne läßt eine weitere 
Senkung nicht zu. 
Die Liquidität der Genossenschaften konnte auf 
Grund des besseren Rückflusses der Kredite sowie 
aus den neuen Spareinlagen gebessert werden. Wir 
streben an, daß alle Gen. mindestens 20 vH ihrer 
Spareinlagen als jederzeit verfügbares Guthaben 
bei uns unterhalten. Ohne Zahlungsbereitschaft 
aus eigener Kraft keine Kreditbercitschaft! 
Auf der Grundlage der Neuordnung der alten 
Kreditverhältnisse konnte auch 
die Betriebskreditgemährung 
intensiver gepflegt werden. Die Genossenschaften 
erhielten eingehende Richtlinien und setzten nach 
Aussonderung der eingefrorenen Kredite die Kredit 
grenze für jeden einzelnen der 80 000 Kreditnehmer 
neu fest. Es ist nun Sache der Verwaltungsorgane, 
dafür zu sorgen, daß diese neue Ordnung aufrecht 
erhalten bleibt. Eine dauernde Erhöhung der ein 
zelnen Betriebskredite des Schuldners darf nicht 
in Frage kommen. Im Gegenteil soll im allgemei 
nen auch der Betriebskreöit von Jahr zu Jahr ge 
ringer werden: und am besten hat eine Spar- und 
Darlehnskasse für das Wohl ihres Schuldners ge 
sorgt, wenn sie erreicht, daß er schließlich ganz ohne 
Betriebskredit auskommt und, wie so viele Mitglie 
der unserer Genossenschaften, auf seinem laufenden 
Konto stets ein Guthaben unterhält. Vor allem aber 
soll jeder Betriebskredit mindestens einmal im 
Jahre möglichst völlig zurttckgewickelt sein. Wenn 
wir die Saisonschwankungen der Konten der Spar 
und Darlehnskassen bei uns betrachten, so ist fest 
zustellen, daß die Rückflüsse ohne Düngerkredite 
zwischen der Höchstinanspruchnahme im Frühjahr 
und der niedrigsten Inanspruchnahme im Herbst 
in 1984 3,6 Mill. MM, in 1935 7,5 Mill. MM betru 
gen. Dies ist ein gesundes Zeichen dafür, daß die 
Betriebskreditgewährung in erheblichem Umfange 
Saisoncharakter trägt. — Zu dem Problem des 
mîttel- und langfristigen 
Erbhofkredites 
sind eine Unmenge Vorschläge gemacht worden. Die 
Genossenschaften sind zurzeit die einzigen Kredit 
institute. die ohne grundsätzliche Beschränkung mit 
tel- und langfristige Erbhofkredne gewähren. Die 
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