Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Der Führer auf der Elbefahrt. 
Anschließend an seinen Besuch in Dresden unternahm der Führer auf der Elbe an 
Bord des Dampfers „Hindenburg" eine Fahrt in das Elbsandsteingebirge nach 
Schandau. In der Begleitung des Führers sieht man Gruppenführer Schepmann, 
SS.-Gruppenführer Berkelmann und Reichsstatthalter Mutschmann. 
(Heinrich Hoffmann, K.) 
Die deutsche Nationalmannschaft, die in Mailand siegte. 
Von links nach rechts: Winter, Stadel, Frey, Steffens, Schwarzmann, 
Stangl, Volk und Beckert. Schwarzmann war der beste Einzelturner. 
Thüringen vom Unwetter heimgesucht. 
Wolkenbrüche und schwere Gewitter suchten den größten Teil von 
Thüringen heim. Unser Bild, in der Nähe von Gera aufgenom 
men, zeigt ein von den Wassermassen schwer beschädigtes Haus. 
(Scherl, Bilderdienst, K.) 
Vor der Reichsthcaterwoche in München 1936. 
Eine Zeitfunkaufnahme anläßlich der Reichstheaterwoche im Funk 
haus des Reichssenders München. Von links nach rechts: Spiellei 
ter Hoffmann (Münchener Oper), Prof. Praetorius, Bühnenbild 
ner an der Staatsoper, Oskar Walleck, Generalintendant der 
Bayrischen Staatstheater, Kurt Barree, Oberregisseur der Baye 
rischen Staatsoper. (Atlantic, K.) 
Toni Zaggler / 
Hochlandsroman von Hans Ernst 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz, 
München. 
3) Nachdruck verboten. 
„Gibst nicht nach, bis ich dir den Buckel 
wieder vollschlag'", fügt der Toni hinzu und 
reckt sich ein wenig, als wollte er gleich an die 
Arbeit gehen. 
Da schiebt Monika ihren Arm unter den 
seinen und Juta hängt sich auf der anderen 
Seite ein und so ziehen sie den Toni fort. 
Burgl will sich auch anschließen, aber Vestl 
hält sie mit rauhem Griff zurück. 
„Du bleibst da. Du bist meine Schwester 
und hast zu mir zu halten, verstanden!" 
Er zieht sie an der Hand mit fort und geht 
einen anderen Weg als die drei. 
Als Toni mit den zwei Mädeln über den 
Wiesenpfad durch ein paar Viehweiden zur 
Bachbrücke kommt, sagt Monika: 
„Jetzt muß ich euch allein lassen." 
Der Hof ihres Vaters liegt nämlich entge 
gengesetzt von Schloß Wandeck. 
Just auf der hölzernen Brücke bleiben sie 
stehen und vereinbaren ein nächstes Treffen. 
Mit silbernen Wellen sprudelt der Bach un 
ter ihnen und singt ein leises, wunderfeines 
Lied in die Stille der frühen Sommernacht. 
„Kommt gut heim", sagt Monika und biegt 
rechts ab in einen Feldweg, der direkt in den 
Brandlhof mündet. 
„Du auch", ruft Toni ihr nach und wendet 
sich mit Juta links ab. Aber immer in ge 
wissen Zeitabstünden dreht er den Kopf und es 
ist wie eine geheime Abmachung, daß Monika 
es im selben Augenblick auch tut. Dann ver 
schwindet sie plötzlich in der Dämmerung. 
„Sag mir einmal, Toni", beginnt Juta un 
vermittelt, aber du mußt es nicht als In 
diskretion auffassen —" 
„Als was soll ich's nett?" fragt Toni, der 
das Wort nicht versteht. 
„Ich meine — du mußt nicht glauben, daß 
ich neugierig bin. Aber sag' mir einmal ganz 
ehrlich — nicht anlügen, bitte, — hast du schon 
einmal — ein Mädchen geküßt?" 
„Nein, das hab ich noch nicht." 
„Gott sei Dank!" 
Das sagt Juta ganz ruhig und einfach. 
„Warum Gott sei Dank?" 
„Ach, nur so. Ich wollte es nur wissen. Ich 
zum Beispiel, ich möchte einmal keinen Mann, 
der vor mir schon eine andere geküßt hat." 
„Natürlich", nickt Toni bestätigend, obwohl 
er das nicht ganz begreifen kann. 
Eine Glocke beginnt zu läuten. Ein voller, 
schöner Klang im späten Abend. Toni nimmt 
seinen Hut ab und schlingt die Fäuste inein 
ander. Auch Juta bekreuzigt sich und es wird 
ganz still zwischen den beiden. Die Grillen lär 
men laut vom Wegrand her und auf der 
Straße hört man den klappernden Hufschlag 
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die dunklen, ernsten Töne der Abendglocken. 
Als alles wieder ganz still ist, sagt Juta, 
wie aus diesem Sinnen heraus, ganz leise: 
„Du — Toni . . ." und nochmal „Tonele . . ." 
Das Letzte kommt ein Weilchen später und 
schwingt ganz leise im Abendwind. 
Ein seltsames Gefühl übermannt ihn beim 
weichen Nennen seines Namens. Im Augen 
blick kann er gar nichts sagen. 
Ihre Hand schmiegt sich in die seine. „Husch", 
macht sie, als möchte sie ihre leise Zärtlichkeit 
mit der Kälte begründen. 
„Sag' mir doch, was du einmal werden 
willst, Toni." 
„Jäger möcht' ich werden. Weißt du, so in 
den Bergen umeinanderkraxeln, ganz früh 
schon, wenn die Sonn' aufgeht, das wär mein 
Leben." 
„Und wenn du Jäger wirst, was tust du 
dann?" 
„Na ja, dann steig' ich den Gemsen nach, 
mach' die Wechsel ausfindig und was es halt 
da alles gibt." 
„Nein, ich meine später, viel später, wenn du 
nicht mehr allein bleiben willst?" 
„Ach so? Ja, dann heirat' ich die Monika." 
Das Wort trifft ein junges, zuckendes Herz. 
Ein leiser, unterdrückter Laut. 
„Die Monika vom Brandl?" 
„Ja, die hab' ich gern." 
Ihre Hand löst sich aus der seinen. 
„Das ist mir bisher noch gar nicht aufge 
fallen." 
Ihre Stimme hat einen ganz fremden 
Klang. Der Toni merkt das aber nicht und er 
zählt unbekümmert von seiner jungen Liebe 
zu Monika. 
Juta gibt auf nichts eine Antwort. Sie sagt 
erst eine Weile später: „Und die Monika? 
Liebt sie dich auch?" 
„Das weiß ich net. Bis jetzt hab' ich noch nix 
g'sagt zu ihr. Aber gemerkt hab' ich's schon, 
daß sie mich auch gern sieht." 
Juta will ihm sagen, daß dies noch lange 
kein untrügliches Merkmal der Liebe sei. Aber 
sie verschweigt es lieber und sagt nur: 
„Ich will mit meinem Vater einmal darüber 
reden, daß du Jäger werden kannst." 
Da bleibt er stehen und faßt mit einem un 
terdrückten Jubelschrei nach ihren Händen. 
„Juta! Wenn du das fertig brächtest, mein 
Lebtag wär' ich dir dankbar dafür." 
Knapp steht sie vor ihm und blickt ihm lange 
und tief, recht tief in seine Augen. Ein trau 
riges Lächeln zuckt um ihren Mund — ein Lä 
cheln, das er an ihr nicht kennt. Dann hebt sie 
ganz leicht ihren Arm und streicht mit zittern 
den Fingern über die Backen. „Guter Tonele", 
sagt sie ganz leise dabei. 
Da räuspert sich jemand laut. 
Die beiden fahren erschreckt herum — aufge 
scheucht wie aus einem schönen Traum — und 
sehen im Schatten der Schloßbäume den Die 
ner Wilhelm stehen. 
Juta drückt Toni noch rasch die Hand und 
geht von ihm weg. 
Der Beschnürte sagt mit gedämpfter 
Stimme: 
„Man war bereits in Sorge um Sie, Kom 
teß." 
„Wer war in Sorge? Mein Vater wußte, 
wo ich war." 
„Ja, aber die Mamsell, ich, alle waren be 
sorgt. Es ist schon über neun, und ich wollte 
schon zum Suchen gehen." 
„Ich danke, Wilhelm. Aber diese Sorge war 
unnötig." 
Wilhelm verneigt sich stumm, schließt das 
Die letzte Fahrt des „König Albert". 
Als eins der letzten bei Scapa Flow versenkten deutschen Kriegs 
schiffe ist nun auch „König Albert" gehoben worden, der auf un 
serem Bilde zur Abwrackstation geschleppt wird. Man sieht die drei 
riesigen Schrauben des Kriegsschiffes. 
hohe Gittertor und bleibt respektvoll einige 
Schritte hinter der Komteß zurück. 
Mit unzähligen, flimmernden Himmelslich 
tern liegt die Nacht über dem Schloß. 
In Jutas Zimmer stehen die Fenster offen 
und die Lampenhelle wirft rötliche Lichtbäuöer 
in den dunklen Park hinaus. 
In einem Lehnstuhl sitzt Juta am offenen 
Fenster, lauscht einmal auf das unermüdliche 
Plätschern der Brunnen und blickt dann wie 
der sinnend über die schwarzen Wipfel hinauf 
zu den Felswänden, die scharf und kantig hin 
einstocken in das tiefe Blau des Himmels. 
Juta von Bruggstein versucht in dieser Nacht 
ihre erste, ganz heimliche Liebe zu begraben! 
Wie ein Traum war alles gewesen. Ein 
Traum, von dem sie zu niemand sprechen kann. 
Im Frühling war es, als sie nach einem lan 
gen, strengen Winter den Toni wieder sah. Da 
wußte sie mit einemmal, nach was sie sich den 
ganzen Winter gesehnt hatte. Sie hatte ver 
sucht, wie lange sie ihm fernbleiben kann. 
Kaum zwei Tage hat sie es ausgehalten, dann 
hat sie ihn wieder gesucht. Sie ist neben ihm 
im Acker hergegangen, wenn er, den Pflug in 
den Händen, die Schollen umlegte, langsam 
und bedächtig, wie wenn man in einem Buch 
die Blätter umlegt, eins aufs andere. Sie ist 
am späten Abend mit ihm heim, hat mit ihm 
hinter dem Haus gesessen und hat die Sterne 
gezählt, die einer nach dem andern aufge 
flammt waren am tiefblauen Himmel. Toni 
hat dann so nebenbei gesagt: „Morgen muß 
ich in den Holzschlag und dem Vater helfen." 
Wie selbstverständlich war es, daß sie ihn 
auch da oben besuchte. Kein Weg war ihr è û 
beschwerlich. Und einmal, als er nur mit knap 
per Not vor einem stürzenden Baum zur Seite 
springen konnte, hat sie laut und gellend auf 
geschrien. Von diesem Augenblick an kam es 
ihr zum Bewußtsein, wie lieb sie ihn hatte. 
Sie ging heim damals, in das Abendrot, wie 
in einen neuen Morgen hinein. Im Traum 
land war sie gewandelt, in einem Land voll 
stiller Schönheit — bis heute. 
Und nun hieß es, von dieser jungen, un 
ausgesprochenen Liebe Abschied nehmen. 
Juta steht auf, tritt ans Fenster und blickt 
hinaus in die milde, sternbeglänzte Sommer 
nacht. Ihre Lippen sprechen ganz leise einen 
Namen: „Toni..." Und nochmal ganz leise 
wie ein Hauch: „Tonele..." I 
Was hat die Juta nur, daß sie auf einmal 
so traurig wurde beim Abschied, wundert sich 
der Zaggler Toni beim Weggehen. Er schlen 
dert nach Hause, vor sich hinpfeifenö, wie öas 
seine Gewohnheit ist. Bald hat er das kleine, 
freundliche Haus am Fuße des Berges er 
reicht. In der Stube brennt schon das Licht 
und bei seinem Eintritt erhebt sich die Mutter 
vom Tisch, geht zum Ofen, wo sie das ange 
wärmte Essen herausnimmt und es auf den 
Tisch stellt. Der Vater sitzt im Herrgottswinkel 
über einem Kalender und pafft aus einer kur 
zen Pfeife gelbe Tabakschwaden,' sie ziehen sich 
wie träge Nebel unter der hölzernen Stuben-. 
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Au 
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