Vergangenheit. Die politische Erziehung un-
leres Volkes auf der Grundlage einer alle
Deutschen verbindenden Idee fehlte. „Politi
sche Aufklärung" geschah damals in der Haupt
sache nur, um das Volk zu spalten, nicht, um
es zu verbinden. Es ist kein Wunder, daß diese
politische Zersplitterung sich auch im Aufbau
unserer Erziehungsstätten ausprägen mußte,
dadurch wurde aber wiederum diese Zersplit
terung gefördert. Ein verhängnisvoller Kreis
lauf. Damals entschied über den künftigen Be
rus des jungen Deutschen nicht seine Be
gabung, und seine politische Erziehung wurde
mehr dem Zufall überlassen, d. h. sie hing da
von ab, welchem politischen Apostel er in die
Hände geriet. Eines war dann aber meistens
der Fall: nicht eine uneingeschränkte staats
bejahende, volkbetonte Gesinnung, sondern
eme mehr oder minder offene ichbètonte Ein
stellung zu den Lebensfragen der Nation.
Heute sind die Bildungsstätten nicht nur Mit-
. ļ âur größtmöglichsten Leistungssteigerung
fedes Volksgenossen. Tie dienen durch ihre
politischen Erziehungsaufgaben auch und in
erster mnie der Erhaltung und Festigung der
Nation.
Negierungsassessor Kummer.
*
Lswald Spengler gestorben.
. DNB. München, 8. Mai. Der Kulturphilo-
loph Oswald Spengler ist am Freitag im Al
ter von 56 Jahren gestorben.
*
An den Namen Oswald Spengler knüvft
sich ein Schlagwort, das nach dem unglücklichen
Ausgang des Weltkrieges Anregungen gege
ben, aber auch Unheil gestiftet hat: „Unter
gang des Abendlandes". Ein Teil der Jugend
leitete daraus ein Weltbild ab, das der müden
Stimmung dieser unglücklichen Jahre ent
sprach. Man kann nicht leugnen, daß Speng
ler ein Schriftsteller von großem Wissen ui'd
großer Darstellungskust war. Er wirkte stark
auf eine Generation, die der Krieg resigniert
gemacht hatte. Wir lehnen uns heute wieder
gegen die Stimmung auf, die den Grundton
seines Werkes bildet, gegen die Auffassung
von der Unvermeidlichkeit des Sterbens der 1
Völker. Wir glauben wieder an die Jugend
unseres Volkes. In dem Augenblick, als das
deutsche Volk seine große geschichtliche Wende
erlebte, blieb Spengler abseits und zog sich
ganz in seine stille Gelehrtenstube in München
zurück. In den letzten Jahren hat man nicht
mehr viel von ihm gehört. Man wußte von
einem hartnäckigen Leiden, das ihm viel zu
schaffen gemacht hat und an dessen Folgen er
jetzt, wenige Wochen vor der Vollendung seines
36. Lebensjahres, gestorben ist. ,
Spengler war der Sohn eines Postbeamten
aus Blankenburg im Harz. In Halle, Berlin
und München hat er studiert. Nachdem er eine
Zeitlang an einem Hamburger Gymnasium
amtierte, nahm er seinen Abschied. Seit 1910
lebte er als Privatgelehrter in München. Als
Publizist seiner Thesen war er immer eine
umstrittene Erscheinung.
Italiens König wird Kaiser von Aethispien
Nesgrimdung des Imperium Roman««
flPtt flfMt vt ^n vt V*ft si1 n 1t * - . . _ _
Für den heutigen Sonnabend 10 Uhr abends
erwartet man die Ankündigung Mussolinis
für den endgültigen status Abessiniens. So
wohl in Rom wie in westeuropäischen politi
schen Kreisen spricht man aus mehreren Grün
den davon, daß die Ausrufung eines neuen
Kaiserreiches, die Wiederherstellung des Im
perium Romanum, sehr wahrscheinlich ist.
Denn erstens versammelt sich heute abend für
diese bedeutsame Stunde zum ersten Mal in
der Geschichte des Faschismus der Ministerrat
zusammen mit dem Großen Faschistische« Rat.
Das läßt von vornherein auf außergewöhn
liche Maßnahmen schließen. Dazu kommt, daß
zu den Angelegenheiten des Großen Rates
u. a. auch die Frage der Veränderung des
Staatsgebietes, des Thrones und der Verfas
sung gehören. Wie die italienische Bevölkerung
selbst die oben erwähnte Ausrufung in dem
Dekret, das Mussolini in der Nacht zum Sonn
tag vom Balkon des Palazzo Venezia ver-,
lesen wird, als wahrscheinlich ansieht, geht u. a.
auch daraus hervor, daß bei den stürmischen
Kundgebungen der begeisterten Volksmenge
vor dem Königspalast am Donnerstag die
Hochrufe auf Victor Emanuel Hl. schließlich in
öcn allgemeinen Ruf „Jmperatore!" über
gingen.
Sollten sich diese Erwartungen bestätigen,
so würde nicht nur eine Parallele zu dem
Titel des englischen Königs geschaffen, der be
kanntlich auch Kaiser von Indien ist, sondern
es würde damit die uneingeschränkte Annexion
Abessiniens erneut ausgesprochen werden, die
das halbamtliche „Giornale ü'Jtalia" auch jetzt
wieder als einzig mögliche und selbstverständ
liche Lösung hinstellt.
det Regenļschafļsraļ in Aegyylen.
Kammer und Senat nahmen am Freitag
abend nach ihrer Konstituierung nach der Neu
wahl in einer Nationalversammlung von dem
Inhalt des Testaments des verstorbenen Kö
nigs Fuad I. Kenntnis und bestimmten zu
Regenten für seinen heute 16jährigen Nach
folger Faruk l. den Prinzen Mohammed Ali,
einen 62 Jahre alten Vetter König Fuads als
Leiter des Regentschaftsrates. Ferner wurden
zu Mitgliedern des Regentschaftsrates der frü
here Außenminister Aziz Jzzet Pascha und der
frühere erste ägyptische Gesandte in London
und spätere Unterstaatssekretür im Außen
ministerium, Scherif Sabri Pascha, bestimmt.
VcsZeß gegen den Kommunisten Andre.
DNB. Hamburg, 7. Mai. Am dritten Tage
des Prozesses gegen den Kommunistenführer
Andre vor dem Strafsenat des Hanseatischen
Oberlanöesgerichts wurde die hochverräterische
Tätigkeit des Angeklagten besprochen.
Andre gibt zu, daß er schon vor dem Verbot
des RFB. wegen unzuverlässiger Amtsfüh
rung als Gauführer abgesetzt worden sei,' eine
Tätigkeit als Gau-Pol.-Leiter bis August 1982,
wie die Anklage behauptet, bestreitet Andrs
entschieden. Im Oktober 1929 ging Andrs im
Auftrage der Parteileitung nach Cuxhaven,
um dort einen Unterbezirk auszubauen. Aller
dings gab er seine Wohnung in Hamburg we
gen seiner Bürgerschaftstätigkeit nicht auf.
Sein Aufenthalt in Cuxhaven, der bis 1931
dauerte, wurde durch eine Reise unterbrochen,
die Andrs Ende 1930 als Leiter einer Arbei
terdelegation nach Rußland führte. Mitte 1931
führte Andrs Reisen nach Belgien und Frank
reich zwecks Organisation seemännischer Ge
werkschaften aus. Trotz seiner mehrfachen
Reisen war Andrs, das ergibt sich sowohl aus
seinem Reisepaß, als auch aus der Präsenzliste
der Hamburger Bürgerschaft, immer wieder in
Hamburg. Er hatte auch hier ständig eine Woh
nung. Dort fand man bei seiner Vermieterin
kurz vor Andrss Verhaftung ein Wassenlager
und zahlreiches Schriftenmaterial, das Eigen
tum Andrss war. Der Gerichtsvorsitzende hielt
Andrs vor, daß er also, obwohl er oft abwe
send war, immerhin Gauführer des RFB. ge
wesen sein könne, denn dieser sei nur für
große Aktionen erforderlich gewesen.
Unsere Hinweise auf die schon beginnende
Vorbereitung der späteren Demobilisation in
Abessinien und der Ueberführung des Kriegs
zustandes in die friedensmäßige Verwaltungs
und Organisierungsarbeit werden durch die
neuen Meldungen aus Rom vollinhaltlich be
stätigt. Mit dem stürmischen Tempo, das die
Durchführung des afrikanischen Krieges von
der Mobilisierung der ersten Division an kenn
zeichnete, geht man nun auf das nächste Ziel
los, daß dadurch gekennzeichnet ist, daß eine
sofort einsetzende Kolonisierung in Abessinien
zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen hat:
erstens will man dadurch der sonst unvermeid
lichen Demobilisierungskrise zuvorkommen, in
dem ein möglichst großer Teil der 400 000 Sol
daten und 100 000 Arbeiter in Abessinien mit
ihren nachzusendenden Familien fest angesie
delt wird,' zweitens möchte man aufliefe
Weise jeglichen immer wieder auftretenden
Einmischungs- und Teilungswünschen ge
wisser Großmächte vorbeugen. Wie in allem
übrigen, so wird auch bei dieser Form der tat
sächlichen Besitzergreifung Abessiniens der am
Montag zusammentretende Völkerbund vor
längst beschlossene und in den ersten Anzeichen
bereits merkliche Tatsache gestellt werden. In
italienischen Wirtschaftskreisen glaubt man mit
einem starken Zustrom privater Wirtschafts-
Unternehmungen nach Abessinien rechnen zu
können.
Mit einem Wort, es wird sich also das in
Rom geprägte Wort von der „bewaffneten
Auswanderung" schon in kurzer Zeit verwirk
licht haben. Dabei tragen die maßgeblichen ita
lienischen Kreise eine betonte Gleichgültigkeit
gegenüber allem zur Schau, was mit Genf zu
sammenhängt. Rom hat freilich guten Grund
anzunehmen, daß der Völkerbund sich in seiner
geradezu lächerlichen Lage wieder einmal nicht
anders als durch Vertagung zu helfen weiß.
Außerdem vertritt man mit gewollter und nur
zu berechtigter Ironie den Standpunkt, daß
die Sanktionsmächte sich ja wohl nicht gut an
dem „italienischen Diebstahl" beteiligen könn
ten! Von der ausdrücklichen Verurteilung Ita
liens durch Genf gar nicht zu reden. Vielmehr
gedenkt man den Spieß umzukehren und an
die Mächte gewisse Bedingungen für die Mit
arbeit Italiens in Europa zu stellen.
Abessinien-Frage
erst Mitte Juni vor dem Völkerbundsrat?
DNB. London, 9. Mai. (Eig. Funkmeldg.)
Der politische Korrespondent des Daity Tele
graph teilt mit, es sei wahrscheinlich, daß der
Völkerbundsrat seine Einstellung zu den mi
litärischen Erfolgen Italiens bis Mitte Juni
vertagen werde. Das Hauptinteresse in Genf
werde in den privaten Besprechungen liegen,
die sich mit der Zukunft des Völkerbundes be
fassen.
Scharfe Worte eines englischen Admirals.
Großadmiral Sir Roger Keyses, der mehrere
Jahre lang Oberbefehlshaber der englischen
Mittelmeerflotte war, erklärte auf einer Ver
anstaltung in Malta, daß die britische Flotte
„immer noch die Freiheit der Meere aufrecht
erhalte". Wenn Italien auch das Gegenteil
glauben möge, so sei doch die britische Flotte
immer noch unbesiegbar. Sie sei bereit, jede
Streitkraft anzugreifen, die es wage, sie her
auszufordern, ganz gleich, welches ihre Rüstun
gen seien. Gibraltar werde trotz aller Drohun
gen sicherlich der britische Flottenstützpunkt im
Mittelmeer bleiben.
Skiezsgerichl in Addis Abeba.
Eine Verordnung Marschall Badoglios.
DRV. Addis Abeba, 8. Mai. (Funkspruch
des Kriegsberichterstatters des DNB.). Das
italienische Oberkommando ist gegenwärtig da
mit beschäftigt, den Umfang des in der abessi-
nischen Hauptstadt angerichteten Schadens und
die Täter festzustellen. Marschall Badoglio hat
eine Verordnung über die Einsetzung eines
Kriegsgerichtes erlassen und gleichzeitig in
der ganzen Stadt Plakate anschlagen lassen,
in denen es in drei Sprachen heißt: Ich bin
im Aufträge des mächtigen Königs von Ita
lien gekommen, um Frieden, Ruhe und Ge
rechtigkeit in dieses Gebiet zu bringen, Ord
nung und Disziplin sollen aufrechterhalten
werden. Vor dem Kriegsgericht werden sich
alle die zu verantworten haben, die die An
schläge gegen die Sicherheit des Heeres, gegen
die öffentliche Ordnung, gegen Privatpersonen
und ihr Eigentum schuldig machen. Unerbitt
lich werden nach italienischem Recht Handlun
gen des Widerstandes, des Aufruhrs und der
Räuberei, Plünderung, Diebstahl, Mord und
auch Tätlichkeiten gegen Personen, die sich den
Italienern unterworfen haben, geahndet
werden.
Der Umfang des angerichteten Schadens ist,
soweit sich bisher übersehen läßt, außerordent
lich groß. Fast sämtliche Geschäfte der Stadt
sind ausgeraubt oder in Brand gesteckt worden.
Die ersten Ausfuhrgüter aus Abessinien
in Triest eingetroffen.
Mit dem Dampfer „Maiella" traf am Frei
tag die erste Ladung abessinischen Kaffees in
Triest ein. Der Ausladung im Hafen von
Triest wohnte eine große Anzahl Schaulustiger
bei, die ihrer Freude über den ersten Import
von 90 Tonnen Kaffee aus Abessinien Aus
druck gaben.
Ueberfall auf den Eisenbahnzug
Addis Abeba—Dschibuti.
DNB. Paris, 9. Mai. (Eig. Funkmeldung.)
Auf den Personenzug, der am Freitagabend
in Dschibuti eintraf, ist kurz nach Verlassen
der abessinischen Hauptstadt von Räubern ein
Ueberfall verübt worden, der aber durch die
mit diesem Zuge nach Diredaua zurückkehren
den französischen Senegaltrnppen rasch abge
wehrt wurde. In Diredaua herrschte, als der
Zug einfuhr, einige Aufregung, weil Einge
borene versuchten, das dortige Zollager zu
plündern. Die französischen Truppen konnten
jedoch durch Maschinengewehrfeuer die Ord
nung rasch wieder herstellen. Italienische
Truppen sind in einem zweiten Zuge bis
Diredaua gefahren und haben au allen wich
tigen Punkten der Eisenbahnstrecke starke Be
satzungen zurückgelassen. Die Einreise nach
Abessinien mit der Eisenbahn ist zur Zeit
untersagt.
Marschall Badoglro hat den ausländische«
Gesandten und Geschäftsträgern in Addis
Abeba mitgeteilt, daß ihre diplomatische Tätig
keit zwecklos geworden sei, da die Regierung,
bei der sie akkreditiert waren, nicht mehr
bestehe.
*
Jerusalem. Die Mandatsregierung hat eine
Verordnung erlassen, wonach die Aufforde
rung zum Steuerstreik mit Gefängnis- und
Geldstrafen geahndet werden wird. Am Sonn
tag soll in ganz Syrien ein eintägiger allge
meiner Sympathiestreik für die Araber in Pa
lästina abgehalten werden. Nach einer Agen
turmeldung sind am Donnerstag britische
Truppen auf dem Luftwege aus Aegypten
nach Palästina befördert worden, da dort wei
tere Ausschreitungen befürchtet werden.
Außenminister Eden hat seine Genf-Reise
aus Sonnabend vorverlegt. In einigen politi
schen Kreisen wird eine Fortsetzung der Sank
tionen befürwortet, da sie möglicherweise bei
späteren Verhandlungen mit Italien ein
wertvolles Tauschobjekt abgeben könnten.
Kairo. Die Senatswahlen haben der nati
onalistischen Wafdpartei ebenfalls eine über
ragende Mehrheit gebracht.
* * *
Die roļe Fluļ steigt weiter.
Holländischen Zeitungen kann man entneh
men, daß am Mittwoch in Portsmouth ein
achter Fall von Sabotage in der britischen Ma
rine entdeckt wurde. Auf dem Schlachtkreuzer
„Hooö" versagte die Steuerung. Es wurde fest
gestellt, daß das Versagen auf einen mechani
schen Eingriff zurückzuführen sei. In Ports
mouth wurden eine Reihe Verhaftungen vor
genommen, über die Stillschweigen bewahrt
wird.
Der „Courant" meldet aus Lille: Auch der
noröfranzöstsche Bergarbeiterverband hat in
seiner Delegiertentagung einstimmig beschlos
sen, sich der Moskauer Internationale anzu
gliedern. In ganz Frankreich wächst die Be
wegung in den Gewerkschaften für den An
schluß an Moskau.
Die „Morningpost" meldet aus Madrid: Die
kommunistische Unruhewelle geht noch immer
über Spanien. Der Zusammenschluß der Kom
munisten und Syndikalisten verschärft die
innenpolitische Situation und treibt die Radi
kalisierung der Massen immer weiter. In
Bilbao haben am Mittwoch und Donnerstag
wieder heftige Kämpfe um den Besitz der Fa
briken stattgefunden, bei denen es zahlreiche
Schwerverletzte gab. Die revolutionären Mas
sen hielten am Donnerstagnachmittag 6 Fa
briken besetzt. Polizei und Gendarmerie ver
halten sich passiv.
Der AeguZ in Jerusalem.
DNB. Jerusalem, 8. Mai. Der Negus ist
am Freitagnachmittag mit Familie und Ge
folge in einem Sonderzug in Jerusalem ein
getroffen. Der Kommandant der Luftflotte des
Mandatsgebietes und der Bezirkskommissar
von Jerusalem waren zur Begrüßung er
schienen.
Der Negus hat mit seiner Familie vorläufig
in einem kleinen, am Jaffa-Tor gelegenen Ho
tel in der Jerusalemer Altstadt Wohnung
genommen.
Der Negus an Gasvergiftung erkrankt?
Wie ein Sonderberichterstatter des „Daily
Expreß" aus Jerusalem berichtet, teilt der
Kaiser von Abessinien ihm mit, daß er in der
Nähe von Magdala eine Gasvergiftung erlit
ten habe, unter deren Nachwirkungen er jetzt
noch zu leiden habe. Der Kaiser habe einen
kranken Eindruck gemacht.
Aufruhr in Harrar.
DNB. London, 8. Mai. Nach einem beim
Foreign Office eingegangenen Bericht des bri
tischen Gesandten in Addis Abeba herrschen in
Harrar zurzeit die gleichen Zustände wie we
nige Tage vor der Besetzung durch die Ita
liener in Addis Abeba. In allen Teilen der
Stadt wird wahllos geschossen, geplündert und
gebrandschatzt. Das britische Konsulat wird
von einer 40 Mann starken Polizeimacht aus
Somali-Land bewacht. Hier haben zahlreiche
Ausländer Zuflucht gefunden. Angriffen wa
ren bisher weder das Konsulat noch das be
nachbarte Krankenhaus ausgesetzt, wo Schwe
den und Finnen sich um die Pflege der Ver
wundeten kümmern, die unausgesetzt herein
getragen werden.
* * *
Addis Abeba. General Graziani ist am Don
nerstag in Dschidschiga eingetroffen und hat
bald darauf den Mensch auf Harrar fortgesetzt.
Italienische Truppen bewachen die Eisenbahn
linie von Addis Abeba bis zur Grenze von
Französisch-Somaliland.
Der Reichsautzenminifter hat dem deutschen
Geschäftsträger in Addis Abeba, Gesandt
schaftsrat Strohm sowie seinen Mitarbeitern
Dank und Anerkennung für die erfolgreiche
Wahrnehmung des Schutzes der deutschen In- ■
teressen ausgesprochen. ļ
Mord in Japan.
DNB. Tokio, 9. Mai. (Ostasiendienst des
DNB.) (Eig. Funkmeld.). Heute morgen über
fiel ein entlassener Ingenieur einen Abtei
lungsleiter im Eisenbahnministerium, namens
Furukawa im Büro und verletzte ihn durch
Dolchstiche in den Unterleib tödlich. Nach der '
Tat reinigte der Mörder, Ingenieur Taguchi,
den zur Tat benutzten Dolch und verließ unan
gefochten das Ministerium. Als Beamte Fu
rukawa auffanden, eilten sie dem Täter nach
und verhafteten ihn in dem Augenblick, als er
gerade in einem Auto zur Polizei fahren woll
te. Taguchi erklärte, daß er die Tat bedauere,
aber man habe ihn unter dem Vorwand einer
Nervenkrankheit entlassen, wofür Furukawa
verantwortlich gewesen sei.
Ministerialdirektor Furukawa stand im
Alter von 53 Jahren, während Taguchi 38
Jahre alt ist und im vergangenen Jahr wegen
Unbotmüßigkeit im Dienst entlassen wor
den war.
Bildung von Fallschirmjägerkompagnie«
in Frankreich.
DNB. Paris, 8. Mai. Das „Journal" kün
digt die Schaffung von zwei sogenannten Fall-
schirmjägerkompagnien nach russischem Mustek
an, von denen die eine in Chartres und die
andere in Algier in Garnison liegen soll.
Beide Kompagnien, die später durch drei wei
tere ergänzt werden sollen, würden sich aus
schließlich aus Berufssoldaten zusammensetzen,
die sich auf fünf Jahre verpflichten müssen.
Das Blatt weist darauf hin, daß die Ver
wendungsmöglichkeiten derartiger Fallschirm
truppen, wie dies die Erfahrungen in Ruß
land gelehrt hatten, außerordentlich vielseit'"
seien.
Reichsjustizminister Dr. Gürtner sprach am
Freitagabend über das neue Patentgesetz.
Verantwortlicher Hauptschriftlelter nnv Herausgeber: Re**
binoni) Möller.
Stellvertreter des Hauptfchriftleiters: Herbert Puhlmann-
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann; für den ört
lichen und allgemeinen Teil: Adolf Dregori; für den wirt
schaftlichen Teil: Dr. El. Blelseldt; für den provin
ziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg.
Vildverantwortliche: Ressortleiter.
Verantwortlicher Anzetgenleiter: Karl Jacobsen. Rendsburg-
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg.
D--A- Echleewig.Holsteinische Landeszeitung sReudsburge*
Tageblatt - Hohenwestedter Zeitung ) Die LandpoS
Hanerau-Hademarfchen — Eüderbraruper Tageblatt),
D.-A. IV 36 13 764 PI. Nr. 7.