Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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ergriffen zu werden. Das Feuer wurde so 
fort gelöscht. 
- uw. Insel Sylt, 8. Mai. Fuß abgerissen! Der 
Schiffsjunge des vor Hörnum liegenden Mo 
torschiffes „Stade" geriet beim Auslaufen des 
Schiffes mit dem Bein in die Stahltrosse und 
Zivnr so unglücklich, daß ein Fuß abgerissen 
wurde. Ein Notverband wurde sofort angelegt. 
Die Beförderung ins Westerlänöer Kranken 
haus, die nur mit der Bahn möglich ist, ver 
zögerte sich aber leider einige Stunden, weil 
we in Hörnum _ stationierte Draisine sich in 
Ausbesserung befand und so nicht eingesetzt 
werden konnte. Es geht dem Schwerverletzten 
aber zufriedenstellend. 
83. Geburtstag. Der Senior des Niebüller 
Klempnergewerbes, Klempnermeister Jens 
Kaufmann Petersen in Süd-Niebüll, kann 
heute bei bester Gesundheit und geistiger 
Frische seinen 83. Geburtstag feiern. Das 
Ehepaar Petersen konnte am 7. Januar die 
diamantene Hochzeit feiern. Das Geburtstag- 
kind, ein Veteran der Arbeit, übt.seit 1878 
sein Handwerk in Niebüll ans. (hv.) 
äs DiüitnawcUe** 
fp. Heide, 9. Mai. Lastkraftwagen fährt bei 
Albersdorf in eine Rinderherde. Gegen Abend 
fuhr ein Lastkraftwagen aus Hanerau kurz 
hinter dem Bahnübergang in eine Herde Horn 
vieh. Hierbei wurden drei Tieren je ein Hin 
terbein abgefahren, und andere wurden noch 
verschiedentlich verletzt. Die Tiere mußten not 
geschlachtet werden. Sie gehörten dem Bau 
ern Heinrich Thedens aus Arkebek. Der Un 
fall soll darauf zurückzuführen sein, daß die 
Bremsen versagten. 
fp. Heide, 9. Mai. Schwerer Unfall mit einem 
Rollfix. Ein mit zwei Personen besetzter Roll- 
fix kippte am Donnerstagnachmittag in einer 
Kurve bei Barkenholm um. Hierbei erlitt der 
Fahrers Peters, Kleinheide, schwere Schnitt 
verletzungen am linken Arm, u. a. wurden 
auch die Sehnen durchschnitten. Ein mitfahren 
der kaufmännischer Gehilfe band sofort den 
Arm ab. Der gerade die Strecke passierende 
Arzt Dr. Wrede wurde angehalten, legte so 
fort einen Notverband an und nahm den Ver 
letzten mit in seinem Auto nach dem Heider 
Krankenhaus. Hier wurden sofort operative 
Eingriffe vorgenommen. An dem Rollfix ist 
nur wenig Schaden entstanden. 
Am UddeÌH 
Neuer Präsident 
der Neichspostdirektion Kiel. 
Kiel, 8. Mai. Als Amtsnachfolger des ver 
storbenen Präsidenten der Neichspostdirektion- 
Kiel, Weinbrenner, ist mit Wirkung vom 
1. April ab der bisherige Obcrpostrat Berthold 
bei der Neichspostdirektion Kiel ernannt wor 
den. Präsident Berthold ist am 8. Januar 1897 
in den höheren Postdienst eingetreten. Nach 
zum Teil mehrjähriger Beschäftigung in den 
Neichspostdirektionsbezirken Frankfurt a. d. 
Oder, Erfurt, Berlin, Stettin und Gumbin 
nen wurde er am 1. April 1926 zum Postrat 
Und am 1. Oktober 1934 zum Oberpostrat er 
nannt. Der Neichspostdirektion Kiel gehört er 
seit dem 1. Juli 1929 an. 
Die Verkehrsregelung 
am Tage des Staatsaktes in Laboe.' 
Kiel, 8. Mai. Am Tage der Einweihung des 
Ehrenmals von Laboe steht Kiel im Mittel 
punkt allen Interesses. Ungezählte Menschen 
werden mit der Eisenbahn, im Auto und an 
deren Beförderungsmitteln nach Kiel gelan- 
Interessante Aeanfführung in Kiel 
Dr. Bernhard Engelke bearbeitete die komische Oper „Der bekehrte Trunkenbold" von Gluck. 
Im Rahmen eines Ballett- und Opern 
abends fand am Donnerstag im Kieler Schau 
spielhaus die deutsche Uraufführung einer 
alten komischen Oper von Gluck „Der be 
kehrte T r u n k e n b o l d " bei ausverkauf- 
tcm beifallsfreudigem Hause statt. 
Die Bearbeitung dieser Oper für die deut 
sche Bühne stammt von dem Kieler Musik 
wissenschaftler u. Theaterkritiker Dr. Bern 
hard E n g e l k e, der damit eine köstliche 
Perle für uns Deutsche wiederfand. Das 
lustige Stück entstand im Anschluß an eine 
alte weitverbreitete Schwankerzählung, die in 
Frankreich von La Fontaine ihre klassische 
Prägung gefunden hatte. 
Dr. Engelke schreibt der Landcszeitung über 
seine Bearbeitung: „Ich habe von dem Werke 
die erste deutsche Bearbeitung angefertigt 
unter dem Titel „Der bekehrte Trunkenbold". 
Gluck hat das Werk 1760 für die französische 
Oper in Wien geschrieben. Er benutzte ein 
Libretto von Louis Anseaume, das von 
Laruette für die „Opöra comigue" in Paris 
komponiert war und dort einen großen Er 
folg errungen hatte. Seine Musik besteht aus 
15 Nummern, von denen ich eine gestrichen 
habe. Daneben sind vom Textdichter nach der 
Weise der Opera comigue eine Reihe von 
Volkslieöeinlagen, sog. Vaudevilles, gefordert, 
die ich mit vielen Mühen habe beschaffen 
müssen und mit Begleitung versehen habe. 
Außerdem fordert der Textdichter einen 
Ballettanhang, den Gluck, wie damals üblich, 
irgendwoher genommen hat. Ich lasse ihn be 
ginnen mit einem Marsch aus der Oper „Les 
Troueurs" von d'Auvergne und bestreite den 
Rest mit einer reizvollen Musik von Grstry. 
Die Handlung ist sehr lustig. Ein alter und 
ein junger Bauer sind beim Weine überein 
gekommen, daß der jüngere die im Hause des 
älteren erzogene Nichte heiraten soll. Aber 
sie kommen nicht zum Ziele. Das Mädchen 
liebt einen jungen Juristen, Klevn, und die 
Tante, eine ausgesprochene Temperenzlerin. 
begünstigt dieses Verlöbnis. Um den Alten 
zur Einwilligung zu zwingen, warten sie, bis 
er einmal wieder betrunken nach einer 
Sitzung mit dem Jüngeren heimkommt. Kleon 
läßt ihn und den andern von einigen Bauern 
in den Keller schaffen, und dort wird ihnen 
Komödie vorgespielt. Teufelsfratzen treten 
auf und hetzen die zu Tode erschrockenen 
Sünder nach dem Hintergründe, wo Pluto, der 
Gott der Unterwelt, mit seinem ganzen Hof 
staat erscheint und ihnen als Strafe soviel 
Hiebe zudiktiert, als sie am Abend vorher 
Gläser Wein getrunken haben. Jeder soll dem 
andern die fälligen Hiebe verabreichen. Ge 
rade, als die grausame Prozedur ihren An 
fang nehmen soll, erscheinen die beiden Frauen 
und bitten um Gnade für die Missetäter. 
Pluto willigt ein, im Fall der ältere sich der 
Heirat mit Kleon nicht länger widersetzt, und 
der Spaß kommt zu einem allseitig befriedi 
genden Schluß. 
Glucks Musik (ganz unbekannt und nur in 
einer einzigen Handschrift erhalten!) ist von 
köstlicher Frische, aber nicht minder reizend 
sind die alten französischen Schlager, von 
denen ich als Theaterbesucher mehr als einen 
da capo fordern würde. Ich hoffe, daß ich mit 
meiner Uebersetzung Ehre einlegen kann." 
Die schöne Musik, das reizende Bühnenbild 
und die lebendige Inszenierung, die General 
intendant Hanns Schulz-Dornburg in Händen 
hatte, sicherten den Erfolg des Abends, so daß 
es nicht nur zahlreiche Vorhänge und Blumen 
gab, sondern am Schluß der Beifall nicht eher 
abebbte, bis sich vor dem „Eisernen" der Be 
arbeiter, der mit unendlicher Liebe an das 
Werk herangegangen war, gleichfalls zeigte. 
gen. Allein die Skagerrakgedenkfahrt des 
DDAC. wird Kraftwagen aus allen deutschen 
Gauen in großer Zahl nach Kiel bringen. Um 
die vielen Menschen, die bei den Einweihungs 
feierlichkeiten anwesend sein wollen, nach La 
boe zu befördern, ist fast ausschließlich der 
Landweg gewühlt worden, da die Kamerad 
schaften des NS.-Deutschen Marinebundes ge 
schossen auf dem Wasserwege an- und abtrans 
portiert werden müssen. Wegen der nicht sehr- 
günstigen Wegeverhältnisse in der Propstei 
mußte ein Straßenrundzug geschaffen werden, 
der von Kiel-Neumühlen über Mönkeberg, 
Heikcndorf, Brodersdorf nach Laboe und von 
dort über Stein, Lutterbek, Prasöorf, Prop 
steierhagen nach Kiel-Neumühlen zurückläuft. 
Am Tage des Staatsaktes von Laboe ist 
dieser Rundweg Einbahnstraße. Er kann nur 
in der eben geschilderten Richtung befahren 
werden. Privatwagen fahren in Laboe bis zu 
zwei großen Parkplätzen, die insgesamt 3000 
bis 4000 Wagen fassen. Weitere Abstellmög 
lichkeiten sind bei Ueberfüllung dieser Plätze 
in Brodersdorf, Stein und Lutterbek vorge 
sehen. Während der An- und Abmarschzeiten 
ist ein Ueberholungsverbot für die Rund 
straße erlassen worden. Volksgenossen, die mit 
der Straßenbahn oder den Hafendampfern 
nach Kiel-Neumühlen gelangt sind, begeben 
sich zu Fuß zu den Omnibussen, die am Tage 
des Staatsaktes die Beförderung der Massen 
nach und von Laboe übernehmen. Sie werden 
in Laboe bis direkt zum Ehrenmal gefahren. 
Fußgänger endlich müssen mit dem Dampfer 
bis Heikendorf fahren und gelangen auf 
einem etwa sechs Kilometer langen Wege nach 
Laboe und zum Ehrenmal. 
Durch eine strenge Bewachung dieser Rund 
strecke durch Polizeibeamte, Landjäger und 
NSKK.-Männer sowie durch eine übersichtliche 
Beschilderung ist Vorsorge getroffen worden, 
daß der Verkehr reibungslos vonstatten ge 
hen kann. 
Kiel, 9. Mai. Aus der Preutz. Versuchs- und 
Forfchungsaustalt für Milchwirtschaft in Kiel. 
Der Herr Reichs- und Preußische Minister für 
Ernährung und Landwirtschaft hat den Insti 
tutsdirektor und Professor Dr. Bünger mit 
Wirkung vom 1. April d. I. auf zwei Jahre 
zum Verwaltungsdirektor dieser Anstalt er 
nannt. 
Plön, 8. Mai. Durchgehendes Gespann. Die 
Pferde des Schäfereibesitzers Westphal, der 
mit seinem Fuhrwerk vom Felde zurückkehr 
te, scheuten plötzlich und gingen durch. Dabei 
wurde das Söhnchen des Schäfereibesitzers 
vom Wagen geschleudert und fiel in eine Dor 
nenhecke, ohne jedoch Verletzungen davonzu 
tragen. Der Vater geriet unter den Wagen, 
dessen Räder über ihn hinweggingen. Er trug 
einen Schädelbruch sowie schwere innere Ver 
letzungen davon. 
Am dm* Ģedcldsscud 
Ein großer Abtreibungsprozetz vor dem 
Kieler Schwurgericht. 
Kiel, 8. Mai. Am Freitag begann vor dem 
Kieler Schwurgericht der umfangreiche Abtrei- 
bungsprozeß gegen den 46 Jahre alten Dr. 
Schweigmann aus Schönberg i. H., der sich zur 
Zeit in Untersuchungshaft in Kiel befindet. 
Der Angeklagte soll nach der Anklage in den 
Jahren 1931 bis 1985 zu Schönberg i. H. nicht 
weniger als 15 vollendete und 9 versuchte Ab 
treibungen begangen haben. Vor Beginn der 
Verhandlung, die auf 4 Tage berechnet ist und 
zu der nicht weniger als 60 Zeugen geladen 
sind, wurden u. a. von den beiden Sachverstän 
digen Professor K. und W. die bei dem Ange 
klagten beschlagnahmten Instrumente einer 
eingehenden Untersuchung unterzogen. 
Ein gefährlicher Gewohnheitsverbrecher. 
sz. Flensburg, 9. Mai. Vor der 1. Großen 
Strafkammer des Flensburger Landgerichts 
hatte sich der bereits 10 mal wegen Diebstahl 
vorbestrafte Alfred Oe. aus Schleswig erneut 
wegen schweren Diebstahls im Rückfall zu ver 
antworten. Die Staatsanwaltschaft hatte gleich 
zeitig die Sicherungsverwahrung beantragt. 
Bereits mit 17 Jahren hatte der Angeklagte 
den ersten Diebstahl ausgeführt, bei dem ihm 
ein größerer Geldbetrag in die Hände fiel. Am 
30. Januar kam Oe. nach Schleswig in Arbeit 
und schon 14 Tage später verübte er wieder 
einen Einbruch, indem er bei dem Möbelhänd 
ler Steinhagen eine Scheibe einschlug und in 
das Kontor einstieg, wo er einen Photoapparat, 
ein Paar Lederhandschuhe und Briefmarken 
entwendete. Einige Zeit später versuchte er bei 
dem Gärtner Hack einen Einbruch, ohne etwas 
zu erbeuten, und bei der Firma Rasch hatte er 
ebenfalls kein Glück. Nach den Vorstrafen han 
delt es sich bei dem Angeklagten um einen Ge 
wohnheitsverbrecher, und der Staatsanwalt 
beantragte eine Zuchthausstrafe von 2% Jah 
ren und die Sicherungsverwahrung. Die Fra 
ge, ob der 34 Jahre alte Angeklagte lebens 
länglich in Sicherungsverwahrung unterge 
bracht werden sollte, wurde von dem Gericht 
verneint. Doch ging das Gericht über die be 
antragte Strafe hinaus und verurteilte Oe. zu 
3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. 
Bunte Welt 
Wieviel wiegt der Fisch? 
Wissenschaftliche Preisaufgaben hat es auch 
früher schon gegeben. So richtete einmal Karl 
Theodor von der Pfalz an die gelehrte Welt 
die Frage, wie es käme, daß der Fisch nach 
seinem Tod an Gewicht verlöre. Der besten Ar 
beit winkten hundert Dukaten. Einige Dutzend 
Aufsätze liefen ein, und dann fand der Termin 
statt. Der Herzog hatte sämtliche Bewerber 
geladen. Sie kamen auch alle. Nach den Emp 
fangsfeierlichkeiten ergriff Karl Theodor das 
Wort: „Ehe ich an die Preisverteilung gehe, 
gestatten Sic mir, meine Herren Gelehrten, 
eine Frage: Wer von Ihnen hat vor Beginn 
seiner Arbeit einen lebendigen Fisch gewogen, 
getötet und dann nochmals gewogen?" Alle 
schwiegen betreten. Sie waren der Aufgabe 
wohl mit dem ganzen wissenschaftlichen Rüst 
zeug jener Zeit zu Leibe gegangen und hatten 
viel Zeit, Tinte und Papier geopfert. Aber 
niemand war der Sache auf den Grund gegan 
gen. Der Herzog schmunzelte: „Dann will ich 
Ihnen verraten, meine Herren, daß ich den 
lebenden und den toten Fisch gewogen habe. 
Und der tote wog genau so viel wie der 
lebende . . ." Sprach's und wandte den Ver 
dutzten lachend den Rücken. 
Ģsgeit 3tautschäden 
xdtez Alt 
gegen Wundlaufen und Wundliegen, Auf- 
ļ rauhungen und Rissigwerden der Haus. Bei 
leichten^ Verbrennungen (Sonnenbrand) 
und kleineren Verletzungen wird die Bil 
dung von neuem Hautgewebe beschleunigt 
und gefördert durch die kühlende und 
wohltuende 
Erhältlich in Apotheken, Drogerien, Reformhäusern 
tr 
Bon alte« schöne« Liebeslieder« 
Bolksliederspiel von Werner Sprung. 
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Der Rationalismus des ausgehenden 
G. Jahrhunderts hatte die Musikform in den 
Mittelpunkt des musikalischen Schaffens ge 
stellt, sie oft bis zu schwülstig überladenen, 
Überaus kunstvollen Gebilden ausgestaltet, so 
öaß es dazu kam, daß die Form gelegentlich 
Selbstzweck wurde, die nur einem kleinen 
Kreise der in diesem Sinne Geschulten etwas 
3u sagen hatte. Aus dieser Ueberspitztheit 
wandte sich um die Jahrhundertwende die 
Musikalische Jugendbewegung dem Volksliede 
Zu, das sie mit Leidenschaft suchte und pflegte. 
D>e neue Zeit geht bewußt und in ganzer 
Front den Weg zu den Quellen des Volks 
tums, um aus ihnen als aus einem Jung 
brunnen zu schöpfen, um frei zu werden von 
Keberkünstelung und zurückzufinden zu den 
liefen der eigenen Wesenhaftigkeit. Damit 
tuurde auch die Pflege des Volksliedes in im- 
ņrrr weiterem Umfange zu einem Teilgebiet 
"er allgemeinen Musikpflcge. 
Auch Werner Sprung-Rendsburg geht diesen 
^eg. Er wagte es, in seinem Deutschen Volks- 
lederspiel „Von alten, schönen Liebesliedern" 
şi'r gemischten Chor, Bariton, Mezzosopran, 
Streichquartett, Oboe, Streichorchester und 
Klavier 36 Volkslieder zusammenzufassen. Zu- 
Uächst überwältigt diese Tatsache, und es wird 
rniem himmelangst bei der Vorstellung, das 
»hören zu müssen. Werner Sprung bringt 
wessen den Beweis, daß er durchaus berufen 
aï » dieses- Wagnis zu unternehmen. Er suchte 
und fand in der Fülle des vorliegenden Stof 
fes aus fünf Jahrhunderten eine Auswahl 
ganz köstlicher Volkslieder, die Liebesleid und 
Liebeslust in allen Stimmungen beleuchten. 
Sprung ist in den Geist des Volksliedes so tief 
hineingewachsen, daß er dessen Sinn nie über 
deckt oder verschiebt. Nein, er stellt ihn durch 
seine Ueberarbeitung in das hellste Licht, so 
daß er jedem Hörer einleuchten muß, denn die 
ganze Frische der natürlich schlichten Erfin 
dung, die Unmittelbarkeit dieser aus der Tiefe 
strömenden Bodenständigkeit ist durchaus ge 
wahrt. Und das, trotzdem Sprung eine kunst 
vollste Satztechnik beherrscht, mit der er diese 
schlichten Weisen umspinnt und umkleidet. Die 
Melodie ist bald einer der Solostimmen gege 
ben, die oft in lebensvollem Wechselgesange 
auftreten, bald dem Gemischten Chor, auch als 
cantus firmus dem Chortenor, oder dem 
Frauen- oder Männerchor allein. Die ergän 
zenden Gesangs- und Jnstrumentalstimmen 
sind in anmutigster, überaus melodischer 
Leichtigkeit behandelt. Vor allem fällt der Oboe 
dabei eine entzückend schöne Aufgabe zu, die 
mit unendlicher Liebe und sieghaft glücklicher 
Hand gelöst ist. Aber auch das Streichquartett 
hat in der reichen Melodik seiner oft lebhaft 
bewegten Verschlungenheit, die doch immer 
durchsichtig und klar bleibt, in der vollen 
Kantilene seiner grundlegenden Harmonik 
eine wundervolle Aufgabe, nicht zu vergessen 
der Klavierpart, der z. B. in „Licbesentzücken" 
in den lustigen Läufen, die sich vor Freude zu 
überpurzeln scheinen, eine sehr reizvolle Lö 
sung fand. Daß nicht alle Nummern der drei 
Dutzende gleichwertig sind, ist wohl eine Selbst 
verständlichkeit. Die schwächeren bilden den 
schlichten Hintergrund, von dem etwa „Blüm- 
lein blaue" für Bariton und wunderbar durch 
geführten Gegenstimmen in Oboe, Violine 
und Cello, oder „Liebessehnsucht" für Mezzo- 
soprau, das in seiner Leichtigkeit, umwoben 
von trillernden Figurationen der Oboe, ganz 
bezaubernd ist, sich um so leuchtender abheben. 
Mit zu den Perlen seien ferner gezählt „Da 
drunten im Tale" für die beiden Solostimmen, 
mit köstlicher Celloumspielung, und „Ich hab 
die Nacht geträumet", für Mezzosopran mit 
Oboe und Streichquartett, denen, auch in Zwi 
schenspielen, sehr Wechsel- und reizvolle Auf 
gaben gestellt sind. Ebenso erschütternd in der 
Tiefe seiner Tragik ist „Gesegn' dich Laub" für 
Bariton mit Oboe und Streichorchester, bei 
dem in den pizzikati der Celli die Tränen zu 
tropfen scheinen. In anmutigster Bewegtheit, 
durch den Wechsel von Solostimmen und Chö 
ren lebensvoll gestaltet, wird das bekannte 
„Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß 
gehn" zu plastischer Bildhaftigkeit geformt. In 
jubelnder Freude plätschert und funkelt das 
Klavier in „Wenn alle Brünnlein fließen". 
Wie reizvoll die Ländlerbewegung in Oboe 
und Streichorchester bei „Wo e kleins Hüttle 
steht" für gemischten Chor. Wie feinsinnig die 
zarte Untermalung des „Abendständchens" mit 
bezaubernder Gegenstimme in der Oboe, um 
zum Schluß den Chor mit „Das Lieben bringt 
groß Freud" jubelnd und schwungvoll aus 
klingen zu lassen. Mit sehr feinem Gefüh 
teilte Werner Sprung die Aufgaben unte 
Solostimmen, Chöre und Instrumente uni 
weckte so vielfach alle Tiefen der Lieder, die mi 
lebensvoller Unmittelbarkeit ansprechen. Da 
bei wußte er immer wieder neue Formen zi 
finden, so daß der Hörer mit freudigster, im 
mer mehr sich steigernder Anteilnahme folg 
und zu seiner eigenen Ueberraschung ohne jed 
Ermüdung vor dem 36. Liede steht. 
Und dabei ist es eine Musik, die keine schwie 
rigen Aufgaben stellt — von der Oboe aller 
dings abgesehen. Für Rendsburger Verhält 
Nisse wurde sie geformt und ist durchaus auci 
wenig geschulten Chören und Orchestern zu 
gänglich. In der Wiedergabe fand der leitend 
Komponist ganz wundervoll den schlichten Toi 
des Volksliedes. Eine Fülle von Fcinheiter 
war hier herausgearbeitet, und doch imme- 
alles auf den einen Ton abgestimmt, wobei öi 
vereinigten Rendsburger und Biidelsdorfe! 
Chöre in Leichtigkeit der Bewegung, in Schön 
heit des Klanges u. Mannigfaltigkeit des Aus 
drucksvermögens Erstaunliches leisteten 
Maria Rahmstorf-Göttingen und Studien 
direktor Max Schubert-Rendsburg fanden ir 
den beiden Solostimmen denselben schlichter 
und doch sehr feinsinnig beseelten Ton, uni 
Kammermusiker Rich. Lauschmaun-Kiel führt, 
die dankbare Aufgabe der Solo-Oboe mit voll 
cnöetcr Meisterschaft durch. Uwe Nitz-Kiel er 
füllte den Klavierpart mit seinen Klangreizen 
und die Streicher fügten sich mit schönem Ber: 
ständnis der überaus gelungenen Wiedergabt 
des Werkes, die stürmischen Beifall weckte. 
Frau K. Gaehtgeus-Schlcswig.
	        
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