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^29. Jahrgang ' Nr. 108
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Sonnabend, den 9. Mai 1936
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Gedanken zum Sonntag
Wir leben in einer Zeitperioöe, in der die
europäische Welt von Vorsätzen einer sozialen
und politischen Erneuerung erfüllt ist. Es un
terliegt auch keinem Zweifel, daß sie dieser be
darf. Die große Wendung in Deutschland be
weist, daß in sozialer und politischer Hinsicht
etwas erreicht werden kann, wenn die Ursachen
für die Fehlerquellen aus dem bisherigen Sy
stem von Grund auf beseitigt werden.
Sehr umstritten ist in der Literatur aller
Völker die Frage nach der letzten und
t i e f st e n Ursache, daß immer wieder Zer
fall und Zersetzung am Ende gewisser Perioden
bisher für alle Völker gestanden haben.
Die Heiligen Schriften, die Urkunden Gottes,
haben nun für diese Erscheinung in der Le
bensgeschichte der Menschheit eine ganz kurze
und klare Begründung gegeben: Die Sünde
istderLeuteVerderben! Diese einfache
These wird heute mehr wie je umkämpft und
bestritten. Dazu ist festzustellen, daß alle die
jenigen, welche die Sünde als letzte Ursache
wicht annehmen, das Wesen der Sünde
nicht richtig erkennen. Sie sehen die verschie
denartigen, vernünftigerweise nicht bestreit
baren Wirkungen der Sünde sowohl in der
Schöpfung im allgemeinen wie in der Ent
wicklung der Menschheit im besondern als Fol
gen anderer belangloser Ursachen oder gar als
Naturgegebenheiten an. Dadurch entstehen die
Fehlschlüsse, welche anstelle klarer und ein
facher göttlicher Bekundungen mehr oder
weniger tiefsinnige menschliche Philosophien
stellen, die aber in Wirklichkeit nicht klären,
sondern verschleiern.
Was ist nach der Heiligen Schrift das We
sen der Sünde? Der veränderte Zustand
der Menschheit in ihrem Verhältnis zu Gott,
ihrem Schöpfer. Alles andere sind Folgewir
kungen dieses Zustandes, wie mannigfach und
verschieden sie sich auch in den Einzelpersönlich
keiten wie in den verschiedenen Rassen äußern
oder geäußert haben mögen. Wenn einer in
völlig nüchternem Zustande in eine angehei
terte Gesellschaft kommt, so sieht er eine starke
Veränderung im Wesen der Betroffenen, das
sich bei den verschieden veranlagten Menschen
aber verschieden kundtut. Trotzdem weiß er,
daß eine letzte gleiche Ursache gegeben
ist: d er Alkohol.
Nicht anders ist es mit den Folgeerscheinun
gen der Sünde innerhalb einer vieltausend
jährigen Menschheitsgeschichte. Die Wirkungen
sind verschiedenartig, wesentlich bedingt von
dem Maße der Gottentfremdung, die Ursache
bleibt aber immer dieselbe, nämlich: die
Sünde, das ist die zerstörteLebens-
gemeinsch aft mit Gott. Sie hat Zer
fall und Zersetzung aller Art gefolgert und hat
heute noch dieselben Wirkungen wie in aller
Vergangenheit. Tiefe Verfallserscheinungen
deuten also immer darauf hin, daß in dem
Verhältnis zu Gott eine verhängnis
volle Verlagerung stattgefunden hat.
Das gilt auch für die europäische Welt in der
Gegenwart.
So steht nach diesen Erkenntnissen im Brenn
punkt allen Geschehens um Erneuerung und
Neugestaltung menschlicher Verhältnisse und
der Völker mit und untereinander die Rück
kehr zu einer wahren Lebensgemein
schaft mit Gott. Gott selbst hat alle
Bedingungen und Voraussetzungen dafür ein
deutig kundgegeben. Unsere Aufgabe bleibt
nur, sie für unsere Lebensgestaltung anzu
nehmen und anzuwenden, um den Segen für
die Erneuerung auf allen Lebensgcbieten zu
erfahren. ©*
Dichter «ud Tonschöpfer schreiben m ihre Mütter
Ernst Moritz Arndt.
Die Mutter Ern st Moritz Arndts war
die Tochter „eines Ackerbesitzers" auf Rügen.
Sie war eine „wundersame Märchenerzäh
lerin", und von ihr erhielt der Knabe den
ersten Unterricht. Die zärtliche Liebe des Soh
nes strömt aus einem Brief vom Dezember
1796:
„Meine süße Mutter! Alle Mahle, daß ich
Ihren Brief gelesen habe, habe ich meinen
müssen, wie ein Kind, und bin doch sonst ein
Mann und vielen Leuten ein rauher Mann...
Oh Ihr guten Aeltern, heilig sind Eure Sor
gen und Thränen, es sind glühende Kohlen auf
den Häuptern der Kinder, aber sie sind es auch
in ihrem Herzen, Euer Andenken ruhet bei den
Guten, wenn Ihr lange nicht mehr seid... Der
Himmel segne Sie, Mutter, und gebe Ihnen
viele Jahre und Freuden!"
Hardenberg.
Die Mutter des Dichters Novalis war
ein Muster edler Frömmigkeit und christlicher
Milde, mit welchem sie in der schönsten Erge
benheit das Schicksal trug. Kein Sohnesbrief
kann von größerer Kindesliebe zeugen, als der
folgende vom Jahre 1791: „Ich weiß, daß Du
es so gern siehst, wenn ich an Dich schreibe, ob
ich Dich gleich versichere, daß auch sonst die Er
innerung an Dich mir die glücklichsten Stun
den macht, wenn alle die schönen Szenen der
Vergangenheit und Zukunft, die ich mit dir
erlebte und erleben werde, vor mir stehen...
Wem danken alle Männer beinahe, die etwas
Großes für die Menschheit wagten, ihre
Kräfte? Keinem als ihren Müttern! Du
trugst beinahe alles zur Entwicklung meiner
Kräfte bei, und alles, was ich einst Gutes
tue und wage, ist Dein Werk und der schönste
Dank, den ich dir bringen kann".
Richard Wagner.
Den schönsten Brief, den ein Sohn seiner
Mutter schrieb, finden wir bei Richard
Wagner: „Sieh, Mutter, jetzt, da ich von
Dir fort bin, überwältigen mich die Gefühle
des Dankes für Deine herrliche Liebe zu Dei
nem Kinde, die Du ihm zuletzt wieder so innig
und warm an den Tag legtest, so sehr, daß ich
Dir in dem zärtlichsten Ton eines Verliebten
gegen seine Geliebte davon schreiben und sagen
möchte. Ach, aber weit mehr — ist denn nicht
die Liebe einer Mutter weit mehr — weit un
befleckter als jede andere? Nein, ich will hier
nicht philosophieren, ich will Dir nur danken
und wiederum danken! Und ich möchte Dir
gern alle die einzelnen Beweise Deiner Liebe
aufzählen, für die ich danke — wenn cs nicht
deren zuviel wären! Weiß ich doch, daß kein
Herz so innig teilnahmvoll, so sorgenvoll mir
jetzt nachblickt wie das Deine — meine liebe,
liebe Mutter!"
Ludwig van Beethoven.
Beethovens Mutter ist eine jener sym
pathischen Frauengestalten, die schweres Leid
Mutter
Von Hanns Johst.
In den schmalen Ufern
Des Horizontes
Schäumten die Sterne
Zur Tiefe.
Zerstäubten
In deinem Gesicht.
Der Balsam
Der Gräser und Blüten
Wurde Odem des Herrn.
Und die Brust
Deines Glaubens
Trank ihn
— Lebendige Milch.
Die Liebe aber
Des Himmels,
Als rötliche Wolke des Morgens
Sank sie
In deinen Schoß.
Das Erwachen des Tages
Bricht dich
Zu großer Geburt.
still und wehrlos tragen, bis ihre Kräfte er
schöpft sind und sie müde ins Grab sinken.
In der Erinnerung des gereiften Mannes
umgab das Bild der Mutter stets ein verklä
render Heiligenschein. Von seinem tiefen Ge
fühl zeugt ein Brief vom September 1787:
„....Das Verlangen, meine kranke Mutter
noch einmal sehen zu könneu, setzte alle Hin
dernisse bei mir hinweg und half mir die größ
ten Beschwernisse überwinden. Ich traf meine
Mutter noch an, aber sie starb ungefähr vor
7 Wochen nach vielen überstandenen Leiden.
Sie war mir eine so gute, liebenswürdige
Mutter, meine beste Freundin. Oh, wer war
glücklicher als ich, da ich noch den süßen Na
men Mutter aussprechen konnte! Und er
wurde gehört, und wem kann ich ihn jetzt
sagen..."
Herkunft
der Frauenanrede
Von W. H a h n.
Die alten Deutschen nannten das weibliche
Wesen „quino". Im Schwedischen heißt die
Frau q u i n n a, die Gattin h u st r a. Das
englische queen diente früher zur Bezeich
nung jeder Frau, bedeutet heute Königin.
Um das 8. Jahrhundert tauchten zuerst bei
den Deutschen die Worte wip und frowa
auf. Die Niedersachsen nannten die Mutter-
gottes u s e r a F r u (unsere liebe Frau). Aus
dem Worte Fru wurde später husfrawa
(Hausfrau). Die Töchter der Vornehmen
hießen j u n g f r u und f r o w l i n (Fräulein).
Aus m a g a d, das die Erstarkte bedeutet,
wurde „Maid", „Mädchen" und „Magd". Die
letztere Bezeichnung bedeutete und bedeutet
heute vielfach noch ein dienendes Verhältnis.
Im Mittelalter wurde darüber gestritten,
ob „Weib" oder „Frau" der Ehre oder Würde
des weiblichen Geschlechtes mehr entspreche.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurden
die Verheirateten „E h e f r a u" und „E h e -
w e i b", die Unverheirateten „F r ä u l e i n"
oder „Jungfrau", ;e nachdem sic dem
Adels- oder dem Vürgerstande angehörten, ge
nannt. Das Wort „F r a u e n z i m m c r" hin
gegen ging von den für die Frauen bestimmten
Gemächern auf diese selbst über, ist aber im
Laufe der Zeit in Mißachtung gekommen.
Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges tauchte
das Wort „D a m e" auf. Die „Frauen-
z i m m e r" mußten den „D a m e n", die
„D a m e n" der „M a d a m e" und „D e -
m o i s e l l e" weichen, und zwar galt „M a de
in o i s e l l e" für den Adel und „D e m o i s e I -
l e" für den Bürgerstand. Die Anrede „F r a u"
hat sich erst später durchgesetzt.
Mutter
Es ist in einer Wiener Vorstadt.
Aus dem hohen Portal einer Villa tritt eine
blonde Frau. Das Gesicht zuckt wie von ver
haltenem Weinen,' aber die großen blauen
Augen sind starr geradeaus gerichtet, die Lip
pen fest geschlossen. An jeder Hand führt die
Frau einen Knaben. Die Hände der Kinder hat
sie fest umklammert und zieht sie mit sich fort,
daß nicht einem von ihnen einfalle, zurück zu
wollen.
Nicht einen Blick mehr hat sie für das schöne
Haus, das ihr eigen hätte werden können,
wenn sie — wenn sie —. Schneller schreitet sie
vorwärts, damit sie selber nicht schwankend
werde, denkt nur das eine, zu ihrem Manne
zu gehen, weil er sie braucht, weil er ohne sie
das Leben nicht meistern kann und weil —
ein Schaudern schüttelt sie — weil er nicht wie
der im Dunkeln um das Haus herumschleichen
soll. Sie kennt seine Leidenschaft zu ihr und
weiß, daß es für seine Rache keine Schranken
gibt. — Den Onkel muß sie davor bewahren.
Sein Tod würde ihr Unglück nur erhöhen, und
nie mehr könnte sie dann den Weg zu ihrem
Manne gehen. — Sie fühlt nicht, daß zwei
ernste alte Augen erzürnt nnd doch staunend
ihr nachschauen, bis sie durch das Parkgitter
entschwindet.
Kopfschüttelnd schreitet der Alte zu seinem
Sessel, langsam läßt er sich nieder. Die Ellen
bogen auf die Knie gestützt, das Gesicht in
beide Hände geschmiegt, sitzt er lange in tiefem
Sinnen. Die Törin, wie konnte sie gehen? War
das gar nichts, das sie erben sollte, alles, was
şein war? Konnte sie nicht bei ihm bleiben mit
den beiden Knaben, denen er nun fast ein Jahr
eine Heimat geboten hatte, ihnen und der
Mutter und dem Vater! Ach, der Vater! Un
willig reißt er sich hoch, schlägt mit der Hand
auf bie Lehne des Sessels, nnd Zornesröte
stirbt fern Gesicht. Was war das für ein
Mensch, seiner Schwester Sohn! Haltlos, jeder
Leidenschaft preisgegeben, jeder Laune Knecht,
keines Wortes Meister! Immer wieder ver
lor er Stellung und Brot, und war doch ein
so gewandter Kaufmann. Keiner konnte neben
ihm arbeiten! Aber war er auch zu ertragen?
Was hatte er ihm, seinem Wohltäter, nicht
alles geboten! Alles wußte er besser, nichts
ließ er gelten, mit nichts hielt er zurück. Was
hatte er für Szenen heraufbeschworen bis der
alte Dummkopf, ja Dummkopf hatte er ihn ge
nannt, bis er den Störenfried aus dem Hause
wies. Nie wieder sollte er es betreten, nie
wieder! Gar nichts sollte er erben! Nein! Gar
nichts! Aber die Frau! Eine leise Zärtlichkeit
huscht über des Alten Züge. Sie sollte bei ihm
bleiben, sie und ihre Kinder wollte er schützen
vor Not und Zukunftssorgen. Die Hausfrau
sollte sie ihm ersetzen, seine lang verstorbene
Gattin. So wohl lebte es sich mit ihr. So ruhig
und ohne Hast umsorgte sie ihn. Geborgen
hätte er sich gefühlt für den Rest seines Le
bens, zu etwas nütze wäre er gewesen! Und
nun war sie doch gegangen! Er stand auf. Er
konnte es nicht begreifen. Gegangen zu so
einem Mann — nein, er verstand es nicht.
Langsam schritt er zum Fenster. Spähend
schaute er in den dämmernden Park. Sollte es
sie nicht gereuen? Sollte sie nicht doch noch
umkehren, zurück in sein sicheres Haus? Aber,
was hatte sie gesagt?
Alfred braucht mich, ich muß ihm helfen!
Gelacht hatte er, belustigt gelacht! Wie wolltest
du dem helfen? — Onkel, ich war Lehrerin,
als er mich fortholte da oben — aus meiner
Heimat. — Ich werde mir eine Stelle suchen
an einer Privatschule. Für billiges Geld wird
man mich nehmen, bis ich mich wieder einge
arbeitet habe. — Ja, und er? Und die Kinder?
— Wir werden uns eine Stube mieten und
im Gasthaus essen. Und wenn ich wieder bei
ihm bin, wird Alfred auch wieder Arbeit fin
den. Er kann ohne mich nicht sein!
Aber er hätte doch hier in Frieden wohnen
können, der Lump! — Abwehrend hatte sie
beide Hände gegen ihn ausgestreckt! — Onkel,
nenn' ihn nicht so, ich soll doch mit ihm leben!
— Und wie willst du das Leben ertragen?
Der Alte sah auf, sah sich um, als müsse er
sie noch sehen — ganz leise hatte sie gesagt:
Ich werde nicht denken, daß es mein Mann
ist, für den ich sorgen muß — ich werde den
ken, daß ich drei Kinder habe, die mich brau
chen. Dann hatte sie ihm die Hand gegeben. —
Leb' wohl, Onkel. Ich und die Kinder, wir
danken dir! — Ehe er sich's versah, war sie
draußen gewesen. Leise hatte sie die Tür hin
ter sich zugezogen. Drei Kinder! Nein, er be
griff es nicht. Der Lump ein Kind, der Sorge
einer Mutter wert! Und ihn, ihn ließ sie lie
gen! Ganz hart wurde sein Gesicht! So gut
hatte er es gemeint, nun verschmähte sie ihn!
Hart ließ er sich am Schreibtisch nieder. Krat
zend ging die Feder über ein Papier. An eine
entfernte Verwandte schrieb er — ob sie kom
men wolle, ihm seinen Hausstand zu führen,
er wolle sie dann zu seiner Erbin machen! —
Als er seinen Namen darunter gesetzt hatte,
lehnte er sich zurück und saß still vor dem
Brief. Was hatte Emma gesagt? Ich will den
ken, daß er ein Kind ist. — Und das sollte ihr
helfen? Und so leise war sie gegangen — ja,
wohin denn? In die Not, zu dem haltlosen
Mann. Nicht ihn opferte sie — sich selbst
Ganz langsam schloß er die Schreibmappe ab.
Mit dem Brief, das mußte er sich noch über
legen. F. R.
Der Schisn dd» NMenIhal
Von Arthur v o n R i h a.
Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges
rückte im Jahre 1620 Gonsalvo von Cordova,
Fürst von Maratra, in der Pfalz vom Orte
Oggersheim aus gegen die Stadt Frankenthal
vor, um sie zu besetzen. Bei seiner Annähe
rung flohen die Einwohner mit ihrer Habe
nach Mannheim, und nur 24 Bürger blieben
zurück.
Sie verschlossen die Stadttore und bereite
ten sich zur Verteidigung der Stadt vor. Als
aber die Spanier die Uebergabe verlangten
und im Gegenfall mit der vollständigen Zerstö-
*
rung der Stadt drohten, verloren die wenigen
Verteidiger gegen die große feindliche Ueber-
macht jede Hoffnung auf einen Erfolg und
flohen im Schutz des Nachtregens aus der
Stadt hinaus.
Nur der Stadtschäfer Hans Marsch mußte in
der Stadt bleiben, weil seine Frau in den
Geburtswehen lag.
Hans Marsch dachte aber nicht an eine wider
standslose Ergebung und beschloß, die bela
gerte Stadt ganz allein so lange zu halten, als
es möglich war.
Um den Gegner zu täuschen, lief er von Zeit
zu Zeit an der Innenseite des Stadtwalls von
einem Geschütz zum andern, um jedes abzu
feuern und dadurch den Anschein einer genü
genden Anzahl von Verteidigern zu erwecken.
Seine Absicht gelang ihm so gut, daß die
Spanier nach einigen Tagen mit ihm wegen
einer ehrenvollen Uebergabe der Stadt in
Verhandlung traten, wobei er für die Vertei
diger freien Abzug mit aller Habe ausbedang.
Die Spanier bewilligten seine Forderung
und setzten die Stunde fest, zu der die bela
gerte Garnison nach Kriegsbrauch mit klin
gendem Spiel und fliegenden Fahnen abziehen
sollte.
Als die anberaumte Stunde kam, nahmen
die Spanier Paraöeaufstellung, um dem ehren
vollen Abzüge zu salutieren. An der Spitze
seiner Truppe hielt mit seinem prächtigen Ge
folge der Fürst.
Da fiel die Zugbrücke des Haupttores und
heraus kam ein ärmlich gekleideter Mann.
Er stützte ein wankendes Weib, das ein neu
geborenes Kindlein im Arme trug.
Da nichts mehr nachkam, begriffen die ver
dutzten Spanier, daß sie getäuscht worden wa
ren.
Ihrem Befehlshaber gefiel jedoch die tapfere
Haltung des Schäfers so gut, daß er seinem
Söhnchen Pate stand und ihm selbst ein reiches
Geschenk gab.