Full text: Newspaper volume (1916, Bd. 3)

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dĢse»: L»S M. so« der Post geholt. 2.S7 M. vom Briefträger ļas Saus gebracht. 
E'Ausgabe: tzall der Zìupķertieķdmàûage) 78 Pfg. für das Viertestahs mehr à dis ^«Aussà. 
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SoriNÄbenö, Len 1*. August 
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Eà offenes englisches EiUgestàdNis über die WîedLrhsNKeLNKģ des Gleichgewichts und 
die volle EegebAislosigLeit der große« Offenfivs im Westen. 
Zur Kriegslage: Erbitterte russische Vorstöße in Galizien, dis Lei SLaRislaN znm Stehen gebracht werden konnten. — Ergêbņislose Angriffe în den Karpathen 
und ln Wsltzyàu. — Erbitterre KaMpfs Mi Lhiaumout. — Angriffs im SomMeabschnitL gescheitert. - ZLànìşchs Angriffe auf die Görzer Höh?» abgewiesen. — 
Venedig wirkungsvoll Mit FliegerboMheK Lägt. -— Größere U-Bsöt-Erfolge in der Nordsee. 
Zum Besuch des Reichskanzlers in Wien. — RnMàîen schließt MM Verkauf dêr Eà einen Vertrag mit Leu Mittel«achten ah. — EnglKsLs wachsende 
SLaatZschAlden. - BsvorstchMder RückLriLL des eNglifchsn Ministers LaNdsdown. Drohender Sturz des GesaMtkübinetis. (Sieh? Neueste Nachrichten.) 
Rußland urrd England in Persien 
Die Aufteilung Persiens zwischen Rußland und 
England geht ihren Weg weiter wie ein unabwend 
bares Schicksal. Der wichtigste Wendepunkt im Schick 
sal Persiens ist der K. S3, zufolge der Vertrag vom 
31. August 1907 zwischen England und Rußland, wel 
cher u. a. Persien in zwei „Interessensphären" einteilte, 
eine nördliche für Rußland, und eine südliche für Eng 
land. Seitdem sind beide Teile dabei, ihre „Interes 
sensphäre" möglichst rasch und möglichst gründlich „fried 
lich zu durchdringen", wobei jeder der beiden Teile 
eifersüchtig auf den andern sieht, selbst aber versucht, 
die Grenze der eigenen Interessensphäre nach Kräften 
weiter hinauszuschieben. 
Doch sind bei der „friedlichen Durchdringung" ihrer 
„Interessensphäre" die Russen den Engländern gegen 
über durch die Gunst der tatsächlichen Verhältnisse 
stark im Vorteil. Ihre Hauptmittel sind wie immer 
Vau von Eisenbahnen, militärische Besetzung aller 
Punkte, wo „Unruhen" stattgefunden haben und die 
persische Regierung sich ohnmächtig erweist, diesen von 
fremdem Gelde hervorgerufenen Störungen des Frie 
dens zu steuern, und endlich Ansiedelungen von russi 
schen Bauern in dem besetzten Gebiet. So schreitet man 
Schritt für Schritt vorwärts und kommt dem Endziel, 
der Erreichung des persischen Meerbusens, unaufhalt- 
sanl näher. 
Der englisch-russische Vertrag von 1907, welcher 
alle asiatischen, zwischen beiden Mächten strittigen Fra 
gen regelte, war bereits gedacht als Vorbereitung auf 
den gegenwärtigen Weltkrieg. Er sollte alle asiatischen 
Schwierigkeiten ausräumen, um beiden Mächten es 
zu ermöglichen, in Europa bei der großen Aufgabe der 
Erwürgung Deutschlands einträchtig Hand in Hand 
zu gehen. So ist es zu verstehen, daß beide Vertrags 
mächte in Ausführung des Vertrages zunächst möglichst 
behutsam aufzutreten btmüht waren. 
England, welches unverwandt das große Ziel der 
Einkreisung Deutschlands im Auge hatte, konnte schließ 
lich nicht anders, als Ende Mai 1912 den Bau dieser 
transpersischen Bahn durch Rußland zuzugeben gegen 
das Zugeständnis, daß diese Bahn nicht von Rußland 
allein, sondern von Rußland, England und Frankreich 
gemeinschaftlich gebaut werde. Das konnte Rußland 
umso leichter nachgeben, als es allein doch nicht Geld 
genug hätte aufbringen können, um in Bälde die Bahn 
zu erstellen, und die Bahn ja durch seine Interessen 
sphäre lief, welche es von Kaukasten aus leicht beherr 
schen konnte. In England aber fand diese Zustimmung 
des englischen Kabinetts schärfsten Widerspruch. Der 
Manchester Guardian schrieb wütend: „Die Zustimmung 
zu diesem Plan ist ein Teil des Räubersoldes, welchen 
Rußland uns abpreßt." Als dann Ende Oktober des 
selben Jahres Safonow in Balmoral erschien, wußte 
man sich nicht anders zu helfen, als daß Safonow mit 
Sir Edward Erey die Erklärung vereinbarte, daß beide 
Mächte sobald als möglich Persien räumen sollten. 
„Sobald als möglich!" Keinem der beiden Teile war 
es Ernst mit dieser Erklärung, am wenigsten den Rus 
sen. Im Jahre 1914 begannen die Russen sogar mit 
dem Bau fester Kasernen in Kaswin und Täbris, der 
Hauptstadt von Aserbeidschan und größten Handels 
stadt Nordpersiens. 
Das erregte in England große Verstimmung. Aber 
die Engländer machten es nicht anders, wo nur immer 
sie konnten. Im April 1914 errichteten sie auf der 
persischen Insel Heudjam in der Straße von Ormus, 
welche bekanntlich den Eingang zum Persischen Meer 
busen bildet, eine „Kohlenstation", und postierte zu 
deren Schutz dort einen Kreuzer und zwei Kanonen 
boote, so daß sie jetzt den Eingang zum Persischen Golf 
ebenso beherrschen wie durch Aden den Eingang zum 
Roten Meer. 
Es ist kein Wunder, daß unter diesen Umständen 
selbst in dem armen, zerrissenen Persien der Gedanke 
zündete, ein letztes für die Freiheit des Landes zu 
wagen, als der Weltkrieg ausürach, und England wie 
Rußland zunächst anderswo reichliche Beschäftigung 
fanden. Als der Sultan und Kalif von Konstantino 
pel, das Haupt der sunnitischen Mohammedaner, den 
heiligen Krieg gegen die Russen erklärte und die grüne 
Fahne des Propheten entfalten ließ, erklärten die Ule 
mas von Kerbela am Grabe Alis, des Schwiegersohnes 
Mohammeds, vor einer großen Menschenmenge, daß 
auch die schiitischen Mohammedaner dem Aufruf zum 
heiligen Krieg folgen müßten. Aber der Schah fand 
nicht den Mut zu einer kühnen Tat und erklärte viel 
mehr, daß Persien Neutralität beobachten werde. 
Doch hat ihm das wenig genutzt. Ohne und wider 
seinen Willen wurde Persien in den Weltbrand hinein 
gezogen. Rußland hatte zunächst seine meisten Truppen 
aus Nordpersien zurückgezogen, um sie am Kampf gegen 
die Türkei teilnehmen zu lassen. In dem Maße jedoch 
wie die Aufstellung neuer Truppenkörper weiter vor 
anschritt, verstärkte es auch seine Truppen in Persien 
wieder. Die Engländer aber, welche ja jetzt die Straße 
von Ormus beherrschten, benutzten die Gelegenheit, um 
Koweit und Basra zu besetzen und beunruhigten von 
dort aus Südpersien. Inzwischen ist die Expedition der 
Engländer nach Bagdad, wo sie den Russen den Rang 
ablaufen wollten, in Kut-el-Amara schmählich gestran 
det. Aber Basra und Koweit sind noch in den Händen 
der Engländer, welche damit den ganzen Persischen 
Golf in Händen haben und stets in Südpersien einzu 
greifen in der Lage sind. 
Auch den Russen ist der Vorstoß nach Bagdad miß 
lungen, wo sie ihrerseits früher gewesen wären, als 
die Engländer, weil auch Bagdad ja auf dem Wege 
zum Persischen Golf liegt. Ebenso wie ihnen einst 
weilen auch der Vorstoß gegen Alexandrette am Mit 
telländischen Meere mißlungen ist. Aber in Nordper 
sien sind sie augenscheinlich Meister, und im übrigen 
Persien herrscht Anarchie. Daß die Türken inzwischen 
Kermanschan in Westpersien erobert haben, ist gewiß 
ein vortrefflicher Erfolg für sie, bringt aber zunächst 
noch keine Entscheidung. 
Nunmehr kommt die Nachricht, daß am 6. August 
in Teheran die Gesandten Rußlands und Englands 
mit der dortigen persischen Regierung — einer der 
vielen — Noten ausgetauscht hätten, wonach zwischen 
den drei Ländern ein „Einvernehmen" erzielt worden 
sei, welches „die freundschaftlichen Beziehungen zwischen 
England, Rußland und Persien endgültig befestigt und 
verschiedene Fragen der finanziellen und militärischen 
Organisation Persiens für alle Teile günstig löst". Mit 
anderen Worten: Rußland und England sind einig 
geworden über die völlige Austeilung Persiens, > und 
Persien macht nolens volens gute Miene zum bösen 
Spiele dieser „für alle Teile günstigen" Lösung. Zum 
lleberfluß wird ja von der halboffiziellen St. Peters 
burger Telegrapheuagentur, welche diese Mitteilung 
verbreitet, noch hinzugefügt, daß die neue „günstige 
Lösung" in Nordpersien „durch Entwicklung einer per 
sischen Brigade mit Hilfe russischer Instruktoren" und 
in Südpersien „durch Bildung genügend starker Kontin 
gente mit Hilfe englischer Instruktoren" verwirklicht 
werden soll. 
Ueber den näheren > Inhalt des Vertrages wird 
einstweilen noch nichts mitgeteilt. Das ist aber auch 
kaum nötig. Es ist klar, daß dieser Vertrag das 
Schicksal Persiens besiegelt, wenn nicht noch im letzten 
Augenblick Vaterlandsliebe und politische Einsicht ganz 
Persien einigen, um das schmähliche Joch abzuschütteln, 
welches jetzt Rußland und England dem Lande auf 
erlegen wollen. Ob und welche Aussichten dazu vor 
handen sind, entzieht sich zurzeit, bei der scharfen Nach 
richtensperre durch Russen und Engländer, der Kennt 
nis und Beurteilung. 
an der Somme ein entscheidendes 
L e ü e r g e w r ch t z u gewinnen. Wir müssen 
dcshälb, sowohl was Infanterie wie Artillerie 
anbelangt, noch stärker werdeik, mrd diese Aufgabe 
wird hauptsächlich England zu übernehmen haben, 
da die Auffüllung der französischen 
Reserven von Monat zu Monat 
s ch w i e r i g e r w i r d. 
Zrrm Besuch des Rerchskauzlers 
in Wien. 
Die Reife des deutschen Nrichskanglers in 
Begleitung des Ministers von Jagow nach Wien 
und die cssizieUe Meldung, das; Besprechungen 
Wer Regelung in den von den Mittelmächten 
besetzten GebietLN stattfinden, erregen die Auf 
merksamkeit der Presse. Man vermutet im All 
gemeinen, da tz Polen den Gegen st and 
dieser Besprechungen bilde. 
WTB. Wien, 11. Aug. Der Reichskanzler v. 
Bethmann-Hollwsg und der Staatssekretär v. Ja- 
gow begaben sich um 10 Uhr vormittags in das 
Ministerium des Aeußern, wo sie mit dem Mini 
ster des Aeußern, Baron von Burian, eine zwei 
stündige Unterredung hatten. Um VA Uhr nach 
mittags nahmen der Reichskanzler und der 
Staatssekretär als Gäste Burians ein Frühstück 
im Schönbrunner Stöckelgebäude. 
WTB. Wien, 11. Aug. Der Reichskanzler 
von Bethmann-Hollweg wurde vom Kaiser in Au 
dienz empfangen. Kurz darauf empfing Se. Ma 
jestät den Staatssekretär von Jagow. 
Der geötzte Leil -er rumänischen 
Ernte für -re Mittelmächte. 
T-U. Budapest, 12. Aug. Aus Bukarest wird 
gemeldet: Die rumänische Zentral-Aussuhr-Kom- 
mission schloß mit der deutschen und österreichisch- 
ungarischen Einkaufskommijsion einen neuen Ver 
trag über den Ankauf des größten Teiles der neue» 
rumänischen Ernte ab. Diesem Vertrag wird eine 
große Bedeutung beigemessen. 
Ein offenes Eingeständnis -er 
ergebnislosen Offensive im 
Westen. 
Zn einer Besprechung der allgemeinen Kriegs 
lage sagt der „Manchester Guardiatr": Augen 
blicklich gelingt es nur noch den verzweifelten An 
strengungen der Russen und Italiener, einige 
BeröNderungsn an ihrer Front herbeizuführen. 
Zn Frankreich, sowohl bei Verdun wie an der 
Somme, wird mit abwechselndem Erfolge gekämpft. 
Hier ist abermals ein Gleichgewicht der 
Kräfte f e ist z u st e l l e n. Bemerkenswert ist 
jedenfalls, daß trotz heldenhafter Aufspferung der 
Franzosen die Deutschen bei Verdun nicht 
schwächer werden. Die teilweise Wieder- 
erobevung des Dorfes Fleury und des Werkes 
Thiaumont ist zwar sehr erfreulich, doch sind diese 
Erfolge angesichts der außerordentlichen 
Opfer, die sie gefordert haben, und 
in Anbetracht des Umstandes, daß, wie die fort 
gesetzten Gegenatkgriffe der Deutschen beweisen, die 
feindliche Stoßkraft k e i u c s w e g s g e b r o ch c n 
i ft, nur lokaler Natur. Am Dienstag in der 
vergangenen Woche wechselte Thiaumont wieder 
holt seinen Besitzer, und auch heute noch wird ver 
zweifelt um diesen Punkt gekämpft. Alles beweist, 
daß es den vereinigte n A n st t e n g w ii g e n 
der Franzosen und Engländer nicht 
gelungen ist, w ed er bei Verdun noch 
Die Lage im ZnļîerN RutzLanös. 
WTB. Berlin, 12. Aug. Nach einer Meldung 
des 2.-A. äußert sich ein amerikanischer Groß-Zn- 
dustrieller, der ganz Rußland bereist hat, über die 
Zustände in Rußland folgendermaßen: Es herrscht 
die allgemeine Ueberzeugung vor, daß Rußland 
die Belastungsprobe eines neuen 
W i n t e r s e l d z u g e s nicht m e h t aus 
halten kann. Die Not/fei infolge der unzu- 
reichenden Organisation und des schrankenlosen 
Wuchers entsetzlich. Die Kindersterblichkeit ist in 
folge des Milchmangels sehr groß. Die Hoffnung 
auf eine militärische Niederzwingung Deutschlands 
sei erloschen. 
Uttterseebootsrfolge. 
WTB. London, 12. Aug. Reuter. Der briti 
sche Segler „Annette Marie", der französische 
Dampfer „Henry Elisa", der Dampfer „Ràrt" 
und der Dampfer „San Bernardo" aus Glasgow 
wurden versenkt. Die Besatzung des „San Ber 
nardo" wurde gerettet. 
WTB. London, 12. Aug. „Daily Chronicle" 
meldet, daß die beiden Schiffe „Agenda" und „Pre 
ference" von dem Feind in Brand gdschosien wur 
den und gesunken sind. Ferner wurde der Schoner 
„Demaris" versenkt. 
WTB. Bern, 12. Aug. Der „Temps" meldet 
aus Tunis, daß der spanische Dampfer „Gansko- 
gorta Mendi", 3061 Tonnen groß, von der Gesell 
schaft SÄN y Amar in Bilbao, am 9. August von 
einem österreichischen Unterseeboot versenkt wor 
den ist. 
T-U. Verik, 12. Aug. Schweizerische Blätter 
berichten aus Christiania: Hier eingelaufene 
Dampfer melden, daß der ganze Südwestteil der 
Nordsee von brennenden Schiffen voll sei. Ein 
Dampfer bemerkte ans der Reise von England nach 
Amsterdam nicht weniger als 14 in Brand ge 
steckte Dampfer oder Segelschiffe, die mit Holz be 
laden, durch Tauchboote in Brand geschossen wur 
den. 
WTB. Christianssaud, 12. Aug. Der zwischen 
Christianssand und Höganös verkehrende fchwedi-
	        
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