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öaß die Mühle nur zum Mahlen der gerösteten
Zichorienwurzeln gedient hat.
An öie Stafstedter Wassermühle erinnern
nicht nur Flurnamen,' in meiner Knabenzeit
wurde der Besitzer dieser Grundstücke namens
Timm Sievers danach Timm Möhlenkamp be
nannt. — Nach der mündlichen Ueberlieferung
soll aber nicht nur in Stafstedt, sondern gleich
zeitig in Hamweödel durch Wallensteiner eine
Wassermühle zerstört worden sein. Mir ist nicht
bekannt, ob auch dort noch Flurnamen die Er
innerung wach halten.
Gleich anderen Pächtern von Zwangsmühlen
hatte auch öer Pächter öer herrschaftlichen
Mühle in Rendsburg mehrfach Anlaß zu Kla
gen über ungesetzlichen Wettbewerb. Davon
zeugt der nachstehende Erlaß des Rendsburger
Amtmanns vom Jahre 18-38:
Publicandum.
Wenn der Pächter öer herrschaftlichen Müh
len in Rendsburg, Hans Jürgen Hinrich Bahr,
darauf angetragen, daß zur Aufrechterhaltung
des Zwangsrechts dieser Mühlen ein erneuer
tes Verbot wider den Besuch fremder Mühlen
und der Einfuhr fremder aus des Jmpetran-
ten Pachtmühlen nicht gemahlten Mehls in
seinen Zwangsdistrict erlaßen werden möge,
auch zugleich gebeten hat, ihm zu gestatten,
zur Entdeckung von Contraventionen, sich
eines Gehülfen zu bedienen, diesem Verlan
gen auch stattgegeben, als ergehet hierdurch
öer Befehl, daß sämtliche Zwangsgäste der vor
genannten herrschaftlichen Pachtmühlen sich
mik ihrem zu vermahlenden Korn dem Besuch
fremder Mühlen sowie der Einfuhr fremden
auf des Jmpetranten Pachtmühlen nicht ge
mahlten Mehls in den Zwangsdistrict dersel
ben bei Vermeidung der aus etwaigen Contra-
ventionsklagen entstehenden rechtlichen Folgen
zu enthalten haben.
Uebrigens hat das Amtshaus den von dem
Imploranten namhaft gemachten bevollmäch
tigten Aufsichtsgehülfen mit einem Legitima
tionspatent versehen, auf deßen Vorzeigung
derselbe autorisiert ist, in vorkommenden Fäl
len, wo der Verdacht einer Contravention vor
handen, die Nachsicht der Säcke vorzunehmen,
und falls sich dabei der Verdacht bestätigen
sollte, den Contraventionisten mit dem bei sich
führenden Mahlkorn oder Mehl nach der näch
sten Obrigkeitlichen Behörde oder nach dem
nächsten Bauernvogt zu führen, damit auf öes-
fallsige Klage die weitere Untersuchung vorge
nommen werden könne.
Rendsburg Amthaus den 29. Sept. 1838.
Feddersen.
Der Bauernvogt Claus Rüge (Embühren.
D. Vers.) hat vorstehendes Publicandum je
dem Eingesehenen seines Bauerlags sofort be
kannt zu machen.
Rendsburg, in öer Kirchspielvogtei,
den 10. Okt. 1838.
Wenck.
Es ist immer von Pachtmühlen (Mehrzahl)
die Rede. Die älteste Mühle in Jevenstedt, die
Wind- und Wassermühle an der Jevenau, wird
mit in der Hand des Rendsburger Pächters
gelegen haben. Daß sie schon bestand, beweist
eine Notiz des Bauernvogts in Embühren:
Zu den Kosten des Jevenstedter Mühlenstegs
je Hufe 2 V 1 6.
Unter Gablentz wurde öer Mühlenzwang
aufgehoben. Heinrich Schröder aus Langwedel
erbaute dann die Windmühle auf Legan, die
St. Margaretenmühle.
Die klösterlichen Streuhufen des Adligen
Klosters Itzehoe im Kirchspiel Hohenwestedt
waren in Springhoe mühlenpflichtig. >
Hinrich S i e v e r s, Rektor i. R. in Altona. ]
Die Bakarive«
Aus den Anfängen des Nortorfer Kirchspiels
um die Mitte des zwölften Jahrhunderts be
richten alte Schriften von den Bosheiten und
Missetaten der Bakariden. In jener Zeit war
das weitere Gebiet um Nortorf von Rends
burg bis über Neumünster hinaus und von
Ascheberg bis Aukrug (Jnnien) der Grenz
bezirk zwischen Holsten und Slaven. Das ist
indessen nicht so zu verstehen, daß diese Volks
stämme, Slaven und Holsten, durch eine geo
graphisch bestimmte Linie streng geschieden
wurden. Vielmehr wohnten in diesem Gebiet
die beiden Stämme durcheinander und waren
im nördlichen Teil auch noch mit Jüten wahr
scheinlich stark durchsetzt. Dieses Durcheinander
der Stämme führte dazu, daß die völkischen
Eigenarten verwischt wurden, und dadurch ent
stand im Laufe der ersten Jahrhunderte die
ses Zustandes ein Geschlecht, bzw. ein Misch
lingsstamm, an dessen physischen und psychi
schen Eigenschaften manches auszusetzen war.
Durch diesen Zustand entwickelten sich Gescheh
nisse, die ohne weiteres nicht verständlich er
scheinen. Zunächst fällt uns auf, daß in dem
bezeichneten Gebiet Ortsnamen und sonstige
Bezeichnungen teils wendischen, teils holsti-
schen und teils gemischtsprachlichen Ursprungs
sind. Das mag so zustande gekommen sein, daß
ursprünglich Holsten und Wenden für ihren
Siedlungsplatz, ihre Wälder, Felder und
Flüsse je ihre Namensbezeichnung gebrauch
ten. Diese doppelte Benamung führte indes
sen auf die Dauer zu Irrtümern, und nun
entstand automatisch eine Regelung nach der
Richtung, daß Orte usw. mit überwiegend hol-
stischer Bevölkerung holstisch und die mit wen
discher in der Mehrzahl wendisch benannt
wurden. Orte und Plätze etwa mit gleicher
Bevölkerungsstärke vereinigten holstische und
wendische Sprachteile.
Eine weitere Eigenart offenbarte sich in dem
Charakter der Bewohner, die weder reine Hol
sten noch reine Wenden blieben. Die aus der
Richtung von Itzehoe vorgestoßenen Holsteu-
siedler waren anfangs in der Minderheit, und
deshalb prägte sich im Bezirk der Wendentyp
zunächst am stärksten aus. Dieser richtete sich
nun in erster Linie gegen das Christentum
und die Kirche, nicht etwa gegen die Ideolo
gie der Lehre an sich, als vielmehr in der
Hauptsache gegen den „Zehnten", den sie an
die Träger der Kirche abzuführen hatten.
Und da auch den ersten Holstensiedlern im
Gebiet diese Abgabe nicht nach der Mütze war
und im übrigen in jener Zeit die ersten Kolo
nisten allgemein auch nicht die besten Brüder
waren, machten sie teils gute Miene zu deren
bösem Spiel, die ja nebenbei auch in der Mehr
heit waren. Dieser aktive und passive Wider
stand wuchs sich dann mit der Zeit zu einer
festumrissenen Organisation aus, die die Ge
schichte als Bakariden bezeichnet und die in
dem bezeichneten Gebiet ihren Sitz hatten.
Ihre Unternehmungen richteten sich anfangs
in der Hauptsache gegen Kirchen und ihre Trä
ger. Geschichtlich bekannt sind die Raubzüge
gegen die Kirchen in Nortorf, Jevenstedt und
Neumünster. Die frommen Brüder von Bor-
desholm, Barkowe (Barkauf und Preetz in
dessen stehen im Verdacht, mit der Brüderschaft
der Bakariden Geschäfte gemacht zu haben.
Auch reisende Kaufleute wurden ausgeplün
dert, soweit sie nicht durch Abgabe von frei
willigen Mitteln als „passive Mitglieder" ge
schützt waren.
Sie hatten für ihren Raub ein günstiges
Absatzgebiet im wagrischen Wendenwinkel, der
von reisendem Handelsvolk sowieso ängstlich
gemieden wurde. Für weitere Verkaufsware
war Lübeck der Hauptabsatzmarkt. Sie hatten
an geeigneten Plätzen ihre befestigten Unter
schlupfe und Speicher, so wahrscheinlich auf
der Insel im Borgdorfer See, der Insel im
Bordesholmer See, desgl. im Bothkamper
Lütjensee, wo zwei Inseln heute noch Lübeck
und Hamburg heißen, und dann im großen
Plöner See. Ueberhaupt scheint nach vo« He-
demaun-Hcejpen Ascheberg ein Hauptstapelplatz
der Bakariden gewesen zu sein.
Selbst adelige Holsten waren mit ihnen im
Bunde. Als ersten unter ihnen meldet Rcimer-
Böken Gottschalk von Ennige (Jnnien) aus
dem Geschlecht der Dasoniden.
Mit dem stärkeren Vordringen der Holsten
siedler in unser Gebiet wurden die Zustände
besser und sicherer im Lande. Das Wenden-
blut erhielt keinen Zufluß mehr aus dem
Osten, und damit verlor auch die Brüderschaft
der Bakariden ihren Boden. Aber sie verging
vorläufig noch nicht, sie verlegte nur mit dem
langsamen Vordringen der Kolonisation aus
Westen und Süden ihre Basis nach Osten, bis
sie schließlich mit der Christianisierung auch
dort ihren Boden verlor und verging.
Die Herrschaft dieser Brüderschaft dürfte sich
im Gebiet um Nortorf kaum über 1250 n.
Christo gehalten haben. Nach dieser Zeit hat
sie bis etwa 1300 im Gebiet der Schwentine
und östlich davon ihr Unwesen getrieben.
Aeltere Geschichte
des Margarethenhofes
(Nach Laugheim von G. Reimer.)
Der Oberstleutnant Jürgen Holling, der als
Hauptmann 1645 Rendsburg gegen die Schwe
den verteidigt hatte, kaufte 1648 die Hofstelle
des Hans Martens zu Klint. Er erbaute ein
Haus, kaufte 2 Koppeln hinzu und erhielt am
30. November 1660 ein Privileg auf dieses
Gut, durch das es von allen Steuern befreit
wurde und nur 1 Rthlr. jährlich ins Amts
register zu zahlen hatte. Nach Jürgen Holling
hatte Peter Holling den Besitz. Von ihm kaufte
Jacob de Bruin, Oberst im Fühnenschen Na
tionalregiment zu Fuß, den Hof. Er erwarb
dazu vom Rendsburger Magistrat bei dem St.
Jürgenshofe ein Stück Land hinter seinem
Garten an dem Mühlenbach, das in zwei Kop
peln und eine Wiese geteilt war, frei von al
len Abgiften, für 800 Rthlr. (Kaufbrief vom
15. 7. 1692 und Konfirmation, Glückstadt 24. 4.
1693.) Er verkaufte an den Kriegskommissar
Selmer. Seitdem wird der Besitz Selmerhof
genannt.. Selmer kaufte 1703 die Goldwiese,
die zum Vorwerk Rendsburg gehörte, für 1000
Rthlr. hinzu. Diese ist unter den nächsten Be
sitzern wieder abgetrennt. — 1719 erhielt Ka
pitän von Krabbe den Hof für 3200 Rthlr.
Kronen, 1721 Oberst von Ahrenschiold für
2320 Rthlr. 1728 erhielt er vom König Fried
rich die Goldwiese, die er bisher für 70 Rthlr.
jährlich gepachtet hatte, frei von allen Abgaben
als Geschenk. Diese Schenkung ist beim Re
gierungswechsel am 30. 4. 1731, am 14. 9. 1747
und am 24. 2. 1767 bestätigt.
Am 21. 4. 1746 verkaufte Ahrenschiold an den
Kommerzrat Cai Detlef Petersen für 6000
Rthlr., von denen 2000 Rthlr. mit 200 Thlr.
Leibrente abzutragen waren. Am 19. 10. 1754
erhielt ihn dessen Sohn Sievert Peter Peter
sen für 4000 Rthlr. Am 25. 10. 1777 kaufte ihn
Johann Gottfried Lohse von Leutnant Peter
sens Erben für 9000 Rthlr., aber schon am
26. 11. 1777 erwarb Justizrat und Zollinspek-
Biwak am Bistensee
Ein aufgeflogenes Soldatenfrühstükk am 12. August 1886
Vorfreude.
Es war nach der unglücklichen Schlacht bei
Jöstedt.
Das 3. Schleswig-Holsteinische Jägerkorps
hatte große Verluste gehabt. Nun lagen die
Jäger schon längere Zeit am Bistensee im
Biwak, um die Lücken wieder zu schließen.
Kampfhandlungen gab es nicht viel. Eine
ganze Zeit lang rückte jeden Morgen vor Ta
gesanbruch eine Kompagnie Jäger nach dem
nahen Brekendorf aus. Dänische Fouragier-
lolonnen spielten damals den Brekendorfer
Bauern übel mit. Sie nahmen an Stroh, Hüh
nern, Butter usw. mit, was sie irgend auftrei
ben konnten. Die schleswig-holsteinischen Jä
ger suchten den „Speisezettel" der Dänen zu
vervollständigen, indem sie ihnen anständige
Gerichte „blauer Bohnen" aus den Pelz brann
ten.
Allmählich aber wurde den Jägern dieser
ständige „Kampf um Brekendorf" langweilig.
Um Abwechslung in das Einerlei des Lager
lebens zu bringen, beschlossen die Offiziere,
ihrem Major ein Soldatenfrühstück zu geben.
Moos und Eichenlaub wurden herbeigeschafft.
Efeukränze band man fuderweise. Das Zelt
wurde ausgeschmückt. Die „Krone des Luxus"
bildete eine Fensterscheibe, die man aus Bre
kendorf geholt, mit Moos und Efeu eingefaßt
und über den Platz gehängt hatte, der für den
Major bestimmt war.
Der eine oder andere Leutnant hatte sein
Herz an eine der Pächterstöchter aus der Um
gegend verloren. Die Herzensköniginnen der
Jäger wurden also mit ihren werten Angehö
rigen herzlich zum Solöatenfrühstück eingela
den, unter der Voraussetzung allerdings, daß
die Gäste Eß- und Trinkwaren mitbringen
sollten.
. Der Zahlmeister war nicht kleinlich. Er war
sich der „Größe" des Tages bewußt und gab
Vorschuß. Davon ließen die Offiziere aus
Rendsburg Wein, Zigarren, Punschesscnz,
Kaffee, Zucker, Austern, Zitronen, ja sogar
Kaviar holen.
Kurze Freude.
Um 12 Uhr sollte der Schmaus beginnen.
Die ersten Wagen erschienen. Tie Kutscher
waren im Sonntagsstaat. Unter der roten
Weste guckte die Meerschaumpfeife mit der Per
lenschnur hervor. Sie trugen aus den Wagen
unendliche Mengen von Lebensmitteln. In
der Nähe des Zeltes stapelten sie alles auf,
was die Pächter und ihre Frauen aus Küche
und Keller hergegeben hatten: Rote Grütze,
Kuchen, Torten, Gänse-, Enten-, Hühner-, Neh-
und Hasenbraten, Fische, gebraten, gesotten
und in Gelee, Eistorten, Schokolade, Krebse,
Aale, einen ganzen Eimer voll Heringssalat
und vieles mehr.
Der Major hieß die Gäste willkommen. Die
jungen Offiziere wechselten mit den jungen
Damen Blicke und Händedrücke. Es ging zu
Tisch. Suppe gab's nicht. Mit Hühnern sollte
die Schlacht beginnen und mit Austern endigen.
Die Hühner lagen in Petersilie und hielten
Herzen und Leber zwischen den Beinen. Sie
dufteten so appetitlich, ach, so appetitlich. . . !
Es war fast gar nicht mehr wie im Kriege, es
war fast zu schön, um wahr zu sein.
Da fiel ein Reif auf die Festesfreude....
Au die Gewehre!
In gestrecktem Galopp jagte ein Adjutant
heran. Er übergab dem Major einen schrift
lichen Befehl, und in die tiefe Stille tönte laut
des Majors Ruf: „An die Gewehre!"
„Meine Damen und Herren", wandte er sich
an die Gäste, „die Dänen rücken an; sie haben
die Mühle bei Stenten genommen. Wir müs
sen vorgehen. Auf Wiedersehen!"
Binnen fünf Minuten erschollen die Kom
mandos: „In Sektionen vom rechten Flügel
abmarschiert! Ohne Tritt, marsch!"
Als die 3. Jäger die Höhe von Stenten er
reichten, sahen sie das 2. Jägerkorps langsam
der Uebermacht der Dünen weichen.
Wie ein Gewitter stürzte sich das 3. Jäger
korps ins Gefecht. Trotz des starken Gewehr
feuers der Dänen erreichten die 3. Jäger die
Mühle. Zu Hunderten sprangen die Dänen
aus Fenstern und Türen heraus. „Feuer,
Feuer!" riefen die schleswig-holsteinischen Of
fiziere. Weit verfolgten die Jäger den Feind.
Er war an Zahl überlegen; aber die Wut der
Jäger war groß. Wer läßt sich auch gerne von
der vollen Tafel holen! Erst gegen 6 Uhr
abends wurde für die 3. Jäger „Hahn in
Ruhe" geblasen.
Leergebrannt ist die Stätte. . .
Und von Pulver und Blei wandten sich die
Gedanken der Offiziere allmählich wieder den
Pächtern und ihren Töchtern, dem Kaviar und
den Hühnern zu. Der Magen verlangte sein
Recht. Wo mochten Wein und Ananas geblie
ben sein? Wo Hühner- und Entenpastete? Ob
die Pächterstöchter wohl Wacht hielten?
Gegen 7 Uhr wurde abmarschiert nach dem
Biwak am Bistensee. Es wurde dunkel, bis der
Weg geschafft war.
tor Johann Henrich Hallesen den Hof auf öf
fentlicher Versteigerung für 9410 Rthlr. Am
9. 12. 1813 wurde der Hof zum Schutze der
Festung zerstört und nach dem Friedensschluß
wieder aufgebaut.
Neue WAcher
Zdenko vo» Kraft: Grabbe kehrt heim. Mit 18 Zeich'
nungeir und farbigem Einband des Verfassers. Verlag
Gerhard Stalling, Oldenburg i. O./Berlin. Gebunde»
2.60. Das Tragische, das sich besonders kraß im geni
alen Menschen äußert, ist aus der Welt nicht herauszn-
deuteln. Eine der menschlichsten Tragödien ist das Sein
und Enden Christian Dietrich Grabbes. Die ganze ele
mentare Polarität der menschlichen Natur tritt in ihn>
mit einer Kraft und Eindeutigkeit zutage, wie nur in
wenigen: Prahlsucht und Bescheidenheit, Genie und Dün
kel, Verschwendung und grenzenlose Dürftigkeit, kind
hafte Liebe und grausamer Eigennutz, alles das rnactz
sein Leben, in ganz konzentrierter Form aber seinen Tod
aus. Es ist in diesen letzten Monate» soviel zusammen
gerückt, daß die freie Erfindung nichts hinzuzufügen,
nichts zu ergänzen braucht. Und doch steht allem Nega
tiven und Niederziehenden groß und überzeugend das
Helle und Erhebende gegenüber, der niemals ganz zuge
schüttete Drang nach oben, der Atem des wahren Dichters,
der aus jedem Absinken immer wieder über das Leben
emporgreift, der heroische Glaube an das deutsche Volk,
die Hingabe an die Größe der Vergangenheit. So schil
dert der Verfasser uns Grabbe als eine säst ins Groteske
getriebene Steigerung des Menschen schlechthin, der in
Mängeln lebt, in Gebrechen strebt, in Schuld altert, in
Elend stirbt, aber in den Zwischenraum all dieser Schat
ten unwandelbar dem großen Licht zugewendet bleibt,
von dem er schließlich seine Erlösung und als Künstlet
seine Krönung findet. Und es ist ihm gelungen, uns
durch feines Einfühlungsvermögen diese widerspruchs
volle Dichternatur in ihrer ganzen Tragik Und Größe
auch menschlich nahezubringen.
„Langenscheidt's English Monthly Magazine". Diese
neue Zeitschrift hat sich die Pflege und Förderung engli
scher Sprachkenntnisse zum Ziel gesetzt. Sie ist ganz »ns
Unterhaltung eingestellt. Das soeben erschienene Maiheft
bringt einen Artikel über Lloyd George, über seine Stel
lung zum Vertrag von Versailles, eine Plauderei übet
die Olympischen Spiele und vieles andere. Auch das
Praktische ist nicht vergessen, ein Geschäftsbrief und ein
Verkaufsgespräch in einem Herrenartikel-Geschäft bieten
das Englisch, das im kaufmännischen Leben notwendig ist-
Jedes Heft 50 Pfg., vierteljährlich JìJl 1,35.
Wetteranssichte» für Sonntag, den 10. Mai, i«
Norddeutschland: Schwache bis mäßige Winde aus
Nord bis Ost, wolkig bis heiter, keine wesentlichen
Niederschläge, wenig Temperaturänderung.
Und was fanden die braven Jäger vor von
allen Herrlichkeiten aus Keller und Küche?
Nichts, rein gar nichts . . . . !
Leergebrannt war die Stätte!
Des langen Fastens müde, hatten sich die
Bauern von Brekendorf ins Biwak am Bi
stensee begeben, hatten mit den Pächtern nicht
viel Federlesen gemacht und eine heillose
Razzia angestellt nach allem, was eß- und
trinkbar war. Nicht einmal Brot und Butter
hatten die hungrigen Bauern nachgelassen.
Was öer Magen nicht fassen konnte, war mit
heimgewandert zu Muttern. Nur der Efeu
kranz des Fensters prangte in einsamer Größe
im Zelt. Seine Fensterscheibe hatte der Be
sitzer aus Brekendorf auch wieder abgeholt.
Graf Adelbert Baudissin, ein Mitleidender
dieses Tages, dem wir die Aufzeichnung dieser
„Biwak-Tragödie" verdanken (Schleswig-Holst.
Soldatengeschichten. Hannover. 1863), hatte
schon recht, wenn er seufzte:
„Ach, mit des Geschickes Mächten ist kein
ew'ger Bund zu flechten....!"
Not lehrt „Besorgen". Und wenn den Men
schen hungert, muß er essen.
Was taten die Jäger? Sie zogen ans Raub
aus. Auf einem nahen gelegenen Gut melkten
sie die Kühe, stahlen Kartoffeln und schösset
einen Schafbock.
Der mag von den Kriegern aber nicht richtig
zubereitet worden sein. Jedenfalls protestierte
er auf seine Weise gegen die rechtswidrige Be
sitzergreifung, indem er einen Duft zum Hiķ
mel sandte, der geradezu polizeiwidrig gewe
sen sein soll.
Einen Geruch, der kraß abstach gegen den
Duft der Herrlichkeiten, die noch am Mittag die
Tafel geziert hatten und nun von den Bre
kendorfer Bauern „einverleibt" waren.
Haus Brix.