Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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öaß die Mühle nur zum Mahlen der gerösteten 
Zichorienwurzeln gedient hat. 
An öie Stafstedter Wassermühle erinnern 
nicht nur Flurnamen,' in meiner Knabenzeit 
wurde der Besitzer dieser Grundstücke namens 
Timm Sievers danach Timm Möhlenkamp be 
nannt. — Nach der mündlichen Ueberlieferung 
soll aber nicht nur in Stafstedt, sondern gleich 
zeitig in Hamweödel durch Wallensteiner eine 
Wassermühle zerstört worden sein. Mir ist nicht 
bekannt, ob auch dort noch Flurnamen die Er 
innerung wach halten. 
Gleich anderen Pächtern von Zwangsmühlen 
hatte auch öer Pächter öer herrschaftlichen 
Mühle in Rendsburg mehrfach Anlaß zu Kla 
gen über ungesetzlichen Wettbewerb. Davon 
zeugt der nachstehende Erlaß des Rendsburger 
Amtmanns vom Jahre 18-38: 
Publicandum. 
Wenn der Pächter öer herrschaftlichen Müh 
len in Rendsburg, Hans Jürgen Hinrich Bahr, 
darauf angetragen, daß zur Aufrechterhaltung 
des Zwangsrechts dieser Mühlen ein erneuer 
tes Verbot wider den Besuch fremder Mühlen 
und der Einfuhr fremder aus des Jmpetran- 
ten Pachtmühlen nicht gemahlten Mehls in 
seinen Zwangsdistrict erlaßen werden möge, 
auch zugleich gebeten hat, ihm zu gestatten, 
zur Entdeckung von Contraventionen, sich 
eines Gehülfen zu bedienen, diesem Verlan 
gen auch stattgegeben, als ergehet hierdurch 
öer Befehl, daß sämtliche Zwangsgäste der vor 
genannten herrschaftlichen Pachtmühlen sich 
mik ihrem zu vermahlenden Korn dem Besuch 
fremder Mühlen sowie der Einfuhr fremden 
auf des Jmpetranten Pachtmühlen nicht ge 
mahlten Mehls in den Zwangsdistrict dersel 
ben bei Vermeidung der aus etwaigen Contra- 
ventionsklagen entstehenden rechtlichen Folgen 
zu enthalten haben. 
Uebrigens hat das Amtshaus den von dem 
Imploranten namhaft gemachten bevollmäch 
tigten Aufsichtsgehülfen mit einem Legitima 
tionspatent versehen, auf deßen Vorzeigung 
derselbe autorisiert ist, in vorkommenden Fäl 
len, wo der Verdacht einer Contravention vor 
handen, die Nachsicht der Säcke vorzunehmen, 
und falls sich dabei der Verdacht bestätigen 
sollte, den Contraventionisten mit dem bei sich 
führenden Mahlkorn oder Mehl nach der näch 
sten Obrigkeitlichen Behörde oder nach dem 
nächsten Bauernvogt zu führen, damit auf öes- 
fallsige Klage die weitere Untersuchung vorge 
nommen werden könne. 
Rendsburg Amthaus den 29. Sept. 1838. 
Feddersen. 
Der Bauernvogt Claus Rüge (Embühren. 
D. Vers.) hat vorstehendes Publicandum je 
dem Eingesehenen seines Bauerlags sofort be 
kannt zu machen. 
Rendsburg, in öer Kirchspielvogtei, 
den 10. Okt. 1838. 
Wenck. 
Es ist immer von Pachtmühlen (Mehrzahl) 
die Rede. Die älteste Mühle in Jevenstedt, die 
Wind- und Wassermühle an der Jevenau, wird 
mit in der Hand des Rendsburger Pächters 
gelegen haben. Daß sie schon bestand, beweist 
eine Notiz des Bauernvogts in Embühren: 
Zu den Kosten des Jevenstedter Mühlenstegs 
je Hufe 2 V 1 6. 
Unter Gablentz wurde öer Mühlenzwang 
aufgehoben. Heinrich Schröder aus Langwedel 
erbaute dann die Windmühle auf Legan, die 
St. Margaretenmühle. 
Die klösterlichen Streuhufen des Adligen 
Klosters Itzehoe im Kirchspiel Hohenwestedt 
waren in Springhoe mühlenpflichtig. > 
Hinrich S i e v e r s, Rektor i. R. in Altona. ] 
Die Bakarive« 
Aus den Anfängen des Nortorfer Kirchspiels 
um die Mitte des zwölften Jahrhunderts be 
richten alte Schriften von den Bosheiten und 
Missetaten der Bakariden. In jener Zeit war 
das weitere Gebiet um Nortorf von Rends 
burg bis über Neumünster hinaus und von 
Ascheberg bis Aukrug (Jnnien) der Grenz 
bezirk zwischen Holsten und Slaven. Das ist 
indessen nicht so zu verstehen, daß diese Volks 
stämme, Slaven und Holsten, durch eine geo 
graphisch bestimmte Linie streng geschieden 
wurden. Vielmehr wohnten in diesem Gebiet 
die beiden Stämme durcheinander und waren 
im nördlichen Teil auch noch mit Jüten wahr 
scheinlich stark durchsetzt. Dieses Durcheinander 
der Stämme führte dazu, daß die völkischen 
Eigenarten verwischt wurden, und dadurch ent 
stand im Laufe der ersten Jahrhunderte die 
ses Zustandes ein Geschlecht, bzw. ein Misch 
lingsstamm, an dessen physischen und psychi 
schen Eigenschaften manches auszusetzen war. 
Durch diesen Zustand entwickelten sich Gescheh 
nisse, die ohne weiteres nicht verständlich er 
scheinen. Zunächst fällt uns auf, daß in dem 
bezeichneten Gebiet Ortsnamen und sonstige 
Bezeichnungen teils wendischen, teils holsti- 
schen und teils gemischtsprachlichen Ursprungs 
sind. Das mag so zustande gekommen sein, daß 
ursprünglich Holsten und Wenden für ihren 
Siedlungsplatz, ihre Wälder, Felder und 
Flüsse je ihre Namensbezeichnung gebrauch 
ten. Diese doppelte Benamung führte indes 
sen auf die Dauer zu Irrtümern, und nun 
entstand automatisch eine Regelung nach der 
Richtung, daß Orte usw. mit überwiegend hol- 
stischer Bevölkerung holstisch und die mit wen 
discher in der Mehrzahl wendisch benannt 
wurden. Orte und Plätze etwa mit gleicher 
Bevölkerungsstärke vereinigten holstische und 
wendische Sprachteile. 
Eine weitere Eigenart offenbarte sich in dem 
Charakter der Bewohner, die weder reine Hol 
sten noch reine Wenden blieben. Die aus der 
Richtung von Itzehoe vorgestoßenen Holsteu- 
siedler waren anfangs in der Minderheit, und 
deshalb prägte sich im Bezirk der Wendentyp 
zunächst am stärksten aus. Dieser richtete sich 
nun in erster Linie gegen das Christentum 
und die Kirche, nicht etwa gegen die Ideolo 
gie der Lehre an sich, als vielmehr in der 
Hauptsache gegen den „Zehnten", den sie an 
die Träger der Kirche abzuführen hatten. 
Und da auch den ersten Holstensiedlern im 
Gebiet diese Abgabe nicht nach der Mütze war 
und im übrigen in jener Zeit die ersten Kolo 
nisten allgemein auch nicht die besten Brüder 
waren, machten sie teils gute Miene zu deren 
bösem Spiel, die ja nebenbei auch in der Mehr 
heit waren. Dieser aktive und passive Wider 
stand wuchs sich dann mit der Zeit zu einer 
festumrissenen Organisation aus, die die Ge 
schichte als Bakariden bezeichnet und die in 
dem bezeichneten Gebiet ihren Sitz hatten. 
Ihre Unternehmungen richteten sich anfangs 
in der Hauptsache gegen Kirchen und ihre Trä 
ger. Geschichtlich bekannt sind die Raubzüge 
gegen die Kirchen in Nortorf, Jevenstedt und 
Neumünster. Die frommen Brüder von Bor- 
desholm, Barkowe (Barkauf und Preetz in 
dessen stehen im Verdacht, mit der Brüderschaft 
der Bakariden Geschäfte gemacht zu haben. 
Auch reisende Kaufleute wurden ausgeplün 
dert, soweit sie nicht durch Abgabe von frei 
willigen Mitteln als „passive Mitglieder" ge 
schützt waren. 
Sie hatten für ihren Raub ein günstiges 
Absatzgebiet im wagrischen Wendenwinkel, der 
von reisendem Handelsvolk sowieso ängstlich 
gemieden wurde. Für weitere Verkaufsware 
war Lübeck der Hauptabsatzmarkt. Sie hatten 
an geeigneten Plätzen ihre befestigten Unter 
schlupfe und Speicher, so wahrscheinlich auf 
der Insel im Borgdorfer See, der Insel im 
Bordesholmer See, desgl. im Bothkamper 
Lütjensee, wo zwei Inseln heute noch Lübeck 
und Hamburg heißen, und dann im großen 
Plöner See. Ueberhaupt scheint nach vo« He- 
demaun-Hcejpen Ascheberg ein Hauptstapelplatz 
der Bakariden gewesen zu sein. 
Selbst adelige Holsten waren mit ihnen im 
Bunde. Als ersten unter ihnen meldet Rcimer- 
Böken Gottschalk von Ennige (Jnnien) aus 
dem Geschlecht der Dasoniden. 
Mit dem stärkeren Vordringen der Holsten 
siedler in unser Gebiet wurden die Zustände 
besser und sicherer im Lande. Das Wenden- 
blut erhielt keinen Zufluß mehr aus dem 
Osten, und damit verlor auch die Brüderschaft 
der Bakariden ihren Boden. Aber sie verging 
vorläufig noch nicht, sie verlegte nur mit dem 
langsamen Vordringen der Kolonisation aus 
Westen und Süden ihre Basis nach Osten, bis 
sie schließlich mit der Christianisierung auch 
dort ihren Boden verlor und verging. 
Die Herrschaft dieser Brüderschaft dürfte sich 
im Gebiet um Nortorf kaum über 1250 n. 
Christo gehalten haben. Nach dieser Zeit hat 
sie bis etwa 1300 im Gebiet der Schwentine 
und östlich davon ihr Unwesen getrieben. 
Aeltere Geschichte 
des Margarethenhofes 
(Nach Laugheim von G. Reimer.) 
Der Oberstleutnant Jürgen Holling, der als 
Hauptmann 1645 Rendsburg gegen die Schwe 
den verteidigt hatte, kaufte 1648 die Hofstelle 
des Hans Martens zu Klint. Er erbaute ein 
Haus, kaufte 2 Koppeln hinzu und erhielt am 
30. November 1660 ein Privileg auf dieses 
Gut, durch das es von allen Steuern befreit 
wurde und nur 1 Rthlr. jährlich ins Amts 
register zu zahlen hatte. Nach Jürgen Holling 
hatte Peter Holling den Besitz. Von ihm kaufte 
Jacob de Bruin, Oberst im Fühnenschen Na 
tionalregiment zu Fuß, den Hof. Er erwarb 
dazu vom Rendsburger Magistrat bei dem St. 
Jürgenshofe ein Stück Land hinter seinem 
Garten an dem Mühlenbach, das in zwei Kop 
peln und eine Wiese geteilt war, frei von al 
len Abgiften, für 800 Rthlr. (Kaufbrief vom 
15. 7. 1692 und Konfirmation, Glückstadt 24. 4. 
1693.) Er verkaufte an den Kriegskommissar 
Selmer. Seitdem wird der Besitz Selmerhof 
genannt.. Selmer kaufte 1703 die Goldwiese, 
die zum Vorwerk Rendsburg gehörte, für 1000 
Rthlr. hinzu. Diese ist unter den nächsten Be 
sitzern wieder abgetrennt. — 1719 erhielt Ka 
pitän von Krabbe den Hof für 3200 Rthlr. 
Kronen, 1721 Oberst von Ahrenschiold für 
2320 Rthlr. 1728 erhielt er vom König Fried 
rich die Goldwiese, die er bisher für 70 Rthlr. 
jährlich gepachtet hatte, frei von allen Abgaben 
als Geschenk. Diese Schenkung ist beim Re 
gierungswechsel am 30. 4. 1731, am 14. 9. 1747 
und am 24. 2. 1767 bestätigt. 
Am 21. 4. 1746 verkaufte Ahrenschiold an den 
Kommerzrat Cai Detlef Petersen für 6000 
Rthlr., von denen 2000 Rthlr. mit 200 Thlr. 
Leibrente abzutragen waren. Am 19. 10. 1754 
erhielt ihn dessen Sohn Sievert Peter Peter 
sen für 4000 Rthlr. Am 25. 10. 1777 kaufte ihn 
Johann Gottfried Lohse von Leutnant Peter 
sens Erben für 9000 Rthlr., aber schon am 
26. 11. 1777 erwarb Justizrat und Zollinspek- 
Biwak am Bistensee 
Ein aufgeflogenes Soldatenfrühstükk am 12. August 1886 
Vorfreude. 
Es war nach der unglücklichen Schlacht bei 
Jöstedt. 
Das 3. Schleswig-Holsteinische Jägerkorps 
hatte große Verluste gehabt. Nun lagen die 
Jäger schon längere Zeit am Bistensee im 
Biwak, um die Lücken wieder zu schließen. 
Kampfhandlungen gab es nicht viel. Eine 
ganze Zeit lang rückte jeden Morgen vor Ta 
gesanbruch eine Kompagnie Jäger nach dem 
nahen Brekendorf aus. Dänische Fouragier- 
lolonnen spielten damals den Brekendorfer 
Bauern übel mit. Sie nahmen an Stroh, Hüh 
nern, Butter usw. mit, was sie irgend auftrei 
ben konnten. Die schleswig-holsteinischen Jä 
ger suchten den „Speisezettel" der Dänen zu 
vervollständigen, indem sie ihnen anständige 
Gerichte „blauer Bohnen" aus den Pelz brann 
ten. 
Allmählich aber wurde den Jägern dieser 
ständige „Kampf um Brekendorf" langweilig. 
Um Abwechslung in das Einerlei des Lager 
lebens zu bringen, beschlossen die Offiziere, 
ihrem Major ein Soldatenfrühstück zu geben. 
Moos und Eichenlaub wurden herbeigeschafft. 
Efeukränze band man fuderweise. Das Zelt 
wurde ausgeschmückt. Die „Krone des Luxus" 
bildete eine Fensterscheibe, die man aus Bre 
kendorf geholt, mit Moos und Efeu eingefaßt 
und über den Platz gehängt hatte, der für den 
Major bestimmt war. 
Der eine oder andere Leutnant hatte sein 
Herz an eine der Pächterstöchter aus der Um 
gegend verloren. Die Herzensköniginnen der 
Jäger wurden also mit ihren werten Angehö 
rigen herzlich zum Solöatenfrühstück eingela 
den, unter der Voraussetzung allerdings, daß 
die Gäste Eß- und Trinkwaren mitbringen 
sollten. 
. Der Zahlmeister war nicht kleinlich. Er war 
sich der „Größe" des Tages bewußt und gab 
Vorschuß. Davon ließen die Offiziere aus 
Rendsburg Wein, Zigarren, Punschesscnz, 
Kaffee, Zucker, Austern, Zitronen, ja sogar 
Kaviar holen. 
Kurze Freude. 
Um 12 Uhr sollte der Schmaus beginnen. 
Die ersten Wagen erschienen. Tie Kutscher 
waren im Sonntagsstaat. Unter der roten 
Weste guckte die Meerschaumpfeife mit der Per 
lenschnur hervor. Sie trugen aus den Wagen 
unendliche Mengen von Lebensmitteln. In 
der Nähe des Zeltes stapelten sie alles auf, 
was die Pächter und ihre Frauen aus Küche 
und Keller hergegeben hatten: Rote Grütze, 
Kuchen, Torten, Gänse-, Enten-, Hühner-, Neh- 
und Hasenbraten, Fische, gebraten, gesotten 
und in Gelee, Eistorten, Schokolade, Krebse, 
Aale, einen ganzen Eimer voll Heringssalat 
und vieles mehr. 
Der Major hieß die Gäste willkommen. Die 
jungen Offiziere wechselten mit den jungen 
Damen Blicke und Händedrücke. Es ging zu 
Tisch. Suppe gab's nicht. Mit Hühnern sollte 
die Schlacht beginnen und mit Austern endigen. 
Die Hühner lagen in Petersilie und hielten 
Herzen und Leber zwischen den Beinen. Sie 
dufteten so appetitlich, ach, so appetitlich. . . ! 
Es war fast gar nicht mehr wie im Kriege, es 
war fast zu schön, um wahr zu sein. 
Da fiel ein Reif auf die Festesfreude.... 
Au die Gewehre! 
In gestrecktem Galopp jagte ein Adjutant 
heran. Er übergab dem Major einen schrift 
lichen Befehl, und in die tiefe Stille tönte laut 
des Majors Ruf: „An die Gewehre!" 
„Meine Damen und Herren", wandte er sich 
an die Gäste, „die Dänen rücken an; sie haben 
die Mühle bei Stenten genommen. Wir müs 
sen vorgehen. Auf Wiedersehen!" 
Binnen fünf Minuten erschollen die Kom 
mandos: „In Sektionen vom rechten Flügel 
abmarschiert! Ohne Tritt, marsch!" 
Als die 3. Jäger die Höhe von Stenten er 
reichten, sahen sie das 2. Jägerkorps langsam 
der Uebermacht der Dünen weichen. 
Wie ein Gewitter stürzte sich das 3. Jäger 
korps ins Gefecht. Trotz des starken Gewehr 
feuers der Dänen erreichten die 3. Jäger die 
Mühle. Zu Hunderten sprangen die Dänen 
aus Fenstern und Türen heraus. „Feuer, 
Feuer!" riefen die schleswig-holsteinischen Of 
fiziere. Weit verfolgten die Jäger den Feind. 
Er war an Zahl überlegen; aber die Wut der 
Jäger war groß. Wer läßt sich auch gerne von 
der vollen Tafel holen! Erst gegen 6 Uhr 
abends wurde für die 3. Jäger „Hahn in 
Ruhe" geblasen. 
Leergebrannt ist die Stätte. . . 
Und von Pulver und Blei wandten sich die 
Gedanken der Offiziere allmählich wieder den 
Pächtern und ihren Töchtern, dem Kaviar und 
den Hühnern zu. Der Magen verlangte sein 
Recht. Wo mochten Wein und Ananas geblie 
ben sein? Wo Hühner- und Entenpastete? Ob 
die Pächterstöchter wohl Wacht hielten? 
Gegen 7 Uhr wurde abmarschiert nach dem 
Biwak am Bistensee. Es wurde dunkel, bis der 
Weg geschafft war. 
tor Johann Henrich Hallesen den Hof auf öf 
fentlicher Versteigerung für 9410 Rthlr. Am 
9. 12. 1813 wurde der Hof zum Schutze der 
Festung zerstört und nach dem Friedensschluß 
wieder aufgebaut. 
Neue WAcher 
Zdenko vo» Kraft: Grabbe kehrt heim. Mit 18 Zeich' 
nungeir und farbigem Einband des Verfassers. Verlag 
Gerhard Stalling, Oldenburg i. O./Berlin. Gebunde» 
2.60. Das Tragische, das sich besonders kraß im geni 
alen Menschen äußert, ist aus der Welt nicht herauszn- 
deuteln. Eine der menschlichsten Tragödien ist das Sein 
und Enden Christian Dietrich Grabbes. Die ganze ele 
mentare Polarität der menschlichen Natur tritt in ihn> 
mit einer Kraft und Eindeutigkeit zutage, wie nur in 
wenigen: Prahlsucht und Bescheidenheit, Genie und Dün 
kel, Verschwendung und grenzenlose Dürftigkeit, kind 
hafte Liebe und grausamer Eigennutz, alles das rnactz 
sein Leben, in ganz konzentrierter Form aber seinen Tod 
aus. Es ist in diesen letzten Monate» soviel zusammen 
gerückt, daß die freie Erfindung nichts hinzuzufügen, 
nichts zu ergänzen braucht. Und doch steht allem Nega 
tiven und Niederziehenden groß und überzeugend das 
Helle und Erhebende gegenüber, der niemals ganz zuge 
schüttete Drang nach oben, der Atem des wahren Dichters, 
der aus jedem Absinken immer wieder über das Leben 
emporgreift, der heroische Glaube an das deutsche Volk, 
die Hingabe an die Größe der Vergangenheit. So schil 
dert der Verfasser uns Grabbe als eine säst ins Groteske 
getriebene Steigerung des Menschen schlechthin, der in 
Mängeln lebt, in Gebrechen strebt, in Schuld altert, in 
Elend stirbt, aber in den Zwischenraum all dieser Schat 
ten unwandelbar dem großen Licht zugewendet bleibt, 
von dem er schließlich seine Erlösung und als Künstlet 
seine Krönung findet. Und es ist ihm gelungen, uns 
durch feines Einfühlungsvermögen diese widerspruchs 
volle Dichternatur in ihrer ganzen Tragik Und Größe 
auch menschlich nahezubringen. 
„Langenscheidt's English Monthly Magazine". Diese 
neue Zeitschrift hat sich die Pflege und Förderung engli 
scher Sprachkenntnisse zum Ziel gesetzt. Sie ist ganz »ns 
Unterhaltung eingestellt. Das soeben erschienene Maiheft 
bringt einen Artikel über Lloyd George, über seine Stel 
lung zum Vertrag von Versailles, eine Plauderei übet 
die Olympischen Spiele und vieles andere. Auch das 
Praktische ist nicht vergessen, ein Geschäftsbrief und ein 
Verkaufsgespräch in einem Herrenartikel-Geschäft bieten 
das Englisch, das im kaufmännischen Leben notwendig ist- 
Jedes Heft 50 Pfg., vierteljährlich JìJl 1,35. 
Wetteranssichte» für Sonntag, den 10. Mai, i« 
Norddeutschland: Schwache bis mäßige Winde aus 
Nord bis Ost, wolkig bis heiter, keine wesentlichen 
Niederschläge, wenig Temperaturänderung. 
Und was fanden die braven Jäger vor von 
allen Herrlichkeiten aus Keller und Küche? 
Nichts, rein gar nichts . . . . ! 
Leergebrannt war die Stätte! 
Des langen Fastens müde, hatten sich die 
Bauern von Brekendorf ins Biwak am Bi 
stensee begeben, hatten mit den Pächtern nicht 
viel Federlesen gemacht und eine heillose 
Razzia angestellt nach allem, was eß- und 
trinkbar war. Nicht einmal Brot und Butter 
hatten die hungrigen Bauern nachgelassen. 
Was öer Magen nicht fassen konnte, war mit 
heimgewandert zu Muttern. Nur der Efeu 
kranz des Fensters prangte in einsamer Größe 
im Zelt. Seine Fensterscheibe hatte der Be 
sitzer aus Brekendorf auch wieder abgeholt. 
Graf Adelbert Baudissin, ein Mitleidender 
dieses Tages, dem wir die Aufzeichnung dieser 
„Biwak-Tragödie" verdanken (Schleswig-Holst. 
Soldatengeschichten. Hannover. 1863), hatte 
schon recht, wenn er seufzte: 
„Ach, mit des Geschickes Mächten ist kein 
ew'ger Bund zu flechten....!" 
Not lehrt „Besorgen". Und wenn den Men 
schen hungert, muß er essen. 
Was taten die Jäger? Sie zogen ans Raub 
aus. Auf einem nahen gelegenen Gut melkten 
sie die Kühe, stahlen Kartoffeln und schösset 
einen Schafbock. 
Der mag von den Kriegern aber nicht richtig 
zubereitet worden sein. Jedenfalls protestierte 
er auf seine Weise gegen die rechtswidrige Be 
sitzergreifung, indem er einen Duft zum Hiķ 
mel sandte, der geradezu polizeiwidrig gewe 
sen sein soll. 
Einen Geruch, der kraß abstach gegen den 
Duft der Herrlichkeiten, die noch am Mittag die 
Tafel geziert hatten und nun von den Bre 
kendorfer Bauern „einverleibt" waren. 
Haus Brix.
	        
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