129. Jahrgang.
129. Jahrgang,
Schleswig-Holsîàische
Renösburger Drgedlack
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1838
In einem Zeitalter, das zahlreiche Throne
in der Welt beseitigte, und andere stark er
schütterte, hat Italien mit dem Schwert in der
Faust seinem Königreich ein Kaiserreich hin
zugefügt. Diese Tatsache ist besonders deshalb
so bemerkenswert, weil sie gegenüber dem or
ganisierten Widerstand eines großen Teiles
der europäischen Staaten und vor allem
gegenüber dem ungeheuren militärischen Auf
gebot der größten Seemacht der Welt erreicht
wurde. Man muß sich heute daran erinnern,
daß die ursprünglichen Kricgsziele Italiens
ebenso wie die teilweisen Zugeständnisse, die
selbst die Sanktionsstaaten dem Ausdehnungs
drang Italiens grundsätzlich zu machen bereit
waren, nur einen Bruchteil dessen darstellten,
was heute von Italien erreicht worden ist.
Und daß es erreicht wurde, geht nicht etwa nur
auf die fast selbstverständlichen militärischen
Erfolge der aufs Modernste ausgerüsteren
Italiener gegenüber den abessinischen Krieger
horden, sondern mindestens ebenso auf die bei
spiellose Kühnheit und bewundernswerte
Energie des italienischen Regierungschefs und
auf die uneingeschränkte opfervolle Unterstüt
zung durch das italienische Volk zurück. Benito
Mussolini darf heute mit Recht von sich sagen,
daß er ein Lebenswerk zur Vollendung führt,
wie cs nur den großen Eroberern des späten
Mittelalters und der frühen Neuzeit beichic-
den war.
Das am Sonnabend in Rom vor einer in
Begeisterung schier rasenden Volksmenge ver
lesene Dekret bestätigt vollinhaltlich, was wir
hier schon in unserem Leitartikel über das
neue Imperium Romanum dargestellt hatten.
Die römischen Frauen, unterstützt von einer
großen Anzahl von Männern, haben dann die
am Sonnabendabend verkündete Entscheidung
bereits am Donnerstag vorweggenommen, als
sie dem für die Kundgebungen dankenden Kö
nig ihr „Imperators!" zuriefen. Die Verkün
dung des neuen Kaiserreiches hat ernstlich
wohl auch in den westeuropäischen Hauptstäd
ten in keiner Weise mehr überrascht.
Wenn sie dort trotzdem erhebliche Unruhe
hervorgerufen hat, so geht das auf die selt
same Hoffnung zurück, Mussolini werde noch
in letzter Minute irgend eine entgegenkom
mende Geste für die Großmächte übrig haben.
Die Formulierung des Dekretes über die
Ausrufung des neuen Kaiserreiches dürfte die
letzte Klarheit gebracht haben. Der äußeren
Form nach ist die konstitionelle Regelung nach
englischem Vorbild erfolgt, wie auch die Er
nennung des Marschalls Badoglio zum Vize-
könig englischem Vorbild folgt. Der Wortlaut
des Dekretes gebraucht dann fast wörtlich die
jeden Zweifel ausschließenden Ausdrücke, mit
denen bereits das halbamtliche „Giornale
d'Jtalia" unmittelbar nach der Eroberung von
Addis Abeba die eigentlichen Kriegsziele Ita
liens feststellte: es wird auch jetzt nicht nur
die „volle und uneingeschränkte Souveränität
Italiens" über sämtliche Gebiete erklärt, son-
oern es wird auch festgestellt, daß die italie
nische Regierung, des zwecklosen Hin- und
Hergeredes diplomatischer Art müde, es vor
gezogen hat, „alle Knoten mit dem Schwert zu
zerhauen". Mussolini zieht lediglich die ein
fache Schlußfolgerung aus der Lage, wenn er
Heer und Volk zur Verteidigung Großitaliens
»auf Leben und Tod" verpflichtete. Abessinien,
von dem man einst einen Streifen zu gewin
nen hoffte, ist heute in seiner Gesamtheit nicht
Nur Kolonie, sondern ein Teil Italiens
schlechthin.
»Kindische Illusionen."
Man wird den Wortlaut des römischen De
kretes weder in Paris noch in London mit
Befriedigung zur Kenntnis genommen haben.
Um so komischer mutz es wirken, wenn die
erste Reaktion aus den westlichen Staaten in
Bestrebungen zur Durchführung der ohnehin
völlig verunglückten Sanktionspvlitik auftre
ten. Mussolini hat das zweifellos vorausgese
hen,' daher auch die kategorische Bestimmtheit
der Entschließung des Großen Faschistischen
Nates, daher auch die Einladung zur Teil
nahme für die römische Kundgebung vom
Das neue Kaiserreich
Sonnabendabend nur an Vertreter der nicht-
sanktivnistischen Staaten. In Rom spricht man
mit beißendem Hohn von der neuen Verschwö
rung zwischen französischen Marxisten und
englischen Arbeiterparteilern uild bezeichnet
ihre Pläne als kindische Illusionen der Pil
grime des Sanktionismus. Man macht sich
über die Rücksprache des englischen Arbeiter
führers Major Attlee mit dem französischen
Sozialistenführer Leon Blum lustig nnd er
klärt, man wolle jetzt Italien genau so behan
deln wie einst Deutschland in Versailles, in
dem man es verpflichten wolle, Abessinien ent
militarisiert zu lassen.
Wir haben hier bereits vor einigen Tagen
auf den Rückzug Flanöins aus dem franzö
sischen Außenministerium hingewiesen, als wir
von seinem plötzlichen Erholungsurlaub ge
rade unmittelbar vor Ueberreichung der eng
lischen Fragen sprachen. Es bestät'gt sich ,etzt,
daß die Meldungen über die Beteiligung
Flandins beim Beginn der heutigen Völker
bundssitzung nicht zutreffen. Er hat es ange
sichts der aussichtslosen Lage in Genf und an
gesichts der völligen Geschäftsunfähigkeit des
noch amtierenden Kabinettes Sarraut vorge
zogen, die Vertretung Frankreichs in Genf
dem französischen Völkerbundsminister Paul-
Boncourt zu üoeriassen. Irgend welche prakti
schen Ergebnisse erwartet man angesichts der
anhaltenden Unentschlossenheit der Mächte in
Genf nicht. Außerdem nimmt man an, daß der
diplomatische Vertreter Italiens noch weniger
als in den Ratssitzungen des Spätherbstes mit
irgend einem Vertreter Abessiniens verhan
deln will, nachdem praktisch nichts mehr zu
verhandeln ist.
«
Französische Vorbehalte gegenüber der
Einverleibung Abessiniens durch Italien.
Die französische Regierung hat am Sonn
abendabend der italienischen Regierung ihre
Vorbehalte gegenüber der Einverleibung
Abessiniens zum Ausdruck gebracht.
Mj ö§r Annchme mn Addis Abeba.
DNB. Asmara, 9. Mai. (Funkspruch des
Kriegsberichterstatters des DNB.s Nach und
nach lassen sich jetzt wieder die Verhältnisse in
Addis Abeba etwas übersehen. Es scheint so,
daß von den Angehörigen der Deutschen Ko
lonie niemand ums Leben gekommen ist. Wohl
aber sind fast alle um den Ertrag ihrer lang
jährigen Arbeit gekommen. Viele deutsche und
überhaupt europäische Familien, die bei Aus
bruch der bedrohlichen Unruhen aus der Stadt
geflüchtet waren, kehren jetzt, nach Wiederher
stellung der Ordnung, zurück. Es ist nicht
immer erfreulich, wie sie ihre Anwesen vorfin
den.
Nach Wiedereröffnung der Bankschalter in
Addis Abeba hat ein regelrechter Run der Be
völkerung eingesetzt, die die Maria-Theresien-
Taler gegen italienische Währung eintauschen
wollen. Die Bahnstation zeigt wieder lebhaftes
Treiben. Der Zustrom in die von den Italie
nern besetzte Stadt setzt wieder ein. Die weni
gen Gasthäuser, die wieder uotdürftig herge
richtet sind, sind überfüllt.
Der Negus führt 9vv0 Kilo Silber und Gold
mit sich.
DNB. London, 9. Mai. Entgegen anders
lautenden Berichten aus Jerusalem wird in
London amtlich mitgeteilt, daß der Negus
vorläufig in Jerusalem bleiben wird. Es ist
ein offenes Geheimnis, daß der Kaiser der
englischen Regierung den Wunsch ausgedrückt
hat, uach London zu kommen. Wie man in
unterrichteten Kreisen vermutet, wurde ihm
darauf geantwortet, daß sein Besuch zum min
desten bis nach der Ratssitzung in Genf nicht
genehm wäre. Es wird aber immer noch da
mit gerechnet, daß der Negus zu einem späte
ren Zeitpunkt nach England kommen wird.
Nach Meldungen aus Jerusalem besuchte
Haile Selassie heute das Heilige Grab in
Jerusalem. Später begab er sich zu dem
außerhalb der Mauern der alten Stadt liegen
den abessinischen Kloster und hielt eine An
sprache an 200 abessinische Priester und
Nonnen.
Die vom Kaiser mitgebrachten Schätze wur
den in einer englischen Bank in Jerusalem
untergebracht. Die Schätze wiegen neun
Tonnen. Sie bestehen aus 138 Kisten, von
denen 123 silberne Maria-Thercsia-Taler und
die übrigen Gold enthalten.
Aurnhrges Oefterrsrch
PMchversuch Feys i» Keime erstickt?
Heimrvehrleute gegen Ehriftlichsoziale
Fey „zufällig" in der Sîingstratze als Leiter der Gegenkundgsbungen
Schuschnigg rettet die Lage
DNB. Wien, 11. Mai. Am Sonntag fand
ein Aufmarsch der christlich-sozialen Arbeiter
organisation „Freiheitsbund" statt, in dessen
Verlauf es zu Gegenkundgebnngen kam, die
anscheinend von dem ehemaligen Vizekanzler
und Wiener Heimwehrführer Fey organisiert
worden waren. Fey hatte an einer bestimm
ten Stelle des Ringes Aufstellung genommen
und leitete die Kundgebungen. Ursprünglich
hatte Bundeskanzler Schuschnigg nicht die
Absicht, mit dem Zuge der christlich-sozialen
Arbeiter zu marschieren. Nachdem ihm aber
von der Gegenkundgebung Feys Mitteilung
gemacht worden war, entschloß er sich, sich
selbst an die Spitze des Zuges zu stellen. An
der Stelle, wo Fey stand, soll es dann zu leb
haften Kundgebungen für und gegen Fey ge
kommen sein. Wie wir erfahren, wurden 50
Heimatschützler, die Anhänger Feys sind, fest
genommen. Fey wurde später von der
Polizei aufgefordert, sich zurückzuziehen, wel
chem Auftrag er auch nachkam.
Putschversuch Feys im Keime erstickt?
Wien ist am Sonntag ganz knapp an einer
starken Entladung der innerpolitischen Span
nung vorbeigegangen. Man erfährt jetzt, das;
die Anhänger des ehemaligen Vizekanzlers
und Heimatschutz-Landesführers Wien, Fey,
tatsächlich eine umfangreiche Kundgebung
gegen den heutigen Aufmarsch des Freiheits-
bnndes geplant hatten, die sich sicherlich gegen
die Regierung selbst hätte richten sollen. Da
durch, daß Bundeskanzler Dr. Schuschnigg
rechtzeitig von den Plänen der Anhänger
Feys erfuhr, sich selbst an die Spitze des Zu
ges des Freiheitsbundes stellte und gleich
zeitig Fey durch die Polizei auffordern ließ,
seinen Platz, den er in der Ringstraße ein
genommen hatte, zu räumen, konnten die
Kundgebungen im großen und ganzen verhin
dert werden. Als nämlich die Anhänger Feys
Dr. Schuschniggs ansichtig wurden, wagten sie
nicht, ihre Pläne durchzuführen. So kam es,
daß die Kundgebungen nur an einzelnen
Punkten der Ringstraße aufflammten und
rasch vorübergingen.
Hingegen kam es, wie man jetzt erfährt,
zwischen abziehenden Gruppen des Freiheits
bundes und Heimwehrlentcn in späterer
Stunde in den äußeren Bezirken Wiens zu
Schlägereien, die von Alarmabteilungen der
Polizei unterdrückt wurden. Zwei Kinder
sollen hierbei durch Steinwürfc verletzt wor
den sein.
Wie man hört, soll Fey selbst jetzt aller
dings erklären, es sei ein reiner Zufall ge
wesen, daß er sich zur Zeit des Freiheits-
bundes-Aufmarsches auf der Ringstraße be
funden habe. Immerhin könnte der Vorfall
für Fey noch Folgen haben.
Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren,
befindet sich unter den Verhafteten der ehe
malige Heimatschutzhauptmann Fitzner, der
jetzt der militärischen Leitung des Milizkorps
zugeteilt ist.
Um Mitternacht erschien eine Verlautbarung
der Heimwchren, in der mitgeteilt wird, daß
tatsächlich Kundgebungsversuche von einzel
nen Heimwehrleuten gegen den Aufmarsch
des Freiheitsbundes stattgefunden haben.
Vizekanzler Starhemberg habe, so heißt es in
der Erklärung weiter, sich zur Polizei-
direktion begeben und für die 50 Verhafteten
interveniert, und, da sich herausgestellt habe,
daß es sich nur um „Rufdemonstranten" han
delte, so seien diese wieder auf freien Fuß
gesetzt worden.
Zum Verständnis der Kundgebungen einzel
ner Heimwehrgruppen gegen den Aufmarsch
des Freiheitsbundes ist noch folgendes zu
sagen:
Der frühere Vizekanzler und Wiener Hei-
matschutzführer Fey war bei den Wiener Heim
wehrleuten sehr beliebt. Als Fey im vergan
genen Herbst zum Ausscheiden aus dem Kabi
nett gezwungen wurde, war die Meinung in
der Wiener Heimwehr allgemein, daß nun die
Selbstschutzformationen in der ursprünglichen
Form nicht mehr lange aufrechterhalten wer
den würden. Die dadurch entstandene Beun
ruhigung in Heimwehrkreisen fand neue Nah
rung durch die Entmilitarisierung der ostmär
kischen Sturmscharen, die Bundeskanzler
Dr. Schuschnigg vor kurzem angeordnet hatte.
Diese Entmilitarisierung der ostmärkischen
Sturmscharen wurde von den Heimwehrleuten
als Vorläufer der baldigen Entwaffnung auch
des Heimatschutzes aufgefaßt. Auch die Rede,
die Vizekanzler Starhembcrg kürzlich hielt,
konnte die Bedenken mancher Heimwehrkreise
nicht zerstreuen,' ja, man fand in den Worten
Starhembergs geradezu eine Bestätigung, daß
ans ihnen zu entnehmen war, daß der Heimat
schutz in das neue Milizkorps übergeführt wer
den solle.
Zwischen dem Heimatschutz und dem Frei
heitsbund besteht schon seit Jahren ein starker
Gegensatz. Der Freiheitsbund, der dem Staats
rat Kunschak nahesteht und zum kleineren Teil
Wehrorganisation, zum größeren Teil Orga
nisation der christlich-sozialen Arbeiter ist, gilt
den Heimatschützern als Vorkämpfer für die
Demokratie.
Diese alte Gegnerschaft konnte von den An
hängern Feys leicht zu Kundgebungen be
nutzt werden, weil sich der Anschein erwecken
ließ, als ob hinter ihnen auch noch in Staats
stellungen befindliche Heimatschützer ständen.
Es scheint denn auch, daß zu den Anhängern
Feys sich auch andere Heimatschutzleute gesellt
haben, die die Gegnerschaft zum Freiheitsbund
unter die Kundgeber trieb.
Eröffnung der ReichsļhealerfĢoche.
DNB. München, 10. Mai. Am Sonntagabend
fand die festliche Eröffnungsvorstellung der
dritten Reichstheaterfestwoche im National
theater mit Richard Wagners „Rienzi" statt,
die der Hauptstadt der deutschen Kunst würdig
war und einen Auftakt zu allen künstlerischen
Genüssen gab, die die Reichstheaterfestwoche
München 1936 bringen wird.
Das vollbesetzte Haus hatte Festschmuck an
gelegt. Die große kulturelle Bedeutung der
Reichstheaterfestwoche fand durch das Erschei
nen des Führers in der Eröffnungsvorstellung
ihren Ausdruck. Mit dem Führer wohnten der
Festvorstellung zahlreiche Minister und Ver
treter der Partei bei.