Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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WchZlàr Rosenberg spricht 
in Hannover. 
DNV. Hannover, 10. Mai. Die NS.-Kultur- 
gememöe hatte am Freitag und Sonnabend 
a-re Obmänner der Ortsgruppen und Kreise 
des Gaues Süöhannvver zu einer Arbeitsta 
gung einberufen, deren Höhepunkt am Sonn 
abendabend eine öffentliche Kundgebung war, 
auf der Alfred Rosenberg in einer groß 
angelegten Rede über das geistige Ringen un 
serer Zeit und über die Aufgaben und Ziele 
der NS.-Kulturgemeinöe sprach. 
Gegen 20 Uhr war der gewaltige Kuppelsaal 
der Stadthalle und der Beethovensaal, auf den 
die Versammlung durch Lautsprecher übertra 
gen wurde, bis auf den letzten Platz gefüllt. 
Alfred Rosenberg schilderte anfangs die gei 
stige Lage unserer Revolution dahin, daß, 
wenn man in einer großen Zeit zu einer ent 
scheidenden Schicksalsfrage „Ja" gesagt habe, 
das Leben einen zwänge, zu tausend anderen 
prägen „Nein" zu sagen. In dieser Festigung 
eines Gedankens zeige sich das wahre Wesen 
einer geistigen Umwandlung nicht nur in den 
ersten Tagen der politischen Machteroberung, 
sondern im Verlauf langer Zeitspannen. 
Reichsleiter Rosenberg behandelte dann das 
Problem zwischen Tradition und Revolution 
und erklärte die einzigartige Schöpfung des 
Führers aus den Notwendigkeiten unseres 
Jahrhunderts heraus. Rosenberg wies auf die 
Versuche hin, nun, da politisch nichts zu än 
dern sei, aus dem Umwege der Kunstpolitik die 
nationalsozialistische Gedankenwelt zerreden 
zu wollen. Er wandte sich gegen die im letzten 
Jahr mehrfach aufgetretenen Versuche, den 
Begriff „Kunstbolschewismus" aus der Welt 
zu schaffen. Diese Versuche zeigten offenbar 
ein schlechtes Gewissen. Sie wollten jene Ele 
mente, die sich getroffen fühlen müßten, nun 
mehr von einer Kennzeichnung entlasten, um 
sie dann auf diesem Umwege wieder als 
Gleichberechtigte in das deutsche Kunstleben 
einzuführen. 
Reichsleiter Rosenberg unterstrich den Aus 
gangspunkt der NS.-Kulturgemeinde: Genau 
wie die NSDAP, durch eine politische Parole 
die Menschen als Freiwillige an sich herange 
zogen habe, so müßte auch eine klare kunstpoli 
tische Gedaukenhaltnng die einzelnen zu einer 
geschlossenen Gemeinde zusammenfassen. Die 
ses Erlebnis könne dann jene Spannung mit 
erzeugen helfen, die die Voraussetzung der 
Geburt jeder großen Volkskunst darstellt. 
Die NS.-Kulturgemeinöe solle niemandem 
etwas nehmen, sondern selbstlos alles fördern, 
was an schöpferischen Kräften in Deutschland 
vorhanden sei und wenn bei ihren nahezu IM 
Millionen Mitgliedern diese in einem Jahr 
je nach Möglichkeit 10 bis 15 Veranstaltungen 
fest abnehmen, so ergäbe sich schon daraus eine 
Riesenzahl von Besuchern, die, freiwillig zu 
sammengetreten, heute schon einen Unterbau 
für kommende Aufgaben darstellten. Das För 
dern sei immer das Schönste, was sich die NS.- 
Kulturgemeinöe vorstellen könnte. Sie werde 
deshalb auch die Gefahren abzuwenden wissen, 
wenn inmitten des nationalsozialistischen Aus 
leseprozesses auch Fehler unterlaufen. Vor 
allem müßte sie aber im Sinne des Aufbau 
willens des Führers wissen, daß bei aller Ab 
wehr der Zersetzungskrüfte eine Kritik an 
künstlerischen Versuchen und Künstlern selbst 
nicht Kräfte schwächen, sondern Kräfte zu stär 
ken berufen sei. Kritik müßte nicht ermatten, 
sondern anfeuern. Der große Kritiker sei nicht 
der, der das Schlechte ausmale, sondern den 
gute» Kräften weitere Wege weise. Das sei 
eine Erziehungsaufgabe für uns. Diesen Weg 
müßten alle, die ernst um die Fragen unserer 
Zeit ringen, gehen und die NS.-Kultur 
gemeinöe könne stolz sein, diesen Weg einge 
schlagen zu haben. „Innere Härte gegenüber 
dem Faulen und Verkrampften und freudige 
Unterstützung alles ehrlich Strebenden, dann 
sind die Grundlagen gelegt für die Verwirk 
lichung einer alten Sehnsucht und die Herbei 
führung einer echten deutschen Volkskultur." 
Die ArrsrrrfrrrrZ des Kaiserreichs 
Der italienische Regierungschef hat Sonn- 
Nach englischem Vorbild 
abend abend vom Palazzo Venezia ans dem 
italienischen Volk verkündet, daß der König 
von Italien den Titel eines Kaisers von Abes 
sinien annimmt, und daß sämtliche Gebiete 
und Volksstämme des abessinischen Kaiser 
reichs unter die volle und uneingeschränkte 
Souveränität Italiens kommen. 
Der Oberfehlshaber der italienischen Trup 
pen in Ostafrika, Marschall Vadoglio, ist znm 
Generalgouverneur von Abessinien mit dem 
Titel eines Vizekönigs ernannt worden. 
Absage Zlsunings an die Ksrnmumsten. 
Das kommunistische Angebot einer Einheits 
front mit den Sozialdemokraten bei der bevor 
stehenden Landstingswahl wurde vom Staats 
minister und sozialdemokratischen Parteifüh 
rer Stauning in einer Rede, die er in Aarhus 
hielt, glatt abgewiesen: „Wir glauben kommu 
nistisch-demokratischen Phrasen nicht. Wir ken 
nen ihr Verhalten aus langjähriger Erfah 
rung, und wir wissen, daß dort, wo der Kom 
munismus die Macht hat, die Demokratie ge 
fesselt ist. Wir gehen zur Wahl ohne den 
Wunsch, von unseren langjährigen Angreifern 
unterstützt zu werden!" 
* . * 
Die Rede Mussolinis. 
Rom hat seinen Kaiser und sein Imperium. 
Als iu dem hell erleuchteten Palazzo Venezia 
um 22 Uhr der Großrat zusammentrat, war 
der weite Platz davor, der in den letzten Tagen 
nicht weniger als drei riesige Siegesfeiern ge 
sehen hat, von einer erwartungsvoll begeister 
ten Menge gefüllt. Auf den Treppen des Na- 
tionaldenkmals hatten die gesamten Truppen 
der Garnison Rom in Stärke von 2» 0ü0 Mann 
in feldmarschmäßiger Ausrüstung Aufstellung 
genommen. Große Scheinwerfer mit Taglicht- 
lampen huschten über die bleiche Marmorfläche 
des Denkmals. Auf den Galerien des gegen 
überliegenden Palastes hatten einige Mitglie 
der des königlichen Hauses Platz genommen. 
^ Nach einer nur zehn Minuten währenden 
Sitzung des Faschistischen Grotzrats, dem außer 
den in Ostafrika weilenden Ciano, Farinacci, 
Vottai und Starace alle Mitglieder beiwohn 
ten und der sich eine nur drei Minuten dau 
ernde Sitzung des Ministerrats anschloß, be 
gab sich der Duce im Auto zum Quirinal, um 
vom König sich die heutigen Dekrete unter 
zeichnen zu lassen. Um 22 Uhr 36 trat 
Das Land Abessinien und die Stämme 
Abessiniens stehen von heute an unter der 
unumschränkten Herrschaft des italieni 
schen Reiches. Der Titel Kaiser von Abes 
sinien wird vom König von Italien ange 
nommen. 
Königliche Offiziere und Unteroffiziere in 
Asrrka und Italien, Schwarzhemdcn, Italie 
ner und Italienerinnen! Das italienische Volk 
hat sich in seinem Kampf sein Kaiserreich selbst 
geschaffen. Es wird es in seiner Arbeit erhal 
ten und es wird es gegen jedweden Feind mit 
den Waffen verteidigen. In dieser hebren Ge 
wißheit erhebt, Legionäre, Eure Abzeichen, 
Eure Dolche und Eure Herzen, um nach 15 
Jahrhunderten das Wiedererscheincn des Kai 
serreiches auf den schicksalhaften Hügeln Roms 
zu grüßen. Werdet Ihr seiner wert sein? (Die 
Menge bricht in ein gewaltiges „Ja" aus.) 
Dieser Ruf ist wie ein heiliger Schwur, der 
Euch vor Gott und vor den Menschen auf Le 
ben und Tod verpflichtet. Schwarzhemdcn, Le 
gionäre! Grüßt den König!" 
Mussolini, dessen Rede an den wichtigen 
Kellen wiederholt von fanatischem Beifall un 
terbrochen worden war, hatte das letzte Wort 
noch nicht gesprochen, da brach das römische 
Volk in unbeschreiblicheBegeisterung aus. 
Mussolini, der Begründer des Imperiums, 
mußte sich immer wieder dem Volke zeigen. 
Gegen Mitternacht zog die Menge zum Quiri 
nal, um Victor Emanuel, dem neuen Kaiser 
zu huldigen. 
amtlichen Gesetzes- und Dekreterlasse des ita 
lienischen Königreiches aufgenommen wird, 
und verlangen von jedem, es zu beachten und 
beachten zu lassen. 
Auch General Graziani Marschall von 
Italien. 
Auf Vorschlag des italienischen Regierungs 
chefs als Kriegsminister hat der König von 
Italien den Oberbefehlshaber an der Somali 
front, General Graziani, zum Marschall er 
nannt. Jetzt führen alle drei an der Durchfüh 
rung des ostafrikanischen Feldzuges hauptsäch 
lich beteiligten Generäle Badoglio, de Bono 
und Graziani, den Rang eines Marschalls von 
Italien. 
Mussolini 
von rasendem Beifall der Menge überschüttet, 
auf den von Jupiterlampen bestrahlten Bal 
kon des Palazzo Venezia, wo er mit klarer, 
leöoch von innerer Erregung bewegter Stimme 
begann: 
„Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten aller 
bewaffneten Streitkräfte iu Afrika und Itali 
en, Schwarzhcmden der Revolution, Italiener 
und Italienerinnen des Vaterlandes in der 
Welt, hört mich an! 
Mit den Entschlüssen, die wir in wenigen 
Minuten kennen werden und die vom Faschi 
stischen Großrat gebilligt wurden, vollendet sich 
ein großes Ereignis. 
Das Schicksal Abessiniens wird heute, am 9. 
Mai, im 14. Jahre der faschistische» Aera, be 
siegelt. Alle Knoten wurden von unserem 
Schwert zerhauen. Der faschistische Sieg bleibt 
in der Geschichte des Vaterlandes erhalten. 
Italien hat endlich sein Imperium! Und zwar 
das faschistische Imperium, denn es trägt die 
untrüglichen Zeichen des Willens des römi 
schen Liktorenbündcls. Dies war das Ziel, aus 
das durch vierzehn Jahre alle Kräfte der ita 
lienischen Nation hindrängten und das zu er 
reichen sic strebten, ein Kaiserreich des Frie 
dens. Denn Italien will den Frieden für sich 
und für die anderen, und greift znm Kriege 
nur, wenn es von feindlichen Mächten dazu 
gezwungen wird. Ein Kaiserreich der Zivili 
sation und der Humanität für alle Stämme 
Abessiniens, weil das die Mission Roms ist 
und weil das der Wille Noms ist, der die Völ 
ker seinem Schicksal entgegensührt. So gebietet 
es das Gesetz unserer Geschichte. j 
Vor uns öffnet sich jetzt eine breite Bresche 
in die Zukunft. Ich rufe es Euch zu: ! 
Die Dekrete. 
Der Faschistische Großrat und der italienische 
Ministerrat haben folgende Dekrete gebilligt, 
die noch im Laufe der Nacht vom König von 
Italien unterzeichnet worden sind. Die Dekre 
te haben folgenden Wortlaut: 
„Wir, Viktor Emanuel II!., durch die Gnade 
Gottes und den Willen der Nation König von 
Italien, haben angesichts der Dringlichkeit und 
absoluten Notwendigkeit, diese Maßnahmen zu 
treffen, nach Anhören des Faschistischen Groß 
rats und des Ministerrats ans Vorschlag des 
Regierungschefs folgendes dekretiert: 
Artikel 1: Die Gebiete und die Volksstämme, 
die dem abessinischen Kaiserreich angehörten, 
werden unter die vollständige Souveränität 
!>es italienischen Königreiches gestellt. Der Ti 
tel „Kaiser von Abessinien" wird von dem 
König von Italien und seinen Nachfolgern an 
genommen. 
Artikel 2: Abessinien wird durch einen Gc- 
neralgouvcrneur regiert und vertreten, der 
den Titel Vizekönig führt und von dem auch 
die Gouverneure von Eritrea und Jtalienisch- 
Somaliland abhängig sind. Vom Generalgou- 
verneur und Vizekönig von Abessinien hängen 
alle militärischen und zivilen Autoritäten der 
einer Rechtsprechung unterstellten Gebiete ab. 
Der Generalgouverneur und Vizekönig von 
Abessinien wird durch königliches Dekret auf 
Vorschlag des Regierungschefs ernannt. 
Artikel 3: Mit königlichem Negierungsdekret 
wird auf Vorschlag des Regierungschefs die 
Verwaltung Abessiniens festgelegt. 
Artikel 4: Das vorliegende Dekret, das vom 
age seiner Verkündung in Kraft tritt, wird 
dem Parlament zur Umwandlung in ein Ge 
setz vorgelegt werden. Der Regierungschef wird 
zur Vorlage dieses Gesetzentwurfes ermächtigt 
werden. 
Wir ordnen an, daß das vorliegende Dekret, 
das mit den Staatssiegeln versehen ist, in die 
Mschmg her Şankîisnen? 
DNB. London, 11. Mai. (Eig. Funkmelög.) 
Der Daily Telegraph hat den Eindruck, daß 
die vorläufigen Besprechungen, die übers 
Wochenende in Genf stattfanden, eine merk 
liche Versteifung zugunsten der Fortsetzung 
der Sanktionen gegen Italien gezeigt hätten. 
Der Genfer Berichterstatter des Daily Tele 
graph meldet, daß bereits 11 Staaten sich zu 
gunsten der Fortsetzung der Sanktionen aus 
gesprochen hätten. Dazu gehören die Staaten 
der Kleinen Entente und der Balkanentente 
sowie die sogenannten neutralen Staaten Nor 
wegen, Schweden, Dänemark, Holland, Spani 
en und die Schweiz. Man halte es für wahr 
scheinlich, daß Baron Aloisi gegen die An 
wesenheit eines abessinischen Vertreters am 
Ratstisch Einspruch erheben werde, weil Abes 
sinien nicht länger als unabhängiges Land be 
stehe. Es werde angenommen, daß der Vertre 
ter von Dänemark, Munch, darauf die Er 
klärung abgeben werde, daß nach Ansicht der 
nordischen Staaten Abessinien als ein Mitglie 
des Völkerbundes betrachtet werde, das seine 
eigenen Rechte habe. 
Verschiedene englische Morgenblätter, dar 
unter der Daily Telegraph, melden aus Paris, 
daß Frankreich sich ebenfalls für die vorläufige 
Fortsetzung der Sanktionen aussprechcn und 
Großbritannien in dieser Hinsicht jede Unter 
stützung gewähren werde. 
Die GêMàtzZN 
Me«r MLlagev bilden 
Leon Vlum möchte die Verantwortung teilen 
LieSesVerbeu NM die ftsnzösischen KomMMiste« 
Außenminister Nunch über den 
Völkerbund. 
DNB. Kopenhagen, 11. Mai. Am Sonn 
abendabend sprach Außenminister Munch 
von Genf aus im Rundfunk zum dänischen 
Volk. In seiner Rede erklärte Dr. Munch, daß 
die sieben Länder die Lage des Völkerbundes 
im gegenwärtigen Augenblick als besonders 
ernst und die allgemeine Lage für schwieriger 
als sonst hielten. Es sei klar geworden, daß bei 
dem bestehenden Machtsystem die Sicherheit für 
die kleinen Staaten nur gering und der Völ 
kerbund auf seiner augenblicklichen Entwick 
lungsstufe nicht stark genug sei, um die schwa 
chen Staaten gegen militärische Großmächte 
zv schützen. 
Der Landesrat der sozialistischen Partei, die 
nach dem Ausgang der französischen Wahlen 
als die Trägerin der Negierung in Frage 
kommt, hielt am Sonntag in Paris eine 
Tagung ab, auf der Generalsekretär Faure 
die Mitteilung machte, daß man entschlossen 
sei, die Verantwortung zu übernehmen. 
ozialistenführer Leon Blum erklärte, es 
liege nun an den anderen Parteien der Volks 
front, ebenfalls die Verantwortung zu über 
nehmen. Die kommunistische Partei habe sich 
der sozialistischen Partei aus Gründen der 
„organischen Einheit" angeschlossen. Warum 
könne nicht dieselbe Begründung ebenfalls in 
nerhalb der Regierung zu einer Zusammen 
arbeit führen? Nur die reaktionären Gegner 
würden ans einem Fehlschlag der Sozialisten 
Nutzen ziehen. Die Aufgabe sei, Frankreich 
vor dem Faschismus und jeglicher Reaktion zu 
bewahren. An der Spitze des ausgezeichneten 
Beamtenkörpers müßten endlich Persönlich 
keiten stehen, die ihrer Aufgabe würdig seien. 
(Beifall.) Außenpolitisch werde es die Auf 
gabe der neuen Regierung sein, das Vertrauen 
in Europa wieder herzustellen. 
Angesichts der finanziellen und monetären 
Schwierigkeiten werde die neue Regierung 
eine regorose Stellung einnehmen. Die Fragen 
der Finanzpolitik seien wohl schwerwiegend, 
doch lange nicht so schwerwiegend wie die 
Probleme von rKieg und rFieden, von Elend 
und Arbeitslosigkeit oder geringen Löhnen, die 
das Leben des Volkes direkt angingen. Zur 
Beruhigung der öffentlichen Meinung habe 
fick, die Partei entschlossen, mit Sarraut zu- i 
sammenznarbeitcn, um den Uebergang zwi 
schen den zwei Regierungen sicherzustellen. 
Zum Schluß erklärte Blum, in der bevor 
stehenden Schlacht brauche die Partei einen 
Führer. Bis zu diesem Tage habe er nie 
mals um eine derartige Autorität gebeten. 
Angesichts der neuen Umstände jedoch sei es 
nötig, daß sich im Volk ein neuer Mann er 
hebe. 
Schachzüge der Kommunisten. 
Die kommunistische Partei Frankreichs hat 
an den Lanöesrat der Sozialistischen Partei 
ein Schreiben gerichtet, in dem sie den Vor 
schlag zur Bildung einer „Einheitspartei der 
arbeitenden Klasse" macht und die sofortige 
Aufnahme von Besprechungen zwischen beiden 
Parteien fordert. 
Darüber hinaus erklärt das Schreiben noch 
mals, daß die Kommunisten nicht an der neuen 
Regierung teilnehmen, sie aber unterstützen 
werden. 
Leon Blum äußerte sich zu diesem über 
raschenden Vorschlag: 
„Unsere kommunistischen Kameraden teilen 
uns mit, daß sie entschlossen bleiben, nicht mit 
uns in die Regierung einzutreten,' zugleich 
aber dringen sie auf eine möglichst große orga 
nische Einheit. Aber wird denn nicht die orga 
nische Einheit besser verwirklicht, als in der 
gemeinsamen Regierung? Und kann denn 
etwa eine Meinungsverschiedenheit gegenüber 
dem Problem der Machtausübung der Ver 
wirklichung einer organischen Einheit die 
nen?" 
DNB. Berlin, 9. Mai. Die Deutsche Ge. 
merndeordnung hat die Fragen der Gemeinde- 
wirtschaft nur in ihren Grunözügen geregelt. 
Sie sieht jedoch in Paragraph 105 eine Aus 
füllung dieser Grundzüge im Wege der Durch 
führungsverordnungen vor. 
Als erste dieser Durchführungsverordnun 
gen ist vom Reichsminister des Innern Dr. 
Frick unter dem 5. Mai 1936 eine Rücklagen- 
verordnung erlassen worden, die sich in ihren 
einzelnen Abschnitten mit der Ansammlung, 
der Anlegung, der Verwendung und den Nach 
weis der Rücklagen in den Gemeinden befaßt. 
Die Verordnung geht von einer Reihe von 
Einzelvorschriften der Deutschen Gemeinde- 
ordnung aus, in denen die Bildung der Rück 
lagen bereits vorgeschrieben ist. In Aus 
füllung dieser Vorschriften trifft sie nähere 
Bestimmungen über die Bildung einer Be- 
triebsmittel-Nücklagc, einer allgemeinen Aus- 
gleichs-Rücklage, einer Tilgungs-Rücklage, 
einer Bürgschastssicherungs-Rücklage, von 
Erneuerungs- und Erweiterungs-Rücklagen 
und von Rücklagen für bestimmte Sonder 
zwecke und legt zugleich die Mindest- und 
Höchstsätze dieser Rücklagen fest. 
Das Ziel der Rücklagenverorönung ist die 
nachhaltige Sicherung der Finanzlage der Ge- 
mernden. Es ist in den letzten Jahren dank 
der durchgreifenden Maßnahmen der Reichs- 
regicrung gelungen, die bei der Machtüber 
nahme in weitem Umfange zerrütteten Ge 
meindesinanzen unter anerkennenswerter 
Mitarbeit aller beteiligten Stellen der Geneh 
migung näher zu bringen. Wenn auch dieser 
Gesundungsprozeß noch nicht überall ab 
geschlossen ist, so müssen doch schon jetzt die 
Maßnahmen eingeleitet werden, die geeignet 
sind, die Finanzlage der zahlreichen Gemein 
den, die ihren Haushalt wieder ausgleichen 
können, durch eine maßvolle Rücklagenpolitik 
dauernd zu sichern. Daneben soll die Verord 
nung die Gemeinden instandsetzen, ihrer Auf 
gabe als bedeutsame Auftraggeber von In 
dustrie und Handwerk nachhaltig gerecht zu 
werde», ohne den Weltmarkt in Anspruch neh 
men zu müssen. Dabei ist selbstverständlich 
nicht beabsichtigt, die Rücklagenbildung etwa 
durch neue Belastungen der Bürgerschaft z« 
fördern. 
Verantwortlicher Hauptschriftleiter und Herausgeber: tftf 
dinand Möller. 
Stellvertreter des Hauptschriftleitors: Herbert Puhlman«, 
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann; für den Sr» 
lichen und allgemeinen Teil: Adolf Dregori; für den wir« 
fchaftlichen Teil: Dr. El. Bielfcldt: für den provin- 
ziellen Teil: Karl Müller, alle tu Rendsburg. 
Bilüverantwortliche: Ressortleiter. 
Verantwortlicher Anzetgenleiter: Karl Jacobsen. Rendsburg, 
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg. 
D-A. Schleswig.Holsteinische Landeszeitimg (Rendsburg«» 
Tageblatt - Hohenwestedter Zeitung / Die Landpotz 
Paar rau-Hade maischen — Eüderbraruver Tageblatts 
D.--A. 88 IS 764 *T. *t. 7. , 
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