Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang. / Nr. 110. / Zweites Blatt. 
Landsszoituns 
Rrnbsburgrc ÄLgeblLlt 
Dienstag, den 12. Mai 1936. 
Endlich — endlich! 
Wonnemonat. Der Klang verpflichtet. Ver 
pflichtet die Winterstürme, zu weichen den 
lauen, kosenden Winden, dem blauenden Him 
mel und der güldenen Sonne. Der Januar be 
scherte uns die Frühlingstage und der 
Mai den rauhen Ost. Kritikasterliches Gemurr 
lvird den Wetterverantwortlichen in die Ohren 
geklungen haben. Bis selbst die Wetter 
gespräche zwischen Tür und Angel verstumm 
ten und weder Brötchenfrau noch Friseur mit 
uns mehr das öffentliche Aergernis jahres 
zeitlicher Begriffsverwirrung besprachen. 
Sei es, die Wettermacher haben schlechtes 
Wetter prophezeit, die Jantjes am Schiffsmast 
gekratzt oder die Lanratten den Daumen ge 
brückt — am blauen Montag des 11. Mai 
schob sich der Wolkenvorhang zur Seite, daß 
bas Frühlingsmärchen in Szene gehen könnte, 
und mit dem Aufbruch der Knospen brachen 
auch die Rendsburger auf, den erwachten 
Frühling zu bestaunen. Lange hatte der Lenz 
auf der Lauer gelegen — nun trat er in weni 
gen Stunden die Herrschaft an. Die saftigen 
Wiesen sind gesäumt von den Knicks aus Weiß 
born und duftigen Schlehen, ihr grüner Tep 
pich ist bemustert von gelben Sternen des 
Löwenzahns und der Sumpfdotterblume, 
kraftstrotzenden Kumpanen des zartgliedrigen, 
weiß-bläulichen Wiesenschaumkrautes. In den 
Gärten schimmern Millionen von Blüten, als 
buftiger Schnee auf Pflaumen- und Birnen-, 
Pfirsich- und Mandelbäumchen geschüttet. Vom 
Boden blicken das ernste Stiefmütterchen, der 
hausbackene Goldlack und das poetische Vergiß 
meinnicht versonnen zu der lieblichen Ver 
schwendung hinauf. Es ist ein Glücksrausch 
ohne Ende, wohin man blickt, herb und weich, 
voller Wehmut und Jubel, so strahlend und 
siegend. Wenn am Abend ins dunkelnde Zim 
mer der türkisfarbene Himmel den letzten 
Widerschein wirft, entsteht die trunkene Glück 
seligkeit des Tages noch einmal aus einem 
schmalen Band von Gedichten, in denen einer, 
Gottfried Keller, ausruft: „Trinkt, ihr Augen, 
was die Wimper hält, von dem goldnen Ueber- 
fluß der Welt." O 
Rendsburgs Stadtdücherei 
Die Rendsburger Stadtbücherci hat seit 
einigen Tagen ihr neues Heim in der Aöolf- 
Hitler-Schule bezogen. Es mag aus diesem An- 
kaß einiges über die Bücherei mitgeteilt wer 
ben. Sie wurde vor zwei Jahren aus den Bü 
chereien des Arbeitervereins, des Evangeli 
schen Bundes, des Quickborn und aus Bestäu 
ben des städtischen Archivs aufgebaut. Dann ist 
sie mehrfach gründlich überholt und durch 
Neuanschaffungen wesentlich ergänzt worden. 
Die Bücherei steht, was bisher noch nicht 
Allgemein bekannt zu sein scheint, jedem 
Nendsburger ohne Ausnahme zur Verfügung. 
Für die Lesekarte wird eine einmalige Ge 
bühr von 80 Pfg. erhoben, die Leihgebühr für 
wdes Buch beträgt 5 Pfg. Die Ausgabe findet 
Dienstags und Freitags von 3.30 bis 6.30 Uhr 
statt. 
Die Leitung hat es sich zur Aufgabe gemacht, 
bas beste deutsche Schrifttum der Gegenwart 
äu pflegen, und zwar dergestelt, daß neben den 
gehaltvolleren Werken auch die heiteren, span 
nenden und unterhaltenden Bücher nicht feh 
len. 
Eine kleine Auswahl aus den letzten Neu 
anschaffungen möge dies erläutern: 
1. Erzählungen und Romane: Beste: Gesine, 
Rendsburg, den 12. Mai 1936. 
das vergnügliche Leben der Doktorin Löhne 
fink. v. Eckhel: Kanni Gschaftlhuber. Eckmann: 
Eira. Brües: Fliegt der Blaufuß? Wichert: 
Hirtennovelle. Waggerl: Brot, Mütter. Luserke: 
Hasko. Friedrich: Tismas Koller der Schäfer. 
Grimm: Lüderitzland. Seidel H. W.: Krüse- 
mann. Steguweit: Der Jüngling im Feuer 
ofen. Kluge: Der Glockengießer Christoph 
Mahr. Steuben: 3 Jndianergeschichten. Kutz- 
leb: Morgenluft in Schilda. Schaper: Die ster 
bende Kirche, v. Gagern: Das nackte Leben. 
Strauß: Das Riesenspielzeug. 
2. Kricgserlebnisse u. Zeitgeschichte. Luckner: 
Mein Freund Juli Bumm. Ziegler: Verdun. 
Frank: Franz Ritter von Epp. Haslund-Chri- 
stensen: Jabonah. Gesemann: Die Flucht. 
Bade: Der Weg des 3. Reiches. Waln: Süße 
Frucht, bittre Frucht, China. Dpinger: Die 
letzten Reiter. Müller-Clemm: Held ohne 
Ruhm. Gorjanowa: Russische Passion. Law 
rence: Aufstand in der Wüste. H. 
Wieder Festrückfahrkarten 
zu Pfingsten 
Zur Erleichterung des Reise- und Aus 
flugsverkehrs zu Pfingsten d. I. läßt die 
Reichsbahn wieder Festtags- und Arbeiter 
rückfahrkarten für alle Verbindungen aus 
geben, in denen Fahrausweise des gewöhn 
lichen Verkehrs zu erhalten sind. Der Fahr 
preis der Festtagsrückfahrkarten ist, wie bei 
den Sonntagsrückfahrkarten, um 33y 3 Prozent 
ermäßigt. 
Für den Fall, daß fertiggedrucktc Fahrkarten 
nicht zu haben sein sollten, können trotzdem 
mit wenigen Ausnahmen bis zum endgültigen 
Zielbahnhof der Reise geltende Festtags- und 
Arbeiterrückfahrkarten ausgegeben werden. Da 
die Ausfertigung solcher Karten eine gewisse 
Zeit in Anspruch nimmt, ist es zu empfehlen, 
sie nach Möglichkeit schon mehrere Tage vor 
Antritt der Reise zu bestellen, damit die Ab 
fertigung an den Schaltern und in den Reise 
büros auch in den letzten Tagen vor dem Fest 
keine Verzögerung erleidet. 
Zu Pfingsten d. I. gelten die Festtagsrück 
fahrkarten 8 Tage. Sie können an allen 
Tagen in der Zeit von Donnerstag, 28. Mai, 
bis einschließlich Donnerstag, 4. Juni, zur 
Hin- und Rückfahrt benutzt werden,- die Rück 
reise muß jedoch spätestens am 4. Juni, 24 
Uhr, beendet sein. Für die Arbeiterrückfahr 
karten sind die gleichen Bestimmungen maß 
gebend. Ihre tarifmäßige Geltungsdauer von 
10 Tagen wird hierdurch jedoch nicht beschränkt. 
Die Festtags- und Arbeiterrückfahrkarten 
können bereits ab Montag, 18. Mai d. I., im 
Vorverkauf gelöst werden. Bei den Fahr 
kartenausgaben und Reisebüros sind wäh 
rend dieser Zeit auch etwa gewünschte Zu 
schlag- und Platzkarten zu haben. 
» â * 
* Sommerfahrplan der Kreisbahn. Die 
Kreisbahn veröffentlicht ihren ab Freitag, den 
15. Mai 1936 gültigen Sommerfahrplan. Der 
Fahrplan ist gegenüber dem Winterfahrplan 
wenig verändert. Auf der Strecke Hohen- 
westedt—Schenefeld ist v. S. (vor Sonn- und 
Festtagen) ein Zugpaar 17.00 Uhr ab Hohen- 
westedt, 17.35 an Schenefeld, 19.00 ab Schene 
feld, 19.30 an Hohenwestedt neu eingelegt, da 
gegen fallen an diesen Tagen die Mittagszüge 
nach Schenefeld und zurück aus. Sodann sind 
mehrere Züge früher gelegt, so z. B. der erste 
Zug nach und von Rendsburg, so daß es sich 
empfiehlt, den Fahrplan auszuschneiden und 
aufzubewahren. 
* Die Meldungen zu dem Ausfahren für 
das Jugendsportabzeichen sind wider Erwar 
ten außerordentlich zahlreich eingegangen, bis 
lang liegen 325 Meldungen vor, man rechnet 
mit einer Gesamtmeldung von mindestens 400 
Anwärtern. Unter den bisherigen Meldungen 
befinden sich 120 von Schülerinnen. Mit dem 
Anfahren wird bereits in der nächsten Woche 
begonnen. Es ist daher unbedingt notwendig, 
daß die bisher ausgelieferten Formblätter 
möglichst bald ausgefüllt an die zuständige 
Stelle, an den Sportwart des RBC. von 1894 
(Gau VII Nordmark im Deutschen Radfahrer- 
Verband), Lehrer Eberhard Krüger, Hierselbst, 
Oeverseestraße 18, abgeliefert werden. 
* Die Landsmannschaft der Nordschleswiger 
hielt am Sonnabend ihre Hauptversammlung, 
verbunden mit einem Heimatabend, im Ver 
einslokal „Colosseum" ab. Der Vereinsleiter 
gab einen kurzen Rückblick über das verflossene 
Geschäftsjahr. Der Kassenführer legte den 
Kassenbericht vor. Ihm wurde mit Dank für 
seine treue Kassenführung Entlastung erteilt. 
Die Kasse zeigte einen erfreulichen Ueberschuß. 
Der Leiter führte dann noch aus, daß die 
Landsmannschaft keinen Nachwuchs habe, da 
die früher bestehende Jugendgruppe eingegan 
gen ist. Ihre Aufgabe ist es daher, den Zu 
sammenhalt der Mitglieder zu pflegen, aber 
auch fernstehende Landsleute zu werben. Es 
wird beabsichtigt, am Sonntag, dem 7. Juni d. 
I. einen Ausflug (mit Auto) nach Nordschles 
wig (Broacker-Sonderburg-Augustenburg) zu 
Rendsburg, wie es früher aussah 
Wir hatten kürzlich einen län 
geren Aufsatz über die Wasser 
mühlen im früheren Amt 
Rendsburg veröffentlicht und 
dazu ein Bild abgedruckt, das die 
alte Mühle nach ihrem heutigen 
Aussehen zeigt. Durch die 
Freundlichkeit einer Leserin sind 
wir in der Lage, heute ein Bild 
der alten Rendsburger Wasser 
mühle aus der Zeit bringen zu 
können, als sie noch in Betrieb 
war. Vor der Mühle stehen die 
Müller, und an der Seite hält 
ein Fuhrwerk. Das Wesentliche 
an dem Bild ist, daß der alte 
Mühlengraben noch zu sehen ist, 
der überdacht war und zwischen 
dem eigentlichen Mühlengebäude 
und dem Denkerschen Hause 
floß. Heute ist bekanntlich aus 
dem Mühlengraben ein Verbin 
dungsweg nach dem Schiff 
brückenplatz geworden. rst 
Lichtbild: Archiv. 
veranstalten. Einzeichnungslisten werden in 
den nächsten Tagen herumgehen. Im Sommer 
soll ferner eine Kaffeefahrt veranstaltet wer 
den. Auf einen Antrag, auch mal Tondern und 
Umg. zu besuchen, wurde beschlossen, eine sol 
che Fahrt im nächsten Jahr zu machen, (ar.) 
* Pioniertag in Magdeburg. Zum 11. Deut 
schen Pioniertag in Magdeburg vom 10. bis 13. 
Juli 1936 treffen sich alle ehem. Pioniere der 
früheren Pionierbataillone sowie der Eisen 
bahnregimenter usw. einschl. derjenigen Ka 
meraden der Kriegsformationen, die aus die 
sen Truppen hervorgegangen sind (z. B. Mi 
nenwerfer, Scheinwerfer usw.) Verbunden mit 
dem 11. Deutschen Pioniertag findet ein Wie 
dersehenstreffen der Kameraden der ehem. 
Pionierbataillone Nr. 4, 16, 16, 19, 20 und des 
Eisenb.-Regts. 2 bei ihrem Traditionstruppen 
teil, dem Pionier-Bataillon Nr. 4 in Magde 
burg statt. Das Pion.-Batl. 4 feiert zugleich 
sein 120jähriges Bestehen und sein 75jähriges 
Garnisonjubiläum. Anmeldungen unter An 
gabe des ehem. Truppenteils und Anfragen 
an Kamerad A. Keßler, Magdeburg, Tismar- 
straße 7. Die Eisenbahn-Direktion Hannover 
gewährt für die Teilnehmer am 11. Pioniertag 
Sonntagsrückfahrkarten mit verlängerter Gül 
tigkeitsdauer (Reiseantritt frühestens am Frei 
tag, 10. 7., 12 Uhr, Reiserückfahrt spätestens 13. 
7., 24 Uhr) für alle Orte von 100 Km. im Um 
kreis von Magdeburg, des weiteren mit 260 
Km. Entfernung für folgende Abgangsstatio 
nen: Berlin, Bielefeld, Dresden, Erfurt, 
Frankfurt a. O., Goslar, Hannover, Hamburg- 
Altona, Kassel, Leipzig, Nordhausen, Naum 
burg. Für die Rückfahrt muß die Fahrkarte 
durch die Auskunftsstelle der Festleitung auf 
der Rückseite mit dem Stempel „11. Pionier 
tag Magdeburg 1936" versehen werden. 
* * • 
Sport 
Sommek-Mbeilsplm des ffllHB. 
Der RMTB. v. 1889 hat seinen Sommer-Arbeitsplan 
wie folgt aufgestellt: 
Montag: 14—18 Uhr: Mädchenturnen. 
19—21 Uhr: Schwimmen. 
20.39—22 Uhr: Gymnastik (Frauen. 
29.30—22 Uhr: Tischtennis (Hansens Gasthof). 
Dienstag: 20—22 Uhr: Geräteturnen Halle (Frauen). 
Mittwoch: 19—21 Uhr: Schwimmen. 
18— 21 Uhr Sommerspiele (Faust- und Handball). 
Donnerstag: 13—16.30 Uhr: Gymnastik (Frauen). 
19— 22 Uhr: Leichtathletik. 
20.18—22 Uhr: Gymnastik (Frauen). 
Freitag: 19—21 Uhr: Schwimmen. 
20— 22 Uhr: Geräteturnen, Platz (Männer und Alte 
Herren). 
17—19 Uhr: Knabcnturnen. 
Sonnabend: 15—19 Uhr: Allgemein (Faust-, Handball, 
Geräteturnen usw.). 
Sonntag: 9—12 Uhr: Leichtathletik. 
Gaumeifierschaslen im Radball. 
Der Gau VII, Nordmark, im Deutschen Radfahrer 
verband hält am Sonntag, 17. Mai 1986, in Neumün 
ster im Tivoli ein „Fest der Meister" ab, auf dem die 
Gaumeisterschaften im Saalradball, Kunst- und Schul 
reigenfahren und Jugendrabball ausgetragen werden. 
Um den Titel werben kämpfen die Meister der Bezirke 
Schleswig-Holstein, Hamburg-Altona, Mecklenburg-Lü 
beck. Es startet der vorjährige Deutsche Meister Falke- 
Stellingen, dessen Spieler Köping wohl der beste Rad 
ballspieler der Welt ist. 
Sportamt „Kraft durch Freude" 
Am Mittwoch, dem 13. Mai, beginnt ein 
neuer Kursus „Fröhliche Gymnastik und Spiele 
für Frauen". Er liegt am Nachmittag von 16 
bis 17.30 Uhr im „Grünen Kranz". Alle 
Frauen und jungen Mädchen, die Freude an 
der Bewegung haben, werden zur Teilnahme 
an diesem Kursus aufgefordert. 
Es laufen jetzt folgende Kurse „Fröhliche 
Gymnastik und Spiele für Frauen": 1. Mitt 
wochs, 20—21.30 Uhr, in der Aufbauschule,- 
2. Freitags, 20—21.30 Uhr, iu der Aufbauschulc; 
3. Mittwochs, 16—17.30 Uhr, im „Grünen 
Kranz". Neue Teilnehmerinnen werden in 
der Turnhalle oder im „Grünen Kranz" zu den 
angegebenen Zeiten aufgenommen. 
Um ßrfolg liegt der Beweis 
MS 
şiķ ?llU1üoj4?iui4 M> dicken runden 
^144'Uj - SjyxtvvwnAG. şck444/ xyJlro^i/|4vm444/ifi/ 
J um© -Mischling
	        
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