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129. Jahrgang.
SchleswLg-HoltîàîschL
129. Jahrgang.
Renüsburger Tageblatt
Bezugspreis: Ausgabe A Reichsmark 1.75 monatlich; Ausgabe B einschl. Illustrierte Wochenbeilage
Reichsmark 2.00. zuzügl. Bestellgeld. Einzelnummer 10 Rpfg.. auswärts 15 Rpfg.. Sonnabends 15 Rpfg.
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Nr. Ill
1836
SA. im Kampf
Der Gabentisch der Ration
^entrinn vmrr ^ ^ ... ^
NSK. Mitten im Zentrum Berlins steht ein
sonderbares Museum, vor dessen Tür eine
Puppe ausgestellt ist, eine Puppe, die form
gerecht mit allen Kennzeichen und Uniform-
stücken eines waschechten Antifa-Mannes aus
gerüstet ist und im Gürtel eine Pistole und
ein langes Dolchmesser trägt. Der Jnnenraum
selber ist eine Schreckenskammer des politischen
Etraßenkampfes der Nachkriegsjahre bis zur
Machtübernahme. Dort lagern Waffenarsenale
von Pistolen, Sprengkörpern, Knüppeln,
Messern und Totschlägern. Zwei Glaskästen
an der Wand enthalten die Zettel der im ehe
maligen Liebknechthaus gefundenen Mord-
kartei, nach deren Anschriftenangabe die maß
gebenden nationalsozialistischen Führer im
Augenblick des roten Aufstandes „umgelegt"
werden sollten.
Mit den kommunistischen Fahnen und Ter-
rorplünen, mit dem volksverhetzenden Schrif
tenmaterial und den erschütternden Dokumen
ten ist dieses zeitgeschichtliche Museum ein
wertvoller Anschauungsunterricht für Gegen
wart und Zukunft über den großen Kampf
der SA., und der gesamten Bewegung im Rin
gen um die Macht im Staate. Hier können
Nachfolgende Generationen erkennen, worum
cs eigentlich in Deutschland ging, aus welchem
Abschaum der Menschheit sich die Gegnerschaft
des Nationalsozialismus zusammenfand; hier
sollten; auch die zeitgenössischen ewigen Besser
wisser einmal eine nachdenkliche Stunde ver
bringen — es könnte ihnen nichts schaden.
Dann werden sie nämlich erkennen, wenn sie
von den Wänden und Tischen dieses Museums
die dokumentarischen Zeugen einer trostlosen
politischen Vergangenheit geradezu herab
schreien hören, daß in Zeiten, die von großen
vrdeen diktiert werden, alles und jedes das
Merkmal des Kampfes an sich trägt, daß der
Kampf der Vater aller positiven Werte dieses
Lebens ist.
Wieder steht heute die SA. im Kampfe, wie
der mit herabgezogenem Sturmriemen auf
Posten vor den Sturmlokalen, auch vor dem
Eingang des Revolutionsmuseums. Nicht,
weil sie befürchten müßte, daß gegnerische
-^errorgruppen ihr Heim stürmen könnten,
sondern weil jeder wachestehende SA.-Mann
ein schönes Heiligtum zu hüten hat: Das Ge
schenk des deutschen Volkes an den Führer.
Heute liegen in den Dienststellen der Sturm
abteilungen Listen aus. Sie tragen die Be
zeichnung „Dankopfer der Nation". Jeder
mann in Deutschland weiß heute, daß die na
tionalsozialistische Bewegung sich großgeopfert
bat. Viele Gedenktage und Gedenkstätten le-
8en davon Zeugnis ab. Aber nur der Spießer
könnte auf die Idee kommen, daß mit dem
Augenblick der Erreichung der Macht im Staa
te das alles ein Ende haben würde, ausge-
töscht und vergessen sein müßte. Solange eine
ckdce in sich lebendigen Wert trägt, solange
Mrd sie immer wieder Opfer von ihren An
hängern fordern. Wer sollte dies besser wis
sen, als die kämpfende Truppe der Bewegung?
So hat denn die SA. zu einem Opfer auf-
berufen, aus dem für deutsche Arbeiter Sied
lungen erstehen sollen. Das ist der materielle
Hintergrund. Wenige Wochen vor dem Ge
burtstag des Führers hat ihm das deutsche
^vlk sein Jawort gegeben. An seinem Ehren
tag selber aber hat sich die SA. als Trägerin
"er opferbereiten Tradition znm Fürsprecher
bes deutschen Volkes gemacht und zu einem
Zeinen Tatbeweis dieses Jasagens an der
Wahlurne aufgefordert. Nun stehen in Städ
ten und Dörfern die Männer im braunen
şimd Wache, Ehrenwache bei dem Opferfeuer,
bas tm Herzen der Nation entzündet wurde,
^enn jeder, der freiwillig zu dieser Liste
tanimt und seinen Namen mit einem seinen
Mitteln entsprechenden Betrag einträgt, ver
bot damit einen kleinen Bruchteil dessen, was
Ev dem Führer zu verdanken hat. Jeder trägt
j-*» Stück seines Herzens zum Gabentisch, in-
er bekundet: ich will Gemeinschaft üben,
ich will opfern und einen Beweis der Solida
rität ablegen.
Diese innere Haltung ist das Wesentliche
beim Dankopfer des deutschen Volkes. Es sollte
nicht darauf ankommen, daß die Regierung
durch einen Federstrich im Etat eine gewisse
Summe für Siedlungen bereitstellte (das tut
sie sowieso), sondern, daß der einzelne Volks
genosse im übertragenen Sinne seinen Ziegel
stein zum Bau herbeitrüge.
Wir sind durch die Sturmlokale in Berlin
gegangen, die heute die Tradition der SA.
pflegen, voran das Lokal des Horst-Wessel-
Sturmes, in dessen Liste sich Dr. Goebbels
eintrug. Wir sahen im Osten und im Zen
trum Berlins, in Neukölln und im Norden
geschmückte Lokale, die im Zeichen des Dank
opfers stehen. Und wir sahen im Lande drau
ßen Männer, die eiligst von der Feldarbeit
kamen, um dann ihren SA.-Dienst als Eh
renposten vor der Liste versehen zu können.
Da steht mancher, der auf dem Hemd das Ei
serne Erster trägt, dessen Aermelstreifen von
heißen Kampfjahren in der Bewegung berich
ten. Er steht wieder im Kampf.
Eines Tages, wenn aus den Ergebnissen
dieser freiwilligen Opfersammlung schmucke
Häuser irgendwo entstanden sind, wenn frohe
deutsche Arbeiterfamilien angesiedelt sind,
wenn gesunde Kinder in den Gärten spielen,
dann wird jeder, der dabei war, die Früchte
seines Opfers reifen sehen und seine Freude
genau so daran haben wie Adolf Hitler, dem
diese Kampftat der SA. einen neuen Beweis
der Volksgemeinschaft aller Deutschen in die
Hand gegeben hat.
Frankreich raffelt wieder mit dem Säbel
Nach Pariser Verlautbarungen hat der fran
zösische Generalstab dem Kriegsminister die
Verlegung einer vierten Division nach der Ost
grenze vorgeschlagen. Als Begründung war
dem Antrag des Generalstabs der Hinweis auf
die Wiederbesetzung des Rheinlandes durch
deutsche Truppen beigegeben. Es handelt sich
wohlverstanden hier nicht etwa um einen Gar
nisonaustausch oder um eine Ablösung, son
dern um eine Verstärkung der bereits an der
Ostgrenze stehenden drei französischen Divisio
nen durch eine neu hinzutretende vierte. Der
Divisionskommandeur wird mit seinem Stab
in Epinal Quartier nehmen. Außerdem ist noch
innerhalb der zweiten Grenzdivision eine Ver
schiebung nach der Grenze hin erfolgt.
Es ist den Franzosen zur lieben Gewohnheit
geworden, ihrem Bedürfnis nach Demonstra
tionen und Teilpanikcn von Zeit zu Zeit die
Zügel schießen zu lassen. Verlegungen marok
kanischer Regimenter aus dem Süden Frank
reichs nach der französischen Ostgrenze erfolg
ten zuletzt in drei Fällen während des vergan
genen Jahres. Wir erinnern in diesem Zu
sammenhang auch an die französischen Trup-
penzusammenziehungen aus Anlaß der Saar-
abstimmung. Diese neueste französische Herum-
fuchtelei mit dem Säbel aber bekommt ihre
rechte Bedeutung erst durch den Zeitpunkt, in
dem sie erfolgt, nämlich unmittelbar nach Ein
gang des englischen Fragebogens in Berlin,
der, wenn auch nicht mit unbestritten geeigne
ten Methoden wenigstens einen Versuch
macht, eine sachliche Erörterung über den Frte-
öensplan der Reichsregierung vorzubereiten.
In Paris hält man die Entsendung einer wei
teren Division an die Grenze anscheinend für
einen geeigneten „Beitrag" Frankreichs zur
Förderung einer solchen Aussprache. Anschei
nend hat der französische Generalstab die be
fremdende und sachlich unhaltbare Behauptung
der englischen Instruktion über das Ausblei
ben eines deutschen „Beitrags" zum erwünsch
ten Anlaß für diese neue Herausforderung ge
nommen.
Bolschewistische
Amtriede in Paraguay
Die Rädelsführer ausgewiesen
DNB. Asuncion, 13. Mai sEig. Funkmeldg.)
Bolschewistische Propaganda im Heer veran
laßte das Offizierkorps, energische Maßnah
men gegen den Arbeiterverband zu verlangen.
Daraufhin wurden am Dienstag der General
sekretär des Verbandes, Francisco Gaona und
eine große Zahl leitender Bolschewisten, die
einen Anfstand vorbereiteten, verhaftet und
ausgewiesen. Sie wurden nach Argentinien
abgeschoben. Der Arbeiterverband erklärte
darauf den Generalstreik, doch hatte die Streik
parole nur teilweise Erfolg. Polizei schützt die
zahlreichen Arbeitswilligen. Es herrscht über
all Ruhe. Truppenbewegungen werden demen
tiert.
Staatspräsident Franco veröffentlichte einen
Aufruf an das Volk, der begeistert aufgenom
men wurde. Der Präsident stellt darin u. a.
fest, daß das Bekenntnis gewisser Elemente
zur Revolution trügerisch sei. Es handele sich
dabei um die schlimmsten Feinde des Vater
landes, die versuchten, in den Arbeitermassen
Fuß zu fassen und im Einklang mit der Drit
ten Internationale handelten. Die Regierung
werde niemals zugeben, daß das Vaterland
der Weideplatz eines alles verneinenden Ge
sindels und ehrgeiziger Verbrecher werde.
Der Oberbefehlshaber des Heeres, Smith, gab
eine Erklärung ab, in der es heißt, er werde
alles in seiner Macht stehende tun, damit der
die Lehre der Zerstörung und des Zusammen
bruchs predigende Bolschewismus in Para
guay nicht Fuß fassen könne.
"r * SS
Jüdische Ruhestörer.
DNB. Wien, 22. Mai. Wie jetzt bekannt
wird, versuchten jüdische Zuschauer am Mon
tag bei einer Vorführung des deutschen Olym-
piafilms „Die Glocke ruft" in einem Lichtspiel
theater im Wiener Prater zu demonstrieren.
Ihnen traten arische Zuschauer entgegen. Es
entstand ein großer Tumult. Das Personal des
Theaters stellte zusammen mit Polizisten die
Ruhe wieder her.
„GrgeLrris"!
Das alte Spiel in Genf
Vertagung bis Juni — Keine Aufhebung der Sanktionen bis dahin — Die Italiener reifen ab auf Befehl Mussolinis
Einige Dutzend Minister, mehrere Dutzend
Referenten und öergl. und dazu sage und
schreibe 200 Journalisten aus aller Welt sind
in Genf zusammengekommen, um nach einem
bescheidenen Auftakt eine Erkenntnis zutage
zu fördern, die schon vorher allgemein bekannt
war, nämlich erstens, daß vor der „außeror
dentlichen Ratstagung" im Juni der Völker
bund nichts, aber auch gar nichts unternehmen
wird, und zweitens, daß Abessinien noch Mit
glied des Völkerbundes ist. Diese beiden pri
mitiven Feststellungen hätten sich mit einigen
Telegrammen von Haus zu Haus zwischen den
interessierten Regierungen erledigen lassen
und die Kosten wären znm Genfer Aufwand
im Verhältnis eines Tropfens zu einem Eimer
Wasser gestanden. Es kennzeichnete weiter die
armselige Genügsamkeit dieser Sorte von
„Völkerbund", wenn man es schon als einen
Erfolg in Genf ansieht, daß in der geheimen
Ratssitzung niemand die sofortige Aufhebung
der Sanktionen verlangt hat.
Es muß wohl doch eine leise Ahnung von der
kompromittierenden Unzulänglichkeit dieser
ganzen Genfer Spiegelfechterei bei den Nüchst-
beteiligten aufdämmern, wenn man beispiels-
iveise den Gedanken erwägt, die Verurteilung
Italiens zu wiederholen. Als wenn damit an
den von Italien geschaffenen Tatsachen auch
nur das geringste geändert würde.
Da aber der Welt der Anschein geliefert wer
den muß, daß in Genf irgend etwas Positives
geschieht, so hat man sich in den maßgeblichen
Völkerbundskreisen — in das rein akademische
Problem der Anerkennung geflüchtet. Man
hat da die nach dem amerikanischen Staatsse
kretär Stimson benannte Regel sowie den pan
amerikanischen Vertrag von 1933 ausgegraben,
wonach die durch einen Krieg erworbene Sou
veränität nicht anerkannt werden soll. Eng
land, dessen Regierung um die ostafrikanische
Frage noch unmittelbar vor der Abreise Edens
nach Genf nicht unerhebliche Meinungsver
schiedenheiten auszufechten hatte, hat bereits
mitteilen lassen, es werde die Annexion Abes
siniens durch Italien nicht anerkennen. Auch
das ist gegenüber den vollzogenen Tatsachen
praktisch selbstverständlich so gut wie bedeu
tungslos, wie ja beispielsweise der Fall Man-
öschukuo oder die Versagung der englischen
Anerkennung für den sowjetrussisch-mongolt-
schen Vertrag zeigt. Italien seinerseits, gelas
sen und völlig unbekümmert um die seltsamen
Einfälle einer überalterten Diplomatie, hat be
reits die beiden Häuser seines Parlamentes
für Donnerstag und Sonnabend einberufen,
um der Tatsache der Einverleibung Abessiniens
nun auch schleunigst den juristischen, d. h. ge
setzlichen Untergrund zu geben. Es betont da
mit in denkbar drastischster Form, daß es an
dem Genfer Rummel in keiner Weise interes
siert ist, und daß es höchstens noch durch den
Austritt aus dem Völkerbund eine endgültige
Antwort in der Sanktionsfrage geben wird.
Der Austritt wird von Italien übrigens auch
dann erwogen, wenn der Völkerbund durch
das fiktive Festhalten an der bisherigen abes-
sinischen Erscheinungsform den König von
Italien in die Position eines „Gegenkaisers"
zu drängen versuchen sollte.
*
Ueber die Genfer Tagung liegen uns noch
folgende Berichte vor:
Vorläufig Veibehallung der Sanktionen.
DNB. Gens, 12. Mai. Der Völkcrbuudsrat
hat Dienstag nachmittag in öffentlicher Sitzung
— in Abwesenheit der italienischen Delegier
ten — folgende Entschließung angenommen:
Der Rat, der berufen ist, den italicnisch-
abessinischen Konflikt zu untersuchen, erinnert
an die Feststellungen und Entscheidungen, die
in dieser Sache seit dem 3. Oktober 1935 getrof
fen worden sind. Er ist der Ansicht, daß eine
Frist notwendig sei, um seinen Mitgliedern
die Prüfung der Lage zu ermöglichen, die durch
die schwerwiegenden neuen Schritte der ita
lienischen Regierung entstanden ist.
Der Rat beschließt, am 15. Juni seine Bcra-
tnttgen über die Angelegenheit wieder aufzn-
nchmen und erachtet, daß es nicht angebracht
sei, die Maßnahmen abzuändern, die durch die
Völkervundsmitglieder gemeinsam getroffen
worden sind.
*
Die politische Gesamtlage wird auch nach der
Vertagung in Genf keine Entspannung erfah
ren. Man muß vielmehr mit dem Gegenteil
rechnen. Die Londoner Times, die noch am
letzten Freitag die Nachricht gebracht hatte«