daß 5te Marinesolöaten der Mittelmeerflotte
in Kürze bei ihren Familien in England sein
würden, bringt am Montag die Meldung von
der Verstärkung der englischen Mittelmeer
slotte. Die Times melden den Abbruch der
Manöver im Atlantischen Ozean und die Aus
reise von 11 Einheiten der Nordseeflotte in das
Mittelmeer. Auch die Londoner Exhünge-
agentur bringt Montag abend die gleiche Mel
dung. Da die englische Regierung im Unter
hause bisher ausweichende Antworten gegeben
hat, so ist anzunehmen, daß wir noch vor wei
teren Schritten Englands stehen. Ihnen ist ent
gegenzusetzen Italiens eiserner Wille, keinen
Fuß breit zurückzugehen, komme, was wolle.
In diesen Gegensätzen ist die politische Situa
tion der kommenden Wochen enthalten. Für
die nächste Tagung des Völkerbundsrates im
Juni wird aber mitentscheidend die Stellung
nahme der kommenden französischen Links-
rcgierung sein. Leon Blum hat auf der Ta
gung des sozialistischen Partetvorstattdes am
Sonntag und Montag erklärt: „Der Völker
bund und seine Grundlage ist für uns die erste
Richtlinie der Außenpolitik."
Sie italienische Selegalion verlähl
auf V§' g Mussolinis Gens.
Wie am Dienstag gegen %% Uhr nachmittags
bekannt wurde, hat die italienische Delegation
von Mussolini die Anweisung erhalten, Genf
sofort zu verlassen. Baron Aloist hat darauf
den Generalsekretär des Völkerbundes ver
ständigt, daß er an den Arbeiten des Rates
nicht mehr teilnehmen könne. Weitere Erklä
rungen wurden von italienischer Seite nicht
abgegeben.
In Völkerbundskreisen wird der italienische
Schritt als Unterstreichung des gestrigen Pro
testes gegen die Anwesenheit eines abesstnt-
schen Vertreters aufgefaßt. Man hatte bereits
damit gerechnet, daß Aloist auf Grund dieses
Protestes in der für Dienstag nachmittag an
beraumten öffentlichen Ratssitzung nicht er
scheinen werde. Andererseits ist man sich aber
auch bewußt, daß in der italienischen 'Veste
eine neue Drohung mit dem Austritt ans dem
Völkerbund liegt.
*
Auch die Aesi-Locarno-MWe
Verlagen sich.
DNB. Gens, 12. Mai. Ueber die von den
Vertretern Frankreichs, Englands und Bel
giens am Dienstagnachmittag abgehaltene
Sitzung zur Erörterung der Locarnofrage
wurde folgende Verlautbarung ausgegeben:
Die Vertreter Belgiens, Frankreichs und
des Vereinigten Königreiches von Groß-Bri-
tannien und Irland, die sich anläßlich -der Ta
gung des Völkerbundsrates in Genf befanden,
haben heute e.ine Sitzung abgehalten. Dabei
wurde unterstrichen, daß es wichtig wäre, die
unternommenen Bemühungen zum Erfolge
führen zu sehen. Jedoch muß festgestellt wer
den, daß die Untersuchung, die gemäß der Ver
abredung von dem britischen Vertreter zur
Klärung einer Anzahl von Punkten des Me
morandums der deutschen Regierung vorge
nommen wurde, nicht beendet sei.
Unter diesen Umständen haben sie es für
zweckmäßig befunden, ihre Entscheidung bis zu
einer späteren Zusammenkunft zurückzustellen.
Sie sind der Meinung, daß es alsbald nach
Eingang der deutschen Antwort der Locarnv-
mächte angezeigt erscheine, unverzüglich zum
Zwecke des Austausches der Meinungen in
Fühlung zu treten.
*
England und die Verlagung der Aals-
sitzung.
DNB. London, 13. Mai. (Eig. Futtkm.) Die
Morgenpresse nimmt allgemein die in London
erwartete Vertagung der Ratssitzung mit
einer gewissen Erleichterung auf. Alle Zeitun
gen hoffen, wenn auch unter verschiedenen
Gesichtspunkten, daß in der Zwischenzeit der
in England seit langem gewünschte Umbau des
Völkerbundes vorbereitet werden könne.
Die Times schreiben, der Völkerbundsrat
hübe offensichtlich das Richtige getan/ seine
Aussprache über die Lage in Abessinien um
einen Monat zu vertagen. Es sei einer der
Fülle, wo in det Aufschiebung Weisheit Und
Nicht Schwäche liegt.
Der Daily Telegraph meint, die Zurück
ziehung der italienischen Abordnung von Gens
sei von einer logischen Folgerichtigkeit. Von
Anfang an habe Mussolini darauf bestanden,
daß die Auseinandersetzung mit Abessinien
Italiens eigene Angelegenheit sei. Nur Hitz
köpfe würden bedauern, daß eine Zeit für'
Ueberlegungen entstanden sei.
Die Morningpost äußert zynisch, der Völker
bund habe bei seiner 62. Sitzung seinen Ruf
gewahrt, den er in den vergangenen 91 Sitzun
gen erworben habe: „Der Völkerbundsrat
kam, sah und vertagte sich". Der Völkerbund
müsse, wenn er ein Garant von Frieden und
Sicherheit sein solle, in der Lage sein, sich auf
hie unmittelbare und bedingungslose Unter
stützung aller seiner Mitglieder zu verlassen.
Die einzige Gewißheit, die man aus der Er
fahrung der vergangenen 12 Monate erlangt
habe, sei die, daß man noch in einer Welt lebe,
wo der starke Arm die einzige Garantie für
Sicherheit sei.
Ueber das italienische Vorgehen berichtet
Her diplomatische Korrespondent. des Daily
Französische Frontkämpfer an ihre deutschen Kameraden
Verständigung «m der Ankunft Europas willen
Im Namen aller französischen Front
kämpferverbände übergab der Generalsekretär
des Spttzenverbandes, Rivollet, der deutschen
und französischen Presse eine Botschaft, tu der
es u. a. heißt:
Deutsche Kameraden^
Die französischen Frontkämpfer wenden sich
an Euch. Die gegenwärtigen Tage und die
Tage, die kommen werden, können entscheidend
sein für die Zukunft Europas und für die Zu
kunft unserer beiden Länder. Wir haben 62
Monate hindurch hart und ohne Falsch gegen
einander gefochten. Sehen wir uns gerade in
die Augen und sprechen wir offen zueinander!
Als französische Soldaten haben wir unser
Vaterland verteidigt und es gibt keinen
Franzosen, der nicht auch heute bereit wäre,
es erneut zu verteidigen, wenn die Stunde
schlagen sollte. Doch da wir den Krieg ken
nen, wollen wir ihn nicht wieder erleben. Wir
sind Gegner des Krieges, weil wir Menschen
sind, und weil ein allgemeiner Wcltenbrand
den Untergang der europäischen Kultur be
siegeln würde, die durch Jahrhunderte wäh
rende Mühe und Arbeit geschaffen wurde, und
für die unsere beiden Länder ihr Bestes her
gegeben haben. Wir erklären mit Nachdruck
und aus unserer Erfahrung heraus, daß die
jenigen, die den Krieg entfesseln, den Krieg
niemals auch nur erleben, und daß diejeni
gen, die ihn erleben, niemals seine Nutznießer
sind.
Die Regierungen unserer Länder haben
Frieüenspläne veröffentlicht. Was müssen wir
Deutsche und Franzosen sehnlichst wünschen?
Einen würdevollen und dauerhaften Frieden
für Deutschland, für Frankreich und für ganz
Europa, einen Frieden, in dem das Recht ge
achtet und die Ordnung gesichert ist, einen
Frieden, in dessen Schoß jede Nation die Ver
antwortung für die Sicherheit aller anerkennt
Wir rufen Euch deutschen Kameraden zu,
daß die Stunde der aufrichtigen Versöhnung
endlich schlagen mutz, daß unsere Interessen
und unsere Pflichten es erfordern, gemein
schaftlich auf ihr Nahen zu dringen durch eine
gleiche und wechselseitige Anstrengung im
Geiste des Einvernehmens, das es uns ermög
licht, uns gegenseitig zu verstehen und kennen
zu lernen. Unsere Mission als Frontsoldaten
ist, im Gedenken der Opfer an Toten, im Ge
denken an unsere eigenen Opfer ans dieser
Welt die Gewalt, die Ungerechtigkeit, die Un
aufrichtigkeit und das Unwissen auszumerzen,
die stets Quellen des größten Unheils sind.
Wir müssen, Ihr und wir, unsere Völker leh
ren, sich zu verständigen und zu verstehen.
Wir müssen in unseren Nationen diesen Wil
len wecken, von dem die freimütige Gegenüber
stellung der beiderseitigen Wünsche und Ve
lange beseelt sein muß. So wird das gute Ein
vernehmen geschaffen werden, das unsere Zu
kunft sichern wird.
Wir französischen Frontsoldaten sind bereit
zu diesem Werk, das unsere Länder versöh
neu und Europa befrieden soll, und aus die
sem Grunde bieten wir Euch die Hand und rich
ten an Euch diesen feierlichen Aufruf.
* * *
„Lueen Mry" fein gmgneier
Hilfskreuzer.
Das Wunderwerk der englischen Schiffbau
technik „Queen Mary" mit ihren 80 000 Ton
nen, die demnächst ihre Jungfernkeise über den
Ozean antreten soll, wird in England von vie
len Seiten als ein wertvoller Hilfskreuzer im
Kriegsfall angesprochen. Hiergegen wendet sich,
Telegraph aus Genf, Italien habe dem
Generalsekretär des Völkerbundes eine Mit
teilung unterbreitet, die an alle Mitglieder in
Umlauf gesetzt werden solle. Darin werde
eine Reihe von Anklagen gegen Großbritan
nien erneuert. So werde besonders ans die
angebliche Lieferung von Dumdumgeschossen
aus England an Abessinien Bezug genommen.
Die Mitteilung enthalte eine neue Serie von
Greuelphotographien. Aehnliche Anschuldi
gungen, die von Italien im Februar gemacht
wurden, seien sofort und überzeugend von der
britischen Regierung zurückgewiesen worden.
Die Wiederholung dieser Behauptungen er
folge in einer Art, die die schärfste und be
stimmtcste Zurückweisung seitens der briti
schen Regierung erfordere. Es könne kein
Zweifel bestehen, daß die vergangenen 48
Stunden den Eindruck einer verstärkten eng
lisch-italienischcn Spannung gemacht hätten.
Die diplomatischen Korrespondenten wurden
im Foreign Office davon unterrichtet, daß der
italienische Botschafter die britische Regierung
von der Einverleibung Abessiniens unter
richtet habe. Gleichzeitig seien auch die fran
zösische und die amerikanische Regierung da
von verständigt worden«
Kleine Pause in Genf.
Die Augen der ganzen Welt richten sich in diesen Tagen wieder
nach Genf: „Was wird der Völkerbund tun?" Bekanntlich kam es
schon bei Beginn der ersten vertraulichen Sitzung zu einem Zwi
schenfall, bei dem der italienische Vertreter, Bäron Aloist, der die An
wesenheit eines abessinischen Teilnehmers nicht dulden wollte, den
Saal verließ. Wir sehen hier Baron Aloisi mährend einer Verhand
lungspause im Gespräch mit dem italienischen Botschafter in Bern,
(Pressephoto, K.)
Damaro.
Wieder Schifsbruch eines Seglers.
Es hat den Anschein, als ob die Naturgewalten der Romantik des
Meeres, den Segelschiffen, den Untergang bereiten wollten. Jetzt
ist auch dieser gewaltige schwedische Viermaster „Abraham Rydberg"
in der Nacht zum 10. Mat in dichtem Nebet mit einem englischen
Dampfer zusammengestoßen und schwer leck geworden.
^Associated Preß, K.s
und zwar auffallend scharf, der „Naval and
Military Record". Vier 20 000-Tonnen-Şchiffe
würden, so etwa meint er, militärisch gesehen,
unvergleichlich viel mehr wert sein als ein
80 000-Tonner. Die „Queen Mary" sei, so pa
radox das klingen möge, so wertvoll, daß sie
im Kriege wertlos sein würde. Gewiß, man
könne eine ganze Infanteriedivision auf ihr
einschiffen. Man könne sie auch als Flugzeug
träger umbauen. Immer aber, und darin muß
man dem „Record" recht geben, sei das Risiko
des Verlustes ungeheuer groß. Wer wollte es
auf sich nehmen, Tausende von Soldaten einem
einzigen Schiff anzuvertrauen.
Vom militärischen Standpunkt aus ist die
Steigerung der Größe der Handelsschiffe über
ein gewisses Maß hinaus kein Vorteil mehr,
sondern ein Nachteil. Dem ist noch hinzuzufü
gen, daß ein Niesenschiff wie „Queen Mary"
eine geradezu ungewöhnlich gute Scheibe dar
stellt, an der selbst ans große Entfernungen
kaum vorbeigeschossen werden kann. Auch ihre
höchste Dauergeschwindigkeit, die man vielleicht
auf 30 Sm. (56 Stdklm.) ansetzen kann, ist z. B.
mit der der 32 leichten französischen Kreuzer,
deren neuester kürzlich einen neuen Schnellig
keitsrekord mit 45 Sm. (83 Stdklm.) aufstellte,
nicht zu vergleichen. Alles in allem wird matt
dem Record dahin recht geben müssen, daß die
Ozeanriesen, wie die englische „Queen Mary",
die französische „Normandie" oder die italie
nische „Rex" für militärische Zwecke doch nur
sehr bedingt verwendet werden können.
Vir fragen „Zm!y Telegraph".
DNB. Berlin, 12. Mat. Der diplomatische
Korrespondent des „Daily Telegraph" berich
tete seinem Blatt aus Genf, „daß der deutsche
Reichskanzler kürzlich in einem Gespräch von
dem geschwächten Ansehen Großbritanniens
gesprochen habe", und fügte dieser Behauptung
hinzu, daß die kleinen Staaten sich beeilt hät
ten, dem englischen Außenminister zu ver
sichern, daß sie dies für eine grundlose Ver
unglimpfung Großbritanniens hielten.
Da diese Behauptung des Korrespondenten
offensichtlich aus den Fingern gesogen ist und
ersichtlich zu dem Zweck verbreitet wird, Stim
mung für die Aufrechterhaltung der Sanktio
nen zu machen, stellen wir dem Korresponden
ten des „Daily Telegraph" die präzise Frage:
Wann, wo und wem gegenüber hat der Füh
rer diese angebliche Aeußerung getan? Es ist
endlich an der Zeit, den internationalen Brun
nenvergiftern das Handwerk zu legen!
Ein MMllMilglieÄ schuldig
im BgtfMjetmipffßttöal?
Im britischen Versicherungsskandal wurde
der Sekretär des britischen Kabinetts, Sir
Maurice Hankey, als Zeuge vernommen. Sir
Maurice Hankey erklärte, daß ein Durchsickern
des Haushaltsgeheimnisses nur durch das Ka
binett selbst möglich sei. Ein Verrat durch
einen Diener oder eine andere Person komme
nicht in Frage. .
Auslösung von Ortsgruppen der Deutsche»
Vereinigung durch die polnischen Behörden.
DNB. Warschau, 12. Mai. Nachdem vor
kurzem in zehn Ortschaften des Kreises Kem
pen die Tätigkeit der dortigen Abteilungen der
„Deutschen Vereinigung" wegen angeblicher
Verstöße gegen das Bereinsgesetz verboten
worden war, sind diese Organisationen der
deutschen Volksgruppe nunmehr durch die
Behörden aufgelöst worden. Ebenso wurden
im Kreise Ostrowv vier Organisationen der
„Deutschen Vereinigung" behördlicherseits auf
gelöst.
ZA WSNîgen Zelle«
Tokio. Wie die Zeitung „Tokio Asahi Schim-
bnn" über die Parlamentssitzung berichtet, soll
die japanische Regierung ihre Entschlossenheit
zum Ausdruck gebracht haben, im Heer die
schärfste Disziplin wieder herzustellen und alle
für die Landesverteidigung erforderlichen
Maßnahmen unter Berücksichtigung der Sow
jetrüstungen im Fernen Osten zu ergreifen.
London. Ueber die Sondersitzung des briti
schen Kabinetts am Montag werden in der
Presse widersprechende Meldungen verbreitet.
Während einerseits behauptet wird, daß sich die
Regierung mit der Lage Aegyptens beschäftigt
habe, heißt es andererseits, daß die Spannun
gen in Palästina den Gegenstand der Beratun
gen gebildet Hütten. Ueber die abessinische
Frage sei nicht gesprochen worden.
Addis Abeba. Zur systematischen Besetzung
des gesamten abessinischen Gebietes wurden
vöm italienischen Oberkommando mehrere
Kolonnen gebildet, die demnächst ihren Vor
marsch in verschiedener Richtung antreten sol
len.
Verantwortlicher hauptschriftletlei und herausgebet: Fet-
dinottd Möller.
Etellvetteeter des Hauptschriftleiters: herber» Puhlmann-
Verantwürtlich für Politik: herber» Puhlmann; für den ört
lichen und allgemeinen Teil: Adolf Gregort; für den wir»«
Ichafilichen Teil: Dr. Cl. Bielseldt: für den provin
ziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg.
Bildverantwortliche: Resfortleiter.
-Verantwortlicher Änzetgenleiter: Karl Jacobsen, Rendsburg-
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg.
D*A. Schleswig.Holsteinische Landeszeitung (Rendsburgs
Tageblatt — Hohenwestedter Zeitung / Die Landpost
Hanêrau.hademarfchen -- Süderbraruper Tageblatt),
D.-A. IV 86 13 764 PI. Nr. 7.
Beilagenhinweis.
Einem Teil der heutigen Postauslage ist eî»
Werbeblatt der Firma H. W. Stichel, Rendsburg-
Jungfernstieg 23 (Haus- und Küchengeräte), beige--