Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

wen, 
Senô 
DîeLandestierzucht vor neuenAufgabeņ 
Schafzucht und .Haltung 1936 
Der Landesverband der Schleswig-Holsteinischen 
Schafzüchter hatte gestern Freiherrn von Gump- 
penberg, Pöttmes, Reichsverbandsleiter der deut 
schen Schafzucht, zu Gast. Landesverbandsleiter 
Claus Thormählen brachte diesen Ausnahmefall in 
seinen Begrüßungsworten vor der zahlreich er 
schienenen Besucherschaft gebührend zum Ausdruck. 
Das Gumppeubergsche Wort: „Deutschland braucht 
^chase wie das tägliche Brot" besage eindeutig die 
Notwendigkeit der Ausdehnung der Schafbestände. 
Wir sind in diesem Bestreben im Verlaus der letzten 
i^ahre zwar e,n beträchtliches Stück vorangekom 
men, aber noch weit entfernt vom gesteckten Ziel. 
Schleswig-Holstein hat freilich in der Ausweitung 
der Bestände bis jetzt noch den Durchschnittssatz des 
Reiches halten können, eS bedarf aber großer An 
strengungen, um sich weiterhin über dem Reichs 
mittel zu bewegen. Leider sei in Folgewirkung der 
Eindeichung ein unliebsamer Weideflächenverlust zu 
beklagen, der sich je eingedeichter Koog auf etwa 
2000 «chase beläuft. Diese Herden anderswo un 
terzubringen, ist schwierig, aber nicht unmöglich. 
Nach neueren Erhebungen sind z. B. in der Be 
triebsgrößenklasse über 128 Hektar beträchtliche 
Flächen der Provinz ohne Schafhaltung. Hier muß 
unter gebührlicher Beachtung der betriebswirtschaft 
lichen Eigenheiten Wandel geschaffen werden, sei 
es, daß die Besitzer die Flüchen selbst ausnutzen, sei 
es, daß man den Bezirksschäfereien die Nutzung 
überläßt. 
Die Schafhaltung der Provinz ist zu 80 vH bäuer 
lich. zu je 20 vH entfällt sie auf die Bezirks 
schäfereien und auf den Großgrundbesitz. Auch in 
den Bauernbetrieben wird in nächster Zeit die Er 
hebung über die noch schafloseu Flächen fortgesetzt. 
Diese mit Schafen zu besetzen, ist die grobe Auf 
gabe, von deren Gelingen die erstrebte Ausdeh 
nung abhängt. 
Den Einwand mangelnder Mittel macht die 
Kreditaktiou des Reichsverbandes hinfällig. Wenn 
in Schleswig-Holstein bis jetzt davon wenig Ge 
brauch gemacht wurde, so ist das erstens darin be 
gründet. daß bei den hochgewichtigen Fleischschafen 
der Beitragsanteil prozentual geringer ausfällt, 
und zweitens darin, daß die Gewährung des Bei 
trags von dem Ankauf von 30 Tieren abhängig 
gemacht wird. Der Ausweg des Zusammengehens 
mehrerer Interessenten ist aus der Natur der Sache 
heraus nicht entsprechend beschritten worden. Ins 
gesamt sind in der Provinz von 76 Antragsgesuchen 
88 genehmigt worben. 1804 Schafe konnten mit rd 
40 000 MM beließen werden. Die dem Verband 
dadurch entstehenden Unkosten sind mit 1100 MM 
sehr hoch. . 
Die Schäferfrage muß der Lösung nähergebracht 
werden. An den abgehaltenen Schäferkursen nah 
men 200 Menschen teil. 70 von ihnen konnte der 
Meister-, 21 der Gchilfenbrief ausgehändigt wer- 
ren. Der Schäfer übt eine ausgesprochene Ver- 
trauenstätigkeit aus, seine bekannte Abseitsstellung 
im Betrieb ist darum besonders falsch und von ver 
hängnisvollen Folgen. Was soll man z. B. dazu 
sagen, wenn der Schäfer jaus einer Prüfung) nicht 
einmal über den letztjäyrigen Wvllerlös etwas aus 
zusagen wußte. 
Die Wollablieferung hat stch in ihrer neuartigen 
Form besser eingespielt. Mit der Einschränkung 
der Nassen ist auch der unterschiedliche Sorten 
anfall geringer geworden. 96 vH des schleswig- 
holsteinischen Wollgefälles liegen in den Klassen 
D bis E, für unsere Verhältnisse ein gutes Er 
gebnis, mit dem man sich aber nicht zufrieden geben 
darf: durch Zurückdrängen der groben Wollen ist 
die Klassenweite noch weiter einzuengen. 
Die Herdbnchsührnng liegt jetzt zentralisiert in 
Kiel. Angeschlossen sind rd. 780 Züchter «gegen das 
Vorjahr ein Zugang von 170) mit reichlich 5000 
Tieren «im Vorjahr 3700). Das Ziel ist, noch wet 
tere 2500 Tiere hereinzubringen. 
Aus den Bockkörungen wurden rd. 450 Weiß- und 
178 Schwarzköpfe angekört, außerdem noch drei ost 
friesische Milchschafe. 
Auf den Auktionen konnten von rd. 360 angebo 
tenen Weißköpfen 240 verkauft werden zu einem 
Durchschnittspreis von 470 MM. Der Anteil von 
80 vH Lammböcken wirkte preiserniedrigend. Die 
Preise schwankten zwischen 65 und 1200 MM, 
so daß jedem Schashalter irgendein Ankauf möglich 
war. An Schwarzköpfen sind von 83 angebotenen 
Tieren 85 verkauft zu einem Mittelpreis von 
136 MM, der teuerste Bock erzielte 425 MM. Der 
gesamte, auf den Auktionen erzielte Umsatz belief 
sich aus 47 000 MM, Private Zuchtauktionen haben 
die Preise der Schwarzkopfschafe gedrückt. 
Es ist beabsichtigt, mit der Vockkörung eine Aus- 
waylschau und Prämiierung weiblicher Tiere zu 
verbinden, was im vergangenen Jahr durch die 
seuchenpolizeilichen Bestimmungen unmöglich wurde. 
Die Reichsnährstanösausstellung in Hamburg 
zeitigte gute Ergebnisse, bes. unter Vergleich mit 
den 1934 in Hamburg erreichten „Mitlei5s"erfolgen. 
Zur Weiöesettviehausstellung in Husum waren 104 
Schafe aufgetrieben, davon 36 eingetragene. Das 
Material war erstklassig. Die Ausschlachtung als 
Hauptzweck ist nicht gemacht, wir erwarten es von 
der Mastausstellung in Hamburg 1937. 
Leistungsprüfungen sind im südwestholsteinischen 
Bezirk bereits seit 1930 regelmäßig mit großem 
Erfolg durchgeführt: es nahmen dort 80 vH der 
eingetragenen Züchter daran teil. Eine Steigerung 
des Wollertrages um 2 vH je Tier dürfte auf Sicht 
îÌ^iì^ïuï î'es Reichsbeauftragten für Tierzucht Freiherrn von Gumppenberg 
rn nrer uver ^.rerzuchtfragen der Gegenwart - Tagung der Schafzüchter »nd Schäfer 
durch planmäßige Auswahl auf Grund der Lei 
stuugsprüfung möglich sein. 
Die Arbeite» für 1838 
werden einschneidend beeinflußt durch das neue 
Vatertiergesetz, so u. a. durch die Einführung der 
Körklassen A und B. Ins Herdbuch werden nur 
von A-Bücken abstammende Tiere aufgenommen. 
Wir beabsichtigen, für die breite Landeszucht ein 
Borregister einzurichten. Es wird vermehrte Ar 
beit bringen, auch wird der eingetragene Bestand 
Schwankungen unterworfen sein, es liefert aber 
wünschenswerte Anhaltspunkte für die Verer- 
bungskrast. 
Die Wollauktion in Bremen findet am 11. Juli 
statt. Die Mehranlieferung 1935 «gegen 1934) be 
trug 2000 Zentner. Mit 2,35 Kg. Ablieferungsge- 
wicht je Schaf steht die Provinz an 2. Stelle. 
Die Bockkörnng wird im August durchgeführt, 
hoffentlich nach den Richtlinien des Vatertterge- 
setzes. Vermehrte Sammelplätze crleichtcru die Kö 
rungsarbeit. — Die Auktionen finden im Septem 
ber an denselben Plätzen statt. 
Ausbauwürdig sind die seit längerem in Süö- 
west-Holstein gängigen Bockhaltungsgemeinschaften. 
Als lose Zusammenschlüsse verhelfen sie auch dem 
Züchter mit weniger Tieren zu wertvollerem Blut. 
Daß die Bockhaltung mit viel Risiko verbunden 
ist, ist bekannt. Die Verbandsleitung gedenkt hier 
helfend einzugreifen durch die Vvck-Ersatzbeschaf- 
fung. Gegen Einzahlung eines Beitrags «nicht Ver 
sicherungsprämie) bis zu 3 vH. «auf Antrag bis 
8 vH.) des Wertes wird dem Bockhalter die Ersatz- 
beschassung auf der nächsten Auktion durch Auszah 
lung des Auktionspreises an den Verkäufer ermög 
licht. Ein etwaiger Ueberschußbetrag wird dem Er 
steigerer für den nächsten Ankauf gutgeschrieben. 
Es ist erfreulich, daß die Eiderstedter Bauern 
ihre Schmarzköpfe nach Frankfurt a. M. zur 
Reichvnährstanbsschau schicken werden. Gumppen 
berg wird dort richtungweisende Ausführungen 
über den Marschweg für die Schwarzkopszucht ma 
chen. Auch die Reichs-Elitebockschau in Berlin 
wird beschickt werden,- zur abwartenden Haltung ist 
kein Grund mehr vorhanden. 
Schaszuchthaltung auf bäuerlicher Grundlage 
ist das vorwieg. Kennzeichen in Schleswig-Holstein, 
erklärte Retchsverüandsleiter Gumppenberg erläu 
ternd. Lanöesverbandsleiter Thormählen hat auf 
dieser Grundlage aufgebaut und die Zucht und 
Haltung des Schafes in rühmenswertem Ausmaße 
vorwärts getrieben. Es läuft noch nicht überall so 
im Reich. Ich kann nur bitten, daß in diesem Sinne 
weitergearbeitet wird. 
Seien wir uns klar über das Wie unserer Er 
folge! 
Ohne die unerhörte Disziplin den zentralen An 
weisungen gegenüber, sei es in züchterischer oder 
organisatorischer Hinsicht, wäre dieser Schritt nach 
vorwärts undenkbar, lind für die zukünftige Ar 
beit gilt in verstärktem Maße die Devise, daß nicht 
Großgrundbesitz und Hochzucht die alleinigen Trieb 
kräfte des Fortschritts sind: das letzte Tier des 
kleinsten Bauern muß der Leistungssteigerung er 
schlossen werden. Wir stehen erst am Ansang un 
serer Ausgabe. 
Das Thema Wollpreis 
Major Bräuer behandelte in seiner Eigenschaft 
als Hauptgeschästsführer der Reichswollverivertung 
«Abteilung Berlin) die Wollfestpreise und die Auf 
gaben der Reichswollverivertung. Der Festpreis ist, 
so hieß es, zwar nicht zu hoch, er erlaubt aber 
sicheres Wirtschaften. Eine Preiserhöhung auf 
Grund der jetzigen großen Nachfrage ist nicht an 
gebracht. 
Eine Vereinfachung der «strukturmäßig beding 
ten) verwickelten sog. Festpreistabelle durch eine 
vereinfachte Gruppierung der Wollsortimente wür 
be zu einer qualitütswidrigen Beivertung führen: 
letztere setzt Sachverstand und reiche Erfahrung 
voraus, wobei ständige Revision des Urteils durch 
Kontrollwäschen unentbehrlich ist. 
Die Gründung der Reichswollverwertung ist eine 
Folgeerscheinung des Festpreises und aufzufassen 
als ein Unternehmen des Schafhalters selbst. Zur 
Taxarbeit werden regelmäßig Schafhalter heran 
gezogen. Der einmal ermittelte Festpreis ivird 
nicht geändert. 
Strittige Punkte. 
Die Gewichtsermittlung ist heikel, da die Wolle 
ihr Gewicht von Tag zu Tag ändern kann. Irgend 
wo aber muß das Gewicht neutral festgestellt wer 
den. Die jetzige Regelung, daß bei Eingang die 
Wolle gewogen wird und etwaiger Schwund zu 
Lasten der Käufer geht, ist für den Erzeuger vor 
teilhaft. Die Vergleiche mit Vorjahres- oder auf 
dem Nachbarhof erzielten Preisen usw. sind trü 
gerisch. Man möge der Taxkommission vertrauen 
Der regierungsseitige AusgleichSsonds existiert 
nicht mehr. Somit kann man auch nichts mehr von 
ihm fordern. 
Die Beiträge werden, sobald wie möglich — er 
nieörigt werden. Die Forderung, die Wolle nach 
dem Waschen zu wiegen, läuft den Wünschen der 
Fabrikanten oft zuwider, schließt zudem die Taxa 
tion nicht aus 
Anträge auf Selbstverwertung über den «jetzt 
aufgelockerten) Eigenverbrauch hinaus, etwa in 
Form von Umtausch usw., kann nicht entsprochen 
werden. Das gesamte Wollgefälle muß zentral 
verwertet werden, abgesehen davon, daß beim Um 
tausch der Erzeuger zumeist übervorteilt wird. — 
Landcsfachschaftsivart Dierks sprach in Vertre 
tung für den erkrankten Schäfermeister Schubert- 
Melzdorf über die Ausgaben des Schäfcrstandes. 
Man würde allseitig zur Weiterentwicklung des 
Schäferstandes beitragen. Dabei gelte es, dem 
Lohn- und Tarifvertragssystem die anhaftende 
Starrheit zu nehmen in Richtung leistungsentspre 
chender Entlohnung. 
„Tierzuchtsragen der Gegenwart" 
Auf einer Nachmittagsversammlung in der Ton 
halle - unter Anwesenheit des Landesbauernfüh 
rers Struve, bes Landesobmannes Matthießen, 
des Landeshauptabteilungsleiters III Petersen — 
ergriff Freiherr von Gumppenberg das Wort. Eine 
unverkennbare «pannung lag über den zahlreich 
anwesenden Tierzuchtbetreuern der Provinz, ver 
mutete man doch mit Recht, daß das angekündigte 
Thema „Tierzuchtsragen der Gegenwart" bedeut 
same, der breiten Oeffentlichkeit noch nicht be 
kannte Einzelheiten über die künftige organisato 
rische und züchterische Neuregelung enthüllen bezw. 
klarstellen werde. Die Zuhörer dürsten nicht ent 
täuscht aus dem Saal gegangen sein. Mit redne- 
rischein Geschick wurde zunächst die Frage nach dem 
Warum und Wie früherer tierzüchterischer Betäti 
gung beantivortet und in einem ausführlichen 
zweiten Teil auf die der Zukunst gewiesenen Auf 
gaben eingegangen: im Mittelpunkt dieser Betrach 
tung standen die beiden wichtigsten Gesetze, das 
Vatertiergesetz und das Gesetz über die Pflicht- 
leistungskontrolle bei der Milch. 
un der Vergangenheit, so hieß es in einem ein 
leitenden Rückblick, suchten die Züchter durch frei 
willigen Zusammenschluß tn den Zuchtverbänden 
die Leistung ihrer Herden voranzutreiben, wobei sie 
erhebliche finanzielle Opfer nicht scheuten. Die Er- 
'olge auf allen Gebieten der Tierzucht sind zu be 
kannt und ragen weit über jene Erfolge hinaus, 
die die breite Landestierzucht zu erzielen vermochte. 
Auf Grund der Zielsetzung ihrer Arbeit blieben die 
außerhalb der Verbandsorganisation stehenden 
Tierhalter unberührt. 
Die Parole der «nicht schlagwortartig zu werten 
den, sondern lebensnotwendigen) Erzeugungs 
chlacht hat die der Tierzucht für die Zukunft ge- 
'lellten Aufgaben verbreitert und vertieft. Wir 
können es uns nicht mehr leisten, daß der Bauer 
steizügig im Verlaufe der Zeit den Bestrebungen 
der Erzeugungssteigerung «zögernd) seine Kräfte 
leiht. Das Tempo der Leistungssteigerung ist uns 
vorgeschrieben, es gilt darum mitzumarschieren 
und die diesbezüglichen Maßnahmen zu trcşşen. 
Die bisherige Leistung der Züchterverbände ist 
Fundament und Ausgangspunkt für die kommende 
Arbeit der Landestierzucht, die dahin zu umschrei 
ben ist, auch die letzte Kuh des kleinen Mannes 
auf die ihm naturbedinat gewiesene Leistungsform 
I zu bringen. Die Kräfte der Verbände sind für die 
sen gewaltigen Aufgabenkreis unentbehrlich, aber 
sie reichen allein nicht aus. Wir müssen vielmehr 
alle Handhaben ausnutzen, die die bewährten Mit 
tel: Auswahl bester Vatertiere und Leistungskon 
trolle möglichst schnell auch in der Landestierzucht 
zur Auswirkung gelangen lassen. 
Ueber eins müssen wir uns freilich klar sein: 
Trotz aller Maßnahmen, gute Vatertiere zu be 
nutzen und die Rassen zu bereinigen — weil Kreu 
zungen in der Regel in den nächstfolgenden Gene 
rationen leistungsschwächer werden — dürfen wir 
die Kuh mit 1800 Liter Jahresleistung z. Z. nicht 
totschlagen, es sei denn, daß dieses Tier durch 
Mehrleistung der restlichen Herde ersetzbar wird. 
Das Vatertlergesctz umfaßt alle bisherigen Teil 
lösungen. Es ist mit Spannung erivartet ivordcn, 
aber manche Hemmungen gab es zu überivtnden. 
Grundgedanke ist die Förderung bodenständiger 
Tierzucht, bodenständig nicht im Sinne einer gerin 
gen, sondern einer bei naturgemäßer Haltung be 
friedigenden Leistung, nicht nur in der 1.. sondern 
konstant in den nächstfolgenden Generationen. 
Ewige Fremdzufuhr von Blut — es wurde beispiel 
haft an die «wenn einmal begonnen, dann ewig nö 
tige) Zufuhr brabantischen Blutes zur Auffrischung 
der Kaltblutschläge erinnert — hat mit Bodenstän 
digkeit nichts zutun und darf nicht gefördert werden. 
Die Weiterverwendung eines Vatcrtieres zur 
Zucht ist abhängig von dem Urteil der Körkommis 
sion. Der Deckschein A berechtigt zur Verwendung 
in dem Gesamtgebiet der Landesbauernschaft, der 
Deckschein B zur Verwendung im eigenen Betrieb. 
Wir wollen — auf ausdrückliche Weisung des 
Reichsbauernsührers hin — die züchterische Ini 
tiative nicht unnütz einengen, deshalb ist niemand 
die Beschreitung eigener züchterischer Wege im 
ngenen Betrieb untersagt: die Verfügungsbeschrün 
kung nach der raffe- und gütemäßigen Seite hin 
fängt außerhalb des Betriebes an. 
Inwieweit die Körung von Abstammungspapie 
ren «Herdbuch usw.) abhängig gemacht werden soll, 
ist Angelegenheit der Landesbauernschaft: generell 
für das Reich läßt sich dieses nicht festlegen, da der 
Bedarf an Zuchttieren «und bes. in einer Ueüer- 
aangszeit) sehr verschieden ist. 
In der Versorgung mit preiswürdigen Vater 
tieren sind dem Herdbuchzüchter große Aufgaben 
gestellt. Es soll mich dabei sehr freuen — ich be 
tone es — wenn ein Stammzüchter ein Tier her 
ausbringt, nach dem sich ganz Deutschland reißt« 
dafür hat er seinen Lohn verdient. Aber es geht 
nicht an, daß die Zielsetzungen der Landestierzucht 
leiden durch zu hohe Bepreisung von Zuchttieren, 
die eben über dem Durchschnitt liegen. Es werde» 
darum die Verkaufsveranstaltungen der Verbände 
einer schärferen Kontrolle durch die Landesbauern 
schaften unterzogen werden müssen: dabei läßt sich 
durch mengenmäßige Sicherstellung des Bedarfs 
bereits eine gewisse Regulierung der Preise bewir 
ken. Höchst- und Festpreise für Zuchttiere festzu 
setzen, liegt nicht in unserer Absicht, wie sollte man, 
diese Absicht unterstellt, den variablen Qualitäts- 
Verhältnissen und Bewertungsmaßstäben gerecht 
werden? Wer aber könnte andererseits an der Er 
haltung von gewissen, zum überwiegenden Teil 
notbedingten Mißstänüen einer vergangenen Zeit 
ein Interesse haben? Helfen ivir alle jegliche Art 
Blendwerk beseitigen, auf daß ehrliches, gesundes 
Marktgebahren Platz greifen kann! Die erlassenen 
Bestimmungen über den Verkehr mit Nutz- und 
Zuchtvieh greifen hier fördernd ein. 
Ich kehre zurück zur Körordnung: Neben den 
Verbandsköruugen laufen die großen, sog. Sam 
melkörungen. Sie mögen anfänglich als unbequem 
empfunden werden, sind aber von großer erziehe 
rischer Bedeutung. Seit 4 Jahren z. V. kennt man 
sie in meinem heimatlichen Bayern: ursprünglich 
wurden sie auch dort als lästig hingenommen, heute 
rangieren sie als züchterischer Festtag, durch Ver 
gleich zu neuer züchterischer Arbeit anspornend. 
In organisatorischer Hinsicht dürfte sich die Lan 
deskörstelle in 5 Gruppen unterteilen, in die für 
Pferde, Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen usw.. 
Sie untergliedern sich wiederum in Körstellen, 
deren Zahl verschieden groß ist, je nach den Ver 
hältnissen. Die Körkommission wird sich aus einem 
ierzuchtbcamten, einem Herdbuchbeamten und 
einem Herdbuchzüchter zusammensetzen. — Im übri 
gen kommen demnächst die Ausführungsbestimmun 
gen heraus, die über Einzelheiten Klarheit schaf 
fen werden. 
Das Gesetz über die Pslichtleistungskontrolle bei 
der Milch regelt den zweiten Faktor zur Leistungs 
steigerung. Man erwäge seine Folgewirkungen, 
wenn die 86 Proz. des jetzt unkontrollierten deut 
schen Kuhbestandes auf 50—40 Proz. herunterge 
drückt werden! „Gelingt Euch das, so erklärte ein 
holländischer Züchter, dann seid Ihr in 5 Jahren 
Butterexportland." Ich bin sicher, daß sich die 
ersten Erfolge bereits in 2—3 Jahren bemerkbar 
machen werden: fast überflüssig dabei zu erwähnen, 
daß es nicht mit einer bloßen Registrierung der 
Milch getan ist, ihr muß vielmehr die eingehende 
Beratung mehr als gleichrangig zur Seite stehen. 
Der Landesbauernschaft ist es im einzelnen über 
lassen, bis zu welcher Kopfzahl sie die Herden für 
die Kontrolle erfassen will: es schwankt m. W. im 
Reich zwischen 2—7 Köpfen. 
Sie haben in Schleswig-Holstein bereits 32 Proz. 
der Kontrolle unterzogen, ein günstiger Stand! 
Wie aber wollen sie in die restlichen 68 Proz. Kuh- 
bestand eine Bresche schlagen, ohne neue Wege zu 
beschreiten! 
Das ist nötig. Deshalb werden wir alle Tier 
zuchtverbände einer Landesbauernschaft in einen 
Landesverband zusammenschließen: der sich nicht 
mit rot, rot- oder schwarzbunt usw. zu beschäftigen 
hat, sondern nur mit dem Gegenstand Kuh, und 
zwar getreu den Weisungen der übergeordneten 
Stellen. Man möge den Landesverband nicht als 
eine Bevormundung der Züchterverbände betrach 
ten, er liefert ihnen nur die fehlende Hilfsstellung. 
An dieser Stelle komme ich zu dem hier und da 
einer Polemik unterzogenen Tierzuchtamt «mei 
netwegen auch Außendienststelle genannt). Sie 
werden im Gebiet der Landesbauernschaft einge 
richtet und sind unentbehrlich zur raschen prakti 
schen Durchführung der von oben vorgezeichneten 
Linie. Ich sehe keinen anderen Weg, um mein Ziel, 
keinen Züchter zwecks Leistungssteigerung unorga 
nisiert zu sehen, in die Tat umzusetzen. 
Ohne den Landesverband fehlt die vermittelnde 
Stelle zwischen Zentrale und Praxis. Deshalb ist 
sie unentbehrlich. Man möge vertrauensvoll mit 
ihr arbeiten. Dr. B. 
Der Harrsbefttz 
zur Reform des Beleihungsmesens. 
Im Mittelpunkt der diesjährigen Verbands 
tagung der Haus- und Grundbesitzervereine stan 
den Erklärungen des Präsidenten des Zentralver 
bandes der Haus- und Grunöbesitzervereine, Tri- 
bius, über die Bemühungen des Verbandes zur 
Schaffung eines gesunden Hypothckenrechts. Tri- 
bius berichtete zunächst über das bisherige Ergeb 
nis der Verhandlungen mit den Banken, Kredit 
instituten und insbesondere mit den Versicherungen- 
Hierbei betonte Präsident Tribius mit aller Ent 
schiedenheit, daß eine völlige Reform des Be 
leihungswesens eintreten müsse, und die Zinssätze 
das vor dem Kriege übliche Maß nicht überschrei 
ten dürften. Tribius formulierte eine Reihe For- 
deruugen des Hausbesitzes in folgenden zehn Punk 
ten, die im Hypothekenrecht bei den Versicherungen 
zur Geltung kommen werden: 
1. In Zukunft sollen Auswertungshypotheken 
grundsätzlich nicht mehr fällig gemacht werden. Eine 
Kündigung solle nur dann ausgesprochen werden« 
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