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Senô
DîeLandestierzucht vor neuenAufgabeņ
Schafzucht und .Haltung 1936
Der Landesverband der Schleswig-Holsteinischen
Schafzüchter hatte gestern Freiherrn von Gump-
penberg, Pöttmes, Reichsverbandsleiter der deut
schen Schafzucht, zu Gast. Landesverbandsleiter
Claus Thormählen brachte diesen Ausnahmefall in
seinen Begrüßungsworten vor der zahlreich er
schienenen Besucherschaft gebührend zum Ausdruck.
Das Gumppeubergsche Wort: „Deutschland braucht
^chase wie das tägliche Brot" besage eindeutig die
Notwendigkeit der Ausdehnung der Schafbestände.
Wir sind in diesem Bestreben im Verlaus der letzten
i^ahre zwar e,n beträchtliches Stück vorangekom
men, aber noch weit entfernt vom gesteckten Ziel.
Schleswig-Holstein hat freilich in der Ausweitung
der Bestände bis jetzt noch den Durchschnittssatz des
Reiches halten können, eS bedarf aber großer An
strengungen, um sich weiterhin über dem Reichs
mittel zu bewegen. Leider sei in Folgewirkung der
Eindeichung ein unliebsamer Weideflächenverlust zu
beklagen, der sich je eingedeichter Koog auf etwa
2000 «chase beläuft. Diese Herden anderswo un
terzubringen, ist schwierig, aber nicht unmöglich.
Nach neueren Erhebungen sind z. B. in der Be
triebsgrößenklasse über 128 Hektar beträchtliche
Flächen der Provinz ohne Schafhaltung. Hier muß
unter gebührlicher Beachtung der betriebswirtschaft
lichen Eigenheiten Wandel geschaffen werden, sei
es, daß die Besitzer die Flüchen selbst ausnutzen, sei
es, daß man den Bezirksschäfereien die Nutzung
überläßt.
Die Schafhaltung der Provinz ist zu 80 vH bäuer
lich. zu je 20 vH entfällt sie auf die Bezirks
schäfereien und auf den Großgrundbesitz. Auch in
den Bauernbetrieben wird in nächster Zeit die Er
hebung über die noch schafloseu Flächen fortgesetzt.
Diese mit Schafen zu besetzen, ist die grobe Auf
gabe, von deren Gelingen die erstrebte Ausdeh
nung abhängt.
Den Einwand mangelnder Mittel macht die
Kreditaktiou des Reichsverbandes hinfällig. Wenn
in Schleswig-Holstein bis jetzt davon wenig Ge
brauch gemacht wurde, so ist das erstens darin be
gründet. daß bei den hochgewichtigen Fleischschafen
der Beitragsanteil prozentual geringer ausfällt,
und zweitens darin, daß die Gewährung des Bei
trags von dem Ankauf von 30 Tieren abhängig
gemacht wird. Der Ausweg des Zusammengehens
mehrerer Interessenten ist aus der Natur der Sache
heraus nicht entsprechend beschritten worden. Ins
gesamt sind in der Provinz von 76 Antragsgesuchen
88 genehmigt worben. 1804 Schafe konnten mit rd
40 000 MM beließen werden. Die dem Verband
dadurch entstehenden Unkosten sind mit 1100 MM
sehr hoch. .
Die Schäferfrage muß der Lösung nähergebracht
werden. An den abgehaltenen Schäferkursen nah
men 200 Menschen teil. 70 von ihnen konnte der
Meister-, 21 der Gchilfenbrief ausgehändigt wer-
ren. Der Schäfer übt eine ausgesprochene Ver-
trauenstätigkeit aus, seine bekannte Abseitsstellung
im Betrieb ist darum besonders falsch und von ver
hängnisvollen Folgen. Was soll man z. B. dazu
sagen, wenn der Schäfer jaus einer Prüfung) nicht
einmal über den letztjäyrigen Wvllerlös etwas aus
zusagen wußte.
Die Wollablieferung hat stch in ihrer neuartigen
Form besser eingespielt. Mit der Einschränkung
der Nassen ist auch der unterschiedliche Sorten
anfall geringer geworden. 96 vH des schleswig-
holsteinischen Wollgefälles liegen in den Klassen
D bis E, für unsere Verhältnisse ein gutes Er
gebnis, mit dem man sich aber nicht zufrieden geben
darf: durch Zurückdrängen der groben Wollen ist
die Klassenweite noch weiter einzuengen.
Die Herdbnchsührnng liegt jetzt zentralisiert in
Kiel. Angeschlossen sind rd. 780 Züchter «gegen das
Vorjahr ein Zugang von 170) mit reichlich 5000
Tieren «im Vorjahr 3700). Das Ziel ist, noch wet
tere 2500 Tiere hereinzubringen.
Aus den Bockkörungen wurden rd. 450 Weiß- und
178 Schwarzköpfe angekört, außerdem noch drei ost
friesische Milchschafe.
Auf den Auktionen konnten von rd. 360 angebo
tenen Weißköpfen 240 verkauft werden zu einem
Durchschnittspreis von 470 MM. Der Anteil von
80 vH Lammböcken wirkte preiserniedrigend. Die
Preise schwankten zwischen 65 und 1200 MM,
so daß jedem Schashalter irgendein Ankauf möglich
war. An Schwarzköpfen sind von 83 angebotenen
Tieren 85 verkauft zu einem Mittelpreis von
136 MM, der teuerste Bock erzielte 425 MM. Der
gesamte, auf den Auktionen erzielte Umsatz belief
sich aus 47 000 MM, Private Zuchtauktionen haben
die Preise der Schwarzkopfschafe gedrückt.
Es ist beabsichtigt, mit der Vockkörung eine Aus-
waylschau und Prämiierung weiblicher Tiere zu
verbinden, was im vergangenen Jahr durch die
seuchenpolizeilichen Bestimmungen unmöglich wurde.
Die Reichsnährstanösausstellung in Hamburg
zeitigte gute Ergebnisse, bes. unter Vergleich mit
den 1934 in Hamburg erreichten „Mitlei5s"erfolgen.
Zur Weiöesettviehausstellung in Husum waren 104
Schafe aufgetrieben, davon 36 eingetragene. Das
Material war erstklassig. Die Ausschlachtung als
Hauptzweck ist nicht gemacht, wir erwarten es von
der Mastausstellung in Hamburg 1937.
Leistungsprüfungen sind im südwestholsteinischen
Bezirk bereits seit 1930 regelmäßig mit großem
Erfolg durchgeführt: es nahmen dort 80 vH der
eingetragenen Züchter daran teil. Eine Steigerung
des Wollertrages um 2 vH je Tier dürfte auf Sicht
îÌ^iì^ïuï î'es Reichsbeauftragten für Tierzucht Freiherrn von Gumppenberg
rn nrer uver ^.rerzuchtfragen der Gegenwart - Tagung der Schafzüchter »nd Schäfer
durch planmäßige Auswahl auf Grund der Lei
stuugsprüfung möglich sein.
Die Arbeite» für 1838
werden einschneidend beeinflußt durch das neue
Vatertiergesetz, so u. a. durch die Einführung der
Körklassen A und B. Ins Herdbuch werden nur
von A-Bücken abstammende Tiere aufgenommen.
Wir beabsichtigen, für die breite Landeszucht ein
Borregister einzurichten. Es wird vermehrte Ar
beit bringen, auch wird der eingetragene Bestand
Schwankungen unterworfen sein, es liefert aber
wünschenswerte Anhaltspunkte für die Verer-
bungskrast.
Die Wollauktion in Bremen findet am 11. Juli
statt. Die Mehranlieferung 1935 «gegen 1934) be
trug 2000 Zentner. Mit 2,35 Kg. Ablieferungsge-
wicht je Schaf steht die Provinz an 2. Stelle.
Die Bockkörnng wird im August durchgeführt,
hoffentlich nach den Richtlinien des Vatertterge-
setzes. Vermehrte Sammelplätze crleichtcru die Kö
rungsarbeit. — Die Auktionen finden im Septem
ber an denselben Plätzen statt.
Ausbauwürdig sind die seit längerem in Süö-
west-Holstein gängigen Bockhaltungsgemeinschaften.
Als lose Zusammenschlüsse verhelfen sie auch dem
Züchter mit weniger Tieren zu wertvollerem Blut.
Daß die Bockhaltung mit viel Risiko verbunden
ist, ist bekannt. Die Verbandsleitung gedenkt hier
helfend einzugreifen durch die Vvck-Ersatzbeschaf-
fung. Gegen Einzahlung eines Beitrags «nicht Ver
sicherungsprämie) bis zu 3 vH. «auf Antrag bis
8 vH.) des Wertes wird dem Bockhalter die Ersatz-
beschassung auf der nächsten Auktion durch Auszah
lung des Auktionspreises an den Verkäufer ermög
licht. Ein etwaiger Ueberschußbetrag wird dem Er
steigerer für den nächsten Ankauf gutgeschrieben.
Es ist erfreulich, daß die Eiderstedter Bauern
ihre Schmarzköpfe nach Frankfurt a. M. zur
Reichvnährstanbsschau schicken werden. Gumppen
berg wird dort richtungweisende Ausführungen
über den Marschweg für die Schwarzkopszucht ma
chen. Auch die Reichs-Elitebockschau in Berlin
wird beschickt werden,- zur abwartenden Haltung ist
kein Grund mehr vorhanden.
Schaszuchthaltung auf bäuerlicher Grundlage
ist das vorwieg. Kennzeichen in Schleswig-Holstein,
erklärte Retchsverüandsleiter Gumppenberg erläu
ternd. Lanöesverbandsleiter Thormählen hat auf
dieser Grundlage aufgebaut und die Zucht und
Haltung des Schafes in rühmenswertem Ausmaße
vorwärts getrieben. Es läuft noch nicht überall so
im Reich. Ich kann nur bitten, daß in diesem Sinne
weitergearbeitet wird.
Seien wir uns klar über das Wie unserer Er
folge!
Ohne die unerhörte Disziplin den zentralen An
weisungen gegenüber, sei es in züchterischer oder
organisatorischer Hinsicht, wäre dieser Schritt nach
vorwärts undenkbar, lind für die zukünftige Ar
beit gilt in verstärktem Maße die Devise, daß nicht
Großgrundbesitz und Hochzucht die alleinigen Trieb
kräfte des Fortschritts sind: das letzte Tier des
kleinsten Bauern muß der Leistungssteigerung er
schlossen werden. Wir stehen erst am Ansang un
serer Ausgabe.
Das Thema Wollpreis
Major Bräuer behandelte in seiner Eigenschaft
als Hauptgeschästsführer der Reichswollverivertung
«Abteilung Berlin) die Wollfestpreise und die Auf
gaben der Reichswollverivertung. Der Festpreis ist,
so hieß es, zwar nicht zu hoch, er erlaubt aber
sicheres Wirtschaften. Eine Preiserhöhung auf
Grund der jetzigen großen Nachfrage ist nicht an
gebracht.
Eine Vereinfachung der «strukturmäßig beding
ten) verwickelten sog. Festpreistabelle durch eine
vereinfachte Gruppierung der Wollsortimente wür
be zu einer qualitütswidrigen Beivertung führen:
letztere setzt Sachverstand und reiche Erfahrung
voraus, wobei ständige Revision des Urteils durch
Kontrollwäschen unentbehrlich ist.
Die Gründung der Reichswollverwertung ist eine
Folgeerscheinung des Festpreises und aufzufassen
als ein Unternehmen des Schafhalters selbst. Zur
Taxarbeit werden regelmäßig Schafhalter heran
gezogen. Der einmal ermittelte Festpreis ivird
nicht geändert.
Strittige Punkte.
Die Gewichtsermittlung ist heikel, da die Wolle
ihr Gewicht von Tag zu Tag ändern kann. Irgend
wo aber muß das Gewicht neutral festgestellt wer
den. Die jetzige Regelung, daß bei Eingang die
Wolle gewogen wird und etwaiger Schwund zu
Lasten der Käufer geht, ist für den Erzeuger vor
teilhaft. Die Vergleiche mit Vorjahres- oder auf
dem Nachbarhof erzielten Preisen usw. sind trü
gerisch. Man möge der Taxkommission vertrauen
Der regierungsseitige AusgleichSsonds existiert
nicht mehr. Somit kann man auch nichts mehr von
ihm fordern.
Die Beiträge werden, sobald wie möglich — er
nieörigt werden. Die Forderung, die Wolle nach
dem Waschen zu wiegen, läuft den Wünschen der
Fabrikanten oft zuwider, schließt zudem die Taxa
tion nicht aus
Anträge auf Selbstverwertung über den «jetzt
aufgelockerten) Eigenverbrauch hinaus, etwa in
Form von Umtausch usw., kann nicht entsprochen
werden. Das gesamte Wollgefälle muß zentral
verwertet werden, abgesehen davon, daß beim Um
tausch der Erzeuger zumeist übervorteilt wird. —
Landcsfachschaftsivart Dierks sprach in Vertre
tung für den erkrankten Schäfermeister Schubert-
Melzdorf über die Ausgaben des Schäfcrstandes.
Man würde allseitig zur Weiterentwicklung des
Schäferstandes beitragen. Dabei gelte es, dem
Lohn- und Tarifvertragssystem die anhaftende
Starrheit zu nehmen in Richtung leistungsentspre
chender Entlohnung.
„Tierzuchtsragen der Gegenwart"
Auf einer Nachmittagsversammlung in der Ton
halle - unter Anwesenheit des Landesbauernfüh
rers Struve, bes Landesobmannes Matthießen,
des Landeshauptabteilungsleiters III Petersen —
ergriff Freiherr von Gumppenberg das Wort. Eine
unverkennbare «pannung lag über den zahlreich
anwesenden Tierzuchtbetreuern der Provinz, ver
mutete man doch mit Recht, daß das angekündigte
Thema „Tierzuchtsragen der Gegenwart" bedeut
same, der breiten Oeffentlichkeit noch nicht be
kannte Einzelheiten über die künftige organisato
rische und züchterische Neuregelung enthüllen bezw.
klarstellen werde. Die Zuhörer dürsten nicht ent
täuscht aus dem Saal gegangen sein. Mit redne-
rischein Geschick wurde zunächst die Frage nach dem
Warum und Wie früherer tierzüchterischer Betäti
gung beantivortet und in einem ausführlichen
zweiten Teil auf die der Zukunst gewiesenen Auf
gaben eingegangen: im Mittelpunkt dieser Betrach
tung standen die beiden wichtigsten Gesetze, das
Vatertiergesetz und das Gesetz über die Pflicht-
leistungskontrolle bei der Milch.
un der Vergangenheit, so hieß es in einem ein
leitenden Rückblick, suchten die Züchter durch frei
willigen Zusammenschluß tn den Zuchtverbänden
die Leistung ihrer Herden voranzutreiben, wobei sie
erhebliche finanzielle Opfer nicht scheuten. Die Er-
'olge auf allen Gebieten der Tierzucht sind zu be
kannt und ragen weit über jene Erfolge hinaus,
die die breite Landestierzucht zu erzielen vermochte.
Auf Grund der Zielsetzung ihrer Arbeit blieben die
außerhalb der Verbandsorganisation stehenden
Tierhalter unberührt.
Die Parole der «nicht schlagwortartig zu werten
den, sondern lebensnotwendigen) Erzeugungs
chlacht hat die der Tierzucht für die Zukunft ge-
'lellten Aufgaben verbreitert und vertieft. Wir
können es uns nicht mehr leisten, daß der Bauer
steizügig im Verlaufe der Zeit den Bestrebungen
der Erzeugungssteigerung «zögernd) seine Kräfte
leiht. Das Tempo der Leistungssteigerung ist uns
vorgeschrieben, es gilt darum mitzumarschieren
und die diesbezüglichen Maßnahmen zu trcşşen.
Die bisherige Leistung der Züchterverbände ist
Fundament und Ausgangspunkt für die kommende
Arbeit der Landestierzucht, die dahin zu umschrei
ben ist, auch die letzte Kuh des kleinen Mannes
auf die ihm naturbedinat gewiesene Leistungsform
I zu bringen. Die Kräfte der Verbände sind für die
sen gewaltigen Aufgabenkreis unentbehrlich, aber
sie reichen allein nicht aus. Wir müssen vielmehr
alle Handhaben ausnutzen, die die bewährten Mit
tel: Auswahl bester Vatertiere und Leistungskon
trolle möglichst schnell auch in der Landestierzucht
zur Auswirkung gelangen lassen.
Ueber eins müssen wir uns freilich klar sein:
Trotz aller Maßnahmen, gute Vatertiere zu be
nutzen und die Rassen zu bereinigen — weil Kreu
zungen in der Regel in den nächstfolgenden Gene
rationen leistungsschwächer werden — dürfen wir
die Kuh mit 1800 Liter Jahresleistung z. Z. nicht
totschlagen, es sei denn, daß dieses Tier durch
Mehrleistung der restlichen Herde ersetzbar wird.
Das Vatertlergesctz umfaßt alle bisherigen Teil
lösungen. Es ist mit Spannung erivartet ivordcn,
aber manche Hemmungen gab es zu überivtnden.
Grundgedanke ist die Förderung bodenständiger
Tierzucht, bodenständig nicht im Sinne einer gerin
gen, sondern einer bei naturgemäßer Haltung be
friedigenden Leistung, nicht nur in der 1.. sondern
konstant in den nächstfolgenden Generationen.
Ewige Fremdzufuhr von Blut — es wurde beispiel
haft an die «wenn einmal begonnen, dann ewig nö
tige) Zufuhr brabantischen Blutes zur Auffrischung
der Kaltblutschläge erinnert — hat mit Bodenstän
digkeit nichts zutun und darf nicht gefördert werden.
Die Weiterverwendung eines Vatcrtieres zur
Zucht ist abhängig von dem Urteil der Körkommis
sion. Der Deckschein A berechtigt zur Verwendung
in dem Gesamtgebiet der Landesbauernschaft, der
Deckschein B zur Verwendung im eigenen Betrieb.
Wir wollen — auf ausdrückliche Weisung des
Reichsbauernsührers hin — die züchterische Ini
tiative nicht unnütz einengen, deshalb ist niemand
die Beschreitung eigener züchterischer Wege im
ngenen Betrieb untersagt: die Verfügungsbeschrün
kung nach der raffe- und gütemäßigen Seite hin
fängt außerhalb des Betriebes an.
Inwieweit die Körung von Abstammungspapie
ren «Herdbuch usw.) abhängig gemacht werden soll,
ist Angelegenheit der Landesbauernschaft: generell
für das Reich läßt sich dieses nicht festlegen, da der
Bedarf an Zuchttieren «und bes. in einer Ueüer-
aangszeit) sehr verschieden ist.
In der Versorgung mit preiswürdigen Vater
tieren sind dem Herdbuchzüchter große Aufgaben
gestellt. Es soll mich dabei sehr freuen — ich be
tone es — wenn ein Stammzüchter ein Tier her
ausbringt, nach dem sich ganz Deutschland reißt«
dafür hat er seinen Lohn verdient. Aber es geht
nicht an, daß die Zielsetzungen der Landestierzucht
leiden durch zu hohe Bepreisung von Zuchttieren,
die eben über dem Durchschnitt liegen. Es werde»
darum die Verkaufsveranstaltungen der Verbände
einer schärferen Kontrolle durch die Landesbauern
schaften unterzogen werden müssen: dabei läßt sich
durch mengenmäßige Sicherstellung des Bedarfs
bereits eine gewisse Regulierung der Preise bewir
ken. Höchst- und Festpreise für Zuchttiere festzu
setzen, liegt nicht in unserer Absicht, wie sollte man,
diese Absicht unterstellt, den variablen Qualitäts-
Verhältnissen und Bewertungsmaßstäben gerecht
werden? Wer aber könnte andererseits an der Er
haltung von gewissen, zum überwiegenden Teil
notbedingten Mißstänüen einer vergangenen Zeit
ein Interesse haben? Helfen ivir alle jegliche Art
Blendwerk beseitigen, auf daß ehrliches, gesundes
Marktgebahren Platz greifen kann! Die erlassenen
Bestimmungen über den Verkehr mit Nutz- und
Zuchtvieh greifen hier fördernd ein.
Ich kehre zurück zur Körordnung: Neben den
Verbandsköruugen laufen die großen, sog. Sam
melkörungen. Sie mögen anfänglich als unbequem
empfunden werden, sind aber von großer erziehe
rischer Bedeutung. Seit 4 Jahren z. V. kennt man
sie in meinem heimatlichen Bayern: ursprünglich
wurden sie auch dort als lästig hingenommen, heute
rangieren sie als züchterischer Festtag, durch Ver
gleich zu neuer züchterischer Arbeit anspornend.
In organisatorischer Hinsicht dürfte sich die Lan
deskörstelle in 5 Gruppen unterteilen, in die für
Pferde, Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen usw..
Sie untergliedern sich wiederum in Körstellen,
deren Zahl verschieden groß ist, je nach den Ver
hältnissen. Die Körkommission wird sich aus einem
ierzuchtbcamten, einem Herdbuchbeamten und
einem Herdbuchzüchter zusammensetzen. — Im übri
gen kommen demnächst die Ausführungsbestimmun
gen heraus, die über Einzelheiten Klarheit schaf
fen werden.
Das Gesetz über die Pslichtleistungskontrolle bei
der Milch regelt den zweiten Faktor zur Leistungs
steigerung. Man erwäge seine Folgewirkungen,
wenn die 86 Proz. des jetzt unkontrollierten deut
schen Kuhbestandes auf 50—40 Proz. herunterge
drückt werden! „Gelingt Euch das, so erklärte ein
holländischer Züchter, dann seid Ihr in 5 Jahren
Butterexportland." Ich bin sicher, daß sich die
ersten Erfolge bereits in 2—3 Jahren bemerkbar
machen werden: fast überflüssig dabei zu erwähnen,
daß es nicht mit einer bloßen Registrierung der
Milch getan ist, ihr muß vielmehr die eingehende
Beratung mehr als gleichrangig zur Seite stehen.
Der Landesbauernschaft ist es im einzelnen über
lassen, bis zu welcher Kopfzahl sie die Herden für
die Kontrolle erfassen will: es schwankt m. W. im
Reich zwischen 2—7 Köpfen.
Sie haben in Schleswig-Holstein bereits 32 Proz.
der Kontrolle unterzogen, ein günstiger Stand!
Wie aber wollen sie in die restlichen 68 Proz. Kuh-
bestand eine Bresche schlagen, ohne neue Wege zu
beschreiten!
Das ist nötig. Deshalb werden wir alle Tier
zuchtverbände einer Landesbauernschaft in einen
Landesverband zusammenschließen: der sich nicht
mit rot, rot- oder schwarzbunt usw. zu beschäftigen
hat, sondern nur mit dem Gegenstand Kuh, und
zwar getreu den Weisungen der übergeordneten
Stellen. Man möge den Landesverband nicht als
eine Bevormundung der Züchterverbände betrach
ten, er liefert ihnen nur die fehlende Hilfsstellung.
An dieser Stelle komme ich zu dem hier und da
einer Polemik unterzogenen Tierzuchtamt «mei
netwegen auch Außendienststelle genannt). Sie
werden im Gebiet der Landesbauernschaft einge
richtet und sind unentbehrlich zur raschen prakti
schen Durchführung der von oben vorgezeichneten
Linie. Ich sehe keinen anderen Weg, um mein Ziel,
keinen Züchter zwecks Leistungssteigerung unorga
nisiert zu sehen, in die Tat umzusetzen.
Ohne den Landesverband fehlt die vermittelnde
Stelle zwischen Zentrale und Praxis. Deshalb ist
sie unentbehrlich. Man möge vertrauensvoll mit
ihr arbeiten. Dr. B.
Der Harrsbefttz
zur Reform des Beleihungsmesens.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Verbands
tagung der Haus- und Grundbesitzervereine stan
den Erklärungen des Präsidenten des Zentralver
bandes der Haus- und Grunöbesitzervereine, Tri-
bius, über die Bemühungen des Verbandes zur
Schaffung eines gesunden Hypothckenrechts. Tri-
bius berichtete zunächst über das bisherige Ergeb
nis der Verhandlungen mit den Banken, Kredit
instituten und insbesondere mit den Versicherungen-
Hierbei betonte Präsident Tribius mit aller Ent
schiedenheit, daß eine völlige Reform des Be
leihungswesens eintreten müsse, und die Zinssätze
das vor dem Kriege übliche Maß nicht überschrei
ten dürften. Tribius formulierte eine Reihe For-
deruugen des Hausbesitzes in folgenden zehn Punk
ten, die im Hypothekenrecht bei den Versicherungen
zur Geltung kommen werden:
1. In Zukunft sollen Auswertungshypotheken
grundsätzlich nicht mehr fällig gemacht werden. Eine
Kündigung solle nur dann ausgesprochen werden«
2.
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