Jur Unter haitun
^29. Jahrgang Nr. 112
Beilage der Schleswiq.Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Donnerstag, den 14. Mai 1936
Der „heilige Strom" macht Weltgeschichte
Von Manfred Stein-Kuehler.
(Schluß.)
Auch der Sudan verlangt sein Recht.
Man hätte alljährlich 6 Milliarden Kubik
meter Wasser nötig, um ganz Aegypten zu ei-
"er großen Baumwollplantage zu machen. Der
^.taudamm von Assuan kann aber noch nicht
Me Hälfte aufspeichern. Das Fehlende sucht
^an also anderweitig zu gewinnen, indem
^an oberhalb Assuans, vor allem im Gebiet
°es Sobat, weitere Staudämme anlegte, die
Weißen Nil regulieren. Denn seit Lord
Kitchener den Sudan für England eroberte,
ja England auch ein Interesse daran, öie-
les Gebiet mit Wasser zu versorgen. Der Su-
"Ctit stellte den Engländern noch viel gewalti
gere Aufgaben als das Niltal. Schon Lord
gramer sagte in seinem Bericht vom Jahre
^°06: „Was dem Sudan hauptsächlich fehlt, ist
^se, Ausbildung seiner Verkehrswege. Wenn
Mese erst besser ausgebaut sein werden, müs
sen die Bewässerungsanlagen folgen."
Es ist viel für die Erschließung des Sudans
Kreits geschehen, und die Stauanlagen am
oberen Nil haben vor allem anderen dazu bei
getragen, daß das ganze Gebiet zwischen
"oohr und Taufikia wertvolles Kulturland
geworden ist. Zahllose Schwierigkeiten waren
àu überwinden, bevor das Gebiet erschlossen
b>ar. Die Schiffbarkeit der Flüsse war ganz
verschieden. Den Blauen Nil konnte man wäh
lend der Flutzeit mit Dampfern befahren. Der
^eiße Nil war zwar während des ganzen
Wahres schiffbar, aber hier gab es Schwierig
keiten mit dem Brennmaterial, denn Kohle
Und Petroleum sind im Sudan kostbare
Dinge.
Der Tana-See spielt die Hauptrolle.
Das alte Aegypten hatte rund 8 Millionen
Einwohner. Als die französische Invasion un-
ker Napoleon 1. kam, war das Land so hernn-
kergewirtschaftet, daß nur noch 2,3 Millionen
Einwohner vorhanden waren. Heute weist
Aegypten rund 15 Millionen Köpfe auf, von
öenen gut zwei Drittel auf den Nil als Le-
bensspendcr angewiesen sind. Der Nil ist also
Nr der Tat der Strom, von dem Millionen
Menschen leben.
Bei dieser Wichtigkeit des Nils für Negyp-
ien wie für den Sudan ist es leicht erklärlich,
baß jede Veränderung in der Verteilung der
Wassermengen katastrophal wirken kann. Un
geheure Bedeutung kommt dem Tana-See, als
bas große, Niederschlag auffangende Reser
voir während der Regenzeit zu, dem zum größ-
ien Teil der Wasserstand des Nils zuzuschrei
ben ist.
Sechsmal so groß wie der Bodensee
ìst dieser in Abessinien gelegene See, an dem
Uün die Italiener festen Fuß gefaßt haben.
Er allein ist schuld daran, daß der Unterschied
bes Wasserspiegels zwischen der Regen- und
Trockenzeit bei Assuan 15 Meter, bei Kairo
Noch 7 Meter beträgt. Eine Differenz von
k Meter kann schon Hungersnot und Dürre
im Sudan und in Aegypten hervorrufen, wäh
rend ein Mehr von einem Meter trotz des
Schutzwalles bei Assuan im Nilöelta katastro
phale Folgen haben würde.
Solange die Abessinier, also ein technisch
noch ziemlich rückständiges Volk, den See zu
ihrem Gebiet rechneten, bot die Lage für die
Engländer keine Gefahr, umso weniger, als
sie sich durch Verträge genügend gesichert hat
ten. Die Abessinier wären auch technisch wohl
kaum in der Lage gewesen, allein ein Werk
durchzuführen, das den Abfluß des Tana-
Sees nach der Danakilwüste zu in die Wege
geleitet hätte. Für ein technisch hochstehendes
Volk dagegen ist diese Aufgabe viel leichter zu
lösen als der Bau des Nildammes bei Assuan.
Deshalb ist der Tana-See ein kritischer
Punkt allerersten Ranges, denn geopolitisch
ist der Besitzer des Tana-Sees unbestreitbar
der Herr über das Wohl und Wehe sowohl des
Sudans wie Aegyptens. Jeder aber, der nach
der Herrschaft am Tana-See strebt, muß sich
unweigerlich mit England auseinandersetzen.
Geheimnis um ein Bild
Von Hermann Linden.
Es hängt in einer kleinen Speisewirtschaft,
das Damenbildnis. Die porträtierte Dame
muß ungewöhnlich schön gewesen sein. Das
Bild ist kein Kunstwerk, mittelmäßiges Kunst
gewerbe. Obwohl das Bild erst vierzig Jahre
alt ist, beginnt es bereits in einem alten Dun
kel zu vergehen. Oft setzte ich mich in die kleine
reizlose Wirtschaft, die von Leuten besucht wird,
die ebenfalls den Aufenthalt nicht anziehend
machen. Aber das Bild lockt mich wie ein Ge
heimnis. Mitten im dichten Straßengcwühl
sehe ich zuweilen plötzlich das Gesicht der Dame,
und ich eile in die Wirtschaft und starre das
alte schlechte Oelbild an. Im vorigen Jahr
hundert wurde es gemalt. Die Dame trägt ein
dekolletiertes Kleid.Die runden Schultern leuch
ten perlenhaft. Aus dem tiefen Schatten, den
der große altmodische Federhut auf das blasse
schöne Gesicht der Unbekannten wirft, leuchten
die Augen, braune, lockende, von Sehnsüchten
erfüllte Augen. Leicht lächelt der Mund. Die
starken roten Lippen haben etwas Gewähren
des. In dieser Umgebung ist das Bild wie ein
Allerlei aus aller Welt
Lügen zwecklos!
Eine neue Zeit bräche an für die Herren
vom Gericht und der Polizei, wenn der „Blut
druckschreiber", erbaut von Dr. Holger Hesse,
allgemeine Verwendung fünde. Dann wäre je
des Leugnen zwecklos. Unbarmherzig würde
der Apparat jedes Abweichen von der Wahr
heit registrieren. Soll z. B. ein Verbrecher
vernommen werden, so wird ihm die sog.
Blutdruckmanschette um den Arm geschnallt
und er wird auf ein Ruhebett gelegt. Der Ap
parat beginnt auf ein fortlaufendes Band zu
schreiben. Das Papierband ist mit kleinen
Quadraten ausgefüllt und ein Stift zieht dar
über seine Bahn. Solange der Prüfling nicht
vor unangenehme Fragen gestellt wird, zeigen
die Aufzeichnungen des Blutdruckschreibers
eine Linie mit nur ganz kleinen Abweichun
gen nach oben und nach unten. Das Bild wird
sofort anders, wenn die liegende Person eine
an sie gestellte Frage unrichtig beantwortet.
Dann zeigt das Papierband starkes Steigen
und Fallen der Stiftsführung und die Art die
ser graphischen Zeichnungen läßt auf Grund
von Tausenden von Beobachtungen sehr weit
gehende Prüfungsergebnisse zu. Auch bei see
lisch kranken Menschen sind mit dem Blut-
öruckschreiber für den Arzt sehr wertvolle
Diagnosen möglich.
Venus aus der Briefmarke.
Die berühmte Statue der Venus von Milo
wird demnächst auf den neuen griechischen
Briefmarken erscheinen. Die neuen Serien
werden Darstellungen aus der griechischen Ge
schichte des Altertums und der Neuzeit brin
gen. Die niedrigen Werte werden die verschie
denen Stilarten der alten griechischen Säulen
zeigen, die ionische, dorische und korinthische.
Die 1-Drachme-Marke bringt das Bild des
Achilles, wie er Hektars Leiche um die Stadt
Troja schleift. Andere Werte dieser Ausgabe
erinnern an die Seeschlacht von Baiamis und
andere geschichtliche Vorgänge.
Eine Verkrüppelte als Pilotiu.
Es gehört eine ungeheure Willenskraft da
zu, es trotz körperlichen Gebrechens bis zur
Pilotenprüfung zu bringen. In Amerika hat
Betty Sncll, die infolge einer Krankheit seit
ihrem dritten Lebensjahr nicht mehr hat lau
fen können und zum Flugzeug getragen wer
den mußte, Flugunterricht genommen und
jetzt nach abgelegter Prüfung die Erlaubnis
zur Führung eines Privatflugzeuges erhalten.
Der Ehrgeiz der jungen Fliegerin geht aber
dahin, das Fliegen als Berns ausüben und
schließlich ein Handelsflugzeug führen zu
dürfen.
Kinofreiplätze für vorbildliche Autofahrer.
Eine Botschaft, die Autofahrer gern hören
werden. Leider ist die Verwirklichung bisher
nur auf die kleine Stadt Mount Vernon im
Staat Newyork beschränkt geblieben. Die für
die öffentliche Sicherheit verantwortlichen
Stellen haben im Einvernehmen mit den Ki
nobesitzern der Stadt beschlossen, dem Automo
bilisten einen Freiplatz im Kino zu gewähren,
der sich durch vorbildliches Fahren auszeichnet.
Man hofft, auf diese Weise eine größere Ver
kehrssicherheit zu erreichen,' denn man hat
schon wenige Tage nach Bekanntgabe der neuen
Bestimmung die Beobachtung machen können,
daß die Bewohner von Mount Vernon ihre
Fahrzeuge mit der allergrößten Vorsicht steu
ern. Fünf Musterfahrer haben bereits ihre
Belohnung in Form von Kinokarten erhalten.
Traum im Alltag, eine Figur aus Rem
brandts Welt.
Sobald ein Fremder die Wirtschaft betritt,
ist ein Gespräch über das Bild eine Selbstver
ständlichkeit. Die alten Gäste sprechen nicht
mehr darüber. Sie haben ihre Erfahrung, die
sie schweigen läßt. „Waren Sie aber einmal
hübsch in Ihren jungen Jahren, Frau Wir
tin!" sagt jeder neue Gast zu der Besitzerin der
Wirtschaft. „Das bin ich nicht, mein Herr", er
widert die Witwe darauf mit ihrer müden,
monotonen Stimme. „So, das sind Sie gar
nicht?" bohrt der neugierige Gast weiter, „wer
ist denn die Dame, die hier rn der Wirtschaft
hängt?" Noch einmal erwidert die Wirtin,
aber mit einem Blick, der keine weitere Frage
mehr aufkommen läßt: „Eine Amerikanerin ist
es, wenn Sie es so genau wissen wollen, eine
Stickerin, die vor dreißig Jahren verschollen
ist. Noch ein Helles gefällig?" — Danach fragt
niemand mehr. Peinliche Geheimnisse müssen
die Witwe mit der verschollenen Amerikanerin
verbinden, dieser schönen Unbekannten, die auf
dem Bild aussieht wie eine Gräfin und doch
nur eine kleine Stickerin war, die vielleicht
tiefes Unheil im Leben der Wirtin verursacht
hat. Daß die Erinnerungen, die jene Ameri
kanerin mit der Wirtin verbinden, unange
nehm sein müssen, beweist die brüske Art, mit
der die Wirtin jedes Gespräch über das Bild
ablehnt. Seltsam aber ist es doch wohl, daß die
Frau das Bild der Fremden unentwegt in
ihrer Wirtschaft hängen läßt, das Bild, das
immer für ihr eigenes Jugendbilönis gehal
ten wird. Lieber erduldet sie die immer gleiche
Frage, als das Bild verschwinden zu lassen.
Dies aber berührt gewiß das Geheimnis.
Heitere ĢSe
Hans Adam.
Aus Goethes „Westöstlichem Divan" erfährt
man, daß der paradiesische alte Adam den Vor
namen Hans hatte. Dort heißt es nämlich:
„Hans Adam war ein Erdenkloß, den Gott
zum Menschen machte." Woher dieser große
deutsche Dichter davon Kunde bekommen hat,
ist leider unbekannt geblieben.
Höllenkonzert.
Ein altes Kirchenlied, das in Vergessenheit
geraten ist, hatte folgenden Ansang: „Drc
Hölle summt — Der Teufel brummt — Und
wackelt mit dem Schwänze — Fürst Michael,
bei meiner Seel', erstich ihn mit der Lanze".
Den ersten Christen in Deutschland mußten
demnach Religionswahrheiten in etwas derber
Form beigebracht werden.
Kurze Predigt.
Als Peter der Große von Rußland in Zar-
öam einmal auch das Bethaus der Mennoniten
besuchte, wünschte er von seinem Freunde
Calf, der dort das Amt eines Lehrers dieser
Sekte bekleidete, eine gute Predigt zu hören.
Darauf bestieg Calf die Kanzel und sagte:
„Denke gut, sprich gut und handle gut. Amen."
Dieses dürfte wohl die kürzeste Predigt sein,
die ein Herrscher von einem Diener der Kir
che gehört hat.
Drei Stimmen im Raum
Von Karl Kurt Ziegler.
„Bitte, nehmen Sie Platz, Lady Buröon!"
„Danke, Lord Grittier. Doch vor unserer
Unterhaltung einige technische Vorbereitun-
8ejt!"
„Ist das nötig? Ich wohne allein im Hause
^it Lane, meinem Diener. Und Laue geht zei
tig schlafen, wenn ich im Klub bin."
„Es dürfte Ihnen bekannt sein, Lord, daß
^ir vorsichtig geworden sind nach den letzten
Ereignissen. Deshalb entferne ich auch den
äufnahmeapparat an ihrem Telefon. Man
^iß nie, wer am Empfangsgerät unseren
dorten lauschen könnte, auch wenn nur Sie
Und Lane im Hause wohnen."
„Gehört es auch zu Ihren Vorbereitungen,
°aß sie den Funk über Zimmerstärke einstel
len?"
„Es ist gut, wenn drei Stimmen im Raum
and. Man wird dann rmmer nur die stärkste
^rnehmen. Und die soll in unserem Falle der
Lautsprecher sein."
„Müssen Sie auch die Türen verschließen?"
„Sie sehen, daß ich cs bereits tue. Man muß
^ st alle Hebel ziehen, Lord, bevor das Werk
aufen kaun. — Doch nun können wir ver
handeln."
0 "Sie sind eine seltsam interessante Frau . . .
^ady Vurdon!"
. ."Sie haben recht. Mit charmanten Schmeichc-
eren soll man wichtige Aktionen einleiten. —
^vch ich liebe das nicht! Als ich Ihnen meine
*karte in den Klub sandte und Sie zu dieser
Unterredung bat, wußten Sie, wer zu Ihnen
kommt!"
„Ich hatte das kleine „k" in der Ecke nicht
übersehen, Lady. Doch ich wußte nicht, daß
Korrahoff auch mit Frauen arbeitet."
„Daß er damit mehr Erfolge haben wird,
soll die Zukunft zeigen. Ich möchte von Ihnen
die Pläne, Lord Gritter. Das Ministerium
des Aeutzeren hat alle Hebel in Bewegung ge
setzt, um die Akten zurückzubekommen. Wir
müssen jetzt über die Grenze schreiten. Es sind
zu viel Wissende schon gefangen, die uns ver
raten könnten."
„Das mußte ich leider auch feststellen!"
„Korrahoff gab mir den Auftrag, von Ihnen
die Haspel mit den Papieren abzuholen und
diese im Flugzeug noch in dieser Stunde fort
zuschaffen. Deshalb tut Eile not!"
„Ich kann verstehen, daß dem Ministerium
sehr viel an der Wiedererlangung der Papiere
liegt, denn sie sind sehr wichtig."
„Sonst hätte das Ministerium doch nicht
Sibyl Bray beauftragt."
„Sie . . . kennen . . . mich?"
„Sollte ich die treue Mitarbeiterin Inspektor
Kellings nicht kennen?"
„Der Ausdruck „treu", Lord Gritter, ist fehl
am Platz."
„Soll das bedeuten, daß sie nicht mehr in
Diensten Scotlands Yards stehen."
„I n Diensten schon, aber nicht z u Diensten.
Ich liebe mein Vaterland, das nicht England
heißt und das gleiche ist, wie . . deins Alexan
der Korrakofs!"
„Sie . . . sind ... der erste Mensch in Lon
don, der so anzureden weiß . . ."
„Es gibt auch nur eine Vera Belowna!"
„Die Spionin?"
„Die ihr Vaterland liebt, Korrakofs, und
deshalb den gefährlichen Posten bei Kelling
übernommen hatte, deshalb erst im Augen
blicke höchster Gefahr sich bemerkbar macht und
zu dir kommt, Alexander!"
„Ich arbeite mit Beweisen, Vera Belowna!"
„Du würdest lächeln, wenn ich dir menie
Ausweispapiere zeigen würde, denn unsere
Papiere pflegen doch niemals die unsrigen zu
sein. Würde ich dich auf meine Vorbereitungen
von vorhin aufmerksam machen, dann könntest
du sagen, daß alles gestellt, alles Theater ge
wesen ist. Aber ich bringe dir den Beweis,
Alexander Korrakofs, wie ich arbeite. Dein
Mittelsmann ist gestern verhaftet worden.
Unser wichtigster Mann. Du kannst ihn in
seiner Wohnung erreichen! Rufe ihn an. über
zeuge dich, ob ich wahr gesprochen!"
„Ja, das werde ich tun! — Hallo, Jwano-
witsch? Du bist frei? Gut, sehr gut! Eine Un
bekannte — hat dich ... ich weiß, ich weiß.
Doch jetzt schnell ein Flugzeug startbereit ma
chen lassen. Wir fahren in zwei Stunden —■
zu Dritt, Jwanowitsch!! — Ich danke dir Vera
Belowna. Und hier in dieser Reisetasche sind
die Dokumente!"
„Zu Dritt? Täuschst du dich da nicht, Korra-
koff?"
„Wieso? Wir haben doch den gleichen Weg!"
„O nein, das dürfte ein Irrtum sein!"
„Still jetzt — hör den Funk — Polizeifunk
— Was heißt das? — Vera Belowna soeben
verhaftet — dann bist du — Was soll der
Browning?"
„Der Revolver soll Ihnen sagen, daß jetzt
das Spiel zu Ende ist und unsere Wege doch
getrennt gehen, Korrakofs. Sie wandern ins
Zuchthaus und ich fliege heute noch von Lon
don fort, um die Dokumente in die Hände zu
geben, für die sie bestimmt sind . . . Nein, blei
ben Sie am Kamin, dort am Funk — und keine
Bewegung mehr, mein Revolver ist scharf ge
laden. Uebrigens würde Flucht nichts nützen,
das Haus ist umstellt."
„So war alles Lüge!"
„Ich sagte Ihnen, daß ich mein Vaterland
liebe, das das gleiche ist, wie das Ihre. Und
weil ich es liebe, muß ich es von einem Men
schen befreien, der im fremden Land nur
Schande und Schmach seiner Heimat zugefügt
hat."
„Die Dokumente . . ."
„Die Dokumente, Alexander Korrakofs, sind
längst in den Händen unserer Regierung,
denn es waren keine Geheimpapiere, wie Sie
glaubten. Viel wichtiger ist uns, das Haupt
einer weitverzweigten Schmugglerbande ge
faßt zu haben, die unser Land mit fremden
Giften verseucht. Das werfe ich Ihnen vor,
Inspektor Kelling aber hat eine ganze Liste
von Verbrechen, die auf Ihr Konto kommen.
Und nun verteidigen Sie sich vor sich selbst!
Ich habe meine Pflicht erfüllt, auch wenn ich
lügen mußte, auch wenn Ihr Mittelsmann
nur unter polizeilichem Schutz in seiner Woh
nung zu Ihnen sprach, auch wenn der Poli
zeifunk vom Nebenzimmer aus bedient wurde.
Denn das sollten Sie doch wissen, daß die Spi
onin Belowna seit zwei Monaten nicht mehr
am Leben ist. Man hat sie in Paris erschossen,
wie es Verrätern gebührt."
„Sie hat eine würdige Nachfolgerin gefun
den, Sibyl Bray!"
„Sie haben recht. Mit charmanten Schareiche
leien soll man wichtige Aktionen auch beschlie
ßen,"