Full text: H.C. Andersens Briefwechsel mit Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach und anderen Zeitgenossen

—PF 
auch in der Correspondenz mit meinen Freunden gestört hat; 
Oersted war mir immer gut, er ist seit vielen Jahren mein 
wahrer Freund; allein jetzt steht er mir noch näher; mein 
aufrichtiges Streben hat er verstanden. Unter diesem Ent— 
wickelungs-Prozeß ist mein letztes Werk: „In Schweden“ 
verändert und wieder verändert worden. Wenn Sie, mein 
hoher Freund, im Anfang des nächsten Jahres dieses Werk 
lesen, werden einige Abtheilungen desselben Ihnen zeigen, 
wie das Leben und die Welt jetzt sich in mir abspiegeln. 
Seien Sie aber nicht besorgt, daß ich das frische Leben der 
Poesie verlasse, um mich in die Regionen der Philosophie 
zu begeben oder gar um Lehrgedichte zu schreiben; das kann 
nicht geschehen. Für mich ist das menschliche Herz die Wunder— 
lampe der Poesie, die ich festhalte, und ich stehe wie Aladin 
mit dieser Lampe in der strahlenden Höhle der Wissenschaft; 
auch sollen die Naturkräfte mich nicht zu ihrem Diener 
machen können; nein, ich will die Geister hervorrufen, welche 
auf mein Gebot mir ein neues Schloß der Poesie aufbauen 
müssen. Mit Oersted habe ich oft viele lehrreiche Unter— 
redungen; ich bitte, lesen Sie sein Werk: es wird seinen Ein— 
druck nicht verfehlen, und Sie, mein theurer, hoher Freund, 
werden den Mann lieb gewinnen. So eben wurde sein 30— 
jähriges Jubiläum als Lehrer an der Universität in Copen— 
hagen gefeiert; die Benutzung der schönen Villa, welche 
Oehlenschläger früher bewohnt, wurde ihm für seine Lebens— 
zeit gewährt; von allen Zweigen der Intelligenz wurde er 
gefeiert und geehrt; der König verlieh ihm das Prädicat 
Excellenz. Es wurde mir übertragen, sein Portrait mit 
einigen Versen zu begleiten; sie lauten in Prosa so: 
Als der Gedanken Blitz aus Deiner Stirn enisprang, 
Bekam die Wissenschaft eine größere Sehkraft! 
Einen unermeßlichen Schatz gabst Du den Ländern der Welt, 
Und durch all das Schöne in dem Wahren 
Führst Du uns zu Gott mit offenem Blicke. 
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Jenny Lind hat seit einem ganzen Jahre gar nichts 
von sich hören lassen; nur die Zeitungen erzählen mir von 
ihr und von den mänadenwilden Yankees. Frederika Bremer 
ist auch in Nordamerika und bleibt da bis zum Frühling:
	        
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