Nsche auf MeusHeujagd / Bo« ©. Th-sing «*& «. Kurtz
Wir sprechen nicht von Haifischen, sondern
?°n wirklich gefährlichen, blutdürstigen
Menschenjägern. Gewiß kommt es vor, daß
^ur hungriger Hai gelegentlich auch einen
Menschen anfällt, aber angesichts seiner Ver
breitung ist die Zahl der menschlichen Opfer
äußerst gering. Die Südsee-Jnsulaner machen
aus der Furcht der Europäer vor den Haien
ain beliebtes Geschäft, indem sie ihnen ein
atemraubendes Schauspiel geben. Dort, wo
das Meer von Haien wimmelt, tauchen sie in
die Tiefe hinab, bis in die Höhlungen der Ko
rallenriffe, wo die Haie ihre Schlupfwinkel
haben, legen einem der Riesen eine Schlinge
Um Len Schwanz, schwimmen wieder an die
Oberfläche zurück und ziehen ihre Beute an
Land. Manchmal führen sie auch unter Was
ser Kämpfe mit dem Hai aus, indem sie un
ser seinen Bauch zu schwimmen versuchen und
lhm mit der Klinge den Leib aufschlitzen. Es
kommt selten vor, daß ein Schwimmer dieses
Wagnis mit einer Verwundung oder gar mit
dem Leben bezahlen muß.
Der wahrhafte Schrecken der Menschen ist ein
viel kleinerer Fisch von höchstens 30 Zentime
ter Länge, der Karibenfisch oder P i -
r a n h a, der die Flüsse Südamerikas unsicher
Ulacht. Es ist ein kurzer gedrungener Bursche
Urit seitlich zusammengedrücktem Körper und
abgestumpfter Schnauze, die mit messerscharfen,
ur einer Reihe stehenden Zähnen bewehrt ist.
Im allgemeinen hält er sich am Boden lang
sam strömender Gewässer auf, aber sowie er
eine Beute wittert, kommt Leben in die
schwerfälligen Gesellen und sie schießen zu
tausenden an die Oberfläche des Wassers em
por. Das Opfer hat nur eine Chance, seinen
Feinden zu entkommen, wenn nämlich seine
Haut völlig gesund und unversehrt ist. Hat
sie auch nur die kleinste offene Wunde, so lockt
der Blutgeruch die Piranha über weite Strek-
ken an und mit unbezähmbarer Wut stürzen
sie sich über ihre Beute her.
An manchen Flußufern erheben sich niedrige
Baracken, primitive Schlachthäuser, in denen
die jungen Tiere geschlachtet und zu Dörr
fleisch, dem wichtigsten Handelsartikel Süd
amerikas, verarbeitet werden. Die unverwend
baren Eingeweide gleiten auf einer Holzrinne
in den Fluß, wo sich ungezählte Piranha gleich
einer dichten Silberwolke unter dem Wasser
spiegel lauernd herumtreiben. In demselben
Augenblick, in dem ein Eingeweideknollen ins
Wasser fällt, ist er von der hungrigen Schar
bereits in Stücke gerissen und verschlungen.
Werden Stiere durch den Fluß getrieben, so
Müssen die Viehtreiber gefaßt sein, eins der
Tiere zu verlieren, da diese stumpfmäuligen
Kischteufel sich stets auf das letzte Tier werfen
und, so sehr es sich wehren mag, die Eingewei
de des sich voller Pein wälzenden Tieres her
ausreißen und zerfetzen. Kein Mensch von ge
sundem Verstand wagt in diesen Gegenden zu
baden. Jedes Geschwür, jede offene Wunde
erweist sich als verhängnisvoll, denn der
Vlutgeruch wird von der Strömung mitge
führt und lockt in wenigen Sekunden die Pi
ranha herbei. — Wie gefährlich diese Fische den
Menschen werden können, zeigt ein Erlebnis
aus Corumba, der Haupthandelsstadt des Ma
to Grosso.
Ein offenbar des Landes unkundiger Euro
päer suchte Kühlung in dem an dieser Stelle
etwa 600 Meter breiten Paraguayfluß.
Plötzlich begann sich die breite Silberwolke von
wimmelnden Fischleibern auf den Badenden
zu in Bewegung zu setzen. Das Gewimmel
war so dicht, daß einzelne Fische von den um
drängenden Gefährten direkt aus dem Wasser
heraus in die Luft gepreßt wurden, und we
nige Sekunden später befand sich der unglück
liche Schwimmer mitten in dieser lebenden
Wolke. Man sah, wie er wild um sich schlug.
Schmerzensschreie gellten herüber, das Wasser
färbte sich rot, dann sank der Körper unter
und alles war vorüber.
„Die Kraft des Gebisses dieser Fische",
schreibt der Forscher Karl Sachs, „das wie
eine scharfe Säge geformt ist, übertrifft alle
Vorstellungen. Ein fingerdicker Stecken festen
Holzes, den ich einst einem schon erschöpften
Piranha vorhielt, war im Nu durchbisscn.
Selbst dicke stählerne Angelhaken widerstehen
ihren Zähnen nicht. Selbst Alligatoren, wenn
sie irgend eine blutende Wunde haben, wer
den von diesen Räubern angefallen. Von der
Wunde ausgehend haben sich die Piranha in
überraschend kurzer Zeit in den Körper hin
eingefressen und das gesamte Innere des
Tieres herausgerissen, so daß schließlich nur
die leere Panzerhülle auf dem Wasser treibt."
Als Schlußstück unter diesem grausigen
Bild mag eine Groteske stehen, die Alexander
von Humboldt berichtet. Verschiedene Jndi-
anerstämme Südamerikas benutzen die Ge
fräßigkeit der Piranhas, um sich das Bestat
ten ihrer Toten zu erleichtern. „Der Brauch,
bei Verstorbenen das Fleisch sorgfältig von
den Knochen zu trennen und nur diese zu be
statten, der im Altertum bei den Massageten
herrschte, hat sich bei mehreren Horden am
Orinoko bis auf die Jetztzeit erhalten. Um
sich von dieser Arbeit zu entlasten, legen die
Eingeborenen die Leichen ins Wasser — und
in wenigen Sekunden haben die Karibcnfische
die lästige Arbeit besorgt. Alles Fleisch und
die Eingeweide sind sauber abgefressen und im
Netz ruht nur noch das nackte Skelett."
Allerlei aus aller Welt
Schwarze Blüten.
Blüten mit schwärzlicher Farbe werden bei
uns nur als Zuchtprodukte einer oft überaus
mühsamen und langwierigen gärtnerischen
Züchtung möglich sein. In China und Hinter
indien jedoch finden sich unter wildwachsenden
Pflanzen zwei Gewächse mit schwarzen Blü
ten. Der Botaniker Handel-Mazzetti entdeckte
auf einer seiner chinesischen Reisen in der
Provinz Man einen rankenden Schmetter
lingsblütler mit schwarzen Blütentrauben
und in der Nähe des Oberlaufes des Jrawadi
einen auf der Erde hinkriechenden Zwerg-
Rhododendron, dessen langstielige nickende
Blüten gleichfalls eine schöne schwarze Farbe
zeigten.
Die größte Luftbilökammer der Welt.
Um die Konturen des größten künstlichen
Stausees der Welt am Boulder-Damm in
Amerika zu bestimmen, werden jedesmal,
wenn das Wasser im Staubecken um 6 Meter
gestiegen ist, Luftaufnahmen gemacht, die spä
ter zur Herstellung von topographischen Kar
ten dienen sollen. Die Aufnahmekamera be
steht aus zwei Fünf-Linscn-Kamera-Einhei-
ten, die in einem Spezialgehäuse zusammenge
faßt und um 43 Grad gcgeneinandergeneigt
sind. Man hat festgestellt, daß sich aus einer
Höhe von 9000 Meter ein Gebiet von 1950
Quadratkilometer aufnehmen läßt. Die Kame
ra wiegt zusammen mit den Filmrollen rund
125 Kilogramm. Die zehn Filmrollen, die für
eine einzige Ladung gebraucht werden, haben
ein Gewicht von 31 Kilogramm und ergeben
360 Meter Film, der für 200 Einzelbilder
ausreicht. Die zehn Verschlüsse werden auf
elektrischem Wege gleichzeitig betätigt. Sollte
einer der Verschüsse nicht sofort funktionieren,
so leuchtet eine Neonlampe als Warnsignal
auf.
Das Kleid im Fiugerhut.
Die Damen wird es interessieren, daß bei
einer Modenschau zu Los Angeles ein Kleid
preisgekrönt wurde, das bequem in einem
Fingerhut untergebracht werden kann. Wie
viele Dutzende Kleider lassen sich nunmehr in
einer Handtasche mitnehmen!
Spielhölle im Flugzeug.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
hat die Polizei nun sogar in der Luft, d. h. in
einem Flugzeug, eine Spielhölle entdeckt. Die
Polizei von Los Angeles fahndete bereits seit
Wochen nach Spielhöllen, die in letzter Zeit
die Westküste der Vereinigten Staaten un
sicher machten. Vor ein paar Tagen glückte
es ihr, überraschend ein Luxusflugzeug aus-.
zuheben, dessen Innere in einen Spielsaal
verwandelt war. Viele Tausende Dollar
hatten dort oben in jüngster Zeit ihren Be
sitzer gewechselt.
Der teure Panamahut.
Panamahüte werden nicht in Panama her
gestellt, sondern in Ekuador. Eine Frau braucht
für einen der besten Hüte sechs Wochen Ar
beitszeit, wobei sie von morgens sieben bis
abends zehn Uhr arbeitet und einen Tages
lohn von etwa 50 Pfennig erhält. Das feine
seidige Stroh muß während des Flechtens
feuchtgehalten werden. Die besten Panama
hüte werden für 160 bis 200 Dollars je Stück
verkanft.
Wußte« Sie schon...
Daß das größte Hotel der Welt sich in
Chikago befindet? Dieses Hotel Stevens ent
hält 3000 elegant eingerichtete Zimmer und
außerdem 3000 Badezimmer. Allein die Zube
reitung des in diesem Hotel verzehrten Kaf
fees erfordert eine besondere Küche.
*
Daß die beiden umfangreichsten Bücher, die
jemals herausgegeben wurden, chinesischen
Ursprungs sind? Das eine ist ein Wörterbuch,
das 6020 Bünde umfaßt, das andere eine Art
Konversationslexikon, das in 22 937 Bänden
vorliegt. Die Herausgabe dieser Werke hat
Jahrhunderte erfordert.
*
Daß die Hydra, ein kleiner Süßwasierpolyp,
eines der merkwürdigsten Geschöpfe der Welt
ist? Sie kann nicht nur ein Tier verschlingen,
das 60mal so groß ist wie sie selber, sondern
sie lebt auch weiter, wenn man ihre Innen
seite nach außen kehrt.
*
Daß der prächtigste Palast der Welt der „Pa
last der Winde" in Tschaipur in Indien ist?
Dieser mächtige Marmorbau ist mit allen nur
erdenklichen orientalischen und europäischen
Bequemlichkeiten ausgestattet. Jedes der 3463
Fenster des Schlosses ist mit einem Musik
instrument versehen, so daß man von den
Fenstern eine leise Musik hört, wenn der
Wind hindurchgeht.
*
Daß die Ereignisse in der Geschichte der
Menschheit, die aufzeichnenswert erschienen,
sich auf recht begrenzten Gebieten zugetragen
haben. 90 Prozent der Bücher über geschichtliche
Themen behandeln Europa, das nur 7 Pro
zent des Festlandes ausmacht.
Der Schutz um Mitternacht
Von Gunnar Torstensson Phil.
Am Sonnabendabend beschloß Johansson,
Drönung zu schaffen. 11 Uhr 30 kam er heim.
Er riß sich das Halstuch ab, warf ein Wasser
glas um, und schlug mit der Hand auf die Kla
viatur des Flügels, daß es einen Mißton gab.
Johansson war 43 Jahre alt, er handelte mit
Tabak en gros. Er war füllig, mit für sein
Alter zu cholerischem Temperament. Er flamm
te leicht auf und behauptete, dies läge an den
Nerven.
Er stand vom Flügel auf und sah sich mit
wilden Augen um. Nichts besonderes war zu
entdecken. Sie war nicht zu Hause. Das hatte
er festgestellt. Und das war es ja gerade!
Johanssons Frau hieß Elsa und ihre Be
kannten riefen sie noch immer, trotz ihrer Hei
rat mit Johansson, mit ihrem Mädchennamen
Elsa Stiernsten. Und sie selber meldete sich
Unter diesem Namen am Telefon. Johansson
ärgerte sich darüber. Seit einem halben Jahr
war er mit der zweiundzwanzigjährigen Elsa
Uerheiratet. Und was war sie vorher schon ge
wesen? Ein elternloses, verarmtes kleines
Mädchen. Es gab nur noch ein paar alte Stifts-
ftaulein und einen 77jährigen Oberstleutnant
äußer Elsa in der Familie Stiernsten.
Johansson warf einen bösen Blick auf zwei
vorträte über dem Flügel. Ahnen der Stiern-
sten!
Er griff nach dem Wasserglas und warf da-
wit nach dem einen Ahnenbild. Dann lachte
br auf. Er war tief verzweifelt, und er hatte
getrunken. Dann schlug er mit der Faust auf
äen Flügel und sagte laut:
„Sicher ist sic wieder mit dem Leutnant
Eederrot. Weil sie denkt, ich komme erst am
Ķontag zurück. Diesmal habe ich ihr eine
Falle gestellt. Nein, jetzt schaffe ich Ordnung!"
Er siel in einen Stuhl vor dem Schreibtisch
und nahm aus der Schublade einen kleinen
frowning. Er setzte vier Schuß in das Maga-
o'u. Dann stellte er sich mit der Pistole in der
?änü in die Tür zur Halle. Die Halle lag
Dunkel, Im Hause rührte sich nichts.
Da — man hörte den Lift surren. Er hält
an Johanssons Etage. Jemand flüstert. Man
unterscheidet eine Frauen- und eine Männer
stimme. In Johanssons Kopf wirbelt es. Leise
öffnet sich die Entreetür, und zwei Gestalten
schleichen hinein . . . Die Treppenbeleuchtung
brennt nicht.
„Ich will sie erst Licht machen lassen", denkt
Johansson, „Auge in Auge will ich ihnen ge
genüberstehen . . ."
Da flammt das Licht auf.
„Was ist denn das?" ruft Johansson aus.
„Oh, er schießt!" schreit eine Frauenstimme.
„Ruhe", erwidert ein Mann.
„Sehen Sie, Herr Johansson, wir sind ver
lobt", jammert das Mädchen wie entschuldi
gend.
„So — Sie sind es also...", murmelte Jo
hansson verwirrt. „Und in Herrenbegleitung",
setzt er streng hinzu.
Die Hausangestellte bei Johansson stottert
eine Entschuldigung nach der andern. „Ja
und wir wollten auf Sveas Zimmer gehen,
um über unsere Heirat zu sprechen," sagte der
Mann endlich und verbeugte sich linkisch.
„Und das mußte ausgerechnet nachts sein,
Svea, finden Sie das sehr passend?" meinte
Johansson.
Dabei machte er eine ungeschickte Bewegung
mit der Pistole und unerwartet ging ein Schuß
los. Ein harter, scharfer Knall begleitete den
Einschlag ins Parkett. Johansson verlor die
Waffe und wurde blaß. Svea schrie auf und
rannte in ihr Zimmer, das sie verschloß. Der
Mann sah Johansson kopfschüttelnd an, setzte
seinen Hut auf und ging ohne ein weiteres
Wort. Die Tür schlug hinter ihm zu. Es
herrschte tiefe Stille. Johansson sieht die Pi
stole an, starrt vor sich hin, steckt die Waffe
unsicher in die Tasche, geht zum Schlafzimmer
. . . und fährt zusammen. „Was — du bist zu
Hause?" bringt er mühsam hervor.
Elsa Stiersten sitzt im Bett, sehr jung, sehr
hübsch und sehr kokett:
„Da hast wieder getrunken, Eberhard!"
„Nur ein kleines Glas", murmelt Johans
son ,„warst du heute den ganzen Abend zu
Hause?"
„Als du — unangemeldet! — vorhin kamst,
war ich im Bad."
Johanssons Herz wurde weich — natürlich,
daß er darauf nicht gekommen war!
„Ja, und so hörte ich, wie du dich aufgeführt
hast. Ich bin erstaunt, Eberhard. Denn jedes
Wort war zu verstehen ., ."
„Was wolltest du mit der Pistole, Eberhard",
fragte seine Frau weiter, als keine Antwort
erfolgte.
„Nachsehen, ob sie noch nicht verrostet ist,,,
sagte Johansson gefaßt.
„Ich bin nicht ängstlich, eine Stiernsten ist
nicht feige", sagte Elsa. „Aber ich fürchte, ich
fürchte, Eberhard, dein Kopf beginnt einzu
rosten."
Johansson beginnt, als Elsa schweigt, sich
auszuziehen. In drei Minuten schläft er . . .
Als Elsa am Morgen aufwachte, trat Svea
mit gesenkten Augen in das Zimmer. Bald
verließ Elsa das Haus. Ihrem Mann sagte sie
nur, sie gehe auf den Markt. Trotzdem das
sonst nicht zu Elsas Gewohnheiten gehörte,
sagte Johansson nichts.
Elsa aber lief zum nächsten Postamt und be
gehrte die Nummer 51825.
*
Schlägt man im Telefonbuch nach, bestätigt
es sich, daß der Inhaber der Nummer 51825
Herbert Cederrot, Leutnant ist...
Heitere Medizin.
Anekdote« um berühmte Aerzte
Bratwurst mit Sauerkraut.
Der bekannte und beliebte Berliner Arzt
Heim, im Volksmund der „alte Heim" genannt,
verfügte über eine glückliche Dosis gesunden
Humors. Eines Tages wurde er zu einer Pa
tientin gerufen, die stark unter Migräne litt.
Sie wollte jedoch nur fragen, ob sie ein ihr
empfohlenes Hausmittel ohne Gefahr anwen
den könne. „Mir wurde empfohlen", jagte sie.
„eine Portion Sauerkraut auf den Kopf zu
legen. Was halten Sie davon, Herr Doktor?"
Heim nickte ernsthaft: „Sehr gut — aber ver
gessen Sie nur nicht, auch eine Bratwurst oben
drauf zu legen!"
*
Nicht so gefährlich.
Der englische Arzt Dr. Abenethy war zu sei
ner Zeit nicht nur um seiner Fähigkeiten, son
dern auch um seines groben, urwüchsigen Hu
mors willen bekannt. Eines Nachts läutete
es an seiner Haustüre, und eine angstvolle
Frauenstimme rief von der Straße herauf:
„Um Gottes Willen, Herr Doktor, kommen Sie
schnell, — mein Sohn hat eine Maus ver
schluckt!" Abenethy, wütend über die Störung,
rief zurück: „Macht nichts, lassen Sie ihn noch
eine Katze verschlucken!"
*
Zum Auf- und Zuknöpfen.
Dem berühmten französischen Chirurgen
Dr. Chapellier passierte am Beginn seiner
Karriere ein tragikomisches Mißgeschick. Er
hatte dem Leiter eines großen Krankenhauses
bei einer Operation zu assistieren und an
schließend die ziemlich große Wunde zu ver
nähen. Dem Professor sagte die Naht jedoch
nicht ganz zu und Chapellier mußte die Wun
de nochmals öffnen und zum zweiten Male
zunähen. Durch die Rüge seines Vorgesetzten
verwirrt und unsicher gemacht, nähte er dabei
eine winzige Pinzette mit in die Wunde hin
ein, ein Versehen, das er zu seinem Entsetzen
erst ganz am Schlüsse bemerkte. Bestürzt ver
schwieg er das Malheur. Kaum hatte der Chef
arzt den Operationssaal verlassen, da stürzte
sich Chapellier zum dritten Male auf sein Op
fer, das die ganze Operation bei voller Be
sinnung mitgemacht hatte und öffnete noch
einmal den Schnitt. Als er sich anschickte, die
Wunde endgültig zum letzten Male zu ver
nähen, redete ihn der Patient mit beneidens
wertem Humor an: „Herr Doktor — wäre es
nicht vorteilhafter für uns beide, wenn Sie
gleiche Knöpfe annähen würden ,. ?"
Suv Unterhaltung
Beilage der Schleswiq-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsbucgec Tageblatt)
— -s
Freitag, den 15. Mai 1936