Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Nsche auf MeusHeujagd / Bo« ©. Th-sing «*& «. Kurtz 
Wir sprechen nicht von Haifischen, sondern 
?°n wirklich gefährlichen, blutdürstigen 
Menschenjägern. Gewiß kommt es vor, daß 
^ur hungriger Hai gelegentlich auch einen 
Menschen anfällt, aber angesichts seiner Ver 
breitung ist die Zahl der menschlichen Opfer 
äußerst gering. Die Südsee-Jnsulaner machen 
aus der Furcht der Europäer vor den Haien 
ain beliebtes Geschäft, indem sie ihnen ein 
atemraubendes Schauspiel geben. Dort, wo 
das Meer von Haien wimmelt, tauchen sie in 
die Tiefe hinab, bis in die Höhlungen der Ko 
rallenriffe, wo die Haie ihre Schlupfwinkel 
haben, legen einem der Riesen eine Schlinge 
Um Len Schwanz, schwimmen wieder an die 
Oberfläche zurück und ziehen ihre Beute an 
Land. Manchmal führen sie auch unter Was 
ser Kämpfe mit dem Hai aus, indem sie un 
ser seinen Bauch zu schwimmen versuchen und 
lhm mit der Klinge den Leib aufschlitzen. Es 
kommt selten vor, daß ein Schwimmer dieses 
Wagnis mit einer Verwundung oder gar mit 
dem Leben bezahlen muß. 
Der wahrhafte Schrecken der Menschen ist ein 
viel kleinerer Fisch von höchstens 30 Zentime 
ter Länge, der Karibenfisch oder P i - 
r a n h a, der die Flüsse Südamerikas unsicher 
Ulacht. Es ist ein kurzer gedrungener Bursche 
Urit seitlich zusammengedrücktem Körper und 
abgestumpfter Schnauze, die mit messerscharfen, 
ur einer Reihe stehenden Zähnen bewehrt ist. 
Im allgemeinen hält er sich am Boden lang 
sam strömender Gewässer auf, aber sowie er 
eine Beute wittert, kommt Leben in die 
schwerfälligen Gesellen und sie schießen zu 
tausenden an die Oberfläche des Wassers em 
por. Das Opfer hat nur eine Chance, seinen 
Feinden zu entkommen, wenn nämlich seine 
Haut völlig gesund und unversehrt ist. Hat 
sie auch nur die kleinste offene Wunde, so lockt 
der Blutgeruch die Piranha über weite Strek- 
ken an und mit unbezähmbarer Wut stürzen 
sie sich über ihre Beute her. 
An manchen Flußufern erheben sich niedrige 
Baracken, primitive Schlachthäuser, in denen 
die jungen Tiere geschlachtet und zu Dörr 
fleisch, dem wichtigsten Handelsartikel Süd 
amerikas, verarbeitet werden. Die unverwend 
baren Eingeweide gleiten auf einer Holzrinne 
in den Fluß, wo sich ungezählte Piranha gleich 
einer dichten Silberwolke unter dem Wasser 
spiegel lauernd herumtreiben. In demselben 
Augenblick, in dem ein Eingeweideknollen ins 
Wasser fällt, ist er von der hungrigen Schar 
bereits in Stücke gerissen und verschlungen. 
Werden Stiere durch den Fluß getrieben, so 
Müssen die Viehtreiber gefaßt sein, eins der 
Tiere zu verlieren, da diese stumpfmäuligen 
Kischteufel sich stets auf das letzte Tier werfen 
und, so sehr es sich wehren mag, die Eingewei 
de des sich voller Pein wälzenden Tieres her 
ausreißen und zerfetzen. Kein Mensch von ge 
sundem Verstand wagt in diesen Gegenden zu 
baden. Jedes Geschwür, jede offene Wunde 
erweist sich als verhängnisvoll, denn der 
Vlutgeruch wird von der Strömung mitge 
führt und lockt in wenigen Sekunden die Pi 
ranha herbei. — Wie gefährlich diese Fische den 
Menschen werden können, zeigt ein Erlebnis 
aus Corumba, der Haupthandelsstadt des Ma 
to Grosso. 
Ein offenbar des Landes unkundiger Euro 
päer suchte Kühlung in dem an dieser Stelle 
etwa 600 Meter breiten Paraguayfluß. 
Plötzlich begann sich die breite Silberwolke von 
wimmelnden Fischleibern auf den Badenden 
zu in Bewegung zu setzen. Das Gewimmel 
war so dicht, daß einzelne Fische von den um 
drängenden Gefährten direkt aus dem Wasser 
heraus in die Luft gepreßt wurden, und we 
nige Sekunden später befand sich der unglück 
liche Schwimmer mitten in dieser lebenden 
Wolke. Man sah, wie er wild um sich schlug. 
Schmerzensschreie gellten herüber, das Wasser 
färbte sich rot, dann sank der Körper unter 
und alles war vorüber. 
„Die Kraft des Gebisses dieser Fische", 
schreibt der Forscher Karl Sachs, „das wie 
eine scharfe Säge geformt ist, übertrifft alle 
Vorstellungen. Ein fingerdicker Stecken festen 
Holzes, den ich einst einem schon erschöpften 
Piranha vorhielt, war im Nu durchbisscn. 
Selbst dicke stählerne Angelhaken widerstehen 
ihren Zähnen nicht. Selbst Alligatoren, wenn 
sie irgend eine blutende Wunde haben, wer 
den von diesen Räubern angefallen. Von der 
Wunde ausgehend haben sich die Piranha in 
überraschend kurzer Zeit in den Körper hin 
eingefressen und das gesamte Innere des 
Tieres herausgerissen, so daß schließlich nur 
die leere Panzerhülle auf dem Wasser treibt." 
Als Schlußstück unter diesem grausigen 
Bild mag eine Groteske stehen, die Alexander 
von Humboldt berichtet. Verschiedene Jndi- 
anerstämme Südamerikas benutzen die Ge 
fräßigkeit der Piranhas, um sich das Bestat 
ten ihrer Toten zu erleichtern. „Der Brauch, 
bei Verstorbenen das Fleisch sorgfältig von 
den Knochen zu trennen und nur diese zu be 
statten, der im Altertum bei den Massageten 
herrschte, hat sich bei mehreren Horden am 
Orinoko bis auf die Jetztzeit erhalten. Um 
sich von dieser Arbeit zu entlasten, legen die 
Eingeborenen die Leichen ins Wasser — und 
in wenigen Sekunden haben die Karibcnfische 
die lästige Arbeit besorgt. Alles Fleisch und 
die Eingeweide sind sauber abgefressen und im 
Netz ruht nur noch das nackte Skelett." 
Allerlei aus aller Welt 
Schwarze Blüten. 
Blüten mit schwärzlicher Farbe werden bei 
uns nur als Zuchtprodukte einer oft überaus 
mühsamen und langwierigen gärtnerischen 
Züchtung möglich sein. In China und Hinter 
indien jedoch finden sich unter wildwachsenden 
Pflanzen zwei Gewächse mit schwarzen Blü 
ten. Der Botaniker Handel-Mazzetti entdeckte 
auf einer seiner chinesischen Reisen in der 
Provinz Man einen rankenden Schmetter 
lingsblütler mit schwarzen Blütentrauben 
und in der Nähe des Oberlaufes des Jrawadi 
einen auf der Erde hinkriechenden Zwerg- 
Rhododendron, dessen langstielige nickende 
Blüten gleichfalls eine schöne schwarze Farbe 
zeigten. 
Die größte Luftbilökammer der Welt. 
Um die Konturen des größten künstlichen 
Stausees der Welt am Boulder-Damm in 
Amerika zu bestimmen, werden jedesmal, 
wenn das Wasser im Staubecken um 6 Meter 
gestiegen ist, Luftaufnahmen gemacht, die spä 
ter zur Herstellung von topographischen Kar 
ten dienen sollen. Die Aufnahmekamera be 
steht aus zwei Fünf-Linscn-Kamera-Einhei- 
ten, die in einem Spezialgehäuse zusammenge 
faßt und um 43 Grad gcgeneinandergeneigt 
sind. Man hat festgestellt, daß sich aus einer 
Höhe von 9000 Meter ein Gebiet von 1950 
Quadratkilometer aufnehmen läßt. Die Kame 
ra wiegt zusammen mit den Filmrollen rund 
125 Kilogramm. Die zehn Filmrollen, die für 
eine einzige Ladung gebraucht werden, haben 
ein Gewicht von 31 Kilogramm und ergeben 
360 Meter Film, der für 200 Einzelbilder 
ausreicht. Die zehn Verschlüsse werden auf 
elektrischem Wege gleichzeitig betätigt. Sollte 
einer der Verschüsse nicht sofort funktionieren, 
so leuchtet eine Neonlampe als Warnsignal 
auf. 
Das Kleid im Fiugerhut. 
Die Damen wird es interessieren, daß bei 
einer Modenschau zu Los Angeles ein Kleid 
preisgekrönt wurde, das bequem in einem 
Fingerhut untergebracht werden kann. Wie 
viele Dutzende Kleider lassen sich nunmehr in 
einer Handtasche mitnehmen! 
Spielhölle im Flugzeug. 
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten 
hat die Polizei nun sogar in der Luft, d. h. in 
einem Flugzeug, eine Spielhölle entdeckt. Die 
Polizei von Los Angeles fahndete bereits seit 
Wochen nach Spielhöllen, die in letzter Zeit 
die Westküste der Vereinigten Staaten un 
sicher machten. Vor ein paar Tagen glückte 
es ihr, überraschend ein Luxusflugzeug aus-. 
zuheben, dessen Innere in einen Spielsaal 
verwandelt war. Viele Tausende Dollar 
hatten dort oben in jüngster Zeit ihren Be 
sitzer gewechselt. 
Der teure Panamahut. 
Panamahüte werden nicht in Panama her 
gestellt, sondern in Ekuador. Eine Frau braucht 
für einen der besten Hüte sechs Wochen Ar 
beitszeit, wobei sie von morgens sieben bis 
abends zehn Uhr arbeitet und einen Tages 
lohn von etwa 50 Pfennig erhält. Das feine 
seidige Stroh muß während des Flechtens 
feuchtgehalten werden. Die besten Panama 
hüte werden für 160 bis 200 Dollars je Stück 
verkanft. 
Wußte« Sie schon... 
Daß das größte Hotel der Welt sich in 
Chikago befindet? Dieses Hotel Stevens ent 
hält 3000 elegant eingerichtete Zimmer und 
außerdem 3000 Badezimmer. Allein die Zube 
reitung des in diesem Hotel verzehrten Kaf 
fees erfordert eine besondere Küche. 
* 
Daß die beiden umfangreichsten Bücher, die 
jemals herausgegeben wurden, chinesischen 
Ursprungs sind? Das eine ist ein Wörterbuch, 
das 6020 Bünde umfaßt, das andere eine Art 
Konversationslexikon, das in 22 937 Bänden 
vorliegt. Die Herausgabe dieser Werke hat 
Jahrhunderte erfordert. 
* 
Daß die Hydra, ein kleiner Süßwasierpolyp, 
eines der merkwürdigsten Geschöpfe der Welt 
ist? Sie kann nicht nur ein Tier verschlingen, 
das 60mal so groß ist wie sie selber, sondern 
sie lebt auch weiter, wenn man ihre Innen 
seite nach außen kehrt. 
* 
Daß der prächtigste Palast der Welt der „Pa 
last der Winde" in Tschaipur in Indien ist? 
Dieser mächtige Marmorbau ist mit allen nur 
erdenklichen orientalischen und europäischen 
Bequemlichkeiten ausgestattet. Jedes der 3463 
Fenster des Schlosses ist mit einem Musik 
instrument versehen, so daß man von den 
Fenstern eine leise Musik hört, wenn der 
Wind hindurchgeht. 
* 
Daß die Ereignisse in der Geschichte der 
Menschheit, die aufzeichnenswert erschienen, 
sich auf recht begrenzten Gebieten zugetragen 
haben. 90 Prozent der Bücher über geschichtliche 
Themen behandeln Europa, das nur 7 Pro 
zent des Festlandes ausmacht. 
Der Schutz um Mitternacht 
Von Gunnar Torstensson Phil. 
Am Sonnabendabend beschloß Johansson, 
Drönung zu schaffen. 11 Uhr 30 kam er heim. 
Er riß sich das Halstuch ab, warf ein Wasser 
glas um, und schlug mit der Hand auf die Kla 
viatur des Flügels, daß es einen Mißton gab. 
Johansson war 43 Jahre alt, er handelte mit 
Tabak en gros. Er war füllig, mit für sein 
Alter zu cholerischem Temperament. Er flamm 
te leicht auf und behauptete, dies läge an den 
Nerven. 
Er stand vom Flügel auf und sah sich mit 
wilden Augen um. Nichts besonderes war zu 
entdecken. Sie war nicht zu Hause. Das hatte 
er festgestellt. Und das war es ja gerade! 
Johanssons Frau hieß Elsa und ihre Be 
kannten riefen sie noch immer, trotz ihrer Hei 
rat mit Johansson, mit ihrem Mädchennamen 
Elsa Stiernsten. Und sie selber meldete sich 
Unter diesem Namen am Telefon. Johansson 
ärgerte sich darüber. Seit einem halben Jahr 
war er mit der zweiundzwanzigjährigen Elsa 
Uerheiratet. Und was war sie vorher schon ge 
wesen? Ein elternloses, verarmtes kleines 
Mädchen. Es gab nur noch ein paar alte Stifts- 
ftaulein und einen 77jährigen Oberstleutnant 
äußer Elsa in der Familie Stiernsten. 
Johansson warf einen bösen Blick auf zwei 
vorträte über dem Flügel. Ahnen der Stiern- 
sten! 
Er griff nach dem Wasserglas und warf da- 
wit nach dem einen Ahnenbild. Dann lachte 
br auf. Er war tief verzweifelt, und er hatte 
getrunken. Dann schlug er mit der Faust auf 
äen Flügel und sagte laut: 
„Sicher ist sic wieder mit dem Leutnant 
Eederrot. Weil sie denkt, ich komme erst am 
Ķontag zurück. Diesmal habe ich ihr eine 
Falle gestellt. Nein, jetzt schaffe ich Ordnung!" 
Er siel in einen Stuhl vor dem Schreibtisch 
und nahm aus der Schublade einen kleinen 
frowning. Er setzte vier Schuß in das Maga- 
o'u. Dann stellte er sich mit der Pistole in der 
?änü in die Tür zur Halle. Die Halle lag 
Dunkel, Im Hause rührte sich nichts. 
Da — man hörte den Lift surren. Er hält 
an Johanssons Etage. Jemand flüstert. Man 
unterscheidet eine Frauen- und eine Männer 
stimme. In Johanssons Kopf wirbelt es. Leise 
öffnet sich die Entreetür, und zwei Gestalten 
schleichen hinein . . . Die Treppenbeleuchtung 
brennt nicht. 
„Ich will sie erst Licht machen lassen", denkt 
Johansson, „Auge in Auge will ich ihnen ge 
genüberstehen . . ." 
Da flammt das Licht auf. 
„Was ist denn das?" ruft Johansson aus. 
„Oh, er schießt!" schreit eine Frauenstimme. 
„Ruhe", erwidert ein Mann. 
„Sehen Sie, Herr Johansson, wir sind ver 
lobt", jammert das Mädchen wie entschuldi 
gend. 
„So — Sie sind es also...", murmelte Jo 
hansson verwirrt. „Und in Herrenbegleitung", 
setzt er streng hinzu. 
Die Hausangestellte bei Johansson stottert 
eine Entschuldigung nach der andern. „Ja 
und wir wollten auf Sveas Zimmer gehen, 
um über unsere Heirat zu sprechen," sagte der 
Mann endlich und verbeugte sich linkisch. 
„Und das mußte ausgerechnet nachts sein, 
Svea, finden Sie das sehr passend?" meinte 
Johansson. 
Dabei machte er eine ungeschickte Bewegung 
mit der Pistole und unerwartet ging ein Schuß 
los. Ein harter, scharfer Knall begleitete den 
Einschlag ins Parkett. Johansson verlor die 
Waffe und wurde blaß. Svea schrie auf und 
rannte in ihr Zimmer, das sie verschloß. Der 
Mann sah Johansson kopfschüttelnd an, setzte 
seinen Hut auf und ging ohne ein weiteres 
Wort. Die Tür schlug hinter ihm zu. Es 
herrschte tiefe Stille. Johansson sieht die Pi 
stole an, starrt vor sich hin, steckt die Waffe 
unsicher in die Tasche, geht zum Schlafzimmer 
. . . und fährt zusammen. „Was — du bist zu 
Hause?" bringt er mühsam hervor. 
Elsa Stiersten sitzt im Bett, sehr jung, sehr 
hübsch und sehr kokett: 
„Da hast wieder getrunken, Eberhard!" 
„Nur ein kleines Glas", murmelt Johans 
son ,„warst du heute den ganzen Abend zu 
Hause?" 
„Als du — unangemeldet! — vorhin kamst, 
war ich im Bad." 
Johanssons Herz wurde weich — natürlich, 
daß er darauf nicht gekommen war! 
„Ja, und so hörte ich, wie du dich aufgeführt 
hast. Ich bin erstaunt, Eberhard. Denn jedes 
Wort war zu verstehen ., ." 
„Was wolltest du mit der Pistole, Eberhard", 
fragte seine Frau weiter, als keine Antwort 
erfolgte. 
„Nachsehen, ob sie noch nicht verrostet ist,,, 
sagte Johansson gefaßt. 
„Ich bin nicht ängstlich, eine Stiernsten ist 
nicht feige", sagte Elsa. „Aber ich fürchte, ich 
fürchte, Eberhard, dein Kopf beginnt einzu 
rosten." 
Johansson beginnt, als Elsa schweigt, sich 
auszuziehen. In drei Minuten schläft er . . . 
Als Elsa am Morgen aufwachte, trat Svea 
mit gesenkten Augen in das Zimmer. Bald 
verließ Elsa das Haus. Ihrem Mann sagte sie 
nur, sie gehe auf den Markt. Trotzdem das 
sonst nicht zu Elsas Gewohnheiten gehörte, 
sagte Johansson nichts. 
Elsa aber lief zum nächsten Postamt und be 
gehrte die Nummer 51825. 
* 
Schlägt man im Telefonbuch nach, bestätigt 
es sich, daß der Inhaber der Nummer 51825 
Herbert Cederrot, Leutnant ist... 
Heitere Medizin. 
Anekdote« um berühmte Aerzte 
Bratwurst mit Sauerkraut. 
Der bekannte und beliebte Berliner Arzt 
Heim, im Volksmund der „alte Heim" genannt, 
verfügte über eine glückliche Dosis gesunden 
Humors. Eines Tages wurde er zu einer Pa 
tientin gerufen, die stark unter Migräne litt. 
Sie wollte jedoch nur fragen, ob sie ein ihr 
empfohlenes Hausmittel ohne Gefahr anwen 
den könne. „Mir wurde empfohlen", jagte sie. 
„eine Portion Sauerkraut auf den Kopf zu 
legen. Was halten Sie davon, Herr Doktor?" 
Heim nickte ernsthaft: „Sehr gut — aber ver 
gessen Sie nur nicht, auch eine Bratwurst oben 
drauf zu legen!" 
* 
Nicht so gefährlich. 
Der englische Arzt Dr. Abenethy war zu sei 
ner Zeit nicht nur um seiner Fähigkeiten, son 
dern auch um seines groben, urwüchsigen Hu 
mors willen bekannt. Eines Nachts läutete 
es an seiner Haustüre, und eine angstvolle 
Frauenstimme rief von der Straße herauf: 
„Um Gottes Willen, Herr Doktor, kommen Sie 
schnell, — mein Sohn hat eine Maus ver 
schluckt!" Abenethy, wütend über die Störung, 
rief zurück: „Macht nichts, lassen Sie ihn noch 
eine Katze verschlucken!" 
* 
Zum Auf- und Zuknöpfen. 
Dem berühmten französischen Chirurgen 
Dr. Chapellier passierte am Beginn seiner 
Karriere ein tragikomisches Mißgeschick. Er 
hatte dem Leiter eines großen Krankenhauses 
bei einer Operation zu assistieren und an 
schließend die ziemlich große Wunde zu ver 
nähen. Dem Professor sagte die Naht jedoch 
nicht ganz zu und Chapellier mußte die Wun 
de nochmals öffnen und zum zweiten Male 
zunähen. Durch die Rüge seines Vorgesetzten 
verwirrt und unsicher gemacht, nähte er dabei 
eine winzige Pinzette mit in die Wunde hin 
ein, ein Versehen, das er zu seinem Entsetzen 
erst ganz am Schlüsse bemerkte. Bestürzt ver 
schwieg er das Malheur. Kaum hatte der Chef 
arzt den Operationssaal verlassen, da stürzte 
sich Chapellier zum dritten Male auf sein Op 
fer, das die ganze Operation bei voller Be 
sinnung mitgemacht hatte und öffnete noch 
einmal den Schnitt. Als er sich anschickte, die 
Wunde endgültig zum letzten Male zu ver 
nähen, redete ihn der Patient mit beneidens 
wertem Humor an: „Herr Doktor — wäre es 
nicht vorteilhafter für uns beide, wenn Sie 
gleiche Knöpfe annähen würden ,. ?" 
Suv Unterhaltung 
Beilage der Schleswiq-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsbucgec Tageblatt) 
— -s 
Freitag, den 15. Mai 1936
	        
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