Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

SS.-Wģàfrjhrer Julius Schreck 
gestorben. 
DNB. München, 16. Mai. (Eig. Funkm.) Der 
alte treue Mitkämpfer und Fahrer -es Füh 
rers, SS-Briga-esührer Julius Schreck, ist 
heute vormittag 10 Uhr in München an den 
Folgen einer Hirnhautentzündung im Alter 
von 38 Jahren verschieden. 
* 
DNB. München, 15. Mai. Der Führer be 
suchte Freitag nachmittag in der Universitäts 
Ohrenklinik München seinen alten Fahrer. 
* * * 
„Einfach, vornehm und ruhig." 
Der Bürgermeister von Athen 
über seinen Empfang beim Führer. 
DNB. Athen, 15. Mai. In einer Unterre 
dung äußerte sich der Bürgermeister von Athen 
Kotzias über seinen Besuch beim Führer. Er 
erklärte, es sei vielfach die Vorstellung ver 
breitet, daß man bei einem Besuch beim Füh 
rer durch einen Schwarm von Posten und uni 
formierten Wachen hindurch müsse und sich ein 
Empfang im Rahmen einer strengen Etikette 
mit glänzenden Förmlichkeiten abspiele. Nichts 
von alledem treffe zu. 
„Einfach, vornehm und ruhig ist dieser 
Mann, der an der Spitze eines 67-Millioneu- 
Volkes steht, trotz aller harten Kämpfe. Bis zu 
dem Augenblick, wo sich die Tür zum Arbeits 
zimmer des Führers öffnet, ereignet sich 
nichts, was die Aufmerksamkeit und Phantasie 
erregen könne. Nichts überflüssiges Getue, 
alles spielt sich in ruhigen und dezenten For 
men ab. In seinem Arbeitszimmer", fuhr 
Bürgermeister Kotzias in seinem Bericht fort, 
„trat mir der Führer entgegen und seine na 
türliche Heiterkeit schuf sofort einen vertrau 
lichen Ton des Gesprächs. Ich hatte das Ge 
fühl, als kannte ich Hitler seit Jahren. Aus 
seinen Augen spricht Klarheit, Aufrichtigkeit 
und Glaube und sie verkünden einen starken 
Willen." 
Bürgermeister Kotzias schloß mit der Fest 
stellung, daß Hitler sonderbarerweise gelegent 
lich als „Diktator" geschildert werde. Dies sei 
nicht richtig, denn in seiner Person vereinige 
sich der Wille und der feste Glaube eines Mil 
lionenvolkes. 
Zeiche« der Verbundenheit von SA. ««d Wehrmacht 
Geschwader „Horst Wessel" in Dienst gestellt 
In 
Feilschen um die Leute. 
Paris schiebt man in den zukünftigen 
maßgeblichen Kreisen zur Zeit sich die Mini 
stersessel zu bzw. angelt nach ihnen. Soviel 
scheint festzustehen, daß das neue Kabinett, 
unter L 6 o n Blum (ohne Portefeuille), 
aus 9 Sozialisten und 7 Radikalsozialistcn, d. 
h. also einer sozialdemokratischen Mehrheit 
und einer linksbürgerlichen Minderheit be 
stehen wird. In dem Rennen um das Außen 
ministerium liegen zur Zeit Herriot und 
Chantemps, der ebenfalls schon einmal Kabi 
nettschef war, am weitesten vorn. Kriegs 
minister dürfte der frühere Ministerpräsident 
Daladier werden, während der bisherige Re 
gierungschef Sarraut wieder das Marine 
ministerium übernehmen soll. Pierre Cot 
würde im Luftfahrtministerium ebenfalls in 
ein schon bekanntes Gebäude wieder einziehen. 
Bölkerbundsminister soll Paul-Boncour blei 
ben. 
Unterdessen betreiben die Kommunisten 
planmäßig die Aufstellung eines Systems, das 
man nur als Ncbenregierung bezeichnen 
kann. Sowohl diese Tatsache als auch die 
wahrscheinliche Zusammensetzung der neuen 
Regierung tragen bereits den Keim für künf 
tige innere Kämpfe in sich. 
* * -» 
Es knuckt im Völkerbundsgebälk 
wieder einmal ganz erheblich. Zwar hat nicht 
Chile den Borstoß gemacht, den man nach den 
letzten Genfer Verhandlungen mit einiger 
Wahrscheinlichkeit erwartete, sondern das 
wesentlich kleinere Guatemala. Aber der Aus 
tritt dieses südamerikanischen Staates ist be 
zeichnend für die Stimmung unter den süd 
amerikanischen Völkerbundsmitgliedern über 
haupt. Sie haben schon bei der Apriltagung 
des Rates keinen Hehl aus ihrer Skepsis ge 
genüber der heuchlerischen Genfer Organi 
sation gemacht. Es ist durchaus möglich, daß 
das gute Beispiel Guatemalas Nachahmer 
findet, zumal die Nachwirkungen aus der 
finanziellen Einbuße durch die Beteiligung 
an den Sanktionen für viele Staaten sich sehr 
viel nachdrücklicher gestalten, als sie noch bei 
Kriegsende angenommen haben. 
« » » 
Kein Giftgas, nur Schlafmittel! 
KNS. Das dänische Marineministerium gibt 
bekannt, daß es den Inhalt des bei Lange 
land angetriebenen Behälters mit einer übel 
riechenden Masse hat chemisch untersuchen las 
sen. Die Untersuchung habe ergeben, daß der 
Inhalt aus organischen Stoffen besteht, die 
znr Herstellung von Schlafmitteln oder zur 
Denaturierung von Spiritus gebraucht wer 
den. 
Schon in den frühen Morgenstunden des 
Donnerstag hatte eine wahre Völkerwande 
rung aus der flaggengeschmückten Stadt zum 
Flughafen eingesetzt. Auf allen Straßen mar 
schierten SA.-Stürme und Fliegerstürme der 
Luftgaureserve, fuhren die Kraftwagen des 
Heeres und der Luftwaffe. Die Züge der 
Reichsbahn und die Straßenbahnen zum Flug 
hafen waren überfüllt. 
Unter den zahlreichen Ehrengästen, die in 
ihren Uniformen dem Gesamtbild der Veran 
staltung ein besonderes Gepräge gaben, befan 
den sich auch die Mutter und die Schwester des 
deutschen Nationalhelöen, Frau Pfarrer Wessel 
und Ilse Wessel, in schlichtem Schwarz, der 
Staatssekretär der Luftfahrt, General der Flie 
ger Milch, mit zahlreichen Offizieren seines 
Stabes als Vertreter des Reichsluftfahrtmini 
sters Generaloberst Göring, der Stabschef 
Viktor Lutze, der Befehlshaber des Luftkreis 
kommandos 4, General der Flieger Halm, der 
Kommandierende General des 6. Armeekorps, 
Generalleutnant von Kluge und viele andere 
höhere Offiziere aus Dortmund und den Nach 
barstandorten der Wehrmacht. 
Pünktlich um 11 Uhr erschallen die ersten 
Kommandos, und der Staatssekretär der Luft 
fahrt, General der Flieger Milch, schritt unter 
den Klängen des Präsentiermarsches die Front 
der drei Geschwadergruppen ab, gefolgt vom 
^tabSchef der SA. Lutze und dem Befehlshaber 
im Luftkreis 4, General der Flieger Halm, dem 
Kommandierenden General des 6. Armee 
korps, Generalleutnant von Kluge, und Offi 
zieren des Generalstabes. Zu beiden Seiten 
des tannenumkränzten Rednerpodiums waren 
die drei vom Führer am 16. März genehmigten 
und gestifteten Gruppenfahnen, einstweilen 
noch verhüllt, aufgestellt. Dann ergriff Gene 
ral der Flieger Milch das Wort zu folgender 
Ansprache: 
„Wir haben heute das Geschwader Horst Wes 
sel, das vor einem Jahre dem Führer zu sei 
nem Geburtstage geschenkt wurde, in Dienst 
zu stellen. Wir verdanken dieses Geschwader 
der SA., die vor einem Jahre dem Führer die 
Mittel zur Verfügung stellte, um die Flug 
zeuge dieses Geschwaders zu beschaffen. 
Ein jeder SA.-Mann des ganzen Deutschen 
Reiches hat mit dazu beigetragen. Damals ha 
ben wir der SA. unseren Dank ausgesprochen 
und heute soll das Geschwader in Dortmund 
in Dienst gestellt werden. Ich habe die SA. und 
alle Führer der SA. nach Dortmund gebeten, 
auf Befehl unseres Oberbefehlshabers, Gene 
raloberst Göring, das Geschwader vorzustellen 
und vorzuführen. Unser Oberbefehlshaber 
wollt: eigentlich heute selbst hier sein, wurde 
aber davon abgehalten, weil er wichtige Auf 
gaben zu erfüllen hat,' die ihm vom Führer 
übergeben worden sind. So bin ich beauftragt 
ihn hier zu vertreten. Mit seinem Herzen weilt 
er aber zur Stunde unter uns und sieht seinen 
Kameraden von SA. und von der Luftwaffe 
ins Auge. 
Als das Geschwader vor einem Jahre be 
fohlen wurde, hat der Führer selber den Na 
men für das Geschwader ausgesucht. Es trägt 
den Namen „Horst Wessel", der als Vorbild 
für die unzähligen Kämpfer der SA., die im 
Kampf für die Bewegung ihr junges Leben 
opferten, zu betrachten ist. Mit dem Namen 
Horst Wessel nimmt die junge deutsche Luft 
waffe die Verpflichtung auf sich, in allen Zei 
ten als begeisterte Kämpfer des Führers dazu 
stehen zum Schutz der deutschen Heimat und 
des deutschen Volkes. Das Geschwader liegt 
hier im Westen des Reiches, in Dortmund, dort, 
wo die deutsche Arbeit lebt und wo früher 
keine Truppen gelegen haben,' heute aber 
schickt das neue Deutschland mit Stolz seine 
Truppen in die Kasernen und Quartiere." 
Nach der Ansprache erfolgte die feierliche 
Uebergabe der Fahnen. Der Staatssekretär 
übergab jede einzelne der drei enthüllten Fah 
nen unter den Klängen des Präsentiermarsches 
mit besonderen Fahnensprüchen den herantre 
tenden Gruppenkommandeuren, während eine 
Flak-Batterie Salut schoß. 
Stabschef Lutze nahm dann das Wort zu 
einer Ansprache. Er warf zunächst einen Rück 
blick auf die vergangene Systemzeit und be 
tonte sodann die besonders enge Verbunden 
heit zwischen der Partei mit ihren Gliederun 
gen und der Wehrmacht. Weiter dankte er der 
Mutter Horst Wessels dafür, daß sie dem Va 
terlande einen solchen Heldensohn geschenkt 
habe. „Der Geist Horst Wessels", so sagte Stabs 
chef Lutze, „muß wach bleiben in uns immer 
dar; cs ist der Geist der Männer, die nie nach 
Verdienst gefragt haben, sondern immer nur: 
Wie kann ich am besten meinem Volke dienen". 
Es ist der Geist, den uns der Führer gegeben 
hat und den wir fortpflanzen bis in die ewige 
Zukunft unseres Volkes. 
Meine Kameraden! Wir geloben in dieser 
Stunde, daß die Fahnen, die dem Geschwader 
„Horst Wessel" heute übergeben wurden für 
uns nicht nur äußere Zeichen sein sollen, son 
dern die Idee verkörpern, für die wir uns alle 
einsetzen, die Idee des Nationalsozialismus." 
Als Stabschef Lutze geendet hatte, setzte sich 
Drei Bekenntnisse Dr. Franks 
Vom Juristen zum Rechtsmahrer 
Der Führer hat auf Vorschlag des Reichs 
ministers der Justiz zum Präsidenten des 
Volksgerichtshofs den Vizepräsidenten des 
Reichsgerichts, Staatsminister, SA.-Oberfüh- 
rer Dr. Thierack, ernannt. Außerdem erfolgten 
eine Reihe anderer Ernennungen beim Volks 
gerichtshof und beim Reichsgericht. 
DNB. Leipzig, 15. Mai. Der Reichsjuristen 
führer, Reichsminister Dr. Frank, hielt zur 
Eröffnung des Deutschen Juristentages 1936 
eine umfassende Rede über die Aufgaben des 
nationalsozialistischen Rechtswahrers. 
Drei Bekenntnisse legen wir auf diesem 
deutschen Juristentag ab, so sagte Dr. Frank. 
Das Bekenntnis zum Führer und zum 
Nationalsozialismus ist der Inhalt unseres 
Wirkens. Wir schöpfen unser Recht aus der 
Wirklichkeit des Erlebnisses unseres Volkes, 
wie es sich aus der deutschen Seele und aus 
dem deutschen sittlichen Grundgesetz, aus der 
nationalsozialistischen Staats- und Gemein 
schaftsverfassung und aus dem harten Kampf 
gesichtspunkt der Durchsetzung der Freiheit 
unseres Volkes nach innen und außen ergibt. 
Das Bekenntnis zum Recht an sich, das wir 
als zweites ablegen wollen, umschließt unsere 
besondere Mission in dieser Zeit. Aus dem 
Juristen haben wir den Kämpfer ums Recht 
zu machen, haben wir den Vertreter des Wil 
lens des Führers und seiner Bewegung zu 
erziehen, des Willens, der dahin geht, daß das 
Dritte Reich ein Reich der Gerechtigkeit und 
der Sicherheit, der Freiheit und der Ehre 
seiner Volksgenossen sein will und ist. 
Und ein drittes Bekenntnis legen wir aus 
unserer Mitte und für uns ab: Wir wollen, 
daß die Träger dieser hohen Aufgabe des 
Rechtsdienstes eine geschlossene Kampfgruppe 
in dem gesamten Bereich unserer öffentlichen 
Dienste darstellen. Nicht mehr darf in den 
Reihen dieses Rechtsdienstes eine Kluft nach 
akademischer oder nichtakademischer Vorbil 
dung bestehen, nicht mehr darf in diesem 
Rechtsöienst ein Sondcrinteressendienst der 
freien und der beamteten Berufe vorstellbar 
sein, sondern wir alle, die wir in der stolzen 
kameradschaftlichen Gemeinschaft des Rechts 
dienstes des Dritten Reiches stehen, wollen 
uns genau so, wie alle anderen Träger von 
großen sozialen Aufgaben im Dritten Reich 
ohne Trennung und ohne Spaltung vereinen 
zu einem geschlossenen Korps der Disziplin, 
der Treue und des gegenseitigen Vertrauens. 
So beginnen wir heute diesen Deutschen 
Juristentag 1936 mit der sicheren Ueberzeu 
gung, mit Träger dieser großen Zeit sein zu 
dürfen. 
Als Ziel dieses Juristentages habe ich mir 
gestellt, verkündigen zu dürfen, daß aus 
dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher 
Juristen in siegreichem Kampf um die Rück 
gewinnung der germanischen Grundlage un 
seres Rechtes der Nationalsozialistische Nechts- 
wahrerbund geworden ist. Nicht um den Be 
griff des Juristen zu schmähen, lehnen wir 
die Bezeichnung des Juristen ab; nein, nicht 
aus negativen Erwägungen, sondern nur aus 
dem bejahenden Bekenntnis heraus, daß unser 
Dienst mehr ist als Repräsentanten einer for 
malen Ordnung zu sein, aus dem Willen her 
aus, daß wir Wahrer des Rechtes des deut 
schen Volkes in allen Aufgaben und Auswir 
kungen sein wollen und auch, dem Befehl des 
Führers entsprechend, in der Gesamtgliede 
rung des deutschen Volkes für alle Zeiten sein 
werden, in dem Bewußtsein also, daß aus dem 
starken inneren Rechtsleben unseres Volkes 
auch der unbesiegbare Rechtsanspruch unseres 
Volkes der Welt gegenüber auf Freiheit, Ehre 
und Gleichberechtigung immer stärker erwacht. 
Als Juristen traten wir an, als National 
sozialisten haben wir uns durchgesetzt und als 
Rcchtswahrer werden wir in die Geschichte 
des nationalsozialistischen Reiches hinein 
marschieren. 
der General der Flieger Halm an die Spitze 
der Parade die von dem Geschwaderkommodore 
Oberstleutnant Döring angeführt wurde. Nach 
der Fliegerparade folgte der Vorbeimarsch der 
SA.-Gruppe Westfalen, den der Stabschef ab 
nahm. 
Den Abschluß der Feier bildeten fliegerische 
Vorführungen des Jagdgeschwaders. 
* * * 
Flughchs Tana-See. 
Die Londoner Besorgnisse um die britischen 
Interessen im Tana-See-Gebiet wurden be 
kanntlich schon lange laut, bevor das erste ita 
lienische Bombenflugzeug dort wasserte. Sie 
Dürften sich bald in verstärkter Form äußern, 
seitdem bekannt wird, daß die italienische Hee 
resleitung den Tana-See als eine Basis fö* 
eine große Streitmacht von Bombenflugzeugen 
und dcrgl. benutzen will. Diese Ankündigung 
bekommt ihre volle Bedeutung vor allem ba- 
durch, daß ausdrücklich für diese Basis Flug 
zeuge „mit großer Reichweite" vorgesehen sind. 
Rein militärisch gesehen und nur auf das abes- 
sinische Gebiet selbst bezogen, ist eine starke 
Luftflotte auf dem Tana-See — immer unter 
der Voraussetzung der Richtigkeit der engli 
schen Meldungen — nicht ohne weiteres selbst 
verständlich. Kommt hinzu, daß der Tana-See 
so nahe der Suöangrenze liegt, daß bis zuw 
nächsten vorspringenden Grenzpunkt nur eine 
Luftlinie von 120 Klm. zu überwinden wäre; 
das ist je nach dem Flugzeugtyp eine Angele 
genheit von 20 bis 30 Minuten. 
Man darf gespannt sein, ob die englischen 
Meldungen über den Plan einer italienischen 
Flugbasis auf dem Tana-See von Rom aus 
dementiert werden. 
• mm 
Die polnische Regierung zuriickgeîrà 
DNB. Warschau, 13. Mai. Die Negierung 
Koscialkowski hat dem polnischen Staatspräsi 
denten ihren Rücktritt erklärt. Staatspräsident 
Moscicki hat den Rücktritt angenommen »nd 
de« General Skladkowski mit der Nenbilduag 
der Regierung beanstragt. 
Der mit der Neubildung des Kabinetts be 
auftragte General Skladkowski hat in den Re 
gierungen des Marschalls Pilsudski in sechs 
Kabinetten in der Zeit von 1926 bis 1933 das 
Amt des Innenministers geführt. Er gilt als 
ein Mann der starken Hand und energische« 
Entscheidungen. Die innenpolitischen Strö 
mungen, zu deren Ueberwindung das neue 
Kabinett berufen sein wird, sind einerseits i« 
der Entwicklung der Wirtschaftslage begrün 
det, die letzthin zu den Devisenbeschränkungen 
und entsprechenden Maßnahmen auf dem Ge 
biet des Handels geführt haben. Andererseits 
haben die von kommunistischen Hetzern veran 
laßten Arbeitslosenunruhen, die u. a. in Kra 
kau und Lemberg zu blutigen Zusammen- 
tößen geführt haben, die Frage energischer 
Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit in den 
Vordergrund geschoben. 
* * * 
Französisch stall Deutsch 
gedenkt die litauische Schulbehörde demnächst 
an den höheren Schulen einzuführen, eine Ab 
sicht, bei der anscheinend der Gedanke der 
Zweckmäßigkeit in keiner Weise ausschlagge 
bend war. Es ist nun sehr merkwürdig, daß 
die „Französisch-Litauische Gesellschaft" erst vor 
zwei Jahren, und zwar ausgerechnet kurz nach 
dem Abschluß des deutsch-polnischen Abkom 
mens gegründet wurde. Man kann es dahin 
gestellt sein lassen, ob die Absicht der litauischen 
Schulbehörde auf das Wirken dieser Gesell 
schaft oder auf eine stärkere Annäherung Li 
tauens an Frankreich auf Grund des bolsche 
wistischen Militärpaktes zurückgeht. Möglich 
auch, daß nach der Zurückdrängung des franzö 
sischen Einflusses in Polen Frankreich den 
Wunsch hat, diese Lücke durch Litauen wenig 
stens annähernd zu füllen und nun zunächst 
einmal mit den Methoden seiner bekannten 
„Kulturpropaganöa" auf Litauen einzuwirken 
versucht. 
„Die schaffende Nordmark" 
Eine graste Ausstellung in Hamburg 
Die Stadt Hamburg Hat sich auf dem er 
weiterten Gelände des Zoos einen Ausstel 
lungsplatz geschaffen, der seinesgleichen sucht. 
Das ehemalige Zoogelände ist durch die alten 
Friedhöfe erweitert worden und wird noch 
weiter erschlossen, so daß im nächsten Jahr hier 
ein Platz für Ausstellungen und Aufmärsche 
geschaffen wird, wie man ihn im Zentrum 
einer Großstadt wohl nicht vermuten würde. 
Als eine ständige Ausstellung ist die der 
„Planten und B l o m e n" dort unterge 
bracht. Wer Hamburg besucht, sollte sich die 
Zeit nehmen, diese Ausstellung zu durchwan 
dern. Leuchtende und duftende Blumenfelöer, 
je nach der Jahreszeit wechselnd, herrliche Ro 
sengärten, Gartenwirtschaften am kleinen See, 
auf dem die Jungens kleine Segelboote flitzen 
lassen, tägliches Konzert auf dem Wandelplatz, 
Bänke zum Ausruhen, Lauben zum Verwei 
len, alles das macht den Aufenthalt zu einer 
Erholung. Man glaubt sich in einen herrlich 
gepflegten Park versetzt, dessen Mitbesitzer man 
ist durch die Lösung der billigen Eintrittskarte. 
Ein Teil des Ausstellungsgeländes, das 
heißt die Ausstellungshallen, nehmen wech 
selnd große Ausstellungen auf. Bis vor weni 
gen Tagen war eine Schau Sonneberger Spiel 
zeugs dort zu sehen, heute wird die große Aus 
stellung „Die schaffende Nord mar £" 
durch den Regierenden Bürgermeister K r o g - 
mann eröffnet werden. Sie soll einen ge 
schlossenen Ueberblick von dem Leistungswillen 
und der Leistungsfähigkeit der Nordmark ge 
ben. Rund 50 Wirtschaftsgruppen sind an der 
Ausstellung beteiligt, Ein- und Ausfuhrhan 
del, das Handwerk, Reichspost, Reichsbahn, der 
Reichsnährstand, der Reichsarbeitsdienst usw. 
So wird dem Besucher ein reiches und lebendi 
ges Bild von der schaffenden Nordmark ver 
mittelt. 
Verantwortlicher Hauptschriftleiter und Herausgeber: Fer 
dinand Möller. 
Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Herbert Puhlmann- 
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann; für den ört 
lichen und allgemeinen Teil: Adolf Dregori; für den wirt 
schaftlichen Teil: Dr. Cl. Blelfeldt; für de» provin 
ziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg. 
Bildverantwortliche: Ressortleiter. 
Verantwortlicher Anzetgenleiter: Karl Jacobs«», Rendsburg. 
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg. 
D-»A- Schleswig-Holsteinische Landeszeitung (Rendsburgs 
Tageblatt — Hohenwestedter Zeitung / Di« Landpoff 
Hansrou. Hade maischen — Süderbraruper Tageblatt), 
D.-A. IV 36 13 764 PI. Nr. 7.
	        
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