Der 9 onnîaasfreunà
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitunq (RendsburgecTageblatt)
Sonnabend, den 1ö. Mai 1936
in Mm Ut\U> bor
_ simbigi nichts %t>Ķ 3,6,
Gedanken Znw Sonntag
Ebenso wie die Sünde, wenn man sie in
^,yrem Ursprünge, nicht in ihren vielfältigen
^ebenserscheinungen und Folgerungen inner-
yalb der Menschheitsgeschichte ins Auge faßt,
ganz einfach der Bruch der Lebensgemeinschaft
mit Gott durch Adam ist, so einfach ist auch
as Wesen der Erlösung in ihrem Ur
sprünge, nämlich die Wiederherstellung der Ge
meinschaft mit Gott durch C h r i st u s. In ihren
Colgewirkungen ist die Erlösung ebenso viel-
Mlüg wie die Sünde. Es gibt viele Stufen von
oem Schächer zur Rechten bis zu Johannes,
oem Junger des HErrn, der ausharrte auch
am Tage von Golgatha zu Seinen Füßen. Aber
wie Adam die ganze Menschheit in den Bruch
^er Lebensgemeinschaft mit Gott hineinzog, den
E-oö über alle aus Evas Schoße Geborenen
«rächte, so folgert die Versöhnung der Mensch
et mit Gott durch Christus für jeden Men
gen die Wiederherstellung des Vertrauens
verhältnisses mit Gott und damit die Gabe
"es ewigen Lebens.
Also gibt es keinen ewigen Tod, keine Hölle,
was beides gleichbedeutend ist mit ewigem Ge
trenntsein von Gott, dem Urquell alles Lebens?
Fa,ihn gibt es trotzdem! Aber ebenso
wenig wie der „Lohn" des ewigen Lebens im
händlerischen Sinne ist, ebensowenig ist die
Strafe" des ewigen Todes ein Ausdruck der
brache. Vielmehr sind beides nur Fol
gerungen unserer Haltung. Die heili
gen Urkunden Gottes reden bezüglich
ves ewigen Lebens in ebenso wun
derbaren und unseren Anschauungen an
gepaßten Beispielen wie sie bezüglich des
ewigen Todes in krassen Farben und Bei
spielen des Schreckens sprechen, nicht um die
Höhe des Lohnes oder der Strafe uns vor
Fugen zu führen, sondern die Folgerun
gen in ihrem Glanze wie in ihrer Furchtbar
st zu zeichnen für diejenigen, welche die neue
Gemeinschaft aus ihrer Herzensstellung anzu
nehmen oder in den adamitischen Bruch der
Menschheit mit Gott trotz aller göttlichen Heils
taten freiwillig zu verharren willens sind.
Allen göttlichen Heilstaten gegenüber bleibt
im individuellen wie im kollektiven Sinne
t'ubei, daß Gott die Wahl von Segen und Fluch
Ueiwillig in die Hand Seines Geschöpfes legt.
^te allein ist frei und hängt von unserem Her-
sensveryältnis zu Gott ab, die Folgerungen
Und bedingt durch die Heiligkeit und Gerechtig
elt Gottes. Was Er der Menschheit gab,
Daren Geschenke Seiner Liebe. Wie
wir sie anwenden, ob wir sie annehmen oder
"lehnen, ist in unsere Hand gelegt. Erwidern
tr diese mit einer Gesinnung gleicher Liebe
"nd gleichen Vertrauens, so reifen aus diesen
w Folgerungen wie die Frucht am Baume
Das neue Gemeinschaftsverhältnis mit Gott
in Christus läßt für jeden das ewige Leben
reifen mit allen Vollkommenheiten, die der
Schöpfer Gott sich vorbehalten hat, denen zu
gewähren, die in diese Gemeinschaft freiwillig
sich eingegliedert haben. Es ist nicht Lohn,
sondern Frucht unserer Liebe zu Gott. Aber
auch das andere, der ewige Tod in ewiger
Gottesferne ist nicht Bestrafung, sondern auch
nur Folgerung aus dem freiwilligen Entschluß,
der Liebe Gottes gegenüber mit neuem
Ac iß trauen in aöamitischer Gesinnung zu
verharren.
So stehen sich Gott und Mensch in einem
Verhältnis der völligen Freiheit im Rahmen
der uns gegebenen irdischen Lebenszeit gegen-
über. Was öahinter steht, sind aber Folgerun-
gen, für die man selbst die Verantwortung nach
freiwilligem Entschlüsse zu tragen
hat.
Bunte Welt
Das Geld liegt aus der Straße.
In
dem amerikanischen Dorfe Dam -
bridge wurden ganze Massen von Fünf-
Dollarnoten auf der Straße, in Sträuchern ge
funden und aus dem Fluß gefischt. Die Bevöl
kerung eilte aufgeregt herbei, um an diesem
Dollarsegen einen Anteil zu erwischen. Dem
schob aber die Polizei einen Riegel vor, indem
sie dieses kostbare Strandgut beschlagnahmte.
Sie hatte nämlich festgestellt, daß die Bank
noten aus dem vor kurzem beraubten Postwa
gen stammten. 80 000 Dollar fielen damals den
Banditen in die Finger. Das Geld wurde an
scheinend damals vergraben und ist jetzt durch
Hochwasser aus seinem Versteck gespült wor
den.
Archäologische Funde in Palmyra
Die von dem französischen archäologischen
Institut in Istanbul schon längere Zeit vor
genommenen Ausgrabungen der etwa 200 Km.
von Damaskus entfernten antiken Stadt Pal
myra haben überraschende Ergebnisse gezeitigt.
Es wurden ein Bet-Tempel und ein Tempel
des Himmelsbeherrschers, eine zwei Kilometer
lange Kolonnade, Gräber, Aufschriften, Sta
tuen usw. entdeckt. Der ursprüngliche Name
der Stadt war Tadmor. Palmyra wird im
Jahre 1100 v. Chr. erwähnt. Die Stadt hatte
eine große Bedeutung für den Handel, wovon
auch eine Aufschrift auf einem ausgegrabenen
Stein zeugt.
3300 Jahre alte Gräber in der Lüneburger
Heide.
Durch den Lüneburger Museumsverein wur
den bei Wendischevern auf dem „Menne-
rich-Berg" trichterförmige Steinpackungen
freigelegt, die aus über 1000 Steinen bestehen,
die zum Teil gespalten sind. Innerhalb dieser
Packungen wurden zwei ovale Mulden ent
deckt, in denen offenbar Leichen bestattet wur
den. Von diesen fand man allerdings nur noch
dürftige Spuren. Bemerkenswert ist eine 18
Zentimeter lange bronzene Speerspitze, die aus
der Zeit von 1400 bis 1200 v. Chr. stammen
soll.
Lebertran bei Verbrennungen des Auges.
Von einem wirksamen Mittel bei Verbren
nungen des Auges uud Augenlides berichtet
der englische Arzt S e e v e n s o n , der mit Er
folg Lebertran angewendet hat. Bei Verbren
nungen der Lider legte er einen lebertran-
getränkten Verband auf und verordnete dem
Kranken, ihn durch Aufträufeln von Leber
tran feucht zu halten, ohne den Verband im
Verlauf von 24 Stunden zu wechseln. Bei tie-
fergehenden Verletzungen wurde der Leber
tran erwärmt und alle 3—4 Stunden einge-
Kunst und Wissen
träufelt. Diese Behandlung beseitigte sofort
den Schmerz.
Eine „Kannebecker"-Ausstellung.
Die Westerwald-Gemeinde Höhr-Grenzhau-
sen im „Kannebeckerlande" hat die
Einrichtung eines Museums beschlossen, in
dem die Erzeugnisse der Jahrhunderte alten
einheimischen Töpferkunst gezeigt werden sol
len. Vom 9. August bis 8. Oktober soll erst
malig eine Keramische Ausstellung
der Kannebecker stattfinden.
Französische Künstler auf der Olympiade.
Durch den französischen Sportminister und
den Leiter des französischen Ministeriums der
schönen Künste wurde jetzt in der Pariser Ga
lerie „ B e a u x - A r t s " eine Schau der
Werke französischer Künstler eröffnet, die für
die Kunstabteilung der Olympischen Spiele be
stimmt sind. Zahlreiche namhafte Künstler ha
ben sich daran beteiligt und sind mit fast al
len Sportarten vertreten. Der französische
Kunstbeitrag zur Olympiade wird bestimmt
auch in Berlin beobachtet und anerkannt wer
den.
Optische Linsen aus Salz.
Am Technologischen Institut in Massachus-
setts gelangen nach einem Bericht in der „Deut
schen Optischen Wochenschrift" in einem elektri
schen Ofen Kristalle des Lithiumfluorids, eines
chemisch dem Kochsalz verwandten Salzes, in
einer Größe bis zu 75 cm Durchmesser zu ge
winnen. Diese Kristalle zeichnen sich dadurch
aus, daß sie für Lichtstrahlen aller Wellenlän
gen in hohem Grad durchsichtig sind. Sie eig
nen sich deshalb vorzüglich für die Herstel
lung optischer Linsen. Größte Bedeutung wer
den sie für die Optik von Geräten für die
Spektralanalyse erlangen, da mit ihnen ein
Spektrum von dem äußersten Infrarot bis zu
dem kurzwelligen Ultraviolett erzielt werden
samt
Treue
Erzählung
von Björn st jerne Björnson.
In der ebenen Gegend meiner Heimat wohn-
if. ein Ehepaar mit sechs Söhnen,' es mühte sich
Ml einem großen, aber verwahrlosten Hofe ge-
tz bullch ab, bis ein Unglücksfall dem Manne
,, o^öen raubte und die Frau mit dem schwer
bestellenden Gute und den sechs Kindern al-
basaß. Sie verlor nicht den Mut, sondern
^ ņte die beiden ältesten Söhne an den Sarg
nd ließ sie dort über der Leiche ihres Vaters
h ^ven, für ihre Geschwister zu sorgen und ihr,
«J Mutter, beizustehen, soweit Gott ihnen
dx şi.Ģe. Das gelobten sie und taten es, bis
r jüngste der Söhne konfirmiert war. Dann
A-st ten sie sich ihres Gelübdes entledigt, der
»hI i e gratete die Witwe eines Hofbesitzers
o der Nüchstälteste kurz darauf ihre wohl
habende Schwester.
Die vier übriggebliebenen Brüder sollten
^ tt vas Ganze leiten, nachdem sie bisher selbst
t°„^«şhhŗlich geleitet worden waren. Sie fühl-
heit^îņen sonderlichen Mut dazu,' von Kind-
waren sie gewohnt, zusammenzuhalten,
o * unö zwei, auch wohl alle vier, taten es
K „ um so mehr, da sie beieinander Hilfe sti
ehl Ņhteu. Niemand sprach eine Ansicht aus,
sin s« ôie ôer übrigen zu kennen glaubte, ja,
^unde verstanden sie auch ihre eigene
ttiû Ģ şi^ şich darüber verabredet hätten,
z * ^ zwischen ihnen ein stillschweigen
lau Übereinkommen, sich nicht zu trennen, so-
ind^c èîa Mutter lebte. Diese selbst wollte es
ihr^" etwas anders haben, und es gelang
Seü ìe beiden verheirateten Söhne auf ihre
Wj- e 5U ziehen. Der Hof war bedeutend ver-
j t v f eït worden, er bedurfte mehr Menschen-
ben m weshalb die Mutter vorschlug, die bei-
Aeltesten abzufinden und den Hof zwischen
den vieren derart zu teilen, daß je zwei und
zwei ihre Anteile zusammen bewirtschafteten.
Neben dem alten Hause sollte ein neues aufge
führt werden,' da hinein sollte das eine Paar
ziehen, während das andere Paar bei ihr blie
be. Aber von dem ausziehenden Paare mußte
sich einer verheiraten, denn sie bedürften für
die Haus- wie für die Biehwirtschaft der Hilfe
V . und die Mutter nannte das Mädchen, das
sie sich zur Schwiegertochter wünschte.
Dagegen hatte niemand etwas,' aber jetzt war
nur die Frage, welches Paar sollte ausziehen,
und wer von den -Brüdern sollte sich verheira
ten? Der Aelteste sagte, zum Ausziehen wäre
er zwar bereit, aber verheiraten würde er sich
nie, und jeder von den andern wies diese Zu
mutung ebenso zurück.
Da wurden sie mit der Mutter darüber ei-
uig, daß sie dem Mädchen selbst die Entschei
dung überlassen wollten. Und oben auf der
Alm fragte die Mutter dasselbe eines Abends,
ob es nicht als Frau in ihr neues Haus ein
ziehen wollte. Das Mädchen wollte es gern
tun. Ja, wen von den Burschen es denn haben
wollte, denn es könnte bekommen, wen es
wollte . . . Nein, daran hatte es noch nicht ge
dacht . . . Dann müßte das Mädchen es jetzt
tun... Ei nun, dann könnte es ja der Ael
teste werden,' aber den konnte es nicht bekom
men, weil er nicht wollte. — Nun nannte es
den Jüngsten. Allein die Mutter meinte, das
sähe so sonderbar aus,' er wäre ja der Jüng
ste! — „Nun, dann der Vorjüngste. — „Wes
halb denn aber nicht der Nächstälteste?" —
„Freilich, weshalb denn nicht der Nächstälte
ste?" erwiderte das Mädchen, denn an ihn hat
te es die ganze Zeit lang gedacht und ihn des
halb nicht genannt. Aber die Mutter hatte schon
von dem Augenblick an, daß sich der Aelteste
zu verheiraten weigerte, geahnt, er müßte be
fürchten, daß der Nüchstälteste und das Mäd
chen ein Auge aufeinander geworfen hätten.
Der Nüchstälteste heiratete also das Mädchen,
und der Aelteste zog mit ihm aus. Wie der
Hof nun geteilt wurde, bekam es kein der Fa
milie Fernstehender zu wissen, denn sie arbei
teten zusammen wie früher und ernteten ein
zusammen, bald in die eine, bald in die an
dere Scheune.
Nach einiger Zeit begann die Mutter schwach
zu werden- sie brauchte Ruhe, folglich Hilfe,
und die Söhne kamen überein, ein Mädchen,
das sonst bei ihnen in Arbeit ging, zu mieten.
Der Jüngste sollte es am nächsten Tage beim
Laubsammeln im Walde fragen- er kannte es
am besten. Aber der Jüngste mußte an das
Mädchen lange im stillen gedacht haben, denn
als er es endlich fragte, tat er es so sonderbar,
daß die Angeredete es für einen Heiratsantrag
hielt und ja sagte. Dem Burschen wurde angst,
er ging sofort zu seinen Brüdern und sagte
ihnen, wie verkehrt es ihm ergangen wäre.
Alle vier wurden ernst, und niemand wagte
das erste Wort zu sagen. Aber der Vorjüngste
sah es dem Jüngsten an, daß er das Mädchen
wirklich lieb hatte, und daß ihm deshalb so
angst geworden war. Er ahnte zugleich sein
Los, Junggeselle zu bleiben, denn verheiratete
sich der Jüngste, so konnte er es nicht. Es wur
de ihm etwas sauer, denn er hatte selbst ein
Mädchen, das ihm gefiel,' aber dabei war jetzt
nichts zu tun. Er sagte deshalb das erste Wort,
nämlich, daß sie des Mädchens am sichersten
wären, wenn es die Frau auf dem Hofe wür
de. Sobald erst einer gesprochen hatte, waren
die andern damit einverstanden, und die Brü
der gingen, um mit der Mutter zu reden. Als
sie aber nach Hause kamen, war die alte Frau
ernstlich erkrankt, sie mußten warten, bis sie
wieder genesen wäre, und als sie nicht mehr ge
sund wurde, hielten sie abermals Rat. In die
sem setzte es der Jüngste durch, daß sie, so
lange die Mutter das Bett hütete, keine Ver
änderung vornehmen wollten, denn das Mäd-
Tankstellen in der Luft.
Die „Blitzflugzeuge", die demnächst auf der
großen amerikanischen Transkontinentalstrecke
Newyork—San Franzisko eingesetzt werden
und bis zu 40 Passagiere gleichzeitig befördern
können, werden auf der ganzen Strecke keine
Zwischenlandung vornehmen. Die notwendige
Brennstoffübernahme wird ausschließlich in
der Luft vorgenommen werden,' an vier Punk
ten werden „Tankstellen der Luft" geschaffen.
Diese „Tankstellen" sind kleinere Flugzeuge,
die mittels eines langen Schlauches in der
Luft ihren Brennstoffvorrat an das „Blitz
flugzeug" abgeben.
Ein unbekanntes europäisches Königreich
Der irischen Insel vorgelagert liegt das Jn-
selchen Tory. So klein es ist, nennt es sich
doch „Königreich". In diesem idyllischen Reich
gibt es weder Soldaten noch Polizei, kein Auto
kann sich dorthin verirren, doch sind die Bewoh
ner in großer Sorge. Vor einiger Zeit starb
Mary Herrety, die letzte „Königin". Es muß
jetzt nach alter Ueberlieferung aus den Be
wohnern des Landes ein neuer König gewählt
werden. Der Tag der Krönung ist schon festge
legt und an den umfangreichen Vorbereitun
gen zu dem Fest fehlt nur noch eines — der
König. Es will sich jedoch niemand für diesen
Posten hergeben.
Das Zeitzeichen von Bloemfoutain.
Für den Deutschen ist es der Rundfunk, der
das Zeitzeichen gibt, morgens beim Kaffee,
abends vor dem Zubettgehen. Aber die Süd
afrikaner haben es noch weiter gebracht. In
der Diamantenstadt Bloemfontain, die wir
besonders während des Bnrenkrieges oft nen
nen hörten, gibt es ein Zeitzeichen, dem nie
mand entrinnen kann. Da wird am Morgen
und am Abend zu einer bestimmten Stunde
fünf Minuten lang alle sechzig Sekunden der
elektrische Strom für eine Dauer von 15 Se
kunden ausgeschaltet. Für diese Zeit erlischt
das Licht, und auch die Hausfrau am elektri
schen Kochherd merkt, wie spät es ist, ob sie es
nun wissen will oder nicht.
Fische bekämpfen Moskitos.
Den Papuas ist in einem kleinen Fisch eine
wirksame Hilfe im Kampf gegen die Moskitos
erstanden. Im Jahr 1933 wurde die Fischart
aus Guinea eingeführt und in einer großen
Lagune ausgesetzt, wo sie sich rasch verbreitete.
Eine große Sturzwelle ließ die Fische auch in
die kleineren Lagunen gelangen, und jetzt hat
man die erfreuliche Feststellung machen kön
nen, daß die Fische sämtliche Moskitolarven
vertilgt haben.
Nach jeder Hausarbeit
.Creme 30 pfg
chen sollte nur die Pflege der Kranken über
nehmen. Dabei blieb es.
Sechzehn Jahre lang lag die Mutter krank.
Sechzehn Jahre lang pflegte die zukünftige
Schwiegertochter sie still und geduldig. Sech
zehn Jahre lang versammelten sich die
Söhne jeden Abend an ihrem Bette, um die
dacht zu halten, und des Sonntags auch die
beiden Nettesten. Die Mutter bat sie in den
stillen Stunden oft, derjenigen eingedenk zu
sein, die sie gepflegt hatte,' sie verstanden, was
sie meinte, und versprachen es. Sie segnete
während aller dieser sechzehn Jahre ihre
Krankheit, weil dieselbe sie die Freude einer
Mutter bis zu dem letzten Augenblick hätte
empfinden lassen,' sie dankte ihnen bei jeder
Zusammenkunft, und einmal wurde es die
letzte.
Als sie tot war, kamen die sechs Brüder zu
sammen, um sie selbst zu Grabe zu tragen.
Hier war es Sitte, daß auch Frauen zum Gra
be folgten, und diesmal folgte das ganze Kirch
spiel, Männer und Frauen, alle, die gehen
konnten, bis zu den Kindern hinab — erst der
Küster als Vorsänger, dann die sechs Söhne mit
dem Sarge, endlich die ganze Gemeinde unter
Trauergesang. Und als die Leiche eingesenkt
war und die sechs das Grab zugeschaufelt hat
ten, zog das ganze Trauergefolge in die Kirche
hinein, denn dort sollte gleichzeitig die Trau
ung des Jüngsten stattfinden,' so wollten es die
Brüder haben, weil beides im Grunde zusam
mengehöre. Hier predigte der damalige Pfar
rer, mein jetziger verstorbener Vater, von der
Treue und predigte so begeistert, daß ich, der
ich zufällig dazu gekommen war, beim Verlas
sen der Kirche glaubte, daß Berg und See und
die Größe der ganzen Natur ineinander auf
gingen.