Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

H-thî- / Kunterbunt der Woche 
Starhemberg ist ausgebootet, Addis Abeba 
wird wieder aufgebaut, die Siegesfeiern in 
Rom brechen nicht ab, obwohl 117 Kisten 
prächtiger Gold- und Silbertaler ihres weite 
ren Schicksals in Palästina harren. In Genf 
tagt und vertagt der Völkerbund, und auch 
Rendsburg hat seine Sensation durch den 
Bornholüt-Prozeß. Uns aber, die wir von 
diesen Dingen nicht direkt betroffen werden, 
lacht die Maisonne. Sie hat die Tage der drei 
Eisheiligen vergessen, sie mußte es auch. Denn 
diese sinnverwirrende Komik aller spintisieren 
den Politiker draußen in der Welt stimmt die 
Sonne humorvoll. Und auch die Eisheiligen 
haben es vorgezogen, gar nicht in Erscheinung 
zu treten, sondern in der Versenkung zu blei 
ben, als sie erfuhren, daß jetzt bei einer Mo 
denschau zu Los Angeles ein Kleid preisge 
krönt wurde, das bequem in einen Fingerhut 
paßt. Der Chronist freut sich über die Men 
schenfreundlichkeit der gestrengen Herren Eis 
heiligen, und daß die Sonne so liebenswürdig 
war, den nebligen Wattebausch vor ihren Guck 
fenstern wegzuziehen. Es hätte den Damen mit 
diesem Kleid im Fingerhut auch schaden kön 
nen, mindestens hätten sie im anderen Falle 
einen tüchtigen Schnupfen sich geholt bei dieser 
Prämiierung. Der Chronist versteht nicht viel 
von dem zarten Gewebe dieser Kleider. Er 
wartet nun aber nach dieser neuesten Kuriosi 
tät Amerikas sehnlichst auf den Augenblick, wo 
man ihm einen Anzug anbietet, den er be 
quem in die Brieftasche stecken kann. Erstens 
braucht er dann zur Reise keinen Koffer mehr, 
und zweitens leidet die Brieftasche nicht mehr 
unter der chronischen Ebbeerscheinung. Daß die 
Sonne aber nun bei dieser Prämiierung ei 
gentlich nicht doch verschämt den Wattebausch 
vorzog, versteht der Chronist nicht. Vielleicht 
freute sie sich gerade in dem Augenblick, als 
sie von den Fingerhutkleidern erfuhr, über die 
sittsame Stadt Sidney. Dort werden nämlich 
Protestkundgebungen geplant, die bestimmen, 
daß in Zukunft alle Badeanzüge bei Frauen 
und Männern vom Hals bis zu den Füßen 
reichen. Der Chronist wird also höchstwahr 
scheinlich seine Koffer nicht abschaffen können, 
da er sie demnächst für seinen Badeanzug 
brauchen wird. Bei diesen Kuriositäten wun 
dert sich man dann allerdings nicht mehr, daß 
an der Universität von Columbia ein neuer 
Lehrstuhl eröffnet worden ist, der Lehrstuhl 
des Humors. Der Inhaber dieses Lehrstuhls 
darf sich also „Professor des Humors" nennen. 
Bemerkenswert 1st, daß die Hörer, die sich für 
seine Vorlesungen bis jetzt eingetragen haben, 
sehr ernste und gesetzte Leute sind und an 
chronischer Melancholie leiden. Aber wir hof 
fen zuversichtlich, daß sie durch das Studium 
des Humors von ihrem chronischen Uebel ge 
heilt werden — und sogar selbst Humoristen 
eines Tages geworden sind. Der Chronist 
hofft, daß sie dann in Genf tagen werden, da 
mit nur weiterhin Humor in dieses schwan 
kende Gebilde hineingetragen wird — und die 
Sonne weiterlachen darf. 
Diamanten 
Kriminalskizze von Peter Mattheus. 
Herr Willum hockte auf einem der hohen 
Barstühle des Automatenrestaurants. Sein 
rundlicher Bauch ruhte auf den emporgezoge 
nen Knien, und sein breites Vollmondgesicht 
war über ein Glas Portwein geneigt. Die klei 
nen glitzernden Augen jedoch blickten unter der 
Hutkrempe unverwandt und mit einem eigen 
tümlich wachsamen Ausdruck durch die Schau 
fensterscheibe, die sich unmittelbar neben der 
Bar befand. Plötzlich rutschte Herr Willum in 
beträchtlicher Eile vom Stuhl herab, lief auf 
seinen kurzen Beinen hastig quer durch den 
Raum und wirbelte durch die Drehtür aus die 
Straße hinaus. Dort stieß er unsanft mit ei 
nem jungen Mann zusammen, der es anschei 
nend ebenso eilig hatte wie er. 
„Oh . . . bitte tausendmal um Verzeihung", 
sagte Herr Willum höflich und lüftete den Hut. 
„Keine Ursache, es war meine Schuld . . . 
ganz allein meine Schuld!" sagte der junge 
Mann nicht minder höflich. Er musterte Herrn 
Willum rasch mit einem abschätzenden Blick. 
„Sie, hm . . ." fuhr er zögernd fort, „Sie wis 
sen wohl nicht zufällig, wo hier eine Pfand 
leihe ist?" 
„Eine Pfandleihe?" Herr Willum zog über 
rascht die Brauen hoch. „Bester Herr, selbst 
wenn ich es wüßte . . ." Er schüttelte bedau 
ernd den Kopf. „Es ist zehn Uhr vorbei, und 
ich fürchte, daß alle Pfandleihen längst geschlos 
sen sind." 
Der junge Mann seufzte und machte ein Ge 
sicht wie jemand, dessen letzte Hoffnung eben 
dahingeschwunden ist. „Pech!" wurmelte er 
niedergeschlagen. „So ein Pech! Was soll ich 
nur tun?" 
Herr Willum sagte nichts. Er beschränkte sich 
darauf, den Kopf auf die Seite zu legen und 
sein Gegenüber freundlich und erwartungs 
voll anzusehen. 
„Was soll tch nur tun?" wiederholte der 
junge Mann in einer Art Selbstgespräch. „Da 
hat man nun die große Chance und kann sie 
Allerlei aus aller Welt 
Storchkatastropheu. 
Nicht immer geht die Wanderung der Störche 
im Frühjahr und Herbst ohne Unfall für die 
Tiere ab. Ja, zuweilen werden derartige Züge 
von wahren Katastrophen heimgesucht. Wie 
erst jetzt bekannt wird, ist im August 1932 in 
Nordbulgarien ein Storchenflug durch Hagel 
schlag schwer betroffen worden, und vermutlich 
sind alle Störche dieses Zuges umgekommen. 
An 200 Störche fielen dort nieder, während un 
gefähr 100 flügellahme Tiere von den Bewoh 
nern mitleidlos und sinnlos erschlagen wur 
den. 
Wandelnde Kalender. 
Man findet es vielfach im Leben, daß mit 
einer unwichtigen Sache viel Wesens getrieben 
wird. So ist es auch der Fall mit dem Kalen 
der der Hottentotten. Wozu der Hottentotte 
einen Kalender benötigt, ist nicht recht ersicht 
lich, und doch lieben es der Hottentottenmann 
und die Hottentottenfrau, einen Kalender bei 
sich zu führen. Die Frauen tragen den Ka 
lender an einer Halskette, die Männer an der 
Kopfbedeckung. Der Hottentottenkalender, der 
in seiner Monatseinteilung eine sehr große 
Aehnlichkeit mit unserem Kalender besitzt, be 
steht aus einem etwa 11 cm langen Holz, das 
mit Löchern für die Monats- und Wochentags 
versehen ist. Die Monate befinden sich, als 
2 mal 12 Löcher, an den Seiten angedeutet, die 
Wochentage als 7 Löcher, in der Mittellinie. 
Für die Bezeichnung des jeweiligen Monats 
ist ein Holzpflöckchen vorgesehen, während die 
Wochentage durch das Durchziehen eines Rie 
mens durch eines der Löcher bezeichnet wer 
den. Für den Nichteingeweihtcn ist das Er 
kennen des jeweiligen Tages kaum möglich, 
der Hottentotte aber findet sich leicht mit dem 
Kalender zurecht. 
Nutzbringende Vulkanausbrüche. 
Neben dem ungeheuren Schaden, den so man 
che schweren Vulkanausbrüche verursachen, 
muß man gerechterweise auch des Nutzens ge 
denken, den Vulkanausbrüche gelegentlich der 
Wirtschaft bringen. Bei einem Vulkanaus 
bruch in Nordchile bildeten sich in der Nähe 
des Vulkans heiße Quellen, deren Wasser in 
einer 80 Km. langen Leitung zur größten Kup 
fermine der Welt geleitet worden sind, um dort 
nutzbringend verwertet zu werden. 
Die schwimmende Stadt am Tsadsee. 
Der Tsadsee, ein See ohne sichtbare Abflüsse, 
gehört mit seiner Größe von 27 000 Quadrat 
kilometer zu den größten Landseen Nord 
afrikas. Während der Regenzeit wächst der 
See bis auf 50 000 Quadratkilometer an, wäh 
rend seine Größe während der Trockenheit 
nur etwa 11000 Quadratkilometer beträgt. Der 
Tsadsee ist sehr seicht und für die Verkehrs 
schiffahrt daher bedeutungslos. Und doch ist der 
See von zahlreichen Booten belebt. Das Leben 
der Eingeborenen spielt sich fast ausschließlich 
auf dem Wasser ab, und die zahllosen Boote 
sind ausgesprochene Wohnboot, schwimmende 
nicht wahrnehmen! Ich muß, ich mutz, ich muß 
verreisen . . . und ich krieg das Fahrgeld nicht 
zusammen. Jetzt habe ich mich entschlossen, die 
Steine zu versetzen, das letzte, was mir geblie 
ben ist. Und jetzt sind die Pfandleihen zu!" Er 
schien plötzlich wieder zur Wirklichkeit zu er 
wachen und blickte Herrn Willum forschend an. 
„Sie würden wohl keine Diamanten kaufen, 
wie?" fragte er geradezu. 
„Ich? Diamanten? Oh? . . ." stammelte 
Herr Willum verwirrt. „Um die Wahrheit zu 
sagen: eigentlich nein." 
„Sie würden sie billig bekommen — sehr 
billig", sagte der junge Mann drängend und 
hielt ihm auf der flachen Hand zwei funkelnde 
kleine Steine hin. 
„Du lieber Himmel", murmelte Herr Wil 
lum kopfschüttelnd, „ich verstehe nichts von sol 
chen Sachen. Und man hört so viel von . . . 
und man liest in den Zeitungen so viel von . ." 
Er verstummte sichtlich verlegen. Der junge 
Mann musterte ihn mit einem beleidigten 
Stirnrunzeln. 
„Haben die Herren die Absicht, noch lange 
hier zu stehen? Ich möchte gerne mal vorbei", 
sagte in diesem Augenblick hinter ihnen eine 
Baßstimme. Der Sprecher, ein älterer, gut ge 
kleideter Herr mit einem schmalen dunklen 
Bärtchen auf der Oberlippe, drängte sich zwi 
schen ihnen und der Hauswand hindurch und 
trat in den Lichtschein der Lampen des Auto 
matenrestaurants. Sein Blick fiel auf die noch 
immer ausgestreckte Hand des jungen Man 
nes. „Hallo! Diamanten?" sagte er verwun 
dert. „Sind sie echt? Lassen Sie mal sehen!" 
Er zog eine Lupe aus der Tasche, nahm dem 
jungen Mann ohne weiteres die Steine aus 
der Hand und prüfte sie eine Weile sehr sorg 
fältig. „Echt!" sagte er dann. „Wollen Sie sie 
verkaufen?" 
„Allerdings", entgegnete der junge Mann 
vorsichtig. „Aber . . ." 
„Wieviel wollen Sie haben?" fragte der an 
dere kurz. 
„Die beiden Steine", sagte der junge Mann 
Hütten, in denen die Eingeborenen wohnen 
und schlafen, und die in ihrer Gesamtheit als 
schwimmende Ortschaften anzusprechen sind. 
Heitere ESe 
Der arme Waisenknabe. 
Vor dem Pariser Jugendgericht trug sich die 
folgende ergötzliche Episode zu, zu deren Ver 
ständnis man allerdings die Uninteressiertheit 
und Arbeitsüberlastung der französischen Rich 
ter kennen muß. Die Verhandlung erfolgt 
stets nach Schema F, und besonders die ein 
leitenden Formalitäten werden stets in der 
gleichen Weise heruntergeleiert. Vor dem Ju 
gendgericht hatte sich also dieser Tage eine 
Bande von Schuljungens zu verantworten, die, 
wahrscheinlich aus jugendlichem Aberwitz, eine 
Bank ihres Klassenzimmers abmontiert und 
weggeschafft hatten. Bei diesem Streich war 
ihnen ein alter Mann behilflich gewesen, der 
nun mit seinem langen weißen Patriarchen 
bart mitten unter den jugendlichen Sündern 
auf der Anklagebank saß. Die Vernehmung be 
gann. Ein Schüler nach dem andern wurde 
aufgerufen und nach Namen, Alter und Woh 
nung der Eltern befragt. Schließlich kam auch 
die Reihe an den Mitangeklagten Greis. „Wie 
heißt du?" fragte der Vorsitzende, während ein 
Schreiber eifrig das Protokoll aufnahm. 
„Gerard Lavier", antwortete der Alte mit 
brüchiger Stimme. „Alter?" fragte der Vor 
sitzende weiter, ohne sehr bei der Sache zu sein. 
„70 Jahre". — „Wo wohnen deine Eltern?" 
ging das Verhör gewohnheitsmäßig weiter. 
„Ich habe keine Eltern mehr", war die Ant 
wort. — „Oh", sagte der Richter, in dem sich 
ein menschliches Gefühl regte, „das tut' mir 
leid." Er ließ seine Blicke über die Anklage 
bank schweifen, ohne aber feststellen zu köi^ 
nen, mit welchem der dort Sitzenden er sich 
gerade unterhielt. „Da du ein Waisenknabe 
bist," fuhr er fort, „soll dir Strafaufschub ge 
währt werden." Wogegen der bedauernswerte 
greise Waisenknabe nichts einzuwenden hatte. 
Liszt kämpft mit dem Kragen. 
Bei einem Hofkonzert in Petersburg, das in 
Gegenwart der Zarenfamilie stattfand, hatte 
Liszt ein arges Mißgeschick. Mitten im Spiel 
löste sich ein Kragenende vom Knopf und glitt 
langsam noch oben. Der Künstlergriff schnell 
mit dem Zeigefinger an den Hals, um den 
Fehler zu beheben. Der Kragen mußte wieder 
nach unten gedrückt werden. Der Versuch miß 
lang. Also den anderen Zeigefinger zu Hilfe 
genommen! Aber vergebens,' der zu hart ge 
stärkte Kragen ließ sich auf nichts ein. Was 
war zu tun? Liszt behalf sich, so gut es ging. 
Er spielte einmal mit der rechten, dann mit der 
linken Hand, während jeweils die andere den 
Kragen zu bändigen suchte. Schließlich gab der 
Künstler den Kampf auf,' es mußte auch so 
gehen. Das Konzert war zu Ende. Liszt erhob 
sich, als der Zar auf ihn zutrat. „Wissen Sie, 
Meister, woran ich während Ihres Spiels dach 
te?" — An Ihren Dichter Schiller! Sie erin 
nern sich: „Und List muß mit Stärke streiten 
Abgeblitzt. 
Maier steht am Hafen und sieht in aller Ge 
mütsruhe zu, wie ein Schiff beladen wird. 
Als dev Kapitän erscheint, nimmt er seine 
Pfeife aus dem Mund und ruft: 
„Na, ist deine Arche bald voll, Noah?-- 
Seelenruhig erwidert der Kapitän: „Nee, 
komm' nur ruhig rauf, ein Affe fehlt' uns 
noch." 
Schach in Rendsburg 
Geleitet von C. 
Schachnachrichten: Rendsburger Schachklub von 1895. 
Spiellokal: HauS des Arbeitervereins von 1813, Kanzlei 
strafte. 
Spieltage; Dienstagabends 20.15 Uhr, Sonntagmorgens 
lab 9 Uhr freier Schachverkehrj, Schachfreunde find an 
beiden Spieltagen willkommen. 
In der vergangenen Woche wurden in der zweiten 
Gruppe 4 Turnierpartien erledigt. Ratje verlor gegen 
Bagge und Callcfen, Müller verlor gegen Möller, und 
Callcfcn konnte feine Partie gegen Lawrenz gewinnen. 
In der ersten Gruppe wurden am /onnerstag zwei 
Partien ausgetragen: die Ergebnisse sind mir bisher noch 
nicht bekannt. 
Am Sonntag weilte der Eckernförder Klub bei uns zu 
Gast. Wider Erwarten mußte — seit 10 Jahren das erste 
Mal — unser Klub eine Niederlage einstecken. Da einige 
starke Spieler der ersten Gruppe verhindert waren, 
mutzte Rendsburg mit Ersatz antreten. Dies wirkte sich, 
besonders an den letzten Brettern, verhängnisvoll aus. 
Das Ergebnis war für Eckernförden 10'/-, Rendsburg 7 1 /* 
Punkte. 
Am kommenden Sonntag findet der Kampf zwischen 
dem Rendsburger und dem Neumünsteraner Klub am 
Nachmittag in Neumünster statt. Wollen wir in diesem 
Kampf einigermaßen ehrenvoll abschneiden, so müssen 
sich unsere starken Spieler für dieses Tressen unbedingt 
freihalten, Abfahrt von Rendsburg ersolgt 14.01 Uhr. 
Zu dem Problem Nr. 1 (18) von Gebr. Tiedemann 
sandten richtige Lösungen ein: Graumann-Büdelsdofr, H. 
Schwarz-Rendsburg. Lösung: Kc8—d7. 
Zur Abwechslung bringe ich unsern Lösern heute ein 
Drcizügerproblcm. 
etwas beklommen, „sind auf fünfhundert Mark 
geschützt." 
„Das sind sie wert", sagte der Besitzer der 
Baßstimme und nickte. „Fünfhundert sind sie 
wert. Aber für mich ist das zu teuer. Ich zahle 
dreihundertfünfzig und nicht eine Mark mehr. 
Wollen Sie für dreihundertfünfzig verkau 
fen?" 
Der junge Mann zögerte einen Augenblick, 
dann zuckte er die Achseln und schlug mit ei 
nem Seufzer ein. „Gut", sagte er. „Mit örei- 
hundertfünfzig bin ich aus dem Druck und 
kann meine Reise machen. Ich verkaufe." 
„In Ordnung." Der Mann mit dem Bärt 
chen holte seine Brieftasche hervor und öffnete 
sie. Im nächsten Augenblick biß er sich auf die 
Lippen. „Verflixt", murmelt er, „ich sehe, ich 
habe nur zweihundert Mark bei mir. Nun — 
wir machen es so: ich gebe Ihnen die zwei 
hundert als Anzahlung. Sie hinterlegen die 
Steine hier drinnen an der Bar, und ich 
bringe Ihnen in einer Stunde den Rest. Ein 
verstanden?" 
„Das geht nicht", sagte der junge Mann stör 
risch. „Eine Stunde kann ich nicht warten. 
Mein Zug geht bereits in einer halben 
Stunde." 
„Himmel . . . Sie sind aber ein schwieriger 
Kunde!" sagte der andere empört. Sein Blick 
fiel auf Herrn Willum, der die ganze Zeit 
schweigend zugehört hatte. „Oh, vielleicht kann 
uns dieser Herr helfen. Sagen Sie bitte: ha 
ben Sie hundertsünfzig Mark bei sich?" 
Herr Willum nickte. 
„Ausgezeichnet!" sagte der andere und schlug 
ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Sie ha 
ben doch alles gehört, nicht wahr? Ich zahle 
dem Herrn hier zweihundert Mark, und Sie 
geben ihm hundertfünfzig. Dafür erhalten Sie 
die Steine und setzen sich für eine Stunde hier 
in die Bar. Und nach einer Stunde komme ich 
und löse die Steine bei Ihnen aus, gegen ein 
Aufgeld von — sagen wir — dreißig Mark. Ich 
denke, damit können Sie zufrieden sein. Leicht 
verdientes Geld, wie?" 
Hinz, Rendsburg. 
Problem Nr. 8. 
Von Gebr. Tiedemann, Rendsburg. 
(22) 
k 8 h 
Weiß zieht und setzt in 3 Zügen matt. 
Zuschriften und Lösungen sind einzusenden an de» 
Rendsburger Schachklub, Haus des Arbeitervereins 
Kanzleistratze Lösungsfrist 14 Tage. Lösungsbekannt 
gabe in 3 Wochen. 
Herr Willum sagte noch immer nichts. Er 
hob nur die Hand und deutete schweigend auf 
den Eingang zum Automatenrestaurant . . . 
Einige Minuten später saßen die drei an 
einem der kleinen Tische im Hintergrund des 
Lokals. Der junge Mann befand sich im glück 
lichen Besitz von drcihundertfünfzig Mark. 
Hundertfünfzig stammten von Herrn WilluM- 
Herr Willum dagegen, vor dem wiederum ein 
Gläschen Portwein stand, hatte die beiden 
Diamanten in der Tasche. 
Der junge Mann stand auf. „Ich muß jetzt 
schleunigst fort, sonst erwische ich meinen Zug 
nicht mehr", sagte er. 
„Und ich mache mich auf die Beine und hole 
das Geld", sagte der Mann mit dem Bärtchen 
und stand ebenfalls auf. 
„Hm", sagte Herr Willum sanft, „ich fürchte 
Sie werden es etwas schwierig finden, hier her 
auszukommen." 
Die beiden starrten ihn sprachlos an. 
„Tja . . .", fuhr Herr Willum bedächtig foru 
„wir haben in letzter Zeit öfter von zwei Gau- 
nern gehört, die falsche Diamanten an den 
Mann bringen. Mit einem ziemlich gemeinen 
Trick, muß ich schon sagen. Hinterher stellt şş 
natürlich heraus, daß die vermeintlichen Dia 
manten ganz gewöhnliche Glassplitter sind -' 
Wir mußten natürlich etwas unternehme"- 
nicht wahr? Wir mußten einfach." 
Der Mann mit dem Bärtchen fuhr herum 
und blickte zur Tür. Dort lehnten zwei 
kräftig aussehende Herren in blauen Anzüge"' 
Und au der Bar standen zwei ähnlich aus 
sehenden Herren in blauen Anzügen. 
Der Mann drehte sich wieder zu Herrn 
lum um. „Sie reden immer von ,rvir'!" zisş 
er. „Was meinen Sic damit?" , f 
„Wir — von der Polizei!" sagte Herr 2Vu- 
lum um. „Sie reden immer von „wir!" zisş 
vernünftig dort zur Tür hinausgehen, werde" 
wir die Sache ohne viel Aufsehen regeln kön 
nen."
	        
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