H-thî- / Kunterbunt der Woche
Starhemberg ist ausgebootet, Addis Abeba
wird wieder aufgebaut, die Siegesfeiern in
Rom brechen nicht ab, obwohl 117 Kisten
prächtiger Gold- und Silbertaler ihres weite
ren Schicksals in Palästina harren. In Genf
tagt und vertagt der Völkerbund, und auch
Rendsburg hat seine Sensation durch den
Bornholüt-Prozeß. Uns aber, die wir von
diesen Dingen nicht direkt betroffen werden,
lacht die Maisonne. Sie hat die Tage der drei
Eisheiligen vergessen, sie mußte es auch. Denn
diese sinnverwirrende Komik aller spintisieren
den Politiker draußen in der Welt stimmt die
Sonne humorvoll. Und auch die Eisheiligen
haben es vorgezogen, gar nicht in Erscheinung
zu treten, sondern in der Versenkung zu blei
ben, als sie erfuhren, daß jetzt bei einer Mo
denschau zu Los Angeles ein Kleid preisge
krönt wurde, das bequem in einen Fingerhut
paßt. Der Chronist freut sich über die Men
schenfreundlichkeit der gestrengen Herren Eis
heiligen, und daß die Sonne so liebenswürdig
war, den nebligen Wattebausch vor ihren Guck
fenstern wegzuziehen. Es hätte den Damen mit
diesem Kleid im Fingerhut auch schaden kön
nen, mindestens hätten sie im anderen Falle
einen tüchtigen Schnupfen sich geholt bei dieser
Prämiierung. Der Chronist versteht nicht viel
von dem zarten Gewebe dieser Kleider. Er
wartet nun aber nach dieser neuesten Kuriosi
tät Amerikas sehnlichst auf den Augenblick, wo
man ihm einen Anzug anbietet, den er be
quem in die Brieftasche stecken kann. Erstens
braucht er dann zur Reise keinen Koffer mehr,
und zweitens leidet die Brieftasche nicht mehr
unter der chronischen Ebbeerscheinung. Daß die
Sonne aber nun bei dieser Prämiierung ei
gentlich nicht doch verschämt den Wattebausch
vorzog, versteht der Chronist nicht. Vielleicht
freute sie sich gerade in dem Augenblick, als
sie von den Fingerhutkleidern erfuhr, über die
sittsame Stadt Sidney. Dort werden nämlich
Protestkundgebungen geplant, die bestimmen,
daß in Zukunft alle Badeanzüge bei Frauen
und Männern vom Hals bis zu den Füßen
reichen. Der Chronist wird also höchstwahr
scheinlich seine Koffer nicht abschaffen können,
da er sie demnächst für seinen Badeanzug
brauchen wird. Bei diesen Kuriositäten wun
dert sich man dann allerdings nicht mehr, daß
an der Universität von Columbia ein neuer
Lehrstuhl eröffnet worden ist, der Lehrstuhl
des Humors. Der Inhaber dieses Lehrstuhls
darf sich also „Professor des Humors" nennen.
Bemerkenswert 1st, daß die Hörer, die sich für
seine Vorlesungen bis jetzt eingetragen haben,
sehr ernste und gesetzte Leute sind und an
chronischer Melancholie leiden. Aber wir hof
fen zuversichtlich, daß sie durch das Studium
des Humors von ihrem chronischen Uebel ge
heilt werden — und sogar selbst Humoristen
eines Tages geworden sind. Der Chronist
hofft, daß sie dann in Genf tagen werden, da
mit nur weiterhin Humor in dieses schwan
kende Gebilde hineingetragen wird — und die
Sonne weiterlachen darf.
Diamanten
Kriminalskizze von Peter Mattheus.
Herr Willum hockte auf einem der hohen
Barstühle des Automatenrestaurants. Sein
rundlicher Bauch ruhte auf den emporgezoge
nen Knien, und sein breites Vollmondgesicht
war über ein Glas Portwein geneigt. Die klei
nen glitzernden Augen jedoch blickten unter der
Hutkrempe unverwandt und mit einem eigen
tümlich wachsamen Ausdruck durch die Schau
fensterscheibe, die sich unmittelbar neben der
Bar befand. Plötzlich rutschte Herr Willum in
beträchtlicher Eile vom Stuhl herab, lief auf
seinen kurzen Beinen hastig quer durch den
Raum und wirbelte durch die Drehtür aus die
Straße hinaus. Dort stieß er unsanft mit ei
nem jungen Mann zusammen, der es anschei
nend ebenso eilig hatte wie er.
„Oh . . . bitte tausendmal um Verzeihung",
sagte Herr Willum höflich und lüftete den Hut.
„Keine Ursache, es war meine Schuld . . .
ganz allein meine Schuld!" sagte der junge
Mann nicht minder höflich. Er musterte Herrn
Willum rasch mit einem abschätzenden Blick.
„Sie, hm . . ." fuhr er zögernd fort, „Sie wis
sen wohl nicht zufällig, wo hier eine Pfand
leihe ist?"
„Eine Pfandleihe?" Herr Willum zog über
rascht die Brauen hoch. „Bester Herr, selbst
wenn ich es wüßte . . ." Er schüttelte bedau
ernd den Kopf. „Es ist zehn Uhr vorbei, und
ich fürchte, daß alle Pfandleihen längst geschlos
sen sind."
Der junge Mann seufzte und machte ein Ge
sicht wie jemand, dessen letzte Hoffnung eben
dahingeschwunden ist. „Pech!" wurmelte er
niedergeschlagen. „So ein Pech! Was soll ich
nur tun?"
Herr Willum sagte nichts. Er beschränkte sich
darauf, den Kopf auf die Seite zu legen und
sein Gegenüber freundlich und erwartungs
voll anzusehen.
„Was soll tch nur tun?" wiederholte der
junge Mann in einer Art Selbstgespräch. „Da
hat man nun die große Chance und kann sie
Allerlei aus aller Welt
Storchkatastropheu.
Nicht immer geht die Wanderung der Störche
im Frühjahr und Herbst ohne Unfall für die
Tiere ab. Ja, zuweilen werden derartige Züge
von wahren Katastrophen heimgesucht. Wie
erst jetzt bekannt wird, ist im August 1932 in
Nordbulgarien ein Storchenflug durch Hagel
schlag schwer betroffen worden, und vermutlich
sind alle Störche dieses Zuges umgekommen.
An 200 Störche fielen dort nieder, während un
gefähr 100 flügellahme Tiere von den Bewoh
nern mitleidlos und sinnlos erschlagen wur
den.
Wandelnde Kalender.
Man findet es vielfach im Leben, daß mit
einer unwichtigen Sache viel Wesens getrieben
wird. So ist es auch der Fall mit dem Kalen
der der Hottentotten. Wozu der Hottentotte
einen Kalender benötigt, ist nicht recht ersicht
lich, und doch lieben es der Hottentottenmann
und die Hottentottenfrau, einen Kalender bei
sich zu führen. Die Frauen tragen den Ka
lender an einer Halskette, die Männer an der
Kopfbedeckung. Der Hottentottenkalender, der
in seiner Monatseinteilung eine sehr große
Aehnlichkeit mit unserem Kalender besitzt, be
steht aus einem etwa 11 cm langen Holz, das
mit Löchern für die Monats- und Wochentags
versehen ist. Die Monate befinden sich, als
2 mal 12 Löcher, an den Seiten angedeutet, die
Wochentage als 7 Löcher, in der Mittellinie.
Für die Bezeichnung des jeweiligen Monats
ist ein Holzpflöckchen vorgesehen, während die
Wochentage durch das Durchziehen eines Rie
mens durch eines der Löcher bezeichnet wer
den. Für den Nichteingeweihtcn ist das Er
kennen des jeweiligen Tages kaum möglich,
der Hottentotte aber findet sich leicht mit dem
Kalender zurecht.
Nutzbringende Vulkanausbrüche.
Neben dem ungeheuren Schaden, den so man
che schweren Vulkanausbrüche verursachen,
muß man gerechterweise auch des Nutzens ge
denken, den Vulkanausbrüche gelegentlich der
Wirtschaft bringen. Bei einem Vulkanaus
bruch in Nordchile bildeten sich in der Nähe
des Vulkans heiße Quellen, deren Wasser in
einer 80 Km. langen Leitung zur größten Kup
fermine der Welt geleitet worden sind, um dort
nutzbringend verwertet zu werden.
Die schwimmende Stadt am Tsadsee.
Der Tsadsee, ein See ohne sichtbare Abflüsse,
gehört mit seiner Größe von 27 000 Quadrat
kilometer zu den größten Landseen Nord
afrikas. Während der Regenzeit wächst der
See bis auf 50 000 Quadratkilometer an, wäh
rend seine Größe während der Trockenheit
nur etwa 11000 Quadratkilometer beträgt. Der
Tsadsee ist sehr seicht und für die Verkehrs
schiffahrt daher bedeutungslos. Und doch ist der
See von zahlreichen Booten belebt. Das Leben
der Eingeborenen spielt sich fast ausschließlich
auf dem Wasser ab, und die zahllosen Boote
sind ausgesprochene Wohnboot, schwimmende
nicht wahrnehmen! Ich muß, ich mutz, ich muß
verreisen . . . und ich krieg das Fahrgeld nicht
zusammen. Jetzt habe ich mich entschlossen, die
Steine zu versetzen, das letzte, was mir geblie
ben ist. Und jetzt sind die Pfandleihen zu!" Er
schien plötzlich wieder zur Wirklichkeit zu er
wachen und blickte Herrn Willum forschend an.
„Sie würden wohl keine Diamanten kaufen,
wie?" fragte er geradezu.
„Ich? Diamanten? Oh? . . ." stammelte
Herr Willum verwirrt. „Um die Wahrheit zu
sagen: eigentlich nein."
„Sie würden sie billig bekommen — sehr
billig", sagte der junge Mann drängend und
hielt ihm auf der flachen Hand zwei funkelnde
kleine Steine hin.
„Du lieber Himmel", murmelte Herr Wil
lum kopfschüttelnd, „ich verstehe nichts von sol
chen Sachen. Und man hört so viel von . . .
und man liest in den Zeitungen so viel von . ."
Er verstummte sichtlich verlegen. Der junge
Mann musterte ihn mit einem beleidigten
Stirnrunzeln.
„Haben die Herren die Absicht, noch lange
hier zu stehen? Ich möchte gerne mal vorbei",
sagte in diesem Augenblick hinter ihnen eine
Baßstimme. Der Sprecher, ein älterer, gut ge
kleideter Herr mit einem schmalen dunklen
Bärtchen auf der Oberlippe, drängte sich zwi
schen ihnen und der Hauswand hindurch und
trat in den Lichtschein der Lampen des Auto
matenrestaurants. Sein Blick fiel auf die noch
immer ausgestreckte Hand des jungen Man
nes. „Hallo! Diamanten?" sagte er verwun
dert. „Sind sie echt? Lassen Sie mal sehen!"
Er zog eine Lupe aus der Tasche, nahm dem
jungen Mann ohne weiteres die Steine aus
der Hand und prüfte sie eine Weile sehr sorg
fältig. „Echt!" sagte er dann. „Wollen Sie sie
verkaufen?"
„Allerdings", entgegnete der junge Mann
vorsichtig. „Aber . . ."
„Wieviel wollen Sie haben?" fragte der an
dere kurz.
„Die beiden Steine", sagte der junge Mann
Hütten, in denen die Eingeborenen wohnen
und schlafen, und die in ihrer Gesamtheit als
schwimmende Ortschaften anzusprechen sind.
Heitere ESe
Der arme Waisenknabe.
Vor dem Pariser Jugendgericht trug sich die
folgende ergötzliche Episode zu, zu deren Ver
ständnis man allerdings die Uninteressiertheit
und Arbeitsüberlastung der französischen Rich
ter kennen muß. Die Verhandlung erfolgt
stets nach Schema F, und besonders die ein
leitenden Formalitäten werden stets in der
gleichen Weise heruntergeleiert. Vor dem Ju
gendgericht hatte sich also dieser Tage eine
Bande von Schuljungens zu verantworten, die,
wahrscheinlich aus jugendlichem Aberwitz, eine
Bank ihres Klassenzimmers abmontiert und
weggeschafft hatten. Bei diesem Streich war
ihnen ein alter Mann behilflich gewesen, der
nun mit seinem langen weißen Patriarchen
bart mitten unter den jugendlichen Sündern
auf der Anklagebank saß. Die Vernehmung be
gann. Ein Schüler nach dem andern wurde
aufgerufen und nach Namen, Alter und Woh
nung der Eltern befragt. Schließlich kam auch
die Reihe an den Mitangeklagten Greis. „Wie
heißt du?" fragte der Vorsitzende, während ein
Schreiber eifrig das Protokoll aufnahm.
„Gerard Lavier", antwortete der Alte mit
brüchiger Stimme. „Alter?" fragte der Vor
sitzende weiter, ohne sehr bei der Sache zu sein.
„70 Jahre". — „Wo wohnen deine Eltern?"
ging das Verhör gewohnheitsmäßig weiter.
„Ich habe keine Eltern mehr", war die Ant
wort. — „Oh", sagte der Richter, in dem sich
ein menschliches Gefühl regte, „das tut' mir
leid." Er ließ seine Blicke über die Anklage
bank schweifen, ohne aber feststellen zu köi^
nen, mit welchem der dort Sitzenden er sich
gerade unterhielt. „Da du ein Waisenknabe
bist," fuhr er fort, „soll dir Strafaufschub ge
währt werden." Wogegen der bedauernswerte
greise Waisenknabe nichts einzuwenden hatte.
Liszt kämpft mit dem Kragen.
Bei einem Hofkonzert in Petersburg, das in
Gegenwart der Zarenfamilie stattfand, hatte
Liszt ein arges Mißgeschick. Mitten im Spiel
löste sich ein Kragenende vom Knopf und glitt
langsam noch oben. Der Künstlergriff schnell
mit dem Zeigefinger an den Hals, um den
Fehler zu beheben. Der Kragen mußte wieder
nach unten gedrückt werden. Der Versuch miß
lang. Also den anderen Zeigefinger zu Hilfe
genommen! Aber vergebens,' der zu hart ge
stärkte Kragen ließ sich auf nichts ein. Was
war zu tun? Liszt behalf sich, so gut es ging.
Er spielte einmal mit der rechten, dann mit der
linken Hand, während jeweils die andere den
Kragen zu bändigen suchte. Schließlich gab der
Künstler den Kampf auf,' es mußte auch so
gehen. Das Konzert war zu Ende. Liszt erhob
sich, als der Zar auf ihn zutrat. „Wissen Sie,
Meister, woran ich während Ihres Spiels dach
te?" — An Ihren Dichter Schiller! Sie erin
nern sich: „Und List muß mit Stärke streiten
Abgeblitzt.
Maier steht am Hafen und sieht in aller Ge
mütsruhe zu, wie ein Schiff beladen wird.
Als dev Kapitän erscheint, nimmt er seine
Pfeife aus dem Mund und ruft:
„Na, ist deine Arche bald voll, Noah?--
Seelenruhig erwidert der Kapitän: „Nee,
komm' nur ruhig rauf, ein Affe fehlt' uns
noch."
Schach in Rendsburg
Geleitet von C.
Schachnachrichten: Rendsburger Schachklub von 1895.
Spiellokal: HauS des Arbeitervereins von 1813, Kanzlei
strafte.
Spieltage; Dienstagabends 20.15 Uhr, Sonntagmorgens
lab 9 Uhr freier Schachverkehrj, Schachfreunde find an
beiden Spieltagen willkommen.
In der vergangenen Woche wurden in der zweiten
Gruppe 4 Turnierpartien erledigt. Ratje verlor gegen
Bagge und Callcfen, Müller verlor gegen Möller, und
Callcfcn konnte feine Partie gegen Lawrenz gewinnen.
In der ersten Gruppe wurden am /onnerstag zwei
Partien ausgetragen: die Ergebnisse sind mir bisher noch
nicht bekannt.
Am Sonntag weilte der Eckernförder Klub bei uns zu
Gast. Wider Erwarten mußte — seit 10 Jahren das erste
Mal — unser Klub eine Niederlage einstecken. Da einige
starke Spieler der ersten Gruppe verhindert waren,
mutzte Rendsburg mit Ersatz antreten. Dies wirkte sich,
besonders an den letzten Brettern, verhängnisvoll aus.
Das Ergebnis war für Eckernförden 10'/-, Rendsburg 7 1 /*
Punkte.
Am kommenden Sonntag findet der Kampf zwischen
dem Rendsburger und dem Neumünsteraner Klub am
Nachmittag in Neumünster statt. Wollen wir in diesem
Kampf einigermaßen ehrenvoll abschneiden, so müssen
sich unsere starken Spieler für dieses Tressen unbedingt
freihalten, Abfahrt von Rendsburg ersolgt 14.01 Uhr.
Zu dem Problem Nr. 1 (18) von Gebr. Tiedemann
sandten richtige Lösungen ein: Graumann-Büdelsdofr, H.
Schwarz-Rendsburg. Lösung: Kc8—d7.
Zur Abwechslung bringe ich unsern Lösern heute ein
Drcizügerproblcm.
etwas beklommen, „sind auf fünfhundert Mark
geschützt."
„Das sind sie wert", sagte der Besitzer der
Baßstimme und nickte. „Fünfhundert sind sie
wert. Aber für mich ist das zu teuer. Ich zahle
dreihundertfünfzig und nicht eine Mark mehr.
Wollen Sie für dreihundertfünfzig verkau
fen?"
Der junge Mann zögerte einen Augenblick,
dann zuckte er die Achseln und schlug mit ei
nem Seufzer ein. „Gut", sagte er. „Mit örei-
hundertfünfzig bin ich aus dem Druck und
kann meine Reise machen. Ich verkaufe."
„In Ordnung." Der Mann mit dem Bärt
chen holte seine Brieftasche hervor und öffnete
sie. Im nächsten Augenblick biß er sich auf die
Lippen. „Verflixt", murmelt er, „ich sehe, ich
habe nur zweihundert Mark bei mir. Nun —
wir machen es so: ich gebe Ihnen die zwei
hundert als Anzahlung. Sie hinterlegen die
Steine hier drinnen an der Bar, und ich
bringe Ihnen in einer Stunde den Rest. Ein
verstanden?"
„Das geht nicht", sagte der junge Mann stör
risch. „Eine Stunde kann ich nicht warten.
Mein Zug geht bereits in einer halben
Stunde."
„Himmel . . . Sie sind aber ein schwieriger
Kunde!" sagte der andere empört. Sein Blick
fiel auf Herrn Willum, der die ganze Zeit
schweigend zugehört hatte. „Oh, vielleicht kann
uns dieser Herr helfen. Sagen Sie bitte: ha
ben Sie hundertsünfzig Mark bei sich?"
Herr Willum nickte.
„Ausgezeichnet!" sagte der andere und schlug
ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Sie ha
ben doch alles gehört, nicht wahr? Ich zahle
dem Herrn hier zweihundert Mark, und Sie
geben ihm hundertfünfzig. Dafür erhalten Sie
die Steine und setzen sich für eine Stunde hier
in die Bar. Und nach einer Stunde komme ich
und löse die Steine bei Ihnen aus, gegen ein
Aufgeld von — sagen wir — dreißig Mark. Ich
denke, damit können Sie zufrieden sein. Leicht
verdientes Geld, wie?"
Hinz, Rendsburg.
Problem Nr. 8.
Von Gebr. Tiedemann, Rendsburg.
(22)
k 8 h
Weiß zieht und setzt in 3 Zügen matt.
Zuschriften und Lösungen sind einzusenden an de»
Rendsburger Schachklub, Haus des Arbeitervereins
Kanzleistratze Lösungsfrist 14 Tage. Lösungsbekannt
gabe in 3 Wochen.
Herr Willum sagte noch immer nichts. Er
hob nur die Hand und deutete schweigend auf
den Eingang zum Automatenrestaurant . . .
Einige Minuten später saßen die drei an
einem der kleinen Tische im Hintergrund des
Lokals. Der junge Mann befand sich im glück
lichen Besitz von drcihundertfünfzig Mark.
Hundertfünfzig stammten von Herrn WilluM-
Herr Willum dagegen, vor dem wiederum ein
Gläschen Portwein stand, hatte die beiden
Diamanten in der Tasche.
Der junge Mann stand auf. „Ich muß jetzt
schleunigst fort, sonst erwische ich meinen Zug
nicht mehr", sagte er.
„Und ich mache mich auf die Beine und hole
das Geld", sagte der Mann mit dem Bärtchen
und stand ebenfalls auf.
„Hm", sagte Herr Willum sanft, „ich fürchte
Sie werden es etwas schwierig finden, hier her
auszukommen."
Die beiden starrten ihn sprachlos an.
„Tja . . .", fuhr Herr Willum bedächtig foru
„wir haben in letzter Zeit öfter von zwei Gau-
nern gehört, die falsche Diamanten an den
Mann bringen. Mit einem ziemlich gemeinen
Trick, muß ich schon sagen. Hinterher stellt şş
natürlich heraus, daß die vermeintlichen Dia
manten ganz gewöhnliche Glassplitter sind -'
Wir mußten natürlich etwas unternehme"-
nicht wahr? Wir mußten einfach."
Der Mann mit dem Bärtchen fuhr herum
und blickte zur Tür. Dort lehnten zwei
kräftig aussehende Herren in blauen Anzüge"'
Und au der Bar standen zwei ähnlich aus
sehenden Herren in blauen Anzügen.
Der Mann drehte sich wieder zu Herrn
lum um. „Sie reden immer von ,rvir'!" zisş
er. „Was meinen Sic damit?" , f
„Wir — von der Polizei!" sagte Herr 2Vu-
lum um. „Sie reden immer von „wir!" zisş
vernünftig dort zur Tür hinausgehen, werde"
wir die Sache ohne viel Aufsehen regeln kön
nen."