Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Tüte funaen Süicmet 
29. Jahrgang / Nr. Ill 
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Sonnabend, den 16. Mai 1936 
Der fsldatischs Gehorsam 
Bon Major a. D. von Keifer. 
Jeder junge Rekrut, der in das Heer ein 
tritt, muß vor allem eines lernen: schweigend 
SU gehorchen, blindlings die Befehle auszu 
führen, die er von seinem Vorgesetzten erhält, 
^as erfordert eine große Selbstüberwindung,' 
gerade den wertvollen Menschen, mit ausge 
sägtem Charakter und starkem Willen, wird 
es oft am schwersten werden, sich in diese mi- 
trtärische Disziplin, zu deutsch „Manneszucht", 
einzufügen. Und doch ist die Beugung des 
Willens des Untergebenen unter den des Vor 
gesetzten, die Zurückdrängung aller an sich 
natürlichen Willensregungen eine unbedingte 
Notwendigkeit, weil nur mit dieser Art von 
Erziehung erreicht werden kann, daß eine 
Masse von Menschen die Befehle des einen, 
der zu ihrem Führer bestimmt ist, auch unter 
den schwierigsten Verhältnissen, in Not und 
Todesgefahr, ausführt. In dieser Mannes 
zucht ist das preußische und später das deut- 
>che Heer seit den Zeiten des Soldatenkönigs 
und seines Sohnes Friedrichs des Großen 
allen anderen Heeren überlegen gewesen,' ihr 
haben wir die siegreichen Kriege, die zur Eini 
gung des Deutschen Reiches geführt haben, 
und das zähe Aushalten des deutschen Heeres 
>m Weltkriege, das die Heimat vier Jahre 
lang gegen eine Welt von Feinden schützte, in 
erster Linie zu verdanken. 
Diese sprichwörtliche „preußische Disziplin" 
ist vielfach von Deutschlands äußeren und in- 
Ueren Feinden als „Militarismus", als „Ka 
davergehorsam" oder „geisttötender Drill" be 
zeichnet worden. Wer solche Auslegungen aus 
spricht, beweist damit nur, wie wenig er den 
inneren Geist begriffen hat, der den äußeren 
Mitteln zu Grunde liegt, mit denen im deut 
schen Heere die Erziehung zu straffster Man 
neszucht angestrebt und erreicht wird. 
Das „Griffekloppen", wobei eine ganze 
Kompagnie mit maschinenmäßiger Genauig 
keit auf Kommando wie e i n Mann die be 
fohlenen Uebungen mit dem Gewehr aus 
führt, der stramme Exerziermarsch, wobei 
Hunderte von Beinen wie an der Schnur ge 
zogen im gleichen Tempo und in gleicher Höhe 
nach vorwärts fliegen, und der im Parade 
marsch seine Krönung findet — überhaupt 
jedes Exerzieren in der geschlossenen Forma 
tion kann selbstverständlich heute, im Zeitalter 
der Maschinengewehre, der aufs höchste gestei 
gerten Artilleriewirkung und der Fliegerbom 
ben, nicht mehr wie zur Zeit des großen Kö 
nigs aus den Schlachtfeldern angewandt wer 
den. Wenn man trotzdem im deutschen Heere 
bis auf den heutigen Tag neben gründlichster 
Gefechtsausbildung auch die exerziermäßige 
Ausbildung in geschlossenen Abteilungen bei 
behalten hat, so gewiß nicht aus Freude am 
..Kadavergehorsam", sondern weil keine an 
dere Ausbildungsart im gleichen Maße ge 
eignet ist, den Menschen zur Ausdauer, Selbst 
überwindung und Selbstbeherrschung, d. h. zur 
sogenannten „inneren Disziplin", zu erziehen, 
die gerade im Kampf ganz unentbehrlich ist. 
Im Weltkrieg hat sich immer wieder gezeigt, 
daß Truppenteile mit gründlicher Friedens 
exerzierausbildung auch im Kampfgetümmel 
die besten und zuverlässigsten waren, weil eben 
die Erziehung auf den Exerzierplätzen des 
deutschen Friedensheeres nicht im „geisttöten 
den Drill", sondern in der Ausbildung zur 
Charakterstärke und Mannhaftigkeit bestand, 
me auch den stärksten Nervenproben im feind 
lichen Feuer gewachsen war. 
Freilich genügt die stramme Manneszucht, 
die maschinenmäßige Ausführung von Kom 
mandos und Befehlen allein noch nicht, um 
den Anforderungen des neuzeitlichen Gefechts 
gewachsen zu sein. Vielmehr verlangt diese im 
Gegensatz zu früheren Zeiten, wo auch im 
Kampf alle Bewegungen und sogar die Feuer- 
dbgabe auf Kommando erfolgten, von den 
Soldaten aller Waffen ein außerordentlich 
bohes Maß von geistiger Selbständigkeit, gro 
ßer Geistesgegenwart und Entschlußkraft. Die 
Gefechtserziehung mt deutschen Heere sah da 
her schon vor dem Kriege ihre Hauptaufgabe 
darin, jeden einzelnen Mann zum Denken 
ünd Handeln unter eigener Verantwortung, 
äur vollen Betätigung seiner persönlichen 
kämpferischen Eigenschaften unter verständnis- 
dollem Sicheinfügen in den Rahmen des Gan- 
zu erziehen. Diese Verbindung von straf- 
rr Disziplin einerseits und stärkster Entfal- 
tung her Einzelpersönlichkeit andererseits 
ülacht erst den wahren Soldaten. Die Ei 
chung zur Manneszucht gibt ihm im Kampf 
den inneren Halt, die seelische Stärke, um die 
Gefühle der Furcht und Feigheit, die an jeden 
Menschen im Getümmel der Schlacht einmal 
herantreten siegreich überwinden zu können. 
Me Erziehung zur selbständigen geistigen 
Persönlichkeit dagegen befähigt ihn, auch wenn 
M kein Befehl im Kampfeslärm erreicht, die 
^age selbständig zu beurteilen und danach sein 
Handeln einzurichten. 
Diese beiden an sich entgegengesetzten Er 
ziehungsforderungen — Manneszucht, d. h. 
Unterdrückung des Eigenwillens, und selb 
ständiges Handeln im Gefecht, d. h. stärkste 
Willensfreiheit — miteinander zu verbinden 
und so gegeneinander abzuwägen, daß im 
Ernstfall Höchstleistungen sowohl in der Ge 
schlossenheit des Massenkampfes wie in der 
vollen Entfaltung der Kampfeseigcnschaften 
des einzelnen erzielt werden, das ist die 
schwere Ausgabe, vor die jeder militärische Er 
zieher gestellt ist. Daß das deutsche Offiziers 
korps des Vorkriegsheeres diese Erziehungs 
aufgabe zu lösen verstanden hat, dafür ist der 
beste Beweis die moralische und taktische 
Ueberlegenheit, die der deutsche Soldat im 
Felde allen seinen Feinden gegenüber gezeigt 
hat. 
Heute ist die Manneszucht nicht mehr nur 
die tragende Säule des deutschen Heeres, son 
dern auch der deutschen Jugend und des gan 
zen deutschen Volkes. Ucberall, in allen Or 
ganisationen des Staates, der Partei und der 
Wirtschaft, wird befohlen und gehorcht. Der 
letzte Zweck dieser das ganze Volk durchdrin 
genden Disziplin ist die Festigung des Reiches 
auf allen Gebieten seines volklichen Lebens 
Vrief aus dem Arbeitsdienst. 
Es scheint noch garnicht lange her zu sein, 
daß unsere Rendsburger Jungens frohgemut 
in den Arbeitsdienst zogen. Wenns Sonnen 
licht uns Zurückgebliebenen gar zu verlockend 
auf den Schreibtisch fiel, haben wir wohl in 
den vergangenen Wochen, die für sie von dich 
tester Erlebnisfülle waren, mit einem Seuf 
zer des Neides ihrer gedacht. Ein Arbeits 
kamerad der „Landeszeitung" sandte uns in 
treuer Verbundenheit zur Stätte seiner bis 
herigen Arbeit — denn das war sie doch, trotz 
dem er schreibt, das Leiden Arbeit erst jetzt 
kennen zu lernen — einen ersten Brief, der 
um so echter ist, als er durchaus nicht für die 
Oeffentlichkeit, sondern für einen kleinen 
Kreis bestimmt war. 
Liebe Schriftleitung der „LZ." 
Eigentlich sollte ich schon lange einmal schrei 
ben, aber ich muß gestehen, daß ich mich freu:, 
nachdem die Knochen wieder in Ordnung sind, 
nichts mehr mit „Papier" zu tun haben. Ich 
habe es nie geglaubt, aber es ist Tatsache, daß 
man von Grund auf im Arbeitsdienst umge 
wandelt wird. Jegliches Spießertum, wovon 
auch ich jwas ich hier erst gemerkt habe) ein 
bißchen befallen war, verschwindet. Man wird 
ein Mensch, der alles mit gesundem Sinn an 
schaut. Wir haben erst tüchtig gelacht, als wir 
zum ersten Mal uns gegenseitig im grauen 
Arbeitsanzug betrachteten, aber bald haben 
wir auch gemerkt, daß wir alle gleich waren: 
Jungens und nichts als Jungens, die das 
gleiche Leiden haben, nämlich, das Arbeiten 
zu lernen. 
Inzwischen haben wir schon manche Schaufel 
Erde bewegt. Wir vom 1. Zug (die größten) 
arbeiten zwei Monate am Bahndamm bei 
Meldorf. Der Zug bringt uns jeden Morgen 
dorthin. Nach zwei Monaten kommen wir zum 
Kieler Moor (bei Albersdorf). Nach Pfingsten 
sollen wir nach Helgoland, das wird 'ne luftige 
Seefahrt. Wir sollen dort auch einen Abend 
ausgestalten, darüber freue ich mich noch mehr. 
Ja, unsere Führer sind fast durchweg wirk 
liche echte Kameraden. Erst aus der Kamerad 
schaft einer ganzen Gemeinschaft lFührer und 
Gefolgschaft) kann man das Leben in einem 
Lager schön gestalten. Wir haben schon schwere 
Stunden gehabt, aber durch die Kameradschaft 
unter uns allen haben wir uns gegenseitig 
über alles mit Leichtigkeit hinweggesetzt. 
Ich will nun lieber Schluß machen, sonst 
laufen meine Kameraden mir weg. Wir wol 
len nämlich noch bis 10 Uhr ausgehen. Ich 
werde bald von mir hören lassen, habe ja ge 
nug erlebt, muß aber, wie gesagt, erst einmal 
mich ausruhen vom Zeilenschindern 
Herzl. Grüße an alle Betriebsangehörigen 
Heil Hitler! —h. 
Die erste Hitlerjugend-Feuerwehr. 
In Bad Reichenhall fand zum ersten Male eine Uebung der Hitler 
jugend mit Löschgeräten statt, bei der die Hitlerjungen ganz Er 
staunliches leisteten. Im ganzen Reiche sollen nun Hitlerjugend- 
Löschzüge gebildet werden. (Presscphoto, K.) 
Eine Ausstellung des Fähnleins 13/in/186 
nom 9. bis 29. Mai in Sörvp 
Ein Querschnitt durch die Winterarbeit eines Jungvolkfähnleins. 
Als wir im Herbst vorigen Jahres unsere 
Heime wieder bezogen und uns für die Win 
terarbeit rüsteten, stellte unser Fähnleinführer 
Hannes uns die gewiß nicht leichte Aufgabe, 
während des Winters für eine im Frühjahr 
stattfindende Werkausstellung zu basteln. Das 
war leichter gesagt, als getan. Es stiegen uns 
allerlei Bedenken bezüglich der Beschaffung 
des Holzes usw. auf, aber es wurde behoben, 
und mit Eifer und frischem Mut ging es ans 
Werk. Viele Dienststunden haben wir im Win 
ter gebastelt. Die eine Arbeitsgruppe kon 
struierte ein Schattenspiel, eine andere machte 
Laubsägearbeiten und wieder eine andere 
baute im Sandkasten oder zeichnete das Lehr 
material. Nicht immer glückten die Schnitze 
reien, aber unverdrossen wurde weiter geschafft 
bis wir jetzt im Mai eine Ausstellung eröff 
nen konnten, um der Oeffentlichkeit einen 
Ausschnitt aus unserer Jungvolkarbeit zu zei 
gen. Unser Heim im Bahnhofshotel erwies sich 
für eine Werkausstellung als zu klein und 
wieder mal tauchte die Frage nach einem ge 
eigneten Standortheim auf. Die Schule stellte 
uns einen Klassenraum zur Verfügung, den 
wir in ein schlichtes Jungvolkheim umwan 
delten. 
Jetzt ist die Ausstellung eröffnet worden. 
Vor uns hängt an der Wand der Reichsadler 
aus Laubsägearbeit geschaffen, darüber eine 
wuchtige geschnitzte Schrift „Unsere Fahne ist 
mehr als der Tod". Beim Durchschreiten des 
Werkraumes fällt eine Gruppe geschnitzter 
Märchenspiele: „Aschenbrödel" und „Rotkäpp 
chen" auf, daneben drei Zusammenstellungen 
aus Sägearbeit, ein Karussel, eine Geflügel 
farm und eine Försterei mit dem Forst. Auf 
einem zweiten Tisch sind Runen aufgestellt, 
darunter in großen gesägten Buchstaben eine 
Schrift: „Gelobt sei, was hart macht", alles 
Handarbeit der Jungen. Die Aufstellung aus 
dem Mitteltisch ist dem Leitwort: „Arbeiter, 
Bauer und Soldat" unterstellt. Zwei geschnitzte 
Tafeln mit den Namen der Gefallenen der Be 
wegung, zur Mitte ein Schert aus Schnitz 
arbeit und links und rechts flankiert von dem 
Zeichen der Deutschen Arbeitsfront und dem 
Pflug geben einen sinnvollen Anblick. Weiter 
sieht man die Ausrüstungs- und Lehrgegen 
stände der Jungen. Tornister mit gerollten 
Decken und feldmarschmäßig gepackt, Gewehr, 
Karten und Marschkompaß, ferner Boxhand 
schuhe und von den Jungen selbst gezeichnete 
Lehrtafeln sind ausgelegt. Rechts von der Ein 
gangstür steht ein selbst gezimmerter Schrank, 
worin die Instrumente für den Spielmanns 
zug lagern. Der Hintergrund wird durch eine 
auf Leinwand gezeichnete Karte Deutschlands 
einschl. der abgetrennten Gebiete, dargestellt. 
Im Vordergrund ist ein Sandkastenbau „Wie 
Pimpfe sich einen Frontabschnitt denken" zu 
bewundern, der mit viel Arbeit geschaffen ist 
und der verrät, mit wie viel Interesse die 
Jungen die Geschichte des großen Krieges ver 
folgen. Den Abschluß des Rundgangcs durch 
die Ausstellung bildet ein selbst gebasteltes 
Flugzeuggeschwader mit einem großen Bom 
ber als Führerflugzeug. Um die Arbeit des 
Jungvolks in Sörup der Nachwelt überliefern 
zu können, ist von den Pimpfen eine Chronik 
geschrieben, die alle Geschehnisse innerhalb des 
Standortes emgehend schildert und durch Fo 
tografien aus dem Lager- und Wanderleben 
bebildert. 
Die Ausstellung hat gezeigt, daß die Jungen 
mit viel Mühe und Sorgfalt zu Werke gegan 
gen sind, stand ihnen doch nur bescheidenes 
Material zur Verfügung. Es soll durch diese 
Ausstellung der Eltern- und Einwohnerschaft 
gezeigt werden, daß sie ihren Jungen ruhig 
dem Jungvolk anvertrauen können, bei dem 
er zur Kameradschaft, zur Treue, zum Pflicht 
gefühl und zur Härte erzogen wird. 
F. M. 
HI. sieht sicher mûmt Aàen. 
Das Frankfurter Schauspielhaus brachte in 
der Zeit vom Mai 1934 bis März 1936 eine 
große Anzahl Vorstellungen, die ausschließlich 
für die HI. und den BDM. gegeben wurden 
und durch die insgesamt 9000 Jungen und 
Mädel erfaßt waren. Es wurden aufgeführt 
an klassischen Stücken: „Wilhelm Tell", „Ka 
bale und Liebe", „Ter Widerspenstigen Zäh 
mung". Von modernen Autoren stammten die 
Dramen „Marsch der Veteranen", „Schach den 
Cäsaren", „Der Kaiser und der Löwe" und 
„Reims". Außerdem waren die beiden Lust 
spiele „Ich und mein kleiner Bruder" und 
„Die 11 Teufel" auf dem Spielplan. Die höchste 
Besucherzahl (2900 Personen) erreichte Mül- 
ler-Schelds „Schach den Cäsaren" und Beth- 
ges „Marsch der Veteranen". Beachtlich er 
scheint an dieser Statistik, daß das Interesse 
der HI. sich in erster Linie wertvollen Werken 
moderner Autoren zuwendet, während die 
klassischen Stücke nicht so gern gesehen wer 
den. Interessant ist auch noch, daß die Lust 
spiele keine überdurchschnittliche Besucherzahl 
aufzuweisen hatten. 
Sprechstunden 
der KàķMM IyWŞhrer. 
Da im Nahmen der vielen Neuaufnahmen 
verschiedene Fragen zu regeln sind, teilen wir 
noch einmal die Sprechstunden der Fähnlein 
mit: 
Stamm III/163, Wilhelm Delfs, Adolf-Hitler- 
Haus, 18—19 Uhr täglich/ 
Fähnlein 11/163, Helmut Peters, Lornsen- 
straße 3, 19.30-20 Uhr täglich,- 
Fähnlein 12/163, Georg Faschin, Lornsen- 
straße 3, 18—19 Uhr täglich,' 
Fähnlein 13/163, Bruno Brammer, Mittel 
schule, 17—19 Uhr täglich,' 
Fähnlein 14/163, Erich Thiele, Adolf-Hitler- 
Haus, 17.30—18.30 Uhr täglich,' 
Fähnlein (Musik) 18/163, Johannes Bauch 
Aöolf-Hitler-Haus, 18—18.30 Uhr täglich.
	        
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