3lt. 19 t 17. Jahrgang
litt gönn Dien Nächsten ock sien Deel,
Maak ock keen Lärm un Striet.
Wi möt denselben Weg mol gähn
Un kriegt doch all nicks mit.
De Schumwerftünn *)
Wa schöön is doch de Schummerstunn,
Wenn ünnern Aam dröömt de Hunn
Un op den Aam de Appeln braat
Un all Mann rund rüm sitt un staat.
Uns Vader denn ut't Brennhuus keem
Un von de Wand de Piep sik neem
Un sett in'n Lehnstool sik un smook.
Dat gans de Döns na Petum rook.
Am meersten harrn wi denn Pläseer,
Wenn mal de Snider bi uns weer.
De seet denn in'e Schoppstünn ok
In'n Lehnstool achtern Aam un rook.
„Klaas-Snider, nu vertell mal wat,
Wi hebbt lang keen Geschichten hatt!"
Un he vertell von Brakenscheep,
Von Ulenspegelkünst un -Kneep.
Wat de lütt Kirl voll Döntjes sect!
De kunn verteiln de ganse Week.
He harr op'n Rüüch son lütten Knoll,
Se sä'n. de seet bet haben voll.
Dat maak uns Göörn jo bann! Spaß.
Denn in't Vertelln weer he en Baas.
Wi sieten dor un spieln de Dorn.
Dat uns man jo nix güng verloorn.
Toleß keem Moder mit de Lamp.
De weer man knapp to seen vör Damp.
„So. Jungs, nu awer ran an't Book.
Du leve Tied, Wat is dat hier en Rook!"
„Ja. Moder, dat is ni ümsiunft.
Klaas-Snieder maak hier blauen Dunst,"
Sä Vader, güng na't Brennhuus rut;
De schöne Schummerstünn weer ut.
Bald harrn wi Jungs de Böker satt,
Un Snider-Klaas seet op de Laad
Un trock sien Beenwark ünnern Liev
Un nei nu wedder stramm un stiev.
De Laad stünn von de Wand ni wiet,
Dat Licht dat dreep em von'e Siet.
Denn speel de Schatten an'e Wand
Mit Klaas sien Kopp, sien Knast, sien Hand.
Denk oft noch an de Schummerstunn.
De schöne Tied is lang verschwunn.
Klaas-Snider slöppt lang in'e Eer.
Un ok mien Ooln sünd lang ni meer
*) Das Gedicht schickt uns freundlichst Herr G. Blunck-Dün-
zen und schreibt dazu: „Das Gedicht ist vor etwa hundert
Jahren von Jürgen Friedrich Ahrens gemacht. Dessen Va
ter hat damals in Bünzen gewohnt und ist Brennerknecht
bei A. Harms gewesen. A. Ist später Direktor der Gewerbe
schule in Kiel gewesen. Mir ist das Gedicht von einem alten
Mann in Bünzen mündlich überliefert worden".
Ahrens ist später durch zahlreiche plattdeutsche Gedichte
bekannt geworden. Gewisse Unebenheiten in dem vorliegen
den Gedicht sind Wohl auf die mündliche Ueberlieferung
zurückzuführen. Im übrigen aber schildert es trefflich die
Schummerstunde, wie sie uns alten Landkindern aus der
Jugend her im Gedächtnis haftet.
I. K.
ķ
Mrnzakob Swehn in Amerika
Vor 20 Jahren tauchte dieses Buch eines
mecklenburgischen Dorfschullehrers auf dem
Büchermarkt auf und erreichte bald eine
hohe Auflage. „Jürnjakob Swehn, der
Amerikafahrer" von Johannes Gillhoff ist
eigentlich das klassische Buch vom nieder
sächsischen Auswanderer, den Mangel an
Boden und Freiheitsdrang in die Ferne
trieben, geworden. In einfachen, eindring
lichen Sätzen, erhellt von dem köstlichen
mecklenburgischen Humor, ist hier alles ge
sagt, was zu diesem Problem überhaupt
zu sagen ist. Wir bringen einige Stücke
aus dem Werke, das im Dom-Verlag, Ber
lin, erschienen ist. Jürnjakob Swehn, gebo
ren in einem mecklenburgischen Katen,
wandert in den 60er Jahren des vorigen
Jahrhunderts nach Amerika aus und
kommt durch harte Arbeit zu Ansehen und
Reichtum. Er schreibt sein Schicksal in Brie
fen an seinen alten Lehrer nieder.
Lieber Freund, ich kann dir mitteilen, daß
der oberste Koch einen Küchengesellen hatte.
Der wurde krank. Der Kapitän war Doktor und
Apotheker zugleich. Das mußte damals so sein.
So fragt der Kapitän ihn: Was fehlt dir? Er
weiß es nicht. Der Kapitän sagt: Wo tut es
dir weh! Er weiß es nicht. Der Kapitän be
trachtet ihn. Er denkt nach. Er weiß es auch
nicht. Er denkt döller nach. Da weiß er es. Er
sagt: Ich will dir Nr. 13 aus dem Medizin
kasten geben. Er geht hin. Nr. 13 ist alle. Der
Gesell stöhnt am ganzen Leibe. Der Kapitän
hat ein mitleidiges Herz an sich. Er denkt: Du
mußt dem Menschen doch helfen, denn er ge
hört zu deinen Schiffsleuten. Nr. 13 ist alle.
So mischt er Nr. 6 und Nr. 7. Das gibt auch
Nr. lá. So geschah es. Was geschah weiter?
Ich will es dir erzählen. Der Küchengesell
kriegte von Nr. 13 einen Durchfall, der reichte
vom Schiff bis nach Newyork. Der Kapitän
war froh, daß er an Nr. 13 nicht gestorben
war, und der Gesell brauchte nach her keine
Arbeit mehr zu tun. Er brauchte bloß am Le
ben zu bleiben. Das hat er denn auch getan.
*
Es ist immer gut für den Menschen, wenn
er weiß, woher er kommt.
Es war ein alter Strohkaten, in dem wir
wohnten. Er war niedrig im Dach, aber dafür
der längste im Dorf. Darin gehörte uns eine
Stube und eine Kammer. Wer lang aufgeschos
sen war, der tat gut, wenn er mit seinem Kopf
den Balken aus dem Wege ging. Für einen
hochmütigen Menschen war da schlecht woh
nen. Wenn er aber in eins von den vielen
Löchern im Fußboden trat, dann konnte er
seinen Kopf hoch tragen. Dann ging das so
eben. Der Fußboden war aus Lehm, auf dem
Püttberg gewachsen. Man bloß, er brach im
mer aus. Aber Sonntags streute die Mutter
weißen Sand. Da sah es sehr schön nach Sonn
tag aus.
Mit den Kartoffeln war das ganz bequem
eingerichtet. Die brauchten wir nicht weit aus
dem Keller oder aus der Kammer zu holen.
Sie lagen im Winter unter dem Bett in der
Stube, daß sie nicht erfroren. Da unter dem
Bett war noch Platz für einen gadlichen Pölk
oder wenigstens für ein hübsches Ferkel; das
sollte uns morgens mit seinem Quieken
wecken. So sparten wir die Uhr. Aber Vater
starb zu früh, und so weckte es uns bloß in
Gedanken. — Die Wände waren Lehmstaken,
auf beiden Seiten mit Lehm überwarfen, und
der Lehm war mit Häcksel vermischt. So war
er nicht so vergänglich; so hielt er sich besser.
Im Frühjahr konnten wir den Flieder schon
durch die Wand durch riechen, und im Som
mer ging die Sonne hindurch, daß wir die
Tür nicht mal aufzümachen brauchten. So
bequem hatten wir das. Gab es nichts zu
riechen, im Winter, dann lehnten wir wir
bloß ein paar Strohklappen gegen die Wände,
und der Schnee mußte draußen bleiben. Der
Ofen war aus festem Backstein und auch mit
Lehm vom Püttberg überwarfen. Er hatte eine
wunderschöne grüne Farbe. Du kannst alle
Pötters in den Staaten fragen, und keiner
tut das raten, woher die grüne Farbe kam, und
der Präsident weiß es auch nicht. Das war ein
Geheimnis meines Vaters. Denn siehe, er
hatte den Lehm mit Kuhdung gemischt, darum
sah der Ofen so schön grün aus.
Bettstellen, Koffer, Tisch und Brettstühle,
das hatten wir alles ganz umsonst, denn Vater
hatte es selbst gemacht. Der Koffer hatte links
ordentlich eine Beilade, wie das so Mode war,
und unten in der Beilade lag der Geldstrumpf,
wie das so Mode war. Meist aber war nur der
Strumpf da, und so konnten wir ruhig schlafen.
An der Wand hing ein kleiner Spiegel; der
Belag war hinten an vielen Stellen schon ab
gescheuert; aber wir konnten uns doch noch
ganz nett in dem Spiegel besehen, wenn wir
Lust dazu hatten. Dann hing da noch ein
Christus am Kreuz und die heilige Genoveva.
Glas und Rahmen hatten sie nicht. So waren
sie an die Wand genagelt und konnten nicht
runterfallen. Die haben sich da gehalten, so
lange ich denken kann.
Wenn Holztage waren, dann schoben Mut
ter und wir mit der Karre nach den Tannen
hinter dem Roden Söcken und holten trockenes
Holz. Das war eine Stunde hin und eine
Stunde zurück und machte uns viel Spaß.
Manchmal gab es in den Tannen auch einen
Katteiker (Eichhörnchen) zu sehen. Aber Mut
ter mußte schieben, bis wir so weit rangewach
sen waren, und sie mußte die Karre oft nieder
setzen und sich verpusten. Vater verdiente vier
Schilling im Tagelohn, aber es gab nur in der
Aust und beim Dreschen was zu verdienen, und
das Dreschen ging schon morgens drei Uhr los.
Für uns Jungens war das Dreschen ein Fest,
denn wir konnten nachmittags manchmal hin
gehen zum Bauern und uns auf den Stroh
kloppen wöltern (wälzen), und manchmal gab
die Frau uns noch ein Butterbrot dazu. Siehe,
so waren wir glücklich.
*
In Dingskirchen hat die Gemeinde ihrem
Pastor aufgesagt. Gottes Wort wird ihnen in
trocknen Jahren zu teuer. Nächsten Sonntag
wird der Kirchenälteste an seiner Stelle eine
geistliche Vermahnung an die Gemeinde hal
ten, die soll kurz und kräftig ausfallen. Sie
wollen sich das umgehen lassen.
Da kam der nächste Sonntag schon ran. — Da
kam alles, was Beine hatte, und ich auch. Ich
sagte zu Mieschen: Das muß ich mir anhören.
Sie sprach: Die Leute haben eine Dummheit
gemacht und die sie Sonntag machen, die wird
noch größer sein, denn die erste war. Was willst
du dir die Stiefelsohlen danach ablaufen? Aber
als der Sonnabend kam, da nahm ich die zwan
zig Meilen unter die Füße und am Abend
hatte ich sie richtig abgewickelt. Am andern
Morgen war die Kirche proppenvoll. So voll
hatte sie der Pastor wohl lange nicht gesehen.
Vor dem Altar stand das Lesepult, und davor
saß der Buxtehuder und hatte seinen Sonn-
cagsrock an. Aber ein Sonntagsgesicht hatte er
nicht aufgesetzt. Auch rutschte er heftig hin und
her auf seiner Bank. Na, denke ich, in deiner
ާn Breef un twee Gedichten
Lewe Jakob Kiekut!
Hüt bring'k Di een lütt Twäschenpaar,
As Reuter maleenst seggt,
Un bed Di: Nimm se fründlich op
Un schick se ni weer weg!
Se paßt so wunnerschön tosam,
Se gliekt sick Haar üm Haar,
Un wenn man se tosamen stellt,
Denn gisst en prächdig Paar.
Denn gaht se in de miede Welt
Un kamt ock wedder trüg.
Seh ick ehr in ehr niees Kleed,
Denn bün'k ganz in er weg.
Ik bed di nochmals, leewe Mann,
Ick kam ock ni alleen.
Ick Hess jo Willem Busch *) to Hölp,
De seggt Di ock sien Meen.
Un wenn dat na ni anschlan öeit,
Wat öüsie Mann Di seggt,
Dann schick ick Onkel Bräsig hen,
De bringt ja allns torecht.
Wenn de eerst anklabastern kommt,
Denn nimm Di man in acht,
De faat Di ni mit Handschen an,
Denn gisst dat awer'n Dracht.
Doch büst Du to Gefallen em
Un deist man, wat Du schast,
Denn is he ock en goden Mann,
*)
Gehorchen wird jeder mit Genuß
Den Frauen, den hochgeschätzet^
Hingegen machen uns meistens Verdruß
Die sonstigen Vorgesetzten.
(Dann schenkt er Dich auch was.)
Warst mi dat doch ni öwel nehm,
Wenn ick mol mak en Svaß.
Du mußt denn ock ni denken gliek:
Ach, de oll Deern, de raast!
Dat liggt uns Dütschen so int Bloot,
Un wenn ick plattdütsch sprük,
Denn bün ick meistens opgeleggt
To allerhand son Sträk,
Geiht anner Lüüd jo ebenso,
Dat is ock ehr Geschmack.
Dien plattdütsch Opsätz lehrt uns dat,
Un ock de „Rottensnack".
Ick kann ock recht vernünföig sien,
Wenn dat een ernste Saak,
Doch denn beöeen ick mi tomeist
Uns gode hochöütsch Spraak.
„Gemeennutz geiht vör Eegennutz",
Hett Hitler uns doch seggt.
Ick stell mi ock in sienen Deenst
Un geev ock, wat ick Hess.
Mien Verse sünd doch ock ni schlecht,
Se bringt en gode Lehr
Un düsse öorto „formgerecht",
Nu segg, wat wuüt Du mehr!
Un wenn'k er noch vertonen schall,
Dat wardt mi ock gelingen:
„Ueb' immer Treu und Redlichkeit —"
Dat kannst Du doch woll singen.
*
Eegennutz.
„Gemeennutz geiht vör Eegennutz",
Hett Adolf Hitler seggt.
De Lehr, de is doch wörtlich god.
Doch de Erfolg is schlecht.
Dat geiht to't eene Ohr herin,
To't anner weer herut;
Un well Di dat ni in Dien Sinn,
Denn kiek man blos mol ut.
Op Schritt un Tritt begegnt Di
De krasse Eegennutz.
He makt sick allenthalben breet,
All gode Lehr ton Trotz.
He seggt na immer: „Eerst kam ick!"
— He denkt ja blots an sick! —
„Denn kam eck na ton tweeten mal.
Dat is mien Politik!"
Du Eegennutz, Du böse Plant,
Di hett de Fiend woll seiht.
Büst leger noch ab Quäk in't Land
Un Disteln op de Weid.
Du büst'n Schann för't Christenvolk;
Ick möch Di roden ut
Met Stump un Stööl. „Mien leewe Deern,
Du kriggst mi man ni rut!
Ick stah so fast as'n Eekenboom,
Hool Wind un Weller stand.
Mien Mörteln de sünd fund un stark,
Se gaht öör't ganze Land.
Ick stah as eene Muur, so fast.
Ja, ja. Ick segg dat luut:
Keem Hitler ok mit Heeresmacht —
He kregt mi ok ni rut!"
*
ter.
Fru Habgier und Herr Eegennutz,
De gewen sick de Hand.
Se paßten ock recht god tosam,
Weer't staatschte Paar in't Land.
Haut möchte ich heute auch nicht stecken. Wo
vitt woll möt!
Er läßt Nr. 228 singen: Was willst du, armer
Erdenkloß, so sehr mit Hoffart prangen? Es
ist ein langer Gesang. Er hat dreizehn Verse.
Es ist zu Ende. Er bleibt sitzen. Er läßt ein
zweites Lied singen. Die Gemeinde wundert
sich; er ist sonst nicht für Musik. Endlich ist
auch das zu Ende. Noch ein drittes Lied —
nein, das geht nicht. So wankt er nach dem
Pult und stellt sich dahinter. Aller Augen sehen
auf ihn, die einen mit Neubegier, die andern
mit Ehrfurcht. Ihm bebern die Büxen. Er muß
sich immerzu den Schweiß abwischen. Er nimmt
die Bibel. Er schlägt sie auf. Er liest Matthäi
am 23.: O, ihr Schlangen und Otterngezücht,
wie wollt ihr der höllischen Verdammnis ent
rinnen? — Wir setzen uns. Wir husten noch
mal, um nachher nicht zu stören. Wir setzen
uns zurecht, und ich denke so bei mir: Alles,
was recht ist! Eine kurze, kräftige Vermahnung
läßt sich da gut anbringen. Aber daß er die
Farmersleute gleich mit Schlangen und Ottern
vergleicht, das wäre wohl nicht nötig gewesen,
wo es auch gar nicht an dem ist. Na, das ist
seine Sache. In der Bibel kommen Schlangen
und Ottern ja öfter vor.
Als die Gemeinde mit dem Husten fertig
war, da hustet er selbst noch ein paar Mal.
Dann gibt er sich inwendig einen Ruck und
fängt wahrhaftig an. Lieber Freund, ich kann
dir mitteilen, was nun kam, so was hab ich
im Leben nicht gehört. Das war nicht geistlich.
Das war nicht weltlich. Das war bloß ängst
lich und lauter Unsinn. Er fing an:
Meine lieben Mitchristen! Oder, wie der
Apostel sagt, ihr Schlangen- und Otterngezücht!
Ihr Schlangen! sagt er — Ihr Schlangen und
Ottern! Ihr Ottern und Schlangen! Ihr
Ottern! — Ihr Schlangen! Das brüllte er nun
so raus, und dazu schlug er mit der Faust auf
die Kanzel. Er tat es aber nicht aus Kraft,
sondern aus Angst. Er wollte sich Mut machen.
Es gelang ihm nicht. Er wußte nicht weiter.
Er verbiesterte (verirrte) in seinem Text. Er
fing wieder an: Ihr Schlangen- und Ottern
gezücht! — Ihr Schlangengezücht — Es war
wieder alle. Er kuckte über sich. Er kuckte uns
an. Wir kuckten ihn an. Wir saßen ganz still.
Er legte noch mal los; aber er war heil und
öeil verbiestert: Ihr Schlangen! Ihr Schlot
tern und Zangen! — — Ihr Schlottergezücht!
— Das kam ordentlich forsch raus. Und dann
saß er ganz fest. Seine Vermahnung war alle
geworden. Er blickte um sich wie einer, der in
großer Not ist. Es war aber allda einer von
den Aeltesten, der sollte am nächsten Sonntag
ran. Der sah seine Not und daß er die Tiere so
durcheinander schmiß. Der sah auch, daß es mit
der geistlichen Vermahnung für heute nichts
mehr wurde. Darum erbarmte er sich über ihn
und rief ihm leise zu: Lasset uns beten! —
Er aber griff das Wort mit seinen Ohren auf,
und mit seinen Augen suchte er auf der Bibel
seite Matthäi am 23. nach einem Gebet. Es
nützte nichts mehr. Er war nun mal an Leib
und Seele verbiestert, und darum verhaspelte
er sich in seinem Beten. Er faltete die Hände
und sprach: Lasset uns beten! Wehe euch, ihr
Schriftgelehrten und Pharisäer! Amen.
Johannes Gillhoff.
Unterhaltungsbeilage zur „Schleswig-Holfteinischen Landeszeitung, Rendsburger Tageblatt"
Herr Eegennutz nützt allens ut;
Fru Habgier rafft tosam.
Un in een Tied von twindig Jahr,
Do harrn se „Geld ton Kram".
Do weern ock alle Kisten voll.
Doch bleewt dat Hart ehr leer.
Se harrn denn doch na ni genog.
Se wolln na immer mehr.
Fru Habgier leep den ganzen Dag
So ebento in Draff.
Herr Eegennutz de leet sick Tied.
He makt dat ruhig af.
He seet un räk un spekeleer,
Bet he dat richdig rut,
Wie dat am vördeelhaf'sten weer.
He nützt jo allens ut.
Doch eenes Dags de Dood sick meldt.
He keem mit liefen Schritt
Un rafft se alle Leid hinweg.
Se kreegen garnichts mit. —
Un de Moral von de Geschicht?
Nehmt ju dat good to Kopp:
Mien Fründ, lat Du dat Raffen sien
Un hol mit Sparen op.
Rendsburg, den 16. Mai 1936
Puls.
Cäcilie Harbs.