Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

kommende Arbeit in den KdF.-Kursen 
aufgestellt hatte. — Pg. Thiele, Altona, sprach 
zum Schluß noch ausführlich über die der 
Organisation „Kraft durch Freude" obliegen 
dem Aufgaben. 
Schachwettkampf Rendsburg — Neumünster. 
x. Neumüufter, 18. Mai. Der am Sonntag 
w Neumünster zum Austrag gekommene 
^chachwettkampf zwischen dem Renösburger 
Schachklub und der Neumünsteraner Schach 
gesellschaft konnte nicht an der vorgesehenen 
^arettzahl durchgeführt werden, da bei den 
Rendsburgern eine ganze Anzahl von Spie 
lern verhindert war. An 10 Brettern entspann 
şich ein Kampf, der nur sehr kurz war und von 
-en Renösburger Gästen mit 6A:3A gewvn- 
Keit wurde. Die Neumünsteraner mußten 
allerdings ihre stärksten Spieler außer Ge 
fecht lassen, um das Kräfteverhältnis nicht zu 
überspannen. 
322 Jahre Himmelfahrtsgilde in Itzehoe. 
Itzehoe, 16. Mai. Die Aelterlcute und Depu 
tierten der Klösterlichen Himmelfahrtsgilde 
hatten eine Sitzung, um den Plan für das öies- 
lährige Gilüefest aufzustellen. Dieses Fest wird 
stets am Tage nach Himmelfahrt gefeiert. In 
diesem Jahre ist die Gilde 322 Jahre alt, und 
sie hat wohl fast in jedem Jahr — mit Aus 
nahme etwa eines Kriegsjahres — dieses alte 
Fest begangen. Die Himmelfahrtsgilde war 
srüher eine „Brandversicherung auf Gegen 
seitigkeit". Die Gilde bewahrt noch ihre alten 
Bücher sowie verschiedene Zunftgegenstände 
aus vergangenen Jahrhunderten. 
Eine Mutter erzog ihr Kind zum Betrug. 
Itzehoe, 16. Mai. Im Stadtteil Sude wurden 
in der letzten Zeit vier Kolonialwarenhändler 
in frecher Weise beschwindelt. Bei ihnen er 
schien ein Schulmädchen mit einem Zettel, auf 
dem irgend eine dem Kaufmann wohlbekannte 
Familie bat, der Ueberbringerin Waren zu 
verabfolgen und den Betrag zunächst zu stun 
den. Es stellte sich dann regelmäßig heraus, 
daß der Kaufmann beschwindelt worden war. 
Die Kriminalpolizei ermittelte, daß eine Ehe 
frau in Sude eines ihrer Kinder, ein etwa 
elfjähriges Mädchen, mit den eine gefälschte 
Unterschrift tragenden Zetteln in die Läden 
geschickt hatte. 
«Motorradfahrer tödlich verunglückt. 
Schöuberg, 16. Mai. Freitag abend ereig 
nete sich in Schönüerg ein schwerer Motorrad- 
unfall, bei dem der 27jährige Wilhelm Schnee 
kloth aus Fiefbergen um das Leben kam. In 
der Niederstraße prallte er mit der Maschine 
gegen die Einfriedigung des Hausgrundstücks 
von Frau Anna Seiffert und wurde dabei 
PrWîUZķsl-BerhMhstêg btt Frà> Feuerwehren 
Meldorf, 18. Mai. Bei herrlichstem Som 
merwetter nahm am Sonnabend der Feuer 
wehrtag in Meldorf seinen Anfang. Er ver 
einte eine bisher noch nicht dagewesene Zahl 
von Feuerwehrleuten in der alten Landes 
hauptstadt Dithmarschens. Als Auftakt zum 
Feuerwehrtag fand bereits am Sonnabend- 
vormittag in der Holländerei eine Führerrats 
sitzung statt, an die sich eine Mitgliederver 
sammlung anschloß. 
Unter einer Beteiligung von annähernd 
5000 Feuerwehrkameraöen wurde der Provin 
zialtag von dem Provinzial-Feuerwehrführer 
Panlsen-Niesgrau eröffnet. 
Der Provinzial-Feuerwehrführer eröffnete 
den Feuerwehrtag mit einem Gruß an den 
Führer. Dr. Buchholz sprach im Aufträge des 
Oberpräsidenten seine Anerkennung aus über 
die Aufbaubestrebungen innerhalb der Weh 
ren. In seinem folgenden Jahresbericht ehrte 
der Provinzialwehrführer drei während des 
letzten Jahres tödlich verunglückte Kamera 
den in herzlichen Worten der Erinnerung, 
ebenso den im letzten Jahre verstorbenen frü 
heren Vorsitzenden des Verbandes, Otto Jo- 
hannsen in Biisum. 
In Vertretung für den in Breslau weilen 
den Landesbranddirektor Schmiedel sprach 
der technische Landesoberinspektor Helmke 
über die Ausgaben und Maßnahmen im Auf 
gabenbereich des Landesbrandüirektors. 
Der Adjutant des Provinzialfeuerwehrfüh 
rers, Landesoberinspektor Ernst, erläuterte 
den Stand und die Entwicklung der Feuer 
wehr-Unfallversicherung, insbesondere wies er 
auf die Notwendigkeit der Unfallverhütung 
und Unfallversicherung hin. 
Im Anschluß an diese Tagung fanden Ne 
benveranstaltungen statt. Ein Kameradschafts 
abend vereinigte dann die vielen Gäste Mel- 
dorfs mit der Einwohnerschaft Meldorfs, die 
auch nach außen hin die enge Verbundenheit 
zwischen Meldorf und seiner Wehr zeigte. Der 
Verkehrsverein hat keine Arbeit gescheut, um 
in wochenlangen Vorbereitungen die Gewähr 
zu bieten, daß alles klappte. 
Der Sonntag. 
In straffer Disziplin begaben sich am Sonn 
tagmorgen die Feuerwehrleute von ihren 
Standquartieren zum städtischen Sportplatz, 
wo in Vertretung für Kreisleiter Matthietzen 
Amtsvorsteher Diekmann als Albersdorf die 
nationalsozialistische Feierstunde abhielt, nach 
dem Peovinzialfeuerwehrführer Paulsen die 
Meldung der Kreiswehrführer, daß mehr als 
4500 Feuerwehrmänner angetreten seien, ent 
gegengenommen und die Front unter den 
ausgezeichneten Klängen des Feuerwehrmu 
sikzuges Kiel abgeschritten hatte. 
Anschließend fanden in abwechselnder Folge 
Vorführungen der Meldorfer Feuerwehr und 
Wettkampfvorführungen von fünf Löschzügen 
statt. Diese praktischen Uebungen gaben den 
tausenden Kameraden vielfältige Anregungen, 
sie fanden zum Teil begeisterte Aufnahme. 
Und noch ein Schauspiel durfte Meldorf als 
gastgebende Stadt genießen, von 2,30 bis 3 
Uhr traten sämtliche 4500 Feuerwehrmitglie- 
öer in Kreisverbänden auf dem Marktplatz in 
Marschblocks an. Ein wunderbarer Anblick, 
wie Meldorf ihn noch nie sah, eine Exaktheit, 
die nicht zu überbieten war, zeichnete den Auf 
marsch aus und pünktlich um 3 Uhr marschier 
te der imposante Zug durch Meldorfs Straßen 
unter Führung des Provinzialfeuerwehrfüh 
rers und seines Adjutanten sowie der unifor 
mierten Ehrengäste. Auf dem Südermarkt er 
folgte der Vorbeimarsch der Verbände vor 
ihrem Provinzialfeuerwehrführer. Nach dem 
Ummarsch erfolgte in der Dithmarschen-Halle 
die Siegerverkündigung und Preisverteilung, 
wobei Meldorf als beste Wehr mit 99 Punk 
ten, Hohn mit 87 und Niendorf mit 75 Punk 
ten gewertet wurden. Alle Wehren erhielten 
aber die Anerkennung der Provinzialführung. 
mit dem Kopf gegen das Haus geschleudert. 
Mit einer schweren Schüdelverletzung wurde 
der Verunglückte ins Krankenhaus eingelie 
fert, wo er bald darauf seinen Verletzungen 
erlegen ist. 
Ģedddu&ai 
Tagung des Schleswig-Holsteinischen 
Sondergerichts in Kiel. 
Kiel, 16. Mai. Das Schleswig-Holsteinische 
Sondergericht, das zur Zeit im Schwnr- 
gerichtssaal des Landgerichts in Kiel tagt, 
verhandelte zunächst gegen den 26jährigen 
Günther Hoffmann aus Kiel, der sich wegen 
verschiedener Betrügereien und wegen Ver 
stoßes gegen die Paragraphen 4 und 6 des 
Heimtückegesetzes vom Dezember 1934 zu ver 
antworten hatte. Der Angeklagte, der nach 
Verbüßung einer in Eisenach erhaltenen 
Strafe von sechs Monaten Gefängnis im De 
zember 1934 nach Kiel kam, setzte hier seine 
betrügerischen Handlungen fort. Er schädigte 
seine Zimmervermieterin und veranlaßte 
Kieler Geschäftsleute unter Vorspiegelung 
falscher Tatsachen, ihm Möbel, Radioapparate 
Toni Zaggler / 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz, 
München. 
11) Nachdruck verboten. 
So reden die Leute über die Verhältnisse auf 
dem Bradlhof. Aber die Monika gibt dem jun 
gen Kerber kein Wort, das ihn hoffen ließe. 
Nur einem ist sie von Herzen zugetan, dem 
Toni Zaggler, der Jäger werden will und jetzt 
einsam unter dem Schatten der Tanne sitzt und 
auf seinen Herrn wartet. 
Erschrocken fährt Toni aus seinen Gedanken 
auf, in die er so versunken war, daß er den 
Grafen gar nicht kommen hörte. Dann wan 
dern sie bergwärts. 
Immer drückender wird die Hitze. Selbst die 
Bäume geben keinen Schatten mehr. Es ist 
gerade, als ob alle Nadeln knistern würden in 
loderndem Feuer. Kein Lufthauch rührt die 
Wipfel und immer dunkler kommen die schwar 
zen Wolken über die Berge hergezogen. 
Als sie um eine Wegbiegung kommen, sehen 
sie plötzlich den Jäger Büchler über die Wald 
schneise treten, einen jungen, ängstlich zittern 
den Menschen vor sich hertreibend, dem er die 
Hände hinter dem Rücken zusammengebunden 
hat. ' 
„Wen bringt denn der Büchler da?" fragt 
Graf Bruggstein stehenbleibend. 
Der Jäger Büchler hat sich den Verweis 
seines Herrn scheinbar sehr zu Herzen genom 
men und so lange gelauert, bis er dieses 
schmächtige Bauernknechtlein dabei überraschen 
konnte, wie er mit einem Flobert nach einem 
Hasen schoß. 
„Endlich hab ich so einen Lumpen erwischt", 
sagt er mit strenger Amtsmiene. 
Graf Bruggstein wölbt finster die Stirn. 
„Mach ihm sofort die Hände los. Das ist ja 
bochI ein Büülein. Was hat er denn angestellt?" 
„Gewildert hat er." Büchler wirft einen 
"sichtigen Blick auf Toni. Es ist ihm peinlich, 
vor dem jungen Kollegen blamiert zu werden. 
„Was hat er denn gewildert?" fragt der 
Graf weiter. 
„Auf der Murrbachwiese hat er einen Hasen 
beschossen." 
„Und wegen einem Hasen bindest du so ei- 
Buben die Hände? Büchler, Büchler! 
Mach dich ja nicht lächerlich. Und du" — wen- 
er sich an den jungen Burschen, — „laß es 
"lr zur Lehre dienen. Wem gehörst du denn?" 
„Dem Heigerlechner von Moos." 
„Der die vielen Kinder hat?" 
„Sechzehn sind uns." 
„Schau, daß du heimkommst und laß dich 
Hochlandsromarr von Hans Ernst 
nicht mehr erwischen. Ein zweites Mal kommst 
du nicht mehr so gut davon." 
Ehe sichs der Graf versehen kann, hat der 
junge Kerl seine Hände umklammert und 
drückt sie wie in einem Schraubstock. 
„Vergelts Gott, Herr! Vergelts Gott!" 
Mit ein paar Sätzen ist er zwischen den 
Bäumen verschwunden. 
„Aber Herr Graf, was machen's jetzt?" stam 
melt Büchler. 
„Laufen laßt man so einen armseligen Teu 
fel. Hast dir keine Lorbeeren geholt. Die gro 
ßen Lumpen mußt fangen, Büchler. Die Klei 
nen laßt man laufen. Und nun mach deinen 
Dienst und mach ihn ordentlich, sonst — Nun 
ja, du weißt ja, was ich dir das letzte Mal ge 
sagt habe", schließt der Graf im Fortgehen. 
Büchler zittert vor Wut und sein Gesicht 
spielt in allen Farben. Aber er bezwingt sich 
und wendet sich mit schmalziger Freundlichkeit 
an Toni. „Grüß dich Gott, Toni. Wolln wir 
gute Kameraden werden. Einer soll zum an 
dern halten, weißt. Geh, schlag ein!" 
Nur zögernd greift Toni nach der Hand des 
andern. 
„Mir soll cs recht sein", sagt er, dann eilt er 
seinem Herrn nach. 
Büchler starrt ihm mit häßlichem Lachen 
nach, dann schlägt er sich rechts in die Büsche, 
nimmt nach kurzem eine andere Richtung ein 
und wartet dann an einer verschwiegenen 
Stelle auf Winninger. 
Ueber die Berge her schiebt es sich ganz dun 
kel heran, eine kupferrote Wetterwand. Sie 
verhüllt die Gipfel, verschlingt die Sonne. Der 
erste Blitzstrahl fährt hernieder, mitten in den 
stillen Wald hinein. Ihm folgt der Sturm. 
Die Bäume brüllen auf wie unter einem Peit 
schenhieb, die Almrosen am Hang liegen platt 
wie von einer Sense gemäht. 
Vom Tal herauf hört man die Wetterglockc 
schlagen. Aber ihr Gebimmel erstickt im Ge 
brüll des Donners. 
Die beiden Jäger kommen durchnäßt in der 
Luisenhütte an. 
Gegen Abend ist das Gewitter draußen im 
Flachland und die Berge brennen in rotem 
Sonnenuntergangsfeuer. Da gehen Graf 
Bruggstein und Toni in die Jagdhütte des 
Wandl, der diesen Abend noch seinen Urlaub 
antritt. 
Die übrigen Tage der Woche vergehen da 
mit, daß Graf Bruggstein seinen neuen Jäger 
mit allen Revieren vertraut macht. Dabei be 
gegnet ihnen auch einmal der Steinmüller 
Bartl. Graf Bruggstein sagt zum Toni kein 
Wort, daß dieser des Wilderns verdächtig ist. 
Er will den Jungen ganz auf sich allein stellen 
und seine Tüchtigkeit erproben. Am Samstag 
gehen sie wieder zusammen ins Dorf. 
Als Toni heimkommt, empfängt ihn der Va 
ter mit offensichtlichem Spott. 
Der Einmarsch in Addis Abeba. 
Die italienischen motorisierten Truppen beim Einzug in die abes- 
-sinischen Hauptstadt, — Eine der ersten Aufnahmen, die von diesem 
Ereignis nach Deutschland gelangt ist. 
(Pressephoto, KI 
und andere Gegenstände auszuhändigen. Wei 
ter gab sich der Angeklagte wahrheitswidrig 
als SA.-Sturmbannführer aus. Er ließ sich 
auch eine Uniform anfertigen, die er nicht be 
zahlte. Wegen all dieser betrügerischen Hand 
lungen wurde Hoffmann zu einer Gefängnis 
strafe von zwei Jahren verurteilt. Die seit 
dem 10. Januar 1936 bestehende Untersu 
chungshaft wurde angerechnet. 
Zuchthans wegen Blutschande. 
Kiel, 16. Mai. Die Große Kieler Strafkam 
mer verurteilte den 38jährigen Walter Trebeß 
in Kiel wegen Blutschande zu drei Jahren 
Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. 
Die Wetteraussichten für Dienstag, 19. Mai, in 
Nordwestdentschland: Schwachwindig, heiter bis 
wolkig, Gewitterneigung, warm. 
WZîMMşşÄ fslf!** Nichts ist kurzsichtiger,als 
ì denZerfallderZàhnemit 
dieser Redensart abzutun, 
ihn als unvermeidlich hinzustellen. 2n den weiiaus meisten Fällen 
sind wir selber schuld daran, wenn unsere Zähne erļranîen und mit 
der Zeit unbrauchbar werden. Wie viele Menschen z. B. versäumen 
cs noch, abendsihre ZähnemitChlorodontzuputzen! Dabeisind die 
Zähne doch gerade des Nachts durch die Zersetzung der Speisereste 
am meisten gefährdet. Wer also seine Zähne bis ins hohe Alter 
gesund erhalten will, pflegt sie vor allem abends mit Chlorodontl 
„No, Herr Jägerlehrbub", sagt er, „was ma 
chen die Wildschützen? Laufen sie recht, wenn 
sie dich sehen?" 
Toni blickt überrascht auf. Er kann es abso 
lut nicht begreifen, warum der Vater spöttelt. 
„Ich bin erst drei Tag im Dienst. Da kann 
man noch nichts sagen. Daß mir aber keine 
auskommt, den ich einmal im Verdacht hab, da 
drauf kannst Gift nehmen." 
„Demnach wärn also die andern Jäger gar 
nix nutz?" 
„Das will ich net sagen." 
„Der Büchler ist schon drei Jahr im Dienst 
und hat bis jetzt noch keinen überführt." 
„Doch, vorgestern, einen jungen Buben mit 
sechzehn Jahr." 
„So?" Der Alte blickt schnell auf. „Wen 
denn?" 
„Den Heigenlechner Sepp von Moos." 
„Geht der auch naus?" 
„Wird 's schon bleiben lassen jetzt." 
Schweigen. Die Mutter bringt das Effen. 
„Wo machst denn du Dienst?" nimmt der 
Alte das Gespräch wieder auf, diesmal in ei 
nem beinahe freundlichen Ton. 
„Im Büchler seinem Revier, bis der Weindl 
vom Urlaub zurückkommt." 
„Und dann?" 
„Ņ^eîd tcf) net/' 
Es fällt Toni plötzlich ein, daß der Graf rpn 
gesagt hat, ein Jäger müsse in Dienstsachen so 
verschlossen sein, wie ein Geldtresor. 
„Meinst, daß der Büchler sein Revier wieder 
kriegt?" 
„Kann ich gar nix sagen." 
„Derfst nix sagen?" 
„Kann auch möglich sein." 
Der Alte lächelt, ganz unmerklich, leise. 
* 
Am gleichen Abend erhält Graf Bruggstein 
folgenden Brief: 
„Lieber Vater! Seit jener Aussprache über 
Liebe und Standesbewußtsein hattest Du 
kein Wort mehr für Deine Tochter übrig. Du 
gehst an mir vorbei, als ob ich Dir fremd 
und gleichgültig wäre. Noch mehr, Du ver 
achtest mich, Dein Kind, weil ich für meinen 
Bruder Partei genommen und mich damit 
in Deinen Augen erniedrigt habe. Hier schei 
den sich unsere Wege, denn meine Ansicht hat 
sich nicht geändert, sondern nur verstärkt. 
Deshalb habe ich mich entschlossen, Zeit und 
Raum zwischen uns zu legen, und wünsche 
mit heißem Herzen, daß sie eine Brücke wer 
den möchten von Deinem zu meinem Herzen. 
Ich gehe nach Gut Steinhagen am Bodensee 
und komme erst wieder, wenn Du mich rufst. 
Dein Kind." 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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