niâîî öle trefgreisende ernste Besorg-
àL?-sÄ'V°"/Ģ«t«chk-it um den Be-
stand des Weltreiches. Noch niemals ist diese
S offenkundiger und für englische
Verhältnisse geradezu erregter Weise geäußert
worden, und es erleichtert diese Besorgnis
englische Oeffentlich-
£mmc?t|f„“" 8 6tUi,<Sen
As îoie ernst man besonders im MiUel-
meerbecken auch in Londoner Regierungskrei-
ansteht, das zeigt u. a. die Tat-
sache der ivreder rn Dienststellung älterer
langst zum Abwracken bestimmte/ Kreuzer
was bekanntlich durch die Gleitklausel der
ÏÏwTÏT ņotweudig ist. Ferner die
tthon seit Wochen betriebenen Pläne des Aus
baues von Kapstadt als dem größten und
Kamvikr //Äschen Flottenstützpunkt, dessen
Kampfkraft sogar noch die riesige Seefestung
Egapore übertreffen soll. Bekanntlich gehen
à/^^ļane aus die Erwägung zurück, daß der
Indien durch die Verschiebung
Pachtverhältnisse in Ostafrika, vor allem
^ Suezkanal und im Roten Meer, nicht mehr
als unbedingt sicher angesehen werden könne,
^eitere Anzeichen für die ernste Besorgnis
öer Regierung sind auch die ständigen Werbe-
Ministern und anderen matzgebli-
chen Männern fur die Rekrutenwerbung, die
bekanntlich ,o schlechte Ergebnisse hat, daß
ff, für den 30. September, also das Ende
^.s^'^gen Rekrutiernngsjahres, mit einem
Fehlbetrag von 6000 Mann rechnet. Dazu
iommt noch die erhebliche Schwächung der so-
ģf.f.ņten Territorialarmee, die nach der
sļfļosung von 21 Bataillonen heute nur noch
1/, u zahlt. Schon fast sensationell
über hat dre letzte Rede des Verteidigungs
ministers ^nskip gewirkt, der seine Landsleute
bereits darauf vorbereitetc, daß mau ange-
şŞs des Fehlens erner allgemeinen Wehr
pflicht, die ja auch von Baldwin nach wie vor
abgelehnt wird, zu „anderen Mitteln" werde
greisen müssen. Und schließlich sprach ja auch
X, te >.à".Gepflogenheiten zuwiderlaufende
Veröffentlichung des Regierungsabkommens
mit der Cunard-White-Star über den Einbau
von Vorrichtungen für 15-Zentimetcr-Ge-
Autze auf den schnellen Postschiffen nach den
Vorschriften der Admiralität deutlich genug.
^ Es wird der ganzen Erfahrung und per
sönlichen Diplomatie Baldwins bedürfen um
die Regierung aus dieser offenen Krise her-
auszumanöverieren, die schon seit den drei
großen Schlachten an der abessinischen Nord
ic begann und seit der Eroberung von
Addis Abeba von Tag zu Tag ernster wurde.
die Krise sich noch mit einer teilweise»
Kabinettsumbildung, beispielsweise durch Her-
einnahme Hoares, vielleicht auch Churchills
und Austen Chamberlains noch ausgleichen
laßt, ist zur Zeit eine völlig offene Frage.
Der innere Aufbau des Reiches
Sinn c» .. "
Ņon «nşerer Berliner Schriftleitung
Die Fülle der außenpolitischen Begebenhei-
ick ki/ckck'ck Sn* L ... c ^ J /
tctt darf den Blick nicht von der Innenpolitik
avlenken, Nicht von den innenpolitischen Kund
gebungen, die in diesen Tagen zu hören waren
“Jf b'e.für den inneren Aufbau des Deut
schen Reiches von wesentlicher Bedeutung sind
Die tzcrantragung kultureller Werte an das
Volk beanspruchte drei Tagungen.
Reichsleitcr Rosenberg sprach bei dem
Gcneralappell der NS.-Kulturgemeinde, Dr.
Goebbels auf der Buchhändlertagung und
fcstwvche^t èU àbe gegangenen Reichstheater-
In seinen beiden Reden stellte Dr. Goeb-
b^.bw Frage, ob unser Zeitalter noch die
nk !!?§e.eme große Kunst zu schaffen, oder
ob öre Politik und die Technik die alles be
anspruchenden Formen unseres Lebens seien
^k^Ņļmister bekannte sich zur Förderung
öes Theaters leglicher Form, denn das The
ater hat die Aufgabe, kulturelle Aufbauarbeit
şf .ble Volksgemeinschaft zu leisten.
Nicht minder bedeutungsvoll war die Rede
öle der Staatssekretär Dr. Lammers über
Ņ^i»/ŗş^ş"Ģrechtlichen Fragen öes neuen
Reiches hielt. Der Staatssekretär der Neich?--
Gnzlel betonte, daß eine staatspolitische und
staatsrechtliche Notwendigkeit für Schaffung
und Prvklamierung einer Verfassungsurkunde
grundsätzlich nicht bestände. Wie in allen aro-
sten Fragen liege auch hier die Entscheidung
beim,Führer. Wenn aber der Führer sich zum
f ier Verfassung entschließe, dann wer-
de ihr Grundsatz sein: die Einheit von Partei
und Staat, die Totalität des Staates und die
Festlegung des Führerprinzips als Grund
lage der Staatsführung.
Eine wichtige Ergänzung dieser Gedanken-
gange bildete die Ansprache des Reichsinnen-
MlNlsters Dr. Frick vor den deutschen Kom
munalbeamten. Minister Dr. Frick hat bier
ausdrücklich auf die Volksverbundenheit als
Grundlage öes nationalsozialistischen Staates
hingewiesen und sich gegen die Herrschaft der
Bürokratie und des Formelkrams in den Ge
meindeverwaltungen scharf ausgesprochen. Die
wahre Führung der Gemeinde bestehe in der
Uebereinstimmung der Verwaltung mit den
Punschen und Interessen der Gemeinöemit-
glieder, zwischen Führer und Gefolgschaft. Die
Gemeinde werde immer die erste Etappe der
gegenseitigen Verständigung sein, die große
Ausgleichsstelle für alle Bürger einer Stadt,
eines Dorfes oder eines Bezirks.
Wenn man diese staatsrechtlichen Ueber-
legungen auf sich wirken läßt, dann begreift
man auch die hohe Bedeutung des deutschen
Juristen tags in Leipzig und der auf ihm ge
haltenen Reden und Ankündiguügen.
Vor 12 000 Juristen konnten der Stellver
treter des Führers und Minister Frank ver
künden, daß auf dem neuen deutschen Recht
das Reich der Gerechtigkeit beruhen wird, das
der Führer wiederholt in seinen Reden uns
vor Augen gestellt hat.
Allein schon die Verdeutschung des Wortes
,ģurl,t, das dem wirklichen Volksempfinöen
immer fremd blieb und das ungewollt Gegen-
stitze zwischen Rechtsuchenöen und Rechtspre-
chenden schuf, in „Rechtswahrer" kennzeichnet
die grundsätzliche Aenderung der Aufgaben
und der Auffa,sung des Dritten Reiches über
Volk und Recht.
Der neue Staat kehrt sich bewußt von aller
Begrisfsmechanlk, von allen Formalitäten ab,
öre eure Kluft zwischen Negierenden und Re-
gierten niemals überbrücken konnte. Der Neu
bau des deutschen Reiches wird eine Tat sein
die stch ebenbürtig den größten politischen Ta-
ten aller Zelten zur Seite stellen kann.
Der innere Aufbau des Reiches ist Dienst
am Volk und er dient dem Glück öes deutschen
Volkes.
leicht doch einen entsprechenden Besieh! geben
sollte. Verweigert er den Entwaffnungsbefehl,
so kommt das einer offenen Rebellion gleich,
nachdem schon bisher die Heimwehr stets eine
Art von Nebenregierung dargestellt hat.
Uebrigens erscheinen auch die Ostmärkischen
Sturmscharen öes Bundeskanzlers ungeachtet
der Entwaffnungsbefehle immer noch mit
Stahlhelm und Seitengewehr bei Aufmär
schen.
Julius Schrecks letzter Gang —
Die große Trauerfeier in Grafelfina
ja«; cm_r....\ rw. . ^ — .
- Unterhausopposition gegen Baldwin.
-Die Regierung Baldwin geriet gestern im
Unterhaus anläßlich der zweiten Lesung eines
neuen und weitreichenden Gesetzes für die
Kohlenbergwerke in ernstliche Schwierigkeiten.
Das Gesetz sieht in der Hauptsache eine
zwangsweise Verschmelzung von Kohlenberg
werken vor. Als der Handelsminister Run-
crman mehrere Einschränkungen der Zwangs
maßnahmen ankündigte und mitteilte daß
diese auf zwei Jahre aufgeschoben werden
locken, erhob sich bei der Opposition ein Sturm
der Entrüstung. Auch eine Reihe konservativer
Abgeordneter, unter ihnen Winston Churchill,
kritisierte die Methoden der Regierung.
Schließlich teilte Ministerpräsident Baldwin
Mt, daß die Aussprache über die Zweite Le-
sung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben
werde, und daß die geplanten Abänderungen
in .Form eines Weißbuches veröffentlicht
würden.
Einige Morgenblätter glauben, daß Bald
win dieses Verfahren einschlug, um die Ge
fahr einer Regierungsniederlage in der Aus
sprache zu vermeiden.
(6et München), 19. Mai.
(Ctg. Funkm.) Ern grauer trüber Himmel
spanirt flch über Gräfelfing. Er paßt ganz zu
dem Schmerz und der Trauer, die heu7e über
diesem Ort liegen. Ucberall ruht die Arbeit.
à„Ņetr.ebe stehen still. Ihre Belegschaften
ordnen sich ern rn die große Trauergemeinde.
Schon rn früher Morgenstunde rücken die
^^ŗungen der Bewegung an, SA. SS.
N-sKK., Arbeitsdienst. Kein Spiel rührt sich,'
tert Schellenbaume der Kapellen sind geschul'
Ein langes Spalier von trauernden Volks-
/ 'nt die Zufahrtsstraßen und die
f f e brs hinauf zum Neuen Friedhof außer
halb des Ortes. SS.-Männer halten den Ein-
gang^zur Frredhofskalle frei. 4 Sturmführer
halten mit blankem Degen die Toten-
»äche. Zu beiden Seiten öes Hauptweges im
Friedhof liegen Kränze und Blumen.
Gedampfte Kommandos künden den Auf-
mar,ch der Parteiglieüerungen an. In Sechser
reihen rucken die Politischen Leiter, rückt die
H^. und die SS.-Verfügungstruppe an. Den
Sturmriemen unterm Kinn, so marschieren
die Manner, denen Julius Schreck Vorbild
Fahiw/ ^orn war, hinter ihren umflorten
^vorstehende Europareise des Negus?
DNB. London, 19. Mai. (Eig. Funkmeldg.)
Vach einer Meldung aus Jerusalem wird der
Negus möglicherweise am Mittwoch oder Don
nerstag mit einem großen Gefolge nach Euro
pa abreisen.
Das kürzlich für den abessinischen Kaiser er
worbene Haus im Londoner Westen wird zur
zeit eingerichtet. Der Negus selbst ist in stän
diger Fühlungnahme mit den abessinischen Ge
sandten in London und Paris. Der Rotter-
öamer Courant meldet aus London: Dem
englischen Schiff, das den Negus nach London
bringen soll, wird ein aus 6 Einheiten beste
hendes Mittelmeergeschwader zugeteilt wer
den. In London wird diese Ankündigung in
der Times mit größtem Interesse erörtert.
Sie wird in Verbindung gebracht mit einer
Rede Chamberlains in Glasgow, England ha
be jetzt die Aufgabe, Aegypten und den Sudan
m militärische Bereitschaft zu setzen. — Der
Amsterdamer Telegraf meldet aus London, daß
die Admiralität umfangreiche Aufträge an die
englischen Reedereien gegeben habe, die die
Bereitstellung von Transportdampfern für
Anfang Juni beträfen. Die neuen Truppen
verstärkungen seien für Aegypten, den Sudan
Britisch-Somalilanö und Palästina bestimmt.
^ DRV München, 18. Mai. Was an Julius
w „f euen Vegleiter und Mitkämpfer
Urers, sterblich war, das liegt nun auf
gebahrt im neuen Friedhof von Gräfelfing,
dem freundlichen Billenvrt im reizenden
Ņurmtal auf der Strecke zwischen München
«tarnberger See, der Julius Schreck
gur ^ahlheunat geworden war und an dessen
-oohl er als erster Beigeordneter mitwirkte,
i Ķņapp außerhalb der Ortschaft auf einem
idyllischen Hügel erhebt sich der neue Fried-
Gemeinde. Weit schauen seine Kreuze
m die schone Landschaft des Würmtales hin
nen und hell ragt das Kuppelkreuz der Aus-
segnungshalle, in der Julius Schreck aufge
bahrt liegt, in das Blau öes Himmels.
Die Front des Friedhofgebäuöes ist mit
Lorbeer geschmückt. In der Mitte steht im
Halbdunkel des Aussegnungsraumes, dessen
vordere Halste durch große Flaggentücher auf
sattbromnem Hintergrund von dem rückwär-
f f seil der Halle abgetrennt ist, auf hohem
z-ockel der Sarg. Ihn bedeckt ein Hakenkreuz-
Eine Ehrenwache der SS.-Standarte
Deutschland steht zu Seiten des Sarges. Auf
einem schwarzen Kissen ruhen der Blutorden
und die Kriegsauszeichnungen des Mannes
Deuck/anffs Leben Kampf und Hingabe für
Deutschland, fur den Führer gewesen war.
"He Stille herrscht. Unaufhörlich pil-
g rt dm Bevölkerung von Nah und Fern in
ehrfürchtigem Schweigen zu der Bahre des
Kampfers, um ehrenden Abschied von ihm zu
nehmen. Ununterbrochen das Kommen und
Gehen die Hunderte, die vorbeiziehen an der
Bayre eines Mannes, den das Schicksal jäh
hat aus einem Leben der
Pflicht, der aber sein Leben gelebt und voll-
enöet hat in der Treue zu seinem Führer
und damit zu Deutschland. J
Ļlrn Dienstag wird er in der geweihten
Erde iciner Wahlheimat, in die an hellen
Fohntagen die fernen Schneehäupter der
Berge hereinschauen, zur letzten Ruhe geleitet
werden, ein Kämpferleben, das vollendet hat,
das aber als Beispiel weiter wirken wird, so
lange Treue, Kameradschaft und Pflichterfül
lung gelten in deutschen Landen.
Vie eine lchle Btatmg
an die HeimMhr
ivirkt die jetzt veranlaßte Auflösung der frei
willigen Schutzkorps in Oesterreich, die beim
Beginn des roten Umsturzversuches vom 12.
Februar 1934 gebildet worden waren. Die
Auflösung begann in Wien, entsprechende An
weisungen an die Länder sind bereits ergan
gen. Auf Grund öes Ergebenheitstelegramms
der Heimwehrführer an Starhemberg darf
man gespannt sein, ob die immerhin 20—30 009
Mann bewaffneter Heimwehrleute sich ent
waffnen lassen — falls Starhemberg nicht viel-
Ier se»sà»Äe SirchenkonfliN
vos îtaesi
ist bereits stuf dreifache Weise kompliziert
worden. Erstens ist die Weigerung des Erz-
bltwofs Monsignore de la Villerabel. das von
chm bewohnte Palais zu räumen, insofern be
rechtigt, als dieses von dem Besitzer, nämlich
dem französischen Innenministerium, nicht an
den Erzbischof als solchen, sondern an den
Privatmann Herrn de la Billerabel als
Prlvatmieter vermietet worden ist. Zweitens
hat sich der Klerus der Normandie mit seinem
Prrmas solidarisch erklärt. Und drittens steht
die Bevölkerung und auch die französischen
Zivilbehörden ersichtlich auf Seiten des Erz-
Vschoss, dres nun freilich nicht etwa aus Bil
ligung für die verlustreichen Spekulationen
öes Gcneralvikars Berlin, sondern vielmehr
aus der bekannten oppositionellen Haltung
Frankreichs gegenüber dem Vatikan. Bekannt-
lich sind erst im Jahre 1921 die diplomatischen
Beziehungen zwischen der Kurie und Paris
wieder aufgenommen worden, jedoch ohne daß
ein Konkordat abgeschlossen worden wäre.
Merkwürdigerweise ist erst jetzt bekannt ge
worden, daß die Absetzung des Erzbischofs
schon vor mehr als zwei Wochen, nämlich am
-j. Mar, erfolgte. Diese Maßnahme gegenüber
einem Erzbischof und Primas, also einem der
höchsten Würdenträger in der katholischen
Kirche, hat es seit dem schweren Kampf um das
Unfehlbarkeitsdogma kaum mehr gegeben und
ist vor allem für Frankreich etwas ganz Au
ßergewöhnliches.
Iuöenftmhliche kunögeöung
im Lsudsner Schwimmbad.
DD. London, 18. Mai. Ein seltsamer Zwi
schenfall ereignete sich während des Wochen
endes in der Nähe öes Londoner Vorortes
Barnet. Am Sonntagmorgen wurde festge
stellt, daß ein zu einem großen Gaststätten
betrieb gehörendes Schwimmbad durch Hinein
gießen von Oel und Salpetersäure unbrauch
bar gemacht worden war. In der Näbe des
Bades war ein Maueranschlag angebracht
worden, in dem daraus hingewiesen wurde,
daß der jetzige Besitzer des Betriebes ein
Jude sei, während die frühere Besitzerin allen
Juden einschließlich eines Mitgliedes der Fa
milie Rothschild den Zutritt verweigert habe.
Darauf hieß es! „Engländer erwacht! Euer
Eigentum fällt in jüdische Hände. Der Bolsche
wismus und das Frcimaurertum sind jüdisch.
Kriege sind die Ernte der Inden!"
IugenöfHrettUung in Braunschweig.
DNB. Braunschweig, 19. Mai. Aus allen
Gauen des Reiches sind über 1000 Führer der
HI. und öes Jungvolks in die Stadt Heinrichs
öes Löwen gekommen, um hier an einem Füh-
rcrlager, das auf dem Gelände des Kennel
bades und öes Schloßparkes Richmond errich
tet worden ist, teilzunehmen.
Forderungen der franZösische» Parteien
Dre Fronten in Frankreich klären sich auf,
nachdem dem Vorsitzenden der sozialistischen
Partey Leon Blum, als dem zukünftigen
Führer der Regierung, die Antworten der
Parteien zugegangen sind: die Kommunisten
werden nicht in das Kabinett eintreten Die
Vertretung der Radikalsozialisten soll so ge
halten sein, daß bei Mehrheitsbeschlüssen die
sozialistischen Minister den Ausschlag geben.
Die Führung der Regierung ivird also bei den
Sozialisten liegen, und das bedeutet ein radi
kales Linkskabinett. Der Generalsekretär der
marxistischen Gewerkschaften, I o n h a u x er
klärte, daß auch die Gewerkschaften nicht'der
Regierung angehören würden, aber an der
technischen Durchführung des Programms der
Regierung der Volksfront sich beteiligen wür-
dcn. „Wir wollen unsere Kraft nicht mit sinn
losen Kämpfen in den Vorzimmern der Mi
nister verzetteln und uns vor der öffentlichen
Meinung belasten. Wir verlangen vielmehr
dre erforderlichen Sicherheiten".
Das Charakteristikum der Haltung aller die
ser Parteien ist also, daß man wohl die Durch
führung seines Programms verlangt, aber
nicht bereit ist, durch Eintritt in die Regierung
nun auch die Verantwortung für seine Forde
rungen zu übernehmen. Neben den bekannten
Programinpunkten über die 40-Stunden-
Woche, Verstaatlichung der Munitionsfabri-
V «rt C £ ?äe Jouhaux auch Forderungen für
dm Abkehr vom Deflationsprogramm auf. Die
Gewerkschaften schlagen zur Finanzierung der
öffentlichen Arbeiten die Schaffung von Ar-
beitswechseln vor, die durch die zu' schaffenden
Reichtümer und durch die zu gründende Rück-
verstcherungskasse gesichert werden müßten.
zsvuhaux ging ferner aus die von der Volks
front jetzt häufig gebrauchte Formel ein, „wir
werden dre Reichen zahlen lassen" unö erklärte t
Etappe Kerenski
ffrtruM s • t f c • e
hierzu, daß diese Formel nicht in wenigen Ta
gen durchgeführt werden könne.
Vergleicht man hierzu die Aeußerung Leon
Blums, daß er den Kamps gegen die „Ueber-
reichen und besonders die zweihundert Fami-
lien, die Frankreich seit 100 Jahren regierten"
mit rücksichtsloser Energie aufnehmen werde,
so versteht man die sorgende Feststellung auf
merksamer Beobachter der französischen Innen
politik, daß Frankreich bei der Etappe „Keren-
fki" angekommen sei und daß die nächste Etap
pe nur „Lenin" heißen könnte.
Die kommunistische Kammerfraktion hat am
Montag einen umfassenden Amnestierungs
entwurf beraten, der sämtliche politischen Ver
brechen, also auch Militürdienstverweigerung,
militärfeindliche und kolonialfeinöliche Propa
ganda in Frankreich unö den Kolonien umfaßt.
Erne Freilassung dieser politischen Verbre
cher würde die innere Unruhe Frankreichs —
das spanische Beispiel zeigt es — sehr vermeh
ren. Am Montag kam es erst wieder zu Zu
sammenrottungen in Paris, bei denen Anhän
ger der Action Francaise, die vor einiger Zeit
aufgelöst wurde, mit Polizeikräften zusammen-
tteßen. 30 Verhaftungen wurden vorgenom-
nren, und um 23 Uhr war die Ruhe in dem
Stadtviertel wieder hergestellt.
Verantwortlicher Hauptschriftletter und Herausaeverr şşeļ«
dtnand Möller.
Stellvertreter des Sauptfchriftleiters: Herbert 'BuMmowt,
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann; für den ört»
lichen und allgemeinen Teil: Adolf Gregori; für den wirt
schaftlichen Teil: Dr. Cl. Bielseldt,- für den provin-
ziellen Teil: Karl Müller, alle t» Rendsburg.
Btldverantwortliche: Ressortleiter.
Verantwortlicher Anzetgenleiter: Karl Jacobsen, Rendsburg.
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg.
D-A. Echleswlg.Holfteinifche Landeszeitung (Rendsburg«»
Tageblatt - Hohenwestebter Zeitung I Die LandpoS
Hanerau.Hademarfchen - Eüüerbraruper Tageblatts
D.-A. IV 36 13 764 Pl. Nr. 7. i