Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Mit zwei Zentnern durch den Weltkrieg 
Erinnerungen eines Optimisten. ° 
Von Karl Borromäus Gröber. 
Copyright 1938 by Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. 
(26. Fortsetzung.) 
Der Vormarsch wurde immer schwieriger, 
und die Italiener wandten manchmal recht 
eigenartige Mittel an, ihn zu stören, denn an 
ein Aufhalten war nicht mehr zu denken Fe 
der, der die oberitalienischen Randgebiete der 
Alpen kennt, erinnert sich an die breiten, meist 
leeren Flußbette, die sogenannten „Torrenti", 
me man am besten im Teutschen mit Wildbach 
übersetzt. Wenn sie leer sind, sind sie zum 
Ueber,chreiten bloß unangenehm, aber nicht 
gefährlich, wenn aber im Gebirge ein Wolken 
bruch niedergeht, so füllen sie sich in Windes 
eile mit einer brausenden Flut, und wehe dem 
Armen, der ahnungslos in der Mitte des 
Flußbettes seines Weges zieht. Wir kannten 
diese Gefahr damals noch nicht, und sorglos 
zog die Batterie dem anderen Ufer zu. Da 
plötzlich — wir wußten nicht, wie uns ge 
schah zeigte sich in der Ferne ein Blinken 
und Glänzen, und ehe wir uns über das 
Phänomen klar waren, brauste eine mehr als 
meterhohe Welle daher. Sie Hütte uns alle 
sicher sofort weggeschwemmt, wenn die Kame 
raden nicht eine Kette gebildet und sich so mit 
Aufwand aller Kraft festgehalten hätten. Kaum 
erreichten wir das gegenüberliegende Ufer und 
lagen nun abgeschnitten, ein kleines schwaches 
Häufchen, für das es vorerst kein Zurück gab, 
ln einem verlassenen italienischen Dorfe. 
Keine Menschenseele war zu finden, nur aus 
einem Hause, dessen Kamin noch rauchte, 
kläffte ein kleiner Spitz, den man mitzuneh 
men vergessen hatte. Es war eine betrübliche 
Nacht, die wir hier verbringen mußten, und 
es war ein Glück, daß der Feind so einge 
schüchtert war, daß er nicht an Angriff dachte. 
Was der nächste Morgen aber bringen würde, 
wußten wir nicht, denn wie sollte man uns 
durch das reißende Wasser hindurchhelfen? Als 
wir in aller Morgenfrühe an das Ufer eilten, 
um den Freunden durch Winken Zeichen zu 
geben, in welch heilloser Lage wir seien, war 
zu unserem freudigen Erstaunen das wilde 
Wasser verschwunden und der Torrente nur 
ein leeres Sanöbett mit längst ausgetrockneten 
Steinen. Den tieferen Grund dieses elemen 
taren Ereignisses erfuhren wir erst viel später. 
Die Italiener hatten im Gebirge die Mauer 
eines großen Stausees gesprengt, dessen ent 
fesselte Fluten sich nun umgehemmt dem 
Meere zuwülzten. Leider verloren dabei an 
dere Truppenteile mehrere Kameraden, den 
größten Schaden aber hatten die Italiener 
davon, denn ihr Rückzug von Görz her wurde 
dadurch noch verwirrter, als er schon war. 
Der Vormarsch ging planmäßig weiter. Kar 
ten hatten wir zwar keine, aber die Wege nach 
Udine waren alle gut markiert, daß wir auch 
so unser Ziel fanden. Udine war die erste 
größere Stadt, die wir erreichten. Außerdem 
war es der Hauptverpflegungsplatz nicht nur 
fur die ganze italienische Jsonzoarmee, son 
dern auch für die italienische Etappe gewesen, 
und es war mit den köstlichsten Lebensmitteln 
zum Bersten angefüllt. Nur der Frontsoldat 
weiß, was eroberte feindliche Etappe bedeutet. 
Durch den raschen Vormarsch hatten viele 
unserer Pferde und Esel stark gelitten und 
hatten von den schweren Lasten böse Druck 
stellen. Unseren armen treuen Tieren war dar 
um eine Erholung und richtige ärztliche Be 
handlung wohl zu gönnen. Die Strapazen 
der letzten Wochen hatten auch mich ziemlich 
mitgenommen, so daß der Herr Abteilungs- 
kommanüeur Mitleid mit mir bekam und be 
schloß, mich mit den Pferden und Eseln in Er 
holung zu schicken. Ich erhielt den Auftrag, 
ein Pferöelazarett aufzumachen. Mit vierzig 
Tieren, einem Veterinär und zehn Mann zog 
ich ab, um einen geeigneten Platz zu suchen. 
Diesen fand ich bald. Ein kleines, entzückend 
eingerichtetes Landhaus mit großen Oekono- 
miegebäuden und einem herrlichen Park, ein 
paar Kilometer von der Stadt entfernt, wurde 
von mir ausgewählt. Auf die Umfassungs 
mauern schrieben wir mit der uns angebore 
nen Schlauheit und mit der tiefen Erfahrung 
eines berittenen Truppenteils in großen 
schwarzen Lettern die schönen Worte: „Rotz 
und Brustseuche." Solange wir dort waren, 
wurden wir auch nicht weiter behelligt. Unter 
dessen hatte sich auch das alte Dienstpersonal 
des Gutes eingefunden, und schon am Abend 
entwickelte sich ein gemütliches Kochen und 
Braten, und nachts schliefen wir in den Bet 
ten, in denen vierundzwanzig Stunden vorher 
der böse Feind gelegen hatte. Leider Gottes 
versagte das elektrische Licht, und die paar 
Kerzen, die wir vorgefunden, waren bald ver 
braucht. An anderen Morgen zogen wir darum 
in das fast ganz verlassene Udine hinein, um 
uns neue Kerzen zu besorgen. In der in der 
Nacht vorher vom Feinde erst gänzlich ge 
räumten Stadt befanden sich nur einige Jäger, 
ötie mehr werde ich den tiefen Eindruck ver 
gessen, welchen diese verlassene Stadt auf mich 
machte. An den Plakatsäulen klebte noch das 
Programm einer Theateraufführung vom 
Tage vorher, in der die alte Sarah Bernhard 
hätte mitwirken sollen. Die letzten italienischen 
Siegesberichte prangten an den Anschlagtafeln. 
Alle Läden waren geschlossen, und es war ein 
Glück, daß wir wenigstens aus ihren Schildern 
entnehmen konnten, was hinter den hernnter- 
Ein neuer Zuchterfolg im Zoo. 
Im Elch-Gehege des Berliner Zoo sind zwei junge Elchkülber zur 
Welt gekommen. Die Elchkuh „Tatjana" ist offensichtlich stolz auf ihre 
beiden Sprößlinge, die aber am ersten Tage ihres Erdendaseins noch 
recht wacklig auf den Beinen zu stehen scheinen. 
(Weltbild, K.) 
gelassenen Rolladen auf uns wartete. Da wir 
richtig ausgehungert waren, interessierte uns 
nur das Eß- und Trinkbare! In der Haupt 
straße hatten ein paar Jäger die Rolladen ei 
nes großen Delikatessengeschäftes hochgeho 
ben, und wie freundliche Verkäufer boten sie 
den ersten Gästen, die Gott sei Dank wir wa 
ren, ihre Schätze an. „Wünschen Sie vielleicht 
noch einige Büchsen von diesem köstlichen 
Schinken? Dürfen wir Ihnen vielleicht noch 
einige Dutzend Ochsenzungen anbieten? Ist der 
Herr Leutnant Freund von Hummern? Wissen 
Sie, wie echte Bologneser Mortadella 
schmeckt?" Wir ließen uns von allem geben, 
was uns angeboten wurde, und ich müßte lü 
gen, wenn auch nur einem von uns der Ge 
danke gekommen wäre, daß unser Gebaren un 
recht sei, ja, sogar Plünderung von Privat 
eigentum bedeutete. Andere meiner Mannen 
hatten unterdessen auch einen Kerzenladen 
gefunden, eine Bäckerei inspiziert, den Kel 
ler einer Weinhandlung besichtigt und zuw 
Heimtransport ein paar leichte Wagen mit 
Pferden aufgetrieben, auf denen nun alles 
verladen wurde. Sogar frische Seefische und 
eine Kochkiste mit Eis vervollständigte unsere 
Beute. Am Abend saßen wir dann um den 
großen runden Tisch in unserem Quartier 
herum. Uebermannshohe Kerzen, die am Bo 
den festgepickt waren, beleuchteten den Raum 
festlich, und es war wie Weihnachten. Der Tisch 
bog sich, und selbst Lukullus hätte uns benei 
det, denn einen solchen Appetit, wie ihn ein 
ausgehungerter Krieger zum Essen mitbringt, 
hat der alte Römer sicher nie verspürt. Der 
Wein floß in Strömen, und wir haben es gar 
nicht gemerkt, daß sich unter den vielen Fla 
schen Schnaps, die wir probierten, auch eine 
mit Originalhaarwasser befunden hatte. In 
weiser Voraussicht hatten wir uns auf lange 
Zeit hinaus verproviantiert, denn nur noch 
einmal war es uns möglich, aus der schönen, 
fast venezianisch anmutenden Stadt einiger 
maßen beträchtliche Nahrungsmittel heraus 
zubekommen. Schon am dritten Tage nahm 
die nachziehende Etappe Besitz von der Stadt, 
von da ab fiel für den Frontsoldaten nichts 
mehr ab. Außer Speise und Trank hatte ich 
mir noch eine neue Uniform requiriert. Sie 
hatte im Schaufenster eines Militürschneiders 
gehangen und war in ihrer prunkenden Pracht 
ür einen italienischen General meiner Statur 
bestimmt gewesen. Der Herr hatte sie in der 
Eile des Rückzuges abzuholen vergessen. Ein 
Schneider unter unseren Leuten hat sie mir 
dann etwas auf deutsch zurecht gemacht. Vor- 
ichtshalber hat er auch deutsche Hosenknöpfe > 
eingesetzt, denn man konnte nie wissen, ob man 
nicht doch einmal geschnappt würde, und dann 
endete eine solche Sache meistens letal. 
Fortsetzung folgt. 
Tom Zaggler / 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz, 
München. 
12) Nachdruck verboten 
Im ersten aufwallenden Zorn knüllt der 
Graf den Brief zusammen und schleudert ihn 
wütend in die Ecke. 
„Da kann sie lange warten, bis ich sie rufe." 
Erst als er ruhiger wird, ruft er den Die 
ner. 
„Wann ist meine Tochter abgereist, Wil 
helm?" 
„Gestern früh, Herr Graf." 
„Na ja, ist gut. Die Zimmer meiner Tochter 
werden abgeschlossen und meine auch. Am 
Montag gehe ich auf die Luisenhütte und werde 
den ganzen Sommer nicht mehr herunterkom 
men. Wenn von den Jägern nicht zufällig ei 
ner herunterkommt, soll der Stallknecht jeden 
zweiten Tag die Post hinaufbringen. So, das 
wäre alles." 
Ohne seiner Tochter ein Wort zu schreiben, 
geht Graf Bruggstein mit dem Förster und 
dem Zaggler Toni in die Berge. 
Der Wildschütz. 
Toni Zaggler macht gewissenhaft seinen 
Dienst. Täglich besucht er alle Hauptwechsel des 
Rotwildes, alle Salzlecken und Suhlen, zählt 
die Fährten der jagdbaren Hirsche, kritzelt sie 
in sein Taschenbuch und steigt in den kahlen 
Wänden umher zu den Gemsrevieren. 
Er hält die Luisenhütte in Ordnung, kocht 
des Mittags und Abend einen fetten Schmar 
ren, schmiert seinem Herrn die Jagöstiefel und 
schläft im Heu den gesunden Schlaf seiner Ju 
gend. 
Der Förster ist ihm ein strenger, aber güti 
ger Lehrmeister, der Weindl Sepp ein treuer, 
ehrlicher Kamerad und der Büchler Sebastian 
ein leidlich guter Kollege. 
Büchler ist Toni gegenüber immer von auf 
fallender Freundlichkeit. Dies ändert sich aber 
in dem Augenblick, als der erste Schnee fällt 
und Graf Bruggstein nach Ungarn reist. Jetzt 
spielt sich Büchler als Vorgesetzter auf, wäh 
rend Weindl, dem es als Aelteren zugestanden 
wäre, mit Toni in der gleichen kameradschaft 
lichen Weise weiter verkehrt. 
Es ist in der Woche vor Weihnachten. Viel 
Schnee ist gefallen und für die Jäger sind es 
harte Tage. Da muß Heu in alle Futterstände 
gebracht werden, bis hoch hinauf in die Gems- 
reviere. 
Hochlandsroman von Hans Ernst 
Für Toni beginnt ein schwerer Dienst. Da 
der Förster durch seinen Rheumatismus an 
den Lehnstuhl gefesselt ist, hat er das ganze 
Revier allein zu besorgen. Mit der Heulast auf 
dem Rücken stampft er mühsam die steilen 
Wege hinauf. Nachmittags besucht er die weiter 
unten gelegenen Futterhüuschen. Hier kann er 
wenigstens mit den Skiern fahren. Vom ersten 
Morgengrauen bis zum sinkenden Abend ist er 
auf den Füßen, und wenn er heimkommt, 
nimmt er sich vor Müdigkeit oft nicht mehr die 
Zeit, in der Luisenhütte, die er nun ganz al 
lein bewohnt, ein Feuer anzumachen. Tod 
müde fällt er auf das Matratzenlager in der 
Küche und schläft sofort ein. 
^Es ist ein Nachmittag mit Sturm und 
Schneefall. Toni ist unterwegs und prüft die 
gelegten Fuchseisen nach. 
Von der ihm gegenüberliegenden Höhe blickt 
in der Dämmerung ein Licht herüber. Das ist 
die Jagdhütte des Büchler. 
„Könnt ihm eigentlich einmal einen Besuch 
machen", denkt der Toni und gleitet in sausen 
der Fahrt den Hang hinunter. Vor der Hütte 
schnallt er die Skier ab und schaut durch das 
niedere Fenster. 
Neben dem flackernden Herdfeuer sitzt Büch 
ler auf dem Strvhsacklager und liest in einem 
Buch. 
Toni blickt um sich. So weit es die rasch her 
einbrechende Dunkelheit zuläßt, kann er nir 
gends Schritte im Schnee oder eine Skispur 
entdecken. Es hat den Anschein, als ob Büchler 
den ganzen Tag die Hütte nicht verlassen hätte. 
Kopfschüttelnd wendet sich Toni zur Tür und 
tritt ein. 
Bei diesem Geräusch legt Büchler das Buch 
fort und sagt: „Endlich." Als er aber Toni über 
die Schwelle treten sieht, macht er ein ver 
blüfftes Gesicht. Schnell hat er sich jedoch gefaßt 
und sagt freundlich: 
„Ah, da schau, der Toni. Ist schön, daß du 
mich aufsuchst. Wo kommst denn her?" 
Toni hat sein Gewehr in die Ecke gestellt 
und reibt sich die Hände über dem Feuer. 
„Dienst hab ich gemacht." 
„Heut bei dem Wetter? Geh, da jagt man 
doch keinen Hund net naus. Aber natürlich, 
wenn man so jung ist wie du, da fürcht man 
den Teufel auch net." 
„Hast du heut kein Heu in die Futterständ 
gebracht?" fragt Toni. 
„Freilich, du Lalle. Ich kann doch 's Wild 
net verhungern lassen." 
ßemtaöÄ, Spfegd und liiceo? 
Eine seltsame Ausrüstung, die Lottchen 
da ins Strandbad mitnimmt! Aber 
sie hat sich vorgenommen, 
sehr schnell braun zu werden. 
Uhr und Spiegel sollen bestä 
tigen, was Sonne und Nivea 
in kurzer Zeit schaffen können! 
Er bückt sich dabei und wirft ein paar Scheite 
ins Feuer. 
Toni will ihm ins Gesicht schreien: „Lüg mich 
nicht an, du bist heut noch gar nicht vom war 
men Feuer weggekommen." Aber daß er keine 
Spur entdecken kann, vor der Hütte, das ist 
noch kein Beweis. Bei so einem Sturm ist in 
einer Stunde alles wieder verweht! 
Als Büchler sein Gesicht vom Feuer wieder 
wegwendet, ist es Toni, als treffe ihn ein tücki 
scher, haßerfüllter Blick. 
Draußen tobt mit unverminderter Stärke 
der Sturm. 
Büchler blickt auf die Uhr, zieht die Brauen 
hoch und sagt dann unvermittelt: „Fahr in die 
Unterkunftshütte und hol mir ein Flaschl 
Bier." 
Die Hütte ist eine gute Wegstunde entfernt. 
„Bei dem Wetter?" fragt Toni und wendet 
sich zum Fenster. 
„Wegen dem bißl Wind? Laß dich fei net 
auslachen. Da hast das Geld. Schau, daß du 
weiterkommst! Bis in anderthalb Stunden bist 
wieder zurück." 
Toni steht am Fenster und rührt sich nicht. 
„Was b'sinnst dich denn lang?" sagt Büchler 
ungeduldig. 
Toni dreht sich um und sagt so ruhig, als er 
es in seiner kochenden Erregung fertig bringt: 
„Ich bin zu dir her, um mich ein wenig zu 
verschnaufen, aber net, daß ich dir dein Hans 
wursten mach. Wenn du Durst hast, dann hol 
dir dein Bier selber. Mir scheint, du bist heut 
so noch net nauskommen in die Luft." 
Mit verzerrtem Gesicht springt Büchler auf. 
„Was sagst du mir? Du Lausbub, du grü 
ner! Auf der Stell fahrst jetzt nunter ins Un 
terkunftshaus, oder mir rutscht die Hand aus." 
Eine rote Flamme springt in das Gesicht 
des Jungen. 
„Ich mag net!" schreit er dem andern ins 
Gesicht. 
Büchler weicht unwillkürlich einen Schritt 
vor diesen drohenden Augen zurück. 
Toni geht ihm nach und schleudert ihm ins 
Gesicht, was ihn schon lang drückt: 
„Auf die Stunde hab ich schon gewartet. Jetzt 
ist sie da. Und jetzt will ich dir sagen, daß ich 
mir nimmer länger schikanieren laß von dir. 
Wenn du ein Mannsbild wärst, vor dem man 
Respekt haben könnte, würs anders. Aber von 
einem solchen Faulenzer wie du —" 
Mit einem erstickten Wutschrei springt Büch 
ler auf Toni los und versucht ihn zu fassen. 
Doch Toni isi flinker wie er. Mit geballter 
Faust schlügt er ihn zwischen die Augen. Büch 
ler taumelt in die Ecke. Und als er sich wieder 
ausruhtet, nach dem Messer greift und sich auf 
Toni stürzen will, hat dieser bereits die Hütte 
verlassen und gleitet den Hang hinunter. 
Büchler streckt die geballte Faust, die das 
Messer hält. 
„Wart nur, Hundling! Das mußt mir bü 
ßen." 
Der Sturm nimmt die Worte von seinem 
Mund und zerreißt sie. Fluchend kehrt Büchler 
wieder in die Hütte und schlägt krachend die 
Türe hinter sich zu. Da erst merkt er, daß ihm 
das Blut aus der Nase rinnt. 
Umständlich säubert er die rotbetröpfelte 
Montur, wäscht sich Gesicht und Hände und 
überlegt dabei, wie er dies dem „jungen 
Kampl" heimzahlen kann. 
Kaum ist er mit seiner Arbeit fertig, wird 
die Tür aufgerissen und auf der Schwelle steht 
ein baumlanger Kerl mit geschwärztem Ge 
sicht, die Büchse in der Hand. 
Es ist der Steinmüller Bartl. 
„Mach die Tür zu!" schreit Büchler gereizt, 
froh, seinen Unwillen endlich an jemanden 
auslassen zu können. 
„No, no, tu nur net gar so wild! Wirst net 
gleich erfrieren." 
In aller Gemütsruhe legt der Wildschütz 
sein Gewehr auf die Bank, setzt sich auf den 
Ofen und läßt die Beine baumeln. 
„Pünktlich bist, das muß ich sagen", knurrt 
Büchler. „Um halber Fünfe wollt'st da sein und 
jetzt geht's auf Sechse." 
„Probiers du bei dem Wetter, ob du schnel 
ler raufkommst. Aber der Herr Büchler ist net 
so dumm. Der setzte sich in die warme Stube 
und laßt unsern Herrgott einen guten Mann 
sein. Im übrigen will ich dir sagen, daß ich 
schon eine halbe Stund drauß steh." 
Ein huschender Blick des Jägers streift den 
Geschwärzten. 
„Dann hast den Toni g'sehn?" 
Der Steinmüller Bartl lacht breit und zeigt 
seine starken, breiten Zähne. 
„Der Toni schreibt a gute Handschrift, was?" 
„Das zahl ich ihm schon heim, dem Laus 
buben." 
(Fortsetzung folgt.).
	        
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