Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Julius Schrecks letzte Fahrt 
Der Führer am Grabe seines Fahrers 
Um 10 Uhr rücken die Fahnen an: voraus des Friedhofes, sie künden die 
die heilige Blutfahne, dann folgen die Fahnen Ankunft des Führers, 
der Standarte „Deutschland", der SS.-Standar- der in langsamer Fahrt durch das dichte Spa 
ten 1 und 24, der SA., des NSKK., der poli- lier der trauernden Volksgenossen gefahren ist. 
tischen Leiter. Vor dem Sarge senken sich die Der Führer tritt mit tiefernsten Zügen an 
Fahnen und entbieten dem Toten den letzten das Fußende des Sarges, der vor der Aus- 
Gruß. Dann gruppieren sie sich um das offene segnungshalle aufgestellt ist, nnd erhebt die 
Grab, das eingefaßt ist von prächtigen Früh- Hand zum letzten Gruß. 
lingsblumen. Das Kopfende des Grabes In der Begleitung des Führers befinden sich 
schmückt ein großes Hakenkreuz aus dunkel- der Stellvertreter des Führers, Reichsminister 
roten Rosen. Rudolf Heß, Reichspressechef Dr. Dietrich, 
Die Anfahrt der Leidtragenden. Obergruppenführer Brückner und Brigade- 
Wagen um Wagen fährt an dem kleinen führer Schaub. 
Friedhof in Gräfelfing vor. Geleitet man einen °oî,. em megger Kranz au» Sorter tntt 
der Großen des Reiches zu Grabe? Was hat reißen ^ilren, getragen von zwer «s.-Män- 
der Mann für Deutschland getan, den man hier ^ern, der Kranz, den der Führer fernem toten 
zur letzten Ruhe trägt? Ein Fahrer ist es, der Kameraden und Mitkämpfer widmet. Er tragt 
Fahrer des Führers, ein treuer alter Kämpfer, ™ ļ^ rtC .ļ t ŞĢerfen das Hoheitszeichen und die 
einer von denen, die zu allererst zur Bewe- Anschrift: „Meinem alten treuen Mitkämpfer 
gung und zum Führer stießen und seither in "?d Eeben Kameraden Julms schreck. Adolf 
Reih und Glied hinter ihm marschiert sind ' ^>er Führer stellt sich an den rechten 
durch Not und Tod und Gefahr. Ein Fahrer ^ņgel des Fuhrerkorp^ der Partei, auf dem 
wird zu Grabe getragen, und an seinem Grabe vor der Aussegnungshalle. Man lieht 
stehen die Reichsminister, Reichsleiter und Generaloberst Gormg, die Reichsnnnister Dr. 
Gauleiter, Generäle der Wehrmacht und die ^ebbelc und Frick, den Stabschef der SA., 
Führer der nationalsozialistischen Formatio- Ļutze, den Reichvfuhrer EL. Himmler, den 
nen, steht ein erheblicher Teil des deutschen Korpsfuhrer^ NL.KK. Huhnkem, die Reichslei- 
Führerkorps, und mitten unter ihnen der ^er, den Botschafter von Ribbentrop. Weiter 
Führer selbst, der erste Mann des Reiches. befinden sich tn ber Trauergemeinde zahlreiche 
Eine Abordnung des Stoßtrupps Hitler ist Gruppenführer und Gauleiter, die bäuerliche 
angetreten. Die Männer tragen die feldgraue Landesregierung, wahrend aus der näheren 
Mütze, die gleiche, die sie in der ersten Kampf- ^uigebung des ^Führers Obergruppenführer 
zeit getragen haben, damals, als Julius ^sprich, die Adjutanten Oberstleutnant 
Schreck, der Gründer des Stoßtrupps, noch in ^odenbach und Standartenführer Wiedemann 
ihren Reihen stand. Alle tragen den Blut- anwesend waren, sowie ferner LL.-Stanüarten- 
orden, die höchste Auszeichnung, die die Partei lmhrer Ministerialrat Berndt, Flugkapitan 
zu vergeben hat. Inmitten der Stoßtruppfüh- ^aur und die beiden Aerzte Dr. Brand und 
rer steht die einzige Trägerin dieser Auszeich- Halse. , ^ . 
nung, Schwester Pia. Neben dem Stoßtrupp . ;^ ie ernstste Bewegung das Flackern der 
steht eine Abordnung der Träger des Blut- ädernden Pylonen, der Mustkzug der Ltand- 
ordens aus der Reichshauptstadt. Die Forma- barte „Deutschland ipielt feierlich und ernst 
tionen der Bewegung, SS.-Verfügungstruppe, beut,Ģ Trauermustk von Dr. Hanfstaengl. 
Totenkopfverbände, SA., NSKK., HI., Politi- ^r. Lchott tritt an den Katafalk. 
sche Leiter schließen sich an. Viel zu klein ist Seiner Gedächtnisansprache legt er das Wort 
der Friedhof, um alle zu fassen, die Abschied Grunde: 
nehmen wollen von dem unvergeßlichen Mit- „Lasset kommen die Höllen, 
kämpfer. mit mir zu streite», 
Nun krachen zwölf Böllerschüsse in die Stille ich will durch Tod und Teufel reiten." 
mühten, ihm jeden Wunsch und jeden Gedai" 
ken von den Augen abzulesen und zu erfüllen, 
warst einer von denen, die niemals an sich^ge- 
dacht haben, und Du bist ein Vorbild an Tap 
ferkeit und Kühnheit. So rauh wie Du nach 
außen warst, innerlich warst Du ein gütiger 
Mensch und warst mit Recht beliebt. Du bist 
ein Held unserer Zeit, hast gekämpft und bist 
nun Vorbild. Und so sahen wir Dich, und so 
nehmen wir von Dir Abschied für die Erden- 
zeit, die jeder von uns noch zu leben hat. Wir 
wissen es, wir alle treffen uns an einem Ort, 
in einem Gedanken, in einem Kampf wieder, 
wo wir auch in dem großen Weltall des Herr 
gotts sein mögen, und so, wie wir kämpfen, 
dienst Du droben in Walhall für Deinen Fê 
rer, für die Bewegung und für Deutschland. 
Dann wieder kurze Kommandos. Die Kame 
raden nehmen den Helm ab, die Musik spielt 
das Lied vom guten Kameraden, die Hände 
heben sich nochmals zum Gruß, die Fahnen 
senken sich. Entblößten Hauptes stehen die vie 
len, vielen Hunderte vor dem offenen Grabe, 
vor dem Toten, von dem sie jetzt für immer 
Abschied nehmen. Dann legt der Führer den 
Kranz nieder, den Kranz, den er seinem un 
vergeßlichen Julius Schreck widmet. Schwei 
gend, in tiefster Ergriffenheit, nimmt der Füh 
rer Abschied von diesem seinen Kameraden. 
Nachdem dann die übrigen Kränze am Grabe 
ihren Platz gefunden hatten, führt der Reichs 
führer SS. Himmler fort: „Wir haben uns 
nun von Dir verabschiedet. Du lebst in unseren 
Reihen so, als wenn Dir noch da wärest. Und 
nun habe ich Dir, lieber Kamerad Schreck, eine 
Ehre zu verkünden, die Dein Führer für Dich 
bestimmt hat. 
Als Du die Staffel gründetest, war sie ein 
Häuflein von zehn Mann. Von heute ab soll 
laut Befehl des Führers die erste Standarte 
der SS. in München den Namen „Julius 
Schreck" führen. Wir alle wollen bestrebt sein, 
daß diese Standarte dem Träger dieses Na 
mens, dem Mann, der ein Heros in unseren 
Reihen war, Ehre macht." 
Das Kampflied der Bewegung, das Horst- 
Wessel-Lied, klingt über die offene Gruft. 
Während die Kapelle das Sturmlied „Wenn 
alle untreu werden" spielt, tritt der Führer 
noch einmal vor die Grabstätte des getreue« 
Julius Schreck, grüßt noch einmal den Toten, 
nnd verläßt dann den Friedhof. 
Neun Jahre lang hat er, so sagt der Redner, 
den ehrenvollen Posten eines ständigen Be 
gleiters am Steuer des Wagens des Führers 
ausgefüllt. In dem Bewußtsein, dem Führer 
das Teuerste, das wir heute besitzen, durch tau 
send Gefahren hindurchgerettet zu haben, durfte 
der Verblichene die Augen für immer schließen. 
Er war dem Führer aber nicht bloß der absolut 
verläßliche Steuermann, er war ihm der Volks 
genosse, der mit ihm ein Stück Leben, ein 
Lebensschicksal teilen durfte. Dieses Glück iit 
ihm bis zuletzt vergönnt gewesen. Das mag 
auch für die Hinterbliebenen ein Trost und tief 
beglückendes Gefühl sein. Er hat das Vertrau 
en des Führers genossen bis in seine letzten 
Stunden." 
Der Weg zum Grabe. 
Ein Mann vom Stoßtrupp Hitler nimmt das 
Ordenskissen, ein anderer Mann den Degen. 
Sechs SS.-Führer heben den Sarg auf und 
tragen die teuere Last zum Grabe. Hinter dem 
Sarge folgen als erste die Hinterbliebenen, 
dann der Führer mit dem Führerkorps. Unter 
den Klängen des Chopinschen Trauermarsches 
ist inzwischen der Trauerzug am Grabe einge 
troffen. SS.-Führer und Mitglieder des Stoß 
trupps Hitler stehen stumm und unbewegt. Sie 
setzen den Sarg auf. Unmittelbar vor dem 
Grabe, gegenüber der Blutfahne, steht der 
Führer. 
Kurze, knappe Kommandos ertönen. Mitglie 
der des Stoßtrupps Hitler heben den Sarg. 
Salven krachen, die Musik spielt den Präsen 
tiermarsch. Unter seinen Klängen wird der 
Sarg in das Grab gesenkt. Die Fahnen senken 
sich, die Hände recken sich zum deutschen Gruß. 
Dann tritt Reichsfiihrer SS. Himmler vor 
das Grab. Soldatisch kurz und ernst sind seine 
Worte: „Nach 20 Jahren Kampf ruht nun 
Dein Leib, und Du hast gekämpft und nur an 
Kampf und Treue gedacht bis zu Deinem letz 
ten Tage. Du warst derjenige, der den Stoß 
trupp Hitler gründete, Du warst derjenige, der 
im Jahre 1925 di. erste Staffel dieser heute 
größten Schutzstaffel in München gegründet 
hat. Immer nur warst Du im Dienst, 20 Jahre 
Deines Lebens, von dem Augenblick an, als 
Du Soldat wurdest. Immer nur warst Du be 
dacht, von dem Augenblick an, als Du den 
Mann, der unser aller Führer ist, kennen lern 
test, lerntest, ihm treu zu sein und ihm zu die 
nen. Du warst einer von denen, die sich be- 
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