Me größten wunber
gehen in öer größten Stille vor>
Raabs.
Gedanken zum Himmelfahrts
tage
In der herrlichsten Zeit des Jahres, in öer
«lütenumkränzten Maienzeit, ist in jedem
oahre ein Donnerstag von des Tages Last und
Arbeit frei. Es ist öer zehnte vor Pfingsten,
«eit vielen Jahren ist er für viele Deutsche
sehr nur ein Tag öer Ausflüge, der
Kreude im maiengrünen deutschen Walde ge
worden, daß manche kaum noch daran denken,
°aß er ursprünglich dem Gedenken öer Him
melfahrt Jesu Christi geweiht war. Dieses Er-
mgnis gehört zu den unverstandensten im Ab-
laus der göttlichen Heilstaten vor 1900 Jahren,
ue wird noch weniger begriffen wie das Fest
^er Pfingsten, das ihm in wenigen Tagen
folgt. Aber gerade diese beiden Gottestaten
Erlangen klar st e Unterscheidung,
wenn man nicht im Dunkel über Gottes Lie-
desabsichten mit uns bleiben will.
Was geschah am 1. Himmelfahrtstage vor
^wa 1900 Jahren, und welche Bedeutung hat
Dieses Ereignis in der Fortführung des Rat
schlusses Gottes mit der Menschheit? Der auf
erstandene Menschensohn Jesus Christus nahm
Abschied von den Seinen und wurde vor ihren
klugen in die unendlichen Räume, die wir
Himmel nennen, entrückt. Der Abschied war
^u zeitlich bedingter, denn unmittel
bar mit ihm war die Verheißung Sei-
werWiederkehr verbunden. Diese erweist,
Şatz Jesus Christus zu dem Vater als M e n s ch
^u der Kraft des ewigen Lebens
Zurückkehrte und als solcher eine Wirksamkeit
Ausübt. Wohin Er ging und welcher Art Seine
Derzeitige Tätigkeit ist, ist den Jüngern in den
Ņbschiedsreden von Ihm selbst angedeutet, in
«er Folge durch den Heiligen Geist kundgetan,
«er die in Seine Gefolgschaft tretende Mensch
heit in alle Wahrheit leitet. Bezüglich
Seiner derzeitigen Wirksamkeit hat dieser
wun bezeugt, daß Er als unser Häher-
priester und als unser ständiger Fürbitter
w>r Gott für uns tätig ist. Ob diese Dinge
Seilte noch wirklich geglaubt oder als Phantasie
^lletan werden, ändert nichts an der Tatsache,
haß die göttlichen Urkunden der Heiligen
Schrift in diesem Sinne von Ihm, dem gen
Himmel Gefahrenen Zeugnis ablegen.
Welche Bedeutung hat diese Himmelfahrt
ttun in der Entwicklung öes Ratschlusses
Gottes? Diese Frage wurde als zweite auf-
üeworfen. Auch hier hat Christus selbst in
Seinen letzten Reden vor Seinen Leiden
klare Antwort gegeben. Ohne diesen Hin
gang zum Vater würde die Gabe des Hei
ligen Geistes der Menschheit nicht ge
schenkt worden sein. Warum, steht nicht zur
Erörterung, Christus selbst hat die Tatsache
vorher bezeugt. Da aber ohne diese Gabe
die Wiedergeburt der Menschheit
in Christus sich nicht auf Seine
Gefolgschaft hatte ausdehnen lassen, so
wäre ohne die Himmelfahrt das Werk Jesu
Christi auf Erden unvollendet und ohne
Frucht für uns geblieben. Ohne die Gabe des
Heiligen Geistes gibt es keine Wiedergeburt
und kein Reifen der Frucht der Erlösung
innerhalb öer Menschheit. So wesentlich
ist die Himmelfahrt für uns, so viel Grund
zur Freude und zum Dank haben mir
ihretwegen.
Auch diesbezüglich sind die göttlichen Heils
taten vor den Augen vieler Menschen heute
verdunkelt. Himmelfahrt bleibt unverstanden.
Sein Gedenktag ist darum auch für die Mehr
heit nur ein Tag der Maien, voll Freude und
Schönheit für dieses, unwesentlich für die Er
kenntnis der ewigen Dinge, um die es hier
wie bei Weihnacht, Ostern und Pfingsten geht.
Möge es diesbezüglich Licht werden in Geist
und Herz, dann wird dieses auch indesirdi-
schenLebensFreudehell hineinleuchten,
sie befruchten und vermehren können. ©►
Richard Thasfilo v. SchNeben / 3B6l)t$t£ffÌ£?£ SJMfltfctljSt
Ern Beitrag für die Zubereitung der Maibowle
Wer trinkt nicht gern eine köstlich zubereitete
Maibowle? Und wer kennt nicht das reizende
Frühlingsgedicht „Waldmeisters Brautfahrt"
von Otto Roquette. In lieblichen Bildern
und klangvollen Versen schildert der Dichter
die Vereinigung des jungen Waldwildlings
mit der Frucht der stolzen Rel:, — eine Ver
einigung, uns allen wohlbekannt in Gestalt
öer würzigen Maibowle.
Uebrigens ist es nicht so einfach, eine wirk
lich gute Maibowle in vollendeter Form an
zusetzen. Das will gelernt und probiert sein.
Und richtet sich natürlich ganz nach der Art des
Weines, den man dazu verwenden will. Am
beliebtesten und am bekömmlichsten ist wohl
eine Mosel-Marke, die so leicht und beschwingt
ist wie der Frühling selber.
Aber es ist sehr interessant, festzustellen, daß
schon seit uralter Zeit das bescheidene grüne
Kräutlein die Seele der Menschen beglückt hat.
Führte es doch schon vor Jahrhunderten, ob
wohl es damals doch noch hauptsächlich medi
zinischen Zwecken diente, den reizvollen Na
men „Herzensfreude". So schreibt z. B. Jakob
Brauner in seinem berühmten Kräuterbuch
von 1713: „Stern-Leberkraut, von etlichen
Waldmeister genennet, pflegen die Leute im
Maien, wenn das Kräutlein noch frisch ist, in
den Wein zu legen und darüber zu trinken,
in Meinung, daß es der Leber dienen und die
selbe stärken soll, darum erquicket es auch das
Herze, weshalb es von altersher mit dem Na
men Herzfreyd (Herzensfreudes benennet
wird." Ein anderer Arzt, der nur die medi
zinische Bedeutung des Waldmeisters kennt,
behauptet, daß das Kräutlein zerdrückt auf
Geschwülste gelegt, die Hitze nimmt, und um
die Stirn gebunden, Kopfweh vertreibt.
Aber die Hauptsache bleiben doch immer die
Verdienste des Waldmeisters um den Mai
trank. Ein gewiegter Feinschmecker der alten
Zeit gibt für die Zubereitung einen guten
Rat in poetischer Form: „Im Walde grünt ein
Eöelkraut — ich nenn' es nicht mit Namen —
das mußt du pflücken frischbetaut, eh's Blüten
trügt und Samen. Wie Quirle stehn in grader
Zahl um eck'gen Stiel, die Blätter schmal. Das
mußt du streun und stürzen ins Kännelein,
den kühlen Wein dir wohl zu würzen."
Selbstverständlich gibt es zahllose Anweisun
gen, wie man eine Maibowle zubereitet. Und
da sich über den Geschmack bekanntlich nicht
streiten läßt, muß man dabei schon „jeden nach
seiner eigenen Facon selig werden lassen."
Auch moderne Dichter haben sich darin ver
sucht, das ihnen am besten erscheinende Rezept
in liebenswürdigen Versen zu preisen. So z.
B.: „Zucker nimm so viel notwendig. Doch
bitt' ich dich, sei verständig. Mach' die Bowle
nicht zu süß! Dann vor allem merke dies: Soll
der Trank vollkommen sein, mische ja kein
Wasser ein,' weder Selters noch gemeines,
denn es ist ein Feind des Weines. Höchstens
schnitzle in den Wein ein paar Apfelsineuschei
ben, oder laß' es lieber bleiben! — Fleißig
kosten immerzu mutzt du ohne Rast und Ruh!
— Werden all, die davon tranken, andern Ta
ges dir noch danken für den wundervollen
Trank. Sag', gibt's einen schön'ren Dank?"
Leider hat der Dichter-Gourmet nichts darü
ber gesagt, wie lange der Waldmeister in dem
Wein ziehen soll. Das muß jeder, der das höchst
verantwortliche Amt übernimmt, eine Mai
bowle zu bereiten, nach eigenem Ermessen und
eigenem Geschmack feststellen. Denn, um ein
Kunstwerk zu gestalten, muß er eine feine
Zunge haben.
Praktischen Hausfrauen sei noch verraten,
daß man auch einen Waldmeister-Extrakt be
reiten kann, der sich in verkorkten und ver
siegelten Fläschchen gut aufbewahren läßt, so
daß besondere Verehrer der Maibowle sich auch
außer der eigentlichen Waldmeisterzeit den Ge
nuß dieses edlen Tranks bereiten können. Aber
eigentlich gehört die Maibowle doch in erster
Linie zu Frühlingsfesten. Und bei einem fröh
lichen Trinkspruch zur Zeit der Fliederblüte
kann man wirklich nur mit Maibowle aus dem
frisch gepflückten Kräutlein „Herzfreyd" an
stoßen: „Zur G'sundheit — wohl bekomm's!"
Vom Şegà
An freien Ufern herb emporgestiegen
Kommt jetzt Geruch öes offnen Wassers, wie
zuvor!
Und wenn sich zitternd weiße Segel wiegen,
Summt neu um uns der alte Sommerchor
Von Wind und Wanten, die im Fluge singen,
Von kleinen Wellen, unmutig belebt,
Wenn ihre Schwestern plätschernd sie bezwin
gen...
Vom Vogelvolke, das im Röhricht webt.
In Luv und Lee zaust frech mit Kinderhänden
Abwechselnd Bö um Bö den Flußgott im
Genick.
...paar schnelle Rufe: Achtung ree, und —
wenden!
Und wieder liegt in schlankem Kurs die Gig.
So ziehen hin die sonnöurchtränkten Stunden,
Am Hellen Abend geht der Wind zur Ruh.
Wir haben irgendwo ein Lied gefunden
Und gleiten träumend einem Hafen zu...
Renate von W i l l i ch.
Heitere ELe
Die Glatze.
Der Herzog von Clarence kam einmal nach
Portsmouth zur Flottenparade. Ein alter
Leutnant wurde ihm als Adjutant beigegeben,
der beim Vorrücken stets übergangen worden
war, weil er bei Hofe keine einflußreichen
Freunde hatte.
Als nun der Veteran vor dem Prinzen den
Hut lüftete und dabei seine kahle Platte zum
Vorschein kam, bemerkte dieser gutgelaunt:
„Ah, ich sehe, Sie haben Ihre Haare im
Dienste nicht geschont."
„Nein, Königliche Hoheit, gewiß' nicht! Es
sind so viele jüngere Leute über meinen Kopf
hin vorgerückt, daß es mich sehr wundert, daß
ich überhaupt noch ein einziges Haar auf mei
nem Schädel besitze."
Der Prinz freute sich über diese schlagfertige
Antwort und notierte sich die Personalien des
witzigen Leutnants.
Wenige Tage später wurde ihm das Kapi
tänspatent zugestellt.
Die Fahrt auf dem Kaual
Eine Himmelfahrtserzählung
von FreyaObenland.
Langsam schüttelte der Schlepper durch die
^hmgrauen Fluten öes Kanals. Die Ufer la-
6en in nebligem Schleier eingesponnen und
Eber dem Wasser wogte ein leichter, silbriger
Dunst. Sonst aber war die Nacht klar und der
Ņļond goß sein mildes Licht über die Wasser.
Die Frau saß in der engen Kajüte am Strick-
àmupf, die Tochter schüttete gerade Tee in den
"einen Samovar und ein junger, sehniger
Mann lehnte an der Tür und sah beiden
Krauen still zu.
»Sie sind ein Süddeutscher? Ich höre es an
«er Sprache", fragte die Frau leise.
. »Rheinhesse, Frau Gürtler, aus Wies
baden."
Das junge Mädchen schreckte auf und sah
l-äsch zur Mutter. Diese hielt in ihrer Strick
arbeit inne. Ihre fahlen Augen starrten in
flackernde Kerzenlicht. Langsam rann eine
Dräne verstohlen über die Wange. „Hm, aus
Wiesbaden."
Das junge Mädchen — es hieß Gertrud —
lprang aus.
»Muttl, sieh bitte nach dem Tee,' Herr Rai
ner, wollen Sie mich hinausbegleiten? Sie
Regen die enge Stiege hinauf. Draußen am
^leuerrad stand Großvater Flenning, die kalte
pfeife im Mundwinkel.
. »Großvattl, sei so gut und geh mal zu Muttl,
^ paß derweil schon auf."
, s ist recht, mien Töchting, gib früh genug
Signal, bald kommt die Drehbrücke."
^ »Schon gut, Großvattl, geh; Stropp, geh mit
Herrchen."
> Gin kleiner, zottliger Hund purzelte hinter
Alten her. Der Junge war verwundert
Mädel gefolgt. Er war Student in Ham-
rv^rg und jetzt auf Fahrt in seinem kleinen
oaltboot und wollte gern am nächsten Tag in
^.Rl sein. So traf es sich dann gut, daß er in
Mnsbüttel an Bord des kleinen Schleppers
**8°,
„Wie lange fahren Sie schon auf dem Ka
nal?", unterbrach er die Stille, die wie ein
großes Geheimnis zwischen ihnen lag.
„Zwei Jahre", gab sie traurig zur Antwort.
„Sie sagen das so schmerzlich; man müßte
annehmen, Sie sind unfroh über die Fahr
ten."
„Das nicht, nein... aber..., ach, lassen wir
das. Sie werden und können das doch nicht
verstehen."
Und dann — nach einer Weile — begann sie
zu erzählen. „Das sind nun zwei Jahre her;
ich war gerade junges 1. Semester in Frei
burg ..."
„Sie haben studiert?" fragte er erstaunt.
»Ja, — und dann verunglückte Vater tödlich
— er war Ingenieur in Wiesbaden — und ..."
Langsam brachen sich die Worte über ihre Lip
pen. „— wir waren plötzlich verarmt; unge
deckte Wechsel eines Onkels, die mein Vater
unterschrieben hatte, na... und..."
„Ich bedaure, daß ich Ihre Mutter an Wies
baden erinnert habe."
„Sie konnten es ja nicht wissen. Es ist nur
für Mutter immer schwer. Wir hatten eine
schöne Villa hinter dem Bowling-Green. Wir
haben verkaufen müssen. Großvater nahm uns
auf seinem Schlepper auf. Ich habe natürlich
das Studium sofort aufgegeben." Dann schwieg
sie. Leise gurgelte das Wasser.
„Sie haben aber Ihre Mutter, ist das nicht
viel — eine liebende Mutter? Sehen Sie..."
und nun stockte er. „...ich bin allein, ganz
allein, habe meine Mutter nie gekannt. Sie
starb im Wochenbett, und Vater — er war See
offizier im Weltkrieg — blieb in der Skager
rakschlacht." Gertrud sah ihn an. „Dann ha
ben Sie ja auch ihn kaum gekannt." Er nickte.
„Ich war fünf Jahre alt, als der Krieg los
brach. Als der Großvater wieder die Stiege
hochkam, gingen tàbeiden still zum Vorder
deck und setzten sich auf eine verwaschene Plan
ke.-„Ja, ich wollte über die akademischen Ferien
hinaus nach Laboe, wollte in einer Nacht dort
sein, wo eine große Stille um das Ehrenmal
sich breitet, wollte ins Meer hinausschauen —
und meinen Vater suchen. Morgen ist Himmel
fahrt; da freuen M die Menschen. Es ist bit
ter, wenn man an einem solchen Festtag ein
Einsamer ist, ein Einsamer unter Frohen." Er
schwieg.
„Was studieren Sie?"
„Schiffbau. Das Vermögen der Eltern reicht
gerade für das Studium, und später kann ich
in die Werft eines Onkels eintreten."
„Auch das Einsamsein wird für Sie nicht
ewig währen. Sie haben Ihr Leben vor sich,
könen es gestalten, aber ich..." schluckte Ger
trud. „Sie? Ja..." Dann nahm er sanft ihre
Hände. Ich möchte nicht länger einsam sein,
Fräulein... Gertrud. Wollen Sie heute nacht
mit mir zum Ehrenmal, meinen Vater su
chen?" Sie nickte nur. Der Alte am Steuer
rad nahm die Pfeife aus dem Mundwinkel,
spuckte einmal kräftig über Bord und ging
schmunzelnd in die Kajüte. Langsam schütterte
der kleine Schlepper durch die lehmgrauen
Wasser, der Mond goß sein silbriges Licht über
die Nacht — und morgen war Himmelfahrt.
Die türkischen Kirsche«
Eine etwas peinliche Himmelsahrtserinnerung.
Von Hans Thielmann.
Es sind erst zwei Jahre her. Ich war da
mals noch Student — und in Wien. Studium
konnte man das ja nun eigentlich nicht nennen,
dieses österreichische Semester öes bedeutungs
vollen Sommers 1934. Wir waren nur wenige
reichsdeutsche Studenten drüben — und diesen
wenigen sah der österreichische „Schwarzrock"
scharf auf die Finger. Das hat aber nun mit
meinen türkischen Kirschen nichts zu tun. Da
mit hat es eine andere Bewandtnis. Himmel
fahrt fiel damals in die ersten Maitage, und
mit diesem Fest war zugleich der Feiertag der
Stände verbunden. Großer Umzug öer Regie
rung, der vaterländischen Front und er gan
zen „heiligen" Kirchengefolgschaft auf dem
Ring. Uns reizte diese Maskerade wenig, und
wir beschlossen, auf Fahrt zu gehen. Ziel war
Budapest und unsere deutschen Schwabendör
fer, die in der Pußta verstreut lagen. Wir
nisteten uns ally aus einem fugoflawilchen
Dampfer ein — er war der billigste — und
fuhren donauabwärts. In Wien marschierten
die Sturmscharen der Heimwehr, wir aber san
gen froh gelaunt die Lieder unserer Bewe
gung und jubelten jedem Schiff, das das Ho
heitszeichen am Heck trug, ein donnerndes Heil
zu. Als der feurige Sonnenball hinter der
unendlichen Weite ungarischen Flachlandes
versank und das blauschwarze Dunkel öer
Nacht sich über das raunende Donauwasser
legte, fuhren wir in Budapest ein. Es geht ein
eigenartiger Zauber von einer solchen Ein
fahrt in das nächtliche Budapest aus. Diese
Prachtbauten zur Rechten und zur Linken, das
Parlament, die Fischerbastei, das Schloß, die
Krönungskathedrale, deren schon orientalisch
anmutende Türme allabendlich im gleißenden
Scheinwerferlicht in die sternklare Nacht hoch
wuchten. Der deutsche Mensch ist für die heim
liche Romantik einer solchen Nacht besonders
empfindsam und weiß dem wirklichen Stim
mungsbild noch eigene Schattierungen zu ge
ben.
Der Leser möge entschuldigen, daß der
Chronist noch nicht auf die türkischen Kirschen
gekommen ist. Die habe ich mir am Göllertbad,
dem luxuriösesten Bad Budapests, gekauft,
gerade in dem Augenblick, als uns ein kleines
elektrifiziertes Bähnchen nach Buda'Oers,
einem kleinen deutschen Schwabendorf, brin
gen sollte. Es waren die ersten Kirschen aus
der Türkei, ganz dicke — und blauschwarz wa
ren sie wie Heidelbeeren. Ich habe mir gleich
4 Pfund gekauft. Sie waren ja so billig, nach '
deutschem Geld das Pfund für 4 Pfennige. Die
Kameraden kauften natürlich auch, aber nicht
gleich pfundweise. Und das war ihr Glück.
Merkt öer Leser etwas? Ich sprach eben von
einem elektrifizierten Bähnchen. Man sollte
doch meinen, in einem solchen modernen Ver
kehrsmittel...! Aber, — na, wir trudelten los,
die Kirschen schmeckten gut, auch das 4. Pfund.
Nur rumorten sie bald im Magen — und ich
ging auf die Suche...! Hat der Leser schon
einmal in öer Bahn gesessen und Magenbe-
Mverden gehaM Sicher aber dann nicht in
129. Jahrgang > Nr. 117
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Mittwoch, den 20. Mai 1936