Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Blühende Welt 
Auch den Stumpfesten muß es hochreißen in 
dieser Zeit des Blühens. Und es gibt wohl kei 
nen, den es nicht drängte, teilzuhaben an dem 
Wunder des Werdens, das sich seinem Blicke 
beglückend offenbart. 
Da trügt der Zug durch ein Stück Heimat. 
Eine andere Heimat ist es, als sie in all den 
Monaten war, die hinter uns liegen. Nicht 
mehr recken die Baume ihre kahlen Wipfel wie 
anklagend gegen grauen Himmel, nicht mehr 
breitet sich eintönig die Flur zu farbloser 
Fläche. Lichte Blütenbäume grüßt der schwei 
fende Blick, und hinter ihnen verstecken sich die 
Häuser, das kleine Holzhaus mit dem maleri 
schen Giebel, die prunkvolle Villa mit dem 
breiten Aufgang. Das leuchtende Gelb eines 
Rapsfeldes steht, ein aufdringlicher Farbfleck, 
in der Landschaft. Und alles ist Freude gewor 
den. Ein süßer Rhythmus schwingt in den 
Linien von Wald und Feld, von Tal und Hü 
gel, schwingt hinüber bis zu der blauen Ferne 
am Horizont, über dem es schwebt wie ein zar 
ter Schleier, den die Natur niederfallen ließ, 
um mit zärtlicher Geste der Fülle einen Ab 
schluß zu geben. 
Und man schreitet durch ein Tal. Da grüßen 
sie alle, die Kinder des Lenzes, das ' kleine 
Veilchen und der vordringende Löwenzahn. 
Man möchte sich niederbeugen und mit zärt 
licher Hand alles berühren, daß man stärker 
den ewigen Pulsschlag der Natur fühlte. Man 
lauscht dem Rauschen des Wassers, das im 
Frühlingsregen anschwoll und über die Steine 
hinwegströmt, aufbraust an ihnen, sich an die 
Ufer stürzt und immer weitereilt. Man lauscht 
dem Ruf des Vogels, der aus irgendeinem 
der Wipfel dringt, durch die der leise Wind 
zieht, man sucht den kleinen Sänger, aber er 
hält sich verborgen hinter dem lichten Blätter 
gewirr. Man schreitet unter der Birke hin, mit 
deren zarten Zweigen der Wind spielt. Und 
das alles fällt in die Seele als Beglückung, daß 
das Herz rascheren, froheren Schlag tut, daß 
das Auge leuchtet im Glanz reiner Freude. 
Ein neuer Mensch geht durch solche Welt. Ein 
Mensch, der neues Hoffen, neue Zuversicht in 
sich trägt, neuen Lebensmut, wenn ihm das 
Schicksal aus der Hand geschlagen hat, was ihm 
lieb. Er sieht die weite blühende Welt vor sich 
und es fällt in ihm das frohe Wissen, daß sie 
unendlich schön ist auch dann, wenn einmal die 
Sonne hinter Wolken tritt, mrd daß das Leben 
so reich und mannigfaltig, so unerschöpflich ist, 
daß es nur eine freudige Bejahung braucht, 
um immer auch die Erneuerung bereitzu 
halten. 
Wußten Sie schon: 
daß die Kastanie ihren Namen von der 
griechischen Stadt Kastana, die im Peloponnes 
gelegen ist, hat? In dieser Gegend wurde der 
schöne Baum zuerst angepflanzt und dann auch 
in andere Länder gebracht. 
* 
daß Rehe und Hirsche nicht durch die Nase, 
sondern auch durch die Augen atmen? Dieses 
geschieht vermittels eines Luftganges, der sich 
unter den Augenlidern befindet. 
* 
daß man in den Krankenhäusern von Ma 
drid die Sitte eingeführt hat, daß die Kran 
kenpflegerinnen den Kranken Geschichten vor 
lesen? Besonders humoristische Geschichten sol 
len einen sehr belebenden und damit heilenden 
Einfluß ausüben. 
* 
daß schon die alten Assyrer eine künstliche 
Bestäubung der Pflanzen kannten? 
Geheimnisse um Seen 
Die Wasser wallen ans «nd nieder 
Von A. T u r a t. 
Sanft und friedlich liegt bei Rheinsberg der 
Stechlin-See. Ein harmloses Wässerchen, wie 
deren Dutzende im „Streusand" Brandenburgs 
zu finden sind. Findet aber irgendwo in der 
Welt und namentlich in Europa ein Erdbeben 
statt, wird der Stechlin-See wild. Sein Wasser 
trübt sich, selbst bei stillster Luft entsteht ein 
heftiger Wellenschlag, und an mehreren Stellen 
bilden sich wirbelnde Strudel, die trichterför 
mig gurgeln und nach unten ziehen. Es läßt 
sich denken, daß aus dieser seltsamen Natur 
erscheinung allerhand Sagen bei den Fischern 
des Sees entstanden sind. 
Donauwasser in den Rhein fließen zu lassen, 
wäre für die Technik gewiß ein ebenso ver 
wickeltes wie kostspieliges Problem. Die Na 
tur löst es mit einem einfachen Trick. Im würt- 
tembergischen Schwarzwaldkreis zwischen den 
badischen Orten Möhringen und Jmmendin- 
gen liegen im Douaubett die sogenannten 
Donaulöcher, bei denen die Donau über einen 
Streifen Kalksteitttuff fließt. Er verschluckt in 
seinen Klüften das Flußwasser bei niederem 
Wasserstande ganz, bei mittlerem größtenteils. 
Das verschluckte Donauwasser tritt zwölf Kilo 
meter südöstlich bei dem Städtchen Aach als 
„Aachtopf" (Aachquelle) wieder an das Tages 
licht. Mit siebentausend Litern in der Sekunde 
bildet es die größte Quelle Europas und rinnt 
als Hegauer Aach bei Radolfzell in den Unter- 
see und von dort in den Rhein, so daß tatsäch 
lich eine unterirdische Verbindung zwischen 
Donau und Rhein besteht. 
Eine Gruppe der Karstseen füllt in bestimm 
ten Zeitabstünöen ihre ziemlich weiten Becken 
aus, um dann ebenso regelmäßig wieder zu 
verschwinden. Die seltsame Erscheinung nimmt 
sich so aus, als ob diese Karstlöcher Wasser aus- 
und einatmeten. Auf ihrem Grunde gedeihen 
herrliche Wiesen, aus denen die Besitzer in der 
wasserlosen Zeit eine reiche Heuernte halten. 
Ein solches Auftreten und Verschwinden von 
Wasser ist auch bei anderen reinen Kalkstein 
gebirgen zu beobachten, aber nirgends in der 
Menge und Regelmäßigkeit wie im Karst. Nicht 
minder seltsam verhalten sich einige Karst 
flüsse, die in ihrem Lauf senkrecht gegen eine 
Felsenwand stoßen, aber vor ihr nicht seitlich 
abbiegen, sondern in die Tiefe versinken, um 
jenseits des Hindernisses wieder aufzutauchen. 
Im Salzkammergut der Alpen liegen im 
kreis- oder eirunden Felsenlöchern klare Seen, 
die der Volksmund wegen ihrer herrlichen 
Farbe „Augen Gottes" nennt. Man erzählt 
sich von ihnen, daß sie in der Mitte bodenlos 
sind und dort jeden in die Tiefe ziehen, der 
hinuntertaucht. Da diese Seen wassergefüllte 
Krater ehemaliger Vulkane sind, hat der 
Volksmund in gewissem Sinne recht, weil 
keine sichtbaren Abflüsse vorhanden sind und 
daher der Ueberschuß an Regen- und Schnee 
schmelzwasser nur durch Boöensickerung ab 
rinnen kann. 
Bodensickerungen erklären wohl auch das 
Rätsel des persischen Urmia-Sees. Er bedeckt 
fast viertausend Quadratkilometer, ist stark 
salzhaltig, nimmt große Wassermengen durch 
Niederschlag und Zuflüsse auf und geht trotz 
dem von Jahr zu Jahr an Umfang zurück. 
Dämonische Sagen knüpfen sich an einige 
bösartige Seen im Gebiet der indischen Insel- 
vulkane. Sie entsenden so starke Giftdümpfe, 
daß die Forscher nur mit Gasmasken heran 
kommen können. Einige enthalten verhältnis 
mäßig viel Radium. Das wird von den einge 
borenen Malayen praktisch ausgenützt, indem 
einem solchen Zug, in welchem eine hochwohl 
löbliche Waggonfabrik einfach den Ort — ein 
Meter im Quadrat — vergesse:: hatte, einzu 
bauen. Selbst in der Polsterklasse nicht. Ta 
saß nur ein Honvcdoffizier imd sagte freund 
lich „Servus". Ich stürzte weiter und hörte 
ihn nur noch brummen: „No, alsdvan nit." 
Das hätte mir auch gerade noch gefehlt, so ein 
kleiner Schwatz. 
Wie es weiterging? Es wurde nicht so tra 
gisch, wie man annehmen könnte. Links und 
rechts vom Bahngleis wächst das hohe Pußla- 
gras — und die Bahn fährt langsam. Der 
Hoppser war nicht gefährlich, und ich fiel weich. 
Drei Stunden bin ich dann längs des Bahn 
gleises gestolpert mit einigen kleinen „Unter 
brechungen". Als der Abend dämmerte, suchte 
ich in einem der 600 Weinkeller meine Kame 
raden. Das war nicht so einfach, denn 
Buda'Oers ist ein beliebter Ausflugsort. 
Jrgeudwo hörte ich den Sang vom „rheinischen 
Mädel und rheinischen Wein". Die rheinischen 
Mädels tanzten gerade einen Czardas und der 
rheinische Wein — es war echter Tokayer, das 
Liter für 12 Filler (6 Pfennige) — schien mei 
nen Kameraden trefflich zu munden. Man hat 
sich noch freundlich nach meinem Stuhlgang er 
kundigt — und die „Czardastäuzerinnen" ha 
ben mich bei dieser höflichen Frage erstaunt 
angesehen. 
Ich esse nie wieder Kirschen vor einer Bahn 
fahrt ohne dieses „Platzerl" — ein Meter im 
Quadrat. 
Der Kmxs auf dm HmWMMid 
Von Arthur von R i h a. 
Draußen tobte ein Sturm, der für den Hum 
mernfang ungünstig war. Aber Hinrich fuhr 
trotzdem schon vor dem Morgengrauen in seine 
tranigen Seestiefel, um nach dem Hummern 
grund auszufahren. 
Er war nach einer besonderen Beute aus. 
Seine Ausfahrt galt dem unbekannten Raub 
fischer, der heimlich die Fangkörbe entleerte, 
bevor morgens die rechtmäßigen Eigentümer 
auf den Hummerngrund kamen. 
Der Dieb arbeitete so umsichtig, daß man 
sein Frevelwerk nur an dem Verschwinden 
der verwesenden Heringsstücke erkannte, die 
man als Köder für die Hummern in die Fang- 
korbe gelegt hatte. Da kein Hummer allein aus 
dem Neusenkorb herauskommen konnte, so 
bald er einmal — vom Köder angelockt — hin 
eingekrochen war, mußte jemand die Panzer 
ritter herausgeholt haben, nachdem sie die 
Lockbissen aufgefressen hatten. 
Das war klar. 
Nur den Dieb hatte noch niemand abgefaßt. 
Das wollte Hinrich heute gerade an dem 
stürmischen Frühmorgen besorgen, an dem der 
Hummernräuber keine Störung zu befürchten 
brauchte. 
Der Hummerngrund lag — einige Seemeilen 
vom Dorf entfernt — in der Sichtdeckung eines 
felsigen Vorgebirges. Hinrich näherte sich dem 
Kap durch Quirlen mit dem langen Notruöer, 
um sich nicht beim Gebrauch seines Heck 
motors durch dessen Lärm zu verraten. 
Deshalb trass er so überraschend aus dem 
sie mit dem Uferschlamm ihre Hüttenwände 
bewerfen und dadurch alles Ungeziefer abtöten. 
Zweimal jährlich, bei den beiden Tag- und 
Nachtgleichen, erscheint in der Seine beim 
Oertchen Caudebec (fünfundvierzig Kilometer 
vom Mündungshafen Havre entfernt) eine 
mächtige stromaufrollende Flutwelle (Masca 
ret genannt). Sie besteht aus mehreren auf 
einanderfolgenden Wogen in zunehmender 
Höhe und ist eine Anstauung der eindringen 
den Meeresflut, die sich mit dem entgegen- 
fließcnden Wasser der Seine begegnet. Im 
Kleinen ist diese Erscheinung fast täglich zu 
sehen, aber bei den Springfluten der Tag- und 
Nachtgleichen erreicht der Mascaret bis sechs 
Meter Höhe und stürmt mit der Geschwindig 
keit eines galloppierenden Pferdes stromauf. 
Schon von fern sieht man die quer zwischen 
beiden Ufern gespannte Wasserwoge mit 
öumpfdrohendem Grollen Heranrollen und mit 
ihren schaumspritzenden Wellen über die 
Uferhinöernisse sprühen. Auf den seichten Was 
serstellen brandet der Mascaret besonders hef 
tig, weshalb der Schiffer ihm besser im tiefsten 
Wasser begegnet, wenn er sich nicht hinter eine 
schützende Flußkehre oder stromauf davon- 
flüchten will. 
In das vereinigte Riesendelta des Ganges 
und Brahmaputra mündet ganz rechts der 
Hugli, durch den man nach Kalkutta gelangt. 
Auch hier gibt es eine gewaltige Flutwoge, die 
man Bora nennt. Sie kommt flußaufwärts 
als ein breiter, schwarzer, weißverbrämter 
Wall, der von einem Ufer zum andern reicht- 
Schon von weitem kündet sich die Bora durch 
ihr grollendes Rollen an, dem taktweise immer 
ein Aufklatschen des Wassers auf die Ufer 
bänke folgt. Auf den geraden Strecken be 
kommt sie eine solche Geschwindigkeit, daß 
man ihr mit keinem Ruder- oder Segelboot 
entrinnen kann. Kerzengerade steigt der 
Nachen an ihr auf, bevor er sich überschlägt- 
Die Bootsinsassen könne nnur durch ein Wun 
der gerettet werden. Denn der Hugli wimmelt 
von Krokodilen und Haien, die aus dem ben 
galischen Golf im Kielwasser der Seeschiffe her 
einkommen. Da läßt es sich begreifen, daß die 
Bora bei den kleinen Huglischiffern gefürchte 
ter ist als die Pest. 
AĶseLêr Mrs sker Wsîè 
Das höchste Hotel der Welt. 
Die Sowjetrussen hat der Ehrgeiz gepackt, 
das höchste Hotel der Welt zu besitzen. Im 
nächsten Jahre werden sie nur wenige hundert 
Meter unter dem Gipfel des Elbrus, des höch 
sten Berges im Kaukasus, 6629 Meter, eine 
Gaststätte errichten, die eine völlig neue 
„aerodynamische" Form erhalten wird, um den 
Stürmen besser Widerstand leisten zu können. 
Sie wird an ein Luftschiff erinnern. Das Hotel 
soll 200 Personen beherbergen können. Schon 
jetzt hat man mit dem Transport der Bau 
materialien begonnen, der sich natürlich bis in 
diese Höhe außerordentlich schwierig und lang 
wierig gestaltet. 
Kind oder Wattebausch. 
In manchen Gegenden Chinas ist es üb 
lich, vor allem natürlich im Winter, mehrere 
dicke wattierte Kleider übereinander zu tra 
gen. Auch Kinder bleiben von einer solchen 
Verpackung nicht verschont, in der sie wie 
kleine Ungeheuer wirken, und Tatsache ist es, 
daß so bekleidete Kinder, wenn sie hingefallen 
sind, nicht in der Lage sind sich wieder zu er 
heben und wie ein Stück Unglück liegen blei 
ben, bis sich jemand ihrer erbarmt. 
Frankreichs seltsamste Eiche. 
Die Sehenswürdigkeit des herrlichen Wal 
des von Chizd im Gebiet der Charanto ist ne 
ben einer Rieseneiche, dem „Kaiser", eine 
Gruppe von Bäumen ,die in Frankreich ein 
zigartig ist. Diese „Sieben Eichen" sind aus 
einer einzigen Wurzel gewachsen, 18 Meter 
hoch und messen 60 Zentimeter im Durchmes 
ser. 
Der Papagei als Raubvogel. 
Die Papageien Neuseelands haben eine selt 
same Wandlung ihrer Lebensweise erfahren. 
Wie alle Papageien, so war auch der in Neu 
seeland vorkommende Kea ursprünglich ein 
pflanzenfressender Vogel, bis zu dem Augen 
blick, da die Schafzucht Neuseelands einen so 
ungeahnten Aufschwung genommen hatte. Aus 
dem einst harmlosen im Gebirge hausenden Pa 
pagei wurde ein ungemein gefährlicher Raub 
vogel, der nunmehr bis zur Ebene herabsteigt 
und in schnellem Fluge auf ein von ihm aus- 
Hummerngrunde ein, daß er den Dieb in voll 
ster Tätigkeit erwischte. 
Da gab Hinrich sofort Vollgas und steuerte 
auf den Räuber los. 
Doch auch der Dieb ließ sogleich seinen 
Bootsmotor anspringen, — nicht um zu flüch 
ten, sondern um Hinrich durch einen entschlos 
senen Angriff zu begegnen. 
Während die beiden Boote gegeneinander 
rasten, griffen beide Männer zu der Waffe, 
die in ihrem Lebenskreise bei Zweikämpfen 
üblich war. 
Jeder stemmte sein langes Notruder wie eine 
eingelegte Turnierlanze gegen seine Sitzbank, 
um mit der Unterkante des Ruderblattes den 
anfahrenden Gegner an der Brust zu treffen 
und so über Bord zu werfen. 
Um dabei die Hände für das Richten des 
Stoßruders freizubehalten, wickelte jeder die 
beiden Handleinen seines Bootssteuers um die 
Fußgelenke. 
Es war bei diesen Ruderkämpfen eine streng 
verpflichtende, uralte Ehrenregel, daß man nur 
nach der Brust des Gegners stieß, um ihn nicht 
schwer oder gar tödlich zu verletzen. Denn die 
breiten Brustkästen der Wassermenschen konn 
ten schon einen tüchtigen Puff vertragen, — 
zumal, wenn es geübte Kämpen waren, die 
den Rammstoß durch das Abbiegen ihres Kör 
pers abzuschwächen verstanden, wenn sie ihm 
nicht mehr ganz ausweichen konnten. 
Aber im letzten Augenblick erkannte Hinrich, 
daß der Hummernräuber tückisch nach seinem 
Kopf zielte. Nur durch schnelles Ducken entging 
Hinrich dem mörderischen Anschlage. Das ver 
riß seinen eigenen Stoß, der sonst unfehlbar 
die Brust des Schurken getrogen hätte, 
gesuchtes Schaf herniederfällt. Mit seinem 
scharfen Schnabel reißt er aus dem Schafkörper 
große Stücke Fleisch heraus, und ehe sich die 
Hirten versehen, ist das verhaßte Tier wieder 
verschwunden. Die Papageien Neuseelands 
sind eines der seltsamen Beispiel, wie in kür 
zester Zeit eine Tierart ihre Lebensweise 
grundlegend verändert. 
Die verschleierten Männer. 
Bei den Hoggars, einer Unterfamilie des 
berühmten Berberstammes der Tuaregs, dür 
fen sich die jungen Männer den Frauen nur 
verschleiert zeigen, während es für die Frauen 
ein Schleiergebot nicht gibt. Sofern die Frauen 
Schleier tragen, so tun sie es nicht, um einer 
Sitte zu genügen, sondern nur aus dem 
Grunde, um die zarte Haut vor den sengen 
den Sonnenstrahlen zu schützen. 
Washington wußte Bescheid! 
Von George Washington, dem großen Natio 
nalhelden der Vereinigten Staaten, erzählte 
man sich eine Anekdote, die gut in die Gegen 
wart hineinpaßt. Eines Tages wurde im Kon 
greß über die Aufstellung eines Bunöesheeres 
lang und breit verhandelt. Ein Abgeordneter 
stellte endlich den Antrag, man möge be 
schließen, daß die Bundesarmee nie mehr als 
3000 Mann stark sein dürfe. Da erhob sich 
General Washington und stellte mit todernster 
Miene den Gegenantrag, das hohe Haus möge 
beschließen, folgende Botschaft allen Ländern 
der Erde feierlich kundzutun: „Keine feindliche 
Armee über 2000 Mann darf jemals den ame 
rikanischen Boden betreten." Donnernder Bei 
fall belohnte diese Schlagfertigkeit. 
Alles schon dagewesen! 
Ein alter Herr kam nach Heidelberg. Er be 
suchte die Wirtin, bei der er vor zwanzig 
Jahren gewohnt hatte. Sie zeigte ihm gern die 
alten Räume. Der alte Herr wurde sentimen 
tal: „Dasselbe alte Zimmer — dieselben alten 
Möbel — derselbe alte Blick auf die alten 
Dächer von Heidelberg —". 
Ein junges Mädchen trat ins Zimmer. Hin 
ter ihr ein Student. „Es ist meine Kusine", 
sagte er verlegen. Der alte Herr lächelte ver 
sonnen: „Derselbe alte Schwindel!" 
Ergebnislos schossen die beiden Gegner an 
einander vorbei. 
Beide wendeten sofort, um erneut aufeinan 
der loszugchen. 
Der Hummernräuber zielte wieder nach 
Hinrichs Kopf. Aber diesmal war Hinrich vor 
bereitet. Er ließ plötzlich sein Stoßruder fal 
len und packte seinen Bootshaken, mit dem er 
nach dem Brustlatz des Gegners langte. 
Der Haken faßte und saß. Und Hinrich riß 
daran den Raubfischer aus seinem Boot her 
aus, während die beiden Boote mit Vollgas 
aneinander vorübersausten. 
Der Wilderer fiel kopfüber in die See, wobei 
er mit den Füßen an seinen Steuerleinen hän 
gen blieb. 
In dieser wenig erfreulichen Stellung wurde 
er von seinem weiterschießenöen Boot mit ein 
getauchtem Oberleib mitgeschleift. Da hatte er 
beide Hände voll zu tun, um sich durch Klimvr- 
züge an seinem Hosenriemen mit dem Gesicht 
über Wasser zu halten. 
Während er so gegen das Absaufen verzwei 
felt ankämpfte, legte Hinrich in voller Fahrt 
an seinem Boote an. 
Damit war das Schicksal des Wildfischers 
entschieden. 
Hinrich machte die beiden Boote aneinander 
fest und stellte ihre Heckmotoren ab. 
Nun zog er den besiegten Gegner an Bors 
und fesselte ihn gründlich, bevor er all dw- 
unfreiwillig geschluckte Wasser ausgespuckt 
hatte und wieder zu Atem kam. 
Das weitere erledigte dann die Hafenpolizei, 
die Hinrichs Gefangenen mit offenen Armen 
empling.
	        
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