Der Aufbau von Addis Abeba
Truppenansammlnngen im Weste«
Abessiniens
großzügigen Plan für die Straßenbauten in
Abessinien phantastisch zu nennen. Bei aller
in diesen sieben Monaten erst wieder neu be
wiesenen Meisterschaft des Italieners im
Straßenbau stellt der Plan der 2800 Klm.,
ja im Endeffekt sogar fast 4000 Klm.,'unter
afrikanischen Verhältnissen ein ungeheuerli
ches Unternehmen dar, das bisher noch keinen
auch nur annähernd vergleichbaren Vorgang
in irgendwelchen anderen Kolonialgebieten
der Welt hat. Unsere kürzlich gemachten Aus
führungen über die vordringliche Notwendig
keit der Erschließung Abessiniens ist inzwischen
nicht nur durch die Zuspitzung des englisch-
italienischen Verhältnisses, sondern auch durch
die zunehmende Unruhe im abessinischen We
sten durch die Neubildung kriegerischer Ban
den, Ueberfälle auf italienische Trupps und
dergl. mehr bestätigt worden. Das von Ita
lien geplante Straßennetz ist also auch bei
einem Fortdauern der nach englischem Muster
eingerichteten ständigen Luftkontrolle eine
unerläßliche Vorbedingung für die militärische
Beherrschung des Landes, d. h. für die Mög
lichkeit beliebiger Truppen-Schnelltransporte
nach allen Gegenden. Erst nach völliger Durch
setzung der italienischen Herrschaft kann die
wirtschaftliche Erschließung in großem Maß
stab auch in entlegeneren Gebieten folgen.
Die Straßen werden dann freilich nicht nur
dem innerabesstnischen Wirtschaftsleben die
nen, sondern werden — wenigstens zwei
Hauptlinien — zu einer zunehmend schweren
Konkurrenz für die bekanntlich stets unren
tabel gewesene einzige Eisenbahn und auch
für den Haupteinfuhrhafen Djibouti werden,
die beide in französischer Hand sind. Die ita
lienischen Bestrebungen gehen darauf aus,
den kleinen Hafen Assab in Eritrea zum
Hauptein- und -ausfuhrhafen zu machen, um
von Djibouti unabhängig zu sein. Man er
innert sich in diesem Zusammenhang der
wiederholten englischen Angebote an Abessi
nien für einen Korridor nach Zeila in
Britisch-Somalilaud, was die Italiener da
mals begreiflicherweise sehr verschnupfte.
Eröffnung der Reîchsantobahnstretke Köln-Düffeldorf
Schönheit und Technik / Straßen des Volkes
Addis Abeba. Marschall Graziani wird die
Vertretung des Vizekönigs Badoglio, der sich
auf Urlaub nach Italien begibt, mit dem Titel
eines Regenten übernehmen. Er hatte am
Mittwoch eine längere Unterredung mit dem
Bizekönig.
*
Am Donnerstag besetzten die Italiener die
Hauptstadt der Provinz Godscham. Debra
Marcos.
*
Zurückziehung
britischer und französischer Truppen.
Die italienische Regierung hat nach Mittei
lungen von unterrichteter Seite die britische
Regierung mündlich um die Zurückziehung
der im vergangenen Herbst zum Schutze der
britischen Staatsangehörigen nach Addis
Abeba beorderten britischen Truppen ersucht.
Ein gleiches Ersuchen ist an die französische
Regierung gerichtet worden, die seinerzeit
zum Schutze der Eisenbahnanlagen Militär
nach Diredaua gesandt hatte.
*
Inzwischen haben die Italiener die Aufbau
arbeit der Stadt in Angriff genommen, die
jedoch dadurch verzögert wird, daß nach be-
bcstimmten, bereits vorliegenden Plänen ver
fahren werden soll, die aber erst von Rom
genehmigt werden müssen.
Selbstverständlich stehen die Einwohner
noch immer unter den Einwirkungen der ver
gangenen tragischen Tage des Aufruhrs und
der Plünderung, so daß Gerüchte, die, wie von
italienischer Seite erklärt wird, aus nicht ganz
uninteressierter Quelle zu stammen scheinen,
lebhaft erörtert werden. Diese Gerüchte spre
chen von Schwierigkeiten, die den Italienern
von einigen Häuptlingen im Landesinnern
bereitet werden könnten. Auch will man von
starken abessinischen Trnppenzusammcnzie-
hnngeu in den westlichen Provinzen wissen,
die im geeigneten Augenblick gegen die Haupt
stadt marschieren würden und deren Vorpo
sten vielleicht schon in der Nähe von Addis
Abeba ständen. Im Zusammenhang mit dem
Vorgehen der Italiener gegen solche Gerüchte-
verbrciter wurden am Mittwoch einige Euro
päer verhaftet.
In maßgebenden italienischen Kreisen ist
niemals bestritten worden, daß mit der Be
setzung der Hauptstadt die Arbeit noch keines
wegs abgeschlossen sei und der schwierigere
Teil der kolonialen Aufgabe erst jetzt beginne.
Man sei sich durchaus darüber im klaren,
daß die Durchdringung des Landes hier und
da Kleinkriegsmethoden aufflackern lassen
könnten, umsomehr als im einstigen Reich
des Negus Stämme und Häuptlinge lebten,
die niemals irgendeine Oberhoheit anerkannt
hätten. Jtalienischerseits sei man jedoch kei
neswegs gewillt, etwaige Strafexpeditionen
oder Truppenverschiebungen dahin auslegen
zu lassen, daß die Besetzung Addis Abebas
eine übereilte Maßnahme gewesen sei, die jetzt
Sicherungen gegen Ueberraschungen erfordere.
Die Flieger, die täglich Streifen in die
nähere und weitere Umgebung von Addis
Abeba unternehmen, versichern, von angebli
chen abessinischen Trnppenansammlungen
nichts festgestellt haben zu können.
Für die Kaiserkrönung in Rom
trifft man dort bereits die ersten Vorberei
tungen, nachdem Verhandlungen zwischen Re
gierung und Vatikan zu einem für beide trag
baren Ergebnis geführt haben. Der Papst be
fand sich gegenüber dem italienischen Ansuchen
insofern in einer schwierigen Lage, als er an
gesichts der unvermindert gespannten Lage in
dem Ostafrikakonflikt nicht gut dadurch Partei
ergreifen kann, daß er persönlich die Krönung
vollzieht. Man ist daher auf den Ausweg ver
fallen, daß der Vertreter des Papstes in sei
ner Eigenschaft als Bischof von Rom die Krö
nung vornehmen wird.
Diese soll in der Hofkirchc des italienischen
Königshauses stattfinden. Der König von Ita
lien wird dabei jedoch nicht die Kaiserkrone
des Negus, sondern eine alte abessinische
Krone tragen, die man in der Krönungsstaüt
Aksum, dem abessinischen Nationalheiligtum,
gefunden hat. Der König wird übrigens nach
den bisherigen Plänen der Krönungsfeier den
Titel eines „Kaisers von Aethiopien" anneh
men, da man die alte Landesbezeichnung wie
der anzuwenden wünscht. Er wird in seiner
neuen Eigenschaft zugleich Schutzherr der abes
sinischen Christenheit werden, die bekanntlich
nicht römisch-katholisch, sondern koptisch ist und
bisher stets einem jeweils aus der koptischen
Geistlichkeit Aegyptens gewählten Patriarchen
unterstand. Nach Meldungen aus Rom trägt
sich die Kurie mit großen Missionierungsplä
nen für Abessinien. Das Pariser „Oeuvre" be
hauptet sogar, 3000 römisch-katholische Missi
onare würden die Erlaubnis zur Einreise nach
Abessinien erhalten.
Militär- u. Wirtschaftsstratzen
Hätte man nicht eben erst die imponierende
Manier der Durchführung des afrikanischen
Feldzuges erlebt, man wäre versuch^ den
DNB. Köln, 21. Mai. Die erste, 24 Km.
lange Teilstrecke der Reichsautobahn Köln-
Industriegebiet wurde am Himmelfahrtstag
durch Reichsminister Dr. Goebbels feierlich er
öffnet. Die Teilnahme führender Persönlich
keiten aus dem In- und Auslande unter
strich die Bedeutung des Tages.
Das große Interesse, das unsere nordwest
lichen Nachbarländer Holland und Belgien
dem vorbildlichen Werk des Führers entge
genbringen, beweist die Anwesenheit des nie
derländischen Verkehrsministers, des Präsi
denten des königlich-niederländischen Auto
mobilklubs und des Präsidenten des Touring-
Clubs von Belgien, die mit einer großen
Schar hervorragender und einflußreicher
Persönlichkeiten ihrer Länder gekommen wa
ren. Allein 130 niederländische Wagen und au
ßerdem rund 60 belgische Wagen waren der
Einladung des DDAC. gefolgt. Es bedarf
kaum eines besonderen Hinweises darauf, daß
auch aus dem Inland eine Vielzahl von Eh
rengästen zu den Einweihungsfeierlichkeiten
erschienen war. Sämtliche Parteidienststellen,
von der Gauleitung angefangen bis zur HI.,
alle Behörden, von der Spitze der Provinz
bis zur Kommunalverwaltung, Reichs- und
Staatsbehörden, Wehrmacht, Wirtschaft und
Verkehr waren vertreten. Zusammen mit den
Wagen- und Motorradkolonnen des NSKK.,
des DDAC. und zahlreicher Privatfahrer, den
Lastwagen der obersten Bauleitung Köln für
i'ie 2000 am Vau der Strecke beteiligten Ar
beiter und schließlich dem Reichsautozug
„Deutschland", bestehend aus 36 Wagen, moch
ten es an die 800 Fahrzeuge sein, die der Be
sonderheit dieser Feierstunde ihre besondere
Note gaben.
Von 9 Uhr ab strebten ununterbrochen Ko
lonnen von Fahrzeugen und Formationen der
Eröffnungsstätte zu, die bald einem bunten
Heerlager glich. Reichsminister Dr. Goebbels
ging in seiner Ansprache davon aus, daß die
ses gewaltige Werk der Reichsautobahnen
dem Kopf des Führers entsprungen sei. Da
mals, als er diese Idee zum ersten Mal vor
dre Oeffentlichkeit brachte, sei er allenthalben
Zweifeln und Mißverständnissen begegnet. Die
Durchführung sei auch nur möglich gewesen,
indem ein Mann damit betraut worden sei,
der in diesem Werk sein Lebenswerk sehe. Die
Reichsautobahnen stellten eine wunderbare
Synthese von Schönheit und Technik dar. sie
seien Ausdruck jener „stählernen Romantik",
die unser Zeitalter durchziehe. Viele hätten
noch gelächelt, als der Führer in Frankfurt
a. M. den ersten Spatenstich tat.
„Heute", so rief der Minister aus ,„muß je
ner Haufen Erde dort mit einem Gitter um
geben werden, weil die Arbeiter sie als ein
Heiligtum mit nach Hause nehmen wollten.
Diese Arbeiter an. den Autobahnen mußten
gewiß auf vieles verzichten, was das Leben
angenehm macht, aber sie hatten dafür die Ge
wißheit, an einem Werk mitzuarbeiten, das
Jahrtausende überdauern wird." Mit bissigem
Humor stellte der Minister dar, wie die Dinge
abgelaufen wären, wenn man dieses Projekt
etwa einem Parlament vorgelegt hätte. Die
Schaffung eines Volkswagens, den sich auch
der deutsche Arbeiter leisten könne, werde die
Autostraßen bald zu Straßen des Volkes ma
chen. Völker könnten sich durch ihre Taten ver
ewigen. Sie können sich auch in Stein ver
ewigen, der in Jahrtausenden noch von ihnen
zeuge. Die Aegypter hätten mit Schweiß und
Mühen die Pyramiden gebaut, die heute noch
für sie zeugen. „Wir bauen auch für die Jahr
tausende. Aber wir bauen nicht Gräber für die
Toten, sondern Straßen für die Lebenden."
Der Minister weihte hierauf die Straße u-.id
schloß mit einem Gruß und Dank an den
Führer. Dann begab sich Dr. Goebbels mit
seiner Begleitung zum Wagen und durchfuhr
als erster das Absperrband, womit die Auto
bahn eröffnet und dem allgemeinen Verkehr
übergeben war, und nun schloß sich die schier
endlose Kolonne der Wagen an, die dem
Reichsminister auf der ersten Fahrt über die
neue Bahn folgt. Als die Wagenparade vorbei
war, fuhr der Minister mit seiner Begleitung
und den 2000 Arbeitern nach Düsseldorf, um
sie in den Räumen des Zoo mit einem gemein
samen Mittagessen zu bewirten. Nach der
Mahlzeit, die der Minister inmitten der Ar
beiter einnahm, fuhr er nach Köln zurück, wo
er am Abend an der Eröffnung des Hauses
der Rheinischen Heimat teilnehmen wird.
«»snlderg im iroWhrigen Serssrltz.
DNV. Bad Hersfeld, 21. Mai. In dem
1200 Jahre alten Hersfeld wurde am Don-
uerstagnachmittag, nachdem eine Morgenfeier
in der alten Stiftsruine den festlichen Tag
der Einweihung der in sieben Monaten er
bauten Kulturhalle eröffnet hatte, eine große
Kundgebung abgehalten.
Reichsleiter Rosenberg hielt eine große kul
turpolitische Rede, in der er u. a. ausführte:
Mehr als je ist man heute im deutschen
Volke bemüht, die Schätze der Vergangenheit
zu heben. Jedesmal, wenn ein Volk inmitten
eines großen Schicksals stand, haben sich die
Menschen nie damit begnügt nur in der Gegen
wart zu leben, sondern sie haben auch zurück
geschaut, um die Vergangenheit noch einmal
zu erleben. Große Schöpfungen der Kunst sind
niemals die Ergebnisse eines geruhsamen und
satten Zeitalters gewesen, wie es die Zeit des
Liberalismus war, sondern sind immer unter
Blitz und Donner in der Weltgeschichte ge
boren worden. Es waren keine Barbaren.
die in früherer Zeit die großen Bauten in
Hersfeld, Quedlinburg und vielen anderen
Stätten Deutschlands schufen. Die germanische
Kraft, die damals durch Europa flutete, ge
staltete eine Welt auf tausend Jahre. Es er
standen aus dieser germanischen Schöpferkraft
die Dome Europas, die noch heute Wallfahrts
orte für jene sind, die groß zu denken ver
stehen. Ein gewaltiger Forschergeist hat damals
ein neues Weltbild geformt. Heute sehen wir
als Erfüllung eines jahrhundertelangen
Menschheitstraumes ein Luftschiff von Kon
tinent zu Kontinent fahren.
Um 18.30 Uhr fand dann die feierliche Ein
weihung der Kulturhalle durch Reichsleitec
Rosenberg bei vollbesetztem Hause statt. Nach
der kurzen Ansprache des Reichsleiters und
dem Gesang der deutschen Lieder begann die
Aufführung der Oper „Iphigenie aus Tauris"
durch das Kasseler Staatstheater und schließlich
der Vortrag des Wildenbruch'schen Hexenliedes
in der Stiftsruine.
ZN W§N?g§N Zeilen
Deutsch - britisches Frontkämpfertreffeu in
Buenos Aires. Am Dienstag fand in den
Räumen des Deutschen Klubs das erste
deutsch-britische Frontkämpfertreffen in Bue
nos Aires statt, zu dem sich über 300 Teilneh
mer eingefunöen hatten.
Opfer der Mordkommnne in Spanien. In
der letzten Nacht wurde wieder eine Reihe
von Anschlägen verübt, denen in Zamora ein
junger Faschist zum Opfer fiel. Dieser erhielt,
als er in Begleitung eines Kameraden durch
eine schlecht beleuchtete Straße ging, einen
Schuß in den Rücken, der ihn auf der Stelle
tötete.
Schwerin. Am Vorabend des Himmelfahrts
tages wurden die sterblichen Ueberreste des
Lanöesgruppenleiters der Schweiz, Wilhelm
Gustloff, in Anwesenheit des Reichsstatthalters
Hildebrandt und des Gauleiters Bohle zur
letzten Ruhestätte in den Ehrenhain im Schloß
garten übergeführt.
*
Wien. Der österreichische Ministerrat beschloß
am Mittwoch ein Bundesgesetz über die zu
künftige Organisation der Vaterländischen
Front.
König Leopold von Belgien traf zu einem
inoffiziellen Besuch in London ein.
London. Kolonialminister Thomas erschien
am Mittwoch ganz unerwartet vor dem Aus
schuß zur Untersuchung des Versicherungs
skandals. Er erklärte dabei, daß er die verschie
denen am Dienstag vernommenen Zeugen
nicht kenne.
*
Große Ueberschwenrmungen auf Portorico.
DNB. San Juan, 22. Mai. (Eig. Funkmlüg.)
Lang anhaltende Regengüsse, die einer gewalti
gen Dürre folgten, verursachten in verschiede
nen Teilen der Insel verheerende Ueber-
schwemmungen. 25 Menschen sind in den Flu
ten umgekommen. Besonders groß ist der Scha
den in den Ortschaften Las Peöras, San Lo
renzo und Humacao.
Welttreffen ehemaliger Heidelberger
Studenten.
Anläßlich der 350-Jahrfeier der Universität
Heidelberg in den Tagen vom 27. bis 30. Juni
4936 veranstaltet die Heidelberger Stundenten
schaft am Montag, dem 29. Juni, in der
Stadthalle ein Welttreffen ehemaliger Heidel
berger Studenten.
Semitischer ANtffe«MSNMS
Die Vorgänge in Palästina mit dem ener
gischen Aufbäumen der arabischen Bevölke
rung gegen die weitere jüdische Einwanderung
stehen durchaus im Zeichen eines Rassekamp
fes. Auch dort werden die Juden als fremde
Rasse empfunden und abgelehnt, und diese
Zuspitzung bekommt eine besondere Note da
durch, daß nach der sprachwissenschaftlichen
Klassifizierung die Araber ebenfalls der semiti
schen Rasse angehören, daß es sich hier um ei
nen semitischen Antisemitismus handelt.
Indessen liegt der scheinbare Widerspruch
nur in einer falschen Wortbildung begründet.
Das Wort Antisemitismus ist nachweislich
erst im Jahre 1879 in den Sprachschatz der
Völker aufgenommmen worden, während die
Ablehnung der Juden so alt ist, wie diese ver
sucht haben, sich außerhalb eines geschlossenen
Volkstums parasitisch und möglichst mühelos
innerhalb anderer Wirtsvölker zu bereichern
und sich schließlich als Verwalter des Kultur
gutes dieser fremden Völker und sogar als
deren herrschende Schicht aufzudrängen. Schon
rm Alten Testament finden wir die zahlrei
chen Zeugnisse für diese Judengegnerschaft der
aufbauenden Kulturvölker, die der Aegypter,
der Babylonier und der Perser. Die' alten
Griechen und namentlich die Römer der Kai
serzeit hatten die jüdische Gefahr schon klar er
kannt und litten schwer unter ihr, und schließ
lich sind die anderen eigentlichen semitischen
Völker trotz der sprachlichen und gewissen blut
mäßigen Verwandtschaft stets schnell zu Ab
wehrmaßregeln gegen die Ueberheblichkeit des
Judentums gedrängt worden, wenn sie mit
diesem in nähere Berührung kamen.
Besonders lehrreich sind die Vorgänge in
Palästina selbst. In Palästina sitzen länger,
als die dorthin durch die zionistischen Organi
sationen verpflanzten Juden einzuwandern
begannen, zahlreiche deutsche Siedler, ganz
überwiegend Schwaben, die sich als Bauern
und namentlich als Winzer betätigen. Gegen
deren Arbeit haben die arabischen Bauern nie
etwas einzuwenden gehabt und das nachbar
liche Verhältnis ist auch seit der Massenzu
wanderung der Juden ungetrübt geblieben,
ein Beweis für die Richtigkeit der Feststel
lung des deutschen Reichsbauernführers, daß
arbeitende Bauern sich immer gegenseitig ver
stehen und die besten Garanten des Völker-
frieöens sind. Die Mißstimmung gegen die
Juden begann und steigerte sich zu den jetzt
gemeldeten Zusammenstößen, als die aus
Westeuropa einwandernden Juden sich als
reine Kapitalisten betätigten und die arabische
Bauernbevölkerung zu entwurzelten Lohn
arbeitern hinabdrückten, um aus deren Arbeit
ein bequemes Rentnerdasein führen zu kön
nen, wie sie das aus Westeuropa gewöhnt wa
ren. Von diesem Zeitpunkt an erfüllte sich der
alte Fluch, der auf den Juden als einer Aus
beuternation ruht, und als solche werden sie
auch von den Semiten, die kulturschöpferisch
und bauernfähig veranlagt sind, als fremde,
abzulehnende und unerträgliche Rasse emp
funden. Der scheinbare Widerspruch eines se
mitischen Antisemitismus löst sich damit leicht,
und wir Deutschen haben dafür volles Ver
ständnis. Denn es ist uns nie eingefallen, die
hohen Kulturleistungen, die sich in der alten
arabischen Wissenschaft verkörpern oder die von
den Mauren in Spanien und Noröasrika vä
bracht worden sind, zu verkleinern, ' i,