Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Der Aufbau von Addis Abeba 
Truppenansammlnngen im Weste« 
Abessiniens 
großzügigen Plan für die Straßenbauten in 
Abessinien phantastisch zu nennen. Bei aller 
in diesen sieben Monaten erst wieder neu be 
wiesenen Meisterschaft des Italieners im 
Straßenbau stellt der Plan der 2800 Klm., 
ja im Endeffekt sogar fast 4000 Klm.,'unter 
afrikanischen Verhältnissen ein ungeheuerli 
ches Unternehmen dar, das bisher noch keinen 
auch nur annähernd vergleichbaren Vorgang 
in irgendwelchen anderen Kolonialgebieten 
der Welt hat. Unsere kürzlich gemachten Aus 
führungen über die vordringliche Notwendig 
keit der Erschließung Abessiniens ist inzwischen 
nicht nur durch die Zuspitzung des englisch- 
italienischen Verhältnisses, sondern auch durch 
die zunehmende Unruhe im abessinischen We 
sten durch die Neubildung kriegerischer Ban 
den, Ueberfälle auf italienische Trupps und 
dergl. mehr bestätigt worden. Das von Ita 
lien geplante Straßennetz ist also auch bei 
einem Fortdauern der nach englischem Muster 
eingerichteten ständigen Luftkontrolle eine 
unerläßliche Vorbedingung für die militärische 
Beherrschung des Landes, d. h. für die Mög 
lichkeit beliebiger Truppen-Schnelltransporte 
nach allen Gegenden. Erst nach völliger Durch 
setzung der italienischen Herrschaft kann die 
wirtschaftliche Erschließung in großem Maß 
stab auch in entlegeneren Gebieten folgen. 
Die Straßen werden dann freilich nicht nur 
dem innerabesstnischen Wirtschaftsleben die 
nen, sondern werden — wenigstens zwei 
Hauptlinien — zu einer zunehmend schweren 
Konkurrenz für die bekanntlich stets unren 
tabel gewesene einzige Eisenbahn und auch 
für den Haupteinfuhrhafen Djibouti werden, 
die beide in französischer Hand sind. Die ita 
lienischen Bestrebungen gehen darauf aus, 
den kleinen Hafen Assab in Eritrea zum 
Hauptein- und -ausfuhrhafen zu machen, um 
von Djibouti unabhängig zu sein. Man er 
innert sich in diesem Zusammenhang der 
wiederholten englischen Angebote an Abessi 
nien für einen Korridor nach Zeila in 
Britisch-Somalilaud, was die Italiener da 
mals begreiflicherweise sehr verschnupfte. 
Eröffnung der Reîchsantobahnstretke Köln-Düffeldorf 
Schönheit und Technik / Straßen des Volkes 
Addis Abeba. Marschall Graziani wird die 
Vertretung des Vizekönigs Badoglio, der sich 
auf Urlaub nach Italien begibt, mit dem Titel 
eines Regenten übernehmen. Er hatte am 
Mittwoch eine längere Unterredung mit dem 
Bizekönig. 
* 
Am Donnerstag besetzten die Italiener die 
Hauptstadt der Provinz Godscham. Debra 
Marcos. 
* 
Zurückziehung 
britischer und französischer Truppen. 
Die italienische Regierung hat nach Mittei 
lungen von unterrichteter Seite die britische 
Regierung mündlich um die Zurückziehung 
der im vergangenen Herbst zum Schutze der 
britischen Staatsangehörigen nach Addis 
Abeba beorderten britischen Truppen ersucht. 
Ein gleiches Ersuchen ist an die französische 
Regierung gerichtet worden, die seinerzeit 
zum Schutze der Eisenbahnanlagen Militär 
nach Diredaua gesandt hatte. 
* 
Inzwischen haben die Italiener die Aufbau 
arbeit der Stadt in Angriff genommen, die 
jedoch dadurch verzögert wird, daß nach be- 
bcstimmten, bereits vorliegenden Plänen ver 
fahren werden soll, die aber erst von Rom 
genehmigt werden müssen. 
Selbstverständlich stehen die Einwohner 
noch immer unter den Einwirkungen der ver 
gangenen tragischen Tage des Aufruhrs und 
der Plünderung, so daß Gerüchte, die, wie von 
italienischer Seite erklärt wird, aus nicht ganz 
uninteressierter Quelle zu stammen scheinen, 
lebhaft erörtert werden. Diese Gerüchte spre 
chen von Schwierigkeiten, die den Italienern 
von einigen Häuptlingen im Landesinnern 
bereitet werden könnten. Auch will man von 
starken abessinischen Trnppenzusammcnzie- 
hnngeu in den westlichen Provinzen wissen, 
die im geeigneten Augenblick gegen die Haupt 
stadt marschieren würden und deren Vorpo 
sten vielleicht schon in der Nähe von Addis 
Abeba ständen. Im Zusammenhang mit dem 
Vorgehen der Italiener gegen solche Gerüchte- 
verbrciter wurden am Mittwoch einige Euro 
päer verhaftet. 
In maßgebenden italienischen Kreisen ist 
niemals bestritten worden, daß mit der Be 
setzung der Hauptstadt die Arbeit noch keines 
wegs abgeschlossen sei und der schwierigere 
Teil der kolonialen Aufgabe erst jetzt beginne. 
Man sei sich durchaus darüber im klaren, 
daß die Durchdringung des Landes hier und 
da Kleinkriegsmethoden aufflackern lassen 
könnten, umsomehr als im einstigen Reich 
des Negus Stämme und Häuptlinge lebten, 
die niemals irgendeine Oberhoheit anerkannt 
hätten. Jtalienischerseits sei man jedoch kei 
neswegs gewillt, etwaige Strafexpeditionen 
oder Truppenverschiebungen dahin auslegen 
zu lassen, daß die Besetzung Addis Abebas 
eine übereilte Maßnahme gewesen sei, die jetzt 
Sicherungen gegen Ueberraschungen erfordere. 
Die Flieger, die täglich Streifen in die 
nähere und weitere Umgebung von Addis 
Abeba unternehmen, versichern, von angebli 
chen abessinischen Trnppenansammlungen 
nichts festgestellt haben zu können. 
Für die Kaiserkrönung in Rom 
trifft man dort bereits die ersten Vorberei 
tungen, nachdem Verhandlungen zwischen Re 
gierung und Vatikan zu einem für beide trag 
baren Ergebnis geführt haben. Der Papst be 
fand sich gegenüber dem italienischen Ansuchen 
insofern in einer schwierigen Lage, als er an 
gesichts der unvermindert gespannten Lage in 
dem Ostafrikakonflikt nicht gut dadurch Partei 
ergreifen kann, daß er persönlich die Krönung 
vollzieht. Man ist daher auf den Ausweg ver 
fallen, daß der Vertreter des Papstes in sei 
ner Eigenschaft als Bischof von Rom die Krö 
nung vornehmen wird. 
Diese soll in der Hofkirchc des italienischen 
Königshauses stattfinden. Der König von Ita 
lien wird dabei jedoch nicht die Kaiserkrone 
des Negus, sondern eine alte abessinische 
Krone tragen, die man in der Krönungsstaüt 
Aksum, dem abessinischen Nationalheiligtum, 
gefunden hat. Der König wird übrigens nach 
den bisherigen Plänen der Krönungsfeier den 
Titel eines „Kaisers von Aethiopien" anneh 
men, da man die alte Landesbezeichnung wie 
der anzuwenden wünscht. Er wird in seiner 
neuen Eigenschaft zugleich Schutzherr der abes 
sinischen Christenheit werden, die bekanntlich 
nicht römisch-katholisch, sondern koptisch ist und 
bisher stets einem jeweils aus der koptischen 
Geistlichkeit Aegyptens gewählten Patriarchen 
unterstand. Nach Meldungen aus Rom trägt 
sich die Kurie mit großen Missionierungsplä 
nen für Abessinien. Das Pariser „Oeuvre" be 
hauptet sogar, 3000 römisch-katholische Missi 
onare würden die Erlaubnis zur Einreise nach 
Abessinien erhalten. 
Militär- u. Wirtschaftsstratzen 
Hätte man nicht eben erst die imponierende 
Manier der Durchführung des afrikanischen 
Feldzuges erlebt, man wäre versuch^ den 
DNB. Köln, 21. Mai. Die erste, 24 Km. 
lange Teilstrecke der Reichsautobahn Köln- 
Industriegebiet wurde am Himmelfahrtstag 
durch Reichsminister Dr. Goebbels feierlich er 
öffnet. Die Teilnahme führender Persönlich 
keiten aus dem In- und Auslande unter 
strich die Bedeutung des Tages. 
Das große Interesse, das unsere nordwest 
lichen Nachbarländer Holland und Belgien 
dem vorbildlichen Werk des Führers entge 
genbringen, beweist die Anwesenheit des nie 
derländischen Verkehrsministers, des Präsi 
denten des königlich-niederländischen Auto 
mobilklubs und des Präsidenten des Touring- 
Clubs von Belgien, die mit einer großen 
Schar hervorragender und einflußreicher 
Persönlichkeiten ihrer Länder gekommen wa 
ren. Allein 130 niederländische Wagen und au 
ßerdem rund 60 belgische Wagen waren der 
Einladung des DDAC. gefolgt. Es bedarf 
kaum eines besonderen Hinweises darauf, daß 
auch aus dem Inland eine Vielzahl von Eh 
rengästen zu den Einweihungsfeierlichkeiten 
erschienen war. Sämtliche Parteidienststellen, 
von der Gauleitung angefangen bis zur HI., 
alle Behörden, von der Spitze der Provinz 
bis zur Kommunalverwaltung, Reichs- und 
Staatsbehörden, Wehrmacht, Wirtschaft und 
Verkehr waren vertreten. Zusammen mit den 
Wagen- und Motorradkolonnen des NSKK., 
des DDAC. und zahlreicher Privatfahrer, den 
Lastwagen der obersten Bauleitung Köln für 
i'ie 2000 am Vau der Strecke beteiligten Ar 
beiter und schließlich dem Reichsautozug 
„Deutschland", bestehend aus 36 Wagen, moch 
ten es an die 800 Fahrzeuge sein, die der Be 
sonderheit dieser Feierstunde ihre besondere 
Note gaben. 
Von 9 Uhr ab strebten ununterbrochen Ko 
lonnen von Fahrzeugen und Formationen der 
Eröffnungsstätte zu, die bald einem bunten 
Heerlager glich. Reichsminister Dr. Goebbels 
ging in seiner Ansprache davon aus, daß die 
ses gewaltige Werk der Reichsautobahnen 
dem Kopf des Führers entsprungen sei. Da 
mals, als er diese Idee zum ersten Mal vor 
dre Oeffentlichkeit brachte, sei er allenthalben 
Zweifeln und Mißverständnissen begegnet. Die 
Durchführung sei auch nur möglich gewesen, 
indem ein Mann damit betraut worden sei, 
der in diesem Werk sein Lebenswerk sehe. Die 
Reichsautobahnen stellten eine wunderbare 
Synthese von Schönheit und Technik dar. sie 
seien Ausdruck jener „stählernen Romantik", 
die unser Zeitalter durchziehe. Viele hätten 
noch gelächelt, als der Führer in Frankfurt 
a. M. den ersten Spatenstich tat. 
„Heute", so rief der Minister aus ,„muß je 
ner Haufen Erde dort mit einem Gitter um 
geben werden, weil die Arbeiter sie als ein 
Heiligtum mit nach Hause nehmen wollten. 
Diese Arbeiter an. den Autobahnen mußten 
gewiß auf vieles verzichten, was das Leben 
angenehm macht, aber sie hatten dafür die Ge 
wißheit, an einem Werk mitzuarbeiten, das 
Jahrtausende überdauern wird." Mit bissigem 
Humor stellte der Minister dar, wie die Dinge 
abgelaufen wären, wenn man dieses Projekt 
etwa einem Parlament vorgelegt hätte. Die 
Schaffung eines Volkswagens, den sich auch 
der deutsche Arbeiter leisten könne, werde die 
Autostraßen bald zu Straßen des Volkes ma 
chen. Völker könnten sich durch ihre Taten ver 
ewigen. Sie können sich auch in Stein ver 
ewigen, der in Jahrtausenden noch von ihnen 
zeuge. Die Aegypter hätten mit Schweiß und 
Mühen die Pyramiden gebaut, die heute noch 
für sie zeugen. „Wir bauen auch für die Jahr 
tausende. Aber wir bauen nicht Gräber für die 
Toten, sondern Straßen für die Lebenden." 
Der Minister weihte hierauf die Straße u-.id 
schloß mit einem Gruß und Dank an den 
Führer. Dann begab sich Dr. Goebbels mit 
seiner Begleitung zum Wagen und durchfuhr 
als erster das Absperrband, womit die Auto 
bahn eröffnet und dem allgemeinen Verkehr 
übergeben war, und nun schloß sich die schier 
endlose Kolonne der Wagen an, die dem 
Reichsminister auf der ersten Fahrt über die 
neue Bahn folgt. Als die Wagenparade vorbei 
war, fuhr der Minister mit seiner Begleitung 
und den 2000 Arbeitern nach Düsseldorf, um 
sie in den Räumen des Zoo mit einem gemein 
samen Mittagessen zu bewirten. Nach der 
Mahlzeit, die der Minister inmitten der Ar 
beiter einnahm, fuhr er nach Köln zurück, wo 
er am Abend an der Eröffnung des Hauses 
der Rheinischen Heimat teilnehmen wird. 
«»snlderg im iroWhrigen Serssrltz. 
DNV. Bad Hersfeld, 21. Mai. In dem 
1200 Jahre alten Hersfeld wurde am Don- 
uerstagnachmittag, nachdem eine Morgenfeier 
in der alten Stiftsruine den festlichen Tag 
der Einweihung der in sieben Monaten er 
bauten Kulturhalle eröffnet hatte, eine große 
Kundgebung abgehalten. 
Reichsleiter Rosenberg hielt eine große kul 
turpolitische Rede, in der er u. a. ausführte: 
Mehr als je ist man heute im deutschen 
Volke bemüht, die Schätze der Vergangenheit 
zu heben. Jedesmal, wenn ein Volk inmitten 
eines großen Schicksals stand, haben sich die 
Menschen nie damit begnügt nur in der Gegen 
wart zu leben, sondern sie haben auch zurück 
geschaut, um die Vergangenheit noch einmal 
zu erleben. Große Schöpfungen der Kunst sind 
niemals die Ergebnisse eines geruhsamen und 
satten Zeitalters gewesen, wie es die Zeit des 
Liberalismus war, sondern sind immer unter 
Blitz und Donner in der Weltgeschichte ge 
boren worden. Es waren keine Barbaren. 
die in früherer Zeit die großen Bauten in 
Hersfeld, Quedlinburg und vielen anderen 
Stätten Deutschlands schufen. Die germanische 
Kraft, die damals durch Europa flutete, ge 
staltete eine Welt auf tausend Jahre. Es er 
standen aus dieser germanischen Schöpferkraft 
die Dome Europas, die noch heute Wallfahrts 
orte für jene sind, die groß zu denken ver 
stehen. Ein gewaltiger Forschergeist hat damals 
ein neues Weltbild geformt. Heute sehen wir 
als Erfüllung eines jahrhundertelangen 
Menschheitstraumes ein Luftschiff von Kon 
tinent zu Kontinent fahren. 
Um 18.30 Uhr fand dann die feierliche Ein 
weihung der Kulturhalle durch Reichsleitec 
Rosenberg bei vollbesetztem Hause statt. Nach 
der kurzen Ansprache des Reichsleiters und 
dem Gesang der deutschen Lieder begann die 
Aufführung der Oper „Iphigenie aus Tauris" 
durch das Kasseler Staatstheater und schließlich 
der Vortrag des Wildenbruch'schen Hexenliedes 
in der Stiftsruine. 
ZN W§N?g§N Zeilen 
Deutsch - britisches Frontkämpfertreffeu in 
Buenos Aires. Am Dienstag fand in den 
Räumen des Deutschen Klubs das erste 
deutsch-britische Frontkämpfertreffen in Bue 
nos Aires statt, zu dem sich über 300 Teilneh 
mer eingefunöen hatten. 
Opfer der Mordkommnne in Spanien. In 
der letzten Nacht wurde wieder eine Reihe 
von Anschlägen verübt, denen in Zamora ein 
junger Faschist zum Opfer fiel. Dieser erhielt, 
als er in Begleitung eines Kameraden durch 
eine schlecht beleuchtete Straße ging, einen 
Schuß in den Rücken, der ihn auf der Stelle 
tötete. 
Schwerin. Am Vorabend des Himmelfahrts 
tages wurden die sterblichen Ueberreste des 
Lanöesgruppenleiters der Schweiz, Wilhelm 
Gustloff, in Anwesenheit des Reichsstatthalters 
Hildebrandt und des Gauleiters Bohle zur 
letzten Ruhestätte in den Ehrenhain im Schloß 
garten übergeführt. 
* 
Wien. Der österreichische Ministerrat beschloß 
am Mittwoch ein Bundesgesetz über die zu 
künftige Organisation der Vaterländischen 
Front. 
König Leopold von Belgien traf zu einem 
inoffiziellen Besuch in London ein. 
London. Kolonialminister Thomas erschien 
am Mittwoch ganz unerwartet vor dem Aus 
schuß zur Untersuchung des Versicherungs 
skandals. Er erklärte dabei, daß er die verschie 
denen am Dienstag vernommenen Zeugen 
nicht kenne. 
* 
Große Ueberschwenrmungen auf Portorico. 
DNB. San Juan, 22. Mai. (Eig. Funkmlüg.) 
Lang anhaltende Regengüsse, die einer gewalti 
gen Dürre folgten, verursachten in verschiede 
nen Teilen der Insel verheerende Ueber- 
schwemmungen. 25 Menschen sind in den Flu 
ten umgekommen. Besonders groß ist der Scha 
den in den Ortschaften Las Peöras, San Lo 
renzo und Humacao. 
Welttreffen ehemaliger Heidelberger 
Studenten. 
Anläßlich der 350-Jahrfeier der Universität 
Heidelberg in den Tagen vom 27. bis 30. Juni 
4936 veranstaltet die Heidelberger Stundenten 
schaft am Montag, dem 29. Juni, in der 
Stadthalle ein Welttreffen ehemaliger Heidel 
berger Studenten. 
Semitischer ANtffe«MSNMS 
Die Vorgänge in Palästina mit dem ener 
gischen Aufbäumen der arabischen Bevölke 
rung gegen die weitere jüdische Einwanderung 
stehen durchaus im Zeichen eines Rassekamp 
fes. Auch dort werden die Juden als fremde 
Rasse empfunden und abgelehnt, und diese 
Zuspitzung bekommt eine besondere Note da 
durch, daß nach der sprachwissenschaftlichen 
Klassifizierung die Araber ebenfalls der semiti 
schen Rasse angehören, daß es sich hier um ei 
nen semitischen Antisemitismus handelt. 
Indessen liegt der scheinbare Widerspruch 
nur in einer falschen Wortbildung begründet. 
Das Wort Antisemitismus ist nachweislich 
erst im Jahre 1879 in den Sprachschatz der 
Völker aufgenommmen worden, während die 
Ablehnung der Juden so alt ist, wie diese ver 
sucht haben, sich außerhalb eines geschlossenen 
Volkstums parasitisch und möglichst mühelos 
innerhalb anderer Wirtsvölker zu bereichern 
und sich schließlich als Verwalter des Kultur 
gutes dieser fremden Völker und sogar als 
deren herrschende Schicht aufzudrängen. Schon 
rm Alten Testament finden wir die zahlrei 
chen Zeugnisse für diese Judengegnerschaft der 
aufbauenden Kulturvölker, die der Aegypter, 
der Babylonier und der Perser. Die' alten 
Griechen und namentlich die Römer der Kai 
serzeit hatten die jüdische Gefahr schon klar er 
kannt und litten schwer unter ihr, und schließ 
lich sind die anderen eigentlichen semitischen 
Völker trotz der sprachlichen und gewissen blut 
mäßigen Verwandtschaft stets schnell zu Ab 
wehrmaßregeln gegen die Ueberheblichkeit des 
Judentums gedrängt worden, wenn sie mit 
diesem in nähere Berührung kamen. 
Besonders lehrreich sind die Vorgänge in 
Palästina selbst. In Palästina sitzen länger, 
als die dorthin durch die zionistischen Organi 
sationen verpflanzten Juden einzuwandern 
begannen, zahlreiche deutsche Siedler, ganz 
überwiegend Schwaben, die sich als Bauern 
und namentlich als Winzer betätigen. Gegen 
deren Arbeit haben die arabischen Bauern nie 
etwas einzuwenden gehabt und das nachbar 
liche Verhältnis ist auch seit der Massenzu 
wanderung der Juden ungetrübt geblieben, 
ein Beweis für die Richtigkeit der Feststel 
lung des deutschen Reichsbauernführers, daß 
arbeitende Bauern sich immer gegenseitig ver 
stehen und die besten Garanten des Völker- 
frieöens sind. Die Mißstimmung gegen die 
Juden begann und steigerte sich zu den jetzt 
gemeldeten Zusammenstößen, als die aus 
Westeuropa einwandernden Juden sich als 
reine Kapitalisten betätigten und die arabische 
Bauernbevölkerung zu entwurzelten Lohn 
arbeitern hinabdrückten, um aus deren Arbeit 
ein bequemes Rentnerdasein führen zu kön 
nen, wie sie das aus Westeuropa gewöhnt wa 
ren. Von diesem Zeitpunkt an erfüllte sich der 
alte Fluch, der auf den Juden als einer Aus 
beuternation ruht, und als solche werden sie 
auch von den Semiten, die kulturschöpferisch 
und bauernfähig veranlagt sind, als fremde, 
abzulehnende und unerträgliche Rasse emp 
funden. Der scheinbare Widerspruch eines se 
mitischen Antisemitismus löst sich damit leicht, 
und wir Deutschen haben dafür volles Ver 
ständnis. Denn es ist uns nie eingefallen, die 
hohen Kulturleistungen, die sich in der alten 
arabischen Wissenschaft verkörpern oder die von 
den Mauren in Spanien und Noröasrika vä 
bracht worden sind, zu verkleinern, ' i,
	        
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