Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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DeutscheHochzņchten vor ihreņNiHtsŗ» iņFķêfurt 
Ein Querschnitt durch die Prämiierungsergebniffe bei Pferden, Rindern, Schweinen und Schafen 
In dem Programm der Reichsnährstandsschau 
ist über alle acht Tuge von 10.30 bis 12.80 Uhr die 
Vorführung preisgekrönter Tiere im Großen Ring 
angekündigt. Daß es sich hierbei nur um Pferde 
und Rinder handeln kann, ist fast überflüssig, zu 
erwähnen. Mit Schafen und Schweinen vor der 
Tribüne in Schritt und Trab vorbei zu paradieren, 
wäre höchstens aus Gründen der Komik reizvoll. 
Ich erwähnte bereits, daß die geschlossene (feit 
langem auch bei den DLG-Ausstellungcn geübte) 
Vorführung der mit Preisen bedachten Pferde und 
Rinder einen geradezu einzigartigen Ucberblick 
verschafft. Gewiß, die letzten Feinheiten verhüllen 
sich hier den Augen des Beobachters, man hat aber 
doch eine lineare Gesamtschau. Diese zu übermit 
teln ist Ausgabe des Berichterstatters einer Tages 
zeitung:. es geschehe bei Pferden und Rindern un 
ter der Fragestellung: „Was geschah im Großen 
Ring?" 
Ern kurzes Wort noch zu den 
Warmblütern 
Den Reigen eröffneten die Vertreter der Haupt- 
zuchtgebicte deutschen Warmblutes, vorweg die 
Ostpreußen, geführt von ihren weißkittligen Be 
treuern. Diese schönen und edlen Tiere Trakehner 
Abstammung, die in Hamburg 1035 seit langer Zeit 
zum ersten Mal wieder aus einer Reichsschau — 
und zwar sogleich in der Sammlung lorbeerbe 
kränzt — gezeigt wurden, haben eine Mechanik in 
ihrem klargelenkigem Beinwerk, die stets allseitige 
Bewunderung finden wird. — Es folgten unsere 
Holsteiner, wir schrieben ausführlich von ihnen, 
erfreulich in ihrer Gleichmäßigkeit, unvergleichlich 
mit dem energischen, weitausgreifenden Trab. — 
Die Hannoveraner, die sich in diesem Jahr sechssach 
aus den bekannten Bererüer „Feiner Kerl" stützten, 
hatten ihre Auswahl besonders stark in Richtung 
eines edlen Typs getroffen: erne bessere Hinter- 
rrppe wurde ihn vielfach gewünscht: den „Feiner 
Kerl"-Sohn „Filmkönig" hätte sein Zuchtverband 
sicherlich gern als Spitzenhcngst anstatt des Holstei 
ners „Lorentzo" gesehen. — Bei den rumpftiefen, 
knockenstarken Oldenburgern wurde besonders au, 
den „Dingo" aufmerksam gemacht, der bei enormer 
Schwere durch den bei Oldenburgern nicht immer 
zu findenden guten Nachtritt der Hinterhand vorne 
mächtig gut herauskam. — Das klassische Wagen 
pferd, der Ostsricse, wußte sich in diesem Jahr nicht 
ganz so gut durchzusetzen. Die Stuten „Sanna" 
und „Irene" verdienen ob ihres Kalibers, ihrer 
Tiefe und ihrer schwungvollen Gänge ivie im Vor 
jahr besondere Erwähnung. — Und während die 
letzten Ostfriesen das Längsoval verließen, betrat 
von vis-a-vis der Tribüne ein Teil der 
Höhenrinder 
den Platz, mit 115 Tieren zahlreicher hier in 
Frankfurt vertreten als im Vorjahr in Hamburg, 
ein buntes Bild, vom einfarbigen Franken-Gelb 
über das Graubraun der Allgäuer bis zum tiefen 
schlesischen Rot. Die ganze Mannigfaltigkeit mittel-, 
südwest- und süddeutschen Lebens breitet sich vor 
einem aus, unterstützt durch die reichsarbigcn 
Trachten der Vorführer und das eindringliche Ge 
läut der Schellen. Die Eigenschaften dieser vielen 
Schläge im einzelnen zu beschreiben, würde zu 
weit führen. Die relativ gute Euterbilöung wurde 
bei mancher Kuh mit Recht hervorgehoben: die 
kräftige Bcmuskelung verhilst diesen auf kräftigem 
Fundament stehenden Tieren zu einem flotten 
Gang als wichtiger Voraussetzung für die zu lei 
stende Arbeit. Das graubraune, milchergibige und 
schwere Höhenvieh war endlich nach langer Pause 
aus dem Allgäu heruntergekommen. Die kleinen 
Vorder- und noch kleineren Hinterwälöcr aus dem 
Badener Gebiet sind mit 1.35 bis 1,40 Zentimeter 
Höhe die Liliputs unter den deutschen Rinder- 
schlägen. — Währenddes hatten sich die 
Warmblüter aus dem jüngeren 
Zuchtgebiet 
zur Vorstellung bereitgemacht, die Westfalen an der 
Spitze, aus hannoverscher Grundlage, den mittel 
schweren, tiefen, leichtfütterigen bodenbeständigen 
Typ verkörpernd, ausgezeichnet mit dem 1. Samm 
lungspreis, mit diesem Erfolg die 1936 daheim 
gebliebenen Pommern von ihrem vorjährigen Erst 
platz verdrängend. Der kräftige „Meerkönig" war 
wieder dabei, desgleichen die drahtige „Schätzchen 
von Greven". — Die Brandenburger hatten den 
kennzeichnenden „Cardonius" wieder mitgebracht, 
der Neustädter, ostpreußische und hannoversche Erb 
anteile in sich trägt: sie taten gut daran statt eines 
2a-Preises erhielt er jetzt einen la- und Ehren 
preis.—Die tiefrumpfigen, auf anglo-normännischer 
Grundlage gezüchteten Württembergcr waren mit 
elf Tieren gut vertreten: die elf warmblütigen 
Saarpsälzer (Gestüt Zweibrücken) errangen bei 
ihrem Erstlingstressen drei erste Preise. — Die 
hessischen und badcnser Warmblüter tragen olden- 
burger Blut. 
Neues Leben kam in das Rund, denn in gcmächt- 
licher Gangart rückten die 
schwarzbunten Tîeflandrinder 
aus den alten Zuchtgebieten zur Parade heran, 
voran die Ostfriesen, hinter ihnen die Ostpreußen, 
die Oldenburger, endlich die Sachsen-Anhalter, die 
sich zum ersten Mal in Bai zum Wettbewerb stell 
ten. Die hier neuerdings eingruppierten Schles 
wig-Holsteiner fehlten leider. Daß der Ansager ihr 
Fehlen nicht erwähnte und das Warum, mutz hier 
ebenso verwundern und schmerzen wie bei den 
Rotbunten, wo es ebenfalls unterblieb. 
Die Ostsriesen hatten die Auswahl der ange 
meldeten 28 Tiere (Ostpreußen und Oldenburg 
ebenfalls je 28 Tiere, Sachsen-Anhalt 18) so geschickt 
getroffen, daß ihnen wie im Vorjahre und zum 
10. Mal in der Nachkriegszeit der Siegerpreis des 
Reichsministeriums für Ernährung und Landwirt 
schaft für die beste Sammlung zuerkannt wurde, 
eine Erfolgsserie, die ihresgleichen sucht. Ihnen 
dürste in diesem Jahr der Sieg leichter gefallen 
sein gegenüber den Ostpreußen, die sich sicherlich 
von ihrer Auswahl schriftlichen Verlautbarungen 
zufolge mehr versprochen haben, zumal im Vor 
jahr der bekannte ostpreußische Züchter Feyerabend- 
Palmnicken aus der Züchterkritik meinte: „Ich 
habe die Ostfriesen und die Ostpreußen nebenein 
ander gesehen und glaube, daß die Ostpreußen in 
der Ausgeglichenheit der Kühe den Ostfriesen zum 
ersten Male überlegen waren. Ostsriesland hatte 
jedoch die besseren Bullen und errang daher den 
Sieg." Bleiben wir zunächst bei den Kühen, so 
zeigt sich eindeutig auf Grund der verteilten Preise, 
daß die Ostfriesen mit aller Vorsicht eine Auswahl 
an Muttertieren vorstellen, an die die Ostpreußen 
nicht herankonnten. Ja, man hörte nicht selten die 
Meinung, daß der verbesserten Auswahl der Ost- 
friesen keine dem Vorjahr ebenbürtige seitens der 
Ostpreußen gegenüberstünde, trotz etlicher höchst 
beachtlicher Erfolge, so des 1a-Preises für die viel 
fache Spitzenbullenmukter und beste Formkuh in 
Königsberg „Zitier", die nach Dr. Peters neben 
dem Bullen „Mozart" die Figur darstellen, die man 
als das Ideal des schwarz-weißen Rindes bezeich 
nen kann. Insgesamt gesehen sind von den aus Sen 
älteren Zuchtgebieten vorgestellten weiblichen 
Tieren mit ganz geringen Ausnahmen alle Tiere 
prämiiert worden. Die Ostfriesin „Martha" erhielt 
neben einem 1a-Preis den Siegerleistungspreis. 
Die jetzt fünfjährige Kuh hatte in 1. Laktation 
7340 Kg. Milch zu 8.84 vH Fett = 282 Kg. Fett. 
Allgemein hat sich bei den Kühen die nur mittel 
große Brust- und Flankentiefe noch stärker durch 
gesetzt. Daneben lobte man bei allen Tie'landrin- 
dern die sichtbare Verbesserung der Euteranlagcn. 
Tie Auöstellungsvetcranin und ostpreußische Re- 
kordkuh „Quappe" mit der Jahresleistung 1934 von 
14 700 Kg Milch, 3,92 vH Fett und 847 Kg. Milch 
fett war dieses Jahr nicht mit ausgewählt. 
Unter den Bullen wurde in der älteren Klasse 
(vor dem 1. 8. 82 geboren) der siebenjährige Ost 
sriese „Borusse" wie in Berlin, Erfurt und Ham 
burg zum Sieger und besten schwarzbunten Bullen 
der Ausstellung erklärt. Er zeigte seine bekannten 
Vorzüge in seltener Festigkeit und Frische und 
tonnte von keinem seiner lüngeren Wettbewerber 
erreicht werden, auch nicht von dem Ostpreußen und 
Iü-Preis-Träger „Mozart", auf den man in Ost 
preußen große Stücke hält. 
In der dreijährigen Bullenklasse errangen die 
Ostpreußen mit „Otmar" einen Sieg vor zwei Ost- 
friesen <1b und 1c>, in den übrigen drei jüngeren 
blassen finden wir wiederum einen oder mehrere 
Ostfriesen an der Spitze. Hervorgehoben zu werden 
verdient in diesem Zusammenhang das Ergebnis 
in der jüngsten Bullenklasse, in der je zwei Ost 
preußen, Oldenburger und Ostfriesen kämpfte», 
unter ihnen der Ostpreuße „Quotus", der auf der 
letzten Königsberger Auktion für 18 000 &Jt seinen 
Besitzer wechselte. Folgende Note lesen wir über 
„Quotus" aus der Feder von Dr. h. c. Peters in 
der D. L. Tierzucht vom Mai d. I.: „Quotus ist ein 
Jungbulle von idealem Körperbau. Es ist an ihm 
z. Zt. nichts zu tadeln. Er hat nur Vorzüge. Einen 
Jungbullcn von solcher Qualität haben wir viel 
leicht in Ostpreußen noch nie gehabt." Die Preis 
richter haben Quotus nicht erststellig eingruppiert, 
vielmehr nur mit einem zweiten Preis bedacht, weil 
zwei Ostfriesen die la- bzw. Ib-Preise beanspruch 
ten. 
Wir verweilten etwas ausführlicher bei dieser 
Auseinandersetzung zwischen Ostfriesland und Ost 
preußen, die in diesem Jahr ganz klar zugunsten 
der ersteren entschieden wurde. Das Ergebnis 
dieser Auseinandersetzung ist umso interessanter, als 
erstens die vorjährige Schau dem ostpreußischen 
Berichterstatter zufolge eine klare Ueberlegenheit 
der ostpreußischen Kühe erkennen ließ, deren Wei 
terentwicklung bis zu der diesjährigen Schau schon 
voller Spannung war, und zweitens die Beprei- 
sung und die Beurteilung der ostpreußischen Bul 
len im letzten Jahr auf den Auktionen und Prä 
miierungen den Verlautbarungen zufolge eine der 
artig hervorragende Qualität erwarten ließ, daß 
die Ostfriesen mit einem ganz schwierigen Kampf 
zu rechnen hatten. Dieser Kampf ist offenbar leich 
ter bestanden als vermutet. Man gestatte dem 
Berichterstatter an Hand dieses Ergebnisses den 
Hinweis, wie gut es zuweilen ist, wenn neutrale 
Richter die Tiere aus den verschiedenen einander 
zugeordneten Zuchtgebieten beurteilen. Nicht, daß 
damit jegliches Fehlurteil ausgeschlossen wäre, 
aber es gibt doch eine andere Wertskala für jene 
Männer, die in ihrem eigenen Gebiet die Zucht 
verantwortlich leiten. 
Die Oldenburger und vor allem die Sachsen-An 
halter hatten gegenüber den erstgenannten Verbän 
den einen schweren Stand. Es entfielen zwar von 
den gesamten Bullcnpreisen auf Ostpreußen und 
Ostfricsland je 30 vH, auf Oldenburg 26 vH und 
auf das schwächer vertretene Sachsen 14 vH, aber 
die ersten Preise fielen zu 64 vH auf Ostfriesland, 
zu 83 vH an Ostpreußen und zu 13 vH an Olden 
burg. 
Bleibt noch die Frage, was aus den schleswig- 
holsteinischen Schwarzbunten inmitten dieses hoch 
klassigen Wettbewerbs geworden wäre? Diese 
Frage stellen und ihre Beantwortung für unmög 
lich erklären, ist dasselbe. Immerhin darf man 
aber mit Bestimmtheit vermuten, daß die Vertre 
ter unserer Provinz beträchtlich vor Sachsen-Anhalt 
marschiert wären und daß der Bulle „Tonius" in 
seiner Klasse dem jetzigen Sieger dessen 1a-Preis 
sicherlich sehr strittig gemacht hätte. Auch bei den 
Kühen wären wir nicht ohne Bedeutung gewesen, 
rühmte man doch schon im Vorjahr die formvoll 
endeten, typischen Milchkühe, die allein ihren Zucht 
verband verpflichteten, in Bai zu konkurrieren, zu 
mal er auch Bullen wie den „Tonius" mitbringt. 
Es ist müßig, noch weitere Vermutungen dieser Art 
anzustellen, warten wir ab. was uns das nächste 
Jahr einbringt. 
Von den jüngeren Zuchtgebieten waren die Ver 
bände Mittelweser, Südhannover, Osnabrück, 
Lüneburg, Rheinland. Westfalen, Kurmark, Meck 
lenburg und Kurhessen mit etwa 110 Tieren ver 
treten. Das Gesamtbild in den jüngeren Zucht 
gebieten ist naturgemäß uneinheitlicher als in den 
älteren. Dies kommt vor allem durch den Einfluß 
der verschiedenartigen Ernährungsbedingungen 
und der wechselnden Intensität der züchterischen 
Bearbeitung zustande. Unter den Sammlungen der 
mittelgroßen Züchtervereine erhielten die drei 
hannoverschen Organisationen Mittelweser, Süd 
hannover und Osnabrück in der angegebenen 
Reihenfolge je einen ersten Preis, Kurhessen einen 
dritten. Bei den Sammlungen der großen Züchter 
vereinigungen standen der Rheinische Verband mit 
einem la-Preis und die Lüneburger Herdbuchgesell 
schaft mit einem Ib-Preis an der Spitze. 
Die rotbunten Tieflandrinder 
lvarcn in diesem Jahr leider nur aus dem Rhein 
land, Oldenburg und Westfalen erschienen. Die 
Ostfriesen fehlten und vor allem die schleswig-hol 
steinischen Rotbunten, die zahlenmäßig erstrangig 
im Reich darstehen und qualitativ eine ganz große 
Rolle gespielt hätten, zumal sic auf Grund ihrer 
hohen und allseitig anerkannten Leistungen im 
Rahmen des neuen, in Frankfurt erstmalig ange 
wandten Beurteilungsverfahrens, bei dem neben 
der Form auch die nachgewiesene Fettleistung be 
rücksichtigt wird, noch bessere Erfolgschancen hatten. 
Nach dem neuen Prämiierungsplan werden sowohl 
für die Form als auch für die Fettleistung je fünf 
Punkte in Ansatz gebracht. Für einen 1. Preis in 
der Formbeurteilung erhält das Tier die vollen 
fünf Punkte, für einen 2. Preis vier Punkte usw.: 
hinzu treten die Punkte für die geleisteten Fett- 
mengen. Auf Grund des neuen Prämiierungspla 
nes mußte bei den diesjährigen Prämiierungen 
manchmal erheblich von den früheren Ansichten ab- 
geivichcn werden. So mußte z. B. eine rotbunte 
rheinische Kuh, die früher infolge ihrer weit über 
ragenden Form Siegerkuh hätte werden müssen, 
diesen Preis an eine in der Form schlechtere West- 
fälingerin abgeben, weil sie schlechtere Leistungen 
aufwies. 
Wir kommenauf die Rotbunten in einer Würdi 
gung von fachlicher Stelle noch zurück, der wir hier 
durch Sonderbemerkungcn nicht vorgreifen wollen. 
Begnügen wir uns mit der Feststellung, daß die 
Westfalen weitaus die größten Erfolge erzielen 
konnten. In Züchtergebieten mit über 10 000 einge 
tragenen Kühen erhielten sie den 1. Sammlungs 
preis, sie stellten den besten Notbuntbullen und auch 
die beste Rotbuntkuh in „Primel" aus der Zucht 
von Budde-Lohmann mit einer Leistung von 4980 
Kg. Milch, 3.83 vH Fett und 179 Fett-Kg. Wie er 
wähnt, blieb der Rheinländerin „Christine" mit 
4780 Kg. Milch, 3,05 vH Fett und 146 Kg. Fett der 
erste Preis versagt, obwohl sie als Formkuh ihres 
gleichen aus der Ausstellung suchte. 
Wir wollen nicht fragen, wie sich die Rotbunten 
unserer Provinz in Frankfurt gemacht hätten? Sie 
hätten ihres Erfolges sicher sein können. Und wenn 
widrige Umstände den Erfolg abermals vereitelten, 
in München wird man unsere Rotbunten schon auf 
dem Platze finden. 
Wir wollen an dieser Stelle als abschließendes 
Wort eine Allgemeinfassung über die Veränderung 
im Körperban des Niederungsviehs in den letzten 
Jahrzehnten anführen. Darin heißt es: Die auf 
den Ausstellungen angetretenen Tiere sind allmäh 
lich immer schwerer geworden, bis in den letzten 
Jahren ein Stillstand eintrat, und zwar bei durch 
schnittlichen Gewichten für die älteren Bullen von 
22 bis 24 und bei den Kühen von 12 bis 14 Zentner. 
Diese Gewichtszunahme lief bisher bei den männ 
lichen Tieren mit einer Vergrößerung der Wider 
risthöhe Hand in Hand. Angestiegen ist auch die 
Brustbreite. Bei den weiblichen Tieren ist im 
Gegensatz zu den Bullen durchschnittlich eine Ver 
kleinerung eingetreten. Dafür ist der Zuwachs in 
der Tiefen- und Breitenentwicklung des Rumpfes 
im Verhältnis zur Größe noch stärker als bei den 
Bullen. Wesentlich verbessert hat sich die Rücken 
festigkeit. Ueberall in der Zucht der Niederungs 
rinder wird also zielbewußt auf den sog. Wirt- 
schaststyp hingearbeitet, der nicht nur der heutigen 
Futtergrundlage gut angepaßt ist, sondern auch 
durch seine gesundheitlichen Vorzüge, durch seine 
Leichtsuttrigkeit und schließlich auch durch seinen 
Schlachtwert den Viehhalter einen hohen Gesamt 
ertrag gewährleistet," 
Das Niederungsvieh hatte den Platz verlassen, 
das Höhenfleckvieh 
beherrschte den Platz. Den langen Zug (im Katalog 
gemeldet mit 137 Tieren) führten die Bayern an 
vor Württemberg und Baden, die als ältere Zucht- 
gebiete miteinander die Klinge gekreuzt hatten. 
Kurhessen, Thüringen und Hessen-Nassau schlossen 
sich an. Die bodenständigen Bayern rühmte man 
ihrer Frühreise, Futterdankbarkeit und Anxaj- 
sungsfähigkeit wegen, die ideale Verbindung der 
Dreinutzung Milch, Arbeit und Fleisch sagte man 
den Württcmüergern nach. 
Die Kaltblutpferde 
seien als wuchtiger Abschluß zuletzt genannt. 
Wiederum wurde der Sieg in der Großen Ver 
bandssammlung der älteren Zuchtgebiete der rhei 
nischen ausgeglichenen und hochwertigen Samm 
lung zuerkannt, vor den nicht so einheitlichen 
Sachsen. Die Rheinländer nehmen in der Vorsüh- 
rungstechntk dieselbe Stellung beim Kaltblut ein 
wie beim Warmblut die Oldenburger. Ihre höchste 
Vollkommenheit erreicht diese Technik in dem acht 
köpfigen Koppel, das die Wucht und Schwere dieser 
Tiere in prägnantester Weise zum Ausdruck bringt. 
Allerbeste, tiefe Stuten zeigten die Rheinländer, oft 
mit Fohlen bei Fuß ihre, züchterische Eignung be 
sonders unter Beiveis stellend. Das Stutenmodell 
der Sachsen konnte — insgesamt gesehen — an die 
Rheinländer nicht heran, wenn auch in zwei Klassen 
Ia-Preis-Trügerinnen zu finden waren. Der 
klobige „Goliath von Wanzleben" aus dem Land- 
gestüt Kreuz trug in der älteren Hengstklasie vor 
einem Rheinländer den Sieg davon, in der jünge 
ren Klasse führte ein Rheinländer. — Thüringer 
sollen nach fachmännischem Urteil gut ausgeholt 
haben. 
Die zahlenmäßig weit überragenden Kaltblüter 
rheinisch-deutschen Geblüts wurden wirkungsvoll 
ergänzt durch die Schleswiger — die bewußt nicht so 
stark gezogen werden, wie es bei der Vorstellung 
hieß — und durch die Oberländer mit 22 Vertre 
tern aus Bayern (14) und Baden (8). 
Vergleicht man die beiden letzteren Schläge, so 
wird zunächst offensichtlich, daß sttr'den im Vorjahr 
geforderten Wetbewerb nicht genügend geeignete 
Grundlagen vorhanden sind. Es mag für Bayern 
fraglos der Oberländer mit dem Zuchtziel „Bauer 
und Soldat" das Pferd der Zukt sein — seit jeher 
wurden seine verwendungs-vielseitigen Höhenlagen- 
Eigenschaften gerühmt — aber er paßt für süddeut 
sche Verhältnisse, deshalb ist auch ein Wettbewerb 
mit unserem nordmärkischen Kaltblutschlag nicht 
angängig, der nicht leichter (wie angenommen), 
sondern schwerer ist als der Oberländer. Im übri 
gen muß man das Gangwerk dieser mittelschweren» 
vorzüglich herausgebrachten Bauernpferde lobend 
erwähnen. 
Ueber das Abschneiden der Schleswiger haben 
wir berichtet. Im Ring machten sie vorgeführt 
einen recht netten Eindruck. Das Programm, das 
am ersten Tag im Ring gezeigt wurde, konnte nicht 
befriedigen, das Pferd linker Hand sprang dauernd 
an und verdarb auf diese Art dem guten Pferd 
zur Rechten jegliche Entfaltungsmöglichkeiten. 
Hoffentlich haben die Schleswiger durch die ge 
plante Umspanuung später besser ihre guten Zug- 
eigenschaften unter Beweis gestellt: an einem guten 
Abschneiden bei den Dauerzugleistungsprüfungen 
in der Umgebung Frankfurts zweifeln wir nicht. 
Die Schweine 
aus anderen Zuchtgebieten ohne Vergleich mit hie 
sigen Tieren ausführlicher zu würdigen, dürfte zu 
weit führen. Wir schälen einige Allgemeinerkennt 
nisse heraus, wie sie unsere in Frankfurt vertrete 
nen Züchter mit nach Hause nehmen konnten. 
Offensichtlich hatte man beim veredelten Land 
schwein den unwirtschaftlichen, großrahmigen Typ 
verlassen und dafür bewußt den tieferen, wüchsigen, 
dabei trockenen Typ tn mittclerem Rahmen bevor 
zugt mit korrektem Knochenbau. 
Die Edelschweine bewegten sich in Richtung des 
größer-rahmigen Typs. Man darf für die Zukunft 
wohl voraussagen, daß veredelte Landschweine und 
weiße Edelschweine sich im Typ mehr und mehr an 
gleichen werden. 
Sofern auö dem Prämtierungsergebnis in der 
Fachliteratur noch allgemeingültige Folgerungen 
gezogen werden, werden wir diese unseren Lesern 
nicht vorenthalten. Im übrigen dürfte sich an der 
vorjährigen Einstufung der einzelnen Zuchtgebicte 
nichts wesentliches geändert haben. 
Die schleswig-holsteinischen Züchter werden iw 
November auf der Eliteschau ihren Bestand auf 
seine Eignung für die Reichsschau 1987 zu prüfen 
haben. Sie haben es insofern schwer, als sie durch 
zweijähriges zwangsläufiges Fernbleiben praktisch 
nur noch gering in die Erfahrungen der vorher 
gehenden Schauen hineinragen. Die züchterische 
Weite anderer Zuchtgebiete ist von den Züchtern der 
Provinz stets anerkannt, ihr fester Wille aber, itt 
München 1937 vertreten zu sein, sei ein Beweis 
für ihren energischen Wcttbewerbswillen, und 
zwar mit Tieren, „die sich schon zu Hause im Stall 
leistungsfähig zeigten". 
Die Schwarzköpfe unserer Provinz 
12 an der Zahl, haben sich unter den 92 insgesamt 
vorgestellten schwarzköpfgien Fleischschafen (^ 
hatten Westfalen, Schlesien, Rheinland, Hessen- 
Nassau- Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen 
und Ostpreußen ausgestellt) nicht erfolgreich durchs 
zusetzen vermocht. In einem vorläufigen Wertungs- 
bericht lesen wir: „Nach schwerem Kampf entschie 
den sich infolge einer größeren Ausgeglichenheit in 
der Wolle die Preisrichter zugunsten der Samm 
lung aus Schlesien. Diese Sammlung erhielt ne 
ben dem 1a-Sammlungsprets auch den Preis der 
ReichSwollverwertung für die beste Wolle. Der 
heffen-naffauischen Herde Riedesel, Eisenach, S e “ 
hörte der in Wolle beste Bock an. Dichte, Festig 
keit und Gleichmäßigkeit im Charakter waren die 
Kennzeichen dieser Wolle. Der beste Altbock in 
Wolle und Körperbau entstammt der Zucht dea
	        
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