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DeutscheHochzņchten vor ihreņNiHtsŗ» iņFķêfurt
Ein Querschnitt durch die Prämiierungsergebniffe bei Pferden, Rindern, Schweinen und Schafen
In dem Programm der Reichsnährstandsschau
ist über alle acht Tuge von 10.30 bis 12.80 Uhr die
Vorführung preisgekrönter Tiere im Großen Ring
angekündigt. Daß es sich hierbei nur um Pferde
und Rinder handeln kann, ist fast überflüssig, zu
erwähnen. Mit Schafen und Schweinen vor der
Tribüne in Schritt und Trab vorbei zu paradieren,
wäre höchstens aus Gründen der Komik reizvoll.
Ich erwähnte bereits, daß die geschlossene (feit
langem auch bei den DLG-Ausstellungcn geübte)
Vorführung der mit Preisen bedachten Pferde und
Rinder einen geradezu einzigartigen Ucberblick
verschafft. Gewiß, die letzten Feinheiten verhüllen
sich hier den Augen des Beobachters, man hat aber
doch eine lineare Gesamtschau. Diese zu übermit
teln ist Ausgabe des Berichterstatters einer Tages
zeitung:. es geschehe bei Pferden und Rindern un
ter der Fragestellung: „Was geschah im Großen
Ring?"
Ern kurzes Wort noch zu den
Warmblütern
Den Reigen eröffneten die Vertreter der Haupt-
zuchtgebicte deutschen Warmblutes, vorweg die
Ostpreußen, geführt von ihren weißkittligen Be
treuern. Diese schönen und edlen Tiere Trakehner
Abstammung, die in Hamburg 1035 seit langer Zeit
zum ersten Mal wieder aus einer Reichsschau —
und zwar sogleich in der Sammlung lorbeerbe
kränzt — gezeigt wurden, haben eine Mechanik in
ihrem klargelenkigem Beinwerk, die stets allseitige
Bewunderung finden wird. — Es folgten unsere
Holsteiner, wir schrieben ausführlich von ihnen,
erfreulich in ihrer Gleichmäßigkeit, unvergleichlich
mit dem energischen, weitausgreifenden Trab. —
Die Hannoveraner, die sich in diesem Jahr sechssach
aus den bekannten Bererüer „Feiner Kerl" stützten,
hatten ihre Auswahl besonders stark in Richtung
eines edlen Typs getroffen: erne bessere Hinter-
rrppe wurde ihn vielfach gewünscht: den „Feiner
Kerl"-Sohn „Filmkönig" hätte sein Zuchtverband
sicherlich gern als Spitzenhcngst anstatt des Holstei
ners „Lorentzo" gesehen. — Bei den rumpftiefen,
knockenstarken Oldenburgern wurde besonders au,
den „Dingo" aufmerksam gemacht, der bei enormer
Schwere durch den bei Oldenburgern nicht immer
zu findenden guten Nachtritt der Hinterhand vorne
mächtig gut herauskam. — Das klassische Wagen
pferd, der Ostsricse, wußte sich in diesem Jahr nicht
ganz so gut durchzusetzen. Die Stuten „Sanna"
und „Irene" verdienen ob ihres Kalibers, ihrer
Tiefe und ihrer schwungvollen Gänge ivie im Vor
jahr besondere Erwähnung. — Und während die
letzten Ostfriesen das Längsoval verließen, betrat
von vis-a-vis der Tribüne ein Teil der
Höhenrinder
den Platz, mit 115 Tieren zahlreicher hier in
Frankfurt vertreten als im Vorjahr in Hamburg,
ein buntes Bild, vom einfarbigen Franken-Gelb
über das Graubraun der Allgäuer bis zum tiefen
schlesischen Rot. Die ganze Mannigfaltigkeit mittel-,
südwest- und süddeutschen Lebens breitet sich vor
einem aus, unterstützt durch die reichsarbigcn
Trachten der Vorführer und das eindringliche Ge
läut der Schellen. Die Eigenschaften dieser vielen
Schläge im einzelnen zu beschreiben, würde zu
weit führen. Die relativ gute Euterbilöung wurde
bei mancher Kuh mit Recht hervorgehoben: die
kräftige Bcmuskelung verhilst diesen auf kräftigem
Fundament stehenden Tieren zu einem flotten
Gang als wichtiger Voraussetzung für die zu lei
stende Arbeit. Das graubraune, milchergibige und
schwere Höhenvieh war endlich nach langer Pause
aus dem Allgäu heruntergekommen. Die kleinen
Vorder- und noch kleineren Hinterwälöcr aus dem
Badener Gebiet sind mit 1.35 bis 1,40 Zentimeter
Höhe die Liliputs unter den deutschen Rinder-
schlägen. — Währenddes hatten sich die
Warmblüter aus dem jüngeren
Zuchtgebiet
zur Vorstellung bereitgemacht, die Westfalen an der
Spitze, aus hannoverscher Grundlage, den mittel
schweren, tiefen, leichtfütterigen bodenbeständigen
Typ verkörpernd, ausgezeichnet mit dem 1. Samm
lungspreis, mit diesem Erfolg die 1936 daheim
gebliebenen Pommern von ihrem vorjährigen Erst
platz verdrängend. Der kräftige „Meerkönig" war
wieder dabei, desgleichen die drahtige „Schätzchen
von Greven". — Die Brandenburger hatten den
kennzeichnenden „Cardonius" wieder mitgebracht,
der Neustädter, ostpreußische und hannoversche Erb
anteile in sich trägt: sie taten gut daran statt eines
2a-Preises erhielt er jetzt einen la- und Ehren
preis.—Die tiefrumpfigen, auf anglo-normännischer
Grundlage gezüchteten Württembergcr waren mit
elf Tieren gut vertreten: die elf warmblütigen
Saarpsälzer (Gestüt Zweibrücken) errangen bei
ihrem Erstlingstressen drei erste Preise. — Die
hessischen und badcnser Warmblüter tragen olden-
burger Blut.
Neues Leben kam in das Rund, denn in gcmächt-
licher Gangart rückten die
schwarzbunten Tîeflandrinder
aus den alten Zuchtgebieten zur Parade heran,
voran die Ostfriesen, hinter ihnen die Ostpreußen,
die Oldenburger, endlich die Sachsen-Anhalter, die
sich zum ersten Mal in Bai zum Wettbewerb stell
ten. Die hier neuerdings eingruppierten Schles
wig-Holsteiner fehlten leider. Daß der Ansager ihr
Fehlen nicht erwähnte und das Warum, mutz hier
ebenso verwundern und schmerzen wie bei den
Rotbunten, wo es ebenfalls unterblieb.
Die Ostsriesen hatten die Auswahl der ange
meldeten 28 Tiere (Ostpreußen und Oldenburg
ebenfalls je 28 Tiere, Sachsen-Anhalt 18) so geschickt
getroffen, daß ihnen wie im Vorjahre und zum
10. Mal in der Nachkriegszeit der Siegerpreis des
Reichsministeriums für Ernährung und Landwirt
schaft für die beste Sammlung zuerkannt wurde,
eine Erfolgsserie, die ihresgleichen sucht. Ihnen
dürste in diesem Jahr der Sieg leichter gefallen
sein gegenüber den Ostpreußen, die sich sicherlich
von ihrer Auswahl schriftlichen Verlautbarungen
zufolge mehr versprochen haben, zumal im Vor
jahr der bekannte ostpreußische Züchter Feyerabend-
Palmnicken aus der Züchterkritik meinte: „Ich
habe die Ostfriesen und die Ostpreußen nebenein
ander gesehen und glaube, daß die Ostpreußen in
der Ausgeglichenheit der Kühe den Ostfriesen zum
ersten Male überlegen waren. Ostsriesland hatte
jedoch die besseren Bullen und errang daher den
Sieg." Bleiben wir zunächst bei den Kühen, so
zeigt sich eindeutig auf Grund der verteilten Preise,
daß die Ostfriesen mit aller Vorsicht eine Auswahl
an Muttertieren vorstellen, an die die Ostpreußen
nicht herankonnten. Ja, man hörte nicht selten die
Meinung, daß der verbesserten Auswahl der Ost-
friesen keine dem Vorjahr ebenbürtige seitens der
Ostpreußen gegenüberstünde, trotz etlicher höchst
beachtlicher Erfolge, so des 1a-Preises für die viel
fache Spitzenbullenmukter und beste Formkuh in
Königsberg „Zitier", die nach Dr. Peters neben
dem Bullen „Mozart" die Figur darstellen, die man
als das Ideal des schwarz-weißen Rindes bezeich
nen kann. Insgesamt gesehen sind von den aus Sen
älteren Zuchtgebieten vorgestellten weiblichen
Tieren mit ganz geringen Ausnahmen alle Tiere
prämiiert worden. Die Ostfriesin „Martha" erhielt
neben einem 1a-Preis den Siegerleistungspreis.
Die jetzt fünfjährige Kuh hatte in 1. Laktation
7340 Kg. Milch zu 8.84 vH Fett = 282 Kg. Fett.
Allgemein hat sich bei den Kühen die nur mittel
große Brust- und Flankentiefe noch stärker durch
gesetzt. Daneben lobte man bei allen Tie'landrin-
dern die sichtbare Verbesserung der Euteranlagcn.
Tie Auöstellungsvetcranin und ostpreußische Re-
kordkuh „Quappe" mit der Jahresleistung 1934 von
14 700 Kg Milch, 3,92 vH Fett und 847 Kg. Milch
fett war dieses Jahr nicht mit ausgewählt.
Unter den Bullen wurde in der älteren Klasse
(vor dem 1. 8. 82 geboren) der siebenjährige Ost
sriese „Borusse" wie in Berlin, Erfurt und Ham
burg zum Sieger und besten schwarzbunten Bullen
der Ausstellung erklärt. Er zeigte seine bekannten
Vorzüge in seltener Festigkeit und Frische und
tonnte von keinem seiner lüngeren Wettbewerber
erreicht werden, auch nicht von dem Ostpreußen und
Iü-Preis-Träger „Mozart", auf den man in Ost
preußen große Stücke hält.
In der dreijährigen Bullenklasse errangen die
Ostpreußen mit „Otmar" einen Sieg vor zwei Ost-
friesen <1b und 1c>, in den übrigen drei jüngeren
blassen finden wir wiederum einen oder mehrere
Ostfriesen an der Spitze. Hervorgehoben zu werden
verdient in diesem Zusammenhang das Ergebnis
in der jüngsten Bullenklasse, in der je zwei Ost
preußen, Oldenburger und Ostfriesen kämpfte»,
unter ihnen der Ostpreuße „Quotus", der auf der
letzten Königsberger Auktion für 18 000 &Jt seinen
Besitzer wechselte. Folgende Note lesen wir über
„Quotus" aus der Feder von Dr. h. c. Peters in
der D. L. Tierzucht vom Mai d. I.: „Quotus ist ein
Jungbulle von idealem Körperbau. Es ist an ihm
z. Zt. nichts zu tadeln. Er hat nur Vorzüge. Einen
Jungbullcn von solcher Qualität haben wir viel
leicht in Ostpreußen noch nie gehabt." Die Preis
richter haben Quotus nicht erststellig eingruppiert,
vielmehr nur mit einem zweiten Preis bedacht, weil
zwei Ostfriesen die la- bzw. Ib-Preise beanspruch
ten.
Wir verweilten etwas ausführlicher bei dieser
Auseinandersetzung zwischen Ostfriesland und Ost
preußen, die in diesem Jahr ganz klar zugunsten
der ersteren entschieden wurde. Das Ergebnis
dieser Auseinandersetzung ist umso interessanter, als
erstens die vorjährige Schau dem ostpreußischen
Berichterstatter zufolge eine klare Ueberlegenheit
der ostpreußischen Kühe erkennen ließ, deren Wei
terentwicklung bis zu der diesjährigen Schau schon
voller Spannung war, und zweitens die Beprei-
sung und die Beurteilung der ostpreußischen Bul
len im letzten Jahr auf den Auktionen und Prä
miierungen den Verlautbarungen zufolge eine der
artig hervorragende Qualität erwarten ließ, daß
die Ostfriesen mit einem ganz schwierigen Kampf
zu rechnen hatten. Dieser Kampf ist offenbar leich
ter bestanden als vermutet. Man gestatte dem
Berichterstatter an Hand dieses Ergebnisses den
Hinweis, wie gut es zuweilen ist, wenn neutrale
Richter die Tiere aus den verschiedenen einander
zugeordneten Zuchtgebieten beurteilen. Nicht, daß
damit jegliches Fehlurteil ausgeschlossen wäre,
aber es gibt doch eine andere Wertskala für jene
Männer, die in ihrem eigenen Gebiet die Zucht
verantwortlich leiten.
Die Oldenburger und vor allem die Sachsen-An
halter hatten gegenüber den erstgenannten Verbän
den einen schweren Stand. Es entfielen zwar von
den gesamten Bullcnpreisen auf Ostpreußen und
Ostfricsland je 30 vH, auf Oldenburg 26 vH und
auf das schwächer vertretene Sachsen 14 vH, aber
die ersten Preise fielen zu 64 vH auf Ostfriesland,
zu 83 vH an Ostpreußen und zu 13 vH an Olden
burg.
Bleibt noch die Frage, was aus den schleswig-
holsteinischen Schwarzbunten inmitten dieses hoch
klassigen Wettbewerbs geworden wäre? Diese
Frage stellen und ihre Beantwortung für unmög
lich erklären, ist dasselbe. Immerhin darf man
aber mit Bestimmtheit vermuten, daß die Vertre
ter unserer Provinz beträchtlich vor Sachsen-Anhalt
marschiert wären und daß der Bulle „Tonius" in
seiner Klasse dem jetzigen Sieger dessen 1a-Preis
sicherlich sehr strittig gemacht hätte. Auch bei den
Kühen wären wir nicht ohne Bedeutung gewesen,
rühmte man doch schon im Vorjahr die formvoll
endeten, typischen Milchkühe, die allein ihren Zucht
verband verpflichteten, in Bai zu konkurrieren, zu
mal er auch Bullen wie den „Tonius" mitbringt.
Es ist müßig, noch weitere Vermutungen dieser Art
anzustellen, warten wir ab. was uns das nächste
Jahr einbringt.
Von den jüngeren Zuchtgebieten waren die Ver
bände Mittelweser, Südhannover, Osnabrück,
Lüneburg, Rheinland. Westfalen, Kurmark, Meck
lenburg und Kurhessen mit etwa 110 Tieren ver
treten. Das Gesamtbild in den jüngeren Zucht
gebieten ist naturgemäß uneinheitlicher als in den
älteren. Dies kommt vor allem durch den Einfluß
der verschiedenartigen Ernährungsbedingungen
und der wechselnden Intensität der züchterischen
Bearbeitung zustande. Unter den Sammlungen der
mittelgroßen Züchtervereine erhielten die drei
hannoverschen Organisationen Mittelweser, Süd
hannover und Osnabrück in der angegebenen
Reihenfolge je einen ersten Preis, Kurhessen einen
dritten. Bei den Sammlungen der großen Züchter
vereinigungen standen der Rheinische Verband mit
einem la-Preis und die Lüneburger Herdbuchgesell
schaft mit einem Ib-Preis an der Spitze.
Die rotbunten Tieflandrinder
lvarcn in diesem Jahr leider nur aus dem Rhein
land, Oldenburg und Westfalen erschienen. Die
Ostfriesen fehlten und vor allem die schleswig-hol
steinischen Rotbunten, die zahlenmäßig erstrangig
im Reich darstehen und qualitativ eine ganz große
Rolle gespielt hätten, zumal sic auf Grund ihrer
hohen und allseitig anerkannten Leistungen im
Rahmen des neuen, in Frankfurt erstmalig ange
wandten Beurteilungsverfahrens, bei dem neben
der Form auch die nachgewiesene Fettleistung be
rücksichtigt wird, noch bessere Erfolgschancen hatten.
Nach dem neuen Prämiierungsplan werden sowohl
für die Form als auch für die Fettleistung je fünf
Punkte in Ansatz gebracht. Für einen 1. Preis in
der Formbeurteilung erhält das Tier die vollen
fünf Punkte, für einen 2. Preis vier Punkte usw.:
hinzu treten die Punkte für die geleisteten Fett-
mengen. Auf Grund des neuen Prämiierungspla
nes mußte bei den diesjährigen Prämiierungen
manchmal erheblich von den früheren Ansichten ab-
geivichcn werden. So mußte z. B. eine rotbunte
rheinische Kuh, die früher infolge ihrer weit über
ragenden Form Siegerkuh hätte werden müssen,
diesen Preis an eine in der Form schlechtere West-
fälingerin abgeben, weil sie schlechtere Leistungen
aufwies.
Wir kommenauf die Rotbunten in einer Würdi
gung von fachlicher Stelle noch zurück, der wir hier
durch Sonderbemerkungcn nicht vorgreifen wollen.
Begnügen wir uns mit der Feststellung, daß die
Westfalen weitaus die größten Erfolge erzielen
konnten. In Züchtergebieten mit über 10 000 einge
tragenen Kühen erhielten sie den 1. Sammlungs
preis, sie stellten den besten Notbuntbullen und auch
die beste Rotbuntkuh in „Primel" aus der Zucht
von Budde-Lohmann mit einer Leistung von 4980
Kg. Milch, 3.83 vH Fett und 179 Fett-Kg. Wie er
wähnt, blieb der Rheinländerin „Christine" mit
4780 Kg. Milch, 3,05 vH Fett und 146 Kg. Fett der
erste Preis versagt, obwohl sie als Formkuh ihres
gleichen aus der Ausstellung suchte.
Wir wollen nicht fragen, wie sich die Rotbunten
unserer Provinz in Frankfurt gemacht hätten? Sie
hätten ihres Erfolges sicher sein können. Und wenn
widrige Umstände den Erfolg abermals vereitelten,
in München wird man unsere Rotbunten schon auf
dem Platze finden.
Wir wollen an dieser Stelle als abschließendes
Wort eine Allgemeinfassung über die Veränderung
im Körperban des Niederungsviehs in den letzten
Jahrzehnten anführen. Darin heißt es: Die auf
den Ausstellungen angetretenen Tiere sind allmäh
lich immer schwerer geworden, bis in den letzten
Jahren ein Stillstand eintrat, und zwar bei durch
schnittlichen Gewichten für die älteren Bullen von
22 bis 24 und bei den Kühen von 12 bis 14 Zentner.
Diese Gewichtszunahme lief bisher bei den männ
lichen Tieren mit einer Vergrößerung der Wider
risthöhe Hand in Hand. Angestiegen ist auch die
Brustbreite. Bei den weiblichen Tieren ist im
Gegensatz zu den Bullen durchschnittlich eine Ver
kleinerung eingetreten. Dafür ist der Zuwachs in
der Tiefen- und Breitenentwicklung des Rumpfes
im Verhältnis zur Größe noch stärker als bei den
Bullen. Wesentlich verbessert hat sich die Rücken
festigkeit. Ueberall in der Zucht der Niederungs
rinder wird also zielbewußt auf den sog. Wirt-
schaststyp hingearbeitet, der nicht nur der heutigen
Futtergrundlage gut angepaßt ist, sondern auch
durch seine gesundheitlichen Vorzüge, durch seine
Leichtsuttrigkeit und schließlich auch durch seinen
Schlachtwert den Viehhalter einen hohen Gesamt
ertrag gewährleistet,"
Das Niederungsvieh hatte den Platz verlassen,
das Höhenfleckvieh
beherrschte den Platz. Den langen Zug (im Katalog
gemeldet mit 137 Tieren) führten die Bayern an
vor Württemberg und Baden, die als ältere Zucht-
gebiete miteinander die Klinge gekreuzt hatten.
Kurhessen, Thüringen und Hessen-Nassau schlossen
sich an. Die bodenständigen Bayern rühmte man
ihrer Frühreise, Futterdankbarkeit und Anxaj-
sungsfähigkeit wegen, die ideale Verbindung der
Dreinutzung Milch, Arbeit und Fleisch sagte man
den Württcmüergern nach.
Die Kaltblutpferde
seien als wuchtiger Abschluß zuletzt genannt.
Wiederum wurde der Sieg in der Großen Ver
bandssammlung der älteren Zuchtgebiete der rhei
nischen ausgeglichenen und hochwertigen Samm
lung zuerkannt, vor den nicht so einheitlichen
Sachsen. Die Rheinländer nehmen in der Vorsüh-
rungstechntk dieselbe Stellung beim Kaltblut ein
wie beim Warmblut die Oldenburger. Ihre höchste
Vollkommenheit erreicht diese Technik in dem acht
köpfigen Koppel, das die Wucht und Schwere dieser
Tiere in prägnantester Weise zum Ausdruck bringt.
Allerbeste, tiefe Stuten zeigten die Rheinländer, oft
mit Fohlen bei Fuß ihre, züchterische Eignung be
sonders unter Beiveis stellend. Das Stutenmodell
der Sachsen konnte — insgesamt gesehen — an die
Rheinländer nicht heran, wenn auch in zwei Klassen
Ia-Preis-Trügerinnen zu finden waren. Der
klobige „Goliath von Wanzleben" aus dem Land-
gestüt Kreuz trug in der älteren Hengstklasie vor
einem Rheinländer den Sieg davon, in der jünge
ren Klasse führte ein Rheinländer. — Thüringer
sollen nach fachmännischem Urteil gut ausgeholt
haben.
Die zahlenmäßig weit überragenden Kaltblüter
rheinisch-deutschen Geblüts wurden wirkungsvoll
ergänzt durch die Schleswiger — die bewußt nicht so
stark gezogen werden, wie es bei der Vorstellung
hieß — und durch die Oberländer mit 22 Vertre
tern aus Bayern (14) und Baden (8).
Vergleicht man die beiden letzteren Schläge, so
wird zunächst offensichtlich, daß sttr'den im Vorjahr
geforderten Wetbewerb nicht genügend geeignete
Grundlagen vorhanden sind. Es mag für Bayern
fraglos der Oberländer mit dem Zuchtziel „Bauer
und Soldat" das Pferd der Zukt sein — seit jeher
wurden seine verwendungs-vielseitigen Höhenlagen-
Eigenschaften gerühmt — aber er paßt für süddeut
sche Verhältnisse, deshalb ist auch ein Wettbewerb
mit unserem nordmärkischen Kaltblutschlag nicht
angängig, der nicht leichter (wie angenommen),
sondern schwerer ist als der Oberländer. Im übri
gen muß man das Gangwerk dieser mittelschweren»
vorzüglich herausgebrachten Bauernpferde lobend
erwähnen.
Ueber das Abschneiden der Schleswiger haben
wir berichtet. Im Ring machten sie vorgeführt
einen recht netten Eindruck. Das Programm, das
am ersten Tag im Ring gezeigt wurde, konnte nicht
befriedigen, das Pferd linker Hand sprang dauernd
an und verdarb auf diese Art dem guten Pferd
zur Rechten jegliche Entfaltungsmöglichkeiten.
Hoffentlich haben die Schleswiger durch die ge
plante Umspanuung später besser ihre guten Zug-
eigenschaften unter Beweis gestellt: an einem guten
Abschneiden bei den Dauerzugleistungsprüfungen
in der Umgebung Frankfurts zweifeln wir nicht.
Die Schweine
aus anderen Zuchtgebieten ohne Vergleich mit hie
sigen Tieren ausführlicher zu würdigen, dürfte zu
weit führen. Wir schälen einige Allgemeinerkennt
nisse heraus, wie sie unsere in Frankfurt vertrete
nen Züchter mit nach Hause nehmen konnten.
Offensichtlich hatte man beim veredelten Land
schwein den unwirtschaftlichen, großrahmigen Typ
verlassen und dafür bewußt den tieferen, wüchsigen,
dabei trockenen Typ tn mittclerem Rahmen bevor
zugt mit korrektem Knochenbau.
Die Edelschweine bewegten sich in Richtung des
größer-rahmigen Typs. Man darf für die Zukunft
wohl voraussagen, daß veredelte Landschweine und
weiße Edelschweine sich im Typ mehr und mehr an
gleichen werden.
Sofern auö dem Prämtierungsergebnis in der
Fachliteratur noch allgemeingültige Folgerungen
gezogen werden, werden wir diese unseren Lesern
nicht vorenthalten. Im übrigen dürfte sich an der
vorjährigen Einstufung der einzelnen Zuchtgebicte
nichts wesentliches geändert haben.
Die schleswig-holsteinischen Züchter werden iw
November auf der Eliteschau ihren Bestand auf
seine Eignung für die Reichsschau 1987 zu prüfen
haben. Sie haben es insofern schwer, als sie durch
zweijähriges zwangsläufiges Fernbleiben praktisch
nur noch gering in die Erfahrungen der vorher
gehenden Schauen hineinragen. Die züchterische
Weite anderer Zuchtgebiete ist von den Züchtern der
Provinz stets anerkannt, ihr fester Wille aber, itt
München 1937 vertreten zu sein, sei ein Beweis
für ihren energischen Wcttbewerbswillen, und
zwar mit Tieren, „die sich schon zu Hause im Stall
leistungsfähig zeigten".
Die Schwarzköpfe unserer Provinz
12 an der Zahl, haben sich unter den 92 insgesamt
vorgestellten schwarzköpfgien Fleischschafen (^
hatten Westfalen, Schlesien, Rheinland, Hessen-
Nassau- Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen
und Ostpreußen ausgestellt) nicht erfolgreich durchs
zusetzen vermocht. In einem vorläufigen Wertungs-
bericht lesen wir: „Nach schwerem Kampf entschie
den sich infolge einer größeren Ausgeglichenheit in
der Wolle die Preisrichter zugunsten der Samm
lung aus Schlesien. Diese Sammlung erhielt ne
ben dem 1a-Sammlungsprets auch den Preis der
ReichSwollverwertung für die beste Wolle. Der
heffen-naffauischen Herde Riedesel, Eisenach, S e “
hörte der in Wolle beste Bock an. Dichte, Festig
keit und Gleichmäßigkeit im Charakter waren die
Kennzeichen dieser Wolle. Der beste Altbock in
Wolle und Körperbau entstammt der Zucht dea