Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in Wovt rm-Vilö 
Unglücklicher Himmelfahrtsausflug 
Autobus mit Schülern am Arlberg umgekippt — Eine große Zahl beim 
Sturz über die Böschung schwer verletzt; eiuer starb nachts 
DNB. Innsbruck, 22. Mai. (Eig. Funkmldg.) 
Am Himmelfahrtstag unternahmen 28 Schüler 
der landwirtschaftlichen Lehranstalt Rotholz 
im Unterinntal gemeinsam mit ihren Lehrern 
einen Ausflug im Autobus. Als der Autobus 
auf der Heimfahrt von St. Christoph am Arl 
berg gegen St. Anton herabfuhr, brach an einer 
besonders steilen Stelle die Bremsvorrichtung, 
so daß der Wagen mit ungeheurer Schnelligkeit 
in eine S-Kurve einfuhr. Es gelang zwar dem 
geistesgegenwärtigen Lenker, den Sturz über 
den Straßenrand zu verhindern. Der Autobus 
kippte jedoch nm und sämtliche Fahrgäste wur 
den ans dem Wagen geschleudert, wobei sie 
über eine steile Böschung stürzten. Bon den 26 
Schülern wurden die meisten schwer verletzt. 
Einer von ihnen ist in der Nacht gestorben. Der 
Zustand von 3 anderen Verletzten ist sehr be 
denklich. Ans dem Transport der Verletzten in 
das Krankenhaus ereignete sich ein weiterer 
Unglücksfall. Ein Motorradfahrer aus Prutz 
stieß mit einem Rettungswagen zusammen. Er 
erlitt lebensgefährliche Verletzungen. 
LoolsungM in der Schweiz. 
DNB. Bern, 22. Mai. sEig. Fuukmeldg.) Am 
Himmelfahrtstage kenterte aus dem Neuen 
burger See ein mit 4 Personen besetztes Boot. 
Drei Insassen ertranken. 
,Hiude»b»rg'auf der Rückfahrt 
von Nordamerika 
DNB. Lakehurst, 21. Mai. Das Luftschiff 
„Hindenburg" ist am Mittwoch um 23,05 Uhr 
Newyorker Zeit (4,05 Uhr MEZ.) zum Rück 
flug aufgestiegen und befand sich eine Stunde 
später über der Stadt Newyork. Der Abflug 
ging bei günstigem Wetter glatt vor sich, und 
zwar direkt vom Ankermast weg. Kapitän 
Lehmann erklärte, daß er sich zu dieser Metho 
de des Abfluges entschlossen habe, weil dabei 
eine weniger starke Bodenmannschaft benötigt 
werde. Um 22 Uhr, eine Stunde vor Abfahrt, 
waren alle 52 Passagiere an Bord. 
Die Newyorker Presse weist darauf hin, daß 
die zweite Ozeanüberquerung des Luftschiffes 
„Hindenburg" trotz stürmischen Wetters im 
merhin noch 114 Tage schneller gewesen sei als 
der schnellste Ozeandampfer, und daß die 
Dampfer bei entsprechenden Wetterverhältnis 
sen oft ein bis zwei Tage Verspätung haben. 
„Hindenburg" hat für seine zweite Fahrt von 
Frankfurt nach Lakehurst eine Flugzeit von 
78 Stunden 27 Minuten gebraucht. 
158 Klm. die Stunde. 
DNB. Newyork, 22. Mai (Eig. Funkmeldg.) 
Um 24 Uhr stand der „Hindenburg" 612 Klm. 
östlich von Neufundland. Es hatte bis dahin 
seit seinem Start in Lakehurst 2500 Klm. zu 
rückgelegt. In einem Funkspruch von Bord 
wird mitgeteilt, daß sich alles'wohl befinde 
und das Luftschiff mit einer Stundengeschwin- 
üigkeit von 150 Klm. fahre. 
Annäherung ans europäische Festland. 
DNB. Hamburg, 22. Mai. Luftschiff „Hinden 
burg" stand nach Mitteilung der Deutschen 
Seewarte um 7 Uhr MEZ. auf 6514 Grad Nord 
und 30 Grad West, ungefähr in der Mitte des 
Atlantischen Ozeans. Um die günstigen Winde 
auszunutzen, fährt das Luftschiff auf weit nörd 
lichem Kurs. Es hat schon fast zwei Drittel 
seines Weges zurückgelegt. 
„Graf Zeppelin" von Südamerika zurück 
DNB. Frankfurt a. M., 21. Mai. Das Luft 
schiff „Graf Zeppelin" ist am Donnerstag um 
20,35 Uhr auf dem Flughafen Rhein-Main bei 
Frankfurt, von Südamerika kommend, glatt 
gelandet. Wegen ungünstigen Wetters hatte es 
den Kurs über Brüssel genommen. 
Im Heimathafen. 
DNB. Friedrichshafen, 22. Mai (Eig. Funk 
meldung). Nach Beendigung der dritten dies 
jährigen Südamerikafahrt ist das Luftschiff 
„Graf Zeppelin" von Frankfurt aus nach Frie 
drichshafen, in seinen Heimathafen, zurückge 
kehrt. Die Landung erfolgte heute um 8,58 Uhr 
auf dem Werftgelände ohne Zwischenfall. Die 
bewährte Haltemannschaft brachte das Schiff 
in kurzer Zeit sicher in die Halle ein. Hier wird 
„Graf Zeppelin" bis zum 8. Juni zwecks Ueber- 
holung bleiben. Der Besatzung wird nach sechs 
wöchigem anstrengendem Dienst während drei 
aufeinanderfolgender Südamerikafahrten eine 
längere Ruhepause gewährt. Die „Hindenburg" 
übernimmt die nächste Süöamerikasahrt am 25. 
Mai von Frankfurt aus. 
Neuschnee in ZbàMn. 
DNB. Kempten (Allgäu), 22. Mai. (Erg. 
Fnnkm.) Der starke Temperaturrückgang, der 
am Donnerstag eingetreten ist, hat in den 
Bergen Neuschnee zur Folge gehabt. Bis zn 
1588 Meter hinab sind die Berge mit Nenschnee 
bedeckt. 
» » » 
2er Naschsee in Hannover. 
DNB. Hannover, 21. Mai. Am Himmel 
fahrtstag fand die Verkehrsübergabe des 
Maschsees statt, der in etwa zweijähriger Ar 
beit durch die Stadt Hannover errichtet wurde. 
Der Uebergabe wohnten Reichsminister Gau 
leiter Rust und der Oberpräsident, Stabschef 
Lutze, Vertreter der Wehrmacht und zahlreiche 
Abordnungen der NSDAP, bei. Oberbürger 
meister Dr. Menge begrüßte die Gäste. In 
einer Ansprache nannte Rust den Bau des 
Maschsees eine völkische Tat. 
Mutiger Sippenkampf. 
DNB. Belgrad, 21. Mai. In einem monte 
negrinischen Dorf in der Nähe der Stadt Dani- 
lowgrad kam es wegen eines Streits um die 
Benutzung eines Brunnens zu einer blutigen 
Auseinandersetzung zwischen den Mitgliedern 
zweier montenegrinischer Sippen. Das Ergeb 
nis der Auseinandersetzung waren drei Tote, 
acht Schwerverletzte und eine größere Anzahl 
leichtverletzter Männer und Frauen. Der 
Streit um das Benutzungsrecht des Brunnens 
datiert zwischen den Sippen noch aus der Vor 
kriegszeit. Anlaß zu der jetzigen Auseinander 
setzung gab ein behördlicher Ortsaugenschein 
zur Feststellung des Nutzungsrechtes. Im Ver 
lauf des Augenscheins kam es zuerst zu hefti- 
Eine neue Rheinbrücke. 
Am 22. Mai wird die neue „Admiral-Graf-Spee-Brücke" über den 
Rhein bei Duisburg eingeweiht, die sich dem Hafenbild vorzüglich 
anpaßt. (Presscphoto, K.) 
Bayreuths Schlsßbrunneu in der Weltmitte 
Ueber die Frage, wo sich der Mittelpunkt 
der Welt befindet, kann man gewiß sehr ver 
schiedener Ansicht sein. In der Tat ist ihre 
Beantwortung ja ganz davon abhängig, ob 
man sie geographisch, wirtschaftlich oder kul 
turell gestellt denkt. Für uns Deutsche aber 
wird es nicht uninteressant sein, zu erfahren, 
an welchem Ort schon vor 200 Jahren ein 
deutscher Fürst den Mittelpunkt der Welt ge 
funden zu haben glaubte, womit er zugleich 
einen Beitrag zum höheren Ruhme seines 
Landes und seiner eigenen Herrschaft lieferte. 
Es war dies ein Land, das schon damals wie 
heute die Brücke zwischen dem deutschen Süden 
und Norden bildete, nämlich die Markgraf 
schaft Bayreuth, und sein Herrscher hieß Mark 
graf Christian Ernst, der Schwiegervater jener 
berühmten Wilhelmine von Preußen, der 
Lieblingsschwester Friedrichs des Großen. 
Niemand wird, so war der Geöankengang 
dieses Mannes, bezweifeln, daß Europa im 
Mittelpunkte aller Erdteile liegt und sich öem- 
Vou -er völkischen Schntzarbeit des VDA. 
Am 23. und 24. Mai sammelt der Volksbunö für das Deutschtum 
im Ausland für seine völkische Schutzarbeit. Wir zeigen eine von 
dem VDA. gestiftete deutsche Bücherei in Sao Paulo. 
WDA.-Archiv, KJ 
nach auch Mitteleuropa in der Mitte der Welt 
befindet. Dies Mitteleuropa aber, so folgerte 
er weiter, hat seinen geographischen Kern in 
dem Gebirgsstock des Fichtelgebirges, 
von dem aus sich bekauntlich vier große Ge 
birgszüge wie Windmühlenflügel weithin in 
das Land erstrecken. In gleicher Weise gehen 
von diesem Kerngebirge vier Flüsse zu Tal, 
nämlich nach Norden die Saale, nach Westen 
der Main, nach Süden die Naab und nach 
Osten die Eger und verbinden damit die drei 
größten Ströme unseres Erdteiles, die Donau, 
die Elbe und den Rhein. Was lag angesichts 
dieser Tatsache schon für den damaligen Bay- 
reuther Herrscher näher, als ein Symbol zu 
schaffen, welches diese zentrale Lage seines 
Landes auch bildlich und künstlerisch zum 
Ausdruck brachte? Wenn er dann seinen be 
rühmten Vier-Flüsse-Brunnen nicht gerade im 
Fichtelgebirge, sondern in der lieblichen Land 
schaft seiner Bayreuther Residenz zur Aufstel 
lung brachte, wer Hütte ihm dies verdenken 
wollen! 
Alljährlich, wenn der Frühling einzieht und 
in den Bayreuther Schloßgärten die hölzernen 
Winterdecken von den unter freiem Himmel 
stehenden Kunstbauten abgenommen werden, 
steht immer wieder auch der Bayreuther Ein 
heimische überrascht vor dem wundervollen 
Bau des Schloßbrunnens der heutigen Gau 
stadt der Bayerischen Ostmark. Zweifellos ist 
er ein Juwel der Barockzeit und legt zugleich 
davon Zeugnis ab, daß sein Schöpfer alles 
andere denn ein Kleinstädter, sondern ein 
Mann von großzügiger Auffassung und wei 
tem Weltblick gewesen ist. Der Historiker in 
gleicher Weise wie der Kunstkenner, findet an 
ihm eine Fülle interessanter Einzelheiten. 
Auf vier wasserspeienden Reittieren: einem 
Löwen, einem Roß, einem Stier und einem 
Fabelwesen, stürmen die Verkörperer der da 
mals geläufigen vier Erdteile nach allen 4 
Himmelsrichtungen hinaus in die Welt. In 
prachtvoller Anschaulichkeit sind diese Kraftge 
stalten gemeißelt. Hoch über ihnen ragt das 
Reiterstandbild des Lanöesfürsten, der sich 
1683 als Türkenbesieger an der Vertreibung 
der Osmanen vor Wien beteiligte. Unter den 
4 Wasserspendern stehen die Namen der vier 
Flüsse Sala, Moenus, Naba und Egra und 
verlegen damit Bayreuth in den Weltnnttel- 
PUĶļt. 
gen Beschimpfungen zwischen den Sippen, die 
schließlich aufeinander zu schießen und »'* 
Messern loszustechen begannen. Im Verlaufe 
des Kampfes wurden sogar zwei Bomben ge 
worfen. Am Kampf nahmen auch die weibliche« 
Sippenmitglieder teil, von denen mehrere Ver 
letzungen davontrugen. 
Zoomärter von einem Büffel zertrampelt. 
In dem Zoologischen Garten von Pose« 
ereignete sich ein furchtbarer Vorfall. Während 
eines heftigen Gewittersturmes versuchte ei« 
Wärter die Tiere, die große Unruhe zeigten, in 
ihre Winterstülle zu treiben, damit sie dort vor 
dem Unwetter besser geschützt seien. Dabei 
stürzte sich ein afrikanischer Büffel auf de« 
Wärter und trat ihn nieder. Der Wärter ist 
kurz nach dem Vorfall seinen furchtbaren Ver 
letzungen erlegen. 
Triebwagenunglück in einem Tunnel. 
DNB. Madrid, 21. Mai. In einem Tunnel 
bei Calatayud, südwestlich von Saragossa, fuhr 
ein Triebwagen in voller Fahrt auf Fels 
blöcke, die sich infolge starker Regengüsse ge 
löst hatten und den Schienenweg versperrten- 
Von den Rettungsmannschaften, die erst nach 
längerer Zeit eintrafen, wurden ein Toter 
und drei Schwerverletzte geborgen. Glücklicher 
weise befanden sich in dem Triebwagen n«r 
zwei Fahrgäste. Die Gegend von Calatayud 
war in letzter Zeit von Ueberschwemmunge« 
heimgesucht. 
Waldbrand bei Bremervörde. 
NN. Bremervörde, 21. Mai. Im Sandboste- 
ler Holz entstand, wahrscheinlich durch Unvor 
sichtigkeit, ein Waldbrand, der sich schnell i« 
Richtung auf Dorf Sandborstel zu ausdehnte. 
Die Feuerwehren der umliegenden Ortschaften 
wurden alarmiert. Sie versuchten das Feuer 
abzuriegeln. Doch erst dem Einsatz aller Dorf 
bewohner gelang es, das Feuer zu ersticken 
und jede Gefahr zu beseitigen. Es sind etwa 
zwei Morgen Föhrenwald durch die Flamme« 
vernichtet worden. 
Rache an einer Treulosen. 
In dem Dorfe Kostelan bei Ungarisch- 
Hradisch machte eine Bauerntochter vor einiger 
Zeit eine Bekanntschaft mit einem Bauern 
sohn aus einem Nachbardorfe. Das junge 
Mädchen wurde dann dem Burschen untren 
und wandte seine Gunst einem anderen Bau 
ern zu. Aber auch diese Beziehung währte 
nicht lange; denn als eines Sonntags ein ele 
ganter junger Mann auf einem Motorrad iw 
Dorf erschien, vergaß das Mädchen beide Bur 
schen und verliebte sich in den Motorradfahrer. 
Die beiden Verschmähten wurden von ihre« 
Kameraden so verspottet, daß sie beschlossen 
sich an dem Mädchen zu rächen. An diesel 
Aktion beteiligten sich auch zwei andere frü 
here Liebhaber. Einer der vier „Ehemaligen^ 
forderte das Mädchen auf, mit ihm eine« 
Spaziergang in den nahen Wald zu unter 
nehmen. Das Mädchen sagte zu und ging 
nichtsahnend mit. An einer verabredeten 
Stelle im Walde warteten die drei anderen- 
Gemeinsam überfielen sie das Mädchen, steck 
ten ihm einen Knebel in den Mund und ban 
den es dann mit Stricken an einen starke« 
Baum. Die Arme des Mädchens fesselten sie 
an die Zweige der nächststehenden Bäume, f« 
daß die Treulose gekreuzigt war. Dann über 
ließen sie das Mädchen seinem Schicksal. Die 
ser Racheakt hätte böse Folgen haben könne«/ 
wenn es dem Mädchen nicht im Verlaufe einer 
Stunde gelungen wäre, nach und nach freizu 
kommen. Für die verschmähten Liebhaber 
wird diese Selbstjustiz noch ein gerichtliches 
Nachspiel haben. 
Sport 
Heinkel SC. vom Futzballsport ausgeschaltet- 
Verwaltttngsmaßnahme des Gaufachamts 
leiters. 
Der Heinkel Sport-Club e. V., Rostock, wi^ 
ab sofort aus dem Fußballsportverkehr ausge- 
schäftet. Von dieser Ausschaltung ist die I«- 
gendabteilung des Vereins ausgenommen. D« 
Ausschaltung gilt vorläufig bis zum 15. ÄR 
gust 1936. Ob sie dann aufgehoben werde« 
kann, hängt davon ab, ob die Frage der F«« 
rung der Fußballabteilung des Vereins 
dahin befriedigend hat gelöst werden können. 
Dr. Riebow- 
Entscheidung des Gausportmarts. 
In den Spielen der Bezirksklasse MeckleR 
bürg, Staffel Ost, haben beim Heinkel SC. eX 
bzw. zwei Spieler unter Benutzung gefälscht^ 
Pässe mitgewirkt. Daraufhin sind gemäß, 1 ' 
Ziffer 14 der Spielordnung die Spiele für de 
Heinkel SC. verloren. Die betr. Gegner £l ' 
halten die Punkte. Durch diese Entscheids|«« 
wird der Rostocker Sport-Club v. 1895 Meim 
der Bezirksliga Mecklenburg, Staffel Ost, « J 
übernvmmt die für den Heinkel SC. «u#r 
ten Aufstiegsspiele. 
Hamburg, den 48. Mai 1936.
	        
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