Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Rendsburg, den 23. Mai 1936. 
Am 20. Ô. M. hatte die DAF., Reichsbe- 
nrrebsgemeinschaft Bau, zu einer Versamm- 
urng Betriebsführer und Gefolgschaft ins 
Kolosseum geladen. Nachdem Pg. Liepelt die 
Erschienenen begrüßt und auf die Notwendig 
keit und die Bedeutung der Unfallverhütung 
Angewiesen hatte, nahm der technische Auf- 
stchtsbeamte der Hamburger Baugewerks 
berufsgenossenschaft, Baumeister Otte, das 
^Lo-rt zu einem Vortrag über Unfallgefahren 
lvr Hochbau. 
Unfallverhütung ist nicht nur eine sittliche 
Wicht, sondern auch eine Forderung der 
Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit. 75 vH 
Eer Unfälle sind auf Gleichgültigkeit und 
Unachtsamkeit zurückzuführen. Nur 25 vH der 
Unfälle werden durch gefährliche Maschinen- 
Züsammenbrüche verschuldet,' ein Beweis für 
bie Wichtigkeit der berufsgenosfenschaftlichen 
Unfallverhütung. 50 Jahre kämpft diese schon 
Segen den Unfallteufel an. Die Feststellung 
Zeigt deutlich die Notwendigkeit, den Menschen 
Zur Unfallverhütung zu erziehen und zur 
bauernden Mitwirkung zu gewinnen. An 
Renten und Entschädigungen müssen von den 
Sewerblichen und landwirtschaftlichen Berufs- 
Senossenschaften jährlich 1,3 Milliarden JUt 
Aufgebracht werden, umgerechnet auf den Tag 
Zü 8 Stunden pro Tag 4,6 Millionen &JI, pro 
Stunde 572 000 JUl, pro Minute 9000 0UL. 60 
ïote verliert Deutschland täglich durch Un 
fälle, pro Jahr 25 000 wertvolle Menschen 
leben, ganz abgesehen von der größeren Zahl 
der Krüppel. Diese Unfallzahl muß gesenkt 
werden, sie kann es, wenn jeder sich mehr als 
bisher in den Dienst der Unfallverhütung 
stellt. Wenn die Unfallzahl nur um 10—20 vH 
gesenkt wird — die selbstverschuldeten Be 
triebsunfälle lassen sich bei mehr Vorsicht und 
Umsicht leicht senken — werden der Volks 
wirtschaft jährlich mehrere Hundert Mil 
lionen erspart. 
Mit einem Appell an die Versammelten, sich 
in den Dienst der Unfallverhütung zu stellen 
Und ihre Tätigkeit in diesem Sinne als Dienst 
um Handwerk und Volksganzen zu betrachten, 
schloß der Redner seinen Lichtbildcrvortrag. 
Der ReichslņstschutzSuņd 
erläßt folgenden Aufruf: Am 14. November 
1935 rief der Reichsminister der Luftfahrt und 
Oberbefehlshaber der Luftwaffe, General 
oberst Göring, den im Sportpalast zu Berlin 
Sur Verpflichtung versammelten 20 000 Amts- 
Wägern des Reichsluftschutzbundes zu: 
„Es ist so sehr notwendig, meine Kamera 
den, daß wir immer das brennende finan 
zielle Problem des Luftschutzes erkennen und 
den Grundsatz der Selbstfinanzierung nicht 
uufgeben. Ihr müßt den Appell an die Opfer- 
bereitschaft des einzelnen richten, um dadurch 
wenigstens die notwendigsten Mittel für die 
Organisation des Luftschutzes selbst auszu 
bringen! Der Staat wird tun, was er kann. 
Daß aber darüber hinaus die freiwillige 
Spende eine Notwendigkeit ist, das muß allen 
klar sein!" 
In Befolgung dieser Mahnung werden am 
r 3 * und 24. Mai die Amtsträger der Selbst 
schutzkräfte des Reichsluftschutzbundes in den 
Häusern und auf den Straßen an alle Volks 
genossen herantreten mit der Bitte, eine 
Spende für den Luftschutz zu geben und da- 
mr die ansprechende Plakette des RLB. ent 
gegenzunehmen. Nehme jeder die Gelegenheit 
g^ahr, um die Sicherheit Deutschlands zu ge 
währleisten. Er trägt damit bei zu seinem 
Eigenen Schutz, zum Schutz seiner Familie und 
bes ganzen Volkes! 
VDA. 
.Auch der VDA. hat den 23. und 24. Mai als 
Sammeltage ins Auge gefaßt. Der Bundes- 
Eiter erläßt einen Aufruf, in welchem es heißt: 
„Deutsche Selbstbehauptung im Ausland ist 
?ster Deutschen Ehre. Die Bedrängnis deut 
scher Kultur jenseits der Grenzen legt uns 
gsten Verpflichtung auf. Auslanösdeutsches 
^pfer sei Ehrenopfer für alle deutschen Volks 
genossen im Reiche. 
, Die Erträge dieser Sammlungstage sind bit- 
.-, Cl nötig, um wenigstens die allerdringlich- 
ş En Aufgaben unseres weitgespannten, kultu- 
. Esten und sozialen Wirkungskreises erfüllen 
^ können. Heute ist die Not größer denn je 
şşvor, stärker aber auch der Glaube und die 
^Ereitschaft der Herzen in einem Reiche, das 
{,;* auf dem Boden des Volkstums begründet 
sü von Adolf Hitler, dem Manne, den einst 
? bst das Schicksal außerhalb der Reichsgren- 
? v den Kampf um Schule, Sprache uud Volks 
stand erleben ließ. 
j. ^hm gehört unser Glaube, unsere Liebe, 
^wer aufs neue, aber auch unsere Opfertat!" 
Rendsburg und Büöelsdorf hat 
^E Ortsgruppe des VDA. in Anbetracht der 
Knickungen anderer Organisationen von 
*** üiLentlicheu Sammlung abgesehen. 
Kampf dem Anfall 
Man erhofft aber tatkräftige Hilfe auf anderem 
Wege durch Spendenzeichnung von Vereinen, 
Verbänden und Einzelpersonen auf das Konto 
der VDA.-Ortsgruppe bei der Spar- und Leih 
kasse in Rendsburg. > 
Sängerfahrt 
Für die diesjährige Himmelsahrtstour, ihre 
47. Sängerfahrt, hatten die Mannen des MGB. 
„Lieöerkranz" einen Vorstoß ins Dithmarscher 
Land geplant. Sie begaben sich bei herrlichem 
Wetter mit Thordsens Dieselauto auf große 
Fahrt über Südfelder Koog (Eiderschleusej, 
Friedrichstadt, Lunden, Heide, Büsum nach 
Mcldorf und von dort zurück über Hademar- 
schen nach Jevenstedt und Rendsburg. Die Be 
sichtigung der Schleusen- und Dammbauten an 
der Eider hinterließ einen starken Eindruck 
vom Triumph des Willens. Im stillen Fried 
richstadt bildete der Marsch der Sänger gewis 
sermaßen ein „Wecken" zu früher Morgen 
stunde durch Lieder der Kameradschaft und der 
Freude am Frühling. Im „Großen Garten" 
war Frühstück. 
Im Nordseebad Büsum hielt man fröhliche 
Rast in der „Alten Post". Dann gings auf die 
Deiche zur Besichtigung des Wattenmeeres, der 
Landgewinnung und des Fischereihafens. Die 
weitere Fahrt durch die Marsch war nach Mel- 
dorf zur „Hollänöerei" gerichtet. Dort wurde 
das Mittagsmahl eingenommen. Erholungs- 
stunde und Besichtigung des Dithmarscher 
Landesmuseums folgten. Heimwärts über die 
Grünthaler Hochbrücke mit ihrem herrlichen 
Fernblick, weiter nach Haöemarschen zur Kaf 
feetafel in Struves Gasthof, wobei der von den 
vereinsamten Sängerfrauen gespendete Kuchen 
verzehrt wurde. Ein großer Teil mußte wieder 
mitgenommen werden, so gut hatten es die 
Mamis mit den Papis gemeint. 
Es kam die vorletzte Strecke nach Jevenstedt 
zum Besuch der dort den „Vatertag" feierndeu 
„Liedertafel" und des Jevenstedter Gesang 
vereins beim Bahnhofswirt Möhl. Die drei 
Männerchöre vereinigten sich zu gemeinsamen 
Darbietungen und zu einem Umzug durch das 
Dorf unter Vorantritt der Hauskapelle der 
Liedertafel. Um 21 Uhr entführte der Bus den 
Liederkranz, uni ihn in strömendem Regen auf 
dem Paradeplatz abzusetzen, wo mehrere Sän 
gerfrauen, dem Element trotzend, warteten. 
Gemeinsam marschierte man, Lieder singend, 
nach der Eiderhalle zum Sangesvater Lull. 
Dort wurde der Rest der Kuchen vertilgt, dazu 
Kaffee in ansehnlicher Menge. 
Mit Ansprachen, Frohsinn, Plaudern und 
Lied wurde Schluß gemacht. Die Sänger hat 
ten sich vollzählig beteiligt. „Onkel Hannes" 
hatte es sich nicht nehmen lassen, die Fahrt mit 
zumachen, dazu als Gast sein Sohn aus Schwe 
rin, früheres Mitglied. Karl Delfs hatte es 
gleichfalls trotz Gesundheitsstörung gewagt, 
die Tour zu unternehmen. Es war eine fröh 
liche Fahrt. 
Die Goetz-Warrderung 
des Rendsburger Männerturnvereins am 
Himmelfahrtstage führte in die Hüttener 
Berge. Nach Brekendorf ging es mit der 
Eisenbahn und von dort über Saar auf dem 
Kamm der Berge nach Ascheffel, wo Mittags 
pause war. Im Verein mit anderen Ausflüg- 
lern gab es nach dem Essen ein fröhliches Bei- 
einandersein auf dem Rasen hinter dem Haus. 
Man dehnte die Glieder in der wohligen 
Wärme der Sonne und sang zu den Klängen 
einer Ziehharmonika. Weiter wanderte man 
über den Aschberg, an Baumgarten vorbei 
nach dem Meierhos bei Ahlefeld, wo der Kaf- 
fectisch wartete. Neugestärkt machte man einen 
kleinen Abstecher an den Bistensee. Dann 
strebte man nach Alt-Duvenstedt. Hier wurde 
nach der Musik des Schifferklaviers zur Freu 
de und zum Ergötzen der Beteiligten und 
der gesamten Dorfgemeinde auf dem Rasen 
getanzt. Um 10 Uhr ertönte das Kommando 
zum Aufbruch. Turner lassen sich durch einen 
kleinen Regen nicht einschüchtern, und so lang 
ten die fröhlichen Wanderer in bester Stim 
mung um halb elf wieder in Rendsburg an. 
Ein Blütcngarten wartet auf Besuch. 
Die Gartenbaukolonie Gerhardshain steht 
in voller Blüte. 700 Obstbäume, vor allem die 
zartrosige Blüte des Apfelbaums, erfreuen
	        
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