Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

»Jeu de boilles** 
'orril 
-ie 
Lord 
; in 
Marseille Wische» Streik ņņd àgeļspîel 
Von nnserem dorthin entsandten SonderSerichterstatter Dr. Vogel 
Marseille, mt Mai. 
ISê stand alles noch so wie vor fünf Jahren: 
^cotre Dame de la Garde auf beherrschender 
Hohe über der Stadt, das durch Balken vor 
oem Einstürzen bewahrte Haus mitten im 
Zentrum, die Schmutz- und Abraumhaufen in 
oen Gassen, der Dunst über dem ungefügen 
Wirrwarr von Hafenkränen, Masten, Lager- 
Ichuppen und Getreidehebern. Und trotzdem 
svar Streik aller Berkehrsarbeiter und Äuge 
lt eilten, hatten drüben in Italien Häfen ihr 
Gesicht verändert. Hier schien alles still ge 
standen zu haben. Beharrlich still im Schmutz, 
Un behaglichen Wohlstand, an der Freude am 
^orm, an vielen bunten Lichtern, an den Ber 
gen von Muscheln, Krustentieren und Austern 
w den Ständen am vieux port! 
Und da, wo noch vor zwei Jahren König 
Alexander von Jugoslawien unter den Ku 
geln eines fanatischen Verbrechers sein Leben 
Aushauchte, stehen wieder Truppen aufmar- 
ichiert, schmettern Clairons, um dem ägypti 
schen Thronfolger die Ehren zu erweisen, die 
chm jetzt nach dem Tode seines Vaters zuste 
hen. Lange Artikel in allen französischen 
glättern. Der Prinz hat traditionsgemäß in 
^ris studiert. Er wird, so hofft man, noch 
ufter hier in Marseille an Land gehen. Und 
gerade hier hat man weniger denn in Paris 
vergessen, wer den Suezkanal gebaut hat und 
so töricht war, Aegypten auszugeben. . . 
Italien hat vier Häfen von Bedeutung am 
Mittelmeer. Frankreich nur einen: Marseille. 
Nlles was mit dem Riesenbesitz in Afrika zu 
mn hat, konzentriert sich hier. Und Afrika 
entsandte dafür seine Vertreter in allen nur 
denkbaren Hautschattierungen vom dunkelsten 
«chwarz bis zur matten Tönung des rein- 
olütigen Arabers in die Handelsmetropole. 
Gerade kommen Abteilungen der gemischten 
Regimenter an Land. In Tropenuniformen, 
wit dem roten Fez auf dem Kopf. Schwarz 
Und weiß gemischt. In der gleichen Uniform. 
Noch marschiert ein weißer Offizier an der 
Spitze der Abteilung. Wie lange noch? . . . 
Es scheint, als ob tatsächlich der Prozentsatz 
her Farbigen in den letzten Jahren stark zu 
genommen hätte. Nicht nur Afrika strömt 
hier zusammen, sondern auch Annam, Indo 
china und das bunte Volk Indonesiens. Sie 
tragen noch in Europa ihre Landestracht, wäh 
rend der Syrer, Araber und Berber sich in 
einen Europäer nach letztem Pariser Schnitt 
verwandelt. Und kein reicher Nigger wird 
vergessen, weiße Gamaschen über seine Schuhe 
zu ziehen, in deren Glanz sich die Sonne spie 
gelt. Und vergessen wir eins nicht: sie spre 
chen alle Französisch, reines Französisch, Sy 
rer, Aegypter, Berber, Senegalesen, Jndochi- 
nesen und Annamiten! Die französischen 
Schulen leisteten seit über hundert Jahren 
wirkliche Borarbeit. Französische Missionen 
gingen von Marseille nicht nur hinaus, um 
das Evangelium zu predigen, sondern ebenso 
um leidenschaftlich französische Kultur und 
Sprache im Orient, in Afrika wie in Hinter 
indien zu verbreiten. Und für alle diese 
Rassen, vor allem für ihre Intelligenz (gleich 
bedeutend mit ihren wohlhabenden Schichten) 
ist Marseille nur Pforte nach Paris, dem Ziel 
ihrer Sehnsucht, mögen sie noch so leidenschaft 
liche Nationalisten sein. — 
Man streikt hier. Keine Tram, kein Taxi 
fährt. Am Abend stehen wohl die Männer in 
ihren blauen Arbeitskitteln zusammengeballt 
vor einigen Lautsprechern, in denen die Red 
ner der Volksfront sprechen. Die kommuni 
stischen Agitatoren haben den meisten Beifall. 
Sie nehmen langsam aber sicher den Soziali 
sten den Wind aus den Segeln. Das ist das 
eherne Gesetz der politischen Entwicklung. Im 
Wettlauf um die Massen gewinnt der Radi 
kalste das Nennen, wenn die andern ihn mit 
rennen lassen. 
Ach ja, ich vergaß es auch in der Stadt, man 
streikt. Aber ich sah fast nirgends etwas, was 
nach Streik im üblichen Sinne roch. Wir 
Deutschen, die wir das alles längst hinter uns 
wissen, betrachten diese Dinge fast mit der 
Neugierde von Touristen, denen eine inter 
essante aber total fremde Kuriosität irgendwo 
im Ausland vorgesetzt wird. Sie scheinen, 
diese biederen Spießbürger in ihren blauen 
Kitteln, ja nur zu streiken, um sich den ganzen 
Tag über leidenschaftlich auf das Spiel von 
Marseille „Jeu de Boules" zu werfen. Unser 
Zollbeamter, vielfacher Champions de Mar 
seille Besitzer wertvoller Trophäen, hält uns 
einen bewegten, eindringlichen Vortrag über 
dieses Marseille bewegende Spiel mit den 
goldglänzenöen, hohlen Metallkugeln. Ein 
Spiel, bei dem gutes Augenmaß und eine 
sichere Hand erforderlich sind, damit ähnlich 
wie beim Billard eine Kugel die andere be 
rührt. 
Auf jedem freien Stückchen Erde stehen sie 
in Gruppen beieinander. Jung und alt. Nur 
Männer. Ein Spiel für Münnersäufte. Ich 
sah es, mit Steinkugeln gespielt, auch schon an 
der ligurischen Küste. Nichts vermag den Eifer, 
die Andacht, die Spannung, die Energie rich 
tig wiederzugeben, die ich in den Gesichtern 
der Kugelwerfer beim Wurf konzentriert sah. 
Sie üben und spielen unermüdlich unter frei 
em Himmel, der heißen Sonne ihrer schönen 
Heimat tagsüber ausgesetzt. Ich sah sie früh 
um 7 Uhr bereits vor der Kathedrale spielen, 
da wo der Blick durch die elegante Eisenkon 
struktion der Hochführe über den vieux port 
hindurch auf Notre Dame de la garde geht. 
Wo direkt unter uns Soldaten gelangweilt 
auf den Bastionen Vanbans zum Schutze der 
alten Hafeneinfahrt heute wie vor 200 Jahren 
marschieren. Sie spielten im Dreck von Alt- 
Marseille. Neben ihnen zerrte das Wasser 
rinnsal im Rinnstein vergeblich an den Dreck 
haufen, um sie in den Hafen zu schwemmen. 
Sie spielten an denselben Plätzen noch bei 
Sonnenuntergang. Trotz Streik, trotz Kam 
merwahlen, trotz Prinzenempfang am Hafen. 
,F^eu de Boules". 50 000 Francs ist der 
höchste Preis, der bei den großen Ausschei 
dungskämpfen der Meister von Marseille 
winkt. 60 000 Francs! Und jeder Straßen 
junge kann sie holen, denn es ist ein Spiel 
für alle. Ein Spiel, wie wir es in Deutsch 
land mit so einfachen Mitteln und soviel ge 
sunder Bewegung in frischer Luft leider als 
Volkssport nicht besitzen. Es versöhnt mit 
vielem: mit dem unglaublichen Schmutz, dem 
Gesindel in der Altstadt. Es versöhnt fast 
ebenso wie die Wallfahrtskirche hoch über der 
Stadt uns über die Laster und Menschlich 
keiten zu ihren Füßen hinwegsehen läßt. 
* * * 
Die ZeniraldrnEerei der illegalen kommuni 
stischen Partei Bulgariens ausgehobcn. 
DNB. Sofia, 22. Mai. Der politischen 
Staatspolizei ist ein neuer Schlag gegen die 
zunehmende kommunistische Wühlarbeit i« 
Bulgarien gelungen. In einem Hause am 
Rande der Hauptstadt konnte die Zentral 
druckerei der illegalen kommunistischen Partei 
aufgedeckt werden, in der das verbotene Or 
gan der Partei „Arbeiterzeitung" gedruckt und 
für den illegalen Versand vorbereitet wurde. 
Im Zusammenhang damit sind 14 Personen 
verhaftet worden, unter denen sich auch einige 
kommunistische Funktionäre befinden. 
Horèlfájet fgongteļ m Kopenhagen. 
Die Stellung der skandinavischen Länder 
zum Völkerbund. 
DNB. Kopenhagen, 23. Mai. In der dä 
nischen Hauptstadt begann am Freitag ein auf 
zwei Tage berechneter nordischer interparla 
mentarischer Kongreß, an dem etwa 60 Ver 
treter aus Dänemark, Finnland, Island, 
Norwegen und Schweden teilnehmen. Nach 
Begrüßungsworten des Staatsministers 
S t a u n i n g wurden die Verhandlungen 
durch einen Vortrag des dänischen Außen 
ministers Munch über „Möglichkeiten einer 
Friedensarbeit durch den Völkerbund" ein 
geleitet. Nach einem Hinweis darauf, daß die 
sieben „neutralen Staaten", deren Außenmini 
ster sich vor der letzten Ratstagung in Genf 
zu Beratungen zusammengefunden hatten, 
entschlossen seien, im Völkerbund zu bleiben, 
erklärte Dr. Munch, die Voraussetzung dafür 
sei, daß der Völkerbund nicht zum Instrument 
einer einzelnen Gruppe herabsinke und daß 
den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes nicht 
neue, mit unverhältnismäßigen Gefahren ver 
bundene Verpflichtungen ohne gleichzeitige 
Steigerung der Sicherheit auferlegt würden. 
Starke Beachtung fanden die Ausführungen 
des früheren norwegischen Staatsministers 
M o w i n k e l, der nach einem Hinweis auf 
die Rüstungen der verschiedenen Länder, ins 
besondere diejenigen Sowjetrußlands, u. a. 
betonte, daß die nordischen Länder sich die 
Frage vorlegen müßten, ob sie nicht einen 
neuen Standpunkt einnehmen müßten. Sie 
hätten zu überlegen, ob sie sich im Kriegs 
fälle für absolut neutral erklären oder sich 
durch Beteiligung an Sühnemaßnahmen auf 
die Seite einer kämpfenden Partei stellen soll 
ten. Er sei für einen 25jährigen Friedenspakt 
und gäbe zu bedenken, ob es für die nordi 
schen Länder nicht vernünftig wäre, die Ini 
tiative zu einem Luftpakt zwischen den nordi 
schen Staaten, Sowjetrußland, Deutschland, 
Frankreich und England nach den von Adolf 
Hitler mitgeteilten Richtlinien zu ergreifen. 
„Die Msşşêrà MoTdMsrk" 
SchļesWig-holsteinisches Barrerràm rrrrd schleswig-holsteinischer Arbeitsdienst 
zengen von MnshaMKrsolger! 
Die große Wirtschaftsschau, die am vergan 
genen Sonnabend in den Hamburger Ausstel 
lungshallen unter dem Leitwort „Die schaf 
fende Nordmark" eröffnet wurde, hatte schon 
den ersten Tagen, durch das prächtige Wet 
ter begünstigt, einen überaus guten Besuch 
Mfzuweisen. So konnte bereits nach einer hal 
ben Woche eine Besucherzahl von etwa 16 000 
berzeichnet werden. Diese Tatsache ist ein schö 
ner Beweis dafür, daß die Absichten der Schöp- 
ier und Veranstalter dieser Ausstellung in 
Weitesten Kreisen rege Anteilnahme ausgelöst 
haben. Dabei verfolgt die Ausstellung neben 
bem Zweck, dem Beschauer einen geschlossenen 
fieberblick über die Wirtschaftszweige des 
Zaumes Nordmark zu vermitteln, die weitere 
Şsicht, diese Wirtschaftszweige selbst in engere 
Tuchfühlung zueinander zu bringen und ihre 
Zwangsläufige Verbindung mit dem Großum- 
'chlagplatz Hamburg aufzuzeigen. 
.Die Ausstellung ist ein leuchtendes Beispiel 
ffUer gemeinschaftlichen Leistungsschau, zu der 
ach über politische und Verwaltungsgrenzen 
hinweg neben Hamburg Schleswig-Holstein, 
Mecklenburg sowie Teile Hannovers zusam- 
wengehlnden haben. Der Charakter gemein 
schaftlicher Leistung ist vor allem auch darin zu 
^blicken, daß nicht einzelne Aussteller, ein 
zelne Firmen und Betriebe ihre Erzeugnisse 
bem Besucher vorlegen, sondern alle nur im 
Nahmen ihrer Berufs- und Wirtschaftsfach- 
hbuppe zur Geltung kommen. 
* 
g^ei einer von dem Gedanken getragenen 
Veranstaltung, ein Bild der schaffenden Nord- 
îff.brk zu geben, hat die schleswig-holsteinische 
Wirtschaft einen Platz im Vordergrund ein- 
Schnehmen. Und cs nimmt nicht wunder, daß 
! e ihrer ganzen Struktur nach gerade in dem 
andwirtschastlichcn Teil der Nordmarkschau 
vrherrschend ist. Die Landesbauernschaft 
Schleswig-Holstein bildet hier mit ihrer Aus 
übung in einem Zeltbau neben der kleineren 
Ausstellungshalle, der Brchmhalle, den Mit- 
Punkt und hat eine Schau geschaffen, die 
"an ohne weiteres zu den einheitlichsten und 
da Ģossensten der ganzen Ausstellung rechnen 
^urch Marktordnung und Ertragssteigerung 
" einem Jahr 1,5 Milliarden für industrielle 
Rohstoffbeschaffung. 
g^Diese Worte stehen breit und kräftig in der 
'ugangshalle der Landesbauernschaft Schles- 
è îg-Holstein, in der in großen Zügen ein Bild 
agrarpolitischen Maßnahmen der letzten 
Jahre und ihrer Erfolge gegeben wird. Er 
tragssteigerung, Marktordnung, Bvrratswirt- 
schaft, Arbeitsbeschaffung durch die Politik des 
Reichsnährstandes, dadurch bedingte Ver 
brauchssteigerung — das sind die einzelnen 
Glieder der Kette, an deren Ende eine Devi 
senersparnis von 1,6 Millaröen steht, die nun 
erneut der Arbeitsbeschaffung dient. 
Die zweite Ausstellungshalle führt uns 
dann mitten hinein in die schleswig-holsteini 
sche Landwirtschaft mit all ihren einzelnen 
Zweigen. 
Mittelpunkt und Kernstück dieses Raumes 
bildet das Großmodell eines Bauernhofes, des 
Durchschnittshofes „Schleswig-Holstein", der 
in ungemein anschaulicher Weise die Anbau- 
verhältnisse und den Viehbestand in Schles 
wig-Holstein darstellt, umgerechnet auf einen 
Hof von 25 Hektar landwirtschaftlicher Nutz 
fläche. 
Als Beispiel für die Bedeutung, die die 
bäuerliche Sippe als Vlutquell des Volkes Hai, 
hängt in der Nähe dieses Hofmoöells übrigens 
eine Bildtafel der Sippe Nathjen aus dem 
Kreise Rendsburg, öte in Homfeld beheimatet 
ist. Die 7 Generationen dieser Sippe sind an 
schaulich von 1703 bis in die Gegenwart fort 
geführt. Ein anderes Beispiel aus der Prob- 
stei, und zwar die Flurkarte von Gödersöorf, 
zeigt die starke Vodenverbunöenheit unserer 
Bauerngcschlechter, die über mehrere Jahr 
hunderte hinweg das Land im Besitz der glei 
chen Familie hielten. 
Bauerntum und Arbeitsdienst 
Schulter an Schulter im Kampf um die Nähr 
freiheit unseres Volkes. 
Die Bedeutung Schleswig-Holsteins für die 
Nahrungsfreiheit ist im Gegensatz zu der an 
derer Gebiete stark gekennzeichnet durch die 
an der Nordseeküste betriebene Neulandgewin 
nung. Wertvolle Verbündete des Bauerntums 
sind hier die Männer des Arbeitsdienstes, die 
damit an der gleichen Aufgabe schaffen, die 
Lebensgrundlage des deutschen Volkes zu er 
weitern. Rund 2600 Hektar Neuland wurden 
bisher an unserer Westküste gewonnen. Diese 
2600 Hektar als Anbaufläche von z. B. Brot 
getreide würden aber bedeuten, daß rund 
45 000 Menschen, also eine Stadt wie Wands 
bek, versorgt werden könnten. 
Bei dieser Verbundenheit zwischen dem 
schleswig-holsteinischen Bauerntum und unse 
rem Arbeitsdienst, war es nur folgerichtig, 
wenn als benachbarte Schau in der kleinen 
Ausstellungshalle neben dem Zelt unserer 
Landesbauernschaft die des Arüeitsgaues VH, 
der die Gebiete Schleswig-Holstein, Hamburg 
und Lübeck umfaßt, Platz gefunden hat. Diese 
Schau, deren Einzelheiten ausnahmslos von 
den Arbeitsmännern in ihrer Freizeit gefer 
tigt wurden, ist gerade deshalb so überzeu 
gend, weil sie an Hand zahlreicher, geschickt 
angelegter Modelle einen Ucberülick über die 
in unserem Arbeitsgau abgeleisteten und noch 
zu leistenden Vorhaben ermöglicht. Hierbei 
überwiegen naturgemäß die Landskultur- und 
Landgewinnungsarbeiten als charakteristische 
Aufgaben des schleswig-holsteinischen Arbeits 
dienstes. 
Auch die Modelle der Arbeitsvorhaben sind 
also zur Hauptsache dem Gebiet der Landes 
kulturarbeiten entnommen und bieten eine 
ausgezeichnete Gelegenheit, sich über die Vcr- 
schiedenartigkeit der dem Arbeitsdienst in 
Schleswig-Holstein gestellten Aufgaben zu ori 
entieren. Landgewinnung an der Westküste, 
Meliorationen an der dänischen Grenze, Drä- 
nagearüeiten an der Ostsee, Flußregulierungen 
im Holsteinischen, Wegebau im Lauenburgi 
schen — sorgsam und präzis gearbeitete Mo 
delle, vielfach in Verbindung mit Kartenskiz 
zen, geben Aufschluß über Wege und Ziele und 
nicht zuletzt auch Erfolge der Arbeitsdienstvor 
haben in unserem Gau. 
Daß daneben aber der schleswig-holsteinische 
Arbeitsdienst auch auf anderen Gebieten Lei 
stungen aufzuweisen hat, lassen uns weitere 
Darstellungen erkennen, die natürlich aus der 
Vielzahl der Aufgaben auch wieder nur eine 
Auswahl darstellen. Da finden wir eine in 
Holz ausgeführte Ansicht des Marineehren 
mals in Laboe, dem durch den Arbeitsdienst 
eine würdige und ansprechende Umgebung ge 
schaffen wurde,' ferner das Gipsmodell der 
Umgebung des Segebergcr Kalkberges sowie 
der in dem Kalkbruch zu errichtenden Thing 
stätte. Aus dem Kreis Rendsburg hat eine 
saubere Nachbildung des Feuerlöschteiches von 
Tönsheidc Aufstellung geflinden als Muster 
einer solchen Anlage mit Schlammfang, Ucber- 
lauf und Saugstelle. Der Wasserinhalt dieses 
Teiches beträgt rund 3000 Kbm. Im Kreis 
Rendsburg sollen vorläufig 100 einwandfreie 
Feuerlöschtciche gebaut werden mit einem Auf 
wand von 24 600 Lohntagewerken als Gemein 
schaftsarbeit zwischen Reichsarbeitsdienst und 
der Landesbranökasse. 
Steigerung der Spareinlagen 
bei den schleswig-holsteinische» Sparkassen 
um 30 % in den ersten drei Ausbanjahren. 
Verlassen wir nun diese beiden Schauen, in 
denen schleswig-holsteinischer Arbeitswille und 
seine Erfolge am glücklichsten zum Ausdruck 
gekommen sind, und durchwandern wir die 
übrigen Räume der kleinen Ausstellungshalle, 
so treffen wir auf die Verkehrseinrichtungen 
der Nordmark, auf die Ausstellungen der 
Reichsbahn, der Reichspost wie der Lufthansa. 
Einen sehr schönen Raum haben schließlich der 
Landesfremdenverkehrsverband Nordmark mit 
dem LFV. Mecklenburg gestaltet, in dem eine 
Reihe der reizvollsten Landschaften aus allen 
Teilen unserer schleswig-holsteinischen Heimat 
für den Besuch dieses meerumschlungenen 
Landes werben. 
Hat bisher im Rahmen der „Schaffenden 
Norömark" Schleswig-Holstein als vorwiegend 
landwirtschaftlich ausgeprägtes Gebiet einen 
beachtlichen Beitrag zu einer Uebersicht über 
diesen Wirtschaftsraum geliefert, so stehen in 
der Halle, in der Handel, Industrie und Ge 
werbe ihre Stände , aufgeschlagen haben, der 
hanseatische Ein- und Ausfuhrhandel, die In 
dustrie der Hamburg benachbarten Städte so 
wie Hamburgische Handwerksbetriebe im Vor 
dergrund. 
Dennoch durchwandern wir mit nicht minde 
rem Interesse diese Halle, in der die in der 
Wirtschaftsgruppe Norömark zusammenge 
schlossenen Fach- und Untergruppen einen 
überzeugenden Beweis ihrer Leistungsfähig 
keit erbracht haben. Ein Stand des schleswig- 
holsteinischen Sparkassenverbandes nennt uns 
als Zahl der in Schleswig-Holstein bestehenden 
Sparkassen 495. Diese verwalteten Ende 1932: 
312 Millionen Mark Spareinlagen, konnten 
diese aber bis Ende 1935 auf 404 Millionen um 
rund 30 % steigern. Die Deutsche Gesellschaft 
zur Rettung Schiffbrüchiger hat neben ihrem 
neuerbauten Motorrettungsboot „Horumer 
Siel", das auf dem Ausstellungsgelänöe viel 
Beachtung findet, auch hier einen Stand errich 
tet. Etwa 6500 Menschen wurden in den 70 
Jahren ihres Bestehens dem sicheren Tod ent 
rissen, eine Zahl, von der allein über 1000 auf 
die schleswig-holsteinischen Rettungsstationen 
entfallen, ungerechnet der 600 Menschen, die 
von den Feuerschiffen vor der Elbmündung 
gerettet wurden. 
Den Beschluß der Ausstellung bildet in der 
Ernst-Merck-Halle die Kreishandwerkerschaft 
Hamburg. Es ist erklärlich, daß das Gewerbe 
der Nordmark vorerst nur durch den Aus 
stellungsort Hamburg selbst in Erscheinung 
tritt, und zwar hauptsächlich aus finanziellen 
Erwägungen. Es ist jedoch zu wünschen, daß 
in künftigen Jahren — ist es doch die Absicht 
der an dieser Ausstellung beteiligten Kreise, 
die „Schaffende Nordmark" zu einer laufenden, 
ständig wiederkehrenden Wirtschaftsaktion zu 
machen — auch Handwerksbetriebe aus dem 
übrigen Gebiet der Norömark vertreten sein 
werden. Zum mindeste» solche Betriebe, die 
sich durch ihren Ruf, ihre Leistung oder auch 
das Einmalige ihres Bestehens eine Sonder 
stellung erworben haben. Daß dann auch 
Schleswig-Holstein nicht fehlen wird, davon 
sind wir überzeugt. 
Robert Schiffnraum
	        
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