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Vom Grnndwafferstockwerk zum Wafferhchu
Ein QnerschrriLt durch Rendsburgs Waffervsrsorgnng
Von Dingen, die wir im Ueber fluß besitzen,
°ie uns im gebrauchsfertigen Zustand ange
lten werden und die sehr billig im Preise
şilld, pflegen wir nicht viel Aufhebens zu ma-
Ņ, und die gleichgültige Selbstverstündlich-
^it, mit der die Hausfrau täglich viele Male
lst Wasserhahn in der Küche öffnet, um Ge-
Ichirre, Töpfe u. Wannen zu füllen, läßt wenig
von der Bedeutung ahnen, die dem Wasser als
Atteln Grundstoff unseres Lebens zukommt,
üoch von der Mühe, die bei seiner Gewinnung
Und Bereitung aufgewandt werden muß. Die
Griechen hielten das Wasser für ein Element,
und Empedokles stellte es mit Feuer, Luft und
Ģrde in eine Reihe. Er zeigte mit seiner Lehre,
oaß er des Wassers Wichtigkeit als Lebensele-
Utent erfaßte, wenngleich noch über 2000 Jahre
umgehen mußten, bis die chemischen Elemente
Wasserstoff und Sauerstoff in ihrem Volumen-
verhältnis 2:1 als die Bausteine des Wassers
srkannt wurden. Heute ist die Formel H-O bei
jedem älteren Schüler bekannt und wegen
ihrer Einfachheit auch beliebt, ja, er wird über
dies vom Wasser wissen, daß drei Fünftel der
Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind. Men
schen, Tier und Pflanze lechzen gleichermaßen
uach ihm, sollte es einmal ausbleiben, und
u>enn ein qualvolles Verdursten im Sanö-
şiurm der Wüste für uns glücklicherweise ein
spannendes Romanerlebnis bleibt, so hat die
S’ütst morgana eines Bechers klaren, kühlen
Duellwassers auch schon manchem deutschen
Soldaten, manchem durstigen Wanderer auf
staubiger Straße in drückender Mittagsglut
vorgeschwebt.
Preisen wir den technischen Fortschritt, der
uns das edle Naß so mühelos in den Becher
stießen läßt, und seien wir uns einmal be
wußt, welche mannigfachen Probleme hier ge
tost werden mußten, bis es zu dieser Vervoll
kommnung kam.
^Rendsburgs Wasserversorgung ist durch die
Inbetriebnahme des Werks am Armensee in
oinen neuen Abschnitt der Entwicklung einge
treten. Wir benutzten den Anlaß, mit der
Wünschelrute des Notizbuches dem schmucken
Hause, das wegen seiner abgeschiedenen Lage
Um Südrand des Fockbeker Waldes noch vie-
ten unbekannt sein dürfte, einen Besuch ab
zustatten.
Von dem Altan vor dem Backsteinbau streicht
unser Blick über die in der Mittagsstille im
Sonvenglast daliegenden Niederungen der
Attihlenau und der Eider bis zur leicht sich
filmenden Stadt Rendsburg, über der das
vläuliche Filigran der Hochbrücke schwebt. Es
Ģ ein landschaftlich ungemein reizvolles Plätz
en. Direktor Anders von den Städtischen
Werken ist so liebenswürdig, unsere Fragen
lachverständig zu beantworten, die sich zunächst
Uns das „Warum" der neuen Anlage beziehen,
hud dann die Führung durch das Haus zu
Übernehmen.
versiegende Vorgstedter Duellen.
Die Schwierigkeiten, die im Laufe der Jahr-
^hnte immer mehr angewachsene Stadt
^endsburg durch das im Jahre 1891 errichtete
^orgstedter Werk mit Wasser zu versorgen,
setzen in zwei Tatsachen begründet, die sich
Zlerdings nicht erst seit gestern hemmend be
merkbar machen: zum ersten in der durch den
?unalbau hervorgerufenen Wasserstandssen-
.Ung um 2,8 Mtr. und der damit verbünd. Aen-
erung des Grundwasserhorizontes und zwei
es in der Verstopfung der Filterzugänge der
Hunnen durch den Sand der wasserführenden
Schichten, der sich wegen seines ungewöhnlich
litten Korns in die Brunnen-Filter einspü-
Eh kann. Im Laufe der Jahre wurden immer
leder Versuche der Abhilfe in Borgstedt ge-
!/0cht. Um ein anderes Grundwasserstockwerk
wasserführende Schicht zwischen zwei was-
wvundurchlässigcn Schichten) zu erreichen, gin-
die Bohrungen bis in 100 Meter Tiefe.
, R 1931 neu erbohrter Brunnen sollte bei
spielsweise nach dem Projekte 18 Kubikmeter
^Undlich liefern. Bei Inbetriebnahme betrug
ş Leistung 10 Kubikmeter und nach einem
h^hre nur noch 4 Kubikmeter. Die Versuche
\ Diesen also, daß es nicht möglich war, die
H^osserausbeute Borgstedts nennenswert zu
şiou. Der sehr heiße Sommer des Jahres
1929 gab dann den letzten Anstoß, die provi
sorische Pumpstation am Armensee zu errich
ten, eine Platzwahl, die nach Hunderten und
aber Hunderten von Bohrungen getroffen
wurde und die sich in der Folgezeit als außer
ordentlich glücklich erwiesen hat. Für rund
26 000 MUl einschl. aller Nebenkosten ist da
mals diese Station gebaut worden. In den
Jahren 192Ü-1936 hat sie den Wasserbedarf
unserer Stadt zur Hälfte gedeckt. Wie groß ist
nun dieser Verbrauch?
Rendsburgs Durst in Zahlen.
Damit ist in diesem Fall nicht nur jener
Durst gemeint, den wir durch mannigfach be
reitete Getränke gewöhnlich in den schönen
Gaststätten Rendsburgs befriedigen, sondern
jener elementare Durst, der Schrei nach Was
ser, nach dem unabdinglich lebensnotwendigen
Stoff, den alles Lebende zu seinem Aufbau
und Fortbestehen gebraucht. Der auf den Kopf
der Rendsburger Bevölkerung jährlich ent
fallende Wasserverbrauch liegt unter dem
Durchschnitt im Reich, eine Tatsache, die nicht
dazu verleiten soll, etwa zu behaupten, daß
man sich bei uns nicht so sauber wüsche, son
dern für die es mannigfache andere Erklärun
gen gibt. Der Wasserbedarf einer Stadt hängt
hauptsächlich von drei Komponenten ab: der
Zahl der gemeldeten Bevölkerung, einschl. Mi
litär, dem Bedarf der Industrie und der Wit
terung (Niederschlagsmenge und Temperatur).
Rendsburg verbraucht 760 000 Kubikmeter
Wasser im Jahr, eine Zahl, die eindringlich
wird, wenn man feststellt, daß sie dem Inhalte
von etwa 3 Millionen Badewannen entspricht.
Die Zahl sagt ferner, daß auf den Kopf unse
rer Bevölkerung pro Tag 80 Liter Wasser ent
fallen. Am Tag des höchsten Wasserverbrauchs
im Sommer verdoppelt sich diese Zahl nahezu,
indem sie auf das 1,7- bis 1,8fache des Mittels
steigt. Wie werden diese Mengen an die ein
zelnen Häuser herangeführt?
Hochstraßen des Leitungswassers.
Wie der Weltverkehr eine Hochstraße vom
englischen Kanal nach Neuyork kennt, wie
Rendsburg seine Hauptverkehrsader vom Pa
radeplatz bis zur Eiderschleuse besitzt, so ist
auch die Bedeutung der einzelnen Wasser
leitungsstränge nach der Zahl der Zapfstellen,
die sie zu versorgen haben, durchaus unter
schiedlich. Verständlicherweise hat die Leitung
Ein Blick in die Filterhalle.
vom Wasserwerk den größten Bedarf zu be
friedigen und muß daher am leistungsfähigsten
sein. Das in der provisorischen Pumpstation
geförderte Wasser wurde 1929 durch eine Lei
tung zur Fockbeker Chaussee gebracht und hier
in das bereits bestehende Netz eingeführt. Das
damalige Leitungsnetz war nach dem Borg-
stedter Wasserwerk orientiert, d. h. die Leitung
der Fockbeker Chaussee gehörte zu den letzten
Verästelungen dieses Netzes und war nur von
geringem Querschnitt. Sie genügte nicht für
die starken Wassermengen, die nun plötzlich
von ihrem Ende durch sie hindurchgeführt wur
den. Im Jahre 1932 wurde deshalb mit einem
Kostenaufwanöe von 80 000 MJl eine neue Lei
tung von der provisorischen Pumpstation ge
baut, die in Voraussicht der kommenden Ver
größerungen den Durchmesser von 300 Milli
meter erhielt. Sie trifft beim Zollamt auf die
alte Vorgstedter Leitung von 200 Millimeter
Durchmesser.
12 bis 15 Prozent der durch das Rohrnetz
versandten Wassermenge sind als Verlust ein
zusetzen. Trotzdem unser Leitungsnetz in sei
nem überwiegenden Teil aus dem Jahre 1891
stammt, ist nur die kleinere Hälfte des Ver
lustes auf Undichtheiten zurückzuführen. Un
ter diesem Posten rangieren vor allem die
Feuerwehr und das Spülen von Kanalisati
on und Wasserleitungen.
Die neuen Brunnen
helfen der Hausfrau sparen.
Von dem Haushaltsjahr 1933-34 an ergab
sich für die Städtischen Werke die Möglichkeit,
Das Herz des Wasierrverks: die drei Hocltdruckpnmpe«
Das Gehirn: Die Schalttafel mit den Ueber-
wachungsapparaturen.
Beträge zurückzulegen für den Ausbau der
bisherigen provisorischen Pumpstation zu
einem modernen Wasserwerk. Zu den bestehen
den Brunnen kamen zwei weitere hinzu, deren
Tiefe zwischen 27 und 42 Meter liegt. Sie sind
jederzeit in der Lage, unseren Wasserbedarf
auch ohne Unterstützung des Werkes Borgstedt
zu decken. Unseren Rendsburger Hausfrauen
wird vielleicht eine veränderte Zusammen
setzung des Wassers ausgefallen sein. Wenn
sie auch nicht die feine Zunge unseres Wasser
werksmeisters haben dürften, der die Herkunft
jedes Glases Wasser ausmachen kann, so wer
den sie vielleicht doch die Weichheit des Was
sers bei der Wäsche bemerkt haben und ent
sprechend eingespart haben an Mitteln, die
das Wasser weich machen. Das Vorgstedter
Wasser hat 10 deutsche Härtegrade, das des
neuen Werks aber nur 6. Das liegt daran,
daß sein Kalkgehalt geringer ist.
Wann sieht das Wasser wie Grog aus?
Neben dem Kalk enthält das Wasser noch
manchen anderen organischen und anorgani
schen Stoff, denn als allgemeinstes Lösungs
mittel ist fast alles in der Natur vorkommende
Wasser chemisch nicht rein. Als das neue Was
serwerk vor einigen Wochen in Betrieb ge
nommen wurde, nahm man eine Durchspülung
des Rohrnetzes vor, die eine Gelbfärbung des
Wassers zur Folge hatte. Sie ist ganz ohne
gesundheitsschädigende Wirkung, allerdings
unangenehm für die Wäsche, und beruht auf
dem Eisengehalt des Wassers. Das Eisen ist
im Wasser in einer löslichen Verbindung ent
halten und nicht sichtbar. Erst wenn der Sauer
stoff der Luft hinzutritt, schlägt sich das Eisen
in sichtbarer Flockenform als Rost (Eisenhy
droxyd) nieder. Man sagt, das Eisen wird aus
gefällt. Das Vorgstedter Wasser ist arm an
Eisen, reich an Sauerstoff. Das liegt an der
Art seiner Enteisung, bei der es über Koks
geleitet wird und durch seine große Oberfläche
viel Außenluft aufnimmt. Das Eisen wird bei
dieser Luftberührung ausgefällt. Das in den
Jahren 1929—1935 aus der provisorischen
Pumpstation kommende Wasser war dagegen
sehr sauerstoffarm, das Eisen war noch gelöst
in ihm enthalten. Als dieses Wasser nun in
der Leitung mit dem sauerstoffreichen Borg-
stedter Wasser zusammentraf, schlug sich erst
jetzt sein Eisengehalt in Flockenform in den
Rohren nieder. Um diesen Rostschlamm aus
der Leitung zu beseitigen, mußte besagte Durch
spülung vorgenommen werden. Nach Errich
tung des Wasserwerks am
Armensee erfolgt die Entei
sung des Wassers selbstver
ständlich schon dort in der
Filterhalle.
Die Farbensymphonic
in der Filterhalle.
Nach dieser Einführung in
die geschichtliche Entwicklung
und die Probleme unserer
Wasserversorgung betreten
wir das Haus. Aus dem Vor
raum fällt der Blick in die
einige Stufen tiefer liegende
Filterhalle. Das nebenstehende
Bild gibt die Einrichtung wie
der, was es aber nicht sichtbar
macht, sind die wunderbaren
Farben, in denen dieser Raum
gehalten ist. Die mächtigen
Filter in zartem Zellgrün
erinnern an einen sonnenlichtöurchfluteten
Buchenwald im Frühjahr- die Rohre in Schat
tierungen von Grün und Blau ähneln ihren
Tönen dem grundklaren Wasser der Ostsee- die
Wände zeigen ein lichtes Gelb. In diesem zar
ten Pastell wirkt ein sparsam verwandtes,
knalliges Rot wie ein herzhafter Triller. Durch
die hohen Fenster fällt das Sonnenlicht und
gibt dem .uellkühlen Raum bewegendes Le
ben. Wer ist der Maler, der dieses Bild von
der Heiterkeit der Technik in die Pinselsprache
übersetzt?
Es ist nun allerdings nicht so, daß hier ein
Aesthet seinen Farbentraum ausgedeutet hat.
Wenn auch der Tonfall ihn verrät, so haben
diese Farben doch noch eine tiefere Bedeutung,
nämlich: nach den Festsetzungen des Deutschen
Jndustrie-Norm-Ausschusses bedeutet dunkel
grün Nohwasserleitungen, hellgrün Neinwas
serleitungen, hellblau Luftleitungen, dunkel
blau Preßluft, dunkelblau mit roten Ringen
Preßluft unter einem Druck bis 10 Atm., wäh
rend das sogenannte Signalrot wichtige Hähne
und Handgriffe kennzeichnet. Das Gewirr der
Rohre und Leitungen zerfällt so durch die
Farbengliederung in einen übersichtlichen
Kreislauf, der die Abfolge der Betricbsvor-
gänge klar erkennen läßt. Wir brauchen uns
bei unserm Rundgang nur an diesen farbi
gen Wegweiser zu halten.
Das Herz des Werkes —
Im Untergeschoß des Hauses stehen drei
mehrstufige Hochdruckpumpen, die in ihren
Aufgaben dem menschlichen Herzen vergleich
bar sind. Sie pumpen das Wasser aus den drei
Brunnen, das als Grundwasser durch den
langen Weg, den es im Boden nehmen mutz,
bereits vorgeftltert ist, und drücken es über die
Enteisungsfilter in das Netz der Stadt. Ihre
Leistung beträgt im Höchstfälle 360 Kubikmeter
die Stunde, das ist das Zweieinhalbfache des
gewöhnlichen Wasserverbrauchs. Vielfache
Schaltungsmöglichkeiten zwischen Brunnen
und Pumpen erlauben es, jeder Anforderung,
wie sie sich aus einem erhöhten Verbrauch oder
aus der Panne eines Brunnens oder einer
Pumpe ergeben könnten, gerecht zu werden.
Das Wasser läuft von den Pumpen in dunkel
grünen Rohren zu den Enteisungsfiltern in
der Filterhalle. Unmittelbar vor dem Eintritt
in die Filter wird das Rohwasser in den
Mischkesseln mit der Luft, die durch besondere
Pumpen mit einem Druck bis zu 12 Atm. her
eingepreßt wird, durcheinandergewirbelt. Es
wird hierdurch, wie oben bereits beschrieben,
das Eisen in Flocken ausgefällt. An einer
Kiesschicht, die, auf den Betonplattcn des Fil
terbodens ruhend, den Filter in einer Höhe
Die Pumpe», in denen Druckluft erzeugt wird,
die das Enteisen in den Filtern bewirkt.
Lichtbilder: K. Müller«
von zwei Meter ausfüllt, bleibt der ausgefällte
Eisenschlamm hängen. Instrumente geben dar
über Auskunft, wann die Kiesschicht durch den
Eisenschlamm verstopft ist. Steigt der Wider
stand über 5 Meter/WS. (Meter Wassersäule),
so muß eine Spülung zunächst mit Druckluft
und dann mit Reinwasser vorgenommen wer
den. Das Wasserwerk wird in diesem Falle zu
seinem eigenen Kunden: Es entnimmt das
benötigte Reinwasser dem Leitungsnetz der
Stadt. Für die Herstellung der Spülluft ist
eine Gebläsemaschine vorhanden. Von den
Filtern nimmt das Wasser seinen Weg durch
das Leitungsnetz zu den einzelnen Zapfstellen
in der Stadt.
— _ _ _ wird von dem Hirn gesteuert.
Um im Bilde zu bleiben: Es würde manche
Katastrophe eintreten, wenn wir die eigen
willigen Regungen des Herzens nicht durch
den kühlen Verstand prüfen würden. Auch das
Herz des Werks, die Pumpe, darf nicht sich
selbst überlassen bleiben, sondern muß der
Kontrolle einer Befehlsstelle unterliegen. Sie
wird von der Schalttafel ausgeübt, die in ihrer
Klarheit gestattet, alle Vorgänge im Werk mit
einem Blick zu überprüfen. Sie ist dreigeteilt:
Zur Rechten die Meßinstrumente der Um-
m der Mitte die der Puuwlm