M§ deutsche Rotbuntzucht in FranWrt a. M.
Von Tierzuchtinspektor Dr. Sell, Nenmünfter
Wie schon im Vorjahre in Hamburg, mußte sich
auch in Frankfurt der schleswig-holsteinische Not
buntzüchter auf die Rolle des Beobachters beschrän
ken. Durch die Seuchenlage war die so notivendige
Beschickung der Reichsnährstandsschau mit Rotbun
ten Schleswig-Holsteinern abermals unterbunden.
Außer Schleswig-Holstein und Schlesien, das aus
besonderen Gründen lu. a. Südost-Ausstellung) die
Anmeldung zurückgezogen hatte, fehlten die kleinen
Zuchtgebiete Ostfriesland, Hannoversche Elbmarsch,
Mecklenburg, Pommern und Waldeck. Ausgestellt
hatten Rheinland mit 19, Westfalen mit 24 und
Südoldenburg mit 12 Tieren. Es ist unbedingt an
zustreben, das; in Zukunst alle deutschen Rotbunt-
zuchtgebiete ständig aus den Reichsnährstandsschaucn
vertreten sind. Erst dann erfüllt die Schau, die
nicht nur absatzfördernd, sondern in erster Linie
für den Züchter belehrend sein soll, voll ihren
Zweck.
Sicher werden sich die Züchter der nicht ausstel
lenden Gebiete die Frage vorlegen: Wie hätten
wir mit unsern Tieren im Wettbewerb abgeschnit
ten? Das ist nur natürlich, jedoch ist ein Vergleich
der Ausstellungstiere mit den nicht vertretenen
Tieren in der Heimat auch für den erfahrenen
Züchter sehr schwierig. Es ist daher besser und au
ßerdem nur sair, sich in dieser Hinsicht Zurückhal
tung aufzuerlegen. Hoffen mir Schleswig-Holstei
ner ans einen ehrlichen Wettstreit im nächsten
Jahr!
Was brachte nun Frankfurt dem Rotbuntzüchter?
Zunächst muß festgestellt werden, daß tadellose rot
bunte Tiere am Platze waren. Und zwar waren
diesmal im Gegensatz zur vorjährigen Schau auch
die absoluten Spitzentiere vorhanden, die als Ver
körperung des Zuchtziels immer erwünscht sind.
Gefielen in Hamburg in erster Linie die Kuhklassen,
so waren in Frankfurt auch die Bullenklassen eben
bürtig besetzt. Eine Wandlung war weiter in der
Höhe der nachgewiesenen Leistungen, die uns im
Vorjahr hinsichtlich Fettgehalt nicht immer befrie
digten, zu verzeichnen. Durch das neue Richtver-
fahren, das außer der Körperform auch die Lei
stung berücksichtigt, waren die ausstellenden Ver
bände, die früher vielfach die Form etwas einseitig
bevorzugten, gezwungen, bei der Auswahl nur gute
Leistungstiere zu berücksichtigen. Für die Rotbunt-
Verbände ist diese Maßnahme erfreulicherweise
ohne Beeinträchtigung der Körperform der ausge
stellten Tiere durchgeführt worden. Es fehlte wohl
bas - eine oder andere bekannte Tier, an Ersatz
scheint es aber nicht gefehlt zu haben. Aus der
Beteiligung am Letstungswettbewerb, in dem von
83 ausgestellten Rotbunten nicht weniger als 28
vertreten waren, geht zweifelsfrei hervor, daß gute
Leistungen nachgewiesen wurden. Namentlich in
Milchmenge waren dem Schauverzeichnis gute
Zahlen zu entnehmen. Der Fettgehalt war dem
Wesen der westdeutschen Züchter entsprechend nicht
ganz einheitlich. Hohe Fettprozente wechselten mit
mittelmäßigen ab, wenn man den gleichen Maßstab
wie für die schl.-holst. Rotbuntzucht anlegt. Tiere
mit ganz mäßigem Fettgehalt wurden kaum gezeigt.
Die Ausgeglichenheit war recht gut. Auch hier
scheint gegenüber Hamburg ein leichter Fortschritt
feststellbar. Im Vorjahr war ein gewisser Typen
unterschied zwischen rheinisch-westfälischen Tieren
einerseits und oldenburgisch-ostfriesischen Tieren
andererseits ziemlich deutlich zu erkennen, wenn
gleich auch damals zumindest die Preisträger ein
gutes und bereits recht einheitliches Bild gaben.
Diesmal aber stand die Schau im Zeichen des
Rheinlands und Westfalens, beides Zuchtgebiete,
die das stark bemuskelte, robuste Tier in den
Vordergrund stellen, sin Tier, das wir als aus
geprägtes Zweinntzungsrind bezeichnen. Da auch
in Schleswig-Holstein das leichtfutterige, froh
wüchsige und muskelreiche rotbunte Rind gezüch
tet wird, kann man bei der Stärke der drei ge
nannten Zuchtgebiete diesen Typ als den rotbun
ten Typ schlechthin hinstellen, den auch die übri
gen Zuchtgebiete klar herausstellen sollten, wenn
sie bisher den etwas „trockneren Typ", bei dem
das Schwergewicht stärker auf die Milchleistung
verlagert ist, bevorzugen (Südolöenburg, Ostsries
land und Nachzuchtgebiete). An dem Ziel einer
einheitlichen deutschen Rotbuntzucht, die neben der
großen Schwarzbuntzucht ihre besonderen Aufga
ben hat, muß entschieden festgehalten werden.
Bei einer kurzen Würdigung der drei aus
stellenden Verbände sei dem Schauverzeichnis ent
sprechend mit dem rheinischen Verband begonnen.
Wie schon in Hamburg, waren die rheinischen
Rotbuntzüchter auch in Frankfurt gut vertreten.
DaS Rheinland schiebt sich ohne Zweifel immer
mehr in den Vordergrund. Ein erfreuliches Zeichen
lebendiger Züchterarbeit. Von den Rheinländer
Bullen hatte der außerordentlich muskulöse und
tonnige „Grenzwächter" lHamburg!), Kat.-Nr. 802,
in der Festigkeit der Niere etwas nachgelassen. In
„Mikado" (Kat.-Nr. 803) war ein sehr vielverspre
chender zweijähriger Bulle zur Stelle, der sicher
noch von sich reden machen wird, wenn er noch mehr
in die Breite gewachsen ist. Ein Typ, wie ihn auch
der schl.-holst. Rotbuntzüchter wünscht. Die rheini
schen Kühe wurden fast alle ausgezeichnet, darun
ter drei mit ersten Preisen. Bet dem Nichtverfah
ren, das 5 Leistungspunkte (vorher errechnet) und
8 Formpunkte vorsieht, erhielten diese drei Kühe
5 Leistungs- und 4 Formpnnkte, während die mit
dem 2. Preis bedachte „Christine" (Kat.-Nr. 506)
zu 3 Leistungspunkten die Höchstzahl von 5 Form-
punkten erhielt. Christine, eine nahezu ideal ge
baute Kuh, war das typische und beste rotbunte
Formtier und wurde von Sachverständigen als
die beste Kuh der ganzen Ausstellung bezeichnet.
Auf diesen Erfolg kann das Rheinland stolz sein.
Am allgemeinen waren die rheinischen Kühe sehr
fest und von kräftiger Körperverfassung. Das ge
nügend breit ausgelegte Becken war noch mehrfach
zu sehr nach unten geneigt, wenngleich eine leichte
Neigung durchaus zweckmäßig ist. Vereinzelt waren
die Ausmaße der Tiere reichlich.
Westsalcn ging wieder mit dem Löwenanteil der
Preise davon. Kaum ein Tier blieb unprämiiert.
Mit einer Ausnahme erzielten die westfälischen
Tiere lauter 1. und 2. Preise. Die Güte der aus
gestellten Tiere ist ohne weiteres anzuerkennen.
Wie wir aus dem Munde des Leiters der deutschen
Rindviehzucht und deutschen Schwarzbuntzucht hör
ten, konnte sich die große Sammlung des westfäli
schen Verbandes mit den besten schwarzbunten
Sammlungen der Gruppe Bai (alte Zuchtgebiete)
vollauf messen. Nach unserer Meinung war West
falen in Frankfurt besser als in Hamburg ver
treten. Besonders deutlich war der Unterschied bei
den Bullen, die alle prämiiert wurden, darunter
vier mit ersten Preisen lsicben ausgestellt). In
„Nordes-Jan" (Kat.-Nr. 622) stellte Westfalen den
rotbunten Siegerbullen. Nordes-Jan ist mit seiner
Tiefe, Breite und Muskulatur zweifellos ein typi
scher rotbunter Bulle. Sein schärfster OiiuaXe ivar
der ebenfalls mit dem 1a-Preis versehene „Wasch
bär" (Kat.-Nr. 823), dessen Entwicklung als 2)4 =
jähriger im Gegensatz zum älteren Nordes-Jan
noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Mit Aus
nahme des reichlich großen, sonst aber guten
„Wolfram" (521) fiel kein Bulle aus dem zweck
mäßigen Rahmen heraus.
In den Kuhklaflcn hielt Westfalen nicht weniger
als fünf mal die Spitze. Allen voran mit fünf
Leistungs- und fünf Formpunkten ist die Mutter
von Waschbär, die in jeder Hinsicht korrekte Kuh
„Primel H" (531) zu nennen. Aus scharfem Wett
bewerb ging Primel II auch als rotbunte Sieger
kuh der Schau hervor. Sehr typisch war auch die
Stallgefährtin und Primel nah verwandte „Pronte"
(532), der wiederum die Kuh „Aspera" (536) ivenig
nachstand. Auch die beste Starke, „Parva" (542),
stammte aus Westfalen. Parva ist eine ^-Schwe
ster zu Waschbär und stammt wie dieser aus der
besonders erfolgreichen Zucht von Buöüe-Lohmann-
Notteln. In der Einzelzüchtersammlung dieses
Züchters, die der krönende Erfolg eines beispiel
haften Züchterlebens voll Hingabe und Zähigkeit
ist, standen in Waschbär, Primel, Pronte und
Parva lauter 1a-Preisträger. Der 1. Preis war
dieser Sammlung natürlich nicht zu nehmen. Aber
gleichfalls muß auch die sehr gute, mit dem 1b-
Einige wenige Zahlen dienen der Einführung:
454 Aussteller von landwirtschaftlichen Maschinen
und Geräten breiten sich auf 51200 Quadratmeter
des Frankfurter Ausstellungsgeländes aus. Im
Vorjahr waren es 386 Aussteller auf 53 200 Qua
dratmeter, 1925: 600 Aussteller mit 12 000 Gegen
ständen. 7000 lfd. Nummern zählt der Katalog auf
nicht weniger als 450 Setten. Ich denke, damit
dürfte zur Genüge der enorme Umfang der Aus
stellungsgegenstände umrissen sein, die uns neben
anderen die Fachgruppe „Landmaschinenbau" mit
ihren 31 000 Mann Belegschaft in Frankfurt prä
sentiert.
Dem Besucher ist die Arbeit beim Auffinden
eines bestimmten Gegenstandes sehr erleichtert. In
Blöcken und Stünden sind die einzelnen Sparten
der Industrie säuberlich unterteilte und von weitem
noch durch große Inschriften kenntlich gemacht. Von
Jahr zu Jahr bessern sich Planung und Anord
nung. Es fällt heute nicht mehr schwer, sich einen
Vergleich über die auf dem Gelände vorhandenen
Konstruktionsarten eines Pfluges, einer Dresch
maschine usf. zu verschaffen. Man begrüße dieses
Streben nach Uebersichtlichkeit, das in gleichem
Maße Verkäufer und Kunden dient. Es heißt
zwar sehr schön, daß auch die Maschinenausstellung
eine Lehrschau sein soll. Wenn man aber dieses
Wort gebrauchen will, so dann doch nur in dem
Sinne, daß der Bauer sich einen Ueberblick über
ein fehlendes Jnventarstück verschafft, das Für
und Wider der einzelnen Konstruktionen berät und
alsdann sehr oft sofort die näheren Ankaufsbedin
gungen vereinbart. Wer könnte etwas gegen diese
Methode haben? Man möge hier nicht in Fanatis
mus' des Lehrmäßigen Gewohnheiten beseitigen
wollen, die für das Bestehen einer Ausstellung von
fundamentaler Bedeutung sind, selbst wenn sie
etwas nach Messe riechen! Und ist die Messe denn
lediglich reines Jnteressentum? Kommt der Allge
meinheit nicht auch jene Erkenntnis zugute, die
sich der „Interessent" auf den ihn angehenden Mes
seständen verschafft? Ich denke, da darf man nicht
in Haarspaltereien verfallen und Gräben ziehen
wollen an Stellen zwischen Schau und Messe, wo
keine angebracht sind.
„Was haben Sie Neues?", so lautet die häufig
zu hörende Frage des Besuchers an den Aussteller.
Ob es immer ganz richtig ist, so zu fragen, steht
dahin. Oft dürfte es zweckmäßiger sein, abzuhor
chen, was sich bewährte? Das nur nebenbei. Versu
chen wir die Frage so zu deuten, daß in ihr das
Wissen um die Fülle von Aufgaben zum Ausdruck
kommt, die der Landmaschinenindustrie gestellt sind
und die zu lösen ohne den Helfer Zeit einfach un
möglich wäre.
Die Beantwortung dieser Frage nach dem kon
struktionsmäßig Neuartigen ist dem Fragesteller
ebenfalls leichter gemacht. Er hat nicht nötig, Stand
für Stand abzuklopfen, um seine Neugierde zu be
friedigen. In einem langen Zelt seitwärts des Ma
schinenparks sind unter der Bezeichnung „Prüfungs
geräte" jene Gegenstände übersichtlich zusammen
gestellt, die irgendeiner Prüfung auf die Zweck-
haftigkeit ihrer Verwendung unterzogen werden
Preis bedachte Sammlung von Bartels-Hohenholte,
die neben Nordes-Jan drei recht gute Kühe im
tiefen, praktischen Typ enthielt, hervorgehoben
werden.
Wie schon mehrfach in den letzten Jahren, war
das Südoldenburgcr Rotbuntzuchtgebiet wieder
mit einigen recht guten Kühen zur Stelle, mähend
die drei Bullen — zwei Bullen fielen aus — we
niger überzeugen. 3n „Hermine 1b" (554), die schon
in Hamburg auffiel, stellte Südoldcnburg eine her
vorragende Kuh, die sich mit ihrer Tiefe und ton-
nigen Rippe sehr gut in den großen Rahmen ein
fügte. Ein 1a-Preis war Hermine sicher. Für den
Siegerpreis, der den Südoldenburger Züchtern zu
gönnen gewesen wäre, langte eö nicht ganz, da
das breite Becken zu hoch gelagert war, ein Fehler,
den die Rotbuntzüchter aus alle Fälle vermeiden
müssen. Einige weitere gute Kühe kehrten bei fla
cherer Vorhand den Milchtyp etwas stärker hervor,
worauf wir oben bereits hinwiesen. Das weite
Becken scheint bei den Oldenburgern häufiger mit
reichlich viel Hüftweite verbunden zu sein.
Alles in allem sei noch einmal festgehalten, daß
der Gesamteindruck der Schau recht gut war. Wer
die vereinigten Rotbunt-Sammlungen im großen
Vorführungsring in Frankfurt sah, wird sich die
ses Eindrucks nicht erwehrt haben können. Der
deutsche Rotbuntzüchter wird mit neuem Mut aus
Frankfurt heimgekehrt sein.
Auf einer am 2. Schautag abgehaltenen Beirats-
sitzung der Abteilung II (Rotes und Rotbuntes
Niederungsvieh) des Reichsverbandes der Rinder
züchter waren mit Ausnahme Ostfrieslands alle
Zuchtgebiete vertreten, außerdem von der Leitung
des Reichsverbandes Bauer Schernbeck - Fischbcck
und Dr. Weiß-Berlin. Aus dem von Landwirt
schaftsrat Lange erstatteten Geschäftsbericht ist zu
entnehmen, daß die Abteilung einen - Mitglieds
zuwachs von 10 vH zu verzeichnen hatte. Ueber
die gesamte deutsche Rotbuntzucht wird an der
Universität Bonn eine ausführliche Arbeit ange
fertigt, die die Kenntnis über die einzelnen Zucht
gebiete fördern soll. Züchterische Maßnahmen
(Mindestleistungen, Ausfuhr von Zuchttieren), ins
besondere Typsragen wurden nochmals eingehend
besprochen. An dem Typ des sutterdankbaren, ge
nügend robusten Rindes, das sich sowohl unter un
günstigeren Haltungsbedļngņngen (Höhenlagen!)
behauptet, wie andererseits sich sür Weidemast eig
net, ist unbedingt festzuhalten. Anfang Juli dieses
Jahres findet eine Studicnsahrt der deutschen
Rotbuntzüchter durch das schleswig-holsteinische
Zuchtgebiet (einschl. Shorthorn-Gebiet und Angeln)
statt. Ueber die Schau gab der Richter.Peitzmeier-
Lintel einen kurzen Bericht.
sollen. Ein entsprechendes Sonbcrverzeichnis^ unter
stützt mit illustrativen Bildern und verständlichem
Text Zweck und Art der Neuerung.
Das diesjährige Verzeichnis enthält in den Un
terabteilungen A: Vergleichsprüfungen und B;
Prüfung von Neuerungen 193 Einzelgegenstände
gegenüber 144 im Vorjahre. Durchblättert man das
Schlagwortverzeichnis, so stehen unter dem Stich
wort „Beregnungsanlagen" 9 verschiedene Num
mern verzeichnet, unter „Bodenbearbeitungsgeräte"
17 Nummern, unter „Futterbereitung" 9 Nummern)
den Titel „Jauche" tragen 14 Nummern (davon
6 Jauchepumpen), unter „Kartoffel" finden wir 9,
unter „Mähmaschine" 6, unter „Milchwirtschaftliche
Geräte" 10, unter „Schlepper" 6, unter „Pflüge"
10 Nummern nss. Wir zählten nur die umfang
reichsten Kennziffern auf, um oberflächlich verständ
lich zu machen, was gespielt wird.
Man gestatte dem Berichterstatter, einige Num
mern aus dem Katalog herauszugreifen, die be
sonders erwähnenswert sind. Motive fachkritischer
Würdigung mit der Art der Auswahl verbinden
zu wollen, wird den Gegebenheiten nicht gerecht.
Als eine Art Sensation sind in der Presse die
Fortschritte auf dem Gebiete des Kleinschlepperbaus
hingestellt worden, eine Folgeerscheinung der hohen
Erwartungen, die man mit dem Kleinschlepper ver
bindet.
Eine in der Praxis vielbesprochene Schlepper
type ist der von Funcke und Hueck-Hagen gebaute
Grams-Last-Kraft-Schlepper (LKS.), neuerdings
mit einem verstärkten Motor und einem eigens
konstruierten Zweischarpflug mit 60 Zentimeter
Arbeitsbreite, dessen Bedienung vom Führersitz er
folgt. Der Schlepper kostet ohne Pflug 4500 MM,
Die PrimuS-Traktoren-Ges.-Berlin nimmt sür
ihren luftgummibereiften 19,5-PS.-Stock-Diesel
3885 MM, Kramer-Donaueschingen (11—12 PS.)
2880 MM. Wurr-Bolksdorf gibt für seine Diesel-
Kleinradschlepper keine Preise an. Als Neuerung
bringt Lanz-Württemberg einen luftgummibereiften
Kleinschlepper (10—11 PS.) mit Mähwerk für
3200 MM heraus.
Als Ausgestaltung der Schlepper sind erwäh
nenswert die neuen Gummi-Stahl-Gleitschutzketten
mit dem Zweck, den reibungslosen Uebergang vom
Feld auf die Straße zu sichern. Sie werden um
einen üblichen Luftgummireifen gelegt und geben
diesem durch ihre scharfen Kanten einen besseren
Halt. Pöhl-Berlin will mit seinem Universalgrei
ferrad (mit Luftgummireifen und beliebig heraus
zudrehenden Greifern) die mühevolle Verwendung
aus Acker und Straße ermöglichen helfen. Zusatz-
greifeinrichtungen und luftbereifte Vorderräder
mit abnehmbarer Schneidekante sollte die Verwen
dungsmöglichkeit des Schleppers verbreitern. Die
Golbert-Luftkammerreifen werden heute bereits
sehr viel verwendet. Sie liegen zur besseren Hal
tung der Hinterräder breit auf, bestehen aus Boll-
gummi, über dessen Vorsprüngen allseitig von
Gummi umschlossene Luftkammern liegen.
Als neues Untergrundgerät zeigt Sack den
Pflugkörper „Biber", bei dem als Neuerung die
Verbindung eines ausgesparten Streichbleches mit
einem abgewickelten Schar hervorgehoben wird,
eine völlige Trennung zwischen der zu wendenden
Oberkrume und dem zu lockernden Untergrund be
wirkend. Eberhardt zeigt ein Krümelschar, das sich
an vorhandenen Beet- und Kehrpflügen anbrin
gen läßt) der etwas veränderte Klansingskörper
„Olymp" wird z. Z. geprüft.
Auffällig sind die vielen gezeigten, offenbar rei
chen Anklang findenden Kehrpflüge (statt der Beet
pflüge). Helwig-Treysa zeigt einen Kipppflug mit
bogenförmiger Lagerung des Pfluges, Hildebrand-
Unna ein anderes Modell, Printz-Ketterig einen
neuen Drehpflug, einen Gelenk-Wechselpflug für
Kleinschlepper, einen Pcndelkipppflug mit Tausch'
körpcr bzw. mit Lockerer. Interesse finden wird
der Düngereinleger „Wickler", bei dem neu ist die
nach vorn gedrückte, von unten nach oben sich stetig
vergrößernde Wölbung des Einlegers. Bei dem
Hack- und Häufelpflug von Wager-Limburg sind
neu die angebrachten und auf Stahlkugeln laufen
den Pflanzenschutzscheiben.
Die Düngerstreuer versieht man mehr und mehr
mit Luftgummibereifung. Als interessante Neue
rung ist bei „Agraria" eine im Kasten eingebaute
Fördereinrichtung aus Rundstahl pendelnd ober
halb der Streukettenglieöer zu nennen, die die
Brückenbildung verhindern soll.
Unter den Jaucheverteilern, die heute fast aus
nahmslos zum Streuen von Kalk eingerichtet sind,
sollen bei der Sonderform „Turboflach" zwei sich
gegenläufig bewegende Berteilerscheiben eine gleich
mäßigere Wirkung erzielen. Die „Rotina"" hat als
Neuerung eine Doppelscheibe, die als Staubschutz
wirkt. Bei „Burco" will man durch das Zusatzgerät
eines mit bewegter Rührwelle versehenen Holz
aussatzes den Umbau des Jaucheverteilers in einen
Kalk- und Düngerstreuer beschleunigt ermöglichen.
Die Type „Siegperlc" hat zwei senkrecht stehende
Verteilerscheiben besonderer Form, die auch Kalk
streuen können. Eine Abart dieser Maschine zum
Anhängen an jeden Jauchewagen, also ohne eigene
Näder, bildet die „Siegperle-Flachstreuvorrichtung".
Sie hat seitlich je eine kleine Walze, die an den Wa-
genränöern anliegen und so den Antrieb besorgen.
— Weiter sei auf den „Jauchedrill-Fruchtspender"
verwiesen (Abb. 847), der gleichmäßig je Schar (be
sondere Verteilerart!) in großer Breite die Jauche
reihenmüßig verteilt.
Saatgutrcinigungsmaschinen sind zahlreich, z. T.
mit Neuerungen vertreten. Der Röbersche „Kurz-
Naß-Beizapparat" und Bcizmittelwaage hat durch
sichtigen Beizraum aus dünnem Drahtgeflecht. Bei
der neuen Kurz-Naß-Beizmaschine „Primator" ist
das Wesentliche, daß die Einführung des Beizmit
tels in Abhängigkeit von der zulaufenden Körner
menge gebracht ist.
Unter den Maschinen zur Pflanzensaat ist an der
Planzlochmaschine „KP 5" die Werkzeugschiene in
seitlich schwenkbaren Gelenkhebeln gelagert, so daß
die Lochsterne immer ihre mittlere Grundstellung
einhalten. Ferner ist bei dem Kartoffelkulturgerät
„Brandenburg" neuerdings ein Mittelsech ange
bracht worden, um die Maschine vor seitlichem Ab
rutschen zu bewahren. Auch das Vielfachgerät
„Bubock" ist neu. Es hat einen einzigen Werkzeug
träger hinter den Luftgummi-Haupträdern. An
beliebiger Stelle können hier durch einfaches An
klammern die verschiedensten Werkzeuge angebracht
werden. Vor den Lochsternen schieben sich Vor
schare entlang, während hinten Zustreichbleche an
geordnet sind, die durch ihre Bauart immer über
der Reihenmttte arbeiten. Schließlich sei noch auf
eine neue Rapsglanzkäfer-Fangvorrichtung hinge
wiesen, die derart über das Feld getragen wird,
daß die mit Leim bestrichenen Schiffchen zwischen
den Reihen hindurchgehen, so daß die Käfer — vom
Abstreifer erfaßt — auf ihnen festkleben.
Bei den Drillmaschinen ist der Abdrehmöglichkeit
mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die Sack'sche „Edel
weiß", 2 Meter breit, bestimmt sür kleinbäuerliche
Wirtschaften, will lediglich durch Umstecken eines
einzigen Rades in Verbindung mit breiten Schub-
rüöern die Einstellung von Feinsämereien (Klee)
und Grobsämereien (Bohnen) erreichen. — Das
Einheits-Säcrad der Dehneschen Drillmaschine wird
auffallen, mit dem alle Körnerarten ausgesät wer
den können. Interessant ist auch die neue Drillma
schine „Siedersleben" mit Achsschenkellenkung, bei
der besonders geformte Kurvenscheiben die Stel
lung der Vorderräder stets nach dem Mittelpunkt
des Wenderadius zeigen lassen.
Bei den Grasmäher» versucht man durch Zusatz'
Vorrichtungen das Messer auf die Dauer exakter
über die Fingerplättchen hinwegzuführen und da
mit den Hintergrund des Stopfens zu beseitige».
Neben dem Leichtgang-Patent-Balken von Fella
und dem Fahr'schen Mähbalken mit Reinigungs
platten sei erwähnt der neue Messerbalken
„Schneidflott", der mittels zweier Spannfedern
einen Scherenschnitt der Messer herbeiführt, so daß
die Schnittfähigkeit des Messers verdreifacht und
die Zugkraft um etwa 30 vH verringert wird-
Krupp zeigt einen Grasmäher mit Futtersammler,
der das geschnittene Gras in einen Kasten befördert,
von dem aus es an beliebiger Stelle abgelegt oder
zu Futterzwecken eingefahren werden kann.
Der Fella-P-Getreidebinder ist noch nicht 0 eä
prüft, verdient aber als Neuerung besondere Be
achtung. Er ist von vornherein auf das Gummirad
zugeschnitten und iür zwei Pferde bestimmt.
Als Garben- und Körnersammelmagen seien die
neuen Modelle von Kuxmann-Bielefeld und
Rausch-Striegau genannt. Die Maschinen sind einer
praktischen Prüfung noch nicht unterzogen, erstre
ben aber Unterbindung von verlustbringenden
Fehlern.
Die Holzdreschmaschine hat die aus Stahl fast
restlos wieder verdrängt. Die Vergleichsprüfun-
gcn bei Kleinöreschmaschinen erbrachten den erfreu
lichen Beweis, daß auch bei 3—4 Dz. Stundenlei
stung marktgängige Reinigung bei geringen Ver
lusten möglich ist. Der Stiftend rescher liegt z. 2> l
Reue Maschinen auf dee ReichsnNMandsschau