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UlIBÜ
uni AaggLsr /
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Mauz,
München.
15) Nachdruck verboten.
Keine Antwort mehr. Der Zaggler legt sich
wieder hin und holt den versäumten Schlaf
nach. Auch er hat unruhig geschlafen in dieser
Nacht und mehr als einmal ist er aufgestan
den und hat zum Fenster hinausgehorcht, ob er
keinen Schuß fallen hört.
Toni streckt sich auf das Sofa und ist, als die
Mutter eintritt, schon in tiefem Schlaf.
Zwei Stunden, dann weckt man ihn. Es ist
Zeit zum Hochamt. Die Mutter hat ihm schon
alles hergerichtet,- ein frisches Hemd, Schuhe,
weiße Wadenstrümpfe, die graue Joppe mit
den grünen Aufschlägen, den weitrandigen
Hut mit dem Adlerflaum als Schmuck.
Während des Kaffeetrinkens fragt der Zagg
ler:
„Hat es was gegeben heut nacht?"
Nein, es hätte nichts gegeben, leider nichts
gegeben. Eine arme Rehgeiß in der Schlinge,
die man im letzten Augenblick befreien konnte.
Weiter nichts, keine Spur, keine Anhalts
punkte, nichts.
Die Mutter jammert und schimpft über die
Gemeinheit der Menschen, die so ein armes
Tier mit der Schlinge fangen. Der Vater
schweigt, steht vor dem Spiegel und bindet die
schwarzseiöene Binde um seinen Hemdkragen.
Dann knöpft er die blausamtne Weste mit den
großen Silberknöpfen ein und sagt:
„Wenn du einmal so einen Schlingenlegcr
erwischt, mit dem brauchst kein Pardon haben,
Bub."
„Ich hab mit keinem Pardon, der unberech
tigterweise ins Revier geht. Aber einer, der
wir dann mit dem Gewehr gegenübersteht, den
kann ich wenigstens als Gegner achten. Da
gehts Aug um Aug. Und meine Hand ist sicher."
Der Zaggler bürstet gerade seinen Hut aus.
Dabei zittern seine Hände so sehr, daß ihm
die Bürste entfällt. Da klopft es und der
Winninger tritt ein.
^ „Guten Morgen, Zaggler, guten Morgen,
Zagglerin! Ah, der junge Herr is auch daheim.
Und nobel wachst er sich zusammen. Grad so
groß und stark wird er. Die Luft im Berg
schlagt ihm scheinbar an. Aber was ich sagen
will, Zaggler: Ich komm wegen dem Papier
holz. Du arbeitest doch zur Zeit am Spieglcr-
Hochlandsroman von Hans Ernst
berg. Wieviel Ster sind denn da oben? Ich
brauche ein paar Ladungen."
Der Zaggler steht mit finsterem Gesicht und
antwortet mürrisch:
„Js net viel wert, das Holz da oben.
Und überhaupt —"
Er verstummt und wirft einen flüchtigen
Blick auf Toni, der den Winninger eingehend
betrachtet.
„So geh doch, Bub", mahnt die Mutter. „Es
hat schon dreiviertel geläutet. Der Herr Pfar
rer hats net gern, wenn man unter der Pre
digt in die Kirchen kommt."
Toni verläßt das Haus. Als er am Park von
Schloß Wandeck vorübergeht, kommt ihm auf
einmal Juta in den Sinn. Wo sie wohl sein
mag? Was sie treiben wird? Und ob sie wohl
auch mitunter an den jungen Jäger denkt, mit
dem sie ihre Kindheit verlebt hat und mit dem
sie einmal zusammengestanden war in der
Dämmerung eines schönen Sommertages. Es
war sehr seltsam damals, rätselhaft und son
derbar aufwühlend ihre Worte, das Streicheln
ihrer weißen Hände über sein Gesicht, die stille
Sprache ihrer Augen.
Und auf einmal war sic weg, ohne ein Wort
des Abschieds. Es muß etwas gegeben haben
zwischen ihr und ihrem Vater. Aber man weiß
nichts Bestimmtes...
*
Auf allen Seitenwegen und Bergpfaöen kom
men die einzelnen Kirchgänger herbeigewan
dert, um sich auf der Landstraße zu kleinen
Karawanen zu vereinigen.
Auch Toni bleibt nicht lang allein. Schon bei
der ersten Straßenkreuzung gesellen sich die
vom Lechnerhof zu ihm. Die Burgl ist nett und
freundlich zu ihm, man merkt offensichtlich, wie
sehr sie sich freut, ihn wieder einmal zu treffen.
Der Silvest dagegen ist zurückhaltend und mißt
den Toni heimlich mit finsteren Blicken. Er
trügt sich mehr denn je mit dem Gedanken,
um die Brandt Monika zu freien. Bisher ist
es ihm freilich noch nie gelungen, mit der Mo
nika in ein so vertrauliches Gespräch zu kom
men. Sie weicht ihm offensichtlich aus und Sil
vest, er weiß zwar nichts Genaues, aber er
fühlt es instinktiv, daß nur der Toni daran
schuld sein kann.
Da kommen von der anderen Seite die Leute
vom Brandlhof. Monika geht neben ihrem
Vater und bleibt, als sie den Toni sieht, ein
paar Schritte zurück. Unter der Kirchentüre
treffen sie zusammen und können sich in dem
Gewühl flüchtig bei den Händen fassen.
„Heut' abend im Buchenhölzl", kann er ihr
noch zuraunen, daun müssen sie sich trennen.
Monika geht vor in die Betstühle, während
Toni die Treppe hinaufsteigt zur Empore.
Nach der Kirche versammeln sich vor dem
Kirchhof die jungen Burschen zu einem gemüt
lichen Diskurs, während die Bauern nach dem
nahen Wirtshaus steuern und das Weibsvolk
heimwärts trachtet, damit das Vieh ihr Sach
bekommt und die sonntäglichen Knödel recht
zeitig aus dem Tisch stehen.
Unter die Burschen gesellt sich auch Toni. In
einer langen Reihe stehen sie vor dem Kra
merhaus und für die Mädchen ist dies immer
eine Art Spießrutenlaufen, denn ab und zu
füllt aus der Reihe ein keckes Wort, eine an
zügliche Bemerkung, eine besondere Vertrau
lichkeit im Gruß.
Als die Monika die Stufen hcrabsteigt, in
der einen Hand das Gebetbuch, in der anderen
das Weihwasserkrügl, tritt der Lechncr Silvest
ein wenig vor, um ja von ihr gesehen zu wer
den. Toni steht etwas abgewendet. AIs ob er
die Nähe Monikas fühlen würde, wendet er
unauffällig den Kopf. Ihre Augen treffen sich,
kurz und flüchtig.
„Guten Morgen, Monika", sagte der Lechner
Silvest laut. „Das schickt sich aber fein. Ein
Stückl Weg haben wir zusammen. Weißt, in
die Bachwiese schickt mich der Vater. Schau'n
muß ich, obs net zu naß is, weil mir düngen
woll'n, morgen, ja..."
Monika gibt keine Antwort. Silvest stelzt
neben ihr her, strafft den Rücken ein wenig
und schlenkert, wie es seine Art ist, die rechte
Hand.
Toni sieht ihm mit einem spöttischen Lächeln
nach. Er sieht in Silvest absolut keinen Neben
buhler. Als aber hinter seinem Rücken einer
sagt:
„Schau ihn an, den Vestl. Er laßt net aus.
Ich glaub, er wird doch noch Brandlbauer",
da dreht Toni das Gesicht und zieht die Brauen
zusammen, als hätte er einen Schmerz in sich.
Er nickt den Burschen einen kurzen Gruß
zu und sucht den Förster auf, den er vor sei
nem Haus auf der Bank sitzend findet.
Nachdem er seine Meldung über den Dienst
der ganzen Woche erstattet hat, unterhalten sie
sich noch eingehend über das verwerfliche
Handwerk des Schlingenlegens. Der Förster
gibt dem Toni noch allerhand gute Ratschläge,
dann zahlt er rhm den Lohn aus und drückt
ihm noch extra ein Fünfmarkstück in die Hand.
„Wenn der Graf zurückkommt, wirst Jagd-
gehilfe", sagt er dabei.
Toni verabschiedet sich und wünscht dem
Förster eine gute Besserung.
„Oh mein, Toni. Das wird nimmer viel
besser werden. Das steckt vom Krieg her noch
in den Knochen. Es wird mir wohl nichts an
deres übrig bleiben, als mich um einen Dienst
im Flachland umzuseh'n. Das Bergkrax'ln
kann ich nicht mehr machen. Also, behüt dich
Gott, Toni, und schau zu, daß du dein Revier
wieder sauber bringst, bis der Graf kommt."
Er begleitet ihn, auf seinen Stock gestützt,
bis zum Gartentürchen und raunt ihm noch
zu: „Und gelt, Toni. Keine Rücksicht üben!
Wer es auch sei, jeden mußt du zur Anzeig
bringen."
„Aber Herr Förster! Trau'n Sie mir denn
zu, daß ich einen laufen laß?"
„Ist alles schon dagewesen, Toni. Aber ein
Jäger darf keine Gefühlsduselei kennen. Vor
allem, halt dir die Weiber vom Leib. Vor zwei
Jahren haben wir einen Jäger gehabt, der
war die erste Zeit tüchtig und verlässig im
Dienst wie kein Zweiter. Wie die Almzeit an
gegangen ist, hat er die schwarze Mirl geseh'n
und aus wars. Halbe Tage ist er bei ihr in der
Hütte gesessen und hat seinen Dienst vernach
lässigt. Der Graf hat ihm lang zugeschaut, aber
am End' hat er ihn doch entlassen müssen."
„Da brauchens bei mir keine Angst haben,
Herr Förster", antwortet Toni und sein Blick
sucht den Brandlhof.
Zukunftsträume.
Im sinkenden Abend verläßt Toni das Haus,
um wieder in die Jagdhütte zu gehen. Der
Mutter Gejammer schneidet er mit den Wor
ten ab:
„So hör' doch auf mit deinem Getu! Dann
hättst mich eben gleich nicht Jäger werden
lassen sollen. Aber damals, wie ich dir die
Nachricht ins Haus gebracht hab, da wärst bald
aus dem Häusl kommen vor lauter Freud —"
„Da hab ich auch net gleich drangedacht, an
die Wildschützen. Und wenn du einmal net zur
gewohnten Zeit heimkommst, dann hab ich eine
heillose Angst."
lFortsetzung folgt.)
Die Socqe um die cicUUqe
!ähded*acie-p$e$e
ist nunmehr zu Ende: es gibt jetzt ein eigens für Kinder
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wäsche: durch das beigefügte Spezial-Kräuterbad (DRP.
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sichert Ihrem Kinde schönes, gesundes Haar für alle Zukunft.
WM karrn nicht hVren
Willis Vater arbeitet in der Möbelfabrik.
Er ist groß und stark und hat Bärenkräfte.
Er kann Willi mit einer Hand bis an die
Stubenöecke heben.
Vater und Willi sind gute Freunde.
Willi hat niemanden so lieb als seinen
Bater.
Einmal wollte Willi eine ganze Zeit
nicht so recht gehorchen.
„Gib ihm doch mal eine ordentliche Tracht
Prügel!" sagte die Mutter. — Vater schüt
telte den Kopf und lächelte.
„Daß du auch noch dabei lächeln kannst!"
schalt die Mutter. „Was soll denn aus dem
Jungen werden?"
„Ein ordentlicher Kerl", antwortete der
Vater, „aber ohne Prügel."
*
Am nächsten Tage kommt Vater um sechs
Uhr von der Arbeit. Er wäscht sich in her
zliche. Dann setzen sie sich alle drei an den
gedeckten Tisch.
„Darf ich nach dem Essen noch ein wenig
spielen?" fragt Willi.
Der Vater antwortet gar nicht.
Willi sieht scheu über den Tisch. Va
ter ?"
„Hast du eben was gesagt, mein Junge?"
uagt Vater.
„Darf ich nicht noch spielen? Die an
deren Kinder siriü auch noch unten."
„Ich kann in diesen Tagen so sehr schlecht
^ören, Willi", antwortet Vater mit betrüb
tem Gesicht. „Ich weiß nicht, das muß wohl
eine Art Krankheit sein. Dir ging's doch
Mch schon in der letzten Zeit verschiedene
Male so."
Willi hat schnell den Kopf gesenkt. Mutter
Scheit. Sie hat begriffen, was Vater sich
Msgedacht hat.
Willi ißt schweigend weiter. Durch die
Erster dringen die hellen Kinderstimmen.
will dem Jungen gar nicht recht
'MNecken.
„Mutter !" In Willis Augen schim
mert es feucht. „Darf ich nicht noch ein
tpchen nach unten?"
„Bater hat mich, glaube ich, auch schon
Ngesteckt mit seiner Krankheit", antwortet
gutter. „Wenn das bloß bald wieder an-
eï S wird! Nun sind wir alle drei krank
ņ« können nicht hören."
^Ja, das ist mal schlimm!" sagt Vater
Z. " nimmt sich noch eine Scheibe Brot vom
Mer, „aber ich denke, das wird sich geben."
Am anderen Tag will Willi mit zum
Fischen. Das ist immer sein größter Spaß,
wenn er Herrn Moje am Fluß helfen darf.
Ernst und Rudi Schöter gehen auch wieder
mit. Aber es ist mit Mutters Ohren noch
kein bißchen besser geworden, und Vater
ist erst recht noch ohrenkrank,- das weiß
Willi.
Das bleibt die ganzen Tage so. Bis zum
Sonnabend. Da sitzt Vater in der Stube
und liest. Willi macht seine Schularbeiten.
„Wo mögen wohl die Streichhölzchen
sein?" sagt Vater mehr zu sich selber als
zu einem anderen.
„Ich weiß es, Vater!" ruft Willi und
springt wie der Blitz auf.
Richtig! Sie haben in der Küche auf dem
Gasherd gelegen.
„Danke!" sagt Vater und zündet seine
Pfeife an.
Mutter schaut auf und lächelt. „Ich
glaube, Vater", sagt sie, „es ist mit dem
Jungen schon besser geworden."
„Ach, das mit den Ohren meinst du,
Mutter?"
„Ja, das meine ich."
„So, ist es wirklich besser, mein Junge?"
lächelt Vater und sieht Willi an.
„Ja, Vater", antivortet der und wird
feuerrot im Gesicht.
„Na, daun ist es ja gut!" lacht Vater und
zieht den Jungen an sich. „Mit mir ist es
jetzt auch besser."
„Und bei mir ist es auch weg!" ruft
Mutter.
Es wird ein schöner Sonntag.
C. Bradt.
12. Jahrgang
Rendsburg, 22. Mai
12. Jahrgang
Süßer Trost.
Fee hatte einen Kanarienvogel,- als er
eines Tages tot im Häuschen lag lder
Smerz des Kindes war unendlich groß),
brachte man ihn zum Tierpräparator und
ließ ihn ausstopfen. Das versöhnte die
Kleine allmählich über den Verlust des
Hanst, durfte sie ihn doch des öfteren in den
Händen halten und streicheln. Vur kurzem
war nun die Großmutter krank, und als
sie einmal zu Fee sagte: „Was tust denn,
Mäderl, wenn ich sterbe?", erwiderte sie
trostreich und treuherzig: „Wenn du wirk
lich stirbst, Omama, lassen wir dich aus-
stopscrl."
Roter Heuberg *)
Es hat ein Knab' ein Mägdlein lieb-
Er war so arm, sie war so reich.
Die Mutter wies den Freier fort:
„Geld hört zu Geld und Gleich zu Gleich!"
Und wies ihn aus dem Bauernhaus
Dorthin, wo seine Kate stund.
Und rief ihm höhnisch nach das Wort:
„Wenn du dir bauen hast gekunnt
In einer Nacht ein Herrenhaus,
Mit hundert Fenstern blitz und blank,
Dann freist du meine Ann' Katrin,'
Nun geh' mit Gott und wart nicht lang!"
Das Mädchen weint, der Knabe ging
Und saß den langen Tag in Gram.
Ein feuchter Nebel aus der See
In dunstigen Geschwader: kam.
* Kate Johannsen hat mir ein Bild Ihres
Heimathofes, des „Roten Heubergs" in Uel-
versbttll, der, wie sie schreibt, im Sommer oft
von Fremden besichtigt wird, geschickt und ein
Gedicht dazu, das die Sage vom Roten Heu
barg wiedergibt. Sie meint, wenn ich mal keine
Rätsel wüßte, könnte ich die Sage ja mal ins
„Kinderland" setzen. Nun, Rätsel weiß ich immer,
aber ich erfülle Käte gleichwohl gern ihren
Wunsch, zumal ich weiß, daß ich den meisten
meiner kleinen Leser damit eine Freude mache.
I. Ķ,
Der legt sich schwer auf Herz und Lung',
Und als die Sonne graurot sinkt,
Ein Mann in fahlem Nebelkleid
Am Klotstock übers Grafs sich schwingt.
„Jan Jürn, ich baue dir das Haus .
Mit hundert Fenstern blitz und blank,'
Jan Jürgen, ehe kräht der Hahn,
Ist dein die Braut so blond und rank!
Jan Jürgen, morgen ist Hochzeitstag,
Doch deine Seele, die ist mein!"
Da gab Jan Jürgen Wort und Hand,
Weg war der Mann im Nebelschein!
Leis raunt ein Wind, es rieselt leis
Auf Ret und Ried, auf Busch und Baum,
Dann taucht der Mond in Silberweiß
Der Marschen ungeheuren Raum.
Die Mutter drüben steht und lauscht,
So seltsam wird ihr graun beim Schau'n.
Geräusch — Geraun — horch! Aexteschlag?
Hör! Hunderttausend Hände bau'n!
Und wie sie bau'n! Aus Vollmondnacht
Taucht 's weiß hervor: Ein Herrenhaus!
Mit hundert Fenstern blitz und blank
Schaut 's in die Hexennacht hinaus.
Und bei der Mutter steht das Kind:
Mir läßt nicht Ruh' die weiße Nacht!
O, Mutter, horch! O, Mutter, sieh:
Der Boje baut) Die Kölle lacht!