Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

EAKWUiW 
V 
Alte Chroniken erzählen 
Expeditionsprotololl der Hohner Harde 173V ff. 
Beantwortung: Jürgen Theede-Garlbek. 
Herr, Theede schreibt uns: „Sie führen öen 
Ort Ahrenhorst an. Das Dorf Ahrenhorst be 
stand von früher her aus zwei % Hufen. Das 
Dorf ist heute verschwunden, doch lebt der 
Name in einigen Ländereien weiter. Das eine 
Haus wurde 1901 abgebrochen und in Lohe neu 
aufgebaut. Der zweite Besitz ist 1908 durch 
Blitzschlag eingeäschert und nicht wieder auf 
gebaut. Dieser Besitz hat mehrfach seinen Be 
sitzer gewechselt, dagegen ist der erste Besitz 
nachweisbar seit dem 30jährigen Kriege in un 
serer Familie gewesen. Meine Vorfahren 
rvaren nebenbei Berufsfischer und Jäger." 
Zur Vervollständigung der Geschichte dieses 
verschwundenen Dorfes gebe ich nun die Aus 
züge aus dem Protokoll wieder. 
1733. Cessions-Vergleich zwischen Augusta 
Petersen und ihrem Schwiegersohn Claus 
Engelland zu Ahrenhorst. 
Augusta Petersen war die Wwe. von Marx 
Petersen aus Ahrenshorst. Weiter geht aus der 
Akte hervor, daß Johann Theden (der Name 
wird hier mit einem e geschrieben) der Vor 
mund zweier unmündiger Kinder war, näm 
lich Marx und Augusta. Weitere Kinder waren 
Wiebke und Gretje. 
Unterschrieben am 17. Dezember 1733. 
1739. Erb-Vergleich zwischen Claus Engel- 
lands Wwe., dessen unmündigen Kindern Vor 
münder, und Hans Kock. 
Aus dieser Akte geht hervor, daß die Wwe. 
nach dem Tode ihres ersten Mannes Hans 
Kock heiraten will. Sie hat mit dem ersten 
Manne zwei Kinder, Claus und Augusts 
Engellauds. 
Unterschrieben am 29. Oktober 1739. 
1743. Teilungsbrief zwischen Claus Theeden 
Wwe. und deren Kindern zu Ahrenhorst in der 
Hohner Harde. 
Kund und zu wissen sei hiermit, daß, nachdem 
der % Hufner Claus Theede zu Ahrenhorst vor 
kurzem gestorben, folgender Erbvergleich zu 
Papier gebracht und vollzogen wurde: 
1. Ucbernimmt Johann Theede, der älteste 
Sohn, die Haushaltung mit allem Zubehör, 
Haus, Hof, und Gartenraum, Hausgerät 
schaften und allem dabei vorhandenen Be 
schlag, nichts davon ausbeschieden, wogegen 
er 
2. an seine übrigen Geschwister, als Claus, 
Gretje, Hans und Elsabe wenn sie zu Ehren 
kommen, jedem derselben 10 Mark gibet. 
3. daß den Töchtern Gretje und Elsabe über 
diesen 10 Mark noch jeder eine Kuh ausge 
kehrt werden soll. 
4. verpflichtet sich der neue Wirt Johann 
Theede, seinen Bruder Hans so lange bei 
sich zu behalten, bis er zum heiligen Abend 
mahl gewesen. 
5. sämtliche Geschwister in Krankheit und 
sonsten ihres Vaters Hause Zuflucht zu 
nehmen berechtigt sein sollen. 
6. daß dieselbe (Wwe.) samt ihren zwei Kü 
hen das kleine Verlehnshaus an der 
Scheune zur Wohnung beziehen und dabei 
jährlich und jedes Jahr besonders zwei 
Tonnen Roggen, auch das Gras, was in 
der sogenannten beim Hause gehörigen Ha- 
ferkoppel wächst und der Wirt bearbeitet, 
haben, wie nicht weniger 8 Fuder Torf zur 
Feuerung ihr gegeben werden sollen 
7. hat dieselbe angeordnet, daß sowohl vorge 
nannte zwei Kühe als alles übrige nach 
ihrem Absterben verteilet, und keiner davon 
etwas zum Voraus haben soll. 
Unterschrieben am 30. September 1745. 
1760. Zu wissen, nachdem heute unten ge 
setzten Dato vor mir, dem Hardesvogt in der 
Hohnerharde erschienen Johann Theede % Huf 
ner zu Ahrenhorst, und angezeiget, daß er 
anderweitig sich wieder verehelichen wolle. 
Seinen aus voriger Ehe erzielten Kindern als 
Ann Trincke, Fraucke, Wiebcke und dem Sohn 
Claus ihres mütterlichen wegen ein Aus- und 
Anweise zu tun gemäßiget wäre, daß derselbe 
sich solcherwegen in Gegenwart zweier derer 
Kinder engster Anverwandten mütterlicher 
Seite, Jochim Tiedemann, Bauernvogt zu Ha 
mendorf und Johann Frahm, Schulmeister zu 
Elsdorf nachstehender maßen erkläret habe. 
Ich hier unterschriebener urkunde und be 
kenne auf mein Gewissen, daß ich an Bar 
schaften meinen vorbenamten Kindern nichts 
auszusagen vermag, sondern ihnen nur des 
mütterlichen wegen, und zwar den drei Töch 
tern anweisen kann, einer jeden eine Kuh zu 
8 Rtlr. und ein aufgemachtes Bett zu 8 Rtlr., 
dem Sohne aber einen eichenen Koffer zu 6 
Rtlr., eine Lade zu 2 Rtlr. 16 ß u. einen 6 Fuß 
langen eichenen Tisch zu 1 Tlr. 16 ß. Meine 
Güter setze ich als Unterpfand, daß sie solches 
erhalten. 
Hohn, öen 1. Oktober 1760. 
Hiermit sind alle Akten über Ahrenshorst 
aus diesem Buch (etwa 1730 bis 1765) abge 
schlossen. 
Für Interessenten kann ich mitteilen, daß 
noch über die weiteren Ortschaften: Königs 
berg, Königsbach, Königshügel, Friedrichs 
holm, Klindt Moor, Wittenberge, Ahrenstedt, 
Owschlag, Schulendorf, Christiansholm und 
Hohnerholm einige Akten vorhanden sind. 
Eine weitere Anfrage bezieht- sich auf die 
Btunk in der Hohner-Harde. Leider war es 
mir nicht möglich, hierüber etwas zu finden, 
doch hoffe ich, daß der eine oder andere Fa- 
miliensorscher auf diesen Namen gestoßen ist. 
Wenn ja, bitte ich um kurze Nachricht. 
Endlich wünscht noch ein Leser Einzelheiten, 
die für die Chronik der damaligen Zeit von 
Wichtigkeit sind. Ich füge hier einige an: 
Einrichtung über die Schäferei Bunge 
am 12. März 1754. 
Demnach Jürgen Sievers, der Bevollmäch 
tigte, Frans Ludolfs Haagen und Johann 
Sievers aus Elsdorf, Claus Theede aus Ham- 
dorf, Marx Sieck aus Hohn, wie auch Marx 
Schrumm und Hans Speck aus Duvenstedt und 
Jürgen Johannsen aus Lohe, proprio et Man- 
datario übriger Hohner Harde Eingesessener, 
als Erbpächter der Schäferei Bunge in der 
Kropp Harde Amt Gottorff, mit Claus Hol- 
torff und Jürgen Greve, wie auch Hinrich 
Gosche, Jürgen Stolley und Carsten Theede, 
sämtliche aus Hamdorf, dann Jürgen Eggers 
aus Westermühlen und Jürgen Thooöe % 
Pflug aus Elsdorf, als ihren After-Pächter 
besagter Schäferei zusammengetreten und ein 
Inventarium unter sich errichten zu lassen, 
beschlossen haben, so ist damit nachstehender- 
matzen verfahren worden: 
A. An Immobilien 
oder unbeweglichen Gütern. 
1. Das ordentliche Wohnhaus ist 9 Fach in 
der Länge und 4 Fach in der Breite nach Süden 
zu, mit gutem Rethöach gedecket und mit neuen 
grünen Soden beleget worden, auch überall 
in gutem haltbaren Stande. Die Wände sind 
zum Teil neu gezäunet, mit gutem frischen 
Lehm ausgeschlagen, und also rund umher 
dieses Haus zuverlässig gedichtet worden. Mit 
einer guten Haus- und zwei Seitentüren von 
feuren Holz, auch mit gute» eisernen Hängen, 
Haken, Klinken und sonstigem Zubehör ver 
sehen. 
Auf der Diele. 
Was die innere Beschaffenheit dieses Hauses 
anbetrifft, so findet sich im Eintritt desselben, 
an beiden Seiten, soweit das Anschnur gehet, 
Pferdeställe mit Raufen oder Röpen und 
Krippen, auch ein guter Sandboden ist darin 
nen vorhanden. Die Boosen an beiden Seiten 
der Diele, worinnen das Hornvieh stehet, ge 
hen von dem Anschnur bis an die sogenann 
ten Hörn, und sind mit guten Stall-Röppels, 
nach Hausmannsart zu reden, verwahret. Die 
Hausbalken sind 26 Fuß lang und 1 Fuß im 
Quadrat und mit Eichen und feuren Brettern 
belegt. Zur Rechten, zwischen der Bose und der 
Hörn, befindet sich eine Milchkammer, deren 
Türe von feuren Holz, auch mit Hängen, Haken 
und eisernen Klingen wohl versehen ist, in 
solcher Kammer sind drei eichene Bretter, die 
Milchtöpfe darauf zu setzen, angemacht, gleich 
denn auch darinnen ein klein Schlag-Fenster 
vorhanden, so ungebrochen und mit Bleigut 
conditionieret, auch mit einem Winöeisen, Ha 
ken, Anwürsteln und Hängen wohl versehen. 
Auf beiden Seiten der Hörn und in jeder 
Ecke stehet eine gute wohl conditionierte 
Bettstelle, in einem haltbaren und untadel 
haften Zustande. Die Hausöiele anlangend, so 
ist solche von Lehm, gut und eben geschlagen, 
und beim Feuer, bis zu beiden Niederschlägen, 
mit Mauersteinen gepflastert. Ein Wiem von 
Tannenlatten, um Fleisch, Speck und dergl. 
darinnen aufhängen und räuchern zu können. 
In beiden Niederschlägen oder Hörnen finden 
sich 3 und 4 Fenster, die alle ungebrochen und 
mit Blei gut verwahret sind. 
In der Wohnstube. 
Der Fußboden ist von Lehm geschlagen, auch 
stehet ein eiserner Ofen, der aber mit zwei 
kleinen Platten bei öen zwei untersten 
Schrauben in etwas gebessert worden, darin 
nen, wie denn auch dieser Ofen auf einem 
starken wohl ausgeschmiedeten eisernen Fuß 
ruhet. Ferner findet man in der Norderecke 
dieser Wohnstube eine gute Bettstelle, woran 
eine von Eichenholz gefertigte Fußbank befe 
stigt worden. Auch sind hier 4 Fenster, wovon 
eines sich aufmachen lässet und daher Hänge, 
Haken und Anwürsteln hat, sonsten überall 
mit Blei und Windeisen wohl verwahret und 
unzerbrochen. Uebrigens findet man noch hier 
ein paar Teller-Riegen angenagelt, und die 
eichenen Bodenbretter gestrichen. Die Tür nach 
mit 
der Diele zu ist von feuren Holz und 
Hängen, Haken und Drücker versehen. 
In der Kammer. 
Südwärts an vorhergedachter Stube ist noch 
eine kleine Kammer, in welcher sich zwei gute 
Bettstellen, die in der Wand befestigt worden 
befinden, vor diesen stehen zwei Bettbänke 
von feuren Holz. Der Fußboden ist von Lehrn 
gut und eben gemacht und die feuren Boden- 
bretter wohl gestrichen. In dieser Kammer 
sind fünf Fenster unzerbrochen, wovon aber 
kein Fenster aufgemacht werden kann, doch 
sind solche überall mit Blei und Windeisen 
wohl verwahret. Die Tür nach der Wohnstube 
zu ist von feuren Holz mit Hängen, Haken, 
Drücker und Handgriff gut versehen. Sonst 
ist noch in dieser Kammer, und zwar bei den 
beiden Bettstellen, eine kleine Speisekammer, 
deren Tür von feuren Holz und mit Hängen, 
Haken und einem Marbel versehen ist. Auch 
sind darin 6 Stück feuerne Bretter-Riege an 
gemacht. 
In der gegen Norden gelegenen Volksstube., 
Daselbst sind zwei gute Bettstellen, auch drei 
ttnzerbrochene Fenster, die mit Blei und Wind 
eisen gut conditionieret. Die Tür nach der 
Diele zu ist von feuren Holz, mit Hängen, Ha 
ken, Drücker und Handgriff versehen. Sodann 
ist noch an dieser Bolksstube eine kleine 
Kammer, worin man Hausgeräte beiseite setzen 
kann. Die Tür derselben ist von feuren Holz, 
mit Hängen, Haken und einem Marbel verse 
hen, wie auch mit einem hölzernen Handgriff- 
2. Ein großes Gebäude bestehend aus 18 Fach 
in der Länge und 7 Fach in der Breite. Die 
äußerliche Beschaffenheit dieses Gebäudes ist 
sehr gut, die Wände rundherum bestmöglichst 
gedichtet worden. Das Gebäude ist mit Reth- 
dach gedeckt, auch mit frischen Soden belegt 
worden. Drinnen sind ein Dreschhaus, Pferde- 
und Schafstall. Auch ist es durchgängig mit 
dickem gesunden Holz stark ausgebaut, aller 
maßen die in dem Dröschhaus und Pferde- 
stall sich befindenden feuernen Balken von 
1714 Fuß Länge und 9'A Zoll im Quadrat sind. 
Und die in dem Schafstall vorgefundenen 
Eichenbalken 26 Fuß lang und 1 Fuß im 
Quadrat haben. An den Heuröpen und Krip 
pen in dem Schaf- und Pferdestall fehlt nichts. 
Weshalb denn die Afterpächter solch alles über 
kurz oder lang hinwieder an ihrem Erbpächter 
in eben solcher Qualität abzuliefern haben. 
6. Der Kohlhof. 
Westwärts des großen Wohnhauses befindet 
sich ein Kohlhof, der 17 Ruten 8 Fuß lang und 
8 Ruten 12 Fuß breit ist. 
C. Das Plak-Werk. 
Um den Kohlhof und die Mistkuhle gut. 
D. An Mobilien oder beweglichen Gütern. 
231 Schafe. 
E. Das Backhaus 
ist im Mai 1752 abgebrannt und soll neu er- 
richtet werden. 
Und nun für heute genug. Freuen würde 
ich mich, wenn recht viele Anfragen bei mir 
einlaufen würden. Ich werde mich bemühen, 
alle zu beantworten. 
Rudolf Carstensen, Großbuchwald 
über Neumünster. 
750Wrkges Zrrbrlàm Her StsK KÄnfeld 
kasse umgewandelt, verschiedene Kinder- uïï5~ 
Die Stadt Reinfeld in Holstein, eine der 
jüngsten Städte unserer Landschaft, kann in 
diesem Jahre ihr 750jähriges Jubiläum feiern. 
Am 15. und 16. Juli 1936 werden größere 
Festlichkeiten in dem Ort stattfinden. Das 
Kloster von Rcinevelde wurde im Jahre 1186 
vom Grafen Adolf III. gestiftet. Die Grün- 
öungsurkunde ist erhalten, eine andere Ur 
kunde, von der fünf nachzuweisen sind, stammt 
vom Kaiser Friedrich Barbarossa. Es waren 
wie in Lügumkloster Cistercienser Bauern 
mönche, die hier ihre Kulturarbeit begannen, 
den Wald rodeten. Sümpfe austrockneten und 
Fischteiche anlegten. Von dem Kloster sind 
nur wenige Reste erhalten, so ein Stück der 
Klostermauer, einige Grabsteine der Aebte, 
ein stark beschädigtes Holzbildwerk „Maria 
mit dem Leichnam des Heilandes" und ver 
schiedene Formen von Mönchsteinen. Die Sied 
lung der Mönche wurde bald reich, und spätere 
Aebte residierten im Hofe „Klein Reinfeld" zu 
Lübeck. Das Gebäude, das heute noch erhalten 
ist, liegt an der Trave und diente auch als 
Lagerplatz der Waren, die von den Mönchen 
versandt wurden. Die Gründung des Non 
nenklosters zu Harvestehude, Hamburg, steht 
mit dem Reinfelder Kloster in Zusammenhang. 
Der Abt zu Reinfeld hatte die Aufsicht über 
dieses Kloster und das Recht, dort zu visitieren. 
Wie wohlhabend die Mönche waren, geht 
daraus hervor, daß in der Blütezeit über 20 
Dörfer in Holstein, Mecklenburg und Pom 
mern in ihrem Besitz waren, dazu hatten sie 
Anteil an öen Salinen' zu Lüneburg und 
Grundbesitz in Livland. Dann begann langsam 
der innere und äußere Verfall, und bald nach 
der Einführung der Reformation war die 
Klosterzeit beendet. Der letzte Abt, Johannes 
Kule, verkaufte den Salinenanteil zu Lüne 
burg und überließ dem Rat zu Lübeck eine 
Urkunde, in der dem Kloster das Recht zur 
Schiffahrt auf der Trave und die Fischgerech- 
tiakeit a»1 diesem Fluß verliefen war. Das 
Kloster gelangte später in den Besitz des Her 
zogs Johann des Jüngeren, dem bei der Erb 
teilung auch die Aemter Sonderburg, Nor- 
burg und Plön zugesprochen wurden. Der 
Fürst ließ das Kloster niederreißen und er 
baute in Reinfclö ein Schloß, dem auch ein 
Tiergarten angegliedert wurde. Vom Jahre 
1730-1762 diente das Schloß als Witwensitz 
der Herzogin Dorothea Christina, einer Toch 
ter des Amtmannes zu Norburg. 
Im Jahre 1635 wurde die alte Klosterkirche 
durch einen Dammbruch und eine Wasserflut 
zerstört, schon im nächsten Jahre, mitten im 
30jährigen Kriege, bauten die Bewohner eine 
neue Kirche, die im Jahre 1936 ihr 400jähriges 
Jubiläum feiern kann. Man benutzte das Ma 
terial der alten Kirche, und es entstand ein 
einfacher Bau, der aber während der Herzogs- 
zeit reicher ausgestattet wurde. Die Kirche wird 
in diesem Jahre erneuert, so daß auch sie mit 
ihren Erinnerungen an die Vergangenheit 
in neuer Gestalt erscheint. Hier wirkte zur 
Herzogszeit der Pastor Matthias Claudius 
der Aeltere, geboren in Süderlügum, der von 
Norburg nach Reinfeld berufen wurde. Im 
Jahre 1740 wurde im Pastorat der große nie 
derdeutsche Dichter Matthias Claudius gebo 
ren, ein Sohn der zweiten Frau des Pfarr- 
herren, Maria, geb. Lorck, Tochter des Rats 
herren Lorck zu Flensburg. In deutscher Zeit 
wirkte als Lehrer in Reinfeld Joachim Mühl, 
der in seiner Zeit neben Klaus Groth einer 
der bekanntesten plattdeutschen Schriftsteller in 
Schleswig-Holstein war. Nach öen glücklichen 
Jahren des Aufstiegs, in denen der Ort auch 
als Luftkurort aufblühte und das Kurhaus 
am Herrenteich starken Zuspruch fand, ging 
Reinfeld durch die schweren Jahre des Krieges 
und der Nachkriegszeit. Der Ehrenhain auf 
dem Kirchhofe mit den Gedenksteinen an die 
Gefallenen erinnert eindringlich an die Opfer 
des Weltkrieges. Das Kurhaus wurde in das 
Genesungsheim der Hamburger Ortskranken- 
Erholungsheime sind in der schönen Umgebung 
entstanden. Mit Energie und Eifer ist man 
trotz vieler Hemmnisse bestrebt, öen alten Ruf 
als Fremdenverkehrsort wieder zu erwerben. 
Der alte Ort und die junge Stadt sind durch 
ein gütiges Geschick ausgezeichnet wie die 
Dichterorte Frankfurt und Weimar. Hier ist 
das Jungensparadies des niederdeutschen 
Klassikers Matthias Claudius, und in dem 
schönen „Waldtal" mit seinen blinkenden 
Silberseen hat er eine neue Naturauffassung, 
die in den Werken des Wandsbeker Boten im 
mer wieder zum Ausdruck kommt, innerlich 
erlebt. 
Der Bollstedter See 
Eine Ergänzung zu dem Artikel: „Die 
Senkung des Wasserstandes im Voll- 
stedter See" von G. Reimer - Büken. 
Vor der Senkung bedeckte der See ein Areal 
von rund 250 Tonnen, und sein Wasserstand 
reichte, wenn starke Niederschläge ihn anschwel 
len ließen, bis ins Dorf Kleiu-Vollsteöt hin 
ein, bis dahin, wo jetzt das Schulhaus liegt. 
Als dieses im Jahre 1870 durch einen Anbau 
für die 2. Klasse vergrößert werden sollte, hatte 
man stark mit der Grundfeuchtigkeit zu kämp 
fen. — Bei der sogen. „Timmermannskate", 
dem Geburtshaus meiner 1831 geborenen 
Mutter, floß ein Auslauf des Sees vorbei und 
bildete im Dorf den „Stratendiek". Ueber- 
mütige junge Leute versperrten nachts manch 
mal diesen Ablauf durch Wagenbretter und 
setzten dadurch Großmutters Haus unter 
Wasser. — Ein weiterer Abfluß des Sees be 
fand sich bei der „Fischerkate" und führte in 
die Mühlau. Die Spuren und letzten Reste 
dieses Entwässerungsgrabens finden sich noch 
heute im Ohlenbrücksredder. — Der Bollstedter 
See war sehr fischreich,' besonders Aale gab 
es in Hülle und Fülle. Diese benutzten bei 
ihrer Abwanderung ins Meer besonders die 
sen Ablauf und wurden hier zentnerweise ge 
fangen. Auch nach der Regulierung war der 
See eine Aalkammer, bis in den 90er Jährest 
des vorigen Jahrhunderts ein großes Aal 
sterben einsetzte. Die toten und halbtoten Fische 
wurden damals von den Bauern fuderweise 
als Dünger aufs Land gefahren. 
In den 40er Jahren des vorigen Jahrhun 
derts wurde mit der Senkung des Wasser 
spiegels mit dem Bau des Seekanals begon 
nen. Dieser nahm seinen Weg durch das Dorf 
Klein-Bollstedt,' der „Stratendiek" verschwand 
und wurde ausgefüllt,- an Stelle des flachen 
Siels trat eine massive Steinbrücke, die noch 
heute den Straßenverkehr trägt. In feinern 
weiteren Verlauf wurde der Kanal dann bei 
den Dreckmoorstannen unter dem Staugraben, 
der zur Berieselung der Wiesen diente, hin 
durchgeführt. Bei Bokelholm hatte er schon 
so viel Gefälle, daß er dort wertvolles Wiesen 
land ent- und bewässerte, um dann beiin 
„Staekrog" in die Wehrau — nicht MühlenaU 
— zu münden. Leider wollte sich der Spiegel 
des Sees nicht in der erwarteten Weise sen 
ken. Einmal lag das an Mängeln bei der An 
lage, dann auch an dem stark auftretenden 
Triebsand. Auf die fehlerhafte Anlage machte 
ein alter erfahrener Schachtmeister (Pottmei 
ster) aufmerksam: Wenn ein Abzugsgraben 
ein Gewässer entleeren soll, muß dieser auf 
17 Ruten Länge mindestens einen Fuß Gefälle 
haben. Dies war aber bei der Anlage nicht 
genügend beachtet, und so mußte der Kanal 
später im Unterlaufe erheblich vertieft werden. 
Der oben erwähnte Staugraben kommt beim 
sog. „Umlop" aus der Mühlenau, überquert 
bei den Dreckmoorstannen öen Seekanal, be 
wässert die Emkenöorfer Wiesen und ergießt 
sich beim Rethbrook* in die Wehrau. — Die 
Mühlenau soll früher auf dem Hofe Neumüh 
len eine Wassermühle getrieben haben. Hof 
und Mühle waren im Besitz einer später ver 
armten Adelsfamilie v. Staacken. Die vor kur 
zem ausgestorbene Bauernfamilie Staack in 
Neumühlen glaubte, ihre Abkunst von jenek 
ableiten zu können. M. Peters. 
* In den 70er und 80er Jahren nisteten io» 
„Rethbrook" die Kraniche und der schwarze Storck 
im.Wohld" und im.Bie". 
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