Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

WahlergebNîs Belgien 
Die Extreme» gewinnen — aber die bisherigen Mshrheits-Verhältnisse bleiben 
DNB. Brüssel, 28. Mai. sEig. Funkmeld.) 
Nach einer halbamtlichen Mitteilung wird sich 
die neue belgische Kammer folgendermaßen 
zusammensetzen: Sitze 
Belgische Sozialistische Arbeiterpartei 70 
Katholische Partei. ..... 63 
Liberale Partei 23 
Rexbemegung .21 
National-Flämischer Block . « . 16 
Kommunistische Partei .... 9 
202 
Dieses Gesamtergebnis dürfte endgültig sein. 
Demnach haben also verloren die Sozialisten 
3, die Katholiken 16, die Liberalen 1 Sitz. Ge 
wonnen haben der Nationalflämischc Block 
8 Sitze und die Kommunisten 6 Sitze. 
Die Wahl hat der katholischen Partei eine 
große Niederlage gebracht. Auch die Sozialisten 
haben — allerdings in weniger starkem Maße 
— Stimmen- und Mandatsverluste zu ver 
zeichnen, und die Liberalen sind ebenfalls zu 
rückgegangen. Die Niederlage dieser drei Par 
teien, die in den vergangenen Jahrzehnten 
ständig die Ncgierungsgewalt miteinander ge 
teilt haben, erklärt sich im allgemeinen aus der 
ständig zunehmenden Abneigung der Bevölke 
rung vor dem Parlamentarismus und dem 
Parteiensystem. 
Als Sieger sind ans dem Wahlkamps die 
extremen Parteien hervorgegangen nnd zwar 
Rexisten, flämische Nationalisten nnd Kommu 
nisten. Den größten Erfolg haben die Rexisten 
zn verzeichnen. Diese Partei will eine Erneue 
rung des belgischen politischen Lebens unter 
Abkehr vom Parlamentarismus. Sie trat zum 
ersten Male in einer Wahl hervor. Ihr Erfolg 
übersteigt alle Erwartungen. 
Man nimmt aber allgemein an, daß auch die 
«ene Regierung wieder eine Treiparteienregie- 
rnng sein werde, die sich wiederum aus Soziali 
sten, Katholiken und Liberalen zusammen 
setzen wird. Es besteht aber kein Zweifel, daß 
eine solche Regierung im Parlament auf 
größere Schwierigkeiten stoßen wird, als die 
vergangene Dreiparteienregierung, und zwar 
im Hinblick auf die stärker gewordene, wenn 
auch in sich uneinige Opposition, die ihr jetzt 
gegenübersteht. Da die Katholiken in den wal 
lonischen Provinzen stärkere Verluste erlitten 
haben als in Flandern, wird die katholische 
Fraktion in Kammer und Senat künftig in der 
Mehrzahl ans Flamen bestehen, was im Hin 
blick auf die Außenpolitik der nenen Regierung 
sicher zu begrüßen ist, denn die schärfsten Geg 
ner einer großzügigen Verstündigungs- und 
Friedenspolitik sind neben den Liberalen im 
mer die wallonischen Mitglieder der katholi 
schen Partei gewesen. 
2 Tote bei einem Wahlzusammenstotz. 
In Antwerpen kam es in der Nacht zum 
Sonnabend beim Ankleben von Wahlplakaten 
zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen 
Werbern der „Realisten" und der Sozialisten. 
Zwei Sozialisten wurden durch Nevvlverschüsse 
getötet. (Tie Realisten sind eine Splitter 
partei.) 
Zn baldmöglichem Antritt 
Ein Außenminister gesucht 
DNB. Paris, 24. Mai. Die Suche nach einem 
Außenminister für die kommende Regierung 
Leon Blum geht weiter, nachdem Herriot end 
gültig abgelehnt hat und nach Lyon zurückge 
kehrt ist. Als ernsthafte Anwärter werden von 
der gesamten Sonntagspresse der gegenwärtige 
Arbeitsmimster Chautemps, der Justizmini 
ster Delbos und der gegenwärtige Handelsmi 
nister Bonnet genannt. 
Unterredungen Paul-Voncours. 
Staatsminister Paul-Boncour, der in Ab 
wesenheit des Ministers Flandin das Außen 
ministerium verwaltet, hatte am Sonnabend 
Unterredungen mit Ministerpräsident Sarraut 
und mit Chautemps, der von einigen Kreisen 
als künftiger Außenminister genannt wird. 
Lloyd George kritisiert. 
Recht interessant ist die Voraussage Lloyd 
Georges über die Tätigkeit der kommenden 
französischen Regierung. In einem Artikel in 
der „Sunday Expreß" vergleicht Lloyd George 
die Erfolge der, wie er sagt, diktatorisch regier 
ten Länder mit der verworrenen Innen- und 
Außenpolitik sogenannter Demokratien. We 
nig oder nichts erwartet Lloyd George von der 
kommenden Regierung Leon Blum, dessen 
Partei sich in der Opposition in leeren Ver 
sprechungen erschöpft habe, ohne jemals mit 
einem praktischen Plan hervorgetreten zu sein. 
Sobald die französischen Sozialisten an der 
Macht seien, würden sie die Staatsgeschäfte in 
den Händen der Bürokratie lassen, die sich aus 
Männern mit anderen Gedanken und Grund 
sätzen zusammensetze. Tie gleiche Erfahrung 
habe auch England mit seiner sozialistischen 
Regierung gemacht. 
Titulescus Besprechungen. 
Titulescu hat am Sonnabend seine diploma 
tischen Besprechungen in Paris eifrig fortge 
setzt. Der rumänische Außenminister hatte Un 
terredungen mit dem türkischen Botschafter, 
dem sowjetrussischen Geschäftsträger und den 
Gesandten der Tschechoslowakeî und Griechen 
lands sowie mit dem stellvertretenden sowjet 
russischen Generalsekretär des Völkerbundes. 
* * * 
Verschärfung der Lage m Palästina. 
Inden, Araber nnd Kommunisten im Streit. 
Die Mandatsregicrung von Palästina greift 
zu schärferen Maßnahmen gegenüber den auf 
ständischen Arabern. Verschiedene Führer 
wurden in kleine abgelegene Dörfer ver 
bannt. Zwischen Jaffa und Haifa wurden die 
Telefondrähte durchschnitten. 
Jerusalem. In verschiedenen Orten kam es 
erneut zu blutigen Zusammenstößen zwischen 
Arabern und Polizei. In Nablus in Samaria 
wurden am Sonnabendabend zwei Araber von 
der Polizei getötet. In der Nacht zum Sonn 
abend wurde ein arabischer Polizist bei Tel- 
mvnd in der Nähe von Tulkarm erschossen auf 
gefunden. 
Kommunistische Parteigänger passen sich ge 
schickt der arabischen Nationalpropaganda an, 
von der ihre Machenschaften oft schwer zu un 
terscheiden sind, es sei denn durch den offenen 
Aufruf zu Gewalttaten. Die Zahl der Mitglie 
der der illegalen kommunistischen Partei be 
trägt nur 500. Sie sind jedoch außerordentlich 
rührig und setzen zu etwa 45 v. H. aus Ara 
bern, weiteren 45 v. H. aus Juden zusammen. 
Anschlag oder Racheakt? 
EindruchssersAch in StsrhembZrgs Schloß 
DNB. Linz, 23. Mai. In der Nacht zum 
Sonnabend wurde in dem Schloß Warenberg 
(Müflveurtel) das dem ehemaligen Vizekanz 
ler Starhemberg gehört, ein Einbruchsversuch 
unternommen. Die Behörden, die von dem 
Plan Kenntnis erhalten hatten, konnten ent 
sprechende Sicherungsmaßnahmcn treffen, 
durch die die Durchführung des Anschlages ver 
eitelt wurde. Als die Gendarmerie einschrei 
ten wollte, wurde auf sie geschossen. Tie Gen 
darmen erwiderten das Feuer und töteten 
einen der Einbrecher, während ein zweiter 
schiver verletzt wurde. Acht an dem Einbruchs 
versuch beteiligte Personen konnten verhaftet 
werden. 
In einer über diesen Vorfall ausgegebenen 
amtlichen Mitteilung des Sicherheitsdirektors 
von Oberösterreich kommt die Vermutung zum 
Ausdruck, daß die Täter die Absicht gehabt hät 
ten, sich in den Besitz von Waffen des Heimat 
schutzes zu setzen, die sie dort verborgen glaub 
ten. In der Verlautbarung wird ferner die 
Behauptung aufgestellt, daß in den Tätern 
nationalsozialistische Parteigänger zu erblicken 
seien. 
Ein zweites Todesopfer. 
DNB. Wien, 23. Mai. Wie aus Linz gemel 
det wird, ist ein zweiter beim Ueberfall auf 
das Starhembergsche Schloß Waxenberg be 
teiligt gewesener Mann den Verletzungen, die 
ihm von den Gendarmen zugefügt wurden, er 
legen. Die Polizei in Linz hat im Zusammen 
hang mit diesem Ueberfall umfangreiche Er 
mittlungen durchgeführt und bisher 20 Ver 
haftungen vorgenommen. 
Wiener Gerüchte. 
DNB. Wien, 24. Mai. Die Gerüchte, wonach 
es sich bei dem Einbruchsversuch auf Schloß 
Waxenberg des ehemaligen Vizekanzlers Star 
hemberg um einen Ueberfall revoltierender 
Heimwehrmänner gehandelt habe, werden im 
mer lauter. Vielfach hört man auch, daß es 
sich dabei möglicherweise um einen Racheakt 
von Heimwehrmännern handeln könnte, die 
mit der Haltung Ttarhcmbergs während der 
letzten österreichischen Regierungsumbildung 
nicht einverstanden waren. 
Im Raume von Korncuburg, in der nächsten 
Umgebung von Wien, fanden am Sonnabend 
größere feldmäßige Uebungen der Heimwehr 
statt, an die sich ein Scharfschießen anschloß. 
* 
Ungarische vesuche in Deutschland. 
Der königlich-ungarische Kultusminister Dr. 
Homann ist gestern in Berlin zu einem sechs 
tägigen Besuch eingetroffen, der als Erwide 
rung des Budapester Besuches von Reichs- 
Minister Rust anzusehen ist. Reichsminister 
Rust empfing den Gast am Anhalter Bahnhof. 
Bilderdienst der Landeszeitnng mm Nordnmrk-Treffen 
Beim Appell. Der Stabschef, Äorpssührer Hühnlein, Grnppensührer Mayer- 
Quade. % 
Der Rest besteht aus sonstigen Elementen, 
großer Teil von ihnen ist erst in diesen Mo« 
naten geschlossen eingewandert. 
8 Klm. vor Jaffa wurde, wie weiter gemel« 
det wird, das angeblich aus Hamburg kom- 
meude jüdische Schiff „Richard Burkhards von 
entgegenfahrenden Araberbooten aus nist 
Schüssen und Bombenwürfen empfangen, die 
jedoch keinen Schaden anrichteten. Das Schiff 
konnte den neuen Hafen Tel Aviv erreichen 
und seine Ladung löschen. 
* 
Der Regent von Abessinien, 
Marschall Graziani, hat einige weitere Mit 
teilungen von der Aufbauarbeit in Abessinien 
gemacht. 
Von besonderem Interesse ist seine Erklä 
rung, daß die starken, in Ostafrika befindliche» 
italienischen Streitkräste in vollem Umsange 
ausrechterhalten werden sollen. Die Erlaubnis 
zur Rückkehr wird auf jene Freiwilligen- 
Gruppen beschränkt, die in Italien politische 
oder berufsständische Aufgaben haben. 
Mit der Liquidierung der Bank von Abessi 
nien und der Eröffnung der italienischen 
Staatsbankfiliale soll zugleich die Entfaltung 
eines normalen wirtschaftlichen und finanziel 
len Lebens in Abessinien erleichtert werden. 
Ehrung der Gefallene« der Bewegung. 
mm. beim Vorbeimarsch. 
$te Reiterstandarte vorm Stabschef, rechts Lutze und Admiral Albrecht. 
şi 4 Bilder Foto Ģ MķŞ
	        
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