Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang. 
Achleswig-Holsteinisthe 
129. Jahrgang. 
nhessertun 
Làbsbumer Dmeblott 
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Nr. 121 
Nenslag, den 26. ÎM 
1936 
Ausgebrannte Kirchen zu besichtige» 
Dpanier» zwischen Streiks und Revolutionen — Von unserem nach Spanien entsandten Sonderberichterstatter Dr. Vogel 
Granada, im Mai. 
„Wird hier noch geschossen?" Stereotype 
Frage eines jeden Ausländers an den Frem 
denführer. Was soll der Arme auf solche Fra 
gen schon antworten? Ich traf nur einen, der 
offen sagte: „Hier in Granada verschossen sie 
an einem Tage damals im März 30 000 Schutz. 
Aber es gab nur drei Tote und etwa vierzig 
Verletzte. Jetzt ist es auch wieder einiger 
maßen ruhig bei uns." Jawoll, es war so 
ruhig, daß bei der Rückfahrt unserer Gesell 
schaft von Granada nach Malaga der Veran 
stalter vor der Stadt selbst anhalten ließ, um 
anzurufen, ob er es riskieren könnte, in die 
Stadt mit den Fremden einzufahren. 
Sie streiken in Malaga, wie hier jede Weile 
einmal aus irgend einem undefinierbaren 
Grunde gestreikt wird. Aber dies ist ja das 
Symptom wohl fast aller Staaten in revolutio 
närer Entwicklung. Es wird gestreikt, um zu 
streiken, weil die kommunistischen Drahtzieher 
sich Unruhe, Aufregung, Tote und Verwundete 
davon versprechen. Und das ist es, was sie auch 
in Spanien brauchen, um die Entwicklung in 
der Richtung eines spanischen Sowjetstaates 
voranzutreiben. Die Schisse liegen in den spa 
Nischen Häsen still. Die ausländischen, die an 
laufen, haben Mühe, ihre Nahrungsmittelvor 
räte zu ergänzen. Die Hafenarbeiter haben sich 
mit den Matrosen solidarisch erklärt. Daraus 
entstehen dann so nette Zustände, daß z. B. 
Hunüerttausende von Menschen aus den Bale 
aren tagelang keine Post erhalten und von der 
Außenwelt fast abgeschnitten werden, wenn sie 
nicht durch die fremden Schiffe mit dem Mut- 
terlanöe und dem Auslande in Verbindung 
bleiben können. 
Wenn es nur bei den Streiks bliebe! Aber 
die deutschen Zeitungen haben ja ihren Lesern 
schon seit Monaten von brennenden Kirchen 
berichtet. Ich sah sie in Spanien. Wie oft auf 
die Frage nach dieser oder jener Kirche, von de 
ren kostbaren Gemälden und Kunstschätzen die 
Reiseführer seitenlang berichten, die mit einem 
und zwei Kreuzen hervorgehoben waren: 
„Verbrannt, mein Herr, Sie können nichts 
mehr sehen als die Umfassungsmauern". Die 
Polizei hat Mühe gehabt, die wertvollsten und 
wichtigsten Baudenkmäler wie die Kathedrale 
Und die weltberühmte Alhambra vor den Ben- 
Zinkanistern der Brandstifter durch scharfe 
Schüsse zu retten. Aber auch das, was vernich 
tet worden ist an Denkmälern einer stolzen und 
Owßen Vergangenheit, von der doch dieses 
Land lebt wie kaum ein zweites, wird für 
immer eine Anklage gegen diejenigen bleiben, 
in deren Macht es stand, sie vor den kommu- 
uistischen Horden zu retten. 
In den Straßen trifft man noch die Posten 
der Gnardia Civil. Ohne Uebertreibung kann 
Man wohl behaupten, daß es dieses polizeiliche 
Elitekorps war, das Spanien in den letzten 
Jahrzehnten in Wirklichkeit zusammengehalten 
hat. In Kasernen zusammengeschlossen, aus 
haucht zuverlässige und entschlossene Männer, 
Und sie mit Recht der Schrecken zu zweit oder 
u stärkeren Trupps. Zu stark ist der Haß der 
unksradikalen Elemente gegen sie. Man lauert 
"Men nachts auf, wo immer man kann. Nicht 
Umsonst waren die Kasernen der Guardia Ci- 
Ml bei der furchtbaren Revolution in Nord- 
wanien vor VA Jahren und auch jetzt das 
êrste Angriffsziel der Revolutionäre. Und die- 
wr Haß mar so stark, daß man sich auch an den 
urauen und Kindern der Polizeitruppe ver 
griff. 
, Wie lauge werden diese eleganten, einsatz 
bereiten Offiziere, diese Männer in den ein 
?Uknig altertümlichen, schwarz lackierten Hüten, 
u den olivenfarbenen Uniformen noch durch 
w Straßen streifen, stets den Karabiner um 
gehängt und immer auf der Hut? Schon ist in 
^udspanien das vierte Regiment der Guardia 
^vil in der Auslösung begriffen. Nur die 
-ex Regierung selbst vor den ungezü- 
hklten anarchistisch-kommunistischen Horden 
die sofortige Auflösung dieser Polizei 
truppe aufgeschoben. Es ist wohl einfach, ein 
Polizeikorps aufzulösen, aber ungeheuer 
schwer, inmitten einer unzweifelhaft revolu 
tionären Entwicklung, eine neue zuverlässige 
Truppe zu schaffen. Und wieviel für die Zu 
kunft dieses schönen Landes wird von dem Ge 
lingen eines solchen Werkes abhängen! 
Eine der ersten Fragen, die jeden leiden 
schaftlich interessiert, der Spanien von früher 
kennt, ist die nach der Agrarreform. Wir fuhren 
diesmal durch Südspanien. Eine seit Jahrzehn 
ten völlig ungewohnte Regenzeit bis in den 
Mai hinein ließ die Menschen frieren wie bei 
uns in kalten Wintertagen. Aber diese sonst 
so grauen, ausgedörrten Berge leuchten im 
hellsten Grün auf. Dichtes Gras wuchs üppig 
an allen Hängen und die armen Esel werden 
sicherlich zum ersten Mal im Laufe ihres so 
geplagten Daseins das eingefallene Bäuchlein 
rund fressen können. Wasserbäche rannen von 
allen Hängen. Wasser — kein Deutscher macht 
sich einen rechten Begriff, was dies heißt in 
einem Land, das dreiviertel Jahr hindurch kei 
nen Regentropfen kennt. 
Es sah alles angesichts dieser üppig grünen 
Landschaft ganz anders ans. Die Probleme 
aber bleiben. 
„Glauben Sie, daß es diesmal mit der Land 
aufteilung Ernst wird", frage ich einen Ein 
heimischen. „Doch. Denn die Landarbeiter haben 
sich in einzelnen Provinzen ja einfach schon das 
geholt, was sie brauchen und werden nicht mehr 
davon zu vertreiben sein." Was kann der spa 
nische Landarbeiter und Kleinbauer leisten, 
wenn er auf eigenem Grund und Boden arbei 
tet! Er schafft ebenso fleißig wie der italieni 
sche. Dieses Land, dessen Gesamtfläche ja nur 
zu höchstens 30 vH. in einem Maße bcbau- 
ungsfähig ist, wie wir es in Deutschland etwa 
kennen, kann einen neuen Aufstieg erleben, 
wenn aus dem Land des Großgrundbesitzes 
ein Land der Kleinbauern wird. Wenn statt der 
kümmerlichen Ziegenherden — Spanien hat 
nicht umsonst die meisten Ziegen in Europa — 
Kuhherden aus den Gehöften ziehen. Wenn 
das riesenhafte Bewässerungsprojekt wirklich 
in die Tat umgesetzt wird. Erschütternd, durch 
das Wunderwerk der Alhambra und das Som 
merschloß Generalise zu ziehen und die Was 
seranlagen zu sehen, die die Mauren schufen. 
Mauren, die von Afrika und Arabien her wuß 
ten, welch köstliches Gut Wasser bedeutet und 
die dieses kostbare Gut hegten und pflegten und 
ihren höchsten Stolz darin sahen, es in tausend 
Kaskaden und steingefaßten Rinnen ihre 
Gärten befruchten zu lassen. Damals glichen 
diese Höhen und Täler wundervollen Frucht 
gärten. Wohnten tausende reich und glücklich 
da, wo heute ein paar hundert elend vegetie 
ren. 
Das Spanien von heute braucht nur das 
micderanfznnehmcn, was es in Jahrhunderten 
religiöser Intoleranz zerstörte. Wo sind die 
Aufgaben so klar und einfach gestellt! Die ein 
fachsten Dinge aber sind ja oft auch die 
schwersten! 
Die innere Lage 
Bon unserer Berliner Schriftleitung 
Vor den Belegschaften der AEG.-Fabriken 
hat der Reichswirtschaftsminister Schacht ans 
den großen inneren Sieg der Idee Adolf Hit 
lers hingewiesen. Schacht hat diesen inneren 
Sieg in die Worte gekleidet: „Bei hoch und 
niedrig, bei Unternehmern und der Gefolg 
schaft ist das Gefühl der menschlichen Zusam 
mengehörigkeit wieder in die Herzen hinein 
gelegt worden." Es ist der Sieg der Volks 
gemeinschaft und Schicksalsverbundenheit aller 
ehemaligen „Klassen", den der Nationalsozia 
lismus auch in dem einstmals ganz roten Ber 
liner Norden (Minister Schacht sprach in der 
Brunnenstraße> errungen hat. — 
In Braunschweig hat der Stellvertre 
ter des Führers von der Treue zum 
Volk und zum Führer gesprochen und die Ach 
tung vor dem Könner und vor der Persönlich 
keit gefordert. Es gibt im neuen Deutschland, 
ungeachtet der engen Volksverbundenheit, 
kein Abgleiten in den Begriff der „Masse", wie 
ihn die marxistische Weltanschauung geboren 
und das Weimarer Zwischenreich in der Po 
litik und im Leben zur Geltung zu bringen 
versuchte. Das Sowjetreich hat diesen Typ der 
„Masse" abgrundtief in seinem Haß gegen al 
les Persönliche, gegen jedes Einzelleben des 
Individuums gestaltet, so daß man dort oft 
bis 5 und 6 Familien in einem großen Saal 
der alten Häuser zu wohnen zwingt, wobei die 
einzelnen „Besitzrechte" am Raum nur durch 
Tücher oder Bänder voneinander abgetrennt 
sind. Rudolf H eß hat in Braunschweig bewußt 
dem Massenbegriff die Persönlichkeit gegen 
übergestellt als einer der Grundpfeiler des 
neuen deutschen Reiches, des geistigen und völ 
kischen Umbruchs. Das ist der scharfe Gegen 
satz zur Massenverelendung, die der Marxis 
mus in seinem Herrschaftsbereich unbarm 
herzig durchführt, das ist die Auslese der Tüch 
tigen unseres Volkes. 
Von der Vielgestaltigkeit deutschen Lebens, 
von der Ablehnung jeder Zentralisierung im 
Dritten Reich sprach Dr. Goebbels in Köln. 
Jeder in Deutschland wird den Worten des 
Ministers zustimmen, daß Deutschland gerade 
deshalb so schön sei, weil es sich aus der Viel 
heit der Stämme, der Stände, der Berufe und 
auch der Kulturzentren zusammensetze. 
Auch die Goebbelsrede war ein Bekenntnis 
zur Persönlichkeit. Das einzige, was zusam 
mengefaßt werden muß, liegt auf dem ideellen 
Gebiet der Volksverbundenheit und des deut 
schen Nationalgefühls. Die Erziehung der Ju 
gend durch die Jugend war der Leitfaden der 
Reden auf dem Reichsführerlager der Hitler- 
lugeud. 
Reichsleiter Rosenberg hat laut verkün 
digt, daß noch niemals in der Geschichte der 
Völker eine heranwachsende Jugend eine der 
artige Verantwortung erhalten habe wie die 
deutsche. Die Verantwortung dieser Jugend 
werde die kommende Zeit und ihre Geschichte 
bestimmen. 
Auch aus dieser Rede klang der Appell an 
die Schaffung von Persönlichkeiten, die den 
Führergedanken in Deutschland für allei Zei 
ten verankern. 
Man soll in den Reden und Ansprachen der 
führenden Männer Deutschlands nichts ande 
res sehen, als das lauterste und selbstlose Rin 
gen um die deutschen Seelen für ein gesamt 
deutsches Volksempfinden, für die nationalso 
zialistischen Ideen, für die großen Aufgaben, 
die noch zu lösen sind. 
Von dieser Warte betrachtet, wird jede Rede 
und ihre Wirkung in den Herzen der Deutschen 
zu einem Baustein für den Staat Adolf 
Hitlers und für sein Werk, das Deutschland 
heißt. 
* * * 
päpstlicher als der Papst. 
Nach Meldungen aus den Niederlanden hat 
das dortige Episkopat beschlossen, solche katho 
lischen Gemeindeglieder, die den Nationalso 
zialismus dort „unterstützen", nicht mehr zu 
den Sakramenten zuzulassen. Der Beschluß ist 
bereits von allen Kanzeln verkündet worden. 
Er ist überraschend und unverständlich genug. 
Man fragt sich vergeblich, warum ausgerechnet 
das holländische Episkopat so auffallend viel 
weiter geht als die gleiche kirchliche Instanz in 
irgend einem anderen Lande der Welt und 
warum die holländischen Bischöfe durchaus 
noch päpstlicher als der Papst selbst sein wol 
len. Es ist dem Papst noch niemals eingefal 
len, eine derartige weitgehende ungerechte und 
herausfordernde Maßnahme überhaupt zu er 
wägen. Der Ausschluß von den Sakramenten 
ist im katholischen Kirchenrecht als Interdikt 
bekannt,' die nächste Stufe der Kirchenstrafe 
wäre bereits die Exkommunikation, die den 
Ausschluß aus der kirchlichen Gemeinschaft 
überhaupt bedeutet. 
Es ist bisher nicht bekannt, mit welchen sach 
lichen Argumenten die holländischen Bischöfe 
eine so ungewöhnliche Maßnahme begründen 
zu können glauben. In jedem Fall stellt sie 
einen rein politischen Schritt dar. Damit er 
hebt sich die Frage, ob die Bischöfe sich vorher 
mit dem Vatikan in Verbindung gesetzt haben 
und ob der Vatikan die Maßnahme gebilligt 
hat. 
* gC * 
Zwischen Etikette und großer poMk. 
Sehr plötzlich ist der Negus auf Grund 
eines unerwarteten Angebotes der britischen 
Marine mit dem Kreuzer Kapstadt von Haifa 
abgereist, um in Gibraltar den englischen 
Passagierdampfer Oxford nach England zu be 
steigen. Und schon erheben sich in London 
schwierige Fragen, beispielsweise ist der Negus 
ein England besuchender Souverän oder ist er 
nur Monarch „im Exil"? Einerseits ist dem 
Negus zwar durch die Unterhauserklärung 
Evens vom 4. Mai strengste Vermeidung po 
litischer Propaganda innerhalb britischen Ge 
bietes auferlegt worden. Andererseits aber 
hat England durch die Form der Ueberführung 
des Negus von Djibouti nach Haifa mit allen 
einem Monarchen zustehenden militärischen 
Ehren gezeigt, daß es ihn noch als Souverän 
betrachtet, zumal es ja auch ein souveränes 
Abessinien noch mit der Eigenschaft der Völ 
kerbundsmitgliedschaft als vorhanden ansieht. 
Da nun der Negus zweifellos von London 
aus seine Propaganda für die Ratssitzung des 
16. Juni, ja vielleicht sogar sein persönliches 
Erscheinen in Genf vorbereiten dürfte, kommt 
er fast zwangsläufig mit jenem Betätigungs 
verbot in Konflikt. Die englische Regierung 
ihrerseits setzt sich außerdem sehr ernsten 
Schwierigkeiten mit Italien aus, wenn sie nach 
der Ausrufung des Königs von Italien zum 
Kaiser von Abessinien nun ihrerseits auch den 
Negus noch als abessinischen Kaiser behandelt 
bzw. handeln läßt. 
Der Negus inkognito. 
Wie bekannt wird, wird sich der Kaiser von 
Abessinien inkognito nach London begeben. 
Sein Entschluß, inkognito zu reisen, dürfte 
darauf zurückzuführen sein, daß er die britische 
VDA.-Mädel 
bei Generalfeldmarschall von Blomberg. 
Ein auslandsdeutsches Mädchen aus Jugosla 
wien überreicht dem Generalfeldmarschall, der 
aus Anlaß der Sammelaktion eine Abordnung 
von VDA.-Mädeln begrüßte, einen Strauß 
Kornblumen. Weltbild M)
	        
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