Regierung der Sorge um Me Frage, ob ein
amtlicher Empfang veranstaltet werben soll
ober nicht, entheben will, da es nicht nötig ist,
tnkognito reisende Fürstlichkeiten amtlich m
empfangen.
Mlienische Erbitterung über die Reise
öes Regus.
Die Reife des Negus nach London wird von
der römischen Abendpresse als die „neueste Er
findung der Sanktionisten für ihre italien-
feindliche Propaganda" stark polemisch behan-
deļt. Nach Ansicht des Londoner Korrespon-
denten des „Giornale ö'Jtalia" wird die Reise
„immer mehr zu einer Gewitterwolke", die die
Möglichkeiten einer Rückkehr zu normalen Be
ziehungen zwischen Italien und England zu
vernichten drohe.
Kleinkrieg in Palästina.
DNB. London, 26. Mai. (Eig. Funkm.) Die
Unruhen in Palästina nehmen, wie die eng
lischen Blätter melden, immer bedrohlicheren
Umfang an. Teilweise haben die Kämpfe zwi
schen Arabern und Juden, die nunmehr seit 6
Wochen im Gange sind, bereits den Charakter
eines offenen Aufstandes, öer den britischen
Behörden große Schwierigkeiten bereitet. Der
ganze Küstenstrich von Haifa bis Gaza und das
Gebiet zwischen Jerusalem und Nazareth sind
von den Unruhen berührt. Bewaffnete Trupps
streifen durch die Hügel und feuern vielfach
auf die Polizei und die britischen Truppen.
In dieser und ähnlicher Weise berichten
heute die führenden Blätter in großer Auf
machung über die Lage in Palästina. Die Mel
dungen lassen vermuten, daß in nächster Zeit
mit einem scharfen Vorgehen der britischen Be
hörden gerechnet werden muß. Der britische
Oberkommissar erklärte am Montag, daß sich
die Regierung durch keinen Streik und keine
Gewalttätigkeiten von ihrer Entschlossenheit
abbringen lassen werde, die Mandatsverpflich
tungen voll und ganz zu erfüllen.
* * m
Schwere Zuchlhausslrasen
für zwei LMesverräler.
DNB. Berlin, 26. Mai (Eig. Funkm.) Die
Justizpressestelle Berlin teilt mit: Der 27jäh-
rige Herbert Preuß aus Tilsit ist durch Urteil
des 4. Senats des Volksgerichtshofes wegen
Landesverrats zu lebenslangem Zuchthaus
und dauerndem Verlust der bürgerlichen Eh
renrechte verurteilt worden.
Preuß hat irn Sommer 1985 im Auftrage
einer ausländischen Macht Nachrichten über
Stärke und Verteilung öer Wehrmacht in Ost
preußen, insbesondere über die Zusammen
setzung und Bewaffnung der Garnison einer
bestimmten ostpreutzischen Stadt gesammelt.
Bei dem Versuch, diese Nachrichten in das Aus
land zu bringen, ist der Verurteilte infolge
der Wachsamkeit der Polizei festgenommen
worden, so daß ihm die Ausführung seines
verbrecherische« Vorhabens nicht gelungen ist.
Ferner ist der 27 Jahre alte Max Wittich
aus Neiße durch Urteil des 4. Senats des
Volksgerichtshofes wegen Landesverrats zu
10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. We
gen der von ihm bewiesenen ehrlosen Gesin
nung und der Gemeingefährlichkeit seines
Treibens sind ihm gleichzeitig die bürgerlichen
Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren ab
erkannt und Polizeiaufsicht für zulässig erklärt
worden. Der Verurteilte hat im Jahre 1938
im Auftrage einer ausländischen Macht ver
sucht, Stärke, Ausrüstung und Zusammen
setzung der Garnison einer Stadt Schlesiens
zu Verratszwecken in Erfahrung zu bringen.
Aeberraschende Zustände im österreichische«
HeimWehrzentruM
Eine Erklärung des Sicherheitsdirektors von Oberösterreich
DNB. Wien, 25, Mai. Der Sicherheitsdirek-
tor von Oberösterreich, Graf Revertera, gab
am Montag Pressevertretern eine ausführliche
Darstellung des lleberfalles auf das Starhem-
bergsche Schloß Waxenberg. Im Verlaus seiner
Darstellung machte er die aufsehenerregende
Mitteilung, daß der Ueberfall vom zweiten
Zug der Feuerwehr in Oberneunkirchen, einer
Ortschaft in nächster Nähe des Schlosses Wa
xenberg, durchgeführt worden sei. Der Kom
mandant der Feuerwehr von Oberneunkirchen,
öer Oberlehrer Otto Mayr, wurde unter dem
Verdacht der Mitwisserschaft verhaftet.
Die Gerüchte, daß es sich bei dem Ueberfall
auf das Schloß um die Tat revoltierender
Heimwehrleute gehandelt habe, haben offenbar
auch von dieser Tatsache ihren Ausgang ge
nommen, zumal hier im Zentrum der Heim
wehrbewegung Oesterreichs die wehrfähigen
Männer meist zu gleicher Zeit bei der Heim
wehr, bei der Feuerwehr und bei den Schüt-
zcnvereinen Mitglied seien.
Der Sicherheitsöirektor erklärte weiter, daß
es sich bei dem zweiten Zug öer Feuerwehr in
Oberneunkirchen um einen getarnten SA.-
Sturm gehandelt habe. Diese Angabe, daß in
unmittelbarster Nähe des Hauptsitzes Star
hembergs, dort, wo auch in allen Ortschaften
die Kompagnien des bekannten Starhemberg-
schen Heimwehrregiments liegen, SA.-Stürme
aufgestellt werden konnten, wirkte außer
ordentlich überraschend. Eine amtliche Mittei
lung darüber, ob etwa die Feuerwehrmänner
von Oberneunkirchen, die nach amtlicher Dar
stellung in Wahrheit SA.-Leute gewesen sein
sollen, auch der Heimwehr angehört haben,
liegt nicht vor.
Graf Revertera schilderte dann die Einzel
heiten öes lleberfalles. Danach habe die Si
cherheitsbehörde schon vor drei Wochen von
dem beabsichtigten Ueberfall Kenntnis erhal
ten und am kritischen Tage mit Maschinen
pistolen ausgerüstete Gendarmerie in das
Schloß Waxenberg gelegt. Kaum waren die
Eindringlinge über eine Mauer geklettert und
in das Schloß gelangt, als sie von den Gen
darmen angerufen wurden. Um den Rückzug
der Ueberraschten zu decken, gab nach Darstel
lung öes Sicherheitsöirektors der Führer öer
Eindringlinge, Halmdinst, Feuer, das von den
Gendarmen erwidert wurde. Im ganzen wur
den in dieser Angelegenheit bisher 26 Verhas-
Empfänge des ungarischen Kultusministers
VekrSstigimg der deutsch-ungarische« Fremdschast
DNB. Berlin, 25. Mai. Reichsminister Rust
hatte am Montag den königlich-ungarischen
Kultusminister Dr. Homan, Staatssekretär v.
Szily, und die übrigen Herren der Abordnung
sowie die Mitglieder der ungarischen Gesandt
schaft zu einem Frühstück im Hotel Adlon ge
laden. Unter den Gästen sah man u. a. die
Neichsleiter Rosenberg und Himmler sowie
führende Persönlichkeiten der deutschen Wis
senschaft, Kunst und Literatur.
Fm Verlauf des Frühstücks ergriff Reichs
minister Rust das Wort zu einer Ansprache:
„Als ich im Oktober 1934 der freundlichen
Einladung Eurer Exzellenz nach Budapest
folgte, stand im Anfang das sichere Gefühl
alter und bewährter Beziehungen zwischen
Deutschland und Ungarn und der Wille, die
Möglichkeiten einer Neubelebung dieser Be
ziehungen aus einer gleichgerichteten Kultur
auffassung zu prüfen.
ich habe in Ungarn gesehen, daß das ge
meinsame schwere Schicksal, das unseren Völ
kern nach Jahren tapferen Kampfes für Leben
und Freiheit auferlegt wurde, die gleichen
läuternden Wirkungen gehabt hat.
Indem Sie mir reichliche Gelegenheit zur
tellungnahrne gaben, konnte die Auffassung
des nationalsozialistischen Deutschlands sich
Ungarn vermitteln."
Kultusminister Dr. Homan antwortete mit
rügender Ansprache:
„Tiefbewegt von dem festlichen Empfang, der
mir in der Hauptstadt öes Deutschen Reiches
bereitet wurde, danke ich Euer Exzellenz aus
vollem Herzen für die hohe Ehrung, die der
ungarischen Kultur und öer gesamten ungari
schen Nation in meiner Person zuteil gewor
den ist.
Sie erklärten uns, Herr Minister, daß gei
stige Beziehungen und Vertrauen die festen
Grundlagen für das freundschaftliche Verhält
nis öer Nationen bilden und zugleich die beste
Garantie dafür sind, daß dieses freundschaft
liche Verhältnis dauerhaft und beständig er
halten bleibt. Diese Erklärung bestärkt mich
in meiner ans spiritueller Geschichtsanschau
ung gewonnenen Ueberzeugung von dem Pri
mat des Geistes. Weil geistige Kräfte die Ge
schichte formen, ist ein beständig gutes Zusam
menwirken der Völker nur dann möglich,
wenn dieses Zusammenwirken durch die in
nere Verwandtschaft der Seelen und durch die
Gemeinschaft bedeutender Kulturgüter ge
währleistet wird."
tungen vorgenommen. Duster dem genanntes
Otto Mayr wurde auch noch' der Gemeinöearzt
von Oberneunkirchen, Dr. Karl Klapper, ver
haftet. Halmdinst ist flüchtig-und konnte bisher
noch nicht festgenommen werden.
Bis 1931 Heimwehrleute.
Kurz vor Mitternacht ist am Montag aber
mals eine amtliche Erklärung über die An
gelegenheit des versuchten lleberfalles auf das
Starhembergsche Schloß Waxenberg erschienen.
Diese Erklärung enthält wiederum eine aus
führliche Darstellung des Ueberfalls. Von be
sonderem Interesse ist es, daß darin zuM
ersten Male zugegeben wird, daß ein großer
Teil der Beteiligten in Beziehung zum Her
matschutz gestanden hat. Diese Leute hatten
nach der erwähnten Darstellung der Heimwehr
bis zum Jahre 1931 angehört und waren nach
dem Mißlingen des Pfrierner-Putsches zur
nativilalsozialistischen Bewegung übergegan
gen. Ob sie, wie man aus guter Quelle hört,
auch nach diesem Zeitpunkt bis jetzt irn Mann-
schaftsstanö öer Heimwehren geführt wurden,
wird in der amtlichen Mitteilung nicht gesagt.
Wie weiter von privater Seite verlautet, sollen
sich unter den Teilnehmern, die den Ueberfall
vorbereiteten, auch einige Personen aus der
Dienerschaft des Schlosses Waxenberg selbst
befinden. Sie haben als die Ortskundigen die
Männer über die Schloßmauer in das Schloß
geführt. Durch andere Diener, die in die Sache
eingeweiht waren, wurde die Gendarmerie
vorzeitig von dem Plan benachrichtigt, was die
rechtzeitige Gegenaktion ermöglichte.
London. Die britisch-sowjetrussischen Flotten
verhandlungen wurden am Montagnachmittag
im Außenamt fortgesetzt.
London. Außenminister Eden erklärte im
Unterhaus, daß der englische Gesandte in Ad
dis Abeba in Kürze nach London kommen
werde.
Im Memelgebiet fanden am Montag die
Wahlen zu den Gemeindevertretungen und
zur Stadtverordnetenversammlung der Stadt
Memel statt.
Rudolf Hetz auf der Berliner Frarienkundgebnrrg
Die Frau als Kameradin des Mannes
Reichsminister Rudolf Heß hielt auf einer
Kundgebung der NS.-Frauenschaft in der
Deutschlandhalle eine Ansprache, in der er u. a.
ausführte:
„Wir gönnen der übrigen Welt den Ideal-
typ der Frau, den sie sich wünscht, aber die
übrige Welt soll uns gefälligst die Frau gön
nen, die uns am gemäßesten ist. Nicht jener
„Gretchentyp", unter den man sich im Auslande
ein etwas beschränktes, ja ungeistiges Wesen
vorstellt, sondern eine Frau, die auch geistig
befähigt ist, dem Manne in seinen Interessen,
in seinem Lebenskampf verständnisvoll zur
Seite zu stehen, die ihm das Leben schöner und
inhaltsreicher werden läßt, ist das Frauen
ideal des deutschen Mannes von heute. Es ist
eine Frau, die vor allem auch Mutter zu sein
vermag.
Wir wissen, daß noch immer nicht alle die
ses Glückes teilhaftig werden können, und wir
denken nicht daran, diesen nun das Los zu be
reiten, das früher in der sogenannten guten
alten Zeit ein Mädchen traf, welches ohne
Mann blieb und irgendwo ohne Beruf ver
sauern mußte. Sie können selbstverständlich
wie bisher allen nur erdenklichen Berufen
nachgehen, können zu diesem Zweck eine ent
sprechende Ausbildung genießen. Sie können
auch auf Universitäten gehen und sich dort auf
Berufe vorbereiten, die ein wissenschaftliches
Studium zur Voraussetzung haben, vor allem
für Berufe, die besser durch Frauen als durch
Männer ausgeübt werden."
„Ich bin gekommen", sagte Rudolf Heß wei
ter, „um daran zu erinnern, daß der Führer
anerkennend festgestellt hat, daß in den Zeiten,
da es der Bewegung schlecht ging, die Frauen
zu den treuesten Anhängern der Bewegung
gehörten. So wie die instinktive Treue der
Frauen in erster Linie mithalf, eine große
geschichtliche Epoche für Deutschland einzulei
ten, so bleibt ihr Treuegefühl immer ein ent
scheidender Faktor im Leben Deutschlands!"
Veramwortlicher Hauptschriftlelt» unv Heraurgever: Fer
dinand Möller.
Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Herbert Puhlman».
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann; für den ört
lichen und allgemeinen Teil: Adolf Gregori; für den wirt
schaftlichen Teil: Dr. Cl. Bielseldt: für den provin
ziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg.
Bildverantwortliche: Ressortleiter.
Verantwortlicher Änzeigenleiter: Karl Zacobsen. RcndsdurS-
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg.
D--A- Schleswig-Holiteinische Landeszeitung sRendsburget
Tageblatt — Hohenwestebter Zeitung / Die Landpoy
Hanerau.Hademarschen — Süderbraruper Tageblatt).
D.-A. IV 36 13 764 Pl. Nr 7.
Begegnung mit Gorch Fock
Von Franz W u l s - Friedenau
Möwen, fliegenden Wellen gleich, folgen dem
Kielwasser unseres Kutters. Breit, fast plump
ist das Fischerboot, groß das geflickte braune
Segel, fremd und monoton pocht der Motor
seinen Takt. Der Seewind singt ein verwege
nes Lied und am blauen Himmel jagen präch
tige Wolkengespanne mit den schaumgekrönten
Wellen um die Wette. Weit dehnt sich das
Meer.
Lässig am Steuer gelehnt steht der alte Fi
scher. Das Meer hat tiefe Schicksalswellen in
sein braunes, wetterhartes Antlitz gezeichnet.
Die immer ein wenig zusammengekniffenen
Augen suchen etwas. Da hebt er stumm und
langsam den Arm. Meine Augen folgen öer
Richtung. Von der sagenumwobenen Nord
spitze Jütlands leuchtet der weiße Strand:
S lagen! Das Wort hat. den Klang alter
Schwerter und Skalden.
Auf der Höhe von Skagen vermählen sich
Nord- und Ostsee. Ja, bei ganz klarem Wetter
soll man sogar das Zusammentreffen erken
nen können. — Wahrhaftig, ich sehe das Inein
anderfließen zweier Meere als hellen Streifen
ausleuchten, oder war es eine Sonnenbahn, die
übers Wasser eilte?
Meine Gedanken fahren mit den Wellen. Es
ist wie im Traum, als plötzlich ein stolzes
Schiss mit schlohweißen Segeln heranbraust.
Der schlanke, weiße Leib gleitet über die blau
grünen Wellen, mühelos zerteilt der Bug das
klare Wasser, kühn und hoch ragt öer Steven,
der aber nicht in einen Drachenkopf ausläuft,
nein, die Schiffsspitze trägt des Lebens höchstes
Signum, eine Krone, eine Königskrone aus -
purem Gold, die alle Sonnenstrahlen auffängt >
und sie vergoldet zurückwirft. Näher und näher
schiebt sich das majestätische Wikingerschiff,
größer und größer wachsen die leuchtenden
Segel in den blauen Himmel, machtvoll hebt
die See den silbernen Schwan. . . dann fliegt
das Traumschiff rauschend vorüber ... Der alte
Fischer'und sein Sohn haben die Mützen vom
Kopf genommen, ich folge stumm ihrem Bei
spiel. War es nicht, als neigten diese stolzen
Seesischer ihr trotziges Haupt, lag nicht in
ihren Augen eine demutsvolle Ehrfurcht? Mir
wurde ganz feierlich zumute. Noch einmal
schaue ich dem schwindenden Segler nach, da
sehe ich wie am Mast die dänische Flagge hoch
geht und plötzlich leuchtet am Heck die Gold
schrift auf: Danebrog! — So war es also
wirklich ein Wikingerboot, ein Königsschiff, die
Dacht S. M. Christians X. von Dänemark und
Island.
Der Abend kommt und der Wnd ist schlafen
gegangen. In weichen, langen Wellen atmet
das Meer. Wir fahren über Skagerrak.
Skagerrak? Ich steh' allein am Bug des
Bootes, ein Nichts in der Unendlichkeit öes
Meeres. Die hellen Farben des Tages sind ab
geklungen. Der Himmel sendet seine Dämmer
wolken herab und aus dem Wasser steigt ein
feiner, grauer Nebel. Alles fließt ineinander,
das Meer wird zum Himmel, der Himmel zum
Meer. Leise segelt das Schiff auf dem Himmels
meer dahin.
_ Was tönt so dumpf aus dem Meeresgrund?
Skagerrak! Hier kämpften meine Brüder,
hier mußte das stolze England sich beugen. Die
See erhielt ihren Tribut. — Ist es nicht als
rollte dumpfex Kanonendonner aus den Was
sern, als riefen die Glocken verkunkener
Schiffe: Skagerrak!
Auch die Wiesbaden ging in die Tiefe. Auf
öer Wiesbaden war.... Träumend stehe ich
am Bug des Schiffes, die Gedanken wandern
zurück. — Da, mein Gott, ich höre Schritte hin
ter mir, es kommt jemand. Still! Ter hat den
wiegenden Gang der Seefischer. Ich fühle zwei
blaue Augen auf mich gerichtet, die leuchten
ihre tiefe, schwere Freude in mein Herz. Ich
wage mich nicht zu rühren, nicht umzusehen.
Da klingt eine weiche, volle und freundliche
Stimme auf: „Dag ok ol Fründ!" Mir wird
ganz seltsam zu Mute. Das Blut wallt auf.
Ich kann nicht atmen. „Jk dank Di ok, Du
heft jümmers tru to mi stahn . . . ." Und dann
spricht er von öer Seefahrt und der Elbe, von
Hamburg, vom Krieg in Macedonien, und nun
wiederholt er seine, ihn bis ins Innerste be
wegenden Sorgen um sein Deutschland, die
Worte von 1914: Wir werden siegen, — werden
siegen, wenn auch mit zerrissenen Fahnen und
lecken Schiffen. Möchte jedem auch der innere
Sieg beschieden sein, über all das Fremde,
Faule, Bängliche, das undeutsch ist. Da aber
kommen mir schon Zweifel. Die Läuterung
war überall recht äußerlich und beschränkte
sich mehr auf Haustafeln, als daß sie in die
Herzen und Seelen eingegangen wäre. Es
müßte ein Hindenburg kommen, der die Ge
dankenheere befehligte .... Und dann wird
seine Stimme wärmer. „Wat makt min Fin
kenwärder? Wo geit dat mit de Seefahrt?"
Einen Augenblick lang ist es still, ganz still.
Die Wellen tragen alte Erlebnisse heran, und
die graue Dämmerung spinnt die Fäden der
Erinnerung fort. Dann tritt die Gestalt noch
einen Schritt näher. Mir bleibt das Herz ste
hen. Ich spüre den Atem, als der Mund sich
öffnet und die bangschweren Worte fallen:
„Du, höerst Du mi ok?" Das hauchdünne Ja
verweht der Nachtwind. Der da hinter mir
kämpft mit sich. Die Pause ist erdrückend. „Du",
fährt er fort, „segg man to min gode Frn, to
Metta und Adolf, dat ik se jümmers noch so
deep und von Harten lev heff, dat all min Len
gen und Gedanken bi jem sünö, segg man",
und die Worte kommen aus der Ewigkeit,
„ik — — bün — — gornich — — doö, . . .
Mir wird vor Erregung die Kehle trocken, ich
wußte ja längst, wer zu mir sprach. Jetzt aber
werde tch ihn ansprechen: „Min lewe Gorch
Fock....!"
Der Wind ruht, die Wellen bleiben stehen,
es spricht das Schweigen. Ich drehe mich uvr,
will ihm die Hand reichen, ihm in die lachen
den Sonnenangen schauen, aber die Hand greift
ins Leere, meine Augen suchen im Jenseits,
ich bin allein, allein in uferloser Weite. Und
es ist Nacht, tiefe, geheimnisvolle Nacht ain
Skagerrak.
Aus dem Meer ertönt wie aus weiter, wei
ter Ferne das unsterbliche Lied: Ich hatt' einen
Kameraden ... und die Wellen der Kampfstätte
murmeln ihr Gebet für die toten Millionen
tapferer Kämpfer.
Da habe ich mein Haupt entblößt, von meiner
Brust das Ehrenkreuz genommen und es
Gorch Fock übergeben.
Die Wasser des Skagerraks nahmen das
Frontkämpferkreuz und trugen es Gorch Focks
Seele zu, denn seine Gebeine ruhen ans der
kleinen schwedischen Insel Steensholm.
Dort braust das Meer einer gewaltige
Weltenorgel gleich, der Wind singt die
der Edda und der Schrei der MAve« rnäfc 1 *
a-ttâ an das Losungswort:
Seefahrt ist not!