Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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rgang - Nr. 121 
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsbucger Tageblatt) 
Dienstag, den 26. Mai 193 
Schloß Rheinsberg ««d der jrmge Fritz 
sechshundert Jahre ist es her, seit Rheins- 
^rg begründet wurde, und schon etwa 35 
^ahre später wurde es zum ersten Male Stadt 
genannt. Aber erst vor 200 Jahren kaufte der 
ocnnalige König Friedrich Wilhelm I. das Gm 
^Heinsberg und gab es dem Kronprinzen 
Friedrich als Residenz. Zehn Jahre lang blieb 
^Heinsberg in Friedrichs Händen, der hier 
mnen gaezen Kunstsinn betätigte. Er berief 
Eumeister wie Kemmezer und Knobelsdorfs, 
îe das Schloß umbauen und so Herrichten 
Mußten, daß er sich darin wohlfnhlcn konnte, 
-park, Gärten und Gewächshäuser wurden an 
biegt, auch eine Porzellanfabrik errichtet, und 
le Stadt Rheinsberg kam durch die Hofhal- 
ung des Kronprinzen, der viele Menschen her- 
^îSog, zu Wohlstand. Im Jahre 1744 schenkte 
Friedrich das Schloß seinem Bruder Heinrich, 
er es zwanzig Jahre später zu seiner dauern- 
en Residenz machte und erst im August 1802 
^rt starb. Für uns ist es aber immer noch der 
same des jungen Friedrich, der unlösbar mit 
îesem schönen Fleck Erde verknüpft ist. 
Nach seiner Aussöhnung mit dem Vater und 
mner Freilassung aus Kustrin wurde Kron 
prinz Friedrich nach Ruppin geschickt, wohin er 
Puch nach der erzwungenen Verlobung mit der 
Prinzessin Elisabeth Christine zurückkehrte, 
^r durchstreifte die Umgegend und lernte das 
schloß Rheinsberg kennen und besonders lie- 
prn, so -aß der Vater ihm einen Herzens 
wunsch erfüllte, als er ihm dann zur Vermäh 
lung das Schloß schenkte und zugleich eine 
Uamhafte Summe für die Wiederherrichtung 
Aussetzte. 
Wir wissen aus Friedrichs Rheinsberger 
6eit, daß er hier die Männer um sich sammelte, 
auf deren Gesellschaft er Wert legte. Da war 
^ Prediger Jordan, der sich mit den schönen 
Wissenschaften beschäftigte, da war Baron 
Eyserling, der früher schon vom König zu 
Friedrichs Gesellschafter bestimmt worden war 
Und mit dem ihn innige Freundschaft verband, 
uuch der Hofmaler Pesne und der Kapell 
meister Graun sind zu nennen. Auf Wunsch 
èes Kronprinzen wurden die Räume des 
Schlosses in zarten Farben ausgestattet: Mö- 
Uel und Vorhänge hellviolett, hellblau, hell- 
brün, rosa, mit Silber eingefaßt. Pesne schuf 
Cltt Deckengemälde, das den Aufgang der Son- 
Ue darstellt,' an der einen Seite sieht man die 
Nacht, in dichte Schleier gehüllt, von Naben be- 
Öleitet. Sie macht der Morgenröte Platz, die 
ttt Gestalt der Venus erscheint. Man sieht die 
Weißen Pferde des Sonnenwagens und Apoll, 
^in Zeitgenosse schreibt über das Leben auf 
Schloß Rheinsberg: 
und Verschwendung, an und begibt sich in den 
Speisesaal. Alle Beschäftigungen und Vergnü 
gungen des Kronprinzen verraten den Mann 
von Geist." 
Man rühmt die Unterhaltung, die bei der 
Tafel geführt wurde,' auch die Bibliothek 
Feierliche Stille. 
Blick von der Rheinsberger Schloßterrasse 
auf den verträumten Grienericksee. (Weltbild.) 
Friedrichs war sehr reichhaltig. Sie befand sich 
in einem Turmzimmer, in dem Voltaires 
lebensgroßes Bildnis hing. Nach der Mittags 
tafel fand bei einer der Hofdamen die Kaffee 
stunde statt, an der aber der Kronprinz und 
seine Gemahlin nicht teilnahmen. Am Abend 
wurde musiziert, der Kronprinz spielte die 
Flöte. Vielfach wurden Komödien und Trau 
erspiele aufgeführt, wobei die Mitglieder des 
Rheinsbergcr Kreises die Darsteller* waren. 
Friedrich selber betätigte sich eifrig beim Spie 
len. 
Im Ganzen bedeutete die Zeit in Rheins 
berg für den späteren Herrscher eine Zeit 
wahrhafter Vorbereitung und Entwicklung, 
und nie hat Friedrich es dem idyllisch gelege 
nen Orte vergessen, was er ihm für seine 
menschliche Reife zu verdanken hatte. Fried 
richs Geist ist es, der noch heute die Räume 
des Schlosses füllt und jeden Besucher in sei 
nen Bann zwingt, so daß man bisweilen 
meint, jeden Augenblick müßte die Gestalt des 
Kronprinzen aus irgend einer Tür treten und 
sein kühnes Adlerauge einen ansehen. Rheins 
berg ist eine der Stätten, die durch einen 
großen Mann zu einem dauernden Wallfahrts 
ort für das ganze Volk wurden, ähnlich wie es 
mit Weimar durch Goethe geschah. 
AAsrlsr SAS aUet WslL 
Wunden, die in Minuten verheilen. 
Auf der medizinischen Klinik der Univer 
sität von Baltimore wird gegenwärtig ein 
junger Arbeiter behandelt, der ein medizini 
sches Phänomen darstellt. Er besitzt eine ge 
radezu wunderbare „Heilhaut". Versuche 
haben ergeben, daß eine gewöhnliche Haut 
wunde sich bei dem Arbeiter im Laufe einer 
Stunde völlig mit neuer Haut überzieht und 
nach zwei Tagen narbenlos wieder verschwun 
den ist, auch tiefe Fleischwunden haben sich in 
kürzester Zeit ohne Narbenbildnng wieder 
geschlossen. Der Arbeiter gibt an, daß bei 
seinen Geschwistern die gleiche Eigenschaft zu 
beobachten wäre. 
Der große Mussolini. 
Nach einem Entwurf des Bildhauers Bellini 
wird in einer Erzgießerei in Rom die Figur 
Mussolinis in antiker Größe, nur mit einem 
Löwenfell bekleidet, hergestellt in einer Höhe 
von 80 Metern. Das Standbild wird also 
doppelt so hoch sein wie die Freiheitsstatue 
in Newyvrk. 
„Alle, die auf dem Schlosse wohnen, genießen 
°le ungezwungenste Freiheit. Sie sehen den 
Kronprinzen und dessen Gemahlin nur bei der 
Wrfel, beim Spiel, auf dem Ball, im Konzert 
"°er bei anderen Festen, an denen sie teilneh 
men können. Jeder denkt, liest, zeichnet, 
îchreibt, spielt ein Instrument, ergötzt oder be 
lästigt sich in seinem Zimmer bis zur Tafel. 
Enn kleidet man sich sauber, doch ohne Pracht 
Speiseeis in 3V Sekunden. 
Auf einer ungarischen Ausstellung wurde 
ein Apparat vorgeführt, der Speiseeis in 30 
Sekunden genußfertig herstellt. Außerdem 
zeigte man dort automatische Schaukelpferde, 
die im Zimmer herumhüpfen. 
Straßenreinigung mit Magnet. 
So lange es eine Gummibereifung im Auto 
mobilismus gibt, sind bekanntlich die Nägel 
auf der Landstraße die größten Feinde aller 
Autofahrer. Jetzt scheint endlich die richtige 
Lösung gefunden zu sein. Man hat mehrere 
Lastwagen mit sehr starken Magneten aus 
gerüstet, die ganz vorn vor den Wagen ge 
hängt werden. Alle Nägel und sonstigen 
Eisenteile werden von diesen Magneten an 
gezogen und somit ans dem Gefahrenbereich 
der Gummibereifung gebracht. Welche Menge 
an Eisen auf einer gewöhnlichen amerikani 
schen Landstraße liegt, ergibt sich aus einer 
Uebersicht, die ein solcher Lastwagen nach Ende 
einer Woche herausgibt. Danach hat der 
Apparat im Laufe von sieben Tagen eine halbe 
Tonne Metallteile von den Chausseen auf 
gehoben. Darunter waren sogar zwei Scheren. 
Zitternder Nordpol. 
In Grönland werden zur Zeit mit sehr 
empfindlichen Seismographen Erschütterungs 
messungen vorgenommen. Man hat nämlich 
beobachtet, daß der Nordpol (und wahrschein 
lich auch der Südpol ständig zittert. 
7000 Pfund Honig im Eucalyptus-Baum. 
Ein Zoologe hat in Tasmanien eine Bicnen- 
kolonie entdeckt, die wohl die größte sein 
dürfte, die jemals von diesen fleißigen Tieren 
aufgebaut wurde. In einem mächtigen 
Eucalyptus-Baum fand er ein Bienenreich, 
das 6.50 Meter breit und 11 Meter hoch war. 
Millionen großer schwarzer Tasmania-Bienen 
hausten hier. 
Als man den Baum füllte, konnte der For 
scher alles in allem 7000 Pfund Honig ernten. 
Wobei noch besonders zu bemerken ist, daß der 
Honig der Tasmania-Bienen deshalb einen 
sehr hohen Wert besitzt, weil man ihn für ver 
schiedene medizinische Präparate verwendet. 
Wußte» Sie schon... 
daß man in Essex den Versuch gemacht hat, 
junge Füchse durch eine Katze ernähren zu 
lassen, der der gesamte Wurf abgenommen 
worden war. Das Experiment scheint erfolg 
reich zu sein. 
daß man in Indien in der Provinz Bombay 
in der Nähe des heutigen Bhayavadar auf 
eine Stadt gestoßen ist, die im Jahre 63 n. Chr. 
durch ein Erdbeben zerstört wurde? Sie führte 
den Namen Prehpatan. 
daß man in Japan mit dem Bau der größ 
ten Lampe der Erde beginnt? Sie soll noch 
größer werden als die bisherige O-Bon-La- 
terne. Diese Lampen spielen eine wichtige 
Rolle im religiösen Kultleben Japans. 
daß ein Statistiker berechnet hat, daß die ge 
samte zur Zeit lebende Bevölkerung der Erde 
(1,8 Milliarden) auf dem Grund und Boden 
von Texas aufgestellt werden könnte, ohne sich 
zu drängen? 
daß das gesamte Bauprogramm für Nicara 
gua aus den letzten 12 Monaten aus den Er 
trägnissen der Zigarettensteuer der 750 000 
Einwohner beglichen werden konnte? 
daß einige der schönsten Töpfereien der Welt 
mit der Hand hergestellt wurden, lange ehe es 
eine Töpfer-Drehscheibe gab? Man fand diese 
kunstvollen Töpfereien im Iran, wo sie von 
den frühen Mesopotamiern in prähistorischer 
Zeit verfertigt worden waren. 
Heitere Ecke 
Neues am Himmel. 
Als der bekannte deutsche Gelehrte und 
Astronom Johannes Müller, genannt Regio 
montanus, an den Hof des Königs Matthias 
Corvinus nach Ungarn berufen war, ließ es 
sich der König nicht nehmen, den berühmten 
Professor auf seiner Sternwarte in Budapest 
nahezu täglich zu besuchen. Meist fragte er: 
„Was gibt es Neues am Himmel?" Regio 
montanus hörte sich die Frage einige Wochen 
geduldig an. Eines Tages aber erwiderte er 
brummig mit der Gegenfrage: „Kennen Ma 
jestät denn schon alles Alte?" 
Das gute Geschäft. 
„Herr Kommerzienrat, ich habe ein sehr gu 
tes Geschäft für Sie. Sie können mit Leichtig 
keit 100 000 Mark dabei verdienen!" 
„Das hört man gern! Um was handelt es 
sich denn?" 
Aehnlichkeiten. 
Tischbein, Goethes Freund in Italien, hatte 
eine Zeitlang die Manie, in jedem Menschen, 
den er traf, Tierzüge zu entdecken. Eines Ta 
ges traf er einen Bekannten, dem er seine Er 
gebnisse über dessen Gesicht schon mitgeteilt 
hatte, und erklärte ihm ganz aufgeregt: „Mein 
Lieber, ich muß tausendmal um Entschuldigung 
bitten, ich habe mich geirrt. Sie sind kein Hund, 
Sie sind ein Ochse!" 
Begegnung aus der Landstraße 
Von Wilhelm Lenne mann. 
Ich bin auf dem Weg nach meinem Wochen- 
^ņdhäuschen, das weit draußen am Waldes- 
^nde zwischen wiegenden Wipfeln und wehen- 
Roggenfeldern eingebettet liegt. Da treffe 
an einem Hügelhange einen einsamen Wan- 
erer. Es ist ein ärmlicher, alter Mann mit 
^ild-zerzaustem weißem Petrnskopf, ein Bete 
ln der Landstraße, wie es scheint. Wegmüde 
atzt er am Straßengraben. Versonnen und ge- 
ankenschwer stützt er sein Haupt in die Rechte. 
V 1 Mag den Blick nicht von der Erde heben, die 
tzu schon so lange getragen. 
„Guten Tag, Großvater", rede ich ihn an; 
"ittüöe vom Wandern?" 
, Da schauen mich zwei wehe Augen an, hinter 
eren trüben Schleiern doch ein merkwürdig 
^lles Licht zu ruhen scheint. Einige Augen 
ucke sehen sie mich besinnlich und abwägend 
»Ja", antwortete er dann, „müde und satt 
t f UUlU/vllt-lv v1 vUUU ; 
e § Lebens und Wanderns!" 
ckch tue einen Schritt näher: „Nun, Sie schau- 
ņ aber sonst nicht aus, als wenn Sie den Tag 
^fürchtet hätten!" 
^Da glimmen seine Augen auf: „Da sollen 
te wohl recht haben. Aber wenn Sie so den 
r^ņzen Tag geschafft haben und freuen sich ans 
eit Abend, daß Sie da vor Ihrem Häuslein 
einer Bank sitzen und ruhsam in den stillen 
blenden Abend schauen und gehen dann erw 
artungsvoll und froh heim, und da ist auf 
Mmal kein Haus und keine Bank und kein 
.uchender Garten mehr, sehen Sie, das tut 
.Mn weh, und das macht auch wohl traurig! 
etwas greift ans Herz, auch wenn man 
denkt, lange über solche „Kindereien" hinaus 
zu sein!" 
Ich habe mich neben ihn gesetzt. Ich fühle den 
Schmerz des Greises; ich suche ihn zu ergrün 
den: „Ist Ihnen eine solche herbe Enttäu 
schung geworden?" 
„Enttäuschung", antwortet der Alte bitter. 
„Ueber Enttäuschung kommt man hinweg. Die 
sind Zutaten zum täglichen Brot und machen 
uns stark und hart. Nein, glauben Sie mir, 
das „Ungemach des Alltags tötet nicht, das mutz 
man fassen mit harten Händen und durch 
kosten, bis man ans seinen Kern stößt, der dann 
Süße und Segen spendet. Nur durch den 
Schmerz des Leides verstehen Sie die Welt und 
gesundet Ihr Herz!" 
Ich horchte erstaunt auf. Und nun erzählte 
mir der Alte seine Geschichte. Er war der zweite 
Sohn eines begüterten Bauern aus dem näch 
sten Dörfchen, dessen Ziegeldächer nicht sehr 
fern durch die krausen Eichen- und Obstbaum 
gipfel leuchteten. Er hatte durchaus Lehrer 
werden wollen, und der Pfarrer hatte ihn auch 
schon daraus vorbereitet. Aber sein Vater woll 
te nicht. Er sei aus Bauernstamm und gehöre 
auf die Erde wie alle seines Geschlechts. So 
war er Bauer geworden auf dem elterlichen 
Hof. Da aber der Vater gestorben und der älte 
ste Bruder Erbe und Hofbauer geworden, blieb 
ihm das Los eines Knechtes. Dazu aber oder 
sich an die Schürze eines begüterten Bauern- 
mädchens zu hängen, war er zu stolz. So hatte 
er sein Bündel geschnürt und war in die Welt 
gegangen, über das große Wasser bis nach Ar 
gentinien. Fünf Jahre hatte er sich dort herum 
geschlagen und seine beste Kraft nutzlos vertan 
und war dann heimgekehrt, demütig und mit 
leeren Taschen. Er war froh gewesen, im Han 
noverschen als Knecht unterkriechen zu können. 
„Sehen Sie", sagte er dazu, „das hatte ich 
inzwischen gelernt: es ist gleichgültig, wo wir 
stehen; aber lebenswichtig ist, daß wir stehen 
und unsere Stellung recht ausfüllen. Der 
Kärrner ist so notwendig wie der König. Auch 
das Knechtlein kann zum Herrscher werden, 
wenn es sich zum Herren und nicht zum Skla 
ven seiner Arbeit macht!" 
Ich staunte nicht mehr über den abgeklärten 
Greis, den die ertragreichen Jahre seines Le 
bens Reife und Weisheit gelehrt hatten. 
Ueber 40 Jahre war er ans dem Hofe geblie 
ben .Er hatte die Jungen seines Brotherrn in 
Zucht und Lehre genommen, daß sie zu echten 
Bauern aufwuchsen, war aber hernach auch 
nicht wie ein altes Stück Eisen beiseite gewor 
fen worden, da sein krummer Rücken und die 
schwachen Hände nicht mehr zu harter Arbeit 
taugten. Er bastelte und hantierte noch auf dem 
Hofe, was Brot und Kammer wert waren. 
Aber da nun der ruhigen Stunden mehr wur 
den, standen alte, eingedämmerte Erinnerun 
gen in ihm auf, die Tage der Jugend und die 
Heimat wurden wieder lebendig. Und auf ein 
mal war es wie ein Feuer über ihn gekom 
men: er wollte zurück in sein Heimatdorf, auf 
den elterlichen Hof. Auf der Geburtsstätte sei 
ner Ahnen sollte sich auch sein Kreis schließen; 
hier wollte er eingehen zu seinem Geschlecht. 
Und da hatte ihn der große Schmerz getroffen! 
Sein Bruder hatte den Hof verludert, und 
längst saß ein anderer Bauer auf dem Erbe 
seiner Väter. Das Dorf hatte sich in den 50 
Jahren gewandelt. Seine Erinnerungen fan 
den keine Stätte mehr, da sie ruhen konnten. 
Er war heimatlos geworden auf der Erde sei 
nes Geschlechts. Müde und zerschlagen hatte er 
das Dorf verlassen. Seine letzte Kraft war zer 
ronnen. So Hatte ich ihn gefunden. Und jaß nun 
neben ihm und bedachte, wie ihm zu helfen sei. 
Ein Gedanke kam mir. 
„Wie wär's", sagte ich, „fünf Minuten von 
hier steht mein Sommerhäuschen; könnten Sie 
das nicht die Woche über bewachen und das 
Gärtlein darum sauber halten! Eine übrige 
Kammer richte ich Ihnen dort gern ein. Und 
da ist dann auch ihr Heimatdörflein nicht fern!" 
„Herr, Herr! . . . stammelte es neben mir. 
Die Worte stockten, cch fühlte den Druck seiner 
alten Hand. 
Beschämt stand ich auf: „Sie sollen mir nicht 
danken; ich weiß, daß Sie mir noch viel zu 
geben haben, wofür die Kammer nur ein klei 
nes Entgelt sein kann! Und nun kommen Sie, 
meine Frau wartet sicher schon mit dem Kaffee 
auf mich!" 
E!» Rölibec, der wechselte 
Der Apotheker Robert Lotterio bekam einen 
furchtbaren Schreck, als er sich plötzlich einem 
Räuber gegenüber sah, der ihm eine Pistole 
auf die Brust setzte. Robert erkannte, daß ein 
Widerstand in diesem Falle unsinnig sei. Seuf 
zend griff er in die Kasse und überreichte dem 
Dieb eine 20-Dollar-Note. Das war das ein 
zige Geld, was er an diesem Tage eingenom 
men hatte. 
Robert aber glaubte seinen Augen nicht 
trauen zu dürfen, als der Dieb in die Tasche 
faßte und 15 Dollar hervornahm und sie auf 
den Kassentisch legte. „Ich brauche nur noch 
5 Dollars!" flüsterte der Dieb mit heiserer 
Stimme, steckte die 20-Dollar-Note ein und ver 
schwand. Robert Lotterio aber war so ver 
blüfft, daß er die Polizei erst alarmierte, als 
der wechselnde Bandit längst verschwunden 
war.
	        
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