Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang, 
129. Jahrgang, 
Renüsburger DrgeblnLt 
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Das nationale Beförderungsmittel 
tzs§ DKne» 
in seinem Landhaus an der Apenrader Förde 
gestorben. Bei dem Empfang des dänischen 
Königspaares, das am Sonnabend Apenrade 
besucht hatte, hatte sich Haussen eine Erkältung 
zugezogen, die zu einer Lungenentzündung 
führte. 
Hanssen, der auf der Insel geboren war, war 
Herausgeber des in Apenrade erscheinenden 
Blattes „Hejmöal", das sich wiederholt durch 
gehässige Ausfälle gegen das neue Deutschland 
auszeichnete. Von 1896—1908 war er Mitglied 
des Preußischen Abgeordnetenhauses. Von 1906 
bis zum Herbst 1918 gehörte er auch dem Deut 
schen Reichstag an. 
Hanssen hat sich gegen Kriegsende und vor 
allem nach dem Kriege sehr für die Lostren 
nung Noröschleswigs von Deutschland einge 
setzt.' Nach der Abtrennung Noröschleswigs 
wurde er in der demokratischen Regierung 
Zahle als Minister für die nordschleswigschen 
Angelegenheiten aufgenommen. 
Die Kopenhagener Presse widmet Hanssen 
ausführliche Nachrufe, in denen er als unbe 
strittener Führer des Dänentums in Nord- 
schleswig bezeichnet wird. 
dm belgische Mimtt zuMgelrelen. 
DNB. Brüssel, 26. Mai. Das belgische 
Kabinett ist zurückgetreten. Am Dienstag um 
17 Uhr trat der Ministerrat zusammen, um zu 
der durch das Ergebnis der Neuwahlen ge 
schaffenen Lage Stellung zu nehmen. Nach kur 
zer Beratung wurde beschlossen, dem König 
den Rücktritt des gesamten Kabinetts zu un 
terbreiten. Ministerpräsident van Zeeland be 
gab sich sofort zum König, um diesem den Be 
schluß des Kabinetts mitzuteilen. 
Bon nuferem DŞS-Korrespondenten 
Ab und zu erscheint aber selbst dem Dänen 
die Verkehrsordnung der Innenstadt reform 
bedürftig,' dann tauchen Pläne auf, die den 
Radfahrer aus diesem Bezirk ausschließen 
wollen, die Einbahnstraßen verlangen oder 
dergleichen. Bisher sind jedoch kaum Ein 
schränkungen durchgeführt worden,' man hat 
sich bemüht, einzelne Strecken bei besonderen 
Gelegenheiten abzuriegeln und dann die be 
treffenden Straßen durch aufgestellte Schilder 
für den Wagen- und Radfahrverkehr gesperrt. 
Außerhalb des Stadtzentrums jedoch wird 
nach bestem Können für das in allen Schichten 
der dänischen Bevölkerung beliebte Fahrrad 
gesorgt. Es sind vorzügliche Fahradwege an 
allen Ausfallstraßen der Stadt Kopenhagen 
angelegt, die den Berufstätigen die Möglich 
keit bieten, auf diesem billigen Beförderungs 
mittel in ganz kurzer Zeit den Weg zwischen 
Wohn- und Arbeitsstätte zurückzulegen. 
Sv kann man gut verstehen, daß das Fahr 
rad für den Dänen ein unentbehrliches Werk 
zeug ist, dem er vieles verdankt, gerade in 
der heutigen Zeit, wo auch die dänische Jugend 
Kopenhagen, Ende Mai 1936. 
NG. Dänemark ist sicherlich das Land, in 
öem der Gebrauch des Fahrrades die größte 
Ausdehnung erhalten hat, so daß man beson 
ders bezüglich des Kvpenhageners sagen 
wnnte: er wird mit dem Fahrrad geboren. 
. Wenn man bedenkt, daß die Hauptstadt mit 
îhren nicht ganz 800 000 Einwohnern zirka 
*00 000 Fahrräder beherbergt, so spricht diese 
Tatsache für sich. 
Bei der durchweg ebenen Lage von Stadt 
^ud Land bietet Dänemark naturgemäß die 
festen Vorbedingungen für die Benutzung des 
Fahrrades als billiges Beförderungsmittel; 
ks hat vielleicht auch dazu beigetragen, daß 
ganz besonders der Kopenhagener schon früh 
zeitig einen Zug nach Luft und Sonne ver- 
lpürt hat und sich dementsprechend bald ein 
»iing von Garten- und Villensiedlungen um 
èie Innenstadt legen konnte. 
Sobald die Frühjahrssonne nach dem end 
los langen nordischen Winter mit seinen kal- 
Winden den Aufenthalt im Freien behag 
licher macht, setzt namentlich an Abenden, so- 
Aie am Wochenende und den Feiertagen ein 
starker Strom ins Freie hinaus ein, in dem 
Ae Radfahrer eine große Rolle spielen, 
schwer bepackt mit Zelten und Kochgerät 
àieht alt und jung ans dem Stahlroß hinaus, 
b>n an der Küste, im Wald und am Ufer der 
Ichön gelegenen zahlreichen Seen die freie Zeit 
SU verbringen und neue Kraft für die All- 
iugsarüeit zu suchen. . 
Die geschilderten Verhältnisse machen es 
verständlich, daß durch sie bestimmte Ebbe- 
gud Flutzeiten des Radfahrverkehrs bedingt 
werden; diese erreichen am Morgen zwischen 
^ und 9 Uhr und am Nachmittag nach Ge- 
lchäftsschluß gegen 5 bis 6 Uhr ihren Höhe 
punkt. Es ist fast so, als ob zu diesen Zeiten 
gg«z Kopenhagen auf dem Fahrrad sitzt, — 
Berkehrszählungen ergaben, daß manche 
Punkte der Stadt von 30 000 bis 40 000 Nad- 
iahrern in jeder Richtung passiert werden. 
Aber auch im Laufe des Tages ist das 
Stadtbild von Radfahrern stark belebt. Eine 
wpische Erscheinung ist der „Radfahrbote" — 
An Junge — von 15 bis 18 Jahren —, der 
Ast geradezu verblüffender Geschicklichkeit auf 
llinem Rade durch den dichtesten Verkehr in 
'wttein Tempo hindurchfindet. 
Ein Kapitel für sich sind die Spezialräder 
A't kleinerem Vorderrad und darüberliegen- 
Am Gepäckträger. Diese Fahrzeuge und die 
Wenfalls sehr beliebten Dreiräder für Lasten- 
Aförderung, die unvorstellbare Dimensionen 
MNehmen können, erfreuen sich der ganz be 
bilderen Abneigung der Automobilfahrer. 
Zwischen Radfahrer und Chauffeur besteht 
immer ein ausgesprochen frenndschaft- 
Ues Verhältnis, da die ersteren bei ihrem 
Aassenauftreten stir den Mann am Steuer 
Autos nicht gerade eine Berkehrserleich- 
sAung bedeuten. Daß nicht mehr llnglücks- 
^Ue vorkommen, ist wohl der Rücksichtnahme 
Aöer Teile zuzuschreiben, sorvie der außer- 
sdentlichen Geschicklichkeit, mit der beide Be 
förderungsmittel vom Dänen gchandhabt 
werden. 
Für einen Ausländer sind diese Verhältnisse 
vorstellbar. Man muß einmal an einem 
Zor- oder Nachmittag die sehr engen Straßen 
Kopenhagener Innenstadt durchfahren 
wben, um dies zu verstehen. Zu beiden 
^ltcn der Fahrbahn parken Personen- und 
sjBtwagen,' auf der schmalen Mitte bewegt 
3 An fast endloser Strom von Automobilen 
Luft, Licht und Wasser sucht, und bei Spiel 
und Sport ihre Freizeit in der Natur ver 
bringt. 
Trotz aller Fortschritte der Technik, trotz 
Verbilligung von Straßen- und Vorortbahn, 
wird auch in Zukunft das Fahrrad in dem 
flachen Jnselreich Dänemark seine Bedeutung 
behalten. 
Das Motorrad und Automobil sind ebenfalls 
stark verbreitet — auf 29 Einwohner kommt 
ein Kraftfahrzeug. 
Es wäre denkbar, daß das Leichtmotorrad 
bzw. Fahrrad mit Hilfsmotor bei den in 
Dänemark vorliegenden Verhältnissen eine 
Entwicklungsmöglichkeit besitzt. Zur Zeit je 
doch ist in dieser Richtung kein sichtbarer An 
satz vorhanden. 
H. Ķ Hanssen gestorben. 
DNB. Kopenhagen, 27. Mai. (Eigene 
Fnnkm.) Im Alter von 74 Jahren ist in der 
vergangenen Nacht der frühere dänische Mini 
ster H. P. Haussen nach 4tägigem Krankenlager 
Rückfall in Barbarei! 
Ausnahmesperre für die HI. 
Berlin, 27. Mai. Der Reichsjugendführer 
hat folgende Verfügung erlassen: „Im Jahre 
des deutschen Jungvolks sollte der Versuch un 
ternommen werden, alle 1»- bis 14jährigcn 
Jugendlichen für die Jugendbewegung Adolf 
Hitlers zu gewinnen. Die deutsche Jugend hat 
dem Aufruf der Hitler-Jugend so schnell 
Folge geleistet, daß meine zu Beginn des Jah 
res erhobene Forderung heute bereits erfüllt 
ist. Ich verfüge deshalb ab heute die totale 
Mitgliedersperre für alle Gliederungen der 
Hitler-Jugend (HI., DJ., BDM. und JM.j. 
Der nächste Eintrittstermin in die national 
sozialistischen Jugendverbände ist der 20. April 
1937. B a l d u r v o n S ch i r a ch." 
Es ist noch nicht lange her, daß die lettische 
Regierung durch einen Gewaltakt eine Reihe 
von deutschen Bereinigungen auflöste und ihr 
Vermögen beschlagnahmte. Dabei fielen den 
öffentlich-rechtlichen Körperschaften eine An 
zahl historisch wie künstlerisch sehr wichtiger 
und interessanter Bauten in die Hände. Unter 
anderem das Schwarzhäupter-Haus in Riga, 
das jeder Ostseefahrer kennt. In der deut 
schen Oeffentlichkcit ist wie in allen baltischen 
Staaten seiner Zeit Sturm gegen diesen Ge 
waltakt gelaufen worden. Man hat auf die hi 
storisch wie rechtlich unzweifelhaft feststehen 
den Rechtsansprüche der deutschen Vereinigun 
gen an diesem Gebäude hingewiesen. Es hat 
nichts genutzt. 
Jetzt hören wir aus lettischen Blättern 
eine neue Nachricht, die so unglaublich klingt, 
daß man sie zunächst überhaupt nicht für mög 
lich halten würde, wüßte man nicht um den 
hemmungslosen, fanatischen Haß, der dahinter 
steht. Es heißt, die enteigneten Gebäude hät 
ten einen so „geringen künstlerischen Wert", 
ihre Unterhaltung wäre so teuer, daß sie ab 
gerissen werden müßten. Das kleine lettische 
Volk gelangte erst im vergangenen Jahrhun 
dert überhaupt zu einer eigenen Schriftsprache. 
Welch drollige Wortschöpfungen dabei heraus 
kamen, wissen die seltenen außerlettischen Ken 
ner dieser Sprache. Aber auch dem eifrigsten 
lettischen Kunsthistoriker ist es bis jetzt noch 
nicht gelungen, eine Kunstgeschichte seines Vol 
kes zu schreiben, weil alles in diesem Laude 
an großen baulichen Schöpfungen von den 
Deutschbalten geschaffen worden ist. Es ist keine 
Schande für ein Volk, klein zu sein und erst 
spät zu einem Eigendasein erwacht. Das letti 
sche Volk würde darin das Schicksal sehr vie 
ler anderer Völker teilen, die zum Teil in 
überraschend schneller Zeit ihr kulturelles Ni 
veau dem weitaus größerer angeglichen ha 
ben. Aber eine Schande wäre es, wollte diese 
kleine Volksgruppe mit den nichtigsten, ja ge 
radezu lächerlichsten Vorwänden Kulturdenk 
mäler der Vergangenheit nur deshalb beseiti 
gen, weil sie nicht von Letten geschaffen wur 
den. In der ganzen Welt werden Unsummen 
für die Erhaltung, ja sogar für die Ausgra 
bung und Wiederherstellung von Bauwerken 
der Vergangenheit ausgeworfen. Welch ein 
edler Wettstreit ist zwischen den großen Kul 
turnationen entbrannt, um griechische und rö 
mische Altertümer zu retten, mochten sie auch 
in fremden Staaten liegen. Hier aber will ein 
kleines Volk aus politischen Gründen durchaus 
in die Fußtapfen der Bolschewisten in Moskau 
treten, um Nacheiferer der Bolschewisten in der 
Zerstörung von Zeugen einer Vergangenheit 
an werden, die dem heutigen Staat nicht paßt. 
Wie kleinlich! Wie unglaublich töricht aber 
auch! Zuerst Raub fremden Eigentums, das 
die deutschen Vereinigungen unter erheblichen 
Kosten in sieben Jahrhunderten gebaut und 
immer wieder erneuert haben, dann Zerstö 
rung, weil man sich vielleicht in den finanziel 
len Ergebnissen des Raubes getäuscht hat. Das 
Ganze ist ein Schlag in das Gesicht der euro 
päischen Kultur, der letzten Endes in voller 
Wucht nur zum Schaden Lettlands ausgehen 
kann. Es ist nicht ein Fehler, sondern weitaus 
mehr — eine Dummheit! 
Legaler Habsburger-Putsch? 
Nachdem die Habsburger-Frage in den letz 
ten Tagen etwas in den Hintergrund getreten 
war, kommen jetzt aus den politischen Kreisen 
der Schweiz Nachrichten, die um so sensatio 
neller wirken, als sie aus besten und sichersten 
Kreisen stammen sollen. Danach soll so etwas 
wie ein kalter legaler Habsburger-Putsch auf 
folgende Weise in Szene gesetzt werden. Wie 
erinnerlich, befindet sich seit kurzem eine Toch 
ter der früheren Kaiserin Zita, die „Erzherzo 
gin" Adelheid in Wien. Es soll nun geplant 
sein, daß diese in absehbarer Zeit „plötzlich 
erkrankt", und zwar will man dazu eine 
Blinddarmreizung „vorsehen". Die Sache soll 
dann von den interessierten Kreisen, die sich 
durchaus nicht etwa nur aus Legitimisten zu 
sammensetzen, als so ernst dargestellt werden, 
daß die Herbeirufung Zitas und des früheren 
Thronfolgers Otto „unbedingt erforderlich" 
werde. Sind diese beiden letzteren Habsburger 
erst einmal in Wien, so glaubt mau die übri 
gen Mächte wesentlich leichter vor eine voll 
endete Tatsache stellen zu können. 
Inzwischen ist auch bereits vom Bundes 
kanzler der Auftrag an die österreichischen 
Auslandsvertretungen gegeben worden, fest 
zustellen, wie eine solche Einreise Zitas und 
Ottos nach Wien bei den Mächten aufgenom 
men werden würde. Das Schreiben des Bun 
deskanzlers gibt dem österreichischen Gesand 
ten den Tip an die Hand, darauf hinzuweisen, 
es könne eine Lage entstehen, in der die An 
wesenheit der beiden genannten Habsburger 
in Wien „unbedingt erforderlich" sei. 
Es wird der österreichischen Regierung frei 
lich kaum leicht fallen, einen auch nur halb 
wegs triftigen Grund dafür anzugeben, daß 
die Habsburger in irgendeiner Situation „un 
bedingt" in Wien sein müßten. Aber das ist 
eine Sorge, die in erster Linie die Protekto 
ren des gegenwärtigen Oesterreich angeht, 
wenn die Gesandten den Auftrag des Bundes 
kanzlers ausführen. 
* 
Rückendeckung gegen die Heimwehropposition? 
Es wäre freilich denkbar, daß der Bundes 
kanzler in einem auf diese Weise bewerkstellig 
ten Import der Habsburger eine gewisse Rük- 
kendeckung gegen allzu oppositionelle Heim 
wehrkreise sieht. Schon in diesen Tagen soll 
zwischen ihm und der Heimwehrführung end 
gültige Klarheit im Wege einer Besprechung 
mit den Landesführern geschaffen werden. 
Schon vor dem letzten Aufmarsch der Heim 
wehr hat die Regierung sich durch Rückfragen 
bei den obersten Stellen der Polizei und der 
Landesverteidigung darüber Gewißheit zu 
schaffen versucht, ob Heer und Polizei im Falle 
einer etwaigen zwangsweisen Entwaffnung 
der Heimwehr als zuverlässig gelten könnten. 
Diese Frage erscheint insofern berechtigt, als 
nach allgemeiner Ansicht in Oesterreich etwa 
drei Viertel der Heimwehrführcr teils wegen 
der Ausbootung Starhembergs und teils we 
gen der befürchteten Entwaffnung unbedingt 
Opposition gegen die Regierung Schuschnigg zu 
treiben gedächten. Aber weder diese Opposition 
noch das restliche Viertel vermag für die Nach 
geordneten Heimwehrformationen gutzusagen. 
Kurz, eine plötzliche Rückkehr der Habsburger 
würde die innere Spannung in Oesterreich 
vermutlich bis zur offenen Krise steigern. 
«s|Y |U1l «uum VVU auu-mvvuui 
ue r zwischen denen Radfahrer, Radfahr- 
s : en Mtö Gepückräder mit großer Gewandt- 
fc,s bewegen. Und doch geht bei all diesen 
. noierigkeitcu fast nie die Ruhe verloren; 
r*rm'if+i'ri rrmtt tut etitÜCtt 
-bweg meistert man diese im gegenseitigen 
^Verständnis und durch Rücksichtnahme, 
auch Verstöße gegen die Verkehrs- 
Ģplin vorkommen, — ihre Zahl hält sich 
in bescheidenen Grenzen.
	        
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