Begin» des Prozesses über sittliche Verfehlungen
200 Franziskaner unter Anklage
S'rtfts*«*-». Osi .r. r »c ^ Ä .
DNB. Koblenz, 26. Mai. Vor der Dritten
Großen Strafkammer des Landgerichts Kob
lenz begann am Dienstagvormittag ein Pro
zeß gegen weit über 200 Angehörige des Fran
ziskaner-Bruderordens, denen schwerste sitt
liche Verfehlungen zur Last gelegt werden.
Es handelt sich nicht nur um schwerste sitt
liche Vergehen der Ordensbrüder unterein
ander, sondern auch an Pflegebefohlenen, die
in den Anstalten des Ordens untergebracht
waren, darunter Geisteskranken, sowie um die
Verführung zahlreicher minderjähriger Für
sorgepfleglinge, die zum Teil Beichtkinder der
Angeklagten waren, und schließlich um die Ver
führung junger Aspiranten. Die Straftaten
sind in sämtlichen Niederlassungen des Fran-
ziskaner-Bruderordens in Rheinland und
Westfalen vorgekommen. Die Zahl der ange
klagten Ordensbrüder müßte eigentlich noch
um etwa 60 höher sein. Die Fehlenden haben
sich jedoch durch Versetzung in die Niederlas
sungen des Ordens nach Holland ihrer Fest--
nähme entzogen. Ein großer Teil der Ange
klagten hat bereits umfassende Geständnisse
abgelegt.
Der Prozeß, der mehrere Monate bean
spruchen dürfte, wird in der Weise durchgeführt
werden, daß die Angeklagten laufend in Ein
zelprozessen sowie in kleinen Gruppen vernom
men und abgeurteilt werden, da die meisten
Angeklagten in anderen Fällen wieder als
Zeugen vernommen werden müssen.
Am Dienstagvormittag begann unter dem
Vorsitz von Landgerichtsdirektor von Koolwyk
der erste Prozeß gegen den 46jährigen Fran
ziskanerpater Bernhard Steinhoff, genannt
Bruder Leovigill, zuletzt im Franziskaner-
Kloster in Warendorf (Westfalen), gegen den
28 Jahre alten Wilhelm Schröder aus Kohl
scheid bei Aachen, den 19jährigen Fritz B. ans
Warenöorf und den 18jährigen Heinrich B. aus
Warendorf.
Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Hat
tingen (Bonn). Zur Verteidigung sind fünf
Rechtsanwälte erschienen. Bei der Verhand
lung waren zugegen: OberlandesgerichtSprü-
sident Dr. Bergmann (Köln) und General
staatsanwalt Windhausen (Köln) sowie als
Vertreter des Reichsjustizministeriums Ober
regierungsrat Dr. Dörner (Berlin) und
1. Staatsanwalt Dr. Joel-Berlin.
Der angeklagte Franziskanerpater Steinhoff,
der sich seit Dezember 1938 in Untersuchungs
haft befindet, wird beschuldigt, in der Ordens
niederlassung Waldbreitbach sowie anderen
Ordensanstalten durch vier selbständige Hand
lungen als geistlicher Lehrer und Erzieher mit
minderjährigen Schülern und Zöglingen un
züchtige Handlungen vorgenommen zu haben
und ferner in acht weiteren Fällen mit Perso
nen männlichen Geschlechtes widernatürliche
Unzucht getrieben zu haben. Die übrigen drei
Angeklagten werden beschuldigt, mit dem erst-
angeklagten Steinyoff homosexuellen Verkehr
getrieben zu haben.
Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor van
Koolwyk, erklärte zu Beginn der Verhand
lung: Es ist heute der Anfang der Verhand
lungen, die sich über mehrere Monate hin
ziehen und in denen wir über sittliche Verfeh
lungen der Angeklagten zu befinden haben, die
zum Teil ein Ausmaß erreicht haben, das auch
von uns nicht in diesem Umfang erwartet wor
den war und nicht erwartet werden konnte. Ich
möchte deshalb nicht nur die Zeugen, sondern
vor allem auch die Angeklagten nachdrücklichst
darauf aufmerksam machen, daß sie sich Milde
nur verdienen können, wenn sie die Wahrheit
sagen.
Sodann wurde der erste Angeklagte Bern
hard Steinhoff vernommen. Er ist 1889 in
Oelde (Westfalen) geboren, erhielt 1921 die
Priesterweihe in Paderborn. Von 1924 bis 1929
war er in dem Franziskaner-Kloster in Wald
breitbach, vom Mai 1929 bis zu seiner Ver
haftung im Jahre 1935 in der Niederlassung
Warendorf (Westfalen) als Seelsorger außer
halb des Klosters tätig, während er im Kloster
selbst die Aspiranten in Religion und Kirchen
geschichte unterrichtete.
Der zweite Angeklagte, der 1911 in Lünebach
(Eifel) geboren ist, sollte Metzger werden und
wurde 1926 (also mit 14 Jahren) auf Veran
lassung seines Onkels, der Ordensbruder war,
in das Franziskaner-Kloster Waldbreitbach
in die Lehre gegeben. Der dritte Angeklagte
kam 1931 als Metzgerlehrling in die Ordens-
nieöerlassung Warendorf, wo er Pater Stein
hoff, der inzwischen nach Warendorf versetzt
war, kennen lernte. Der vierte Angeklagte kam
1932 als 14jähriger zu einem Metzgermeister
in Warendorf in die Lehre, der Fleischliefe
rungen in das Franziskaner-Kloster hatte, bei
denen ihn Steinhoff kennen lernte.
Nach Abschluß der Vernehmung zur Person
wurde wegen Gefährdung der Sittlichkeit die
Oeffentlichkeit mit Ausnahme der Behörden-
und Pressevertreter ausgeschlossen. Der An
geklagte, Pater Steinhoff (genannt Leovigille),
bekannte sich schuldig und gab an, daß er'seine
Taten bereue.
Der Zweitangeklagte Schröder, der damals
in Walöbreitbach Bruder-Aspirant war, er
hielt nach seinen Angaben von Pater Leovigill
Geschenke, manchmal in Bargeld, auch dann
noch, als Schröder aus dem Orden ausgeschie
den war.
Schröder hat danach den Pater noch zweimal
im Kloster besucht. Schröder erklärte, seine Tat
gebeichtet zu haben und Reue zu empfinden.
Der Drittangeklagte Fritz B., der in seiner
Eigenschaft als Metzgerlehrling Fleisch ins
Kloster brachte, wurde ebenfalls öfter von Pa
ter Leovigill mit Pralinen, Zigaretten und
Geld beschenkt. Als B. krank war und zu Bett
lag, besuchte Pater Leovigill den 14jährigen
jungen Menschen und verging sich an ihm. In
der Zelle des Paters kam es zu Trinkgelagen.
In ähnlicher Weise fand der Verkehr des
Paters Leovigill und des ebenfalls noch ju
gendlichen Angeklagten Heinrich Br. statt. Die
Einwände der Jugendlichen über ihr Trei
ben beschwichtigte der Pater mit dem Hinweis,
das könne man wieder gut machen, wenn man
älter sei.
1935 wurden die Angeklagten verhaftet und
in das Witticher Gefängnis eingeliefert. Be
zeichnend ist, daß der Pater Leovigill den Ju
gendlichen den Rat gab, niemals etwas zu
zugeben und unter Umständen auch zu beschwö
ren, daß nichts zwischen ihnen passiert sei.
Als erster Zeuge wurde sodann der 53 Jahre
alte Ordensbruder Rudolf Ankerer, genannt
Bruder Erhard, aus dem Mutterhause der
Franziskanerbrüder in Waldbreitbach ver
nommen, der seit 1929 Generalsekretär der
Franziskanerbrüder ist. Er sagte über die all
gemeinen Verhältnisse und Zustände in den
Niederlassungen der Franziskaner-Brüder
aus. Die Pater hätten das Gelübde der Keusch
heit und der Armut abgelegt. Der Zeuge hat
s. Z. trotz der haarsträubenden Verfehlungen
der Ordensbrüder die Herausgabe der Perso
nalakten der Beschuldigten verweigert mit dem
Hinweis, daß über die grundsätzliche Frage der
Aktenherausgabe durch Vermittlung des Bi
schofs von Trier um Auskunft in Rom nach
gesucht werden solle.
Als letzter Zeuge vor der Mittagspause
wurde der Arbeitgeber des jugendlichen An
geklagten Fritz B., ein Metzgermeister aus Wa-
renüorf, vernommen, der bekundete, daß Pater
Leovigill oft in die Fleischerei gekommen und
nach dem Jugendlichen B. gefragt habe, jedoch
hätten weder er noch seine Frau etwas von
dem schändlichen Vorhaben des Paters gewußt.
Er habe solche Ehrfurcht vor dem Ordenskleide
gehabt, daß er auf einen solchen Gedanken auch
nie gekommen wäre.
Sgdann trgt die Mittagspause/, bis 45 Uhr
ctit. - . V ''. -. 7 V ,
Nach der Mittagspause
wurde der 27jährige ehemalige Franziskaner-
Bruder Kilian Matthes, genannt Bruder La
dislaus, der aus der Untersuchungshaft vor
geführt wird, als Zeuge vernommen. Er hat
1926 als Bruder-Aspirant in der Ordensnie-
öerlassung Waldbreitbach den erstangeklagten
Pater Leovigill kennen gelernt, und ist von
diesem, der ihm Unterricht in Katechismus er
teilte und gleichzeitig sein Beichtvater war,
mißbraucht worden. 1931 trat Matthes aus dem
Franziskanerorden aus.
Aehnlich liegt der Fall bei dem ehemaligen
Franziskanerbruder Alfons Schils, genannt
Bruder Wibald, der jetzt 24 Jahre alt ist und
sich ebenfalls zur Zeit in Untersuchungshaft
befindet. Erschwerend ist, daß Pater Leovigill
dem Bruder Wibald, dessen Lehrer und Beicht
vater er war, nicht nur Alkohol gab, sondern
auch unzüchtige Photos gezeigt hat. Schils ist
später ebenfalls aus dem Franziskaneroröen
ausgetreten.
Auch der 25 Jahre alte ehemalige Franzis-
kanerbruöer Hans Broß aus Laupheim
(Württemberg), genannt Bruder Alexander,
gab zu, im Kloster Waldbreitbach mit dem An
geklagten Steinhoff verkehrt zu haben. Der
Zeuge, der sich ebenfalls in Haft befindet, be
kundete, daß er innerhalb dreier Jahre in
sieben Ordenshäusern'gewesen sei und überall
derart anormal veranlagte Pater und Ordens
brüder vorhanden gewesen seien, insbesondere
in Ebernach (Kreis Cochem), Walöbreitbach
(Kreis Neuwied), Bingen, Kreuznach, Wald-
niedl und Warendorf. Im übrigen hat Broß,
ebenso wie diebeiden vorhergehenden Zeugen,
eingestanden, auch mit zahlreichen anderen Or
densbrüdern verkehrt zu haben.
Der 27 Jahre alte Zeuge Walter Kaiser, der
sich in der Heil- und Pflegeanstalt Andernach
befindet, kam 1922 infolge einer Kopfgrippe als
Pflegling, 14jährig, in die Ordensniederlassung
in Walöbreitbach. Der Zeuge, der einen stark
zurückgebliebenen Eindruck macht, ist, wie er
angibt, von mehreren Ordensbrüdern, u. a.
den Brüdern Emmeran, Expeditus und Ri
chards sowie von Pater Leovigill mißbraucht
worden.
Der Staatsanwalt teilt sodann mit, daß
gegen Steinhoff noch eine Nachtragsanklage
wegen sittlicher Vergehen gegen einen minder
jährigen Schüler erhoben worden ist.
Zum Schluß der Beweisaufnahme wird noch
mals der Generalsekretär, der Franziskaner-
bruder Ankerer (Bruder Erhard), vernommen.
Er sagt aus, daß der damalige -Generaloberer
Vom Aufruhr zum Krieg iu PMstim
.Oft — «o — — ìt» . . vs . ' • /V* . _ ....
Ob man es nun Krieg oder Guerillakrieg
nennt, bleibt sich gleich — in jedem Fall ist die
Lage in Palästina aus dem Stadium der täg
lichen blutigen Zwischenfälle nunmehr in den
offenen bewaffneten Kampf der Araber gegen
die Engländer übergegangen. Auch unsere
Hinweise auf die Bildung regulärer arabischer
Kampftruppen werden durch die neuen Mel
dungen vollauf bestätigt. Zum ersten Male im
Verlauf der britischen Mandatszeit in Palä
stina ist jetzt eine geschlossene arabische
Maschinengewehrabteilung im Gefecht gegen
Engländer aufgetreten. Ferner erfolgte ein
planmäßiger Feuerüberfall arabischer Scharf
schützen auf ein ganzes englisches Militär
lager (!). Zu gleicher Zeit müssen ganze
britische Stadtteile im ganzen Lande vor der
anstürmenden Menge geräumt und die eng
lische Bevölkerung in Polizeikasernen unter
gebracht werden. Mit einem Wort, weder
die englischen Truppendemonstrationen noch
die Zwangsverschickung der Bürgermeister
haben irgendeinen Eindruck auf die arabische
Bewegung gemacht, die nunmehr zum offenen
/Krieg übergegangen ist.
Gefährliche Löge in Palästina.
Polizeiabteilung zum Rückzug gezwungen.
DNB. London, 26. Mai. Wie aus Jerusalem
gemeldet wird, suchten am Dienstag mehrere
Flugzeuge das Hügclgelände im Bezirk von
Nablus nach bewaffneten arabischen Banden
ab.
Der „Evening Standard" berichtet, daß
mehrere dieser Banden einen Uebersall auf
ein Militärlager versucht und eine Patrouille
beschossen hätten. Andere zerstörten die Ernte,
die Telephonleitungen und die Eisenbahn
gleise. Die Gesetzlosigkeit im Lande habe
einen Zustand erreicht, der fast an einen
bewaffneten Aufstand grenze. Britische
Polizei, die mit Maschinengewehren aus
gerüstet war, wurde heute am Fuße des
Berges Tabor im unteren Tal von Galiläa
zum Rückzug gezwungen.
Sie hatte drei arabische Schäfer, die jüdische
Felder zertreten hatten, verhaftet, als eine
Bande von etwa 250 Arabern heranrückte, die
aus großer Entfernung das Feuer eröffnete.
Da die Polizei zahlenmäßig erheblich in der
Minderheit war und außerdem von den
Arabern in der Flanke bedroht wurde, zog sic
sich, dem Bericht zufolge, nach Mescha zurück,
um militärische Hilfe herbeizuholen.
Bei ihrer Rückkehr stellte sie fest, daß die
Araber unter Mitnahme ihrer Verwundeten
geflohen waren.
Reuter berichtet, in jüdischen Kreisen werde
die Verhängung des Kriegsrechtes verlangt.
Keine Nacht ohne Bombenwürfe.
In den Städten Palästinas vergeht keine
Nacht mehr ohne Bombenwürfe, so daß die
Bevölkerung unter dauernder Beunruhigung
gehalten wird. Dabei scheinen sich breite ara
bische Volksschichten an diesen Sabotageakten
zu beteiligen. So gewinnt auch der arabische
Generalstreik die Form eines regelrechten Auf
ruhrs. Obwohl das Militär und die Polizei
die Straßen täglich mehrfach von Nägeln säu
bern, blieben immer wieder die Kraftwagen
des Militärs, der Polizei und der Mandats
behörden mit zerstörten Reifen auf der
Strecke.
Die arabischen Arbeiter des Militärflug
platzes Ramleh sind in den Streik getreten.
Sie wurden durch Juden ersetzt.
In Tel Aviv wurde wiederum ein kommu
nistischer Stützpunkt ausgehoben, wobei acht
Personen verhaftet wurden.
Die arabische Zeitung „Jslamijah" wurde
wegen Aufforderung zum Beamtenstreik auf
14 Tage verboten.
des Ordens, Bruder Pankratius, 1934 gestorben
sei. Sein Nachfolger, Bruder Alfons, der ver
boten hatte, über die Verfehlungen zu sprechen,
halte gegenwärtig in Afrika Visitationen ab.
Sein Stellvertreter ist der Bruder Plazidus,
der in Deutschland wegen Meineides gesucht
wird und sich gegenwärtig in Rom aufhält.
Dieser Bruder Plazidus ist, bevor er ins Aus
land ging, bei den Franziskanerklöstern her
umgefahren und hat kleine Bruder-Konvente
abgehalten, in denen vertraulich gesagt wurde,
wer etwas ausgefressen hatte, solle sofort nach
den holländischen Niederlassungen gehen.
Der Anstaltsarzt
der Ordensniederlassung in Waldbreitbach,
Dr. Arthur Kost, bekundet, daß ihm nur zwei
Fälle von Verfehlungen bekannt geworden
seien,' der damalige Generaloberer Bruder
Pankratius, habe derartige Fälle aber nie ver
folgt, sondern sei darüber hinweggegangen.
Der Zeuge Broß teilt noch mit, daß er dew
Generaloberer seiner Zeit von den Verfeh
lungen schriftlich Kenntnis gegeben habe, daß
ihm aber sein Schreiben als Frechheit ausge
legt worden und nicht verfolgt sei.
Schließlich wurde noch der 61jährige Pater
Georg von der Heide, genannt Pater Mein
hard, vernommen, dem die westfälische Ordens
provinz untersteht. Er betont, daß einem
Manne wie dem Angeklagten Leovigill in Zu
kunft jede priesterliche Tätigkeit streng unter
sagt sei. Er könne im Orden kein Amt mehr
bekleiden, es bestehe außerdem die Möglichkeit,
ihn in einem regelrechten Prozeß aus dem
Orden auszustoßen. Ob es dazu komme, hänge
von der Entscheidung beim Pater-General bei
der Kongregation in Rom ab.
Als medizinischer Sachverständiger äußert
sich Dr. med. Eiden-Koblenz, daß der Ange
klagte für seine Straftaten voll und ganz ver
antwortlich sei. Es handle sich um einen hem
mungslosen, moralisch und sittlich verkomme
nen Menschen.
Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen.
Auf Antrag des Staatsanwaltes beschließt das
Gericht Vertagung auf Mittwoch vormittag
10 Uhr.
Kommunistische HeereZksnļrà
iu Iraàich?
Von Tag zu Tag mehr bekommt es der
Franzose zu spüren, was ihm die Regierun
gen Laval und Sarrant mit dem bolschewisti
schen Militärpakt eingebrockt haben und was
auf diesem Gebiet von der kommenden Re
gierung Blum zu erwarten ist. Nachdem vor
zehn Tagen der französische Kommunisten-
häuptling in öffentlicher Rede die Errichtung
von Gemeindesowjets als nächstes Ziel hin
gestellt hatte, verlangt die kommunistische Par
tei Frankreichs jetzt bereits ganz offen eine
kommunistische Kontrolle des Heeres, die na
türlich von Moskau aus beaufsichtigt werden
würde. Und zwar denken sich Nloskaus Ver
treter in Frankreich die Sache so, daß man ein
Ministerium der „nationalen" (!!) Verteidi
gung einrichtet, dem die drei Fachministerien
für Heer, Flotte und Luft zu unterstellen wä
ren. Von solcher Machtstellung aus soll dann
der kommunistisch-moskowitische Vertrauens
mann allmählich das Heer und vor allem das
Offizerskorps von allen vaterländischen Ele
menten säubern und in absehbarer Zeit die
gesamte Streitmacht Frankreichs zu einem zu
verlässigen Werkzeug des Bolschewismus
machen.
Falls sich die Regierung Blum für diesen
kommunistischen Plan breitschlagen läßt, kann
re des schärfsten Widerstandes der nationalen
Kreise der französischen Wehrmacht gewiß sein.
London. „Times" führen Beschwerde über
die italienische Propaganda in Palästina und
Aegypten.
Memel. Bei der Staötverorönetenwahl er
oberten die Memelländische Gemeinschafts
liste 25 Sitze, die vier litauischen Parteien 1k
Sitze, die drei Splitterparteien zusammen drei
Sitze.
Paris. Leon Blum wendet sich im Populair
gegen die unsinnige Gerüchtemacherei hinsicht
lich der voraussichtlichen Zusammensetzung sei
ner Regierung.
Alle Kommunisten in Wallonie»
Senatsrvahlen in Belgien
DNB. Brüssel, 26. Mai. Am Dienstagabend
wurde das Ergebnis der Wahlen zum belgi
schen Senat bekanntgegeben, die am letzten
Sonntag gleichzeitig mit den Kammerwahlen
stattgefunden haben.
Die Katholische Partei hat acht Mandate ein
gebüßt. Während sich die Liberalen und Sozia
listen halten konnten, haben der Nationalflä
mische Block vier, die Rexbewegung acht und
die Kommunisten, die bisher überhaupt nicht
im Senat vertreten waren, vier Sitze erobert.
Die Bedeutung des flämischen Wahlsieges.
Starken Eindruck hat in Brüssel außer dem
siegreichen Vorstoß der Rex-Bewegung der
große Erfolg der Flamen bei den Neuwahlen
gemacht.
Die „Schelde", das Hauptorgan des flämi
schen Radikalismus, faßt die Bedeutung dieses
flämischen Wahlsieges folgendermaßen zusam
men: Wir haben die Bresche, die wir schon in
den belgischen Einheitsstaat geschlagen hatten,
merklich erweitert, Wir haben dem französisch-
belgischen Militärabkommen den ersten Nacken-
schlag versetzt, von dem er sich nicht so leicht
wieder erholen wird. Wir haben bewiesen, daß
es unserem Volke ernst ist, wenn es fordert:
Los von Frankreich, los von Wallonien! Wir
haben mit klaren Wahlziffern dem Willen un-
scres Volkes Ausdruck gegeben, Herr über feit 1
eigenes Schicksal zu sein.
Ein Vergleich zwischen dem Wahlergebnis
Flandern und den wallonischen Landesteile«
ergibt, daß die katholischen Flamen in Flan
dern noch an der Spitze stehen, während in
Wallonien und in Brüssel die Sozialisten an
die erste Stelle gerückt sind. Es verdient her
vorgehoben zu werden, daß die Kommunisten
in Flandern, wo sie schon bisher keine Vertre-
tnng hatten, keinen einzigen Sitz erobern
konnten, während ihnen in Brüssel und de«
Wallonei sechs neue Mandate zugefallen fi«^
Die Flandern rechnen bekanntlich zu den
Germanen, die Wallonen zu den Romanen.